7 Yoga-Weisheiten für einen gelungenen Lebenswandel

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Diese sieben grundlegende Yogaweisheiten können Sie bei tiefgehenden Veränderungen in Ihrem Leben unterstützen.

Statistische Beweise habe ich zwar nicht dafür, aber ich bin fest davon überzeugt, dass man große Veränderungen in sein Leben einlädt, sobald man damit beginnt, Yoga zu üben und zu meditieren. Diese Veränderungen beginnen im Inneren: Vielleicht verschiebt die Praxis Ihre Definition von Integrität sich selbst gegenüber; vielleicht setzt sie eine tiefe Sehnsucht in Ihrem Herzen frei oder zeigt Ihnen Wahrheiten auf, die sie bisher vor sich selbst versteckt hielten.

Bald schon werden sich diese inneren Verschiebungen auch im Außen zeigen – sie werden Sie zum Nachdenken darüber anregen, wie Sie bestimmte Dinge in ihrem Leben angehen und Sie anspornen, Ihr Leben künftig anders zu gestalten. Vielleicht werden Sie bemerken, dass Ihre Yogapraxis einen mysteriösen Prozess in Gang gesetzt hat, den ich als „karmische Beschleunigung“ bezeichne. In anderen Worten: Eine regelmäßige Yogapraxis beschleunigt tendenziell die Art und Weise, wie sich Ihre Beziehungen und Ihr Lebensplan entwickeln. Anstatt also zehn Jahre lang in einem unbefriedigenden Job oder einer unglücklichen Beziehung festzuhängen, kann es sein, dass Sie das ganze Szenario nun innerhalb von zwei Jahren hinter sich bringen. Nicht, weil Sie so unentschlossen oder unverbindlich sind, sondern weil fast alle von uns, die regelmäßig praktizieren, früher oder später vor Entscheidungen stehen, die im Inneren ausgelöst werden und die unser Leben radikal umkrempeln können. An diesem Punkt lernen wir, unsere Praxis weg von der Matte und mitten in unser Leben zu bringen: Yoga unterstützt uns dabei, im Angesicht der Veränderungen unser wahres Selbst zu enthüllen, und hilft uns, die Angst und Verwirrung durchzustehen, die diese Veränderungen meist mit sich bringen.

All dies denke ich, während ich Rita zuhöre, einer 37 Jahre alten Yogastudio-Besitzerin, die bereits seit fünf Jahren darüber nachdenkt, sich scheiden zu lassen. Ihre 18-jährige Ehe fühlt sich schon seit langem vollkommen leblos an. Ihr Mann und sie verbringen kaum Zeit miteinander und wenn, dann streiten sie sich eigentlich nur. Ein Teil des Problems ist, dass ihre Leben einfach nicht zusammenpassen: Sie ist eine leidenschaftliche Yogini und Umweltaktivistin, er fängt beim Thema Spiritualität an zu gähnen und findet, dass der Klimawandel einfach nur eine unbewiesene Behauptung ist. Seit Jahren haben sie über nichts anderes mehr miteinander gesprochen als über Haushaltsangelegenheiten und ihre Tochter im Teenager-Alter. Dennoch: Ihre Ehe zu beenden würde für Rita bedeuten, ihr bisheriges Leben komplett aufzugeben. Seit 15 Jahren ist sie nun weg vom Arbeitsmarkt und hat keine Ahnung, wie sie ohne ihren Mann finanziell klarkommen sollte – ganz zu schweigen davon, wie sie ohne seine Unterstützung ihr Yogastudio weiterführen sollte. Außerdem denkt sie natürlich auch viel über das Wohl ihrer Tochter nach. Obwohl also ihr Bauchgefühl seit langem sagt, dass sie ihrem Leben eine neue Wendung geben muss, überfällt Rita ein Panikgefühl, wenn sie daran denkt, welche Konsequenzen ihre Scheidung hätte. Deshalb schiebt sie den Gedanken immer wieder beiseite.

Da ich selbst in meinem Leben einige radikale Veränderungen vorgenommen habe, ist es für mich nicht schwer, Ritas Gefühle nachzuempfinden. Mit Mitte zwanzig beendete ich eine unglückliche Ehe, mit Ende zwanzig gab ich eine erfolgreiche Karriere im Journalismus auf und verließ den Schoß meiner Familie und Freunde, um in einer spirituellen Gemeinschaft zu leben. Dreißig Jahre später verließ ich diese Gemeinschaft wiederum, zog ans andere Ende des Landes und begann ein neues Leben. In zwei dieser Situationen brauchte ich jahrelang, um meine Entscheidung schließlich in die Tat umzusetzen. Ich wollte sicher gehen, dass ich das Richtige tue, und – sehen wir der Wahrheit ins Auge: Lebensveränderungen sind angsteinflößend, besonders wenn auch das Leben anderer Personen betroffen ist und man nicht weiß, was einen hinterher erwartet. Bloß über eine Scheidung, einen Berufswechsel oder einen Umzug an das andere Ende des Landes nachzudenken, kann grundlegende Existenzängste hervorrufen, die sich auf vielerlei Weise im Außen zeigen können: als gesundheitliche Probleme, Albträume, Fluchtreaktionen wie übermäßiges Essen, anhaltende Unentschlossenheit oder ohne einen konkreten Plan zu handeln, um aus der Situation zu flüchten – einfach nur, um das Ganze hinter sich zu bringen. Ob Sie es glauben oder nicht, diese grundlegenden Existenzängste tauchen auch dann auf, wenn eine wichtige positive Veränderung im Leben bevorsteht. Studien zum Thema Stress zeigen, dass lebensbejahende Ereignisse wie Heirat, ein neuer Job oder eine langersehnte Chance häufig ebenso stressig sind wie negative (denken Sie nur an eine Braut, die kurz vor der Zeremonie in Tränen aufgelöst zusammenbricht, oder an einen jungen Mann, der ein vielversprechendes Stipendium in einer anderen Stadt sausen lässt, weil er seine Freunde zu Hause vermisst). Anders ausgedrückt: Veränderungen können uns auch dann Angst machen, wenn wir sie selbst aktiv vorgenommen haben. Was, wenn ich andere Menschen damit verletze? Wie komme ich damit zurecht, falls sich meine Entscheidung als absolut falsch herausstellt? Besitze ich die Fähigkeit, mit der Verwirrung und dem Chaos umzugehen, die der Veränderungsprozess womöglich auslöst?

Diese Fragen lähmen Rita und es sind genau die Fragen, die uns häufig an einschränkenden oder schmerzhaften Situationen festhalten lassen, so lange bis eine Kraft im Außen die Entscheidung für uns trifft. Yoga aber kann uns die Stärke und Einsicht schenken, die wir brauchen, um tiefgehende Veränderungen vorzunehmen. Ebenso wichtig wie die Yogapraxis sind hierfür einige yogische Grundsätze: Das Wissen, dass wir die äußere Welt durch unsere innere Einstellung beeinflussen, dass hinter der Vielfalt des Lebens eine fundamentale Einheit liegt, dass große Kraft aus der Stille entspringt, und dass unser wahres Selbst nicht diese wandelbare, ängstliche, egobezogene Person ist, die wir manchmal zu sein scheinen.

Ihre Praxis wird an diesem Punkt auf die Probe gestellt – jetzt zeigt sich, wie gut Sie Ihnen in Zeiten des Wandels dienen kann. Die Lehren des Yoga werden Sie nicht unbedingt davor bewahren, sich ängstlich, überfordert oder verwirrt zu fühlen. Aber sie können sich in Ihrem Inneren breit machen wie ein weiser Freund und Sie durch diese Gefühle hindurch begleiten, damit Sie sich nicht in ihnen verlieren. Sie können Ihnen sogar dabei helfen, zu vermeiden, dass Sie sich in Entscheidungsunfähigkeit oder überstürzte Entscheidungen verstricken. Im Laufe der Jahre habe ich die Angewohnheit entwickelt, mich in Zeiten des Umschwungs und der Verwirrung nach innen zu wenden und um Hilfe zu bitten. Meistens kommen dabei immer dieselben Weisheiten ans Licht – hier stelle ich Ihnen sieben wichtige Yoga-Lehren vor, die Ihnen dabei helfen können, mit radikalen Lebensveränderungen umzugehen.

1. Machen Sie sich bewusst, dass Wandel unvermeidbar ist.

Die buddhistische Lehre der Vergänglichkeit, Anicca, vermittelt uns, dass Wandel an sich notwendig, kontinuierlich und unvermeidbar ist. Alles verändert sich. Allein dies zu begreifen, kann uns vor der gängigen Reaktion auf Veränderung bewahren, die uns in eine Opferrolle verfallen lässt: „Warum ich?“ Das, was die Buddhisten als Vergänglichkeit bezeichnen, schreiben die tantrischen Yogis der sich immer verändernden Natur von Shakti zu. Als dem Leben innewohnende, dynamische Kraft verkörpert Shakti die kosmische, göttliche, weibliche Energie, die beständig Dinge manifestiert, diese für eine Weile bewahrt und schließlich wieder auflöst. Jeder Moment, jedes Unterfangen, jede Zelle ist Teil dieses natürlichen Flusses von der Entstehung über die Erhaltung bis hin zur Auflösung. Dieser Fluss findet auf makrokosmischer Ebene statt – als Wechsel zwischen den Jahreszeiten, zwischen Ebbe und Flut oder den Tageszeiten – und auf mikrokosmischer Ebene als Veränderungen in unserem körperlichen Befinden, Aufs und Abs in unserem Leben und wechselnde Gedanken und Emotionen in unserem Geist. Sobald Sie die göttliche Natur von Wandlungsprozessen erkennen, wird es Ihnen leichter fallen, dem Wandel mit Würde zu begegnen, sich ihm hinzugeben und sogar mit ihm zusammenzuarbeiten, während Sie Ihren Weg weiterverfolgen.

2. Sehen Sie die Veränderung als Initiierungsprozess.

In vielen Gesellschaften wurde früher traditionell jede Lebensphase als Initation in eine neue Art zu sein verstanden und meistens mit einer Zeremonie besiegelt, bei der man auf die ein oder andere Weise ins Unbekannte treten musste – ob es sich nun um ein Gebetsvigil, eine Nachtwache oder bestimmte zu beantwortende Fragen handelte. Heutzutage vollziehen wir zwar nicht immer eine Zeremonie, erfahren aber dennoch Initiierungen. Den Beruf zu wechseln, in eine neue Stadt zu ziehen oder noch einmal zu studieren, sind alles Initiierungserlebnisse, da sie einen auffordern, alte Gewohnheiten aufzugeben, seine eigenen Fähigkeiten zu prüfen und sich für einige Zeit ins Ungewisse zu begeben. Hinzu kommt, dass jede dieser Veränderungen Ihr Selbstverständnis auf subtile oder dramatische Weise neu definieren wird. Sie werden nicht mehr dieselbe Person sein, nachdem Sie aus der alten Situation in eine neue eingetreten sind. Die Veränderung selbst, sofern Sie sie bewusst erleben, ist Ihr Tor zu einer neuen Wachstumsstufe, die zu einer tieferen Beziehung mit sich selbst und der Welt führt. Um ein Beispiel zu nennen: Frances nahm mit 24 Jahren ein Jobangebot als Englischlehrerin in Seoul an und flippte regelrecht aus, als sie dann dort war – sie war vollkommen überfordert aufgrund ihrer Einsamkeit und des Kulturschocks. Was sie dazu brachte, dennoch zu bleiben, war die Erkenntnis, dass sie als „Fremde“ plötzlich die Möglichkeit hatte, sich von einem überholten Selbstbild zu befreien, und einen neuen Weg zu finden, ganz sie selbst zu sein. Wenn sich Ihr Leben verändert, sollten Sie auf ähnliche Weise versuchen zu erkennen, auf welch vielschichtige Art der Wandel Ihren Horizont erweitern, Ihnen einiges über sich selbst beibringen, Ihnen Ihre Grenzen sowie Möglichkeiten zu deren Verschiebung aufzeigen wird. Je mehr Sie die Veränderung als Initiierungsprozess akzeptieren, desto einfacher ist es, die (manchmal verborgenen) Geschenke darin zu entdecken.

3. Meditieren Sie sich durch die Ungewissheit hindurch.

Die tiefe Ungewissheit, die inmitten eines Wandlungsprozesses entsteht, ist vermutlich der erschreckendste Aspekt der Erfahrung. Weshalb? Weil eine wahrhafte Veränderung immer auch Überraschungen, Rückschläge, Fehlstarts und Einbahnstraßen beinhaltet. In diesen Momenten fühlt man vermutlich Angst, Ärger, Reizbarkeit, Trauer, Gram und körperliche sowie psychische Anspannung, die meist mit dem Gefühl von Ungewissheit und Unklarheit einhergehen. Der Bauch verkrampft sich und der Geist verfängt sich in einer Opferrolle: Er spinnt ein Worst-Case-Szenario aus. Oder Sie denken: „Ich habe einfach nicht das Zeug dazu.“ Oder: „Ich werde nie das bekommen, was ich brauche.“ Und der nächste Schritt ist fast immer irgendeine Form von Flucht. Sie schalten den Fernseher ein, essen etwas oder rufen einen Freund an, um zu jammern. Das wahre Gegenmittel gegen das unangenehme Gefühl der Ungewissheit ist allerdings, sich mitten hinein zu begeben anstatt davonzulaufen. Verbinden Sie sich damit, wie sich dieses unangenehme Gefühl in Ihrem Körper manifestiert. Lassen Sie es zu, dieses Gefühl tief zu empfinden. Lassen Sie die Geschichte los, die das unvermeidliche Gefühl von Unbehagen mit sich bringt, und bleiben Sie einfach präsent. Bleiben Sie bei sich und Ihren Gefühlen, ohne Widerstand oder Erwartungen. Je mehr Sie bewusst in der Ungewissheit verweilen können, desto natürlicher und effektiver können Sie den Wandel geschehen lassen. Es ist viel leichter im Angesicht großer Veränderungen stabil zu bleiben, wenn man eine regelmäßige Meditationspraxis etabliert hat, da uns die Meditation lehrt, wie wir immer wieder zu unserer inneren Mitte zurückkehren können. Diese Bewusstheit in unserem tiefsten Inneren ist die Verbindung zu unserem höheren Selbst, das das individuelle Bewusstsein mit dem universellen verbindet. Ihre Meditationstechnik kann dabei ganz einfach sein, etwa indem Sie immer wieder zum Atem zurückkehren oder ein Mantra wiederholen. Oder sie ist subtiler, zum Beispiel indem Sie sich auf die Bewusstheit einstimmen, die beobachtet, was Sie denken. Sie kann auch einen physischen Fokus besitzen, etwa mit der in das Herz geführten Atmung. Wichtig ist nur, dass Ihre Praxis Sie mit Ihrem innewohnenden Sinn für das (Da-)Sein in Kontakt bringt – mit der unvergänglichen Präsenz in Ihnen.

4. Entdecken Sie Ihre tiefste Sehnsucht.

Die Ergründung des Selbst, Atma Vichara, ist das Kernstück im yogischen Umgang mit Veränderungen. Dabei handelt es sich um eine simple, wenngleich äußerst effektive Vorgehensweise, sich selbst Fragen zu stellen wie: „Was ist meine wahre Sehnsucht in dieser Situation?“ Oder: „Welches Ergebnis wäre für alle Beteiligten am besten?“ Immer, wenn eine Antwort auftaucht, schreiben Sie sie auf. Anschließend sitzen Sie eine Weile, um zu meditieren, und beobachten Ihren Atem, bis Sie eine gewisse Verbindung mit Ihrer inneren Präsenz spüren können. Sagen Sie sich: „Möge mein höheres Selbst, der Lehrer in meinem Inneren, mir mitteilen, was ich tun soll.“ Stellen Sie sich anschließend noch einmal Ihre Fragen zur Ergründung des Selbst und schreiben Sie die auftauchenden Antworten ebenfalls auf – auch wenn sie Ihnen vielleicht seltsam vorkommen. Lesen Sie sich dann alle Antworten durch und versuchen Sie darin einen roten Faden zu erkennen, der Ihnen Aufschluss darüber gibt, was Ihr höheres Selbst für Sie möchte. Sich mit Ihrer tiefsten und wahren Sehnsucht zu verbinden, wird Ihnen dabei helfen, die nötigen Schritte in Ihrem Veränderungsprozess einzuleiten.

5. Setzen Sie sich eine starke Intention.

Der nächste Schritt ist, sich ein „Sankalpa“ zu überlegen – eine klar formulierte, affirmative Aussage darüber, wie Sie handeln möchten. In dem Moment, da Sie ein wahres Sankalpa formulieren, rufen Sie die Kraft hinter Ihrem eigenen Willen an und richten Ihren persönlichen Willen mit dem universellen aus. Nachdem Sie die Ergründung des Selbst geübt und ein Gefühl dafür bekommen haben, was Ihre tiefste Sehnsucht ist, sollte es Ihnen nicht schwer fallen, ein Sankalpa zu finden, das im Einklang mit Ihren wahren Wünschen steht. Je exakter die Übereinstimmung zwischen Ihrem Herzenswunsch und Ihrer Ausrichtung ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass Sie auf erfolgreiche und weise Art eine Veränderung in die Wege leiten, die mit Ihrer Ausrichtung übereinstimmt. Deshalb ist es natürlich auch wichtig zu verstehen, dass sich das Sankalpa mit der Zeit und den Umständen verändern wird. Zu einer bestimmten Zeit kann es zum Beispiel lauten: „Ich habe einen Job, den ich liebe und der es mir erlaubt, Zeit mit meinen Kindern zu verbringen.“ In einer anderen Lebensphase kann das Sankalpa heißen: „Ich gehe erfolgreich die notwendigen Schritte, um eine neue Wohnung zu finden.“ Und später vielleicht: „Ich heile meinen Körper und meinen Geist.“ Beachten Sie bitte, dass all diese Sankalpas in der Gegenwartsform formuliert sind – und zwar deshalb, weil ein Sankalpa nicht einfach nur ein Wunsch oder eine Absichtserklärung ist. Es ist vielmehr das Artikulieren der genauen Ausrichtung, die Ihr Ziel direkt in den gegenwärtigen Augenblick bringt. Das, was dem Sankalpa seine Macht verleiht, ist die Überzeugung, dass ein erwünschtes Ergebnis nicht erst eintreffen muss, sondern bereits existiert.

6. Werden Sie aktiv – und machen Sie jeden Schritt zu seiner Zeit.

Das Herz der Yogapraxis ist Abhyasa, das stete Bemühen, das zu erreichen, was man sich vorgenommen hat. Wenn Sie also vorhaben, etwas in Ihrem Leben zu ändern, machen Sie sich all die einzelnen Schritte bewusst, die Sie dafür gehen müssen. Dazu können Sie erneut die Technik zur „Ergründung des Selbst“ anwenden. Lassen Sie uns Rita noch einmal als Beispiel nehmen: Um sich die Stufen in ein neues Leben vorzustellen, könnte sie sich fragen: „Wo werde ich leben?“, „Welche Freunde werde ich haben und wer wird mich unterstützen?“, „Wie wird meine Tochter mit den Veränderungen klarkommen?“, „Welche anderen Einnahmequellen könnte ich außerhalb des Studios haben?“, „Wie werde ich die Studiomiete zahlen, falls mein Mann das nicht kann oder will?“ Über ihre Möglichkeiten und Perspektiven zu reflektieren, kann Rita dabei helfen, ihre Ängste auszuräumen und einen Plan zu entwickeln, selbst wenn sie noch nicht alle Antworten auf ihre Fragen hat. Nachdem Sie alle Aspekte durchdacht haben, ist es absolut notwendig, dass Sie auch zu handeln beginnen. Effektives Abhyasa im Yoga der Lebensveränderung bedeutet, einen Schritt nach dem anderen zu machen, um sich nicht überwältigt zu fühlen. Wenn man Ritas Plan betrachtet, finanzielle Unabhängigkeit von ihrem Mann zu erlangen, wäre der erste Schritt, mehr private Yogaschüler anzunehmen. Der zweite Schritt könnte ein Kurs in Konfliktbewältigung sein – ein Berufsfeld, in dem sie in der Vergangenheit bereits gearbeitet hat. Diese Maßnahmen geben ihr ein Gefühl von finanzieller Stabilität und zudem das nötige Selbstvertrauen, um mit ihrem Mann über eine Scheidung zu sprechen. Genau wie Rita werden auch Sie merken, dass die ersten kleinen Schritte unweigerlich zu den nächsten führen und dass sich als Konsequenz neue Möglichkeiten ergeben.

7.  Praktizieren Sie loszulassen.

Eine der positiven Nebenerscheinungen an einer Veränderung ist aus yogischer Sicht die Möglichkeit, Vairagya zu praktizieren – Nicht-Anhaften oder Loslassen. Es bedeutet, die Vergangenheit loszulassen, und die Dinge, wie sie wa- ren, aufzugeben. Es geht darum, Ängste, Schmerz, eine Beziehung oder einen Job loszulassen. Es bedeutet nicht, Dinge auf eine brutale Weise aufzugeben und sich selbst dazu zu zwingen, ein „Samurai des Wandels“ zu sein. Lassen Sie sich stattdessen den Schmerz erleben oder die Angst fühlen. Dann atmen Sie aus und stellen sich vor, dass Sie das, an dem Sie bisher festgehalten haben, zusammen mit dem Atem gehen lassen. Oder Sie schicken es mit einem Gebet hinaus ins Universum: „Ich schicke die Veränderung und alles, was damit einhergeht, hinaus. Möge das Ergebnis zum Wohle aller Wesen sein.“ Wiederholen Sie dieses Ritual so lange, bis Sie das Gefühl von Befreiung spüren können, welches Vairagya mit sich bringt. Meiner Erfahrung nach kann alleine die Erinnerung daran loszulassen – Augenblick für Augenblick – der Schlüssel zu einem positiven und tiefen Wandel sein. Tatsächlich erhalten Sie eines der größten Geschenke des Wandlungsprozesses, wenn Sie auch nur ein wenig lernen, loszulassen. Es wird Sie einen Riesenschritt dahin bringen, Ihren Traum zu leben.