Yoga-Pionierinnen: Asanas mit Allegrezza

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In unserer Reihe „Yoga-Pionierinnen“ stellen wir bedeutende Persönlichkeiten aus dem Yoga vor. Frauen, die Yoga in den Westen trugen und beharrlich dabei mitwirkten, Yoga femininer zu gestalten und Asanas, Meditation und Philosophie für jeden zugänglich zu machen.

Vanda Scaravelli (1908-1999) ist eine der Grandes-Dames des Yoga. Ohne vermutlich je auf einem Surfboard gestanden zu haben, sah sie die Yogapraxis als Übung darin, die Wellen des Atems und des Lebens anzunehmen. Individuelle Anmut und persönliche Freiheit sind bis heute Kernelemente des Scaravelli Yoga. Vanda Scaravelli war dafür bekannt, nur wenige Schüler auszubilden, dafür jeden einzelnen individuell. Bis heute kann man – wohltuenderweise – kaum von einer „Szene“ sprechen. Das von ihr inspirierte Yoga wird in Europa vor allem in Großbritannien und Italien unterrichtet. In Deutschland bieten hauptsächlich die Lehrerinnen Milena Willbrand (Aachen), Alke von Kruszynski (Hamburg) und Svenja Becker (Berlin) Scaravelli Yoga an.

Himmelhoch beugend
„Ich habe Vanda Scaravelli über zehn Jahre beim Üben beobachtet, und jedes Mal war es so, als sähe ich zum ersten Mal eine Rückbeuge. Ich sah und hörte zu, wie diese gleichzeitig kraftvolle und zierliche Frau Mitte 80 ihre riesigen Füße auf dem Boden platzierte und darüber sprach, Wurzeln zu schlagen. Anschließend bog sie sich mit einer ryhthmischen, wellenförmigen Bewegung weit nach hinten und erzählte von sich ausbreitenden Flügeln, hochfliegenden Vögeln und Liebe. Dann kam sie wieder hoch, um sich sofort wieder nach hinten zu beugen. Immer vor und zurück, als ob sie es für immer tun könnte.“
Esther Myers, enge Schülerin Scaravellis

Einfach sein: Yoga im Alter
„Yoga ändert nichts an unserem Alter, das ist einfach da. Oft schützen sich alte Menschen vor vielen Dingen und werden zusätzlich von anderen Menschen abgeschirmt – das kann dazu führen, sich vom Leben zu entfernen. Dadurch nutzen sie immer weniger von ihren Erinnerungen und den Fähigkeiten ihres Körpers. Arme und Beine sind jedoch da, um sie einzusetzen! Das sollte nicht auf morgen verschoben oder gar aufgegeben werden. Ziehen Sie sich nicht zurück, verlieren Sie nicht den Kontakt zu Menschen und zum Leben, das so viel zu bieten hat. Verlieren Sie nicht den Kontakt zur Schönheit. Manche Menschen haben die Tendenz, Ältere an den Rand zu drängen. Das ist nicht notwendig. Leben Sie, solange Sie am Leben sind! Teilen Sie Ihre Energie, Ihre Weisheit, Ihre Gefühle – aber verschleudern Sie sie nicht. Seien Sie einfach. Das ist sehr gesund.“

Vanda Scaravelli fand mit Mitte 40 zum Yoga und praktizierte bis zu ihrem Tod mit 91 Jahren täglich.

 

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Den gesamten Artikel über Vanda Scaravelli finden Sie im YOGA JOURNAL 6/2015


Fotoquelle: Rob Howard, Pinter & Martin