Warum Männer so gerne grillen und Frauen in der Sonne braten

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Dass Männer und Frauen unterschiedlich ticken, ist keine neue Erkenntnis. Unzählige Beziehungsratgeber erklären die Unterschiede anhand von Mars und Venus, der Genetik oder psychosozialen Prägungsmodellen.

Auch die Ayurveda-Lehre erklärt die männliche und weibliche Natur tiefgründig und umfassend mit den universalen Shiva-Shakti-Kräften, die sich mit maskulinen und femininen Qualitäten in uns manifestieren. Deutlich wird dabei, dass Frauen und Männer wirklich anders sind: Nicht nur der strukturelle Körperaufbau unterscheidet sich sichtbar in seiner Erscheinung (Welcher Mann bekommt schon Cellulite oder hat einen fruchtbaren Unterleib?), sondern auch die feinstofflicheren Ebenen wie Reaktionsmuster oder emotionale Bedürfnisse sind geschlechtsspezifisch geprägt. Einfach ausgedrückt, entsteht die Einzigartigkeit der männlichen und weiblichen Natur aus dem unterschiedlichen Zusammenspiel der körper- und geistbildenden Kräfte (Doshas und Gunas), die für unsere individuelle Konstitution verantwortlich sind.

Individuelle Konstitution
Jeder von uns hat seine eigene Konstitution mit einer einmaligen Zusammensetzung der Doshas (Vata, Pitta, Kapha) für die körperliche Konstitution (Deha-Prakriti) und der Gunas (Rajas, Tamas, Sattva) für die mentale Konstitution (Manas-Prakriti). Entsprechend unseres Geschlechts sind diese Kräfte nun nochmals etwas unterschiedlich verteilt, bzw. betont: Stellen wir einen Mann und eine Frau nebeneinander, die beispielsweise beide Pitta-Kapha-Typen sind, so können wir trotzdem geschlechtsspezifische Unterschiede feststellen. Denn in der männlichen Natur ist immer das feurige Element – welches mit der maskulinen Energie verbunden ist – stärker ausgeprägt und in der weiblichen Natur manifestieren sich die femininen Qualitäten mit typischen Kapha-Eigenschaften, welche auch für die Empfängnis, Schwangerschaft und Stillzeit verantwortlich sind. Damit lehrt Ayurveda, dass jeder Mann von Natur aus einen ausgeprägteren Pitta- und Rajas-Anteil in seinem Konstitutionsausdruck verankert hat und bei Frauen auf einer subtilen Ebene die Kapha- und Sattva-Eigenschaften betont sind.

Unterschiedliche Vorlieben
Dies erklärt so einige Phänomene, die wir häufig im Umgang mit dem anderen Geschlecht beobachten können: Beispielsweise zeichnen sich Männer durch eine ausgesprochene Affinität zum Feuer aus. Kaum ist Frühling, wird der Grill ausgepackt und der Mann zum Grillmeister, der das Essen am offenen Feuer brutzelt. Auch im Winter wird gerne Feuer gemacht: Stundenlang erfreuen sich Männer an ihrem Kamin und all den Arbeiten, die dazugehören. Wenn es kein äußeres Feuer zu schüren gibt, so entfacht mancher Mann sein inneres Feuer mit viel Sport, Sex oder Alkohol.

Oftmals habe ich Männer in meinem Bekanntenkreis interviewt, um zu erfahren, warum sie das Feuer so sehr lieben. Und immer habe ich ähnliche Antworten erhalten: „Hier spüre ich meine Männlichkeit“, „So komme ich am besten in meine Energie und kann mich wieder aufladen“ oder „Das gibt mir Kraft und Stärke“.

Für Frauen hingegen ist es nicht selbstverständlich, Holz­ hacken und Grillen als aufbauende Selbsterfahrung zu er­leben. Die feminine Energie lädt sich lieber in der Ruhe und Behaglichkeit auf. Was gibt es Schöneres, als faul auf einem Liegestuhl in der Sonne, bzw. im Halbschatten (je nach Konstitution) zu liegen? Oder sich nach einem heißen Bad in eine Decke einzukuscheln und zu entspannen? Die weibliche Ge­sundheit und Harmonie hängt stark mit den ausgeglichenen Kapha­-Kräften (wie Immunität, Ausdauer, Fruchtbarkeit, Regeneration) zusammen. Diese benötigen vor allem genü­gend Schlaf, Entspannung und Geborgenheit, um sich zu er­neuern und damit das weibliche Wohlgefühl zu nähren.

Kommunikation
Kennen wir die speziellen Qualitäten der individuellen Per­sönlichkeitsausprägung, so kann uns dies in vielerlei Hin­sicht hilfreich sein: Zum einen können viele Missverständ­nisse zwischen Männern und Frauen vermieden werden. Denn durch die unterschiedliche Dosha­ und Guna Ausprägung kommunizieren wir einfach anders: Eine Pitta­ be­tonte Persönlichkeit ist es gewohnt, sehr klar, präzise und auftragsbezogen zu kommunizieren. Sie gibt klare Ansa­gen und ist in der Lage, alle persönlichen Belange sachlich und rational auszudrücken. Diese Qualität, welche in der Geschäftswelt von großem Nutzen ist, finden wir bei allen Pitta­typen – unabhängig vom Geschlecht. Bei emotionalen Belangen hingegen ist es für die Pitta­-Rajas-­geprägte Per­sönlichkeit äußerst schwer, das notwendige Einfühlungs­vermögen und Verständnis für die – oftmals nonverbal aus­ gedrückten – Bedürfnisse des anderen zu entwickeln. Diese empathische Fähigkeit ist hingegen in der weiblichen Natur aufgrund ihrer Kapha-­Sattva-­Qualitäten sehr viel stärker angelegt. So können Frauen oftmals gar nicht begreifen, wa­rum ihr Mann sie nicht auch ohne Worte verstehen kann, so wie sie es von den vertrauten Momenten mit ihren Freun­dinnen kennt. Wenn sie hingegen mit ihrem Partner zusam­men ist, muss sie alle Wünsche oder Probleme formulieren, damit diese ankommen. Dies erleben viele Frauen als per­sönliche Enttäuschung, da sie nicht wissen, dass der ratio­nale Pitta­-Rajas­-Geist das gesprochene Wort als Brücke zum Verstehen benötigt. Lernt die Frau jedoch, ihre Bedürfnisse genau zu formulieren, so wird ihr Mann alle Wünsche er­ füllen können. Hofft sie hingegen, dass er sich einfühlt und ohne Erklärungen spürt, was ihr fehlt und dies nun von sich aus verändert, so wird sie enttäuscht werden.

Erholung und Freizeit
Auch die Art der Freizeitgestaltung und Entspannung kann ganz unterschiedlich sein: Die Pitta­-Kraft lädt sich wie ein Dynamo durch Reibung und Bewegung auf. So bevorzugen Pitta­typen eine sehr aktive Lebensweise, in der sie ihre dy­namische Kraft spüren und genießen können. Volle Power im Job und zur „Entspannung“ ist am Abend ein intensives Trainingsprogramm angesagt. Für die Ferien werden Wei­terbildungen oder Trekkingtouren gebucht und jede freie Minute ist mit etwas „Sinnvollem“ verplant. Auch in der Er­nährung werden heiße und anregende Substanzen bevor­ zugt: So beobachte ich oft, dass Pitta­-Menschen ausgespro­chen gerne Tomaten, Joghurt, rotes Fleisch, Pfeffer, Salz, Kaffee und oder mal ein gutes Glas Rotwein zu sich nehmen. All dies schürt die Feuerkraft in Körper und Geist.

All diese „typischen“ Pitta-Eigenschaften werden sowohl Männern wie Frauen bekannt vorkommen, die über ein über­ einstimmendes Konstitutionsprofil verfügen. Der Unterschied ist jedoch, das die männliche Natur tatsächlich von der Aktivi­tät genährt wird und weitaus weniger Ruhephasen zur Rege­neration benötigt, als die weibliche Kraft. Das heißt, es ist laut Ayurveda für Männer vollkommen in Ordnung, nach einem langen Arbeitstag eine körperlich aktive Freizeitbeschäftigung in Angriff zu nehmen und anschließend erschöpft und zufrie­den ins Bett zu fallen. Der starke Wunsch nach körperlicher Befriedigung kann sich unterschiedlich ausdrücken: Sei es Marathontraining, sexuelle Betätigung oder Gartenarbeit – den Körper an seine Grenzen (und darüber hinaus) zu führen macht Spaß und gibt Selbstvertrauen.

Auch für das weibliche Gleichgewicht ist Bewegung sehr wichtig. Aber noch wichtiger ist es, dass sich Aktivität und Entspannung in Balance befinden. Hat die Frau also zu viel Stress im Beruf oder mit den Kindern, so vergeht ihr meistens die Lust auf körperliche Dynamik – was viele Män­ner dann wiederum sehr bedauern, da die sexuelle Aktivität der Partnerin nachlässt. Sie wünscht sich vor allem Ruhe und Zeit für sich selbst. Ist die Frau hingegen ausgeruht und entspannt, so blüht der Körper auf und sie entfaltet ein großes Kraft­ und Dynamikpotenzial. In diesem Sinne sollten Frauen immer darauf achten, sich nicht zu sehr zu verausgaben. Haben sich ihre Kräfte erst einmal erschöpft, so neigen sie zu den typischen Kapha-Reaktionen: Lethargie, Lustlosigkeit und Antriebslosigkeit. Gönnen sie sich hinge­gen früh genug eine Pause – bei einem netten Tee-Plausch mit einer Kollegin, einem entspannenden Spaziergang im Wald oder mit einem Buch auf dem Sofa – so können sie während des „unangestrengten Nichtstuns“ neue Kraft für weitere Aktivitäten schöpfen.

Tipps für den Beziehungsalltag
Setzen wir diese Erkenntnis im normalen Beziehungsalltag um, so ergeben sich daraus einige interessante Lösungen für weit verbreitete Probleme: So kenne ich sehr viele Paare, die darunter leiden, dass der Mann gerne mehr Sex hätte als seine Partnerin. Wenn der Mann nun das weibliche En­ergiesystem seiner Frau versteht und weiß, dass es für ihr persönliches Wohlbefinden und ihre sexuelle Lust förderlich ist, dass sie genügend Erholungs­ und Genusszeit mit sich selbst verbringen kann, so kann er – auch im eigenen Interesse – seine Frau mehr unterstützen. Er räumt abends die Küche auf, bringt die Kinder ins Bett und sorgt dafür, dass sie alles hat, was für ein zufriedenes Leben notwendig ist. In dieser „Komfortzone“ baut sich die Ojas-Energie der Frau auf wunderbare Weise auf und erstrahlt in zärtlicher, herzenswarmer und weiblicher Kraft. Davon profitieren nun beide Partner, denn die männliche Urenergie (Shiva) entzündet sind immer wieder in der sexuellen Vereinigung mit der weiblichen Shakti-­Energie, die im Unterleib der Frau sitzt.

Selbstverständlich lassen sich nicht alle Beziehungsfragen und ­Probleme nur auf die männlichen und weiblichen Un­terschiede reduzieren. Um aus ayurvedischer Sicht eine Partnerschaft glücklich zu gestalten, ist das Wissen um die individuelle Konstitution des Partners äußerst hilfreich. Denn entsprechend der persönlichen Anlagen und den damit verbundenen Charaktereigenschaften und Verhal­tensstrukturen lieben, leben und streiten wir alle unter­schiedlich. Kennen wir die Vorzüge und Reaktionsmuster der Konstitutionstypen in Bezug auf Liebe, Sexualität und Partnerschaft, so können wir uns besser verstehen und unseren Traumpartner unseren Bedürfnissen entsprechend auswählen. Bereits rudimentäre Kenntnisse der konstituti­onstypischen Verhaltensweisen sind dabei äußerst ergiebig für die Beziehungsgestaltung:

So bringt ein Vata-Partner viel Lebendigkeit, Kreativi­tät, Romantik und Feingefühl in eine Beziehung ein. Sie sind anregende Gesellschafter und verstehen es, intensiv auf alle Wünsche und Ebenen ihres Partners einzugehen. Leider neigen sie auch zu nörgelnder Unbeständigkeit und stellen in regelmäßigen Abständen ihr gesamtes Leben in Frage.

Pitta-Menschen sind mit ihrer charismatischen Ausstrahlung, feurigen Leidenschaft und brillanten Intelligenz bezaubernd, stellen aber ihr Gegenüber erst einmal in den Schatten. Dafür ermöglichen sie ein Leben in materiellem Wohlstand, Sicherheit und Erfolg.

Mit einem Kapha­-Partner sind sie stets gut versorgt und genießen ein komfortables Leben mit gutem Essen und Trinken.