Warum gibt es so wenig Liebe auf der Welt? Satsang Kolumne

In der Satsang-Kolumne antwortet Dr. MoonHee Fischer, promovierte Religionsphilosophin, im Bereich der alternativen Heilung tätig, auf eure dringenden (Sinn-)Fragen. Schreibe dafür einfach eine Mail an redaktion@yogaworld.deHeute fragt Jana, warum es so wenig Liebe auf dieser Welt gibt.

Jana: Warum gibt es so wenig Liebe auf dieser Welt zwischen den Menschen, obwohl sich doch jeder danach sehnt?

Scheinbar gestaltet sich die Liebe für jeden Menschen anders. Grundsätzlich ist die Liebe aber die Energie, aus der alles hervorgeht und die alles trägt. Sie ist das alles verbindende Zwischen, der Atem, der das Universum belebt und bewegt. Das Alles-Verbindende ist reiner Geist und als solcher erst einmal nicht sichtbar, nur fühlbar. Jedes Lebewesen ist mit dieser Energie des Zwischen verbunden und braucht sie, um zu leben. Jede Materie, ob belebt oder nicht, wird durch sie gehalten. Denn alles ist nur auf Grund von Beziehung. Kein Sein kann für sich alleine bestehen.

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Verbundenheit kann nicht über den Verstand erfasst werden

Der Mensch als Beziehungs- und Geistwesen strebt nach vollkommener Verbundenheit bzw. dem Eingehen in die absolute Einheit. Da das Absolute für den Menschen aber nicht greifbar ist, versucht er sich ihm über die Verstandesebene zu nähern. Dadurch wird die alles-tragende und alles-verbindende geistige Energie in eine grobstoffliche Energie komprimiert und durch die Ebene des Verstehens, des Begreifens zu isolierten Teilen reduziert. Dabei geht die Reinheit und Ganzheit des Zwischen verloren und die Kraft der Verbundenheit lässt nach.

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Der Mensch macht sich die Liebe wie sie ihm gefällt

Je nach Bewusstseinslevel und der Empfänglichkeit des Fühlens ist man sich dieser feinstofflichen Energie bewusst und kann daraus schöpfen. Je beschränkter bzw. begrenzter der Geist, umso mehr muss sich diese Liebe durch Materie beweisen. Der Mensch, der nicht mehr fühlen kann, will oder muss die Liebe veräußerlichen – dinglich machen. Er zieht die Liebe auf die Ebene seiner begrenzten Wahrnehmung und hält alles für Liebe, von dem er glaubt bzw. will, dass es Liebe ist. Das kann von einer Beziehung zu einem Menschen, zu einem Tier bis hin zu einer Yacht alles sein. Jedoch hat diese Liebe mit der ursprünglichen reinen Liebe nichts zu tun; sie basiert auf Erziehung, Mustern, Blockaden, Religionen und sonstigen Vorlieben des Verstandes. Der kopflastige Mensch fühlt die Liebe nicht mehr als das Zwischen, sondern nur noch als das, was seinem Kopf gefällig ist. Die Liebe wird als eine Waffe benutzt, um besser durchs Leben zu kommen. Sie ist zur Macht geworden, um das zu sein, was man glaubt, zu sein.

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Liebe erfüllt sich im Lieben

Doch Liebe ist immer da – man muss sie weder erdenken noch sich erkämpfen. Zum Lieben muss man nichts darstellen oder beweisen. Man muss sie nur wahrnehmen und sie das sein lassen, was sie ist – Liebe. Liebe ist kein sentimentales Gefühl, das sich nach unseren Launen und Belieben verändert; was mal mehr der weniger vorhanden ist. Liebe ist Beziehung schlechthin, die sich im Lieben und nicht in einem Geliebtwerden erfüllt. Jedes Wollen ist nur eine Vorliebe (Interesse) des beschränkten Verstandes. Und aus jeder Vorliebe geht immer Verlangen hervor und aus Verlangen erwächst neues Verlangen. Darin liegt das Leid des nicht wahrhaft liebenden Menschen. Liebe ist fern von Verlangen und von Besitz. Die Liebe gibt, um zu geben, und nicht, um zu bekommen. Das Geben ist ihr Empfangen.

Noch mehr spannende Fragen und Antworten findest du in unserer Satsang-Kolumne.


Satsang

Dr. MoonHee Fischer ist promovierte Religionsphilosophin und arbeitet im Bereich der alternativen Heilung. Ihre Schwerpunkte sind mediale Supervision und “Der Weg des Friedens“. Ihre Verknüpfung “spirituelle Medialität und wissenschaftlicher Anspruch” eröffnet nicht nur neue, interessante Ansätze für ein ganzheitliches Bewusstsein, sondern betont vor allem die Fähigkeit der Offenheit und das Mit- und Füreinander – “denn nichts existiert unabhängig voneinander”.

Portraitfoto von Elias Hassos / Titelbild: Kelly Sikkema via unsplash

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