Dr. Ronald Steiner: Schulterschluss

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Handstand am Stran_Starke Schultern

Man sollte es wirklich nicht „auf die leichte Schulter nehmen“: Gerade im Yoga müssen die Schultern oft eine Menge aushalten. Der Sportmediziner und Ashtanga-Experte Dr. Ronald Steiner erklärt, wie Sie Ihre Schultern gesund erhalten und Stabilität auch für anspruchsvolle Yogahaltungen entwickeln.

Das Schultergelenk hat die herausfordernde Aufgabe, eine hohe Kraftübertragung bei gleichzeitiger großer Flexibilität zu ermöglichen. Wenn Sie sich beispielsweise am Handstand versuchen, sind Ihre Arme im Vergleich zur Neutrallage um 180 Grad angehoben. Gleichzeitig stützen sie aber einen Großteil des Körpergewichts. Zwei Prinzipien machen diesen enormen Bewegungsradius bei gleichzeitig notwendiger Kraft erst möglich:

1. Bewegliche Basis der Schultergelenksfläche

Das Schulterblatt ist über Muskulatur flexibel am Rumpf fixiert. Bei jeder Bewegung des Arms bewegen diese Muskeln auch das Schulterblatt mit. Damit folgt die Schultergelenkpfanne immer der Richtung des Armes und die Kraftübertragung auf die Gelenkfläche am Schulterblatt ist theoretisch optimal. Ist die Muskulatur allerdings verhärtet oder verkrampft, fehlt der nötige Bewegungsraum. Ist sie dagegen zu schwach, kann das Schulterblatt der Bewegung nicht mehr gut folgen, weil die nötige Kraft fehlt, um es auch bei Belastung mitzubewegen oder zu stabilisieren. In beiden Fällen kann sich die Gelenkfläche am Schulterblatt nicht mehr optimal ausrichten. Überlastungen oder Verletzungen am Schultergelenk sind vorprogrammiert.

2. Dynamische Stabilisierung des Oberarmkopfes

Die tiefste Muskelschicht vom Schulterblatt zum Oberarm, die sogenannte Rotatorenmanschette, zentriert den Oberarmkopf bei der Bewegung in seiner Gelenkpfanne. Ist diese Muskulatur zu schlaff, „schlackert“ der Oberarmkopf in der Gelenkpfanne. Diese Instabilität kann dazu führen, dass die zarte Gelenklippe überbeansprucht oder verletzt wird. Auch wenn das Zusammenspiel der Muskulatur in der Rotatorenmanschette gestört ist, gleitet der Oberarmkopf beim Anheben des Armes nicht mehr nach unten, sondern rollt nach oben mit. Dabei kommt er dem Schulterdach gefährlich nahe. Eine mögliche Folge ist, dass die dort verlaufende Sehne des Übergrätenmuskels (M. Supraspinatus) eingeklemmt wird. Irgendwann entzündet sich die Sehne, verkalkt und kann schließlich reißen. Dieses als Impingement oder Rotatorenmanschetten-Syndrom bezeichnete Krankheitsbild führt zu Schmerzen beim Anheben des Armes. Es schränkt den Bewegungsraum zunehmend ein. Schließlich werden selbst Alltagsbewegungen wie das Anziehen einer Jacke schmerzhaft oder gar unmöglich.

Ansatzpunkte der Yogatherapie

Das Beschwerdebild des Impingement gehört zu den häufigsten Ursachen für Schulterschmerzen. Die Yogatherapie begegnet ihm, indem sie die aktive, freie Mitbewegung des Schulterblatts fördert und die Gesundheit der Rotatorenmanschette unterstützt. Gut für die Schulter I zeigt die effektive Übungen für die Schultern.


Dr. Ronald Steiner ist Arzt für Sportmedizin und zählt zu den bekanntesten Praktikern des Ashtanga Yoga. Die von ihm begründete AYInnovation®-Methode baut eine Brücke zwischen der Tradition und progressiver Wissenschaft, zwischen präziser Technik und praktischer Erfahrung.

www.AshtangaYoga.info

 

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