„Beauty is a state of mind“ – Wanda Badwal im Interview

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Wanda Badwal lebt ihren Traum und ist dabei fest verwurzelt.

„Lebe deinen Traum!“ Diesen Slogan aus der Castingshow „Germany’s Next Topmodel“ verwirklicht die ehemalige Teilnehmerin Wanda Badwal heute als Yogalehrerin und Fotografin auf Bali. Dort unterrichtet das Covermodel der aktuellen YOGA JOURNAL-Ausgabe im Studio „The Practice“ – gemeinsam mit ihrem Traummann…

Musicaldarstellerin, Schauspielerin, Model, Fotografin – bis hin zur Yogalehrerin – nicht der alltäglichste Werdegang. Was waren für dich die wichtigsten Schritte auf diesem Weg?
Ich bezeichne mich selbst als Suchende – ich war es mein Leben lang und werde wohl auch mit 80 noch Fragen stellen. Die Suche nach dem Sinn des Lebens, nach dem inneren Selbst, der eigenen Bestimmung und der Aufgabe als Seele in diesem Leben haben mich immer schon tief bewegt.

Aufgewachsen bin ich in einer alternativen Familie und Lebensgemeinschaft, wo ich schon früh mit Meditation, Spiritualität und der Magie des Unsichtbaren in Verbindung kam. Als Kind habe ich ganz selbstverständlich mit den Geistern und Elfen des Waldes gesprochen. Als Teenager habe ich mich dann mit den großen Fragen des Lebens beschäftigt, bin sonntags mit meiner Freundin in die katholische Kirche gegangen, habe mich mit Judentum, Buddhismus und Christentum auseinander gesetzt, bin zu Schweigeseminaren bei Williges Jäger auf den Benediktushof gefahren, habe seine Bücher gelesen und habe mit meinen Eltern ihren Zenmeister Baker Roshi besucht.

Parallel wurde ich zu dieser Zeit in der Schule fies wegen meiner Größe und meines „Anders seins“ gemobbt, mein Selbstwert war gering. Ein Freund von uns riet mir, meine Stärken und das, was mir geschenkt wurde, als Model zu nutzen. So habe ich mit 14 Jahren, also acht Jahre vor der Teilnahme an GTNM, begonnen, neben der Schule professionell als Model zu arbeiten und war früh finanziell unabhängig.

Mein Kindheitstraum war es allerdings, in andere Rollen zu schlüpfen und Geschichten zu erzählen. Nach meinem Abitur konnte ich mir meinen Kindheitstraum von der Musicalausbildung in Hamburg erfüllen und wurde an der Hamburger Stage School in Gesang, Tanz und Schauspiel ausgebildet. Nach der Teilnahme an „Germany’s Next Topmodel“ arbeitete ich erfolgreich als Model und Schauspielerin. Heute macht mir zusätzlich die Arbeit hinter der Kamera großen Spaß und setze meine eigenen Ideen in Shootings um.

Wann wurde Yoga für dich zum Lebensthema?
2007 zog ich von Hamburg nach Berlin und fand meine persönliche Zuflucht bei Spirit Yoga, wo meine Yoga-Reise begann. 2013 folgte meine erste Yogalehrer-Ausbildung bei Patricia Thielemann. Es war die beste Entscheidung meines Lebens, mich täglich dem Yoga zu widmen. Mein Weg von einem externen Fokus zu einem mehr nach innen gerichteten vertiefte sich. Es folgten weitere Ausbildungen als Pre- und Postnatal-Yogalehrerin, Aerial- und Fly High-Teacher Trainings, die Weiterbildung bei meinem Partner und Lehrer Octavio Salvado und schließlich der Umzug nach Bali – der perfekte Ort für ein einfacheres, entschleunigtes und mehr nach Innen gerichtetes Leben.

Dein Instagram-Account zeigt Yoga in wunderschöner Landschaft und die Innigkeit mit Octavio. Wie lässt sich hier ganz unyogischer Neid vermeiden?
Die sozialen Medien sind sicher ein Mittel, ein bestimmtes Bild entstehen zu lassen, da nehme ich mich nicht aus. Auch ich liebe es, „Mäuschen“ in anderer Leute Leben zu spielen und verspüre ein gutes Gefühl, wenn ich „likes“ unter meinen Bildern sehe. Allerdings finde ich es wichtig, das Ganze als Spiel zu sehen. Auf Bali lebe ich auf jeden Fall ein Traumleben, habe mit Octavio die Liebe meines Lebens gefunden und kann manchmal selber nicht fassen, dass das alles real ist.

Von einem solchen Leben träumen viele, empfinden das „Aussteigen“ als romantische Idee. Welche Schattenseiten gehören dazu?
Oh, was die romantischen Ideen angeht, bin ich ganz vorne mit dabei! Ich wollte schon immer eines Tages auswandern, auf einer tropischen Insel mit internationalem Flair leben, Meer, Sonne, Palmen und die große Liebe finden. Das habe ich erreicht, aber auch große Ängste durchlebt. Besonders für das Ego und die eigene Sein ist Auswandern eine große Prüfung. Man glaubt ja zu wissen, wer man ist, oder identifiziert sich über die Dinge und Menschen, die einen umgeben. Eine scheinbare Sicherheit, denn in Wahrheit ist ja bekanntlich das einzige Beständige der Wandel…

Die komplette Identität die man sich über Jahre aufgebaut hat, das soziale Netzwerk, die Freunde, Familie, finanzielle Sicherheit: Alles wird auf die Probe gestellt und eventuell auch weggewischt. Nach ein paar Monaten auf Bali hat es mich dann auch wie ein Schlag getroffen. Es sind große existentielle Ängste und Einsamkeit in mir hochgekommen. Freunde von mir, die schon lange auf Bali leben, sagen: Bali hat ein starkes Immunsystem. Entweder es spuckt dich sofort wieder aus oder es behält dich drinnen.
Bali hat mich in seinem Bauch behalten, aber es hat mich auch lange geprüft.

Wie viel in deinem Leben war von Planung, wieviel von Schicksal beeinflusst?
In unserem Yogastudio kann ich alle Blütenblätter meines Lebens zu einem bunten und sinnvollen Blumenstrauß zusammen bringen. Als ausgebildete Musicaldarstellerin bringe ich meine Fähigkeiten aus dem Tanz in eine Yoga Dance Stunde. Gesang und Musik setze ich im Kirtan um, und überhaupt betrete ich als Yogalehrerin jeden Tag eine „Bühne“, auf der Präsenz und Fokus ebenso wichtige Qualitäten sind wie in der Schauspielerei oder beim Modeln. Alles, was ich mir in meinem Leben erarbeitet habe, hat mir geholfen, dorthin zu kommen, wo ich jetzt bin. An Zufall glaube ich also nicht wirklich. Ich glaube, dass das, was in Übereinstimmung mit unserem Seelenweg „Mahad“ passiert von einer größeren, liebende Macht definiert und unterstützt ist. Außerdem glaube ich definitiv an das Gesetz der Anziehung. Alles im Universum ist Schwingung, Magnetismus. Was wir aussenden, ziehen wir wieder an oder es reflektiert auf uns zurück.

Im Blog eures Yogastudios sprichst du von „positivem Druck“, den du auf dich ausübst, um eine „höhere Vision“ deiner selbst aufrecht zu erhalten. Worin besteht hier der Unterschied zu dem Druck, dem du als Model und Schauspielerin unterworfen warst?
Castings, Vergleiche, Schönheitswahn und Absagen können das Gefühl auslösen, niemals gut genug zu sein. Das trifft viele Menschen tief im eigenen Selbstwert. Auch ich musste erkennen, dass dass Mediengeschäft auf Dauer nicht gesund für mich ist. Mit 28 stand ich durch die ständige Bewertung von Außen nahe am Burn Out. Unter „positivem Druck“ verstehe ich die Disziplin, Bewusstsein für die eigenen Gedankengänge und Muster zu bekommen. Für mich persönlich sind die eher ruhigeren Methoden wie Meditation oder Mondpraxis unerlässlich geworden. Ich liebe schnelles, dynamisches Yoga, aber es kann auch kontraproduktiv wirken. Man putscht den nervösen Geist eher noch mehr auf, als ihn zu beruhigen.

Stichworte „Optimierungswahn“ und „Körperkult“: Verfolgst du die Debatte um GNTM und den angeblich negativen Einfluss der Show auf die Selbstwahrnehmung junger Mädchen?
Den negativen Einfluss nur auf eine einzelne TV-Show zu schieben, finde ich zu einfach. Die gesamte Mode- und Medienlandschaft beeinflusst unser Schönheitsideal und trägt zum Optimierungswahn bei – als Symptom unserer Leistungsgesellschaft, dem ewigen Verlangen nach mehr und der geringeren Zufriedenheit mit dem, was wir schon haben und was uns geschenkt wurde. Mir liegt es sehr am Herzen, über Schönheit, Diätenwahnsinn und Optimierungswahn zu sprechen. Gerade bin ich dabei, eine Facebook-Seite zu erstellen, auf der ich meine entsprechenden Erfahrungen teilen möchte. Arbeitstitel: „Beauty is a State of Mind“.

Welches Fazit ziehst du heute aus der Teilnahme an „Germany’s Next Topmodel“?
Ich bin dankbar für die Erfahrungen, die ich bei GNTM gemacht habe, und möchte sie nicht missen. Ich denke, es war auf meinem Weg nötig, auch einmal voll in die Aussenwelt zu „schießen“, um dann zurück nach innen zu kehren. Vielleicht hätte mir ohne dieses Extrem die Dringlichkeit zu diesem Entwicklungsschritt gefehlt oder er wäre erst später gekommen.

Heute widmest du dich neben dem Yoga hauptsächlich der Fotografie.
Als Fotografin hab ich mit Fashion-Fotografie angefangen, habe aber ziemlich schnell gemerkt, dass mich auf perfekt retuschierte Bilder langweilen. Meine Arbeit hat sich dann mehr in Richtung Portrait und Lifestyle entwickelt, wo der Fokus mehr auf der Lebendigkeit und Lebensfreude der Menschen liegt als auf der Mode. Eine weitere Leidenschaft von mir ist die Hochzeitsfotografie, tja da geht es um die Liebe. Und da schließt sich der Kreis zum Yoga…

Auf welche Weise spielt „Schönheit“ also immer noch eine wichtige Rolle in deinem Leben?
Für mich fängt Schönheit vor allem im eigenen Kopf an. Yoga und Meditation helfen, sich der eigenen Gedanken bewusst zu werden, und nicht alles zu glauben, was man so über sich und andere denkt. Auch eine tägliche Praxis der Dankbarkeit unterstützt mich, durch eine „Brille der Schönheit“ in die Welt zu schauen. Ich danke Gott jeden Tag, wenn ich mit Octavio morgens auf dem Roller zu unserem Studio fahre. Ich empfinde dieses Leben und diese Fülle als Geschenk. Ziel des Yoga sollte sein, das Herz zu öffnen. Also gilt für mich der Satz: „Alles, was man mit Liebe betrachtet, ist schön.“

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Das aktuelle YOGA JOURNAL mit Wanda Badwal auf dem Cover erhalten Sie hier.


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Wandaful Photography & Wandaful Wedding


Fotocredit: (c) Wanda Badwal, Octavio Salvado