Om und Shanti aus San Francisco

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Bereits im neunten Jahr fand diesen Januar in San Francisco die YOGA JOURNAL Conference statt. Weltbekannte Lehrer wie Seane Corn, Ana Forrest, Sri Dharma Mittra und Shiva Rea vereinten sich in der kalifornischen Geburtsstadt des YOGA JOURNALS und zelebrierten vier Tage lang Yoga in vor allem körperlicher Perfektion. Wie stellvertretend für einen Trend, der die Brücke zwischen Tradition und Moderne zum Graben werden lässt.

Wo einst Hippies für Liebe und Frieden auf den Hügeln des Golden Gate Parks getanzt haben, chanten und verbiegen sich heute hippe Yogis mit perfekt manikürten Nägeln auf Jade Yogamatten im nahtlos sitzenden Ganzkörperoutfit von Lululemon. Auch im „Winter“ ist ihre Haut sonnengebräunt und die wohlgeformten Körper glänzen in den einzelnen Konferenzräumen des Hyatt Regency im Finanzdistrikt von San Francisco. Dass hier der Fitnessgedanke nicht weit ist, lässt sich nicht nur erahnen. Hier und da verraten um das Armgelenk gewickelte Malas oder Om-Tattoos auf Schulter und Nacken ein Interesse an der yogischen Tradition. Nirgends wurde das westliche Yoga entscheidender geprägt als im Epizentrum Kalifornien.

Aus Los Angeles sind sie angereist, aus Las Vegas, Seattle oder kleinen Städten der Westküste der Vereinigten Staaten von Amerika. Im April findet die Yoga Journal Conference in New York statt, im Sommer in San Diego und Herbst in Colorado. 20 Millionen praktizierende Yogis sind begierig darauf, immer mehr über Yoga zu erlernen und einmal mit der Creme de la Creme der bekanntesten Yogalehrer zu üben.

In Workshops und Intensivkursen offenbaren sie mit Herzblut Schülern jeder Ausbildungsstufen ihr Können und ihre Weisheit: Shiva Rea, die Begründerin des Prana Flow Yoga, verzaubert mit ihrer natürlichen Grazie und sanften Ausstrahlung , die toughe Ana Forrest lehrt, nicht von der Angst davon zu laufen, sondern sie statt dessen zu jagen. David Swenson erklärt die Grundlagen des Ashtanga Yoga. Aus über 100 Workshops kann man wählen, drei Klassen á zwei Stunden pro Tag. Zusätzlich werden noch freie Lehrstunden für diejenigen angeboten, die sich nicht für die komplette Konferenz registriert haben und der Marktplatz lockt mit bunten Angeboten. Außerdem kann man unter der Leitung von Jason Nemer im Flug erfahren, wie Acro Yoga zu einem Trend werden konnte. Am Freitag Abend gibt Krishna Das ein Kirtan-Konzert und bringt die Stimmung zum Kochen, den Samstag mischt die Sängerin Suzanne Sterling mit den Desert Dwellers die Yogis auf, die noch Energie zum Feiern übrig haben.

Die vielen lächelnden und zufriedenen Gesichter sind neben der gelungenen und wieder mal bis ins Detail perfekt geplanten Organisation des Events Grund genug,  zurecht vom Erfolg dieser Zusammenkunft zu sprechen. Und doch ist sie wieder da, die Frage nach der Vermischung von Tradition und Moderne wenn Sri Dharma Mittra, ein allseits beliebter Guru und Verfechter der Einfachheit im Unterricht, in Seelenruhe zur klassischen Streichmusik seine Asanas lehrt und MC Yogi, der mittlerweile auch Yoga unterrichtet, seinen Schülern im angrenzenden Nebenraum mit lauten Bässen mächtig einheizt.

Vielleicht ist aber auch genau das so interessant und eben auch Yoga: dass man vereint, was wie Tag und Nacht erscheint, schwarz und weiß, Yin und Yang. Dass man nebeneinander und miteinander in aller Andersartigkeit übt und doch im Sonnengruß in Gleichheit und Einheit endet.

 

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