Wie kann ich im Job selbstbewusster auftreten und meine Stärken besser einbringen?

Heute beantwortet Dr. Moon Hee Fischer die Frage: “Ich habe das Gefühl, in meinem Job mit meinen Stärken nicht richtig gesehen zu werden und diese anwenden zu können. Wie verschaffe ich mir Gehör?

Die Arbeit an sich und die Einstellung zur ihr hat sich weltweit drastisch verändert. Kapitalismus, Konsumverhalten und Profitstreben haben unsere Gesellschaft geprägt. Von den negativen Auswirkungen ist der Arbeitnehmer spürbar direkt betroffen. Die Arbeitswelt hat schon immer den Geist der Gesellschaft widergespiegelt. Die kapitalistische Warengesellschaft behandelt den Menschen als ein Objekt. Nicht mehr der Mensch in seinem Eigenwert wird wertgeschätzt, sondern sein Beitrag, Profit zu genieren. Der, der Gewinn erzielt, hier sind alle Mittel erlaubt, hat Recht und wird ge- und befördert. Ist man nicht in der Position direkt Gewinne zu erzielen, dann kommt einem die Aufgabe zu, als Rädchen im großen Getriebe reibungslos zu funktionieren.

Zu einer Zahl abgestempelt und zu einer Maschine reduziert, wird die Arbeit immer mehr und mehr zu einer Belastung. Die Arbeit ist kein Ort mehr, wo man gerne hingeht, mit Freude seine Fähigkeiten einbringt, sich mit anderen austauscht und wo kreative Entwicklung und Entfaltung möglich ist. Man hat nur noch das Gefühl, abliefern zu müssen. Nicht nur, dass die Arbeit als monoton, tretmühlenartig oder als Hamsterrad, empfunden wird, hat man ständig das Gefühl, zu wenig zu leisten. Schafft man es nicht, dem gleichmütig entgegen zu stehen, führen das chronisch schlechte Gewissen und das permanente Gefühl, nicht zu genügen, zu Versagensängsten, Konkurrenzkampf, dem Gefühl der Unlebendigkeit bis hin zur totalen inneren Erschöpfung. Die Zahl der Burnout-Erkrankten nimmt stetig zu und das Krankfeiern ist unlängst keine Seltenheit mehr.

Der Fisch stinkt immer vom Kopf

So wie die Gesellschaft krankt, so auch die Arbeitswelt und so auch der Mensch. Eine gesunde Gesellschaft bringt glückliche Menschen hervor und glückliche Menschen tragen gerne und freiwillig ihren Anteil zu einer guten Produktivität bei. Da der Fisch vom Kopf her stinkt, tragen Arbeitgeber und Führungskräfte nicht nur die Verantwortung, annehmbare Arbeitsbedingungen zu schaffen, es obliegt ihnen auch für ein gutes Arbeitsklima zu sorgen. Darunter fallen Motivation, die Möglichkeit sich weiterzuentwickeln, Wertschätzung und Interesse am Einzelnen und Freundlichkeit. Ist dies alles gegeben, so sollte die Frage nach dem Gesehenwerden sich erübrigt haben.

Da aber die moderne Leistungsgesellschaft auf Priorisierung, Maximierung und Profitsteigerung ausgelegt ist, sind die oben genannten Eigenschaften kaum gegeben. Mit Menschlichkeit macht man eben keinen Reibach. Der Mangel an Menschlichkeit hat zu einer ich-zentrierten und isolierten Welt geführt. Statt Zusammenhalt und Gemeinschaftssinn herrscht Einzelkämpfertum. So ist jeder mit seinem Sein und Weiterkommen beschäftigt. Kurz: Man sieht und hört den anderen nicht. Dies geschieht nicht immer aus einer bösen Absicht heraus, sondern Unachtsamkeit, Überforderung und der Druck von oben lassen einen so handeln bzw. nicht handeln. Das ist leider die traurige Faktenlage über unsere heutige Gesellschaft und Arbeitswelt.

Verhärtete Fronten werden nicht mit Härte gelöst

Dennoch oder gerade deshalb sollten wir uns nicht damit abfinden und aufgeben. Ganz im Gegenteil. Sich Gehör-verschaffen bedeutet, auch anderen eine Stimme zu geben. Verhärtete Fronten werden enthärtet – durch Weichheit und niemals durch Härte. Wir denken, umso lauter wir schreien, desto besser werden wir gehört, aber ist es nicht eher so, dass leises Reden dem Zuhörer mehr Aufmerksamkeit abverlangt und damit ein echtes Zuhören fördert? Sind es nicht die sanften Töne, die sich auf Dauer durchsetzen? Sanft sein heißt nicht Depp vom Dienst sein, mit dem man alles machen kann, was man will. Vielmehr ist Sanftheit die Stärke, das Richtige im richtigen Moment zu tun; und das kann, je nach Situation und Bedürfnis, alles Mögliche sein. Sanftheit ist Angemessenheit: situativ, den Erfordernissen angemessen zu handeln. Dies setzt Verständnis und Weitsicht voraus. Eine Stärke, die nicht gelebt wird bzw. nicht an ihrem Platz ist, wandelt sich früher oder später in eine Schwäche. Sind wir geschwächt, dann neigen wir zu Selbstzweifeln, was uns wiederum für Kritik anfällig macht. Die daraus resultierenden Schutzmechanismen sind: sich zurückziehen, zu schmollen oder mit Härte zurückzuschlagen. Wir alle kennen das. Jedoch fühlen wir uns dadurch alles andere als gut.

Die beste Lösung, gesehen zu werden, ist, sich nicht zu verstecken, sondern sich zu zeigen und zwar so, wie man gesehen werden möchte. Mein Umfeld, vor allem die Arbeitswelt, sieht das, was ich bereit bin, preiszugeben. Eine Stärke ist wie ein schönes Kleid, das nur mit der richtigen Haltung zur Geltung kommt. Der Modeschöpfer Marc Jacobs hat mal gesagt: “Kleidung hat keine Bedeutung, bis jemand sie trägt.” Auch Stärken werden erst bedeutungsvoll, wenn man sie annimmt und sie mit Leben füllt. “Es ist nicht das Kleid einer Frau, das verzaubern sollte, sondern ihr Lächeln.” (Yves Saint Laurent) Lächeln bedeutet erhobenen Hauptes, für sich selbst einzustehen. Und am besten so lange, bis alle Lächeln.

Noch mehr Satsang-Fragen und Antworten von Moon Hee findest du hier.


Satsang

Dr. Moon Hee Fischer ist promovierte Religionsphilosophin und arbeitet im Bereich der alternativen Heilung.

Ihre Schwerpunkte sind mediale Supervision und “Der Weg des Friedens.” Ihre Verknüpfung “spirituelle Medialität und wissenschaftlicher Anspruch” eröffnet nicht nur neue, interessante Ansätze für ein ganzheitliches Bewusstsein, sondern betont vor allem die Fähigkeit der Offenheit und das Mit- und Füreinander – “denn nichts existiert unabhängig voneinander.”


Titelbild: Christiann Koepke via unsplash

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