Ronald Steiner: „Mit Yoga komme ich meiner wahren Natur näher“

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In unsere Online-Serie “6 Fragen an…” stellen wir bekannten Yogalehrern, Yogis und Menschen aus der Yoga-Welt Fragen zu den Themen Liebe, Sex, Herzschmerz, Lebenserfüllung und Selbsterkenntnis.

Heute gibt Ihnen Ronald Steiner Einblicke in seine ganz persönliche (Ashtanga-)Yoga-Praxis. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

  1. Wenn du Hals über Kopf das Land verlassen müsstest, welche drei Dinge würdest du mitnehmen?
    Ein Handtuch, einen Löffel von meinem Großvater und das Yoga Sutra. Damit habe ich alles, was ich brauche. Mit dem Handtuch bleibe ich immer schön trocken und warm. Der Löffel hat meinen Großvater auf der Flucht begleitet und mit ihm verband mich als Kind eine sehr liebevolle Beziehung. Mit dem Löffel ist also nicht nur für mein leibliches Wohl gesorgt… Das Yoga Sutra trage ich seit über einem Jahrzehnt in mir. Fast täglich meditiere ich über seine Verse. Dennoch erschließen sich mir darin immer wieder neue Juwelen der Weisheit und Erkenntnis. Die Bedeutung von vielem kann ich erst erahnen. Ich hoffe, wenn ich schon das Land verlasse, dann wenigstens auf eine einsame Insel, wo ich in Ruhe über die kurzen 196 Verse meditieren kann.
  2. Was möchtest du unbedingt noch einmal erleben/tun?
    Noch einmal Yoga üben. Ja, das habe ich schon. Auch heute Morgen. Sogar dieselbe Übungsfolge. Egal. – Nochmal. Davon habe ich noch nicht genug.
  3. Was bedeutet Yoga für dich?
    Yoga ist für mich ein Weg, meiner wahren Natur näher zu kommen. Diese wahre Natur ist unbegrenzt durch Zeit und Raum. Sie ist die Essenz der Lebendigkeit und die Yogapraxis ist die bewusste Ausrichtung auf diese Essenz. Körperhaltungen und Bewegungsfolgen sind für mich lediglich Techniken. Sie sind dann effektiv, wenn sie ihren Zweck erfüllen und mich auf meinem Weg körperlich, energetisch, emotional und mental der Lebendigkeit näher bringen.
  4. Was war deine tiefste Erfahrung während einer Yogapraxis?
    Jede Praxis ist anders. Es ist für mich unmöglich, sie als tiefer oder flacher zu sehen. Je weniger ich jedoch erwarte, desto mehr stellt sich der Zustand ein, in dem ich die Lebendigkeit in mir unmittelbar wahrnehmen kann. Wenn das passiert, ist es immer wieder neu und ganz anders.
  5. Welchen Tipp gibst du Yoga-Anfängern?
    Regelmäßigkeit ist der Schlüssel, um wirklich einzutauchen in Yoga. Mein Tipp also: Weniger ist mehr. Roll’ einfach deine Yogamatte aus, stell dich darauf und atme. Fünf Minuten täglich werden dich viel tiefer in die Erfahrung des Yoga führen als zwei Stunden einmal pro Woche.
  6. Wer ist dein persönliches Vorbild?
    Der Löwenzahn! Ich bin fasziniert von seiner Leichtigkeit, die sich selbst durch Betonschichten einen Weg bahnt. Ich bin fasziniert von seiner Beharrlichkeit, mit der er nach jedem Rasenmähen wieder seine Triebe nach oben reckt. Ich bin fasziniert davon, wie er seine Blüte stets der sich wandernden Sonne entgegen streckt. Er ist für mich das Symbol der Lebendigkeit überhaupt.

 

Ronald Steiner - Ashtanga Yoga Experte

Dr. Ronald Steiner ist Arzt für Sportmedizin und zählt zu den bekanntesten Praktikern des Ashtanga Yoga. Mit Präzision und Praxisnähe gibt er auf Aus- und Weiterbildungen die von ihm entwickelte AYInnovation Methode weiter – traditionelles Ashtanga begegnet progressiver Wissenschaft für eine achtsame Ausrichtung auf das Lebendige. Auf diese Weise baut Ronald eine Brücke zwischen uralter Tradition und fundierter Praxis, zwischen angewandter Anatomie und lebendiger Philosophie, zwischen präziser Technik und praktischer Erfahrung. Dadurch entsteht eine für den einzelnen maßgeschneiderte, sehr persönliche Yogapraxis – von therapeutisch-präventiv bis hin zu sportlich-akrobatisch. Mehr Infos unter www.AshtangaYoga.info.

Fotoquelle: Wari Om für Yoga Journal