Wiederkehr auf Umwegen

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Über 20 Jahre lang begleitete Regisseurin Jennifer Fox einen Vater-Sohn-Konflikt. Aus dem Material entstand der Dokumetarfilm “My Reincarnation”, in dem ein tibetischer Reinkarnationsmeister und sein im Westen aufgewachsener Sohn von ihrem Leben erzählen. Die Geschichte: Seit 1956 lebt der hohe tibetische Meister Chögyal Namkhai Norbu in Italien im Exil. Er ist einer der letzten wahren tibetischen Meister, die das Geheimnis der Reinkarnation vermitteln können, und der allererste, der die buddhistische Lehre des Dzogchen im Westen lehrt. Durch die stetig wachsende Zahl seiner Schüler und seinen Bekanntheitsgrad bekommt er schließlich den Beinamen Rinpoche, was soviel wie „kostbar“ bedeutet.

Der Meister ist mit einer Italienerin verheiratet, die seinen Sohn, Yeshi, zur Welt bringt. Seine Geburt wird als Reinkarnation eines berühmten spirituellen Lehrers gefeiert. Yeshi jedoch kann sich mit dieser Prophezeiung nicht identifizieren und scheut die Verantwortung und den Lebensstil der väterlichen Tradition. Anstatt in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, rettet er sich in die moderne Welt, um seine eigene Identität zu finden. “Mein Vater und ich haben keine richtige emotionale Beziehung”, sagt Yeshi am Anfang des Films. “Wir sind uns ziemlich fremd.” Dennoch sehnt er sich die ganze Zeit über nach Anerkennung durch seinen Vater.

Die Vergänglichkeit und Wandelbarkeit der Existenz steht im Vordergrund dieses Doppel-Portraits. Jennifer Fox taucht in die Parallelwelten von Vater und Sohn ein: Jahrelang scheinen sie sich nur im Rahmen ihrer Auseinandersetzung zu begegnen. Erst als der Vater sterbenskrank ist, wird sich Yeshi der Zerbrechlichkeit und des möglichen Scheiterns der väterlichen Lebensaufgabe bewusst und wagt es, endlich nach Tibet zu reisen, um seiner „Berufung“ zu folgen.

 

Die Langzeitdokumenation ist auf DVD erhältlich.

 

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