Wie negative Verhaltensmuster verändern? Satsang Kolumne

In der Satsang-Kolumne antwortet Philosophin Dr. MoonHee Fischer auf eure dringenden (Sinn-)Fragen. Stelle auch du MoonHee eine Frage! Schreibe uns dafür eine Mail mit deiner Frage an redaktion@yogaworld.de. Die Fragen werden selbstverständlich anonym behandelt. Wir veröffentlichen lediglich den Vornamen, wenn du damit einverstanden bist. Heute: wie kann ich negative Verhaltensmuster verändern?

Julius: Wie kann man effizient (und langfristig) negative Verhaltensmuster verändern oder transzendieren?

Der Begriff der “Transzendenz” hat alltagssprachlich die Bedeutung etwas zu übersteigen, in dem Sinne etwas zu meistern. Meisterschaft wird um der Erkenntnis willen angestrebt und setzt Mühen und Willen voraus. Die Befreiung von Negativem geschieht durch die richtige Erkenntnis. Und diese wird durch Bereitschaft gewonnen.
Die Frage, die sich hier stellt. Sind wir wirklich bereit dafür? Können wir loslassen um frei und glücklich zu sein? Wollen und können wir wahres Glück wirklich zulassen?

Wenn dem so ist, warum hängen wir an Verhaltensweisen, die uns schaden, die uns unglücklich machen, die uns schuldig fühlen lassen, die uns einengen und klein halten? Wer zwingt uns denn, so zu handeln und zu fühlen, wie wir es tun? Außer wir selbst. Haben wir nicht die Freiheit zu wählen, wer oder was wir sein wollen oder sind wir durch vergangene Ereignisse in unserem Verhalten und Fühlen determiniert? Ist unsere Zukunft voraus bestimmt oder ist sie offen und veränderbar? Liegt es nicht an uns selbst, wie wir etwas sehen oder sehen wollen?

Negatives kann nur durch Positives aufgelöst werden, da Schlechtes immer nur Schlechtes nach sich zieht. D.h. wir müssen erst einmal unsere Einstellung zu unseren destruktiven Mustern verändern. Denn die gleiche Einstellung oder das gleiche Verhalten führt immer zum gleichen Ergebnis. Wollen wir diesen Automatismus stoppen, so müssen wir uns zerstörerischen Neigungen entziehen. Die Voraussetzung dafür ist die Bereitschaft oder Offenheit, die ein und dieselbe Sache aus einer anderen Perspektive sehen zu können. Konkret: Wir müssen die Lichtseite anstatt die Schattenseite eines sich immer wiederholenden Musters betrachten.

Schatten gibt es nur dort, wo Licht ist. Die Schattenseite eines Musters verweist auf etwas, das da ist, aber keine Anerkennung findet. Der Schatten offenbart, wenn wir genau hinschauen, das verdeckte Licht ins uns – Potenziale und Stärken, die vorhanden sind, die wir aber nicht leben. Er zeigt einen Missstand, ein Fehlen bzw. einen blinden Fleck auf. Muster wiederholen sich so oft oder kehren solange zurück, wie wir sie noch benötigen. Durch sie sollen wir uns bewusst werden, dass etwas nicht so ist, wie es sein sollte oder sein könnte.

Die Transzendenz oder Meisterschaft von negativen Gewohnheiten zu guten, liegt darin, das wir das Negative in sein positives Gegenstück umwandeln. Dafür müssen wir jedoch erst die positiven Entsprechungen der negativen Muster bestimmen und unser Leben auf sie fokussieren. Nur in der bewussten Wahrnehmung unserer verborgenen positiven Potenziale, können wir unsere Fehler oder Mängel in uns beheben und letztendlich Heilung bzw. Ganzheit erfahren. Indem wir das Licht in uns mehren, wird das Dunkle ganz von selbst schwächer. Werden wir uns bewusst, dass wir an unseren Mustern und Schwächen festhalten und sie nicht an uns.

Michael: Wie kann man sich leichter von negativen Gewohnheiten (Verhaltensmustern) lösen?

Das ist sehr komplex und schwierig Pauschal zu beantworten. Wieso ist ein bestimmtes Verhaltensmuster entstanden? Was steckt dahinter? Was ist das zu bearbeitende Thema? Jeder Mensch hat in seinem Leben bestimmte Themen, die sich in seinem Leben wiederholen. Themen sind immer mit Schwierigkeiten verbunden, sonst wären sie keine. “Thema” bedeutet, dass etwas nicht an seinen Platz ist, etwas in Unordnung oder unausgewogen ist. Konkret gesagt: “Thema” gleich Spannung, gleich Defizit. Diese Spannung kommt jedoch nur zustande, weil wir das Potenzial dahinter nicht erkennen. Und somit können wir es auch nicht leben.

Nicht gelebte Potenziale führen zu seelischen, geistigen und körperliche Krankheiten. Ein Laster, eine schlechte Angewohnheit, ist eine seelische Krankheit und demnach eine Selbstsabotage. Der beste Weg jegliche Selbstsabotage loszulassen, ist die Erkenntnis darüber – plus zwei wesentliche Dinge: Wille und Glaube. Ohne diese zwei fundamentalen Eigenschaften können wir in unserem Leben nichts erreichen oder verändern. Ohne sie sind weder Umsetzung noch Bewegung möglich. Denn ohne Wille kein Anstoß und ohne Glaube kein Gelingen. Das, was wir tun, müssen wir wollen, und das was wir wollen, daran müssen wir glauben. Wie sehr wir das können, hängt davon ab, wie sehr wir unser ängstliches Ich – mit seinen Anhaftungen und Bewertungen – vergessen können. Nur in einem “offenen Moment”, in der “neutralen Zone”, können wir unser “falsches Selbst” besiegen bzw. unsere negativen Gewohnheiten in positive neue umwandeln.

Ich hoffe, du konntest deine negativen Verhaltensmuster verändern. Vielleicht willst du dir sogar eine Morgenroutine angewöhnen?

Melanie: Wie ist es mir möglich, die negativen Erfahrungen der Vergangenheit zu bewältigen, damit ich einen Schritt aus dem Muster rauskommen kann, in welchem man durch diese Erfahrungen gefangen ist….auch wenn man sich dessen wohl bewusst ist?

Du hast erkannt, dass man Probleme niemals mit derselben Denkweise lösen kann, durch die sie entstanden sind. Das hat Einstein sehr treffend formuliert. Leider liegt darin aber auch die große Schwierigkeit, denn würden wir anders denken oder fühlen, dann hätten wir das Problem nicht. Das heißt, wir müssen unsere Denkweise ändern. Ergänzend hierzu eine andere sehr schöne Aussage: “Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann.” (F. Picabia) Diese Chance und zugleich Herausforderung sollten wir wahrhaftig nutzen. Dafür brauchen wir etwas Mut, aber vor allem Flexibilität und Vertrauen. Das Zaubermittel hierfür ist Offenheit. Nur in und durch Offenheit kann Neues entstehen.

Die Offenheit befähigt uns den nötigen Abstand zu uns selbst, zu unserem Problem, zu bekommen, indem sie uns “neutralisiert”. Offenheit bedeutet nämlich Wertfreiheit und ist die Basis für Versöhnung und Frieden – mit uns selbst und somit auch mit der Welt. Sie ermöglicht das Loslassen von negativen Gefühlen und Erlebnissen durch Transformation. In der “neutralen Zone” können wir uns SELBST wieder bewusst werden. Was sind wir uns selbst wert, wenn alle “äußeren” Bewertungen und Verurteilungen uns nicht mehr bemächtigen, wenn wir sie losgelassen haben? Bleibt dann nicht eine Selbstliebe, die gelebt werden möchte, eine die nach vorne blickt und der Vergangenheit den Rücken zukehrt?

Es gilt zwei Dinge zu erkennen, wenn wir frei von alten Mustern sein wollen. Das Eine ist, dass WIR an den schlechten Gefühlen festhalten und sie nicht an uns, und das Andere ist, dass wir nicht des Rechthabenwollens an ihnen festhalten dürfen. Wollen wir Recht haben oder wollen wir glücklich sein? Wollen wir UNS leben oder wollen wir ein fremdbestimmtes Leben leben, gefangen in dem was uns andere Menschen angetan haben? Weder zahlen wir es ihnen dadurch zurück noch heilen wir dadurch. Die Heilung liegt ganz bei uns selbst. Sind wir bereit uns selbst zu lieben? Wollen wir etwas Gutes, so dürfen wir nicht am Schlechten festhalten. Die Herausforderung liegt in der Offenheit sich selbst neu zu begegnen. Sei bereit dafür. Benutze alte Muster, negative Erfahrungen nicht als Ausreden oder Entschuldigung in deinem Leben nicht frei und glücklich zu sein. Das einzige bewährte Mittel gegen “schlechte Menschen”, traumatische Erlebnisse, negative Gefühle und selbstzerstörende Muster, ist glücklich zu sein.

Satsang von letzter Woche


Dr. MoonHee Fischer ist promovierte Religionsphilosophin und arbeitet im Bereich der alternativen Heilung. Ihre Schwerpunkte sind mediale Supervision und “Der Weg des Friedens: philosophisch-spirituelle Praxis“. Ihre Verknüpfung “spirituelle Medialität und wissenschaftlicher Anspruch” eröffnet nicht nur neue, interessante Ansätze für ein ganzheitliches Bewusstsein. Sondern betont vor allem die Fähigkeit der Offenheit und das Mit- und Füreinander. “Denn nichts existiert unabhängig voneinander”.

Portraitfoto: Elias Hassos | Titelfoto von Min An von Pexels

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