Nachgefragt bei SALLY KEMPTON

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Was ist eine karmische Beziehung? Und wie erkenne ich, ob ich eine führe?

In gewisser Hinsicht ist jeder, der in unserem Leben eine Rolle spielt, mit uns durch Karma verbunden. Aber von einer echten karmische Beziehung spricht man dann, wenn wir ein starkes, fast schicksalhaftes Gefühl der Verbundenheit zu einem anderen Menschen spüren. Vielleicht haben Sie das Gefühl, dass Sie den anderen Menschen sehr gut kennen, obwohl Sie ihm gerade erst begegnet sind. Sie stehen in einer karmischen Beziehung zu jemandem, wenn Sie sich ihm verpflichtet oder auf unerklärliche Weise zu ihm hingezogen fühlen, wenn ein Mensch einen starken Einfluss auf Ihr Leben hat oder wenn Sie sich vergeblich aus einer
Beziehung lösen wollen.

Wenn es um Liebesbeziehungen geht, kann plötzliches und schnelles Verlieben ein Anzeichen für eine karmische Beziehung sein. Meist ist das Gefühl der Verliebtheit der Anlass, der uns in eine Situation bringt, in der das Karma wirken kann. Nach einigen Jahren, wenn das Verliebtheitsgefühl nachgelassen hat, fragen Sie sich vielleicht, wie Sie mit Ihrem Partner in diese Situation geraten sind. Die Antwort lautet: Sie beide mussten zusammen etwas herausfinden. Aus yogischer Perspektive ist Karma der Magnet, der Menschen zusammenführt, und der Klebstoff, der sie zusammenhält.

Ein weiteres Anzeichen für eine karmische Beziehung ist ein Gefühl der Verpflichtung. Manchmal fühlt es sich so an, als ob wir dem anderen Menschen etwas schulden. Oder wir glauben, dass der andere Mensch uns etwas schuldet. Eine der alten Definitionen des Wortes Karma ist „Verpflichtung“. Beispielsweise erzählte mir meine Schülerin Jenny, dass sie sich jahrelang verpflichtet fühlte, ihrer jüngeren Schwester Lisa zu helfen – zum Beispiel indem sie ihr Geld lieh. Dann kam der Zeitpunkt, an dem Lisa sagte: „Ich glaube, du hast genug für mich getan, und ich bin dir wirklich dankbar. Ab jetzt will ich diejenige sein, die dich zum Essen einlädt.“ Lisa hatte die yogischen Lehren des Karmas studiert und gespürt, dass die karmische Verpflichtung zwischen ihr und Jenny erfüllt war. Nun wollte sie eine neue Beziehung auf Augenhöhe beginnen.

Wenn Sie eine Beziehung als karmisch empfinden – ganz egal, ob zu einem Elternteil, einem Kind, einem Partner oder dem Chef – versuchen Sie, die zugrundeliegende Dynamik zu verstehen. Im Fall der beiden Schwestern verstand Lisa, dass ihr Gefühl der Hilflosigkeit durch Jennys Bedürfnis, stark und hilfsbereit zu sein, verstärkt wurde. Aber sie hat auch erkannt, dass beide ihre Neigungen ändern mussten, um eine wirklich erwachsene Beziehung zueinander aufzubauen. Wenn Sie wie Lisa und Jenny erkennen, dass die zugrundeliegende Dynamik in einer Beziehung negative Seiten hat, können Sie sich entscheiden, die alten Kreisläufe zu durchbrechen. Beginnen Sie, indem Sie eine klare Absicht formulieren, um Ihre Denkweise oder Ihr Verhalten zu ändern. Dann finden Sie heraus, welche Schritte Sie gehen können, um diese Veränderungen umzusetzen.

Sally Kempton ist ein international gefragte Lehrerin für Meditation, Yoga und Philosophie.