Herzenswünsche – Teil 2

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Vergessen Sie die typischen guten Vorsätze zum Jahreswechsel – meistens wirft man sie ebenso schnell wieder über Bord, wie man sie gefasst hat. Die Weisheitslehren des Yoga helfen Ihnen, in fünf Schritten Intentionen so zu formulieren, dass Sie stattdessen Ihre wahren Herzenswünsche verwirklichen. Die ersten Schritte finden Sie hier.

Schritt 4: Bewusstheit Svadhyaya

Aber es warten noch weitere Hindernisse entlang des Weges. Denn Sankalpa hat einen natürlichen Gegenspieler: Vikalpa, Gedanken der Unentschlossenheit und des Zweifels. Der renommierte Yogalehrer Rod Stryker erklärt: „Jede Intention unterliegt dem Risiko, dass das Unterbewusstsein nicht mit an Bord ist. Vikalpa bezeichnet all das, was uns von unserer -tiefer liegenden Realität entfernt. Dabei geht es in erster -Linie um alte, von Angst gesteuerte Muster, die nach Komfort und Sicherheit streben und sich dem Wandel entgegenstellen.“ Ein gängiges Beispiel: Meine Intention ist es, eine erfüllende Beziehung zu finden oder zu gestalten. Gleichzeitig habe ich aber Angst, verletzt zu werden, und scheue deshalb unbewusst vor jeder innigen Begegnung zurück. Eine Intention kann erst dann ins Leben getragen werden, wenn wir auch würdigen, was ihr entgegensteht. Solche mitunter sehr widerstreitenden Sehnsüchte wie die nach einer aufregenden, bereichernden Begegnung und die nach Sicherheit in der Komfortzone sind ziemlich häufig. „Erst wenn man das alte, von Angst getriebene Muster erkennt, hat man es in der Hand, es auch zu überwinden“, weiß Rod Stryker. „Jetzt geht es darum, mehr Bewusstheit zu erzeugen und zu erkennen, dass jeder Moment eine neue Möglichkeit bietet, sich zu entscheiden, ob man sein Sankalpa würdigen möchte oder lieber den nicht förderlichen Sehnsüchten folgt.“

Diese immer neue Entscheidungsmöglichkeit -erleichtert es, sich auch einmal einzugestehen, dass man sich gerade im Kreis dreht oder eine -falsche Entscheidung getroffen hat – und zwar am besten ohne Schuldgefühle und Selbstkritik. So fällt es viel leichter, Verantwortung für sein eigenes Handeln zu übernehmen und auf eine gute Art weiter zu wachsen. Ein solches auf Wachstum ausgerichtetes Denken fördert Veränderung, während der Glaube, man „sei eben so“, jedem Erfolg im Weg steht.

Selbsterforschung und das aufmerksame Beobachten des eigenen Verhaltens können im Lauf der Zeit auch zu der Erkenntnis führen, dass Sie Ihre Intention vielleicht etwas abändern oder erweitern müssen, damit sie wirklich Ihrem Herzenswunsch dient. Geben Sie sich selbst die Erlaubnis dazu, auch in dieser Hinsicht zu wachsen und sich zu verändern. „Verschwenden Sie nicht unnötig Zeit auf Vorhaben, die keinen spürbaren Unterschied bringen“, rät auch Gretchen Rubin. Bevor Sie aber alles über Bord werfen und wieder mit Schritt 1 beginnen, sollten Sie genau hinsehen: Ist dies eine echte, aus der Beobachtung erwachsene Erkenntnis oder eher ein Zweifel, der sich auf bisher vielleicht noch unbewussten Ängsten und Widerständen gründet – also ein Fall von Vikalpa?

Schritt 5: Vision Darshan

Manchmal ist der Blick auf die nahe Ziellinie kein Ansporn, sondern führt eher dazu, dass man das Tempo wieder rausnimmt. Man sagt sich: „Ich bin so nah dran, bisher lief es so gut, jetzt kann ich es auch wieder ein bisschen ruhiger angehen lassen.“ In diesem Fall hilft es, sich dieses zukünftige Ich etwas genauer vorzustellen. Psychologen nennen das „prospektives Gedächtnis“, also vorausschauendes Gedächtnis. Es beschreibt die Fähigkeit, sich zum richtigen Zeitpunkt an eine Handlungsabsicht zu erinnern. Am besten funktioniert das, indem man sich möglichst genau vorstellt, wie es sein wird, wenn das Ziel erreicht ist. Aus diesem inneren Bild heraus wird man nämlich eher Entscheidungen treffen, die diesem Ziel auch entsprechen. Im amerikanischen „Journal of Sport and Exercise Psychology“ erschien kürzlich eine Studie, die jenen Effekt gut beschreibt: Eingefleischte Couch Potatoes, die sich detailliert ihr zukünftiges aktiveres, gesünderes Ich vorstellten, begannen demnach deutlich häufiger und regelmäßiger sich zu bewegen als eine Vergleichsgruppe, die nur verbale Vorhaben formuliert hatte. Wenn es Ihnen schwerfällt, sich dieses neue Ich vorzustellen, dann rät Ihnen die Psychologin Kelly McGoni-gal zu folgender Übung: Schreiben Sie sich selbst -einen Brief aus der Zukunft. Im Datum steht der 1. -Januar 2018: Von diesem Tag aus erinnern Sie sich zurück auf 2017 und danken sich selbst für alles, was Sie in diesem Jahr unternommen haben, um im Einklang mit ihrem tiefsten Herzenswunsch zu wachsen und die Welt um sich herum ein Stück besser zu machen. 

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