Samana Vayu

In alten Hatha-Yogatexten findet sich die Spur einer beinahe vergessenen Yogapraxis: Die Vayus, fünf „Winde“ von Lebensenergie, verbinden den physischen Körper mit dem energetischen. Sie zu kennen und bewusst zu erleben, kann die Yogapraxis vertiefen und uns zu mehr Klarheit und Authentizität verhelfen. 

Die Vayus – mitten im Leben

Die Praxis der Prana Vayus ist ein Weg zur Selbsterkenntnis: Sie schenkt Ihrer Yogapraxis das Potenzial, Ihr Leben zu beeinflussen und zu bereichern – mit Achtsamkeit, Mitgefühl, Balance und Integrität. Dazu erkunden Sie die einzelnen Vayus während der Asana-Praxis, aber auch beim Üben von Pranayama und Meditation. Versuchen Sie, die Lebendigkeit der fünf „Winde“ in jedem Moment und jedem Atemzug wahrzunehmen. Ihre ganz individuellen Beobachtungen und Erfahrungen werden Sie verstehen lassen, dass zu jeder Richtung, in die Energie fließt, eine entgegengesetzte existiert – denn nur so kann Gleichgewicht entstehen.


Bewegungsrichtung: Nach innen.

Sitz: In der Körpermitte, der Nabelgegend und im Verdauungssystem. Es steht im Zusammenhang mit der Verdauung, der Aufnahme von Lebensenergie in Form von Nahrung, Flüssigkeit und Luft.

Ausdruck: Innerlich – in einer permanent nach außen gerichteten Gesellschaft erinnert uns Samana Vayu daran, dass nur der zeitweilige Rückzug nach innen die Harmonie in Leben und Körper aufrechterhält. Samana Vayu ist also als Gegenbewegung zu einem aktiven Alltag zu verstehen: Innenschau nicht nur als wertvolle Antwort auf die Herausforderungen des Lebens, sondern auch als Notwendigkeit für Vitalität und Gesundheit.

Asana: Marichyasana I (Haltung des Weisen Marichi I)

Stellen Sie in Dandasana den rechten Fuß möglichst dicht vor dem Sitzknochen auf und schieben Sie den linken Oberschenkelknochen fest Richtung Boden. (Wenn nötig legen Sie eine gefaltete Decke unter den linken Sitzknochen.) Strecken Sie den rechten Arm nach vorne, drehen Sie den Daumen nach unten und schlingen Sie mit einer Ausatmung den Unterarm um das aufgestellte Bein. Der linke Arm legt sich an die Körperrückseite und Sie verbinden die Hände, falls nötig mithilfe eines Gurtes. Ziehen Sie den Nabel sanft zur Wirbelsäule hin, spüren Sie Samana Vayu und bewegen Sie sich immer mehr zu Ihrer Mitte hin. Nach 10 bis 15 Atemzügen wechseln Sie zur anderen Seite. Beobachten Sie während des Übens, wie es sich anfühlt, in Ihre Mitte einzutauchen – innerlich gefestigt statt von außen beeinflusst. Nehmen Sie wahr, dass meh­rere Energieströme zugleich aktiv sind: Der nach außen gerichtete Energiefluss (Vyana Vayu) öffnet Ihr Herz sanft nach vorn, auch die vordere Ferse strebt vorwärts. Der nach unten gerichtete Energie­fluss (Apana Vayu) erdet die Sohle des aufgestellten Fußes. Jede Einatmung (Prana Vayu) hilft Ihnen, in der Haltung präsent zu sein.
Ihr Bewusstsein für die anderen Vayus zeigt, dass Innenschau keineswegs bedeutet abzuschalten, spirituell abzutauchen oder gar zu flüchten. Stattdessen bewegt Samana Vayu Sie absichtsvoll und ganzheitlich zu Ihrer Mitte hin, damit Sie aus diesem Kern Ihres Seins nach außen agieren können.

Über die Matte hinaus: Immer wenn Sie sich energetisch ausgelaugt fühlen, ist es Zeit, nach innen zu tauchen. Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl, werden Sie still und lauschen Sie auf das, was Ihr Körper Ihnen sagen will. Vermeiden Sie eine Zeit lang äußere Ablenkungen, schalten Sie vor allem Handy und Computer ab – alles, was Geräusche von sich gibt. In dieser Stille haben Sie Zeit, einfach zu sein.

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