Ins Gleichgewicht mit Yoga-Coaching

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Im Alltag fühlen sich viele Menschen nicht selbstbestimmt, manche sind sogar so beschäftigt, dass sie nicht einmal mehr ihre Grundbedürfnisse wahrnehmen. Wenn die Life-Work-Balance verloren gegangen ist, kann Yoga-Coaching helfen. Die Therapeutin Andrea Weller erklärt, worum es dabei geht.

Andrea, was verstehst du unter Yoga-Coaching?
Die meisten Menschen kennen Gedanken wie: „Das kann ich nicht.“, „Streng’ dich doch mehr an.“ oder „War ich wieder faul.“ Solche Stimmen, die aus dem Innersten kommen, rauben häufig viel Energie und erschweren den Weg zu einem wohltuend ausgerichteten Geist (Bhavana).

Im Yoga-Coaching geht es darum, zu erkennen, woher diese Stimmen kommen, welche Funktion sie haben, welche (körperlichen) Reaktionen sie verursachen und wie man mit ihnen umgehen kann. Die Yogapraxis ist dabei ein aktiver und wichtiger Teil. In den Entspannungsmomenten beim Yoga wird das Coaching-Instrument „Inneres Team“ direkt und praktisch erfahren und die Verhaltensmuster dahinter werden aufgezeigt. Yoga-Coaching bietet die Chance, unmittelbar in den Dialog mit dem inneren Team zu gehen.

Wie läuft eine Yoga-Coaching-Sitzung ab?
Am Anfang führe ich ein Gespräch mit dem Coachee, in dem er seine Bedürfnisse, seine Herausforderungen und sein Thema definiert. Dabei ist die Vertrauensbbasis zwischen dem Coach und dem Coachee sehr wichtig. Yoga hilft, den Menschen ins Spüren zu bringen. Die Yogastunde selbst gliedert sich deshalb in die Themenbereiche Bewusstsein und Öffnen, Beobachten und Annehmen sowie Einordnen. In die klassische Struktur einer Yogastunde werden wesentliche Elemente des Coachings eingearbeitet, beispielsweise im Rahmen der Anfangsentspannung beim Bodyscan. Die Coachees sollen dabei ihre Gedanken hören und wahrnehmen, ich versuche sie durch eine achtsame und behutsame Moderation zu begleiten. Dieses Element aus dem Coaching fließt bewusst mit ein: Die Gedanken werden wahrgenommen, aber nicht wie häufig im Yoga ziehen gelassen.

Welche Techniken aus dem Yoga wendest du konkret im Coaching an?
Zum Beispiel kann jede Asana verändert und an die Bedürfnisse des Einzelnen angepasst werden. Ein extremer Kopfmensch, der sich nur spüren kann, wenn er seinen Körper spürt, sollte herausfordernde Flows üben, die genau auf ihn abgestimmt sind. Aber es geht nicht nur um Asanas – die Yogavollatmung etwa eignet sich hervorragend, um sinnbildlich einen Gang herunterzuschalten. Wenn jemand sehr emotional geprägt ist, erweist sich die Yogavollatmung als ein wunderbares Regulierungsmodul.

Inwiefern geht Yoga-Coaching über die kognitiven Ansätze eines klassischen Coachings hinaus?
Ein Yoga-Coaching findet nicht auf dem Sofa statt, sondern auf der Yogamatte. Coaching trifft auf Bewegung. Beim Yoga hat der Coachee verschiedene Möglichkeiten, die eigene Wahrnehmung zu lenken und einen Zugang zum Körper zu schaffen – so, wie dieser gerade ist. Oft muss eine Sensibilisierung erst trainiert werden, um mit dem eigenen Körper vertrauter zu werden und dessen Signale zu verstehen. Die Aufmerksamkeitsschulung kann über Bewegungsabläufe oder die Ausführung von Haltungen gelernt werden – das vermittelt Strukturen, inneren Halt und Stabilität. Über die Verbindung von Yoga und Coaching wird eine differenzierte Körperwahrnehmung erlebt und man erkennt, wie Denken und Fühlen den Umgang mit dem Körper beeinflussen.

Welche Qualifikation sollte ein Yoga-Coach mitbringen?
Selbstverständlich eine gute Yoga-Ausbildung mit viel Erfahrung. Dazu eine hochwertige psychologische Ausbildung, denn während der intensiven Betrachtung des inneren Teams und der unbewussten Handlungsmotivationen ist es wichtig, dass der Coach in der Lage ist, den Coachee auch durch schwierige und schmerzhafte Prozesse zu begleiten. Der persönliche Lebensweg des Coachs ist meiner Meinung nach ebenfalls ein wichtiger Aspekt.

Das gesamte Interview finden Sie in Heft 01/2015.


Ihre Yoga-Coachings bietet Andrea Weller unter anderem im Wellnessrefugium DAS KRANZBACH an. (www.lebensfreudemuenchen.de, www.daskranzbach.de)