Das Magazin // September + Oktober 2009

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Liebe Leserinnen und Leser,

 

zu den Dingen, die ich an der Yoga-Praxis liebe, gehört, dass sie ein perfekter Spiegel des Lebens ist. Auch und vor allem, was Beziehungen angeht. Ihr Verlauf gleicht durchaus dem Yoga-Weg: Eine unbestimmte Faszination zieht uns in die erste Sequenz, schnell sind wir begeistert und wollen mehr, eine Weile klappt es reibunglos, aber schon bald befinden wir uns in teilweise absurd verbrezelten Situationen (wie in Ana Forrests Masterclass ab S. 81). Dort fängt dann das eigentliche Üben an: „Durch den Schmerz atmen“ hörte ich kürzlich in der Yogastunde, dann passiere das, was wirklich hilft – loszulassen und ruhig zu werden.
Die Yoga-Prinzipien der Eigenständigkeit und des Loslassens stehen jedoch im Kontrast zum Romantik-Ideal unserer Beziehungen. „Der Yoga-Weg lässt sich nicht Hand in Hand gehen“, sagt der Philosophielehrer Sriram im Interview (S. 54). „Seelenverwandtschaft ist nicht unbedingt die Basis für eine nachhaltige Partnerschaft“, ergänzt Sally Kempton in „Dichtung und Wahrheit“. Dennoch muss bei einer Trennung die Liebe nicht zwangsläufig aufhören, sondern kann zum Potential für einen neuen Weg werden. „In Traurigkeit liegt sehr viel Glück“, versichert dazu der Vorzeige-Melancholiker Moby (S. 22).
Durch den Schmerz atmen: Das hilft auch bei Liebeskummer (S. 52). Und wenn das glücklicherweise gerade nicht der Fall ist, können Sie gemeinsam mit Ralf Sturm „Von den Göttern lernen“ (S. 39) oder mit unseren Tipps zu Partner-Übungen aus dem AcroYoga (S. 74) den Wert echter Kommunikation erkennen. Doch die eigentlichen Übungen macht man – wie im Yoga – zunächst allein. Sthira Sukham Asanam. Die Haltung soll stabil und bequem sein. Von dort aus kann man frei werden und unendlich lieben.

 

Viel Spaß beim Lesen, die YOGA JOURNAL Redaktion

 

TITELTHEMEN der Ausgabe September + Oktober 2009:

 

– Yoga und Beziehungen: Entspannt zusammen – vollkommen allein

– Moby: Das Glück in der Traurigkeit. Moby übt kein Yoga – er lebt es

– Ana Forrest: Ich fühle mich als Jägerin. Ein unkonventioneller Yoga-Weg

– Duncan Wong: Wir sind Tiere. Der Yogic Arts-Gründer fusioniert Yoga und Martial Arts

– Trau dich raus: Üben unter freiem Himmel | Wagnis Yoga-Retreat | Als Yoga-Lehrer ins Ausland

– Basics: Mit Chaturanga Dandasana kraftvoll tiefer gehen

– 40 Yoga Woodstock-Festival: Peace, Love – und Yoga!

– Essen auf Reisen: Die Küche im Gepäck

 

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