Mit Atem und Geduld – Richard Hackenberg über Yogatherapie

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„Die genaue Kenntnis der menschlichen Anatomie ist Voraussetzung für eine sichere und gesunde Yogapraxis“, sagt Richard Hackenberg. Für ihn ist es ein absolutes No-Go, Yoga zu unterrichten, ohne den menschlichen Körper zu kennen.

In den letzten Jahren hat sich Richard Hackenberg als erfahrener Yogalehrer deutschlandweit einen Namen gemacht: Viele Schulen fragen ihn mittlerweile als Co-Ausbilder an, um angehende Yogalehrer in Sachen Anatomie und Pranayama fit zu machen. Zusätzlich arbeitet er seit 15 Jahren als Yogatherapeut in München. Vor allem Menschen mit massiven Rückenbeschwerden finden den Weg zur Yogatherapie. In seiner Arbeit versucht er, das Wissen der westlichen Schulmedizin mit der indischen Yogalehre zu verbinden.

Im Gespräch mit YOGA JOURNAL erklärt er, wie wichtig es ist, die individuelle Anatomie jedes menschlichen Körpers zu respektieren. Und er betont, dass die Linderung von Beschwerden viel Geduld und Ausdauer erfordert.

Du hast schon viele Menschen yogatherapeutisch begleitet, vor allem bei Menschen mit Rückenleiden bist du sehr bekannt. Was fasziniert dich als Lehrer und Yogatherapeut am System des Yoga?
Yoga kann durch eine größere Sensibilität gegenüber dem eigenen Körper vieles zeigen, sofern man geduldig mit sich und seinen Baustellen umgeht. Manche Menschen verstehen ihren Körper schneller, andere brauchen länger. Im Yoga hat man alle Zeit der Welt – mehrere Leben! Ich behandle den Rücken mit Atem und Geduld.

Welchen Ansatz verfolgst du in deinen Einzelstunden?
Ich sehe mich nicht als Therapeut, sondern als Mentor, denn ich begleite die Menschen bei der Selbstheilung. Wenn zum Beispiel jemand seit Jahren Rückenschmerzen hat, stimmen mehrere Dinge nicht oder sind aus der Balance geraten – dann versuche ich, dem Menschen seine Selbstkompetenz zurückzugeben. Meist ist es ein liebevoller Weg zurück zum wahren Selbst. Er kann aber steinig sein, denn oft haben wir unser wahres Selbst schon früh verloren. Die einzige dann nötige Anstrengung ist der Wunsch, gesund zu werden. Manche haben sich schon zu sehr an ihre Zipperlein gewöhnt und wollen sie behalten …

Gibt es deines Erachtens einen Zusammenhang zwischen der Psyche und Körperbeschwerden?
Nichts kann innerhalb des Menschen voneinander getrennt werden. Die Nerven laufen durch den ganzen Körper, der Blutkreislauf ebenso. Ich kann nicht verstehen, weshalb man das eine vom anderen trennen sollte.

Im Frühjahr 2014 hast du deine eigene 200-Stunden-Ausbildung ins Leben gerufen. Worauf kommt es dir dabei besonders an?
Auf einen fundierte Anatomieunterricht und grundlegende Kenntnisse der Physiologie, Didaktik und Psychologie. Darauf, dass man lernt, Asanas mit der nötigen Genauigkeit auszuführen und anzuleiten sowie sich eine achtsame und selbstverantwortliche Yogapraxis aufzubauen. Und das alles natürlich komplett frei von Dogma und Guru.


Das gesamte Interview lesen Sie in der Yoga Journal Ausgabe 1/2015.