DVD-Tipp: Verdrängung und Verklärung

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Kaum ein spiritueller Lehrer ist so umstritten wie Bhagwan Shree Rajneesh, der sich später „Osho“ nannte. Von Tausenden als Erleuchteter verehrt und in den 1970er Jahren von den Medien als Rolls Royce-Sammler oder „Sex-Guru“ abgestempelt, erregt er bis heute das öffentliche Interesse. 

Ein aufschlussreicher Dokumentarfilm zeigt die Licht- und Schattenseiten der Bewegung: „Guru – Bhagwan, His Secretary & His Bodyguard“ beschäftigt sich mit der persönlichen Geschichte zweier Zeitzeugen und engen Vertrauten Bhagwans, seiner Sekretärin Sheela Birnstiel und seinem Leibwächter Hugh Milne. Dabei geht es den Schweizer Filmemachern Sabine Gisiger und Beat Häner nicht um historische Chronologie, sondern um die Motive der Menschen, die sich den Guru verehrten. In ausführlichen Interviews mit Sheela und Hugh, ergänzt von beeindruckendem Archivmaterial, unternehmen die Regisseure „eine spirituelle Reise in die Tiefen und Untiefen der menschlichen Seele“ – so der Untertitel des Films. Während Hugh abgeklärt über seine anfängliche Faszination berichtet, die sich im Laufe der Jahre anhand der Alltagsrealität im Ashram entzauberte, verstrickt sich Sheela in eine Mischung aus Verdrängung und Verklärung. Dies betrifft besonders ihre Rolle beim Scheitern der Bhagwan-Kommune im US-Staat Oregon, die der wachsenden Bewegung von 1981 bis 1985 als neue Heimat diente.

Ebenfalls interessant ist die Auseinandersetzung des Films mit der modernen Gesellschaft, die Bhagwans/Oshos Lehren erneut aufgriff. Seine Bücher verkaufen sich nach wie vor gut, Yogastudios bieten die von ihm begründete Dynamische Meditation an. Die Lehren des Meisters sind offenbar stärker im (Unter-)Bewusstsein des Mainstream angekommen, als es sich der Guru vor 30 Jahren selbst träumen ließ.

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„Guru-Bhagwan, His Secretary & His Bodygard“ von Sabine Gisiger und Beat Häner, Pandora Film, ca.19 Euro.