LOVE-Special // Yoga und Beziehungen

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Zu wahr, um (nur) schön zu sein

Seelenverwandschaft, die große Liebe, der ideale Partner: Wenn wir unsere Beziehungen nicht als romantische Komödien oder fortwährende Dramen, sondern stetige gemeinsame und persönliche Entwicklung begreifen wollen, sind diese Kategorien nicht hilfreich. In diesem Special lenkt YOGA JOURNAL den Fokus auf Achtsamkeit, Mitgefühl, gewaltfreie Kommunikation und die Relevanz der Selbstliebe. Unromantisch wollen wir dabei nicht werden – aber frei von (Selbst)täuschung und authentisch in dem, was wir uns wirklich voneinander wünschen.

Liebe ist…

… der Abschied vom Traumprinzen: Yoga und Meditation können uns helfen, einen realistischeren Blick auf Beziehungen zu erhalten.

Ja, ganz sicher. Beziehungen sind dafür da, um zu wachsen und aus der Illusion des Getrenntseins zu erwachen – nicht dafür, dass sie uns sofort und immer glücklich machen. Wenn wir dieses Verständnis in all unseren Beziehungen anwenden, sind die Beziehungen ganz klar eine Form des Yoga. Schließlich bedeutet Yoga Einheit, Verbindung oder Vereinigung.

Yoga und Meditation lehren zum einem die Achtsamkeit und zum anderem die Einheit des Seins. Durch das regelmäßige Üben werden wir uns eigener Verhaltensmuster bewusst. Wenn dies passiert, können wir die Muster, die uns nicht gut tun, verändern. Beispielsweise suchen wir uns immer Partner aus, die unsere Glaubenssätze bestätigen werden. Lautet einer von diesen, dass Männer generell unzuverlässig seien, wird sich der Partner früher oder später als unzuverlässig herausstellen. Solange wir unseren Partner bewerten, uns auf seine Fehler konzentrieren, ihn verantwortlich für unser Wohlbefinden machen oder ihn brauchen, um uns zu vervollständigen, werden wir von unseren Beziehungen enttäuscht.

Wichtig ist die Konzentration auf das, was wir sehen wollen. Wahrnehmung wird durch Projektion erzeugt, die wiederum auf uns zurück fällt: Wir selbst bekommen alles zu spüren, was wir auf andere übertragen. Im Yogasutra 4.15 sagt Patanjali, dass wir unsere eigene Realität schaffen. Die Wahl ist unsere: Schuld und Angst oder Liebe und Göttlichkeit.

Zum anderen suchen wir, unterstützt durch Filme, Werbung, Medien und Love-Songs, fast obsessiv nach dem einen, besonderen Partner, der uns vervollständigen wird. Dieser Gedanke ist eine der größten Illusionen unserer Gesellschaft und unseres Egos. Es gibt keine „besondere Beziehung“, die uns glücklich machen kann. Nur das Zulassen der reinen Liebe, die unsere Essenz ist, kann das tun. Niemand ist anders oder besonders, weil niemand von jemand anderen getrennt ist. Doch jeder ist einzigartig. Reine Liebe besteht dann, wenn das Herz offen ist, wenn das Gefühl des Getrenntseins verschwindet. Das kann auch beim Betrachten eines spielenden Kindes, beim Spaziergang durch die Natur oder am Sterbebett eines Menschen sein. Es gibt keine Grenze für die Liebe, sie ist nicht lokalisiert und nicht nur an deinen Geliebten gebunden. Sie ist allumfassend. Allzu häufig wird sie jedoch mit der Romanze oder einer „besonderen“ Beziehung verwechselt, die ausschliessend und nicht allumfassend ist. In einer „besonderen“ Beziehung bemühen wir uns, unsere Schwächen, Fehler und Wunden zu verstecken. Aufgabe einer Beziehung ist aber, genau diese Bereiche zum Bewusstsein zu bringen. Und je mehr wir uns zu einer Person hingezogen fühlen, desto stärker werden diese Blockaden und ungeheilte Verletzungen aufgezeigt. Durch die Akzeptanz des anderen schaffen wir in der Beziehung einen Rahmen für Heilung. Wenn wir uns in einer Beziehung verstecken oder nur unsere Bedürfnisse nach Bestätigung und Zuneigung erfüllt haben möchten, wird uns das Universum darin nicht unterstützen.

Foto: Photocase.de

Einführung von Gabriela Bozic

Weitere interessante Artikel wie “Kommunikation ist sehr, sehr sexy” von Ralf Sturm oder die “Gewaltfreie Kommunikation in Beziehungen” lesen Sie in der Ausgabe 04/13 (Juli-August).

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