Quick Tips: Guter Yogaunterricht

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Mark Stephens gilt seit einigen Jahren international als einer der profiliertesten Yogalehrer und -Ausbilder. Nicht umsonst nennt man ihn den „Lehrer der Lehrer“. In einer neuen Artikelreihe erklärt er exklusiv für YOGA JOURNAL Deutschland, was guten Yogaunterricht und gute Yogalehrende im Kern wirklich ausmacht. Hier gibt er einige Tipps an angehende Yogalehrer. 

Verbale Anweisung

  • Das Gesagte sollte beim Einfachsten beginnen und dem Level der gesamten Klasse angemessen sein.
  • Die ersten Anweisungen führen in die Asana hinein und legen dabei besonderen Wert auf das Fundament der Haltung, wo Stabilität und Leichtigkeit entstehen.
  • Aus den Beobachtungen beim Einnehmen der Haltung leiten sich spezifischere Anweisungen ab: Missverstandene Anleitungen werden präzisiert, Modifikationen angeboten und sinnvolle Hilfsmittel vorgeschlagen.
  • Sobald die Schüler die Grundform der Asana eingenommen haben, wird nach und nach erklärt, wie man die Haltung so verfeinern kann, dass Stabilität und Leichtigkeit immer besser ins Gleichgewicht kommen, Verletzungsrisiken sinken und die wichtigsten Ziele der Übung verstanden werden.
  • Erst wenn das in der Grundform erreicht ist, kann man Hinweise dafür geben, wie man die Haltung in fortgeschritteneren Varianten und im Hinblick auf die innere Erfahrung weiter vertiefen kann.
  • Wichtig ist: Nicht zu viel reden! Die selbe Asana wird noch viele weitere Male unterrichtet werden. Bei den ersten Malen genügen die Basics, im Lauf der Zeit folgen dann feinere und komplexere Anweisungen.

Visuelle Demonstration

  • Der Platz des Lehrers sollte vom gesamten Raum aus gut sichtbar sein, umgekehrt sollte er dem Lehrer einen guten Überblick über die Klasse ermöglichen.
  • Besonders effektiv ist die spiegelverkehrte Demonstration: Wenn man frontal vor der Klasse steht sagt man zum Beispiel: „Dreht den linken Fuß auswärts“, während man selbst den rechten Fuß dreht.
  • Die visuelle Demonstration wird begleitet von klar verständlichen Worten.
  • Wichtige Punkte kann man leicht überzeichnet demonstrieren, dennoch sollte man in der Haltung immer Stabilität und Leichtigkeit ausstrahlen.
  • Niemals sollte man etwas demonstrieren, von dem man in diesem Moment nicht sicher weiß, dass es tatsächlich funktioniert.
  • In Workshops kann es sinnvoll sein, typische Beispiele von falscher Ausrichtung oder unnötig erschwerter Ausführung selbst zu demonstrieren.
  • Sobald die Schüler die Grundform der Asana eingenommen haben, verliert die visuelle Demonstration an Bedeutung. An diesem Punkt ist es besser, wenn der Lehrer beginnt, durch den Raum zu gehen, sich dort einen Eindruck vom Üben macht und auf dieser Grundlage noch gezieltere verbale und körperliche Hilfestellungen gibt.

    Taktile Hilfen

  • Als Lehrer sollte man grundsätzlich um Erlaubnis bitten, bevor man einen Schüler berührt.
  • Man sollte nur Hilfestellung anbieten, wenn es aus gutem Grund als sinnvoll erscheint.
  • Jede Berührung sollte auf einer klaren Vorstellung davon beruhen, was sie genau bewirken soll. Fällt die Wirkung anders aus als erwartet, sollte man auch bereit sein, diese Intention abzuwandeln.
  • Am wirksamsten und verständlichsten sind Hilfen, die synchron zur Atmung gegeben werden: Einatmend bieten sich vorbereitende und ausdehnende Hilfen an, zur Ausatmung folgt dann der vertiefende Impuls in die Haltung hinein.
  • Biomechanisch sinnvoll sind proximale (zum Körperzentrum hinführende, anstatt distal von ihm wegführende) Korrekturen. Dabei sollte man verletzliche Körperpartien und Hebelbewegungen meiden und jederzeit auf unwillkürliche Bewegungen vorbereitet sein.
  • Keine Berührung darf je grob, unachtsam, ziellos, unangemessen oder übergriffig sein.
  • Beim sanften Lösen der Berührung sollte der Schüler auch alleine ausreichend stabil und leicht in der Haltung bleiben können.

Taktile Hilfen sollten immer dazu dienen:

  • verbale Anleitungen zu verdeutlichen
  • eine stabile Basis zu fördern
  • ein Bewusstsein für den Einsatz oder die Entspannung bestimmter Muskeln zu schaffen
  • einen größeren Bewegungsspielraum auszuloten
  • Vertrauen und ein offenes Gefühl der Verbundenheit und Kommunikation zu fördern
  • dem Schüler auch in intensiven Empfindungen das Gefühl zu geben: „Ich werde gut unterstützt“

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