Was sagt der erste Eindruck? Satsang Kolumne

In der Satsang-Kolumne antwortet Philosophin Dr. MoonHee Fischer auf eure dringenden (Sinn-)Fragen. Stelle auch du MoonHee eine Frage! Schreibe uns eine Mail mit deiner Frage an redaktion@yogaworld.de. Die Fragen werden selbstverständlich anonym behandelt. Wir veröffentlichen lediglich den Vornamen, wenn du damit einverstanden bist. Heute: Was sagt der erste Eindruck?

Andrea: “Warum fühlt man sich zu manchen Menschen hingezogen und zu anderen nicht, obwohl man sie noch gar nicht kennt?”

Das ist karmisch bedingt. Diese Menschen gehören zum eigenen Seelenverbund und sind einem daher vertraut. Diese Vertrautheit kann eine Anziehung, aber auch eine Ablehnung auslösen. Das hängt von der Erfahrung ab, die man mit dieser Seele in einem vorherigen Leben gemacht hat. Und davon, welche Erfahrung man in diesem Leben gemeinsam bewältigen will. Anziehung im positiven oder im negativen Sinn kann nur sein, weil man an etwas festhält. Es ist eine Begrenzung, eine Fixierung auf etwas. Ist man frei davon, begegnet man allen Menschen mit Gleichmut. Das ist wahre Beziehung und Offenheit.

Chrisha: Warum ist der erste Eindruck, den man von einem Menschen hat, so oft der Richtige?

“Das Herz hat seine Gründe, die die Vernunft nicht kennt.” Für Blaise Pascal, Mathematiker, Physiker und Philosoph ist das Herz nicht einfach ein irrationales sentimentales Ding. Sondern etwas was in sich selbst begründet ist. D.h. das Herz selbst besitzt Vernunft. Es agiert nicht irgendwie aus einem bloßen Gefühl oder aus einer Laune heraus. Es folgt einer inneren Logik. Wir verstehen unter Herz alles, was mit Gefühlen zu tun hat. Und denken, dass es der Vernunft entgegensteht. Das ist jedoch nicht richtig. Herz ist zwar Gefühl, aber nicht Emotion.

Der Unterschied zwischen Gefühl und Emotion ist der, dass eine Emotion etwas ist, was in Bewegung ist und keine beständige Substanz hat. Es sind Launen, die kommen und gehen. Hingegen sind wahre Gefühle etwas Bleibendes. Denn das Wahre ist unvergänglich. So schließen sich Vernunft und Gefühl nicht aus, sondern bedingen einander. Ein Herz ohne Vernunft ist reine Sentimentalität und die Vernunft ohne Herz ist kalter, nackter Verstand.

Richtige Entscheidungen brauchen ein “vernünftiges Herz” oder eine “herzliche Vernunft”, sonst liegen wir garantiert falsch. Ob der erste Eindruck, den wir von einem Menschen haben, der richtige ist? Das hängt ganz davon ab, wie sehr wir mit uns selbst im Reinen sind. Sind wir es nicht, so wird der erste Eindruck nicht “herz-vernünftig”. Sondern durch unsere eigenen Unzulänglichkeiten und psycho-sozialen Konditionierungen eingefärbt sein. Somit fehlt uns die nötige Klarheit, den Anderen so zu sehen wie er wirklich ist. Der erste Eindruck ist deshalb so oft richtig, weil wir intuitiv mit dem Herz und nicht mit dem Verstand entscheiden. Verstand ist nicht Vernunft! Vernunft ist eine universelle Größe, wie das Herz auch. An denen wir alle Anteil haben. Und beide bedienen dieselbe EINE Wahrheit. Der Verstand jedoch ist Sitz des individuellen Egos mit seinen Sympathien und Antipathien.

Die Frage letzter Woche


Dr. MoonHee Fischer ist promovierte Religionsphilosophin und arbeitet im Bereich der alternativen Heilung. Ihre Schwerpunkte sind mediale Supervision und “Der Weg des Friedens”. Ihre Verknüpfung “spirituelle Medialität und wissenschaftlicher Anspruch” eröffnet nicht nur neue, interessante Ansätze für ein ganzheitliches Bewusstsein. Sondern betont vor allem die Fähigkeit der Offenheit und das Mit- und Füreinander. “Denn nichts existiert unabhängig voneinander”.

Der Weg des Friedens: philosophisch-spirituelle Praxis“. Foto: Elias Hassos | Titelfoto von fotografierende von Pexels

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