Chakra Yoga – Sequenz 2

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Kreativität durch Yoga fördern: Die Yogalehrerinnen Elena Lustig und Annette Söhnlein aus Berlin meinen, Chakra-Yoga aktiviert schöpferisches Denken. Vor allem das 2. und das 6. Chakra stehen für Kreativität. Für das YOGA JOURNAL haben sie Mini-Sequenzen zur Förderung der Kreativität zusammengestellt.

Kreativität

Im Prinzip bedeutet Kreativität Fortschritt, denn allein der menschliche Spieltrieb, die Neugier und das Ausprobieren haben uns dahin gebracht, wo wir heute sind: in unsere moderne und technisierte Welt. Die gesamte Entwicklungsgeschichte der Menschheit zeugt von dieser Kreativität: Man bewundert sie in Architektur, Kunst, Musik, aber sie steckt auch in ganz alltäglichen Dingen, angefangen bei der Erfindung des Rades oder der gezielten Nutzung des Feuers. Viele kreative Errungenschaften dienen dem Überleben – eine ganze Menge gibt es aber auch „nur“, um unsere Welt besser oder schöner zu machen. Kreative Blockaden entstehen durch unterschiedliche Probleme: Stress, Erwartungshaltungen, enge Vorgaben, die Vorstellung etwas „richtig“ machen zu müssen. Oft beginnt das schon in der Kindheit, wenn wir mit Sätzen konfrontiert werden wie: „Du kannst das nicht“, „Du bist nicht gut genug“ oder „Was soll das denn bringen?“. Dann findet man häufig keinen Raum für Freude, Lust am Spielen und Forschen, hat keine Ideen und schon gar keine Visionen und hängt fest an Gefühlen wie Scham oder sogar Schuld. Es gibt viele Methoden und Tricks, um sich von solchen Blockaden zu befreien, die eigene Kreativität zu triggern und Raum für Neues zu schaffen.

Wir stellen Ihnen diese Woche eine Mini-Sequenz für zwei Chakras vor. Im ersten Teil lag der Fokus auf dem Sakral-Chakra, der zweite Teil konzentriert sich auf das Stirn-Chakra. Sie können die Sequenzen einzeln oder in Kombination üben. Genau wie beim Schreiben, Malen oder Musizieren geht es dabei nicht um das Ergebnis – genießen Sie lieber den Prozess und den Spaß am Tun. Niemand muss Sie für das, was Sie tun, bewundern oder loben. Ohne Erwartungsdruck entstehen oft die schönsten Dinge. Seien Sie erfinderisch und folgen Sie Ihrem Bauchgefühl, aus ihm heraus entsteht Fluss – nicht nur auf der Yogamatte. Jede Asana trägt die Einladung in sich, sie zu einem Ort des individuellen Ausdrucks zu machen. Sie werden erstaunt sein, wie Ihr Verlangen nach kreativem Ausdruck zunimmt!

Bevor Sie beginnen

Legen Sie sich flach auf den Bauch und betten Sie Ihre Stirn auf Hände oder Unterarme. Beginnen Sie, tief bis in den Bauch zu atmen. Nehmen Sie wahr, wie er sich gegen den Widerstand der Erde ausdehnt und wieder zurückzieht. Wenn Sie damit vertraut sind, atmen Sie zusätzlich ein paar Runden Bhastrika Pranayama: Dabei dehnt sich der Bauch einatmend wie ein großer Luftballon aus. Ausatmend wird der Nabel kraftvoll zur Wirbelsäule gezogen. Nach zehn bis zwanzig schnellen, gleichmäßigen Wiederholungen lassen Sie den Atem wieder natürlich fließen. Das Warm-up darf neben mehreren Sonnengrüßen gern mit Beckenkreisen, Hulahoop-Reifen oder mit Tanzen gestaltet werden. Dance as if nobody is watching! Wichtig für die gesamte Arbeit mit den Chakras ist der Atem. Nutzen Sie ihn, um in Bewegung zu bleiben. So wird jede Übung lebendig und vibrierend. Zwischen den folgenden Asanas fügen Sie immer wieder Sonnengrüße ein.

Sequenz 2 – Fokus auf das Stirn-Chakra

Das 6. Chakra befindet sich in der Mitte des Kopfes, etwa auf Höhe der Augenbrauen. Es wird auch das dritte Auge genannt. Hier sitzen die Intuition und die visionäre Kraft, die uns hilft, groß zu denken und über uns selbst hinauszuwachsen. Ist man an dieser Stelle blockiert, fühlt man sich dumpf, bequem, uninspiriert und mutlos. Umkehrhaltungen helfen dann, sich selbst herauszufordern und Zugang zu neuen Perspektiven zu finden. Neue Ideen brauchen die Vorstellung, dass Dinge möglich sind – und dass wir selbst sie erschaffen können.

1. Gedrehter Ausfallschritt mit gestrecktem Bein

So geht’s: Ziehen Sie aus dem herabschauenden Hund den linken Fuß nach vorne in den weiten Ausfallschritt. Verankern Sie Ihr rechtes Knie fest am Boden und richten Sie das linke Knie über dem linken Fußgelenk aus. Mit einer Einatmung richten Sie Ihren Oberkörper auf und strecken die Arme senkrecht nach oben. Mit der nächsten Ausatmung legen Sie die Hände vor dem Herzen im Anjali-Mudra aneinander. Dann drehen Sie den Oberkörper nach links und legen den rechten Ellbogen an die Außenseite des linken Knies. (Einfachere Alternative: Legen Sie die linke Hand ans Kreuzbein und den rechten Unterarm auf den linken Oberschenkel.) Schieben Sie die Zehenballen des rechten Fußes fest gegen den Boden, bevor Sie mit einer Ausatmung das rechte Knie vom Boden abheben und das Bein strecken. Konzentrieren Sie sich auf die Vorstellung fest zu stehen und verabschieden Sie sich von dem Wunsch, perfekt sein zu wollen. Anschließend wechseln Sie über den Hund die Seiten.

Tipp: Mit dieser Übung schaffen Sie Verbindung zwischen dem 2. und dem 6. Chakra: Dazu atmen Sie tief und lang in die verengten Räume des Beckens ein und durch die Stirn wieder aus.

2. Vasishthasana – Seitliche Bretthaltung

So geht’s: Aus dem herabschauenden Hund senken Sie das Becken und kommen in die Bretthaltung. Drehen Sie den rechten Fuß auf die Außenkante. Setzen Sie den linken Fuß darüber und ziehen Sie Beine und Füße zueinander hin, um sich zu stabilisieren. Schieben Sie die rechte Hand fest gegen den Boden, lösen Sie die linke Hand vom Boden und legen Sie sie zunächst an die linke Hüfte. In dieser seitlichen Bretthaltung schmiegen Sie die Schulterblätter zueinander hin und stabilisieren sich. Dann beugen Sie Ihr linkes Knie und greifen mit der linken Hand an die Außenkante des linken Fußes oder in die Kniekehle. Mit der nächsten Ausatmung beginnen Sie, das linke Bein langsam nach vorne auszustrecken, dann drehen Sie es auswärts und heben es, so gut es geht, in die Senkrechte. Üben Sie beide Seiten gleichmäßig.

Tipp: Diese herausfordernde Armbalance braucht eine klare Vision: Sehen Sie sich selbst vor Ihrem inneren Auge im vollen Vasishthasana. Halten Sie ganz gelassen an diesem Bild fest, auch wenn es beim Üben manchmal wackelt und nicht auf Anhieb gelingt. Auch hier gilt: spielerisch bleiben!

3. Pincha Mayurasana – Unterarmstand (Variation)

So geht’s: Beginnen Sie im Vierfüßlerstand mit den Fußsohlen an der Wand. Achten Sie darauf, dass Ihre Knie senkrecht unter den Hüften stehen und die Hände senkrecht unter den Schulterköpfen. Setzen Sie die Ellbogen an die Stelle der Hände, sodass Sie die Unterarme schulterweit erden können. Schmiegen Sie die Schulterblätter zueinander hin und dicht an die Rippen und behalten Sie diese Aktivität bei, wenn Sie mit der nächsten Ausatmung einen Fuß nach dem anderen an die Wand setzen und so weit mit ihnen nach oben wandern, bis die Beine parallel zum Boden ausgerichtet sind. Ziehen Sie die unteren Rippen und den Bauch nach innen. Wenn Sie noch einen Schritt weiter gehen möchten, strecken Sie die Beine abwechselnd senkrecht nach oben.

Tipp: Nehmen Sie wahr, wie die Tatsache, dass oben und unten vertauscht sind, Ihre Selbstwahrnehmung verändert. Lassen Sie sich darauf ein, unsicher zu sein und nicht genau zu wissen, was „parallel zum Boden“ bedeutet. Seien Sie sich aber auch Ihrer Kraft bewusst, die Sie diese Herausforderung meistern lässt.


ANNETTE SÖHNLEIN und ELENA LUSTIG sind durch Chakra-Yoga so kreativ geworden, dass es für ein ganzes Buch gereicht hat: „Innen.Außen“. Ihre wichtigste Botschaft lautet: „Schaffe mit Hilfe von Yoga aus eigener Kraft das Leben, das du führen möchtest.“ Annette und Elena unterrichten als Team und alleine Yoga in Berlin und an anderen schönen Orten.
www.annettesoehnlein.com / www.elenalustigyoga.com


Fotos: Anne Smith

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