Artikel in New York Times rüttelt Yoga-Welt auf

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Am 5. Januar wurde ein Artikel in der bekannten Tageszeitung New York Times veröffentlicht, der die Yoga-Welt aufrütteln, in zwei Lager spalten und Yoga-Gegnern einen Triumph einspielen würde: „How Yoga can wreck your body“ zu Deutsch „Wie Yoga Ihren Körper zerstören kann“. Der Artikel ist ein Auszug aus dem Buch „Die Wissenschaft des Yoga“ , das nächsten Monat von dem selbigen Autor William J. Broad veröffentlicht wird. Er selbst hatte sich in der seitlich gestreckten Winkelhaltung (Parsvakonasana) einen schweren Schaden zugefügt. Und warnt nun von der Verharmlosung der „sanften Quelle der Heilung“.

Auf Glenn Black, einen Yoga-Guru aus New York, wird vorrangig der Hauptfokus des Artikels gerichtet. Aber nicht, weil er in vierzig Jahren eine hervorragende Yogaausbildung genossen hat und zu seinen Klienten viele Prominente zählt. Black sei der Mensch, an den man sich wenden solle, wenn man nicht von den Tugenden über Yoga erfahren wolle, sondern von dem Schaden, den es anrichten kann. Viele kommen nun zu Black, um von seiner therapeutischen Körperarbeit zu profitieren. Er aber will den Schülern, den meisten darunter Yogalehrern selbst, den richtigen Weg des Yoga lehren. Nämlich in jede Pose so viel Achtsamkeit wie möglich zu legen und sich nicht vom Ehrgeiz leiten zu lassen.

Das Problem mit dem Ego

Er geht so gar so weit zu behaupten, dass die Mehrheit der Menschen, die Yoga praktizieren, diesen aufgeben sollten. Denn Yoga sei, wenn man ihn ohne therapeutischen Grund ausüben wolle , sowieso nur für Menschen mit einer guten physischen Kondition geeignet. Bei zu starkem Ehrgeiz mancher Yogis (und übrigens auch vieler weltbekannter Lehrer, Namen werden keine genannt) sei nämlich das Ego das Problem. „Ich mache meinen Schülern das Pogramm so hart wie möglich – es liegt an jedem selbst, das richtige Maß für sich selbst zu kennen“, so Black.

Jagannath G. Gune, einer derjenigen, die Yoga in der modernen Ära an die Öffentlichkeit brachten, machte in seinem 1931 veröffentlichten Buch „Asanas“ keinen Hehl um die Schmerzen, die Yoga verursachen kann. Indra Devi und BKS Iyengar allerdings würden angeblich in ihren Büchern bewusst dieses Kapitel umgehen. Zudem wird Iyengar in dem Punkt angeklagt, dass der Yogaübende auf einem harten Untergrund üben solle und auch Bikrams Hotyoga wird angezweifelt, weil sich das Risiko durch Überdehnung der Muskeln bei der extremen Hitze erhöhe.

Wenn Yoga den Körper zerstört

Broad berichtet von haarsträubenden Fallbeispielen wie einem jungen Mann mit Gehproblemen, der sich durch zu langes Sitzen in Vajrasana eine Nerventaubheit in Bein und unterem Rücken zuzog. Von Schlaganfällen, die durch eine Überdehnung des Nackens hervorgerufen wurden oder Quetschungen der Wirbel entlang der Wirbelsäule beim Schulterstand auf hartem Boden. Alle mit äußerst langsamen Rehabilitationen.

Der Artikel geht gegen Lehrer, die zu viel von ihren Schülern verlangen und Yogis, die sich zu stark von ihrem von Ehrgeiz bestimmten Ego leiten lassen und nicht auf die Sprache des Körpers hören. Es geht nicht darum, Yoga im Allgemeinen anzuklagen, denn der Autor ist sich trotz seiner Verletzung über die positiven Eigenschaften bewusst. Er geht vielmehr vor allem gegen die Trendentwicklung und die daraus resultierende Unbewusstheit.

Es ist wichtig, Yoganeulinge immer wieder darauf aufmerksam zu machen, Yoga ganz klar nicht als einen kompetitiven Sport anzusehen. Das ist ja auch genau die Eigenschaft, die Yoga so oft zu Gute gelegt wird – dass man hier einfach mal sein darf. In Ruhe und Bewusstheit jede Pose zu genießen und nicht in einer Stunde durch so viele Übungen wie nur geht zu hetzen, sich womöglich noch unaufgewärmt bei der Vorwärtsbeuge einen Muskel zu reißen, nur weil man seinen Mattennachbar in der Flexibilität übertreffen will. Das ist alles andere als flexibel und ruiniert nicht nur die Gesundheit, sondern auch den Ruf eines jahrtausende alten Schatzes, der nämlich – wenn richtig ausgeübt – doch eine sanfte Quelle der Heilung ist.

Hier geht’s zum originalen Artikel.


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