Entspannt zusammen

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Shiva und Kali machen es vor: Das yogische Geheimrezept für eine funktionierende Partnerschaft liegt darin, regelmäßig eine Zwischenentspannung einzulegen.

Das Leben ist ein Würfelspiel
Die Erzählungen aus der Indischen Tradition habe ich immer toll gefunden. Die Götter haben keine weiße Weste, sondern machen immer wieder etwas, das eigentlich nicht geht. Shiva zum Beispiel betrügt seine Frau beim Würfelspielen, indem er heimlich sein drittes Auge benutzt. Als beide sich streiten, kommt Vishnu dazu und erklärt ihnen, es sei doch sowieso alles nur Illusion. Und die beiden erkennen, dass das Leben – wie ein Würfelspiel – unvorhersehbar ist und nicht zu kontrollieren. Und doch versuchen wir alle es natürlich immer wieder. Und landen in den schönsten Machtkämpfen.

Entspannung statt Kampf
Auch ein anderes Bild der beiden, das ich sehr liebe, ist hilfreich. Die Frau – diesmal in ihrem zornvollen Aspekt als Kali – hält siegreich ihre Waffe in der einen und den abgetrennten Kopf eines bösen Dämonen in der anderen Hand. Der Mann – in diesem Falle Shiva – liegt unter ihr, scheinbar tot. Yogis wissen natürlich: Er ist nicht tot. Er entspannt nur – in seiner Lieblings-Stellung Savasana. Schaut man genau hin, dann erkennt man, dass er auf einer grünen Wiese liegt, nicht auf dem hinter ihm befindlichen Schlachtfeld. Die Frau triumphiert, der Mann ruht sich aus. Das ist das yogische Geheimrezept für eine funktionierende Partnerschaft: Immer mal wieder eine Zwischenentspannung einlegen.

In sich selbst ruhend
Wenn Kali ihre wütende Maske aufsetzt, ändert das nichts an Shivas Liebe für sie. Er sorgt lediglich dafür, dass es ihm gut geht. Und das beeindruckt die Geliebte enorm. Ein richtiger Kerl, der sich nicht behaupten muss, sondern einfach in sich ruht. Mit dem könnte man glatt zusammenziehen. Mein Rat an die Männer: Yoga üben und lernen, sich zu entspannen. Zumindest für mich hat das funktioniert.

„Happy wife – happy home“ 
Die Legende sagt, dass Kali einmal so außer sich war, dass ihre Wut die ganze Welt zu vernichten drohte. Erst als Shiva sich tot stellte, und sie dachte, in ihrer Unachtsamkeit auf ihn getreten zu sein, kam sie zur Ruhe. So lassen sich auch am Wochenende in einer Zwei-Zimmer-Wohnung fast alle Streitigkeiten schlichten. Ein Mann wie Shiva fängt nicht an zu meckern. Stattdessen kocht er ihren Lieblings-Tee, lädt sie zum Essen ein, lächelt sie einfach an und nimmt sie in die Arme. Denn wenn ein Pol in einer Beziehung in Ruhe ist, kann der andere nachziehen. Dabei muss Shiva kein Pantoffelheld sein. Er weiß ziemlich genau, was er will. „Geht es meiner Frau gut, geht es mir auch gut“, sagt er sich. Oder wie es mein Vedanta-Lehrer einmal sagte: „Happy wife – happy home!“. Er war selbst verheiratet und wusste, wovon er redete. Und er ist es noch. In der vedischen Ehe versucht der Mann stets, die Gattin als Göttin zu verehren. Und die Frau sieht im Mann ihren Lehrer. Das klingt archaisch, aber kann – mit etwas Übung – wunderbar funktionieren. Und auch gegen die im Idealfall parallele Kombination Gott/Lehrerin ist überhaupt nichts einzuwenden . . .

Wenn man genau hinschaut, erkennt man, dass Shiva seine Geliebte sogar unterstützt, wenn sie schlechte Laune hat. Ein Liebesbeweis, der ihr Herz öffnet und beide einander so nahe zusammen bringt, dass alle anderen Götter neidisch werden. Aber auch die können von den beiden lernen. Schließlich ist das Leben ohnehin zu kurz, um lange zu streiten.


Auto: Ralf Sturm (www.ralfsturm.de)

Foto: unsplash.com