In Liebe wachsen

Wenn Ihre Partnerschaft Teil Ihrer Übungspraxis wird, entsteht Verbundenheit, die weit über die Paarbeziehung hinausreicht.

Wenn Alejandra Sosa Siroka und Matthew Siroka zusammen im Yogaunterricht sind, gibt es immer einen Moment, in dem sie einander ansehen. „Manchmal dauert das nur den Bruchteil einer Sekunde, aber es fühlt sich an, als ob wir einander ganz neu erkennen würden: ‚Oh, du bist das neben mir, wie schön’“, erzählt Alejandra, eine 37-jährige Dolmetscherin, Übersetzerin und Kommunikationsberaterin. „Bei jedem nach unten schauenden Hund werfen wir uns einen kurzen Blick zu. Jeder ist mit seinem eigenen inneren Wachstumsprozess beschäftigt, aber dabei sind wir uns nah.“ Das Gefühl der Verbundenheit ist eins der vielen Geschenke, mit denen Yoga die beiden nicht nur im Übungsraum, sondern auch in ihrer Ehe bereichert. „Durch Yoga werden wir uns stärker bewusst, wie wir miteinander umgehen“, sagt Matthew, Anwalt und 36 Jahre alt. „Wir ärgern uns nicht mehr so oft und entwickeln dafür schneller Mitgefühl für den anderen.“

Yoga als Wunderwaffe im Beziehungstraining? Vielleicht etwas übertrieben formuliert, aber viele der Fähigkeiten und Prinzipien, die wir beim Yoga üben – darunter Achtsamkeit, gewaltfreie Ehrlichkeit und die Erfahrung von Einheit – können auch Bedeutung für Liebesbeziehungen erhalten. Sie können Ihnen und Ihrem Partner helfen, aus eingefahrenen Bahnen auszubrechen, Konflikte zu klären und ein stärkeres Gefühl der Verbundenheit zu erleben. Und weil Liebesbeziehungen nun einmal gleichzeitig den größten Schmerz und die größte Freude für uns bereithalten, kann eine yogische Struktur unsere Beziehungen radikal verändern. „In gewissem Sinne ist dein Partner dein Guru“, sagt die Paarberaterin Jett Psaris. In ihrem Ratgeber „Undefended Love“ beleuchtet sie die emotionalen Barrieren, die Nähe erschweren, und versucht, ihren Lesern mit Hilfe östlicher und westlicher Philosophie bei deren Überwindung zu helfen. „Ein Partner kann die besten und die schlechtesten Seiten in uns zum Vorschein bringen – mit allen Ecken und Kanten, aber auch mit allen Möglichkeiten“, sagt sie. Es kann Jahre dauern, diese Potenziale zu entdecken. Aber wie unsere Yogapraxis eine Methode ist, die Aufmerksamkeit, Neugier und Präsenz erfordert, so kann auch unsere Beziehung eine Praxis sein. Statt nach Perfektion zu streben, sollte eine Beziehung zu einem Prozess werden, der uns tiefer in uns selbst hineinführt und uns stärker an den Partner bindet. Erneut ist hier der Weg das Ziel: Yoga kann den Pfad unserer Beziehung zu einer freudvolleren, verbindlicheren und lebendigeren Reise machen.

Spiel mit den Grenzen
Als Wegbereiter des „Yoga der Beziehungen“ gelten die Amerikaner Diana Alstad und Joel Kramer. Die Verfasser des Buches „The Passionate Mind Revisited“ wenden seit fast 35 Jahren ihre eigene, ganz individuelle Perspektive des yogischen Wissens auf ihre Beziehung an. Eins der wichtigsten Prinzipien, mit dem sie arbeiten, stammt direkt aus Kramers inzwischen berühmtem Konzept „Playing the edge“ (Spiel mit den Grenzen), das auf jede Asana angewendet werden kann. Wahrscheinlich haben Sie das schon oft erlebt: Sie befinden sich beispielsweise tief in einer Vorbeuge und versuchen, Ihre persönliche Grenze zu finden – den Punkt, an dem Sie klar die Dehnung spüren. Dann halten Sie inne und beobachten, was in Körper und Geist passiert. Anstatt aus der Haltung herauszugehen, atmen Sie, und vielleicht löst sich mit der Zeit die Grenze auf und Sie sinken mühelos tiefer in die Haltung hinein, bis Sie an die nächste Grenze stoßen. Diese Praxis hilft Ihnen, Ihren Körper und Ihren Geist aufmerksamer wahrzunehmen. Mit der Zeit wurde das Prinzip der Grenze zum festen Bestandteil von Joel Kramers Yogastunden. Zugleich entdeckte seine Partnerin Diana Alstad, eine renommierte Autorin und Dozentin, die die ersten „Women’s Studies“-Seminare an den Universitäten Yale und Duke entwickelt hat, dass dasselbe Konzept auch auf Beziehungen übertragbar ist.

Wenn Sie in einer Situation an der Grenze dessen sind, was Sie glauben ertragen zu können, beobachten Sie, atmen Sie und erlauben Sie der Situation, sich zu entfalten – ohne zu versuchen, sie zu verändern oder sich abzuwenden. Denn was zunächst wie eine Grenze wirken mag, kann sich in eine ganz neue Erfahrung verwandeln. Damit diese Methode funktioniert, müssen Paare gemeinsam ihre Grenzen erforschen und verstehen lernen – bei sich selbst und beim anderen. Wenn Partner in einem Therapieprozess an schwierige, schmerzhafte Punkte kommen, empfiehlt Jett Psaris, sich dem hinzugeben, sich zu öffnen und damit zu atmen, wie man es beim Yoga tut. „Sie werden spüren, wie ein tieferer Teil Ihres Selbst zum Vorschein kommt, der Sie unterstützt. Das kann Mitgefühl mit uns selbst sein, eine Form des Gegenwärtig- Seins, vielleicht Frieden oder Akzeptanz.“ Einer ihrer Klienten sprach kürzlich von einer „Welle der Ruhe“, die sich einstellte, nachdem er und seine Frau ihrer Unzufriedenheit mit der Kommunikation in der Beziehung Ausdruck verliehen hatten und Verständnis für den anderen aufbringen konnten. Was sie vorher als tiefe Unzufriedenheit zwischen sich wahrgenommen hatten, wich einem Gefühl von Klarheit und Weite. „Durch Achtsamkeit beginnt man, die emotionalen Minenfelder des anderen wahrzunehmen, die explodieren und Schmerzen verursachen können. Anschließend kann man lernen, sie ganz behutsam zu umgehen.“ So beschreibt es Diana Alstad. Schließlich können beide Partner diese Grenzen geduldig erforschen, in dem Bewusstsein, zusammen auf der Suche nach Wahrheit und einer gemeinsamen Richtung zu sein. Wenn unser Partner dennoch etwas tut, das uns über unsere Schmerzgrenze hinaus belastet, können wir wertvolle Erkenntnisse aus diesem emotionalen Schmerz ziehen. Er macht uns schlicht und ergreifend darauf aufmerksam, dass etwas in der Beziehung falsch läuft. Dann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem wir Veränderungen in Betracht ziehen sollten – besonders, wenn die Beziehung in einer Sackgasse steckt. Darunter versteht Diana Alstad die mangelnde Übereinstimmung bei entscheidenden Themen, beispielsweise Zugang zu den Gefühlen finden, die diese Vorwürfe ausgelöst haben: „Ich bin verletzt, weil das für mich bedeutet, dass du mich nicht respektierst.“ Das kann wiederum Erinnerungen an vergangene Erlebnisse auslösen: „Das erinnert mich daran, wie gedemütigt ich mich gefühlt habe, wenn mein Vater mich kritisiert hat.“ Der zuhörende Partner sagt meist nichts und reflektiert von Zeit zu Zeit aktiv, was der sprechende Partner gesagt hat – aber ohne zu reagieren oder zu urteilen. Beispielsweise: „Du empfindest mich also als respektlos dir gegenüber und vermisst Anerkennung von mir.“ Dann tauschen die Partner die Rollen.

Auch Joel Kramer und Diana Alstad empfehlen, sich Zeit zu nehmen, um schwierige Themen zu besprechen und die angesammelten emotionalen „Rückstände“ aufzuräumen. Wie die Feldmans vergleichen auch sie diesen Vorgang mit der Yogapraxis. Man übe auch dann, wenn man gerade nicht in der Stimmung ist, weil man weiß, dass man sonst schlechte Laune bekommt. Diana fügt hinzu, dass mit dem Festlegen regelmäßiger Gesprächstermine das Reden einfacher wird: „Manchmal kann man in 45 Minuten etwas klären, das einen ein Jahr lang blockiert und entzweit hat.“ Klar und ehrlich über heikle Gefühle zu sprechen, ist eine große Herausforderung – und manchmal werden sogar geübte Sprecher aggressiv. Jett Psaris betont, dass es völlig in Ordnung ist, ab und zu wütend oder verletzt zu reagieren. „Manchmal werden festsitzende Dinge aufgewühlt, wenn wir unsere Wut oder unseren Schmerz herauslassen. Danach können wir uns dann näher mit unseren Reaktionen beschäftigen“, sagt sie.

Judith Hanson Lasater hingegen – Yogalehrerin aus San Francisco und Co-Autorin des Buches „Weil Worte wirken“ (Verlag Junfermann, ca. 13 Euro), das sie mit ihrem Mann Ike Lasater verfasst hat – schwört auf das Schweigen, denn wie alles im Leben können Gefühle unbeständig sein. Je mehr man sich in dem üben kann, was sie „die heilige Pause“ nennt, desto besser. „Asanas und andere Übungen lehren uns, uns selbst zu reflektieren, sodass wir eben nicht reflexartig auf Ereignisse reagieren. In Bezug auf Beziehungen empfehle ich das das ,Ehe-Mudra’: Öffnen Sie den Mund legen Sie die Zunge zwischen die Zähne und beißen sie fest zu“, rät sie lachend. Die Fähigkeit zur Selbstbeobachtung, die wir durch unsere Asana- und Meditationspraxis entwickelt haben, hilft uns, unsere Gedanken zu beobachten, ohne an ihnen zu hängen oder sie zu vertiefen, indem wir sie aussprechen. „Manchmal ist es einfach am besten, gar nichts zu sagen – nicht aus Trotz, sondern weil man sich dafür entschieden hat“, sagt Lasater. „Denn wir wissen, dass alles vorübergeht.“

Verbindung aufnehmen
Wie beim Yoga kann man auch bei der viel beschworenen „Beziehungsarbeit“ ein entspanntes Gleichgewicht zwischen Anstrengung und Leichtigkeit finden, wenn man achtsam ist. „Viele Menschen empfinden so: ‚Wenn du mich lieben würdest, müssten wir nicht daran arbeiten.’ Ich empfinde das als unrealistisch“, sagt Joel Feldman. Um Paaren dabei zu helfen, unterstützen Joel Feldman und seine Frau ihre Klienten bei der Entwicklung von „Liebesritualen“ – kleinen Gesten, die man bis zu dreimal täglich zwei oder drei Minuten lang praktiziert, damit man sich dem Partner wieder nahe fühlt. Dies können Formeln bei Begrüßung und Abschied sein oder auch Unterstützung bei der Organisation des Alltags. Diese scheinbar kleinen Dinge sind so wichtig, weil sie ausdrücken, dass einem der Partner wichtig ist. Und manchmal können diese relativ leichten und kleinen Aufmerksamkeiten neben den schwierigen, großen Themen, die gelöst werden müssen, sogar dazu beitragen, einer bröckelnden Beziehung wieder ein Fundament zu geben. Mit solchen Ritualen können wir „Liebesreserven“ aufbauen, genau wie wir mithilfe unserer Yogapraxis unseren Vorrat an Dankbarkeit und Mitgefühl aufüllen können. Laut den Feldmans ein schlüssiger Vergleich: „Wenn Sie fünf Minuten am Tag meditieren, können Sie Ihr ,Friedenskonto’ aufladen. Wenn Sie als Paar Liebesrituale ausüben, laden Sie Ihr , Verbindungskonto’ und Ihr ,Liebeskonto’ auf.“ Die meisten Menschen werden erleichtert sein, wenn sie merken, dass es meist keiner stundenlangen Gespräche bedarf, um eine Beziehung lebendig und leicht zu halten – jedenfalls nicht immer. „Wenn Sie eine Verbindung herstellen, ist weniger Arbeit erforderlich“, sagt Joel Feldman. „Man beginnt, den anderen als Quelle der Freude und nicht als Quelle der Frustration zu sehen; als jemanden, der einem zur Seite steht und nicht jemanden, gegen den man kämpfen muss.“

Bei sich selbst anfangen
Yoga hilft uns dabei, mit dem Partner zu kommunizieren und eine tiefere Bindung einzugehen, aber es ist genauso wichtig, dass Yoga uns mehr mit uns selbst in Verbindung bringt. „Dadurch, dass die Übungen uns helfen, ganz präsent in unserem Körper zu sein, ist es viel einfacher, ganz präsent bei unserem Partner zu sein, wenn Probleme auftauchen“, sagt Alejandra Siroka. Ihr Mann Matthew fügt hinzu: „Wenn Sie verständnisvoll sind und sich selbst Liebe und Mitgefühl entgegenbringen – und dabei kann Ihre Übungspraxis Ihnen helfen – können Sie die tiefe Verbundenheit mit anderen Menschen spüren.“ Diese Art des Herzöffnens und der Liebe, wie es die Sirokas in den kurzen gemeinsamen Momenten in ihren Yogastunden wahrnehmen, kann von einem Paar in die Welt ausstrahlen. Joel Kramer betont, dass die tiefe Verbindung mit einem Partner uns über die Paarbeziehung hinaus tiefer an das Göttliche, an unser inneres Selbst und an unsere Mitmenschen binden kann. „Diese Verbindung ist die Basis, von der aus wir uns bewegen, uns gegenseitig verändern und uns unserer eigenen Rolle im Lauf der Dinge stärker bewusst werden“, sagt Kramer. ✤

Valerie Reiss ist Redakteurin für ganzheitliches Leben bei beliefnet.com. Sie lebt
in New York.

Friedliche Haltung

Josh Summers ist Akupunkteur, Yin-Yoga- und Meditationslehrer in Boston. Im März unterrichtete er in dem Münchner Studio „Airyoga“ einen zweitägigen Workshop, der sich als inspirierende Mischung aus Yin-Yogahaltungen und praktischer Meditationsanleitung entpuppte. Sofern sie sich darauf einließen, konnten die Teilnehmer zahlreiche Anregungen für ein tiefes Eintauchen in ihr Innenleben mit nach Hause nehmen. Weshalb Yin Yoga und Meditation eine perfekte Einheit bilden, erzählt der sympathische Yogi im YOGA JOURNAL-Interview.

YOGA JOURNAL: Josh, wann und warum hast du mit Yin Yoga begonnen?
JOSH SUMMERS: Mit Yin Yoga begann ich etwa vor zwölf Jahren, nachdem ich bereits zehn Jahre lang Iyengar Yoga praktiziert hatte. Damals hatte ich begonnen, mich für Meditation zu interessieren, und nahm an einigen Retreats teil, bei denen ich viel saß. Dabei plagten mich Beschwerden, die typisch sind für jemanden, der meditiert: Schmerzen im Rücken, in den Hüften und Knien. Ich fühlte mich geradezu betrogen von meiner Iyengar-Praxis und suchte nach Möglichkeiten, bequemer in der Meditationshaltung sitzen zu können. Dabei stieß ich auf einen Artikel von Paul Grilley im amerikanischen YOGA JOURNAL und beschloss, meiner eigenen Praxis einige Yin-Elemente hinzuzufügen. Schon bald war ich begeistert, da nicht nur meine Schmerzen in der Meditation aufhörten, sondern sich zugleich mein Geist viel ausgeglichener und ruhiger anfühlte.

Auf welchen Prinzipien basiert Yin Yoga und wie wirkt es?
Erst einmal möchte ich betonen, dass Yin Yoga ein allgemeiner Ansatz ist, wie man Yoga praktizieren kann. Es handelt sich nicht um ein zusammenhängendes System oder eine geschützte Marke. An die Praxis trete ich auf die selbe Weise heran wie andere Lehrer auch – genau wie bei Paul Grilley oder Sarah Powers handelt es sich um lange und passiv gehaltene Asanas am Boden. In diesem Stil sind die Prinzipien relativ simpel: Der Yogi bringt seinen Körper in eine Haltung, die ihm ein sanftes und gut erträgliches Maß an körperlichen Empfindungen schenkt. An diesem Punkt entspannt er seine Muskeln und bleibt ohne Bewegung zwischen 3 und 10 Minuten oder sogar länger in der Position. Diese Art der Praxis wird allgemein den „Yin-Level“ im Leben heben. Beim Yang Yoga werden die Muskeln primär angeregt, gekräftigt und gedehnt. Beim Yin Yoga sind sie dagegen entspannt und der Körper ist ruhig, so dass die kompakteren Bindegewebsstrukturen um die Gelenke herum auf sichere Weise stimuliert werden können. Auch in unserem Geist lassen sich diese generellen Wirkungsweisen beobachten: Beim Yang Yoga zielt der Yogi darauf ab, Yang-Qualitäten wie Stärke, Selbstvertrauen oder Willenskraft zu kultivieren, während er beim Yin Yoga Yin-Qualitäten wie Stille, Empfänglichkeit und inneren Frieden erlangen möchte. Natürlich sind das jetzt Verallgemeinerungen … Yang wird immer auch Yin-Elemente enthalten und andersherum. Nichts kann ausschließlich Yin oder Yang sein.

Wie wird das Meridiansystem durch die Yin-Haltungen beeinflusst?
Die sogenannte moderne Meridiantheorie geht davon aus, dass die Meridiane im Bindegewebe des Körpers zu finden sind. Jedes Yoga, egal ob Yin oder Yang, stimuliert dieses Gewebe, doch Yin Yoga unterstützt nachhaltig die Gesunderhaltung des Bindegewebes an den Gelenken. Gerade dort sind energetische Blockaden oft am stärksten. Auf energetischer Ebene kann man also sagen, dass Yin Yoga hartnäckige Verstopfungen beseitigt und Yang Yoga frische Energie durch die Kanäle fließen lässt, sobald diese Blockaden verschwunden sind. Um besser verstehen zu können, wie diese Theorie funktioniert, ist es hilfreich, das Konzept der Piezoelektrizität näher zu betrachten. Einfach ausgedrückt, handelt es sich dabei um Elektrizität, die entsteht, wenn kristalline Strukturen zusammengedrückt werden. Im Körper kann das Netzwerk aus kollagenem Bindegewebe als „flüssiges Kristall“ verstanden werden, welches bei Kompression und Dehnung eine piezoelektrische Ladung erzeugt. Ein in Achtsamkeit geschulter Yogi wird diese elektrischen Ströme und Wellen von Energie spüren, ganz besonders nachdem er direkt aus einer Yin-Yogahaltung herauskommt. Genau das ist so interessant an Akupunktur und an Yoga: Man mag an einer Stelle mit einer Nadel oder einer bestimmten Yogahaltung ansetzen, aber die Wirkung ist im gesamten Körper spürbar – und zwar deshalb, weil das Bindegewebe den gesamten Organismus durchläuft.

Empfiehlst du Yin Yoga als komplementäre Übungspraxis?
Ja, definitiv. Für die meisten Yogapraktizierenden, die einen Yang-Yogastil üben, ergänzt Yin Yoga die Praxis perfekt. Zum Beispiel ist es nicht ungewöhnlich, dass mir ein Ashtanga-Yogi nach einigen Yin-Yogaeinheiten erzählt, dass sich seine Ashtanga-Praxis plötzlich leichter und flüssiger anfühlt. Yin und Yang unterstützen einander, gleichen sich aus und bestärken sich. Nur eines von beiden zu betonen, fördert Ungleichgewicht. Die Leute fragen mich immer, wie viel Yin Yoga sie praktizieren sollen. Aber es gibt keine Formel. Ich rate immer, erst mit ein bisschen Yin Yoga zu beginnen, um zu sehen, wie es sich anfühlt. Dann kann man tief in sich gehen und selbst beurteilen, ob man etwas mehr Yin oder Yang in seinem Leben braucht. Eigentlich geht es grundsätzlich darum, sich selbst zu reflektieren und sich dann in Richtung Balance zu bewegen.

Wie sieht eine Klasse von Josh Summers aus?
Im Rahmen von eineinhalb Stunden betonen meine Klassen ein spezielles Meridiansystem oder eine bestimmte Körperregion, wie Hüften oder Rücken. Manche meiner Schüler bleiben 4 bis 5 Minuten lang in den Haltungen, daher unterrichte ich nicht mehr als zehn oder zwölf Asanas. Zu Beginn der Stunde erläutere ich meist die fundamentalen Elemente des Yin-Yoga-Ansatzes, damit die Schüler wissen, wie sie auf sich selbst achten können. Zudem biete ich meditative Reflexionen für die Zeit in den Haltungen an. Ich versuche immer, mindestens eine halbe Stunde am Ende für Stille übrig zu haben, damit die Schüler in ihre eigene Erfahrung und Praxis eintauchen können.

Wie stehen dein tiefes Interesse an Yin Yoga und Meditation miteinander in Verbindung?
Wie ich bereits erwähnte, kam ich zum Yin Yoga, weil ich mir erhoffte, dadurch komfortabler beim Meditieren sitzen zu können. Je mehr ich es praktizierte, desto klarer wurde mir, dass es tatsächlich ein großartiger Rahmen ist, um Meditation zu üben. Viele Anhänger der Yang- Stile würden vermutlich anmerken, dass ihr Stil ebenfalls eine meditative Komponente besitzt. Ich verneine das nicht, doch in der Stille des Yin Yoga kann man sich wirklich entspannen, loslassen und in einen Zustand eintauchen, den man nur schwer erreichen kann, wenn im Außen viel Bewegung herrscht. Häufig kommt es vor, dass spirituell Suchende eine ziemlich Yang-orientierte, kontrollfreudige Geisteshaltung mitbringen, und solche Gedanken haben wie: „Ich muss entspannter, ruhiger, mitfühlender werden. Ich muss ein besserer Mensch werden, ein weniger wütender Mensch. Ich muss das jetzt umsetzen, um in der Zukunft etwas Bestimmtes zu werden oder zu bekommen.“ Das Problematische an dieser Denkweise ist, dass sie der Ansicht vieler spiritueller Traditionen widerspricht, Frieden, Glück und Freiheit seien bereits vorhanden – genau in diesem Augenblick. Wenn man praktiziert, um diese Zustände irgendwann einmal in der Zukunft zu erfahren, ist das die Garantie dafür, dass man sie nie erreichen wird! Das ist ungefähr so, als würde man seine Autoschlüssel in der Wohnung suchen und vergessen, dass man sie schon längst in die Jackentasche gesteckt hat. Yin Yoga und sein Fokus auf empfängliche, innere Stille richten den Übenden auf den Moment aus, so dass er Frieden und Glück direkt erfahren kann. Eine solche Qualität des Seins stellt sich dann ein, wenn der Yogi damit aufhört, sie in irgendeinem anderen Moment zu suchen. Je mehr ich meditierte, desto stärker wollte ich als Lehrer einen Weg finden, diese Erfahrung mit meinen Schülern zu teilen. In einer sehr aktiven Stunde, die sich auf akkurate Ausrichtung und fließende Bewegungen konzentriert, hat man einfach nicht genügend Zeit, wirklich tief in meditative Themen einzutauchen. Im Yin Yoga kann man dagegen mehrere Minuten lang in einer Haltung über ein bestimmtes Thema sprechen und ermöglicht den Schülern dadurch, in der Asana Meditation zu praktizieren. Du bist Gründer eines Instituts, das vor allem in Unternehmen Achtsamkeitsmeditation anbietet und propagiert.

Was für Programme sind das?
Mit dem metaMind-Institut möchte ich Individuen und Organisationen die zahlreichen Vorteile von Achtsamkeitsübungen in Berufsleben und Alltag nahe bringen. Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen zunehmend und sehr viele Menschen empfinden es als große Herausforderung, mit der Komplexität und Unsicherheit unseres modernen Lebens zurechtzukommen. Achtsamkeit als Übung, in jedem Moment vollkommen präsent zu sein, kann als Gegengift bei diesen Problemen wirken. Indem man einfach nur die Aufmerksamkeit immer wieder in den gegenwärtigen Moment bringt, wird man ruhiger und bekommt einen objektiveren Blick auf das Leben. Aus dieser ruhigen Klarheit entspringen fähigere, innovativere und vorteilhaftere Reaktionen in den unterschiedlichen Arbeits- und Lebenssituationen. Mich persönlich interessiert vor allem der Zusammenhang zwischen Achtsamkeit und Führungspositionen, da die Entscheidungen von Personen auf Führungsebene das Leben vieler direkt beeinflussen. Zum Einen wirkt sich das Maß an Bewusstheit einer Führungsperson auf die Wahrnehmung der Welt und die Handlungen ihrer Mitarbeiter aus. Zum Anderen erkennen mehr und mehr Führungskräfte selbst, dass sie durch das Achtsamkeitstraining genau die kognitiven Fähigkeiten erhalten, die sie benötigen, um den Herausforderungen unserer Zeit mit größerer Belastbarkeit, mehr Gleichmut und angepasster Flexibilität zu begegnen.

Geht eine regelmäßige Meditationspraxis automatisch in den Alltag über oder benötigt man bestimmte Strategien, um die oftmals wahrgenommene Trennung zwischen Meditation und
alltäglichem Leben zu überwinden?
Ich empfinde das Verhältnis zwischen Achtsamkeitspraxis und Achtsamkeit im täglichen Leben als ähnlich wie das zwischen einem Fitnesstraining und dem Kraft- und Energielevel, das einem jeden Tag zur Verfügung steht. Während der Dauer eines Fitnesstrainings stärkt und dehnt man Muskulatur und Gewebe, sodass die vielen kleinen Aufgaben im Alltag wie das Tragen von Einkaufstaschen, das Hochheben der Kinder oder das Überziehen der Betten leichter werden. Im Rahmen der Achtsamkeitspraxis betont man für eine gewisse Zeitspanne das aufmerksame Verweilen im gegenwärtigen Moment. Im Lauf der Zeit und mit regelmäßiger Praxis taucht diese Achtsamkeit überall auf – ganz egal, wo man ist oder was man tut: bei einem Meeting oder Vortrag, im Gespräch mit dem Partner. Das gesamte Leben wird nach und nach von größerer Präsenz und Klarheit durchdrungen. Manchmal, wenn ich mit Gruppen arbeite, frage ich zu Beginn, wer am Morgen geduscht und Zähne geputzt hat. Alle melden sich. Aber wenn ich dann frage, wer sich am Morgen um seinen Geist gekümmert hat, sehen mich, bis auf ganz wenige Ausnahmen, nur erstaunte Gesichter an. Ist das nicht seltsam? Wir kümmern uns meist gar nicht um genau den Teil, der das ganze Schiff steuert – unseren Geist. Indem wir jedoch beginnen, unseren Geist ernst zu nehmen, werden wir weniger reaktiv und können uns selbst und der Welt besser dienen.

 

Weitere Informationen zu Josh Summers, seinen Workshops und seinem Buch „The Buddha’s Playbook“ mit praktischen Meditationsanleitungen.

 

Reine Nahrung für den Geist

Unsere tägliche Nahrung versorgt Körper, Geist und Seele mit allem, was für ein gesundes, glückliches und langes Leben notwendig ist. Je nachdem, welche Prioritäten man im Leben setzt, sollten die Speisen individuell ausgewählt, kombiniert und zubereitet werden. Dadurch kann man jene Teile des eigenen Wesens in ihrer gesunden Entwicklung fördern, die aktuell besonders im Fokus stehen.

Für den spirituell Suchenden empfehlen Yoga und Ayurveda eine reine Ernährungsform, die auch sattvische Ernährung genannt wird. Darunter versteht man in der ayurvedischen Diätetik eine sehr reine und naturbelassene Ernährungsform, die die geistige Verfassung des Menschen verbessern soll. Anhand der drei Gunas Tamas, Rajas und Sattva legt man die Ernährungskriterien so fest, dass Tamas und Rajas überwunden und Sattva gesteigert wird. Dadurch können die Klarheit des Geistes, die Reinheit der Gefühle und die Kraft des Körpers gestärkt werden. Im Yoga stehen die drei Gunas Tamas, Rajas und Sattva für die Gemütszustände des Geistes: Tamas herrscht während des Schlafes und beschreibt einen Geisteszustand, der von Trägheit und Unbewusstheit geprägt ist. Rajas herrscht tagsüber und wird durch Aktivität und Stimulation bestimmt. Sattva ist die Balance von Tamas und Rajas: ein ausgeglichener, kontrollierter Geisteszustand, in dem Bewusstheit, Intelligenz und ethische Werte vorherrschen. Das oberste Ziel aller psycho-mental ausgerichteten Yoga- und Ayurvedapraktiken ist es, das Sattva-Guna zu stärken, um ein Leben in ganzheitlicher Gesundheit und spiritueller Verbundenheit zu führen.

Frische Nahrung für die Seele
Die wichtigste Eigenschaft einer sattvischen Ernährung ist ihre frische, vitalstoffreiche und liebevolle Zubereitung – und ein ebensolcher Verzehr. Fertignahrung in jeglicher Form wird aus ayurvedischer Sicht als nicht-sattvisch bezeichnet und ist im Vergleich zu Selbstgekochtem immer minderwertig. Eine frisch zubereitete Suppe ist somit selbst hochwertigen Fertigprodukten aus dem Bioladen vorzuziehen. Unter diesem Gesichtspunkt sollte man auch die Verwendung von Sojaprodukten – die zwar vegan, aber häufig fermentiert und nicht frisch sind – überdenken.

Vegetarisch oder doch mit Fleisch?
Das ist die Gretchen-Frage in der ayurvedischen Ernährung, wenn es um das sattvische Bewusstsein geht. Ziel der sattvischen Ayurveda-Ernährung ist es, unsere spirituelle Entwicklung zu fördern. Dafür ist eine naturbelassene Bio-Ernährung, die auf alle fleischlichen Eiweiße verzichtet, ein absolutes Muss. Durch Ahimsa, das geistige Prinzip der Gewaltlosigkeit, gewinnen wir an spiritueller Kraft, feinstofflicher Energie und geistiger Vitalität. Aus diesem Grund werden in der sattvischen Ernährung Fleisch, Fisch und Eier strikt gemieden. Die einzigen Quellen tierischen Eiweißes sind frische Biomilch, Butter, Ghee und Buttermilch.

Anregende Reizstoffe wie Kaffee, schwarzer Tee, roher Knoblauch und Zwiebeln werden aufgrund ihrer aphrodisierenden Wirkung für Mönche und Meditations- Praktizierende nicht empfohlen. Umso wichtiger ist das Gebet in der sattvischen Ernährung: Die Energie des Essens hängt stark von der inneren Haltung während des Kochens und Essens ab. Jede Mahlzeit sollte mit Dankbarkeit für Gottes Gaben und Bewusstheit zubereitet und in Ruhe eingenommen werden. Man kocht mit Liebe und legt geradezu Zärtlichkeit in die Verarbeitung von lebendiger Nahrung – das Gemüse wird mit Bedacht geschnitten, der Duft beim Köcheln geatmet und die fertigen Speisen entstehen vor dem inneren Auge. Durch das Singen spiritueller Verse (Mantras) beim Kochen kann die heilende Kraft noch verstärkt werden. Besonders in Klöstern und Tempeln richten Yogis und spirituell Suchende ihre Ernährung traditionell nach diesen sattvischen Grundregeln aus. Doch auch wenn man kein strenges Yogaleben führt, kann die sattvische Ernährung eine wertvolle Therapie sein. Die reine Ernährung befreit von psychischen Schlacken und bringt unterdrückte Gefühle an die Oberfläche. Gerade depressive oder traumatisierte Menschen sind oft mit „geistigem Ama” belastet. Eine sattvische Ernährung kann dabei helfen, wieder in Kontakt mit sich selbst zu kommen und sich von Ängsten, Aggressionen und negativen Emotionen zu befreien.Mit der richtigen Ernährung erfährt man eine neue Lebendigkeit und Klarheit, die Kraft geben kann, alte Persönlichkeitsmuster abzulegen und ein neues Selbstbild zu erschaffen. Dafür sollte etwa die Hälfte der Nahrung aus möglichst unbehandeltem Gemüse und Früchten bestehen, dazu kommen vollwertige Getreideprodukte und Nüsse. Alle Mahlzeiten des Tages werden immer frisch zubereitet und direkt im Anschluss in angenehmer Atmosphäre verzehrt. Die einfachen und mild gewürzten Speisen gleichen das körperliche und geistige Feuer aus und fördern inneren Frieden und Reinheit. Der Grundgeschmack der sattvischen Diät setzt sich aus süßen und bitteren Nahrungsmitteln wie zum Beispiel süßen Früchten, Nüssen und Blattgemüse zusammen. Diese öffnen den Geist, befreien von negativen Emotionen und fördern den Heilungsprozess bei psychischen Erkrankungen. Die traditionelle Ernährungstherapie des Ayurveda kennt zudem spezielle Rezepturen, die das mentale Gleichgewicht fördern. Dazu werden besonders gerne Nahrungsmittel wie Reis, Weizen, Mungbohnen, rote Linsen, Sellerie, Spinat, Rüben, Granatapfel, Mangos, Kokosnuss, Trauben, Milch, Ghee, Sesamsamen, Datteln, Ingwer und Kurkuma verwendet. Auch Heilkräuter wie Shatavari, Brahmi, Amalaki, Ashwagandha, Pippali oder Haritaki setzt man zusammen mit Milch oder Trockenfrucht-Toffees zur Behandlung von mentalen Dysbalancen wie Gedächtnis-, Schlafstörungen oder Trauer ein.

Kerstin Rosenberg bildet als Ayurveda-Spezialistin und erfolgreiche Buchautorin Ayurveda-Therapeuten, -Ernährungsberater und psychologische Berater in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus. Gemeinsam mit ihrem Mann ist sie geschäftsführende Gesellschafterin der Europäischen Akademie für Ayurveda

Aus Freude am Hören

Joyful Songs from the Heart

Für sein Debütalbum „Joyful Songs from the Heart“ bekommt Matthias Roth, ein ausgebildeter Yogalehrer der Sivananda-Tradition, von zahlreichen namhaften Gaststars Unterstützung. Da wäre zum einen der kalifornische Kirtan-Sänger Dave Stringer, dessen Stimme bereits in Filmen wie „Matrix Revolutions“ oder dem Videospiel „Myst“ zu hören war. Oder das junge Ausnahmetalent Janin Devi, eine nordrheinwestfälische Bhakti Yogini, die zuletzt mit ihrer im vergangenen Dezember erschienenen CD „Jay Ma“ begeisterte. Zu guter Letzt findet sich noch die New Yorker Musikerin Spring Groove unter Roths Musikgästen. Im italienischen Yoga Journal wurde Spring Groove zur „Voice of Yoga” gekürt. Gemeinsam schaffen die yogabegeisterten Songwriter einen von sanften Akustik-Instrumenten getragenen musikalischen Hochgenuss. Auch für seine Texte hat sich der Schweizer Singer-Songwriter Roth etwas Besonderes einfallen lassen: Gekonnt mischt er englische Songtexte mit traditionellen Mantras. Das Ergebnis ist ein rundum gelungenes, harmonisches Musikerlebnis.

Fazit: Der bereits mit seiner Band „Shanti“ in Erscheinung getretene Roth rundet sein gelungenes Solo-Debüt mit Auftritten prominenter Gastmusiker ab.

„Joyful Songs from the Heart“ von Matthias Roth (Mr Production, ca. 20 Euro).

Eine Pilgerreise ins Herz des Yoga

YOGA – Die Kunst des Lebens

„Yoga hat mir meine Lebensfreude wiedergegeben. Ganz einfach“, sagt eine junge Französin, die am Ufer eines Flusses im Himalaya sitzt. Wie die anderen in der Reisegruppe pilgert sie auf den Spuren von Swami Sivananda durch Indien, um die Ursprünge des Yogas zu erkunden. In der Bergwelt Uttarkarshis praktizieren sie gemeinsam täglich ihre Asanas, sie meditieren und besuchen heilige Stätten in Rishikesh. Völlig unaufgeregt und fernab oberflächlicher Tendenzen führt Solveig Klaßens Dokumentarfilm „Yoga – Die Kunst des Lebens“ dem Zuschauer den Zauber vor Augen, den Yoga in seiner Schlichtheit ausüben kann. Neben der Pilgerreise steht im Film auch ein Besuch beim Yogalehrer und Philosophen R. Sriram und seiner Frau Anjali in Chennai an. Dort leben die beiden, wenn sie nicht gerade in Deutschland sind. R. Sriram hat beim „Vater des modernen Yoga“, Krishnamacharya, gelernt. Nun gewährt er dem Zuschauer fundiert Einblick in die Yogaphilosophie und führt in den Gesprächen gut gelaunt vor Augen, wie Yoga ein Begleiter fürs Leben werden kann..

Fazit: Dieser Film macht Lust – auf Indien, Reisen, Yoga und das Leben!

„YOGA – Die Kunst des Lebens” von Solveig Klaßen (good!movies, ca. 18 Euro).

Zwischen den Welten

Das jüdische Ehepaar Rachel Yula und Avraham Dagan Kolberg bieten in einer ultraorthodoxen Stadt in Israel Yoga für gläubige Juden an. Einige Rabbis sehen darin Götzenanbetung. Die strenggläubigen Kolbergs aber sind überzeugt, dass man nur durch einen starken Körper Gott und sein Werk erkennen kann.

Fotos: Pavel Wolberg

Wüsste mancher Rabbi, wie Rachel Yula Kolberg nach der Methode B. K. S. Iyengars an der Wand ihres Studios kopfüber in den Seilen hängt – er würde sie eine Götzenanbeterin schimpfen. Rachel hält die Arme verschränkt, ihre Fußsohlen berühren sich, die Knie sind nach außen gestreckt, sie atmet gleichmäßig. Ein paar Minuten baumelt sie so, schräg gegenüber an der Wand prangt seit einigen Monaten ihr neues Zertifikat: Rachel darf auf mittlerer Kursstufe Asanas und Anfängerkurse in Pranayama unterrichten. Dann löst sich Rachel, 39, aus ihrer Position, kommt zum Stehen und zupft ihr hellblaues Kopftuch zurecht. Sie ist bereit. In einer Viertelstunde werden die ersten Schülerinnen zur Abendklasse eintrudeln. Im Nebenraum schiebt sich Rachel noch schnell einen Keks in den Mund, setzt sich an ihren Arbeitsplatz, beantwortet noch eine E-Mail und erledigt einen Anruf. Während sie heute Abend unterrichten wird, hütet ihr Ehemann Avraham, 38, die fünf Kinder – an anderen Abenden ist es umgekehrt. Das strenggläubige Ehepaar hat Yoga zum Beruf und damit zu einem großen Teil des Lebens gemacht. Und das ausgerechnet in Beit Shemesh, einer Hochburg ultraorthodoxer Juden zwischen Tel Aviv und Jerusalem: Dort sollen Frauen in erster Linie Kinder gebären und Männer in den Talmudschulen das Wort Gottes lernen.

Die Stadt der Gläubigen
Die meisten Menschen hier in Beit Shemesh führen ein Leben mit und für Gott, sie folgen den Regeln der Thora und den Auslegungen der Rabbis. Alles, was davon ablenkt, ist verpönt. Daher ziehen die sogenannten Charedim, wie die ultraorthodoxen Juden genannt werden, oft in separate Städte und Stadtteile – wie eben Beit Shemesh. Draußen vor Rachels Haustür wuseln wie jeden Tag auch an diesem Mittwochabend Männer mit langen Bärten, schwarzen Mänteln und Schläfenlocken durch die Straßen, auf dem Weg zwischen Talmudschule und Zuhause. Die Mehrheit der ultraorthodoxen Männer lernen in den sogenannten Yeshivot. Einen Beruf haben sie nicht, das Geld für die Familie kommt meist vom Staat. Auch den Armeedienst, der in Israel Pflicht ist, müssen die Charedim nicht leisten. Die meisten verheirateten Frauen in Beit Shemesh tragen Perücken oder Kopfbedeckungen. Sie schieben Kinderwägen vor und ziehen kleine Kinder hinter sich her. Auch sie sind meist grau und schwarz gekleidet. Sie wollen und dürfen nicht auffallen, Körperrundungen nicht betonen, auf gar keinen Fall zu viel Haut zeigen. Denn das könnte die Blicke der Männer auf sie lenken. Männer und Frauen warten an den Bushaltestellen, manche wippen mit ihrem Oberkörper rhythmisch zu den Worten, die sie aus dem Gebetbuch leise vor sich hinmurmeln.

Skurrile Oase: Das Yog-Studio
Das Studio, das die Kolbergs im Obergeschoss ihrer Wohnung eingerichtet haben, wirkt da wie eine kleine Oase. Hier dürfen sich auch die Gottesfürchtigen für ein paar Stunden in der Woche ganz auf sich und ihren Körper konzentrieren. Einige kämen zunächst mit gesundheitlichen Problemen wie Rückenschmerzen, erklärt Avraham. Viele ihrer Kursteilnehmer seien Einwanderer aus den USA und Europa. „Sie kennen Yoga oft schon und sind daher nicht so misstrauisch.“ Doch ein Großteil bleibt Yoga fern, aus Angst, mit diesen fernöstlichen, spirituellen Leibesübungen „avoda sara“, also einen „Götzendienst“ zu leisten. Manche Rabbis sind gegen Yoga. „Weil sie es nicht kennen“, glaubt Rachel. Einige Interessenten erzählten ihr, sie würden gerne kommen, müssten aber noch auf die Zusage ihres Rabbis warten. Und dabei sei Yoga doch gerade für die Frauen hier so wichtig, meint Rachel. Rachel sitzt an diesem Abend vor ihrem Computer, die Teetasse in der einen, die Maus in der anderen Hand. Die Knie hat sie angezogen. Sie wirkt jugendlich, beinahe unbeschwert. Und doch verraten ihr Blick, ihre Haltung und ihre Worte, dass sie sich und ihren Platz im Leben gefunden hat. Als Bildschirmhintergrund hat sie ein Bild von B. K. S. Iyengar im Lotussitz. Seine rechte Fußsohle ist zu sehen und seine rechte Handinnenseite. „Die Füße sehen aus wie die eines Babys, die Hände wie die eines alten Mannes. Ist das nicht unglaublich?“ Nach ihrer ersten Iyengar-Stunde war für Rachel und Avraham klar, dass sie ihr Yoga gefunden hatten. Es folgten viele Unterrichtsstunden und Ausbildungskurse. Später hat Rachel bei B. K. S. Iyengar persönlich in Indien gelernt. Sie ist begeistert von seiner Person, seinem Unterricht und seinem Lebenswerk.

Yoga und Religion
Und dabei sind Rachel und Avraham strenggläubig. Avraham trägt einen langen Bart und Schläfenlocken, Rachel ein Kopftuch und außerhalb des Yogastudios lange Röcke. Sie haben einen Weg für sich gefunden, Yoga und Religion zu verbinden: „Yoga ist ein Instrument, es kann dich auf das Gebet vorbereiten. Im Yoga kontrollieren wir uns und unseren Geist, schauen nach innen, beobachten uns. Jeder religiöse Mensch sucht genau das – es ist ein Segen für uns“, erklärt Avraham. Durch Yoga, sagt Rachel, findet sie nicht nur immer wieder erneut zu sich, sondern auch zu Gott. „Wie durch den Glauben lernen wir auch im Yoga, unseren Stolz loszulassen. Es ist ein Weg, völlig ehrlich mit uns zu sein.“ Rachel ist eine lebenslustige Frau, ihre Bewegungen sind energisch, ihre Blicke wechseln zwischen streng und fröhlich. Sie und Avraham sind chassidische Juden, eine besondere Form der ultraorthodoxen Glaubensgemeinschaft. Chassidische Juden befolgen Gottes Gebote emotional und mit Freude, die Gebete sind herzlich und warm. Die Gruppe entstand im 18. Jahrhundert in Osteuropa unter armen und ungebildeten Juden als Abgrenzung zu der eher strengen Glaubenspraxis der gelehrten Elite. Das Judentum ist stark fragmentiert und so gibt es auch innerhalb der chassidischen Gemeinschaft Untergruppen. Rachel und Avraham haben sich der um Rabbi Nachman aus Breslau angeschlossen: Sie zählen zu den besonders fröhlichen Gläubigen: Nicht selten sieht man in den Städten hebräisch beschriftete Kleinbusse mit lauter Musik, die immer mal wieder anhalten. Dann steigen Männer auf das Autodach und tanzen – eine Form der Glaubensausübung der Anhänger von Rabbi Nachman. Nach und nach steigen an diesem Mittwoch einige der Frauen von draußen die Treppen ins Studio hinauf, zwei Schwangere sind darunter, junge Mädchen mit langen Haaren und langen Röcken, Frauen mit Kopftüchern, weiten Shirts und Strickjacken. Yoga für gläubige Juden ist nach Geschlechtern getrennt, Avraham unterrichtet die Männer, Rachel die Frauen. Es wird nicht gesungen und Positionen, die die Namen von Göttern tragen, wurden umbenannt. Der Kurs an diesem Abend ist speziell für religiöse Frauen gedacht. Unter ihresgleichen dürfen die meisten Frauen ihre Röcke ablegen. Doch nicht alle schlüpfen wie Rachel in körperbetonende Leggins und enge T-Shirts, nicht alle ziehen die Strümpfe aus. Die 14-jährige Ester (Name von der Redaktion geändert) trägt über den Leggins einen fast knöchellangen Rock, darunter feine, durchsichtige Seidenstrümpfe. Das sind Vorgaben der Familie, sagt Rachel. Die Eltern ließen das pubertierende Mädchen nicht in ihren Unterricht, wenn sie sich nicht so züchtig kleiden würde. Manche der noch neuen Teilnehmerinnen sind steif und unbeweglich. Ihnen ist anzusehen, dass Sport nicht Teil ihres Lebens ist. Ester wirkt, als sei sie noch nicht ganz in der Yogastunde angekommen, als sei sie auf dem Sprung, als gehörte sie nicht hierher. Zwei andere junge Mädchen sind das erste Mal hier, sie schauen noch etwas erstaunt, kichern ab und an, Rachel ermahnt sie mit einem strengen Lächeln zur Aufmerksamkeit. Sie werden Rachel nach der Stunde fragen, wofür dieses Yoga eigentlich gut sei und was so eine Stunde denn koste. Hier und da biegt Rachel Beine zurecht und dreht Köpfe gerade, ihr Griff gleich dem einer russischen Gymnastiklehrerin und verrät ihre Herkunft. Rachel wurde in Russland geboren, als Kind war sie Turnerin, Sport war immer Teil ihres Lebens – anders als bei den meisten ihrer Teilnehmerinnen. Früher lebte sie ein anders Leben.

Der große Wandel
Rachel und Avraham hießen vor etwas mehr als einem Jahrzehnt noch Yula und Dagan. Sie waren ein säkulares, modernes junges Paar in Tel Aviv. Die beiden gingen in Bars und auf Partys, Yula trug enge Hosen, das Haar offen, Dagan keine Kippa. „In meinem Leben hat etwas gefehlt“, erzählt Avraham. „Vor allem meine Generation hat in dieser Schnelllebigkeit einen unruhigen Geist. Man fühlt eine große Traurigkeit, ohne zu wissen, warum.“ Avraham versuchte es mit Meditation. „Eine kraftvolle Erfahrung. Aber es hat mich eher verwirrt.“ Dann trat Iyengar Yoga in ihr Leben: Die beiden gingen zusammen in ihre erste Stunde. Es war der Beginn einer Liebe. Sie reisten später mit ihrem damals zweieinhalbjährigen Sohn nach Dheradun in Indien, um Yoga zu unterrichten und unterrichtet zu werden. „Das war keines dieser großen Zentren. Ein Ehepaar hat uns in kleinen Gruppen zuhause unterrichtet“, erzählt Rachel. Gut 40 Kilometer südöstlich fanden sie wenige Monate später zu ihren jüdischen Wurzeln, zu ihrer neuen Identität und zu ihrem neuen Glauben. In Rishikesh feierten rund 300 Juden das Passah-Fest. Die Kolbergs schlossen sich eine Woche lang an. Sie veränderte ihr Leben. „Ich kann gar nicht sagen, wie genau es passiert ist“, sagt Avraham heute. „Etwas in unseren Herzen hat sich verändert. Solche Dinge kannst du nicht erklären.“ Zurück in Israel suchten sie eine religiöse Schule für ihren Sohn. Sie schmissen einige unzüchtige Fotografien und Bücher über Hinduismus weg. Yula zog sich lange Röcke an, und verdeckte ihr Haar. Avraham trug die Kippa und suchte nach einer Synagoge. Sie gaben ihre Freiheit auf für die strengen Regeln des jüdischen Glaubens. „Das war ein großer Kampf mit uns selbst. Plötzlich mussten wir den Sabbat einhalten, 24 Stunden ohne Auto, ohne Fernseher, ohne Küchengeräte.“ Ein paar Jahre später entschieden sie sich für einen Umzug nach Beit Shemesh. Der jüdische Philosoph Rambam sagte: „Der Mensch kann im Leben nur seinen Wohnort wirklich wählen. Denn in dem Moment, in dem du in eine bestimmte Gegend ziehst, wirst du Teil davon.“ Und so wurde auch Avraham zunächst extrem: „Ich bin nicht mal mehr zu meiner Familie zum Essen gegangen“, erzählt er heute erstaunt über sich selbst. „Wir haben zwar Yoga gemacht und unterrichtet, sind der Yogagemeinde aber aus dem Weg gegangen. Nach und nach habe ich festgestellt, dass durch diese Strenge meine Spiritualität verloren ging.“ Es hat beide viel Zeit und Kraft gekostet, eine Einheit von Yoga und Religion zu finden. „Wir haben Yoga geliebt, es war im Grunde unsere Religion, unsere Lebensart“, sagt Rachel. Als strenggläubiger Jude aber müsse man alles andere ablegen, einfach nur noch Jude sein. „Knapp acht Jahre hat es gedauert, bis wir herausgefunden haben, was gut für uns ist und dass wir vor Yoga keine Angst haben müssen.“ Eine gesunde Seele könne eben nur in einem gesunden Körper leben. „Iyengar sagt: ‚Der Körper ist mein Tempel, die Übungen ein Gebet.‘ Du kannst eben nur durch einen starken Körper Gott und sein Werk erkennen.“ Und irgendwann ging Avraham auch wieder in sein säkulares Elternhaus.

Zwischen den Welten
Die Kolbergs bewegen sich seither zwischen zwei Welten: zwischen der religiösen, konservativen Gesellschaft in Beit Shemesh und der liberalen, körperbetonten, spirituellen Welt der Yogis. Und: Sie haben es geschafft, die Tore zur Welt des Yoga auch für andere orthodoxe Juden zu öffnen. Das Studio läuft gut, etwa fünf Kurse geben sie täglich, zusätzlich Privatstunden, sie haben um die 150 Schüler. Nach anderthalb Stunden packen die Schülerinnen an diesem Abend all die Matten, Blöcke, Gurte und Stühle weg. Sie ziehen sich wieder ihre langen Röcke über, überprüfen den Sitz des Kopftuches. Rachel weiß: Die Teilnehmerinnen ihres Kurses sind anders als in den Klassen der säkularen Yogahochburg Tel Aviv. „Viele der Frauen leben für Gott und befolgen die Regeln die Gesellschaft, sie gebären Kinder. Ester zum Beispiel wird in ein paar Jahren zwölf oder vierzehn Kinder zur Welt bringen und sich um sie kümmern“, sagt Rachel. „Diese Frauen vergessen über diese schwierige und Kräfte zehrende Arbeit oft ihren eigenen Körper, für den so viele Geburten natürlich anstrengend sind.“ Rachel möchte den Frauen in ihrem Yogastudio die Chance geben, wenigstens für ein paar Stunden in der Woche in sich hinein zu horchen. Rachel macht das Licht aus und die Tür hinter sich zu. Sie hat Feierabend und wird sich nun um ihre eigenen fünf Sprösslinge kümmern.

Lissy Kaufmann ist Absolventin der Deutschen Journalistenschule in München und kam im Oktober 2011 im Rahmen eines Stipendiums nach Israel, um für Radio und Print zu arbeiten. Sie hat sich verliebt – in das Land – und genießt das Leben in der Yogahochburg Tel Aviv.

Provokant und polarisierend

DHARMA PUNX

Nach einem Selbstmordversuch erwacht Noah Levine in einer Gummizelle. Seine vorangegangene Sinnsuche führte ihn über Alkohol, Drogen und Gewalt direkt hinter Gitter.Dort beginnt Noah nach einem Telefonat mit seinem Vater halbherzig zu meditieren und dessen Lehren zu folgen. Trotz vieler Rückschläge fallen die Samen dieser Lehre auf fruchtbaren Boden – und eine spirituelle Entwicklung nimmt ihren Lauf. „Dharma Punx“ ist weniger ein Buch über einen Genesungsprozess oder den Buddhismus. Es ist die Geschichte eines Mannes, der sich von einem jungen, unbedarften Skate-Punk zu einem gewalttätigen Heroinsüchtigen, zu einem buddhistischen Meditationsschüler und letztlich zum Lehrer entwickelt hat. Sympathisiert man mit dem Autor, ist das Buch sicher interessant zu lesen. Mir war es oft zu trotzig und sperrig geschrieben, außerdem teilweise nicht tiefgründig genug. „Dharma Punx“ ist mittlerweile übrigens eine Bewegung, die durch das Buch inspiriert wurde. In Deutschland finden regelmäßig Treffen der Dharma Punx Berlin statt.

Fazit : Der Titel klingt sehr verlockend, am Ende bekam ich allerdings mehr Punk als Dharma. Meine Prognose: Das Buch über den ehemals drogensüchtigen Punkrocker und inkarnierten Buddhisten wird polarisieren.

Laura Hirch

„Dharma Punx. Weg ins Leben“ von Noah Levine (Aurum Verlag, ca. 18 Euro)

Zurück ins Leben

YOGA IS

Suzannes Leben scheint perfekt. Bis sie nach dem Tod ihrer geliebten Mutter in eine tiefe Sinnkrise stürzt. Um die Trauer zu verarbeiten, lässt sie ihren gesamten Alltag hinter sich, widmet sich intensiv der Yogapraxis und bricht gemeinsam mit einer Freundin nach Indien auf. Sie praktiziert bei diversen Lehrern, führt tiefgreifende Gespräche und als sie nach einem Unfall, der sie selbst beinahe das Leben gekostet hätte, neue Energie in sich aufsteigen fühlt, kehrt sie in ihre Heimat zurück, um zu erforschen, warum Yoga alles umkehren und neue Optionen im Leben eröffnen kann. Yogalehrer und bekannte Yogis wie Krishna Das, David Life, Seane Corn, Baron Baptiste oder Ana Forrest kommen zu Wort – und am Ende dieser wunderbaren Dokumentation steht die Erkenntnis, dass Yoga dabei helfen kann, Trauer zu verwandeln und inneren Frieden zu finden.

Fazit: Yoga is – ein Weg, Wahrheit, Glück, Transformation und vieles mehr; auf jeden Fall aber ein Film, der berührt.

„Yoga Is – A Transformational Journey. Ein lebensverändernder Film über die Kraft des
Yoga“ von Suzanne Bryant (Busch Media Group, ca. 15 Euro, ab 2.8.2013 auf DVD erhältlich)