Die Voraussetzung für wahre Liebe

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Die Frage, ob wir überhaupt noch lieben können oder nach wahrer Liebe, ist eine Frage nach Wahrheit, die wir heute, vor allem in der westlichen Konsumgesellschaft, gerne verdrängen. Heute dreht sich unsere Satsang-Kolumne um die Suche nach wahrer Liebe.

Susanne: Woran liegt es, dass ich nicht den passenden Partner finde? Ich meine die richtige Liebe. Kön­nen wir überhaupt noch lieben?

Wenn auch du eine Frage loswerden willst, schreibe einfach eine Email an redaktion@yogaworld.de.

In unserer schnelllebigen Zeit, mit seinem Angebot an Ablenkung, sozialen Medien und der Zerris­senheit zwischen Konformität und Individualität, ist der Begriff Liebe inflationär geworden. Wir wollen alles sein und alles haben und zugleich fürchten wir uns vor diesem Alles. Es macht uns Angst – da wir es nicht fassen und nicht kontrollieren können. In dieser übergroßen Furcht bzw. Überforderung lebend, ist die wahre Liebe heute zu einer Liebe to go verflacht. Die Liebe mag zwar in kleinen tragbaren Portionen handlich sein, in dem Sinne, dass wir sie so besser für unsere Zwecke und Unzulänglichkeiten missbrauchen und korrumpieren können, jedoch hat sie in dieser ihr aufgezwungenen Kleinheit ihre essentielle Eigenschaft als einheitsstiftendes Ganzes verloren.

Lies auch: Warum gibt es so wenig Liebe auf der Welt?

Liebe ist Einheit

Liebe bedeutet zwar teilen, aber nicht Teile. Sie ist Mitteilung, aber nicht Teilung. Es liegt in der Natur der Liebe, Einheit zu sein und nicht Trennung. Einheit ist also Grenzenlosigkeit und Offen­heit schlechthin. Zu lieben heißt offen zu sein und über Grenzen hinaus zu gehen. Von wahrer Of­fenheit kann aber nur die Rede sein, wenn alle persönlichen Abneigungen sowie bestimmte Vor­stellungen nicht mehr greifen. Das schließt auch das Loslassen vergangener negativer Erfahrung­en und Prägungen mit ein. Wahre Liebe ist immer jung und kann weder auf verdorrter alter Erde wachsen noch erblühen. Das will sagen, dass das Finden der wahren Liebe in der Unschuld des neuen Augenblicks liegt. – Und dafür muss man bereit bzw. offen sein. Die Liebe selbst ist ein ewiges Erstaunen, welches nicht erzwungen werden kann, aber ganz von selbst geschieht, wenn das Herz aufrichtig an sie glaubt. Wahre Liebe verlangt nichts. Sie ist ein Geschenk des Himmels und dieser ist grenzenlos. Die einzige Voraussetzung für die wahre oder große Liebe ist das Vertrauen in sie.

Die Tragik des modernen und globalen Menschen ist, dass er sich nach Einheit und Ganzheit sehnt, dass er für alles offen erscheint, es jedoch in seiner Selbstrationierung nicht ist. Erst durch die Aufhebung der eigenen Selbstbeschränkung kann der Zauber der wahren und einen Liebe in seiner Gänze wahrhaft wirken. Anders gesagt: Zum Lieben gehört Mut und den Mutigen gehört die Welt.


moonhee

Satsang

Dr. MoonHee Fischer ist promovierte Religionsphilosophin und arbeitet im Bereich der alternativen Heilung. Ihre Schwerpunkte sind mediale Supervision und “Der Weg des Friedens“. Ihre Verknüpfung “spirituelle Medialität und wissenschaftlicher Anspruch” eröffnet nicht nur neue, interessante Ansätze für ein ganzheitliches Bewusstsein, sondern betont vor allem die Fähigkeit der Offenheit und das Mit- und Füreinander – “denn nichts existiert unabhängig voneinander”. // Titelbild: Photo by John Schnobrich on Unsplash

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