Macht das Böse Sinn? Satsang Kolumne

In der Satsang-Kolumne antwortet Philosophin Dr. MoonHee Fischer auf eure dringenden (Sinn-)Fragen. Stelle auch du MoonHee eine Frage! Schreibe uns dafür eine Mail mit deiner Frage an redaktion@yogaworld.de. Die Fragen werden selbstverständlich anonym behandelt. Wir veröffentlichen lediglich den Vornamen, wenn du damit einverstanden bist. Heute von Elena: “Macht das Böse Sinn?”

Die Fragen nach dem Bösen und nach einem Sinn im Leben gehören zu den grundlegenden in der Menschheitsgeschichte. Beide zusammen genommen, ergeben eine explosive Mischung. Kann das Böse Sinn machen? Die Frage an sich scheint in sich schon widersprüchlich zu sein. Da die Frage nach einem Sinn die Annahme des Guten voraussetzt. Der Mensch sucht oder strebt nach dem Sinn des Lebens, weil er glücklich sein will. Also könnte die Frage auch folgendermaßen lauten. Kann das Böse glücklich machen? Wohl eher nicht. Interessanterweise würden wir auf die Frage, ob das Böse im Leben einen Sinn macht ein Ja durchweg befürworten.

Die antiken griechischen Philosophen beantworteten diese Frage mit dem Begriff der Eudaimonia. Die Eudamaimonia, das Glück oder die Glückseligkeit, wird durch einen tugendhaften Lebenswandel erreicht. Grundvoraussetzung dafür ist die Autarkie, die Selbstgenügsamkeit. In den Religionen ist die Selbstgenügsamkeit Dreh- und Angelpunkt und die Grundbasis gegen das Böse. Genauer gesagt sind Selbstgenügsamkeit und das Böse Antigonisten. Wo das Eine ist, kann das Andere nicht sein. Demnach ist das Böse ontologisch nicht real. Das heißt, ihm selbst kommt kein eigenständiges Sein zu, sondern ist MENSCHENGEMACHT.

Das Böse existiert nicht

Das Böse ist nicht in der Matrix des Universums eingeschrieben mit dem wir uns abfinden und das wir bekämpfen müssten. Es existiert nicht. Nur insofern, weil der Mensch noch nicht bereit ist, für sein Handeln und Tun und somit für sein Glück, die volle und ganze Verantwortung zu übernehmen. Die Menschheit hält noch geschlossen an dem Bösen fest. Da es viel leichter ist sich klein, ungenügend und ungeliebt als groß, stark und glücklich, zu fühlen. Es ist viel einfacher das Schlechte zu sehen als an dem Guten und Schönen festzuhalten, auch wenn es nicht immer zu sehen ist. Wir verstecken uns hinter dem Bösen. Wir benutzen es als Versteck für unsere Ängste, gefühlten Unzulänglichkeiten und vor allem für unsere Bequemlichkeit.

Der Glauben an das absolute Gute würde tiefgreifende Konsequenzen nach sich ziehen. Eine erwachte Menschheit, die nicht nur von Freiheit und Frieden spricht, sondern sie wahrhaftig lebt. Will der Mensch das Böse bezwingen, so muss er sich selbst bezwingen. Der einzige sinnvolle Weg zur Selbstmeisterung bzw. Selbstbefreiung ist von “Trennung und Wertung” loszulassen. Paradoxerweise liegt die größte Angst des Menschen im Glücklichsein obwohl er sich sein Leben lang danach sehnt. Erst wenn der Mensch von dem Gedanken eines “sinnvollen Bösen” loslassen kann, wird er wahres Glück erfahren. Denn nur das Gute bringt Gutes hervor. Und wollen wir das Gute, so müssen wir es tun.

Die Frage letzter Woche


Dr. MoonHee Fischer ist promovierte Religionsphilosophin und arbeitet im Bereich der alternativen Heilung. Ihre Schwerpunkte sind mediale Supervision und “Der Weg des Friedens: philosophisch-spirituelle Praxis“. Ihre Verknüpfung “spirituelle Medialität und wissenschaftlicher Anspruch” eröffnet nicht nur neue, interessante Ansätze für ein ganzheitliches Bewusstsein. Sondern betont vor allem die Fähigkeit der Offenheit und das Mit- und Füreinander. “Denn nichts existiert unabhängig voneinander”.

Portraitfoto: Elias Hassos | Titelfoto von Mue Ervive von Pexels

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