Indiens große Meister: Paramahansa Yogananda

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Der Pionier

Im Jahr 1920 setzt Paramahansa Yogananda zum ersten Mal seinen Fuß auf amerikanischen Boden – als indischer Delegierter auf einem internationalen freireligiösen Kongress in Boston, Massachusetts, wo er eine Rede über Religion als Wissenschaft hält. Mit seiner Ankunft in den USA beginnt der tiefgreifende Einfluss, den er auf die abendländische Religiosität und die Einführung der Yogameditation in der westlichen Welt haben wird.

Paramahansa Yogananda wird am 5. Januar 1893 als Mukunda Lal Ghosh im indischen Gorakhpur in eine wohlhabende und fromme bengalische Familie hinein geboren. Schon in seinen ersten Lebensjahren wird für die Menschen in seiner Umgebung offenkundig, dass die Tiefe seiner Wahrnehmung und seine Erfahrung des Spirituellen weit über das übliche Maß hinausgehen. Als Jugendlicher sucht er viele heilige Männer und Philosophen Indiens auf, in der Hoffnung, einen Lehrer zu finden, der ihn bei seiner spirituellen Suche leiten könnte. 1910 trifft er im Alter von 17 Jahren in Benares schließlich den Weisen Swami Sri Yukteswar. In dessen Haus in Serampore bei Kalkutta verbringt der junge Mann den überwiegenden Teil der nächsten zehn Jahre. Während dieser Zeit empfängt er die spirituelle Unterweisung seines Gurus. Nachdem er 1915 die Universität von Kalkutta absolviert hat, wird er Mönch des indischen Swami-Ordens und erhält seinen Mönchsnamen Yogananda („Ananda“ bedeutet Glückseligkeit, „Yoga“ durch göttliche Vereinigung). Sri Yukteswar verleiht ihm darüber hinaus 1935 den höchsten aller spirituellen Titel: „Paramahansa“ (wörtlich: höchster Schwan) . Diesen Titel erhält nur eine Person, die ihr „wahres göttliches Selbst verwirklicht hat und deren Selbst eins mit dem Geist geworden ist“, wie Paramahansa in seiner „Autobiographie eines Yogi“ schreibt.

Botschaft für die neue Welt
Sri Yukteswar hatte mehr als einmal angedeutet, dass Paramahansa in den Westen gehen werde, um dort die alte Wissenschaft des Yoga zu lehren. In seiner „Autobiographie eines Yogi“ berichtet Yogananda, dass er in einer Vision von dem Geist des Yogameisters Mahavatar Babaji besucht worden sei, der zu ihm sagte: „Du bist es, den ich auserwählt habe, die Botschaft des Kriya Yoga im Abendland und in der Neuen Welt zu verbreiten. Vor langer Zeit begegnete ich deinem Guru Yukteswar auf einer Kumbh Mela und sagte ihm, dass ich dich zu ihm senden werde, damit du seine Schulung empfängst. Kriya Yoga, die wissenschaftliche Technik der Gottverwirklichung, wird sich schließlich über die ganze Erde verbreiten und den Menschen dazu verhelfen, persönlich mit dem transzendenten Gott, ihrem Ewigen Vater, in Verbindung zu treten. Auf diese Weise wird Kriya Yoga dazu beitragen, die Völker einander näherzubringen.“ Fünf Jahre nach seiner Ankunft in Amerika lässt sich Yogananda in Los Angeles nieder, wo er 1925 den internationalen Hauptsitz seiner Organisation eröffnet. In den kommenden Jahren reist er viel und hält in den größeren Städten Nordamerikas und Europas in vollbesetzten Sälen Vorträge. Für Zehntausende westlicher Zuhörer sind seine Ausführungen über die wesentliche Übereinstimmung zwischen „der ursprünglichen Lehre Jesu Christi und dem ursprünglichen Yoga“, eine Offenbarung. Tausende führt er persönlich in seine Kriya-Yogalehre ein, auch viele Prominente aus Wissenschaft, Industrie und Kunst sind seine Schüler. 1927 wird Yogananda Ostens und Westens. Zur gleichen Zeit widmet er sich der Errichtung von Tempeln und neuen Meditationszentren der Self-Realization Fellowship sowie darauf, sein spirituelles und humanitäres Werk auf ein festes Fundament für die Zukunft zu stellen. Unter seiner Anleitung werden die persönlichen Beratungen und Unterweisungen, die er seinen Schülern in Kursen vermittelt hatte, in einer umfassenden Serie von Lehrbriefen für das Selbststudium zusammengefasst.

Yogananda – Glückseligkeit durch göttliche Vereinigung
In seinen späteren Jahren ist das Dasein des Meisters bestimmt von stetem Erleben des Göttlichen. Während dieser Zeit sagt er einmal zu einigen seiner engeren Jünger: „Überall sehe ich den Göttlichen Geist in der Gestalt der göttlichen Mutter. Wenn Wasser gefriert, wird es zu Eis; ebenso kann ich den unsichtbaren Geist durch den Frost meiner Hingabe zu einer Gestalt gefrieren lassen. Wenn ihr nur die wunderschönen Augen der göttlichen Mutter sehen könntet, die ich letzte Nacht schauen durfte. Mein Herz ist von ewiger Freude erfüllt.“

Paramahansas großes Verdienst besteht darin, die allem Leben zugrunde liegende Einheit aufzuzeigen: Wir alle sind ein integraler Teil des universellen Ganzen und jeder Einzelne von uns kann diese Vision von Harmonie von ihrer gedanklichen Möglichkeit in eine direkte persönliche Erfahrung umsetzen, die uns alle verbindet und erhält. Seine Lehre stellt eine umfassende Philosophie und eine Lebensweise dar, deren Grundlage die Meditation ist. Die Methode, die er lehrte, ist Raja Yoga, der „königliche“ oder höchste Yogaweg. Raja Yoga vereinigt die Essenz aller anderen Yogawege: die des Hatha Yoga, das hauptsächlich aus körperlichen Übungen für physisches und mentales Wohlergehen besteht; des Karma Yoga, des richtigen Handelns oder selbstlosen Dienens; des Bhakti Yoga, der Hingabe an Gott; und des Jnana Yoga, der Erlangung von Weisheit durch die unterscheidende Vernunft.

Die „Autobiographie eines Yogi“, Yoganandas Lebensgeschichte, wird 1946 veröffentlicht und in den folgenden Auflagen von ihm erweitert. Das Buch galt von Anfang an als ein Meilenstein auf seinem Gebiet. Es wird seit fast 70 Jahren ständig nachgedruckt und ist inzwischen in mehr als dreißig Sprachen übersetzt. Seine Kommentare zu den heiligen Schriften des Westens und des Ostens, „Die Wiederkunft Christi“ und „Gott spricht mit Arjuna“, vermitteln dem Leser sowohl den tieferen Sinn der Lehren von Jesus Christus und Bhagavan Krishna als auch ein Verständnis der zugrunde liegenden Einheit der universellen Wahrheiten, die sie verkündet haben. Paramahansa Yogananda schließt am 7. März 1952 in Los Angeles für immer seine Augen, unmittelbar nach einer Rede bei einem Bankett zu Ehren des indischen Botschafters in den USA . Sein Ableben findet in der Presse große Beachtung. Anlässlich des fünfundzwanzigsten Todestages im Jahr 1977 ehrt die indische Regierung den herausragenden Beitrag Paramahansa Yoganandas für die geistige Erhöhung der Menschheit mit einer Gedenkbriefmarke. Als spiritueller Lehrer arbeitete Yogananda während seines gesamten Lebens unermüdlich daran, Menschen zur Erfahrung ihrer eigenen Göttlichkeit zu erwecken. Heute ist seine Organisation, die Self-Realization Fellowship, auf mehr als 600 Zentren in der ganzen Welt angewachsen und seine zahlreichen Schriften und Unterweisungen inspirieren Millionen von Wahrheitssuchern in vielen Ländern der Erde.

Lauren Landress las Paramahansa Yoganandas „Autobiographie eines Yogi“ zum ersten Mal kurz nach ihrem Hochschulabschluss und ist seit über 35 Jahren Schülerin seiner Kriya-Yogalehre. Derzeit arbeitet sie als stellvertretende Direktorin für öffentliche Angelegenheiten bei der Self-R ealization Fellowship im Internationalen Hauptsitz der Organisation in Los Angeles. Mehr unter: www.yogananda-srf.org