Yoga in den Alpen

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Seit Jahrtausenden studieren Yogis in der Zurückgezogenheit des Himalaya das Menschsein und gelangen in der Ruhe zur Erleuchtung. Paramahansa Yogananda schrieb in seiner „Autobiographie eines Yogi“ von der starken Sehnsucht, die im Himalaya lebenden Weisen aufzusuchen und von ihnen zu lernen. Aber wir müssen nicht erst ins höchste Gebirge der Welt reisen, um zu uns selbst zu finden. Die östliche Philosophie hat inzwischen auch die Gipfel der westlichen Welt erklommen und heißt uns sogar im Heimaturlaub willkommen: Yoga in den Alpen.

Für uns ist eine Bergbesteigung häufig mit einem Perspektivenwechsel verbunden. Am Gipfel angekommen, erscheint uns vieles klein, was einst so mächtig auf unserem Geist lastete. Dem Himmel so nah, werden alle Sorgen nichtig und die Demut groß, die Seele baumelt wie ein Amulett in der frischen Bergluft. In der hinduistischen und buddhistischen Mythologie stellt der Berg Meru das Zentrum des Universums und den Wohnsitz der Götter dar, dem Berg werden besondere Heilkräfte zugeschrieben. Ganz egal, ob Sie nun Yoga auf dem Berg oder in Verbindung mit einer wohltuenden Wandertour üben oder die Ayurveda- und Yoga-Angebote von Berghotels nutzen wollen: Die Alpen werden Sie so oder so in ihren Bann ziehen. Die Anfahrt lohnt sich also selbst aus Flensburg.

Faszination Wandern & Yoga
In vielen Kulturen gelten die Berge als Sitz der Götter. Eine der berühmtesten Predigten Jesu ist die Bergpredigt. Aber es spielt keine Rolle, ob man an Gott oder an Götter glaubt, die Berge sind Kraftorte. Das Wandern in der Berglandschaft bietet die Möglichkeit, auf natürliche Weise innerlich aufzutanken. Was liegt also näher, als Wandern und Yoga in der prachtvollen Bergwelt miteinander zu verbinden? Pranayama-Übungen erhöhen das Energieniveau und öffnen die Atemwege. Yogaübungen dehnen sanft die durch das Wandern einseitig belastete Muskulatur. Zahlreiche Hotels und Reiseveranstalter bieten in Deutschland, Österreich und auch exotischeren Zielen Reisen mit dem Schwerpunkt „Yoga und Wandern“ an. Selbstverständlich kann man auch individuell seine Yogamatte in die Berge mitnehmen, ausrollen und an einem eigens ausgewählten Platz inmitten einer kraftvollen Kulisse seine Asanas üben. Die tiefe Verwurzelung mit der erwanderten Landschaft und die Weite des Himmels bei den Asanas zu erspüren, führt zu einer neuen Intensität des Erlebens der Natur. Nicht wundern, wenn noch mancher Bergsteiger befremdlich blickt oder neugierig anfragt: „Kann ich mitmachen?“

Alpines Kerala
Auch wenn der südindische Bundesstaat Kerala als die Wiege des Ayurveda gilt: In den Alpen ist vor allem ein enormes Ruhepotenzial und die frische Bergluft vorhanden, um die Wirkung einer ayurvedischen Kur optimal zu unterstützen. In vielen Resorts, die ayurvedische Behandlungen im Spa-Bereich anbieten, arbeiten indische Ayurveda-Ärzte und garantieren so eine authentische Vermittlung des alten Wissens. Im Ayurveda- und Spa-Resort Sonnhof im Herzen der Tiroler Bergwelt ist dies Dr. ind. Gaurav Sharma, Bachelor der ayurvedischen Medizin aus Indien, der seit 2008 das Team unterstützt und die Gäste fachgerecht bei den Kuren begleitet. Das Ayurveda-Resort bietet neben Yoga-, Meditations-, Ernährungs- und Detox-Programmen auch ganze Panchakarma-Kuren an. Lassen Sie sich zudem je nach Ihrem Konstitutionstyp von der ausgezeichneten ayurvedischen Küche verwöhnen – das ganze mit Blick auf den Wilden Kaiser. Von Juli bis November gibt es Yogawochen sowie Männeryoga-Kurse. Bis 15. Juli locken spezielle Eröffnungsangebote.
www.sonnhof-ayurveda.at

Kraftort in den Bergen
Bereits der erste Blick auf das Hotel Hochschober zeigt: Dies ist ein ganz besonderer Ort. Das außergewöhnliche Haus liegt eingebettet in die Seenlandschaft, Wälder und Höhenzüge des Nationalparks Nockberge. Sein Wahrzeichen, ein authentischer Chinaturm – fünf Stockwerke hoch und direkt am See gelegen – begrüßt die anreisenden Gäste. Das legendäre Huixinting-Teehaus in der Altstadt von Shanghai inspirierte das Hotelierspaar Karin Leeb und Martin Klein vor einigen Jahren zu diesem exotischen Bauwerk mitten in den österreichischen Alpen. Es ist wesentlicher Bestandteil der Hotelphilosophie, nämlich der der Entschleunigung. In der obersten Etage thront das „Teehaus am Berg“: Hier gibt es tagsüber ausgewählte chinesischen Tees, die besondere Atmosphäre lädt zum Verweilen und Philosophieren ein. Mit dem Gedanken, den Gästen gleichermaßen Wohlbefinden und neue Impulse mitzugeben, nahmen die Hotelmacher sich vor vielen Jahren des Themas Yoga an. Mittlerweile kann man hier nicht nur auf der Yogaplattform am Grünsee, sondern auch im besinnlichen Chinaturm Yoga üben – immer mit Blick auf die Natur. Zu Beginn leitete ein Mitarbeiter das ganze Jahr über die Yogastunden, inzwischen finden zusätzlich zweimal im Jahr, nämlich im Juni/Juli und November, die speziellen Themenwochen „Yoga am Berg“ mit externen Lehrerinnen und Lehrern statt. Kundalini-Yogalehrerin Andrea Schipper etwa hat ihre Yogawoche im Hochschober unter das Thema „Das Herz öffnen“ gestellt. Neben ausgefeilten Kundalini-Übungsreihen finden geführte Meditationen statt, die die Einheiten zur vollen Entfaltung bringen. Es sind die vielen Kleinigkeiten, die dieses Hotel zu einem besonderen Ort für Yogafreunde machen: Schon zum Frühstück gibt es ayurvedische Gerichte, der respektvolle Umgang mit Mensch und Natur wird aktiv gelebt, Nachhaltigkeit und verantwortungsvolles Handeln sind im Hochschober keine leeren Worthülsen. Kein Wunder also, dass die „Yoga am Berg“-Wochen mittlerweile eine stattliche Fangemeinschaft haben.
www.hochschober.com.
Interview mit Sabine Blessing von Alpenyoga

Auf fast 2.000 Höhenmetern fällt es inmitten der Zillertaler Alpen nicht schwer, Abstand vom Alltag gewinnen. „Alpenyoga“ nennt Gründerin Sabine Blessing ihre Wochenend-Yoga-Retreats und erklärt, warum sich das schwebende Studio auch „Panorama-Yoga“ nennen könnte.

YJ: Sabine, wie kamen Sie auf die Idee, Alpenyoga ins Leben zu rufen?
Ich habe bei einem Yoga-Retreat auf Ibiza eine Woche lang Yoga mit Blicks aufs Meer geübt. Auf dem Rückflug entstand der Wunsch, öfter Yoga außer Haus zu machen und gleich darauf kam mir in den Sinn: Das Gute liegt so nah, die Berge sind vor der Haustür, warum also nicht hier? Ich habe meine Wurzeln im Zillertal. Das Intention war es, dass man sich einen kleinen Urlaub gönnt und nicht allzu viel Geld dafür ausgeben oder einen Flug buchen muss. Die meisten Teilnehmer loben die grandiose Aussicht, das gute Essen, die Organisation (lacht) und die Tagesauszeit. Ich wollte diesen „missing link“ zwischen Yogastudio und Yoga-Retreat bedienen. Das „Yoga-Wochenende“, wenn man so will.

Was ist für dich so faszinierend an den Bergen?
Ein unbekümmerter Tag in der Natur gibt Kraft und Energie. So ein Tag erdet dich neu. Meine Freundin Eva, die bei Alpenyoga die TriYoga-Seminare unterrichtet, hat es einmal so treffend poetische ausgedrückt: „Aussicht – Weitsicht – Einsicht.“ Ich fühle mich auch zur Weite und zum Wasser hingezogen, bin aber in der Alpengegend aufgewachsen. Ich glaube, man sucht immer erst mal den Kontrast und besinnt sich irgendwann wieder auf seine Wurzeln. Mit Alpenyoga habe ich gemerkt, dass ich der Heimat auch etwas zurückgeben will. Ich wollte diese alte indische Tradition in die Berge bringen.

Sie haben also ein Yogastudio in den Alpen?
Das Studio „Freiraum“ auf der Bergstation am Ahorn in Mayrhofen ist eigentlich ein Restaurant mit Barbetrieb und zwei Seminarräumen, wo wir im Sommer von Juni bis Mitte Oktober unsere Kurse abhalten dürfen. Die Fenster sind raumhoch und man blickt auf drei Seiten in die Berge, ist aber wettergeschützt. Auch wenn es mal regnet, verändert sich das Wetter dort oben sehr schnell und zum Mittagessen kommt die Sonne dann hinter den Bergspitzen hervor. Das ist einfach traumhaft! Der „Freiraum“ bietet alles, was ich mir auf der Suche nach einer geeigneten Location gewünscht hatte. Er ist ein wirklich freier Raum, der über dem Tal schwebt, und auch Freiraum für die Seele bietet. Zudem hege ich eine Leidenschaft für Architektur und das Studio entspricht meinem ästhetischen Empfinden. Insofern begeistert mich an Alpenyoga nicht nur Yoga und Natur, sondern auch die ansprechende Architektur.

Wie läuft ein Alpenyoga-Tag ab?
Wir treffen uns um 9 Uhr an der Talstation der Bergbahn, fahren gemeinsam nach oben, ziehen uns im Umkleideraum um und gehen in den Yogaraum mit dem traumhaften Panorama. Da stehen dann erst mal alle an den Fenstern und kommen aus dem Staunen gar nicht mehr raus! (lacht) Dann rollen wir unsere Matten aus und erfahren Yoga in den Alpen. Wir haben in den drei Stunden Yogapraxis genug Spielraum, um auf jeden individuell einzugehen und nehmen uns viel Zeit für die Atmung. Je nach Wochenende unterrichten verschiedene Lehrer TriYoga, Jivamukti Yoga und auch Ashtanga Yoga. Danach nehmen wir ein feines vegetarisches Drei-Gänge-Menü zu uns. Aber auch hier können wir wieder auf individuelle Wünsche eingehen. Und nach dem Essen spazieren meist alle noch zum nah gelegenen See oder wandern zu den kleinen Almen rundherum. Um 17 Uhr geht’s mit der Gondel dann wieder runter.

Kann ich das Yogaprogramm auch mit anderen Sportarten kombinieren?
Man kann ein Package nach Wahl buchen. Möchte ein Teilnehmer jetzt unbedingt Tennis spielen, kann ich einen Tennislehrer engagieren. Dann steht eben an dem einen Tag Yoga auf dem Programm, an dem anderem Tennis. Zudem ist im Zillertal der Bau eines Golfplatzes geplant, dann könnte man Yoga mit Golf anbieten. Wir haben auch einen Wanderführer, der Zimmer vermietet und mit dem man auf Wandertouren gehen kann. Das Zillertal ist ein aktives Tal und nicht nur im Winter eine Reise wert.

Wie sollte ich meine Reise planen, wenn ich mich für einen Alpenyoga-Kurs angemeldet habe?
Meistens haben wir an Sonntagen Unterricht, da empfiehlt es sich, bereits am Vortag anzureisen. Die Anreise erfolgt individuell, aber es lassen sich auch Fahrgemeinschaften organisieren, so spart man sich Geld und schont die Umwelt. Bei Anreise mit dem Zug lässt sich vom Bahnhof auch ein Shuttle zur Unterkunft organisieren. Wir haben bestehende Hotelpartnerschaften und stehen bei der Suche nach der passenden Unterkunft gerne beratend zur Seite. Man kann mich einfach anschreiben, wir bekommen fast alles hin. Im August bieten wir übrigens einen Wochenendkurs an, da kann man gut mal drei oder vier Tage draus machen. Man muss ja nicht immer weit weg fliegen, um Urlaub zu machen. Man kann sich einfach zwischendurch mal etwas Schönes gönnen, was sich wie Urlaub anfühlt.

Von Laura Hirch und Catharina Niggemeier

 

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