Wer bestimmt das Lebensziel? Satsang Kolumne

In der Satsang-Kolumne antwortet Philosophin Dr. MoonHee Fischer auf eure dringenden (Sinn-)Fragen. Stelle auch du MoonHee eine Frage! Schreibe uns dafür eine Mail mit deiner Frage an redaktion@yogaworld.de. Die Fragen werden selbstverständlich anonym behandelt. Wir veröffentlichen lediglich den Vornamen, wenn du damit einverstanden bist. Heute: Wo soll es im Leben hingehen? Was ist das Lebensziel?

Sven: Wonach sollte der Mensch sein Leben ausrichten? Gibt es ein allgemeines Lebensziel? Oder ist das für jeden individuell?

Der Mensch ist ein Lebewesen. Das heißt er lebt, wie alles was lebt, in einem symbiotischen bzw. kollektiven Verhältnis zu seiner Mitwelt. Leben bedeutet Gemeinschaft und Gemeinschaft wiederum Verbundenheit. Leben an sich kann also nie singulär auftreten. Deshalb existiert nichts für sich alleine. Alles ist miteinander verbunden. – Das ist eine unleugbare Wahrheit. Das Problem des Menschen als Bewusstseinswesen ist jedoch. Er nimmt sich als etwas Getrenntes in der großen Einheit wahr. Es liegt in seiner Natur, mehr die Teile als das Ganze zu sehen. Mehr die Trennung als die Verbundenheit zu leben.

Die Folge ist Selbstbegrenzung. Also eine Grenze zwischen mir und anderen und anderem zu ziehen. Das kennen wir als Ego. Egoismus ist keine übertriebene Selbstliebe, sondern Einkapselung und Einsamkeit. Ängste, Blockaden, Laster, Enge, Misstrauen, Verzweiflung etc. sind Resultate dieser Verschlossenheit. Die Befreiung vom Ego und die Lösung aller menschlichen Probleme lautet Offenheit. Offenheit wiederum beinhaltet das Vertrauen in uns selbst und zugleich in die Welt. Ich und Welt sind untrennbar miteinander verbunden. Das zu verstehen, darin liegt der Sinn des menschlichen Leben oder anders ausgedrückt, das ist die Liebe nach der wir uns alle sehnen. Denn Liebe ist nichts anderes als Offenheit schlechthin, welches sich in dem kollektiven Gefühl des Mit- und Füreinander zeigt. Das was den wahren Menschen oder menschliches Leben ausmacht, ist Menschlichkeit. Die Vorrausetzung hierfür ist Annahme.

Stefan: Braucht man ein Lebensziel oder wird man geführt?

Der Mensch setzt sich Ziele in seinem Leben, um Dieses oder Jenes zu erfahren. Ziele stehen immer im Zusammenhang mit Wünschen. Vor jedem Ziel kommt erst der Wunsch, das Verlangen nach Etwas. Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das einen freien Willen hat. Ein Wille kann nur dort entstehen, wo es ein Bewusstsein gibt. Ist ein Wille sehr stark, so ist das Ziel nicht weit.

Zwischen Begehren und Ziel liegt der Weg. Auf diesen Weg machen wir die Erfahrungen, die wir für uns brauchen, um uns weiter zu entwickeln. So ist der Weg das eigentliche Ziel. Ziele sind außerdem Erfahrungsabschnitte im Leben des Menschen. Der Mensch lebt um Erfahrungen zu machen, vor allem sich selbst zu erfahren. Dort, wo es noch Entwicklung, Bewegung gibt, gibt es auch Ziele. Das allerhöchste Ziel der menschlichen Seele, ist ihrer Einheit mit allem was ist. Der Mensch wählt frei, je nach seinem Bewusstseinsgrad, ob dieser Rückweg länger oder kürzer ausfällt. Aber Jeder erreicht dieses Ziel, gleich wo er beginnt und gleich wo er steht.

Die Frage letzter Woche


Dr. MoonHee Fischer ist promovierte Religionsphilosophin und arbeitet im Bereich der alternativen Heilung. Ihre Schwerpunkte sind mediale Supervision und “Der Weg des Friedens”. Ihre Verknüpfung “spirituelle Medialität und wissenschaftlicher Anspruch” eröffnet nicht nur neue, interessante Ansätze für ein ganzheitliches Bewusstsein. Sondern betont vor allem die Fähigkeit der Offenheit und das Mit- und Füreinander. “Denn nichts existiert unabhängig voneinander”.

Der Weg des Friedens: philosophisch-spirituelle Praxis“. Foto: Elias Hassos | Titelfoto von Taryn Elliott von Pexels

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