Neurozentriertes Yoga – Teil 2: Koordination

Nachdem wir im ersten Teil dieser Serie Stabilität hergestellt haben, geht es nun darum, diese Basis zu nutzen, um uns neu zu fordern: Wir experimentieren spielerisch mit Bewegung, Gleichgewicht und Koordination, denn wenn wir fit und gesund bleiben möchten, brauchen wir regelmäßig Reize, die das Nervensystem fordern, ohne es zu überlasten.

Text: Dr. Svenja Borchers / Fotos: Nela König

Die Fotos zu diesem Artikel entstanden im Schöneberger Studio von „Yoga für dich“. yfdberlin.com

Koordination aus neurowissenschaftlicher Sicht

Unser Gehirn ist ein Leben lang lernfähig: Entsprechend der Reize, die wir ihm geben, verändert es sich ständig – und diese Fähigkeit zur Neuroplastizität ermöglicht Entwicklung und Wachstum. Variationen bekannter Haltungen oder neue Bewegungsübergänge verbessern die Steuerung und Kontrolle des Körpers. Dabei wird die Zusammenarbeit unserer Wahrnehmungssysteme geschult: visuell, vestibulär (den Gleichgewichtssinn betreffend) und propriozeptiv (bezogen auf die Wahrnehmung der Körperausrichtung). Denn je präziser und schneller das Gehirn eingehende Informationen verarbeitet, desto sicherer und ökonomischer bewegen wir uns.

Entscheidend ist, dass diese Herausforderungen in einem sicheren Kontext stattfinden, denn nur wenn Stabilität vorhanden ist, kann Lernen stattfinden. Unser Nervensystem gibt uns dabei rasch Rückmeldung, ob eine Übung uns überfordert oder stärkt. Wenn wir lernen, diese Signale zu lesen, können wir unsere Praxis individuell anpassen und damit effektiver, bewusster und nachhaltiger üben. Herausforderung in der Yogapraxis heißt also: neugierig bleiben, Neues wagen und zugleich achtsam sein. Die Praxis ist keine Leistungsprobe, sondern eine Einladung, den eigenen Körper zu erforschen – denn jede Form der Bewegung ist ein Ausdruck von Verbindung zu uns selbst.

Neurozentrierte Koordination

1. Wahrnehmung verfeinern

Beweglichkeit ist kein reiner Zustand von Muskeln, Sehnen und Gelenken, sondern auch Ausdruck von Sicherheit im Nervensystem: Unser Gehirn entscheidet in jedem Moment, wie viel Bewegungsfreiheit es zulässt, abhängig davon, ob es sich sicher oder gefährdet fühlt. Kleine Tests wie diese helfen dir, die aktuelle Spannungsverteilung im Körper zu spüren und Veränderungen im Lauf der Praxis besser wahrzunehmen. Wichtig ist, sie nicht als Leistungskontrolle zu begreifen, sondern als einen Weg, deinen Körper besser zu verstehen.

So geht’s: Ausgangsposition für alle Tests ist ein stabiler, aufrechter Stand mit etwa hüftbreit gesetzten Füßen.

Dr. Svenja Borchers, stehende Vorwärtsbeuge, Neurozentriertes Yoga Koordination, Fotocredit: Nela König

A Stehende Vorwärtsbeuge: Beuge dich aus den Hüften nach vorne, gerne mit gebeugten Knien. Nimm wahr, wo du Spannung spürst – eher in den Beinrückseiten, im unteren Rücken oder gleichmäßig verteilt? Atme ruhig und beobachte, ohne zu bewerten.

Dr. Svenja Borchers, stehende Rückbeuge, Neurozentriertes Yoga Koordination, Fotocredit: Nela König

B Stehende Rückbeuge: Öffne die Arme zu den Seiten und neige dich sanft nach hinten. Beobachte, wie weit du dich zurücklehnen kannst, ohne den Atem anzuhalten. Spürst du dabei mehr Stabilität oder Unsicherheit?

Dr. Svenja Borchers, Schulter-Innenrotation, Neurozentriertes Yoga Koordination, Fotocredit: Nela König

C Schulter-Innenrotation: Bringe die Arme in Kaktusform (Ellenbogen auf Schulterhöhe, Finger zeigen nach oben, Handflächen zueinander). Bewege nun die Unterarme langsam nach unten, bis die Hände Richtung Boden zeigen. Nimm wahr, wann Spannung entsteht.

Dr. Svenja Borchers, Schulter-Außenrotation, Neurozentriertes Yoga Koordination, Fotocredit: Nela König

D Schulter-Außenrotation: Drehe die Unterarme wieder nach oben, bis die Hände leicht nach hinten zeigen. Beobachte, wie sich die Beweglichkeit und das Empfinden in Schultern und Brustkorb anfühlen.

2. Atmung gezielt steuern

Dr. Svenja Borchers, Hände auf den Rippen, Neurozentriertes Yoga Koordination, Fotocredit: Nela König
Dr. Svenja Borchers, sitzende Seitbeuge mit Hand auf den Rippen, Neurozentriertes Yoga Koordination, Fotocredit: Nela König

Das Zwerchfell spielt eine entscheidende Rolle für eine gesunde Atmung und Entspannung. Indem du lernst, die rechte und linke Seite bewusst wahrzunehmen und auszugleichen, förderst du nicht nur eine gleichmäßige Atmung, sondern auch mehr Balance im gesamten Rumpf, denn die Übung verfeinert die Verbindung zwischen Atmung und Körpersteuerung.

So geht’s: Setze dich aufrecht hin und lege die Hände an die seitlichen unteren Rippen. Atme ruhig und beobachte, wie sich die Rippen bewegen: Öffnen sich beide Seiten gleich weit? Beginnt eine Seite früher als die andere? Wenn du Unterschiede bemerkst, versuche, die Bewegung bewusst anzugleichen. Du kannst die Seite, die sich weniger bewegt, sanft mit der Hand berühren oder in diese Richtung atmen. Alternativ neigst du dich zur weniger aktiven Seite, um sie gezielter anzusteuern – das erfordert etwas mehr Kraft, da die Seite in der Seitbeuge komprimiert ist. Kehre anschließend in den aufrechten Sitz zurück und beobachte, ob sich die Atembewegung zwischen beiden Seiten verändert hat.

3. Muster durchbrechen

Dr. Svenja Borchers, stehendes Fuß- und Handkreisen, Fotocredit: Nela König

Koordination bedeutet, vertraute Bewegungsmuster bewusst zu verändern. Unser Gehirn steuert Bewegungen wie das Gehen teils über sogenannte Mustergeneratoren. Sie erzeugen automatisch entgegengesetzte, aber rhythmisch synchronisierte Bewegungen. Diese Übung durchbricht das Muster der Kopplung von Armen und Beinen. Das stärkt nicht nur deine Balance, sondern auch die Fähigkeit, Bewegungen bewusst zu steuern.

So geht’s: Beginne im Stand, einen Fuß aus dem Knöchel heraus langsam und kontrolliert zu kreisen. Dein Bein bewegt sich dabei nicht mit. Bewege die gegenüberliegende Hand auf und ab, während der Unterarm parallel zum Boden bleibt. Achte dabei auf eine aufrechte Haltung und eine ruhige, gleichmäßige Atmung. Wenn du merkst, dass Hand und Fuß plötzlich im gleichen Rhythmus kreisen wollen, nimm es mit Humor wahr – das ist dein Gehirn, das in alte Muster zurückkehrt. Verlangsame die Bewegung und beginne neu. Wiederhole die Übung dann seitenverkehrt.

4. Bewegungsabläufe verfeinern

Dr. Svenja Borchers, Krieger 2, Fotocredit: Nela König
Dr. Svenja Borchers, Ausfallschritt, Neurozentriertes Yoga Koordination, Fotocredit: Nela König
Dr. Svenja Borchers, Funky Dolphin, Neurozentriertes Yoga Koordination, Fotocredit: Nela König

Koordination bedeutet auch, Bewegungen flüssig und anpassungsfähig auszuführen. Dabei lernt unser Gehirn durch Wiederholung und Variation. Wenn eine Bewegung noch holprig wirkt, ist das ein Zeichen dafür, dass das Nervensystem gerade neue Verbindungen aufbaut. Besonders gut können wir das in Übergängen zwischen zwei Haltungen üben: Im wiederholten Wechsel zwischen Kontrolle und Fluss entsteht Leichtigkeit.

So geht’s: Wechsle zwischen zwei Haltungen, die dir vertraut sind, hin und her, zum Beispiel wie hier zwischen Krieger II und dem Funky Dolphin: Aus dem Krieger mit dem rechten Bein vorn (oben) drehst du dich zum kurzen Mattenrand und setzt die linke Hand etwas vor und die rechte hinter dem Fuß und etwas weiter außen auf die Matte (mitte). Dann hebst du das rechte Bein und legst eventuell zusätzlich den linken Unterarm ab (unten). Führe den Übergang zunächst langsam aus und beobachte, wo die Bewegung stockt oder unsicher wirkt. Spiele anschließend mit der Geschwindigkeit: mal etwas fließender, mal in Zeitlupe. Nimm wahr, wie sich dein Körpergefühl dabei verändert. Versuche, den Ablauf geschmeidiger werden zu lassen, ohne den Atem zu verlieren oder die Stabilität aufzugeben. Übe dann auch seitenverkehrt.

5. Gleichgewicht und Augensteuerung

Dr. Svenja Borchers, Augensteuerung, Neurozentriertes Yoga Koordination, Fotocredit: Nela König

Diese Übung schult das Zusammenspiel von Augen, Gleichgewicht und Körperkontrolle und damit die reflexive Stabilität. Normalerweise sorgt ein Reflex dafür, dass sich die Augen entgegengesetzt zur Kopfbewegung bewegen, wenn wir ein Ziel fixieren. Hier trainieren wir, das bewusst zu unterdrücken und schulen damit unser Gleichgewicht und die visuomotorische Koordination.

So geht’s: Beginne zunächst mit etwa hüftbreit und parallel ausgerichteten Füßen. Strecke einen Arm auf Augenhöhe nach vorn. Der Daumen zeigt nach oben, er ist dein Fixierungspunkt. Bewege nun Kopf, Augen und Daumen gleichzeitig in dieselbe Richtung – nach rechts, links, rechts oben, rechts unten, links oben und links unten und halte den Blick dabei immer auf dem Daumen. Wenn du dich sicher fühlst, übst du das wie auf dem Foto gezeigt im hohen Ausfallschritt. Achte darauf, ruhig zu atmen und nicht zu verkrampfen. Übe mit spielerischer Leichtigkeit, es geht nicht um Perfektion, sondern um Wahrnehmung und Reaktion. Auch diese Übung wiederholst du seitenverkehrt.

6. Kontrolle und Wahrnehmung

Dr. Svenja Borchers, stehende Beinrotation, Fotocredit: Nela König
Dr. Svenja Borchers, Balance, stehende Beinrotation, Fotocredit: Nela König

Sobald du ein bewegtes Körperteil nicht mehr siehst, sind Bewegungen schwieriger zu steuern. Auch die Orientierung zur Schwerkraft verändert die Ansteuerung. Diese Übung verfeinert dein propriozeptives Körpergefühl und stärkt die Stabilität in der Bewegung durch mehr Körperkontrolle und Gleichgewicht.

So geht’s: Drehe zunächst im aufrechten Stand ein Bein abwechselnd nach innen und außen. Die Bewegung bleibt hier im Blickfeld und entsteht aus der Hüfte, nicht aus Fuß oder Knie. Neige dich nun mit geradem Rücken nach vorn und strecke das hintere Bein nach hinten aus, bis dein Körper eine Linie bildet. Drehe nun erneut das hintere Bein aus der Hüfte leicht nach innen und außen, während der Oberkörper stabil bleibt. Wenn dir hier die Balance schwer fällt, kannst du die Hände auf zwei hochkant gestellte Blöcke stützen. Anschließend übst du beide Varianten seitenverkehrt.

7. Reaktion in der Dynamik

Dr. Svenja Borchers, seitlicher Ausfallschritt, Fotocredit: Nela König
Dr. Svenja Borchers, Sprung auf einem Bein, Fotocredit: Nela König

Koordination bedeutet auch Reaktionsfähigkeit. Plyometrische Übungen wie diese fördern das Zusammenspiel von Muskulatur und Nervensystem: Sie verbessern die Reaktionszeit, stärken die Stabilität in der Bewegung und bringen zugleich Energie und Leichtigkeit in die Praxis. Achte darauf, dass du weich landest und die Bewegung rhythmisch und fließend bleibt. Der Fokus liegt nicht auf Höhe oder Kraft, sondern auf Kontrolle, Reaktionsfähigkeit und Spaß an der Bewegung.

So geht’s: Starte in einem seitlichen Ausfallschritt, das rechte Knie ist gebeugt, das linke gestreckt, der Rücken lang (Foto unten). Drücke dich nun kraftvoll über den rechten Fuß zur linken Seite. Von der linken Seite aus drücke dich nach oben ab und springe leicht nach oben, während das rechte Knie Richtung Brust zieht. Lande kontrolliert und finde kurz Stabilität, bevor du den rechten Fuß wieder zur Seite setzt für den Side Lunge. Wiederhole den Ablauf etwa zehnmal pro Seite.

8. Integration und Ruhe (ohne Foto)

Nach koordinativen und herausfordernden Übungen braucht das Gehirn Ruhe, um das Gelernte zu verarbeiten – deshalb ist die Entspannung in Shavasana (Totenstellung) im Yoga so wichtig. Das Nervensystem kommt zur Ruhe, die Atmung wird gleichmäßiger, Körper und Geist integrieren die Bewegungen. Studien zeigen, dass das Gehirn in Phasen der Ruhe die zuvor ausgeführten Bewegungen erneut „durchspielt“ – sowohl vorwärts wie auch rückwärts und in mehrfacher Geschwindigkeit. Diese sogenannten „Replay-Prozesse“ unterstützen die Konsolidierung motorischer und sensorischer Erfahrungen und machen das Üben erst wirklich wirksam.

So geht’s: Lege dich auf den Rücken, die Beine etwas geöffnet, die Arme locker neben dem Körper, die Handflächen zeigen nach oben. Schließe die Augen und spüre, wie dein Körper in den Boden sinkt. Lass den Atem natürlich fließen. Beobachte, wie sich dein innerer Zustand allmählich beruhigt und sich die Praxis in dir festigt.


Dr. Svenja Borchers ist Neurowissenschaftlerin, Yogalehrerin, Neuroathletik- und Breath-Coach. In ihrem Buch „Neurozentriertes Yoga“ verbindet sie aktuelle Erkenntnisse aus der Gehirnforschung mit traditioneller Yogapraxis und zeigt, wie wir durch ein tieferes Verständnis unseres Nervensystems mehr Stabilität, Gelassenheit und Lebendigkeit entwickeln können.
svenjaborchersyoga.de

Dieser Beitrag stammt aus dem Yogaworld Journal 01/26.

Hier geht es zu Teil 1 dieser Reihe:

So geht’s weiter: Im nächsten Beitrag wird es dann um die entspannende Verbindung nach innen gehen.

Wecke ein höheres Bewusstsein: Feuerpraxis von Patrick Broome

Patrick Broome Bandhas

Nach der Vorbereitung durch die stabilisierende Mondpraxis und die energetisierende Sonnenpraxis zeigt uns Patrick Broome hier die dritte und letzte Phase dieser Reihe: die Feuerpraxis. Tief in der traditionellen Hatha-Lehre verwurzelt, soll sie helfen, Energie aufzubauen, Karma und Begrenzungen aufzulösen und ein höheres Bewusstsein zu wecken.

Text und Sequenz: Patrick Broome // Fotos: Christian Krinninger

Zuallererst möchte ich mit dem Vorurteil aufräumen, dass Hatha Yoga der „sanfte“ Yoga sei. Im Gegenteil: Hatha Yoga ist ein Yoga der Kraft, Energie ist sein wesentlichstes Merkmal. Alle traditionellen Techniken (Asana, Pranayama, Bandhas, Umkehrhaltungen, Mudras, Klang und Konzentrationstechniken) dienen der Stimulierung, Lenkung und Harmonisierung von Energie. Eine zentrale Rolle nimmt dabei traditionell die Kundalini-Kraft ein. Im Hatha Yoga wird sie als eine stockende, feste Energie unten an der Wirbelsäule beschrieben. Wird sie gelöst und freigesetzt, kann sie als Prana Shakti die Wirbelsäule entlang aufsteigen und es den Übenden ermöglichen, zum Heiligsten vorzustoßen – das ultimative Ziel der Hatha- Yogapraxis und der Feuersequenz.

Hatha wird häufig erklärt als die Verbindung des geistigen (Mond, Ha) und des energetischen Prinzips (Sonne, Tha). Deren Polarität soll im Hatha Yoga aber nicht ausgeglichen werden, wie man häufig hört, sondern kraftvoll vereint und dadurch transzendiert. So kann eine dritte Qualität entstehen: Feuer oder das Innere Licht. Um das zu erreichen, aktivieren wir in der Feuersequenz die Mondenergie im Becken und die Sonnenenergie im Brustraum, drehen deren natürlichen Energiefluss mithilfe der Bandhas um und bringen beide hinter dem Bauchnabel zusammen, wo sie unser Transformationszentrum, das Manipura Chakra, aktivieren. So kann hinter dem Nabel Rudrani entstehen, eine feurige Kraft, die sich durch alle Ebenen deines Seins und Unterbewusstseins brennt und besonders in den unteren drei Chakren reinigend wirkt. In diesen Chakren sind laut tantrischer Lehre Themen wie Überlebensangst, Abneigungen und Anhaftungen sowie die Gier nach Besitz, Macht oder Status gespeichert. Solange wir mit ihnen identifiziert sind, wird Leid erzeugt. Haben wir uns dagegen von ihrem Einfluss befreit, kann die Aktivierung von Rudrani zu außergewöhnlicher Bewusstheit führen. Rudrani befreit den Geist also aus seiner Gefangenschaft der primitiven Triebe und fehlgeleiteten Wünsche und ermöglicht uns den Zugang zu unserer angeborenen Kraft und Intelligenz. Feuer steht dann für eine grenzenlose Kraft des Geistes, die in jedem und jeder von uns wohnt und alle weltliche und spirituelle Kraft umfasst. Diese strahlende Kraft der Seele können wir durch Übung entzünden.

Darum geht es in der Feuerpraxis

  • Die Feuerpraxis konzentriert sich auf die Aktivierung der in der Wirbelsäule ruhenden Kräfte (genauer gesagt: auf den Energiekanal der Wirbelsäule, die Sushumna). Dazu verwendet sie eine Kombination aus Asana, Pranayama, Mudras, Kriyas und Bandhas.
  • Die Übungen bauen Stabilität, Ruhe und Klarheit auf und aktivieren das innere Feuer zur Reinigung von ungesunden Gewohnheiten, körperlichen Giftstoffen und emotionalen Blockaden.
  • Die physische und energetische Hitze, die dabei hinter dem Nabel entfacht werden soll, entsteht aus der Verbindung der Mondenergie (Ha) aus dem Becken und der Sonnenenergie (Tha) aus dem Herzraum.
  • Ziel ist es, eine transformierende Energie (Rudrani) zu erzeugen, die geistige und körperliche Einschränkungen auflösen kann und es ermöglicht, die Seele zu berühren. Sie weist dir einen Weg, dein höheres Bewusstsein zu erwecken und zu erkennen, wer du bist und wozu du fähig bist.

01 Kapalabhati und Nadi Shodana mit Energielenkung

KAPALABHATI UND NADI SHODANA MIT ENERGIELENKUNG mit Patrick Broome

Übe zunächst 30–60 Sekunden lang Kapalabhati: rhythmisches, stoßweises Ausatmen durch die Nase, passives Einatmen durch Lösen der Bauchdecke. Atme dann vollständig aus und nur durch das linke Nasenloch wieder ein. Halte den Atem nun an (Kumbhaka) und leite Energie und Bewusstsein hinter den Nabel. Setze Jalandhara und Mula Bandha (Hals und Beckenbodenverschluss), um die Energie im Nabel zu konzentrieren. Spüre, wie sich die Nabelenergie in Feuer verwandelt und sich das Mantra OM aus den Flammen entfaltet. Atme nun durch das rechte Nasenloch aus, dann rechts wieder ein wiederhole die genannten Schritte. Nimm anschließend wahr, ob deine Energie schon freier fließen kann. Wiederhole den Ablauf bei Bedarf noch einige Male.

02 Rudrani Kriya im Sitzen

RUDRANI KRIYA IM SITZEN mit Patrick Broome

Für diese sehr subtile, fortgeschrittene Atemtechnik braucht man die Fähigkeit, gleichzeitig auf der körperlichen und der geistig-energetischen Ebene zu arbeiten und muss zunächst verstehen, wie man Prana sammelt und lenkt (Sonnenpraxis). Dafür ist ein konzentrierter und stabiler Geist die Grundvoraussetzung (Mondpraxi). Mit präzisem Fokus und korrekter Anwendung der Bandhas durchgeführt (siehe Seite 68), ist diese Technik einer der wirkungsvollsten und teilweise unbekanntesten Schlüssel zur Transformation. Die subtile Energie Prana Vayu befindet sich im Herzen und im Kopf und hat eine verinnerlichende, energetisierende und erhebende Natur. Sie wird mit der Einatmung nach unten hinter den Nabel geleitet. Mit der Ausatmung setzen wir Mulabandha (Beckenverschluss), um Apana Vayu, unsere im Becken ansässige, eliminierende und erdende Kraft, nach oben in den Nabel zu leiten. Auf diese Weise soll Prana von oben wie der Treibstoff und Apana von unten wie der Funke wirken. Beide treffen sich hinter dem Nabel, wo sie sich mit dem Verdauungsfeuer (Agni) verbinden und Manipura Chakra aktivieren. Dabei kann dort eine (zunächst subtile) Hitze entstehen: Rudrani (psychisches Feuer). Sie wirkt reinigend und transformierend auf die unteren drei Chakren (Sorgen, Angst, Neid und Gier) und beginnt, die im ersten Chakra ruhende Kundalini anzuregen.

03 Dynamischer herabschauender Hund

DYNAMISCHER HERABSCHAUENDER HUND mit Patrick Broome

Richte im Vierfüßlerstand Arme und Oberschenkel senkrecht und die Mittelfinger gerade nach vorne aus. Hebe dann mit einer Ausatmung langsam die Knie und drücke dabei die Hände fest gegen den Boden, besonders Zeigefinger und Daumen. Bewege die Beine langsam Richtung Streckung und schiebe die Hüften nach oben. Komme ein atmend zurück in den Vierfüßlerstand und ausatmend wieder in den Hund. Nach 3–4 Wiederholungen bleibst du im Hund und lässt den Kopf entspannt hängen. Strecke den Rücken vom Nacken bis zur Lendenwirbelsäule in die Länge und schiebe die Fersen Richtung Boden, ohne dabei die Hüften zu senken. Halte die Arme gestreckt und hebe den Brustkorb leicht an, dabei ziehst du die Schulterblätter zueinander und gegen die Rippen. Dein Oberkörper schiebt in Richtung der Beine, ohne sich in der Brust oder Lendenregion zu runden. Ist das der Fall, beugst du die Knie leicht. Atme 5–10 Mal tief in den Brustkorb und baue dort die Kraft der Sonne auf. Lege dann die Knie ab und schiebe das Gesäß auf die Fersen in die Stellung des Kindes. Bleibe einige Atemzüge und atme dabei in den Bauch (Mond).

04 Dynamische Kobra

DYNAMISCHE KOBRA mit Patrick Broome

Lege dich auf den Bauch, beuge deine Ellenbogen und setze die Hände seitlich an den unteren Rippen auf die Matte. Ellenbogen und Schulterblätter ziehen nach hinten und zueinander, wenn du nun mit der Einatmung Kopf, Schultern und Brustkorb leicht anhebst. Bewege die Rippen etwas nach vorne, um Raum für die inneren Organe zu schaffen. Strecke die Beine aktiv nach hinten und die Wirbelsäule nach vorne und schiebe Becken, Beine und Fußrücken gegen die Matte. Achte dabei da rauf, dass die Füße mittig gegen den Boden drücken und sich deine Knie etwas vom Boden ablösen. Mit der Ausatmung legst du die Stirn wieder ab. (3–5 Wiederholungen)

05 Sphinx

Sphinx mit Patrick Broome

Hebe mit einer Einatmung erneut Kopf und Brust und lege die Unterarme auf der Matte ab. Richte die Ellenbogen senkrecht unter den Schultern aus und aktiviere erneut Becken, Beine und Füße. Bleibe dann 5–10 Atemzüge lang in der Sphinx und atme dabei tief und kraftvoll in den weit aufgespannten Brustkorb (Sonne). Lege mit der Ausatmung den Oberkörper wieder ab und entspanne einen Moment, bevor du dich zurück in den herabschau enden Hund bewegst.

06 Uddiyana Bandha im herabschauenden Hund

Uddiyana Bandha löst im Becken und Bauchraum gestaute Energie und bewegt das im Unterleib zirkulierende, absinkende Apana Vayu nach oben. Daher gilt es als das mächtigste der drei Bandhas. Halte im Hund deine Beine leicht gebeugt, sodass du den unteren Rücken lang ziehen und entlasten kannst. Atme etwa 5 Mal tief in den Brustkorb ein und aus. Dann hebst du mit einer Einatmung den Kopf leicht, atmest durch den Mund vollständig und kraftvoll aus und lässt den Kopf wieder hängen. Am Ende der Ausatmung ziehst du den Bauch zunächst zur Wirbelsäule zurück und dann hoch zum Herzen. Bleibe in der Atemleere, strecke die Beine, verlängere den Rücken und halte den Bauch so lange eingezogen, bis der Impuls zur Einatmung zu intensiv wird. Entspanne dann die Bauchdecke und beuge mit der tiefen Einatmung wieder deine Beine. Wiederhole die Ein- und Ausatmung mit Uddiyana Banda noch 2 Mal und versuche, die Atemleere etwas länger zu halten. Lasse dann den Atem einige tiefe Atemzüge lang im herabschauenden Hund frei weiterfließen.

07 Stehende Vorwärtsbeuge

STEHENDE VORWÄRTSBEUGE mit Patrick Broome

Beuge im Hund die Beine und mache einige Schritte zum Anfang der Matte. Greife die großen Zehen mit Zeigefinger und Daumen oder lege die Hände an die Schienbeine. Mit einer Einatmung hebst du den Oberkörper etwas und streckst deine Flanken lang. Mit der Ausatmung legst du den Bauch auf den Oberschenkeln ab (ohne Bild). In beiden Haltungen kannst du die Beine gebeugt lassen. Bleibe mindestens 5–10 Atemzüge lang in dieser Haltung und atme dabei tief in den Bauch ein und aus. Die Vorwärts beuge erdet und stabilisiert das aktivierte Nervensystem.

08 Sonnengruß mit hohem Ausfallschritt und Drehung

Übe zunächst 3 Runden des dir bekannten Sonnengrußes.

Sonnengruß mit Patrick Broome

A: In der vierten Runde ziehst du aus dem Hund den linken Fuß zwischen deine Hände, der hintere Fuß bleibt gerade ausgerichtet. Beuge das vordere Bein, hebe den Oberkörper und strecke die Arme schulterbreit nach oben. Atme ein und strecke dich lang. Atme aus, strecke das vordere Bein und senke die Arme. Wiederhole diese dynamische Bewegung mindestens 5 Mal und vertiefe da bei allmählich die Atmung.

Ausfallschritt Yoga Praxis mit Patrick Broome

B: Hebe erneut die Arme und verschränke dann zusätzlich die Finger, drehe die Handflächen nach außen und ziehe das Kinn leicht zur Kehle. Bleibe in dieser Haltung und erzeuge Länge, indem du die hintere Ferse wegstreckst und gleichzeitig untere Bauchmuskeln und Beckenboden aktivierst. Atme hier 4–5 Mal tief in den Brustkorb (Sonne).

Ausfallschritt mit Patrick Broome

C: Setze ausatmend die Hände zurück auf die Matte. Hebe einatmend noch einmal die Arme, lege dann ausatmend die Hände vor der Brust aneinander, dreh dich nach links und verankere den Arm am gebeugten Bein. Zieh die Wirbelsäule in die Länge und stabilisiere dich, indem du das hintere Bein aktiv streckst und nach jeder Ausatmung Mulabandha setzt. Atme 6–8 Mal tief in den Bauch (Mond). Schiebe dich dann zurück in den Hund, beende den Sonnengruß und wiederhole A und C in der nächsten Runde seitenverkehrt.

09 Uddiyana Bandha im Stehen

UDDIYANA BANDHA IM STEHEN

Stehe etwa mattenbreit mit leicht gebeugten Knien und stütze die Hände auf den Oberschenkeln auf. Atme sehr tief ein, lehne dich dann mit gebeugten Armen weiter nach vorne und atme durch den Mund vollständig aus. Strecke am Ende der Ausatmung die Arme wieder, ziehe den Rücken lang und sauge in der Atemleere den Bauch soweit du kannst nach innen und oben. Halte Uddiyana Bandha, bis der Impuls zur Einatmung zu intensiv wird. Entspanne dann die Bauchdecke und richte dich mit einer tiefen Einatmung zum Stehen auf. Gib dir einige Atemzüge lang Zeit, um die Wellen von Energie zu spüren, die jetzt durch den Körper spülen. Wiederhole die Übung dann noch 2 Mal.

10 Gestreckte seitliche Winkelhaltung, dynamisch und statisch

Setze die Füße in etwa einer Beinlänge Abstand, die Fersen etwa in einer Linie, der linke Fuß zeigt zum kurzen Mattenrand, der rechte steht diagonal. Aktiviere die Oberschenkel, verankere den rechten Fuß gut am Boden und beuge mit einer Ausatmung das linke Knie bis maximal über das Fußgelenk. Stütze den linken Unterarm auf den Oberschenkel und strecke den rechten Arm zunächst auf Schulterhöhe zur Seite, die Handfläche zeigt nach oben. Mit einer Einatmung in den Brustkorb bewegst du den Arm dann in eine Linie mit dem hinteren Bein und streckst dich von der Außenkante des rechten Fußes bis in die rechten Fingerspitzen in die Länge. Halte den Atem hier kurz an und führe den Arm dann ausatmend wieder zur Seite. Wiederhole diese Bewegung inklusive Atempause (Kumbhaka) noch 2 Mal. Bleibe dann in der gestreckten Haltung. Mit jeder Einatmung verteilst du Energie in deiner gesamten rechten Körperhälfte und streckst dich. Aktiviere deinen gesamten Körper und vor allem die Körpermitte. Atme tief in die gedehnte rechte Körperhälfte. Nach mindestens 5 tiefen Atemzügen gehst du in die Grätsche und spürst, die Aktivierung der rechten Hälfte. Anschließend wiederholst du die Übung auf der anderen Seite.

11 Vorwärtsbeuge aus der Grätsche

Praxis mit Patrick Broome VORWÄRTSBEUGE  AUS DER GRÄTSCHE

Lege in der Grätsche die Hände an die Hüften und lehne dich etwas zurück. Beuge dich dann ausatmend aus den Hüftgelenken nach vorne. Atme ein, setze die Fingerspitzen auf dem Boden auf und hebe den Blick. Atme aus und senke den Kopf. Je sicherer dein Stand, desto freier fließt der Atem im Bereich des Oberkörpers. Dabei zieht die Kopfüberhaltung das Zwerchfell in Richtung Kopf, sodass sich die Ausatmung vertieft. Mit jeder Einatmung drückt das Zwerchfell die Organe in die Beckenregion und fördert deren Durchblutung sowie die der Muskulatur. Nach 5–10 Atemzügen legst du die Hände wieder an die Hüften und richtest dich einatmend auf.

12 Dynamische Schulterbrücke mit Uddiyana Bandha

DYNAMISCHE SCHULTERBRÜCKE MIT UDDIYANA BANDHA mit Patrick Broome

Stelle in Rückenlage die Füße hüftbreit und parallel auf. Die Arme liegen längs am Körper. Schiebe dann einatmend die Füße fest gegen die Matte, bewege die Arme langsam über den Kopf nach hinten und hebe Becken und Rücken. Achte dabei darauf, dass Füße und Knie nicht nach außen drehen. Mit der Ausatmung rollst du langsam zurück in die Ausgangsposition. Wiederhole das noch 3–4 Mal und beginne dabei, die beiden Atemphasen zu verlängern. Beim nächsten Mal bleibst du in der gehobenen Haltung und atmest dort vollständig aus. In der Atemleere senkst du Becken und Arme langsam und ziehst gleichzeitig die Bauchdecke nach innen und oben (Uddiyana Bandha). Wenn der Impuls zur Einatmung intensiv wird, atmest du ein und kommst erneut in die gehobene Haltung. Wiederhole auch diese Variante noch 2 Mal und versuche dabei, etwas länger in der Atemleere zu bleiben. Entspanne dich danach einen Moment in der Rückenlage und spüre nach.

13 Kopfstand (optional)

Kopfstand - Praxis mit Patrick Broome

Wenn du mit der Haltung vertraut bist, gehst du jetzt in den Kopfstand. Finde dort eine stabile, tiefe und gleichmäßige Brustatmung und bleibe 12 Atemzüge lang in der Haltung. Alternativ kannst du im Delfin die für den Kopfstand nötige Kraft und Mobilität in Armen und Schultern aufbauen. Dazu legst du die Ellen bogen aus dem Vierfüßler schulterbreit auf die Matte, verschränkst die Hände, hebst das Becken und streckst den Rücken wie im herabschauenden Hund.

14 Die umgekehrte Haltung

Die umgekehrte Haltung

Stelle für Viparita Karani in der Rückenlage die Füße etwa hüftbreit auf und lege die Arme längs vom Rumpf. Mit einer Ausatmung ziehst du die Oberschenkel zum Rumpf. Einatmend drückst du Oberarme und Schulterblätter kräftig gegen den Boden, streckst die Beine Richtung Decke und führst sie so weit hinter den Kopf, dass sich das Becken hebt. Führe die Ellenbogen am Boden enger zusammen, hebe die Unterarme und lege das Becken langsam in die Handflächen. Die Beine sind locker gestreckt, die Zehen befinden sich etwa auf Höhe der Augen, das Brustbein bewegt sich Richtung Kinn (nicht umgekehrt) und der Rücken ist gestreckt. Atme ruhig und gleichmäßig und bleibe 24 Atemzüge lang in der Haltung. Zum Auflösen beugst du die Beine und ziehst sie leicht Richtung Kopf, um die Hände zu entlasten. Anschließend legst du Arme und Hände am Boden ab und erdest sie kräftig, bevor du langsam den Rücken abrollst. Spüre im Liegen nach.

15 Fisch mit Ujjayi-Atem

 FISCH MIT UJJAYI-ATEM

Lege in Rückenlage die Arme lang unter den Körper, die Handflächen zeigen zum Boden. Die Beine kannst du entweder aktiv bis in die Zehen strecken oder in eine Lotusposition kreuzen. Schiebe dann Unterarme und Ellenbogen kräftig gegen den Boden, hebe die Brust und lasse den Kopf sanft nach hinten kippen. Der Nacken sollte dabei entspannt sein. Bleibe mindestens 8–12 Atemzüge lang in dieser ausgleichen den Haltung, die die aufsteigende Kraft des Atems (Udana Vayu) anregt. Verenge dabei sanft die Kehle, so dass dein Atem ein rauschendes Geräusch er zeugt (Ujjayi) und atme tief in den Herz raum. Stelle dir dabei vor, du atmest durch die Mitte des Halses ein und aus. Hebe dann zum Verlassen der Haltung den Kopf etwas an und stütze dich auf den Händen, um den Brustkorb langsam wieder zu senken. Wiederhole den Fisch oder übe im Anschluss noch ein bis zwei andere Rück beugen, die dir vertraut sind, zum Beispiel die Heuschrecke, den Bogen aus der Bauchlage oder den Pfau.

16 Teich-Siegel

Tadaka Mudra ist ein kraftvolles energetisches Siegel, es lehrt die Grund – lagen von Bandha zur Lenkung von Energie und vertieft die Konzentration. Eine wunderbare Möglichkeit, sich auf längere Perioden von Pranayama oder Meditation vorzubereiten.

Praxis mit Patrick Broome

A: Lege dich auf den Rücken, strecke die Beine und drücke sie fest gegeneinander. Die Arme liegen zunächst längs vom Körper. Atme langsam, ruhig und gleich mäßig mit verengter Kehle (Ujjayi) in den Brustkorb und zähle dabei einatmend und ausatmend je 4–5 Takte.

Praxis mit Patrick Broome

B: Hebe dann mit einer Einatmung beide Arme gestreckt über den Kopf und verschränke die Finger. Drehe die Handflächen nach außen und strecke dich in dieser Haltung lang, indem du die Fersen wegstreckst, gleichzeitig die unteren Bauchmuskeln anspannst und den Beckenboden aktivierst. Behalte ausatmend die Arme über dem Kopf, bewege den unteren Rücken Richtung Boden und strecke erneut kraftvoll die Beine. Halte die Atemleere kurz und konzentriere dich auf die Länge in deiner Wirbelsäule. Atme wieder tief ein, fülle den Brustkorb und mache eine kleine Pause nach der Einatmung. Mit der nächsten Ausatmung führst du die Arme zurück neben den Körper.

C: Wiederhole diese Abfolge noch 3 Mal und setze dabei die drei Bandhas: So bald die Arme mit nach außen verschränkten Händen hinter dem Kopf liegen, ziehst du das Kinn leicht zur Kehle (Jalandhara Bandha). Dehne dich nun in die Länge, indem du die Fersen wegstreckst. Behalte die Arme über dem Kopf, atme vollständig aus, bewege den unteren Rücken in Richtung Boden und strecke die Beine. Halte den Atem an, ziehe die Muskeln zwischen den Beinen nach innen und oben (Mula Bandha) und dann den Bauch nach innen und oben (Uddiyana Bandha). Dabei bekommt der Bauchraum die Form eines hohlen Teichs, woher das Mudra seinen Namen hat. Löse die Bandhas und atme wieder ruhig und tief ein. Spüre, wie sich der Nacken dabei verlängert und das Kinn leicht senkt (Jalandhara Bandha). Halte den Atem genauso lang, wie du eingeatmet hast. Atme aus und senke die Arme wieder neben den Körper. Nach der letzten Runde entspanne den Körper und lasse den Atem frei fließen.

17 Liegender Seit-Twist

Liegender Seittwist - Praxis mit Patrick Broome

Lege deine Hände in Rückenlage auf die Kniescheiben und kreise zu nächst mit deinem unteren Rücken, um dein Kreuzbein etwas zu massieren. Halte dann dein rechtes Knie mit deiner linken Hand, strecke das linke Bein am Boden aus und lasse dein rechtes Knie nach links sinken. Dein rechter Arm liegt auf Schulterhöhe am Boden zur Seite ausgestreckt, dein Blick geht zu diesem Arm. Schließe die Augen und atme ruhig und gleichmäßig in deinen Bauch ein und aus. Bleibe mindestens 5–10 tiefe Atemzüge lang, bevor du zur anderen Seite wechselst. Die sanfte Drehung beruhigt das Nervensystem und neutralisiert die Wirbelsäule. 

18 Sitzende Vorwärtsbeuge

Komme zum Sitzen, strecke deine Beine nach vorne aus und rolle die Oberschenkel sanft nach innen. Mit einer Einatmung streckst du den Oberkörper und hebst die Arme über den Kopf. Aus atmend streckst du den Brustkorb nach vorne über die leicht gebeugten Beine. Ziehe deine Zehen an und greife mit den Händen die Außenseite der Füße oder Schienbeine. Beuge dabei die Knie so weit, dass der Bauch auf den Oberschenkeln liegen kann. Atme mindestens 15 Atemzüge lang ruhig und tief in den Bauch richte die Konzentration auf die Nabelgegend. Mit jeder Ausatmung ziehst du den Bauch Richtung Wirbelsäule. Mit jeder Einatmung streckst du den oberen Teil der Wirbelsäule. Wichtig ist, dass der Brustkorb die Einatmung empfängt und die Ausatmung von den unteren Bauchmuskeln ausgeht. Spüre, wie du in dieser Haltung einen hingebungsvollen Zustand in Körper und Geist erzeugen kannst, in dem nichts geschieht außer dem Fluss des Lebens selbst.

19 Tiefenentspannung

Lege dich auf den Rücken. Die Füße fallen entspannt nach außen, die Arme liegen locker etwas entfernt vom Körper. Schließe die Augen und beobachte, wie sich die Bauchdecke atmend hebt und senkt. Spüre dann einige Minuten lang mit jeder Einatmung eine Welle an Aufmerksamkeit und Energie, die von den Fußsohlen bis zur Kopfkrone aufsteigt und ausatmend wieder zu den Füßen fließt. Ruhe dich dann ganz in deiner Präsenz aus. Zum Beenden vertiefst du die Atmung, beginnst Zehen und Finger zu bewegen und streckst dich. Rolle dich auf deine rechte Seite und bleibe kurz liegen. Spüre Wärme und Frieden, bevor du zum Sitzen kommst.

20 Wechselatmung

Wechselatmung - Praxis mit Patrick Broome

A: Finde in einen aufrechten Sitz. Beginne Runde 1 mit Chandra Bhedana und visualisiere den Mond. Lege dafür den Ringfinger der rechten Hand an deinen linken Nasenflügel und atme rechts aus. Verschließe dein rechtes Nasenloch mit dem Daumen und atme links ein. Wiederhole diesen Ablauf insgesamt 3 Mal. Wechsle dann zu Surya Bhedana und visualisiere dabei die Sonne. Dazu benutzt du weiterhin die Finger der rechten Hand, atmest jetzt aber links aus und rechts ein. Wiederhole auch das 3 Mal und schließe die Runde mit einem weiteren Chandra Bhedana ab: 3 Mal rechts aus, links ein.

B: Halte einen Moment inne, spüre den Atem an beiden Nasenlöchern und nimm die gesteigerte Präsenz wahr. Beginne dann Runde 2 mit Surya Bhedana: 3 Mal rechts ein und links aus. Nach der vierten Ausatmung links wechselst du zu Chandra Bhedana: 3 Mal links ein und rechts aus. Schließe mit einem letzten Surya Bhedana ab: nochmals 3 Mal rechts ein und links aus. Die Übung verstärkt den Energiefluss im Körper und in beiden Gehirnhälften. Wir sind bereit für die abschließende Kriya Praxis und Meditation.

21 Kriya der schwingenden Wirbelsäule

Yogapraxis mit Patrick Broome

Spüre dich zunächst bewusst an die Basis deiner Wirbelsäule: Wie ein Grashalm im Wind darf sie beginnen, ganz leicht zu schwingen. Der Oberkörper beginnt, sanft zu kreisen. Vertiefe dich etwa 1 Minute lang mit geschlossenen Augen in diese Bewegung. Stoppe das Schwingen dann abrupt und spüre, wie ein Strom aus Licht (Prana) langsam deine Wirbelsäule entlang nach oben steigt. Wiederhole das noch 2 Mal und versuche, das Licht jedes Mal ein bisschen höher steigen zu lassen. Bleibe dann äußerlich statisch und konzentriere dich ganz auf diese Energie, die verbunden mit deiner Aufmerksamkeit nach oben steigt. Spüre, inwieweit dabei die Kraft der oberen drei Energiezentren zugänglicher wird. Lasse dich von diesem hellen Leuchten nach innen ziehen und ruhe dich aus in diesem inneren Licht. Gehe von dort über eine längere stille Meditation.

Patrick Broome ist eines der prominentesten Gesichter der deutschen Yogaszene. Mehr Infos auf patrickbroome.de

Die beliebtesten Yoga Symbole, ihre Bedeutung und wie du sie in die Praxis einbindest

Yoga Symbole

Kennt ihr diese typischen Yoga Symbole, die man auf Yoga-Kleidung oder Schmuckstücken sieht? Manche verewigen sie sogar in Form von Tattoos auf ihrer Haut. Und ja, die Hand auf unserem Yogaworld Logo zählt da auch dazu. Wir verbinden diese Zeichen irgendwie mit Yoga, wissen oft aber gar nicht wieso. Hier findest du einen Überblick über die Bedeutung und die Geschichte der beliebtesten Yoga Symbole. Außerdem erklären wir dir, wie du sie in deine Yoga-Praxis integrierst. 

Om 

Yoga Symbole Om
Das heilige Mantra OM – es steht für Einheit und ist das bekannteste Yoga Symbol.

Habt ihr euch in euren ersten Yogastunden auch immer gefragt, welche Bedeutung der Zahl 30 im Yoga zugeschrieben wird? Und wieso sie einen kleinen Hut auf hat? Ich auch – und zugleich stimmte ich in den OM-Chant des Yogalehrers ein. Heute weiß ich, dass es keine Zahl, sondern das heilige Zeichen Om ist und dass es zu Beginn und zum Abschluss einer traditionellen Yogastunde gechantet wird. In allen hinduistischen Religionen gilt Om auch heute noch als das heiligste aller Mantren – und es gibt eine Menge dazu zu sagen. 

Das Symbol ॐ

Die Wurzeln der Yogalehre liegen im Hinduismus und genau daher stammt auch das Symbol. Es wurde in den Veden, einer Sammlung religiöser Texte des Hinduismus, gefunden und galt dort als heiliges Mantra der Einheit. Das Symbol Om beinhaltet die drei Laute A, U und M und spiegelt alle Phasen des Bewusstseins wider. Die obere Rundung auf der linken Seite steht für den wachen Geist (A), während die Rundung darunter den träumenden Geist (U) symbolisiert. Die Rundung rechts repräsentiert den traumlosen Tiefschlaf (M) und der Punkt oben stellt den vierten, unbekannten Zustand des Bewusstseins dar – die Transzendenz. Dieses Bewusstsein ist durch ein Semikolon getrennt und dadurch so weit von der menschlichen Wahrnehmung entfernt, dass er separat dargestellt wird.

Ein Laut, der alles vereint 

Wie das Zeichen, besteht auch das Mantra eigentlich aus den Lauten A, U und M. Der A-U-M-Klang steht für den ersten Atem unseres Universums. Für den Urklang. Zudem werden dem beliebten Mantra mehrere Dreieinigkeiten zugeordnet. Neben den Phasen des Bewusstseins entspricht es auch der Einheit der drei Welten des Hinduismus: der Erde, des Himmels und der Unterwelt. Daneben repräsentiert es die drei hinduistischen Hauptgötter Brahma, Vishnu und Shiva, steht für Vergangenes, die Gegenwart und die Zukunft und symbolisiert Körper, Geist und Seele. Das Sanskrit-Alphabet beginnt mit O und endet mit M – die Silbe Om umfasst sozusagen alle möglichen Worte und stellt damit das Universelle als Ganzes dar. Kurzum: Om vereint – und das vermutlich noch so einiges außerhalb unserer Vorstellungskraft.  

Om im Yoga

Wie das Mantra Om vertritt auch die Yogalehre den Gedanken der Einheit. Da liegt es nahe, dass das Om Zeichen zum bekanntesten Symbol der Lehre wurde. Beim wiederholten Chanten versetzt das Mantra den gesamten Körper in Schwingungen. Dabei wandert der Laut von A in der Bauchregion zu U in die Brust bis hoch zu M in den Scheitel. Wenn ich eine Yogastunde mit OM beginne, erinnert mich der Klang daran, achtsam zu sein – das Mantra bringt mich quasi in den M-OM-ent. Die erzeugten Wellen verbinden mich mit dem Universum und aktivieren die Chakren. Wie auch der Laut selbst, schwinge ich mich zu Beginn der Stunde hinein in eine Stille – fernab von Worten, Taten und Erklärungen – und so auch am Ende mit einem Om wieder hinaus.

Hast du das Om Zeichen schon mal in einem der 7 Chakren gesehen? Hier ziert es als Bija Mantra oft das sechste Chakra.

Lotusblume

Yoga Symbole Lotusblume
Die Lotusblume steht im Yoga für Erleuchtung und hat sogar ihre ganz eigene Asana.

“No mud no lotus” – hast du dieses Zitat schon mal gehört? Es stammt vom buddhistischen Mönch und Schriftsteller Thích Nhất Hạnh und rührt daher, dass die Lotusblume ausschließlich in schlammigen, matschigen Gebieten wächst. Dank der noppenartigen Struktur der Blüten, wird sie jedoch nie schmutzig. Aufgrund dieser Eigenschaften, ist die Blume im Buddhismus ein Zeichen von Schöpferkraft und Erleuchtung.

Die Bedeutung der Lotusblume

Der buddhistische Glaube sieht die Lotusblume sogar als Buddhas Geburtsort an. Sobald die Sonne untergeht, schließt sie ihre Blüten und verzieht sich unter die Wasseroberfläche um dann beim ersten Schein des Tageslichtes wieder in ihrer makellosen Schönheit zurückzukehren. Bewundernswerte Eigenschaften – wundert ihr euch da, dass sie die Nationalblume Indiens ist? 

Übrigens: Egal welche Schreibweise, ob „Lotos“ oder „Lotus“, es ist die gleiche Blume gemeint. „Lotos“ wurde im Griechischen verwendet und später erst über Latein durch ein „u“ ersetzt. So wird es heute meistens verwendet.

Die Lotusblume im Yoga 

Im Yoga steht die Lotusblume ebenso für Erleuchtung und diese strebt auch die Meditation an. Der klassische Meditationssitz ist auch als Lotussitz bekannt und wird übrigens als einzige Asana in Patanjalis wichtigen Yoga-Schriften, den „Yoga Sutras”, erwähnt. Indem du ihn übst, integrierst du die Schönheit und Magie der Lotusblume in deine Praxis. 

Buddha

Buddha – ein indischer Religionsstifter der den Menschen den Weg weist.

Hand aufs Herz: Wer hat zuhause irgendwo einen Buddha sitzen? Vielleicht weil er so eine warme Gemütlichkeit ausstrahlt oder weil er so friedlich lächelt? Oder hast du ihn einfach als günstigen Deko-Artikel erworben? Wenige wissen jedoch, wer Buddha eigentlich war und wieso er als Symbol der Erleuchtung (Bodhi), des Frieden und der Einheit gilt.

Buddha: Ein Symbol, das den Weg weist

Buddhas eigentlicher Name war Siddharta Gautama und er lebte um 500 v. Christus in Nordindien. Buddha bedeutet der Erwachte und ist somit ein zusätzlicher Ehrenname Siddhartas, dessen Lehre die Weltreligion des Buddhismus begründet – das allerdings erst nach seinem Tod. Der indische Religionsstifter gilt als Vorbild und Wegweiser der Menschheit. Der Name Siddharta kommt dir bekannt vor? Dann hast du vielleicht Hermann Hesse’s Buch “Siddhartha” gelesen. Hier geht um einen Menschen, der das Höchste erreichen möchte und genau dafür steht auch der Name. Denn Siddhartha ist ein Sanskrit-Wort und bedeutet „derjenige, der sein Ziel erreicht hat“. 

Buddhismus und Yoga

„Die Lehre des Buddha ist nicht dazu gedacht, als bloßes Wissen bewahrt zu werden, Nein, sie soll zur Entwicklung unseres Geistes benutzt werden.“ – Tenzin Gyasto, XIV. Dalai Lama

Der Buddhismus gehört zu den vier größten Weltreligionen. Yoga ist eine philosophische Lehre. Und trotzdem gibt es zwischen Yoga und dem Buddhismus einige Stimmigkeiten, die auf den gemeinsamen Ursprung in der indischen Spiritualität und den ähnlichen Weltanschauungen zurückzuführen sind. Das erklärt, wieso der Buddha auch gerne mal unsere Yoga-Shirts ziert oder er uns in Form einer kleinen Buddha-Statue im Yogastudio begrüßt. Doch selbst wenn die Vorstellungen ähnlich sind, kann man beide Lehren nicht gleichsetzen. Ist man sich dieser Unterschiede bewusst, können die Praxen beider Systeme voneinander profitieren. So fördert eine regelmäßige Asana-Praxis nicht nur unsere Flexibilität, sondern auch unsere Disziplin. Dadurch können wir leichter in die wertvolle Meditations-Gewohnheit des Buddhismus einsteigen und daraus wiederum einen Nutzen für unsere Yoga-Praxis ziehen.

So oder so.. ein kleiner Buddha in der Wohnung oder in unserer Yoga-Ecke versprüht doch immer ein paar Good Vibes. Außerdem erinnert er uns daran, unsere Ziele nicht aus dem Auge zu verlieren und dient uns so als Wegweiser.

Die Hand der Fatima

Die Hand der Fatima wird auch Hamsa genannt und steht universell für Schutz und Glück.

Die Hand der Fatima oder auch Hamsa findest du in unserem Yogaworld Logo. Sie steht universell für Schutz und Glück.

Die Bedeutung: Ein universelles Stoppschild des Bösen

Der Schutz-Gedanke stammt aus dem islamischen Volksglauben Nordafrikas und des Nahen Ostens. Dieser besagt, dass sich im Alltag eine ganze Menge Dschinns tummeln. Dschinns sind Geister, die gut aber auch böse sein können. Es gilt diese abzuwehren und sich vor dem Bösen Blick zu schützen – und genau diese Rolle hat die Hand der Fatima übernommen. Fatima (606-632) war die jüngste Tochter des Propheten Mohammed und verkörperte Reinheit und sündenfreie Jungfräulichkeit weil ihre Kinder als Einzige bis ins Erwachsenenalter überlebt haben. Sie wird somit oft als Mutter aller Propheten angesehen und erinnert an die Jungfrau Maria aus dem Christentum. 

Das Symbol: Die magische Handfläche

Die Hand der Fatima ist ein beliebtes Symbol. Je nach Kultur oder auch nach dem individuellen Geschmack ihres Trägers, beweist sie ihre Vielseitigkeit in unterschiedlichen Merkmalen, Ornamenten oder Zeichnungen. Manchmal findest du auf der Handfläche sogar ein Auge, das an den Bösen Blick erinnern soll. Dieser etablierte sich in Mesopotamien und im Alten Ägypten und steht für Unheil. Übertragen in unsere heutige Zeit, könnte man den Bösen Blick also mit Neid oder Missgunst beschreiben. Wie die Hand dargestellt wird, ist also an die Herkunft gebunden und sehr individuell gestaltbar. Was immer gleich ist, ist die Anzahl der fünf Finger. Sie stehen für die Harmonie zwischen den Sinnen und für die fünf Säulen des Islam: Bekenntnis, Gebet, Almosen, Fasten und die Pilgerreise. Und hiervon leitet sich auch der Begriff Hamsa ab, denn aus dem Arabischen übersetzt bedeutet er fünf. 

Die Hand der Fatima im Yoga

Trage das Zeichen als Schmuckstück an deinem Körper oder integriere es in die Gestaltung deiner Yoga-Ecke zuhause. Es gibt schicke Wand-Vorhänge mit dem Yoga Symbol, die neben mehr Wärme somit auch noch eine schützende Funktion erfüllen.

Yin und Yang

Yoga Symbole Yin und Yang
Das Prinzip der Gegensätze aus der chinesischen Tradition.

Mond und Sonne, Nacht und Tag, Ebbe und Flut, Tod und Leben – viele Beziehungen sind voneinander abhängig und ergänzen sich. Für diese Balance aus zwei entgegengesetzten Kräften steht Yin und Yang.

Die Bedeutung von Yin und Yang

Das Yin und Yang-Prinzip stammt aus der traditionellen chinesischen Philosophie, genauer gesagt aus dem Taoismus. Yin wird oft mit Adjektiven wie passiv, schwach, entspannt, hell, langsam, kalt oder einfühlsam assoziiert. Yang dagegen mit den entsprechenden Kontrasten: aktiv, stark, angespannt, dunkel, schnell, warm oder auf Gedanken fokusiert. Yin und Yang stecken in so vielen alltäglichen Dingen um uns herum – Gegensätze gibt es schließlich überall!

Yin und Yang wurde auch häufig auf die Geschlechter übertragen – Yin wurde mit Weiblichkeit und Yang mit Männlichkeit gedeutet. Diese Beschreibung ist heute jedoch überholt. Jeder Mensch trägt beide Energien in verschiedener Ausprägung in sich – sowohl Yin als auch Yang. Ziel ist es, beide Kräfte in Einklang zu bringen und einen innere Ausgleich zu kreieren. Geraten Yin und Yang außer Balance, können körperliche oder psychische Beschwerden auftreten.

Das Symbol der Balance

In allen Lebensbereichen ist es wichtig, ein gesundes Maß zu finden und in der eigenen Mitte zu pendeln. Dazu braucht man Yin genauso wie Yang. Deutlich wird dies anhand des daoistischen Symbols, das einen Kreis mit zwei gleichen Hälften darstellt und auch oft als ein Yoga Symbol gesehen wird. Die schwarze Hälfte steht für Yin, die weiße für Yang. Jede Seite enthält jedoch einen kleinen Teil der andere Hälfte, in Form eines Punktes. Zusammen bilden beide Kräfte eine Einheit und co-existieren.

Yin, Yang und Yoga

Unser Alltag ist sehr von Yang geprägt – in Form von Stress, Hektik und Druck. Und auch die meisten Yogastile der westlichen Welt sind überwiegend Yang-betont. Sie stärken die Muskulatur und fördern die Ausdauer. Dem hitzigen, aktiven Yang fehlt häufig ein beruhigender, passiver Ausgleich von Yin. Und das kannst du steigern, indem du Yin Yoga in deine Praxis einfließen lassen. Dieser Yogastil konzentriert sich auf sitzende und liegende Haltungen, die von den Asanas des Hatha Yoga abgeleitet und mit Einflüssen aus dem traditionellen indischen Yoga und dem chinesischen Taoismus ergänzt werden. Yin Yoga bietet eine meditative Annäherung an unser Innenleben und konzentriert sich zudem auf die Anatomie des Körpers. Hört sich gut an? Ich habe dir unter dem Beitrag ein 40-Minuten Yin Yoga Video mit Tanja Seehofer verlinkt, probiere es doch mal aus.

Übrigens: Die Beziehung der beiden Kräfte Yin und Yang wird in der TCM, der traditionellen chinesischen Medizin, sogar praktisch angewandt. TCM teilt unsere Organe in aktive und passive Funktionen ein. Während Yin dem Herz, der Leber und der Lunge zugeschrieben wird, ist Yang in Magen, Darm und Blase zu finden. So wird die Aktivität der einzelnen Organe bestmöglich aufeinander abgestimmt.

Schlaf lässt sich nicht erzwingen: Yoga Nidra als Gegenentwurf zum Tracking

Sleepmaxxing

Stell dir vor: Du wachst auf, greifst noch vor dem ersten Gedanken zum Handy und schaust nach, wie du geschlafen hast. Die Tracking-App gibt deiner Nacht einen Score von 48 von 100 Punkten und zeigt an, dass die Tiefschlafphase zu kurz war – und schon hat der Tag einen bitteren Beigeschmack, obwohl du dich eigentlich ganz passabel fühlst. // anzeige

Erkennst du dich darin wieder?

Schlaf ist in den letzten Jahren für viele Menschen vom Erholungszustand zu einer Disziplin geworden. Wie weit das inzwischen reicht, zeigt die Studie Sleepmaxxing: Projekt Schlaf aus dem Jahr 2026, für die 1.040 Personen in Deutschland befragt wurden.

Für jede zweite Person ist Schlaf ein Punkt auf der To-do-Liste

53 Prozent der Befragten sagen, dass sich Schlaf für sie manchmal wie eine Aufgabe anfühlt, die erledigt werden muss. Bei denen, die ohnehin schlecht schlafen, sind es sogar 73 Prozent – gegenüber 40 Prozent bei den guten Schläfer*innen. Ausgerechnet die Erholungsphase landet also zwischen Mails, Sport und Einkaufen auf der To-do-Liste.

Der Versuch, den eigenen Schlaf so gut wie möglich zu optimieren, nennt sich Sleepmaxxing. Genutzt werden dafür oft mehrere unterschiedliche Methoden gleichzeitig, darunter Tracking mit Smartwatches und Apps, Supplements, oder virale Trends aus den sozialen Medien. Mouth Taping, also das Zukleben des Mundes während der Nacht, ist nur einer dieser Trends.

Was das Tracking mit dem Tag danach macht

Schlaf-Tracking ist dabei für viele längst Alltag geworden: 25 Prozent erfassen ihren Schlaf aktuell mit Apps oder Wearables, weitere 14 Prozent haben es früher getan. Das bleibt nicht folgenlos: 66 Prozent der aktiven Tracker*innen haben ihr Verhalten tagsüber schon einmal wegen der in der Nacht gemessenen Werte angepasst.

„Die Schlafregulation ist ein komplexer Prozess. Melatonin, Adenosin, Cortisol – sie folgen zirkadianen Rhythmen, die sich nicht durch einzelne Hacks überlisten lassen. Verschiedene Interventionen können sinnvoll sein – aber sie sind lediglich ein Werkzeug, keine Lösung,“ erklärt Dr. med. Alexander Blau, Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie an der Schlafakademie Berlin

Mehr als die Hälfte der Befragten passt ihr Verhalten am Tag aufgrund des Trackings an. © RAVENSBERGER Matratzen GmbH

Yoga Nidra kennt keinen Leistungsdruck

Genau hier liegt der Unterschied zwischen Sleepmaxxing und dem, was du auf der Matte ohnehin übst. Yoga Nidra – wörtlich „Yoga-Schlaf“ – ist eine geführte Meditation im Liegen, bei der der Körper Schicht für Schicht loslässt, während der Geist wach und bewusst bleibt. Die Technik geht auf tantrische Überlieferungen zurück und wurde von Swami Satyananda Saraswati ins moderne Yoga gebracht. Häufig steht am Anfang ein Sankalpa, also ein kurzer, positiv formulierter Vorsatz.

Entscheidend ist dabei: Es gibt nichts zu erreichen und nichts zu messen. Du liegst, du hörst zu, du bleibst. Genau dasselbe Prinzip trägt übrigens jede ruhige Abendroutine, ob Atemübung, anerkanntes Entspannungsverfahren oder einfach zwanzig Minuten ohne Bildschirm. Welche dieser Methoden du am Ende für dich auswählst, ist gar nicht so entscheidend. Worauf es ankommt, ist die fehlende Bewertung am Ende.

Achtsame Abendroutinen schlagen flüchtige Trends

Was halten die Befragten aus der Studie selbst für wirksam? Ganz oben stehen feste Gewohnheiten und Routinen mit 75 Prozent, dicht dahinter eine passende Matratze und ein passendes Kissen mit 73 Prozent. Technische Hilfsmittel kommen dagegen nur auf 13 Prozent, neueste Trends und Social-Media-Tipps auf gerade einmal 4 Prozent.

Routinen und eine passende Schlafunterlage stehen weit vor allen technischen Hilfsmitteln. © RAVENSBERGER Matratzen GmbH

Die meisten Menschen wissen also eigentlich schon sehr genau, was ihnen für erholsamen Schlaf hilft. Es geht darum, eine Routine zu finden, die für dich persönlich funktioniert, und dich nicht immer wieder von neuen Methoden ablenken zu lassen.

Fazit: weniger Regeln, mehr Erlaubnis

Vielleicht ist der wirksamste Schritt für erholsamen Schlaf am Ende also kein zusätzlicher, sondern ein weggelassener: das Tracking für ein paar Wochen pausieren, eine Routine behalten statt fünf neue auszuprobieren, und abends etwas üben, das keinen Score kennt. Mit unserer Anleitung zeigen wir dir, wie du Yoga Nidra in 10 Schritten praktizieren kannst.

Neumondkalender 2026: So wirkt der Oktober-Neumond im Zeichen Waage

Neumond

Wann ist Neumond? Den nächsten Neumond erwarten wir am 10. Oktober 2026. Gegen 17:50 Uhr steht er im Zeichen Waage. Welche Energien jetzt wirken und wie du diese am besten für dich nutzen kannst, erfährst du weiter unten im Artikel. Hier ist eine Übersicht aller Neumonde 2026, alle Daten mit Uhrzeit, Sternzeichen sowie einige Tipps für die Arbeit mit der Neumondenergie.

Titelbild: Lyndse Ballew via Unsplash

Der Mond übt schon seit Tausenden von Jahren eine starke Faszination auf die Menschheit aus. Immerhin regelt er mit seiner Kraft die Gezeiten und nimmt auch bei manchen Menschen Einfluss auf das Schlafverhalten. Er gilt als Symbol für weibliche Energie, Weisheit und Intuition. Die bewusste Auseinandersetzung mit den verschiedenen Mondphasen hilft dabei, dich mehr mit dir, der Erde und dem Kosmos zu verbinden.

Nutze die Neumondenergie, um frische Energien in dein Leben einzuladen und neue Intentionen zu setzen. Nun ist eine gute Zeit, um Ideen zu konkreten Zielen zu machen und Projekte direkt anzugehen. Hier findest du Inspiration für dein Neumond-Ritual.

Neumond
Foto: Alex Brites von Pexels via Canva

18. Januar 2026: Neumond im Zeichen Steinbock

Am 18. Januar gegen 20:52 Uhr steht der Neumond im Sternzeichen Steinbock. Die aufmerksame und ernste Energie des Erdzeichens bringt Klarheit, Struktur und Durchsetzungskraft in dein Leben. Jetzt geht es darum, langfristig zu denken und Verantwortung zu übernehmen.

Ein neues Jahr, ein Neumond, ein Neuanfang?

Ja klar, aber bitte bewusst. Lass dir dafür ruhig Zeit. Laut modernem Kalender ist zwar der offizielle Jahreswechsel immer am 1. Januar, jedoch befinden wir uns noch mitten im Winter. Die Natur regeneriert gerade noch, bevor sie im Frühling neu aufblüht. Daran kannst du auch deinen eigenen Rhythmus orientieren und mit ihm dein Leben Tag für Tag neu ausrichten.

Manchmal braucht es keine großen Umbrüche, um große Veränderungen zu bewirken. Neuanfänge beginnen oft mit kleinen Gewohnheiten, die du langsam in deinen Alltag integrieren darfst. Es braucht vielleicht auch keine großen Gesten oder Belohnungsstrategien, um Neues zu etablieren, sondern eine klare Entscheidung, Mitgefühl, Ehrlichkeit und Konsequenz gegenüber dir selbst. 

Vergiss nicht: Dein Leben ist mehr als eine Aneinanderreihung von erreichten oder vermeintlich verfehlten Zielen. Es ist ein Prozess, den du in deinem eigenen Tempo gestalten darfst.

Yoga-Tipp:

Jede Veränderung beginnt in dir. Schaffe Raum für Klarheit durch Meditation und beobachte wie sich deine Präsenz und Perspektive dadurch verändert. Oder begib dich auf die Entdeckungsreise zu dir selbst und spüre die transformierende Kraft von Yogapraxis und Reflexion.


17. Februar 2026: Neumond im Wassermann

Am 17. Februar gegen 13:01 Uhr steht der Neumond im Sternzeichen Wassermann. Das Luftzeichen ist bekannt als kreativer Freigeist und bringt frischen Wind, Umbruch und Erneuerung mit sich. Außerdem fällt dieser Neumond auch mit dem Beginn des Jahres des Feuerpferds, dem chinesischen Neujahr, zusammen. Dieses liefert zusätzlich kraftvollen Schwung und Mut zur Veränderung.

Jetzt besteht die Chance, alte Muster zu neuen Gewohnheiten umzuwandeln. Doch Veränderung ist ein Prozess, der oftmals gar nicht so leicht umzusetzen ist. Denke daran: du musst nicht alles einreißen, um neu durchzustarten.Manchmal ist es sinnvoller, das bereits bestehende Fundament zu sanieren.

Um einen Reset ressourcenschonend zu gestalten, darfst du also zunächst einmal eine Bestandsaufnahme von dem machen, was schon da ist. Schau dir deine alltägliche Wirklichkeit an: Mit welchen Routinen und Verhaltensweisen gestaltest du deinen Tag? 

Welche davon bestärken dich, geben dir Vertrauen, Sicherheit oder einfach ein gutes Gefühl? 

Welche bringen dein tägliches Erleben eher durcheinander, als dass sie dich darin unterstützen? Wie könntest du sie möglichst mühelos anpassen, damit sich ihre Wirkung positiv verändert?

Ein Beispiel: Du startest deinen Tag jeden Morgen mit Kaffee, doch bemerkst, dass dich Koffein auf Dauer nervös macht? Wie wäre es, wenn du dieses Ritual nicht bleiben lassen müsstest, sondern jeden zweiten Tag koffeinfreien Kaffee oder Tee ausprobierst? Oder vielleicht fällt dir auf, dass du bei Stress oft zu fettigen Snacks greifst. Was wäre, wenn du nicht darauf verzichtest, aber zukünftig jedes Mal dazu auch ein Stück Obst oder Gemüse isst? Achtsamkeit und ein langsames Erweitern der Komfortzone begleiten dich sanft in die Veränderung, ohne zu überfordern.

Yoga-Tipp:

Eine Asana und Mudra Sequenz unterstützt dich, deine Aufmerksamkeit auszurichten und deine Energie zu lenken. Manchmal ist weniger mehr: An müden Tagen kannst du eine kleine Atem-Meditation am Frühstückstisch machen. Vielleicht möchtest du diese auf Dauer in deine Morgenroutine integrieren.


19. März 2026: Neumond im Zeichen Fische

Der Neumond am 19. März 2026 steht um 2:23 Uhr in den Fischen und lädt dich dazu ein, nach innen zu schauen und dich bewusst mit deiner Gefühlswelt zu verbinden. Die sanfte, fließende Energie dieses Wasserzeichens unterstützt dich dabei, deine Intuition zu stärken und deiner inneren Stimme mehr Raum zu geben. Vielleicht spürst du jetzt deutlicher, was sich verändern möchte – alte Muster, die gehen dürfen, oder neue Möglichkeiten, die sich langsam zeigen.

Foto:Jordan Steranka via Unsplash

Fische gelten als besonders sensibel und feinfühlig. Unter diesem Neumond fällt es uns oft leichter, unsere tiefsten Sehnsüchte wahrzunehmen und uns mit unserem Bauchgefühl zu verbinden. Auch wenn der nächste Schritt noch nicht ganz klar ist, darfst du darauf vertrauen, dass dein innerer Kompass dich führt. Nimm dir Zeit, deine Wünsche zu visualisieren, deiner Kreativität Ausdruck zu verleihen oder deine Träume mit anderen zu teilen.

Wie ein Fisch, der sich von der Strömung tragen lässt, kannst du heute üben, ein wenig mehr loszulassen und dich dem Fluss des Lebens anzuvertrauen. Manchmal entstehen gerade dann neue Wege, wenn wir nicht alles kontrollieren wollen. Vertraue darauf, dass dich die Strömung dorthin bringt, wo du gerade sein sollst.

Der Neumond ist zudem ein kraftvoller Moment, um deine spirituelle Praxis zu vertiefen. Ob durch Meditation, Journaling oder ein stilles Innehalten – finde deinen eigenen Weg, dich mit etwas Größerem zu verbinden.

Yogatipp zum Neumond in den Fischen:

Fische sind dem Wasserelement zugeordnet und laden zu einer besonders sanften, intuitiven Praxis ein. Setze dich für ein paar Minuten in eine ruhige Meditation oder komme in eine fließende Bewegung wie Cat & Cow oder sanfte Wellenbewegungen der Wirbelsäule im Sitzen. Stelle dir dabei vor, dein Atem bewegt sich wie Wasser durch deinen Körper. Mit jeder Ausatmung darfst du Anspannung und alte Muster loslassen, mit jeder Einatmung öffnest du dich für neue Inspiration und deine innere Weisheit.


17. April 2026: Neumond im Zeichen Widder

Am 17. April steht der Neumond gegen 13:53 Uhr im Sternzeichen Widder. Das Feuerzeichen ist bekannt für sein Geschick und seine Durchsetzungskraft und steht für selbstbewusstes,aktives Handeln. Es motiviert uns dazu, unser Leben konkret anzupacken und Eigeninitiative zu zeigen. Aufbruchstimmung liegt in der Luft! 

Jetzt ist ein günstiger Moment, um lange Aufgeschobenes endlich anzugreifen oder mutige erste Schritte zu wagen. Der Neumond im Widder unterstützt uns dabei mit eindeutigen Impulsen und einem kräftigen Energieschub, der uns allerdings auch leicht aus dem Gleichgewicht bringen kann. 

Die Kunst ist es daher, genau jetzt besonders achtsam und bewusst zu bleiben und kleine Erholungsmomente im Alltag zu schaffen, die eine potenziell überschüssige Feuerenergie ausgleichen können. Denn Ungeduld und Impulsivität bringen meist nur Konfliktpotenzial mit sich und stehen einer harmonischen Entwicklung eher im Weg, statt diese zu beschleunigen. 

Yoga-Tipp:

In brisanten Situationen hilft oft ein Perspektivwechsel. Umkehrhaltungen wie der klassische Kopfstand, Variationen des Handstands oder der Unterarmstand drehen die Welt für einen Moment um und fördern dabei Fokus und Balance.


16. Mai 2026: Neumond im Zeichen Stier

Am 16. Mai gegen 22:00 Uhr steht der Neumond im Sternzeichen Stier. Das Erdzeichen ist bekannt für seine Beständigkeit und Ausdauer und wirkt besonders zuverlässig und beschützend. Zusammen mit dem Neumond gibt uns der Stier den nötigen Anstoß, uns ehrlich unserem Selbstbewusstsein zuzuwenden.

„Ganz oder gar nicht“, sagt der Stier und fordert, dass wir eine Entscheidung treffen, nach der wir dann auch handeln. Denn Taten sprechen oft mehr als Worte und offenbaren schnell, wo wir noch unentschlossen sind. Doch sollten wir bedenken, dass es so etwas wie die „richtige“ Entscheidung nicht gibt. Es gibt lediglich Erfahrungen. Welche möchtest du machen?

Foto: Imzan Ogir von Getty Images via Canva

Gewohnheiten sorgen für Stabilität in unserem Leben. Egal, ob sie sich langfristig als dienlich erwiesen haben oder nicht, sie sind uns jedenfalls bekannt. Das Neue dagegen will erst geübt werden und erfordert viel mehr Energie und Offenheit. Oftmals ist die Scheu vor Veränderung nur ein Wunsch nach Verlässlichkeit und Schutz vor dem Unbekannten. Welche Situationen würdest du eigentlich gerne anders angehen? Was hält dich davon ab?

Der Stier erinnert dich daran, dass du vertrauen kannst. Du bist stark, wenn du weißt, was du willst. Sei mutig und erlaube es dir! Die Sicherheit, die du brauchst, findest du in dir. 

Yoga Tipp:

Bleib in deiner Mitte (und auf der Matte)! Mit Asanas wie Navasana oder Purvottanasana stärkst du deinen Core und findest ganz nebenbei mehr Halt(-ung) und Selbstbewusstsein.


15. Juni 2026: Neumond im Zeichen Zwillinge

Am 15. Juni gegen 04:54 Uhr steht der Neumond im Sternzeichen Zwilling. Die Zwillingsenergie steht in erster Linie für Kommunikation und spielerische Entdeckungsfreude. Zudem bringt das Luftzeichen mit Leichtigkeit frische Impulse und kreative Ideen mit sich und lässt uns aufatmen: Endlich dreht sich der Wind wieder. Es geht los!

Doch sollten wir die Energie weise nutzen, denn Ideen können zwar etwas anstoßen, damit allein ist es aber noch nicht getan. Der Neumond lädt uns ein, unsere Gedanken konkret zu entwickeln und in Worte zu fassen, um die Veränderungen in unserem Inneren langsam auch ins Außen zu tragen. 

Dazu gehört auch, sich über drängende Fragen, Wünsche, Zweifel und Bedürfnisse bewusst zu werden und zu entscheiden, was davon wichtig ist, mitzuteilen. Für diesen Prozess kann es hilfreich sein, alle Gedanken zunächst aufzuschreiben, um einen Überblick über ihre Relevanz zu bekommen. Auch alleiniges, lautes Aussprechen bevor man in die Kommunikation geht, kann den Bewusstwerdungs- und Entscheidungsprozess unterstützen.

Yoga-Tipp:

Transformation liegt in der Luft! Stärke deinen Dialog mit der Welt über das Halschakra durch deinen Atem. Besonders eignet sich dafür zum Beispiel die Ujjayi Atmung.

Foto: MAG Photography von Pexels

14. Juli 2026: Neumond im Zeichen Krebs

Am 14. Juli gegen 11:43 Uhr steht der Neumond im Sternzeichen Krebs. Die Energien, die jetzt vorherrschen, sind intensiv und gefühlsbetont, denn das sensible Wasserzeichen lädt dazu ein, dass wir uns mit unseren tiefsten Emotionen auseinandersetzen. Der Mond als Herrscher des introvertierten Krebses gibt dazu starke Impulse der Offenheit und des Neuanfangs. Diese sind jedoch in erster Linie nach innen gerichtet und äußere Veränderungen spielen hier eine eher untergeordnete Rolle. Sie finden meist jedoch als Konsequenz von inneren Prozessen statt. 

Rückläufiger Merkur

Auch Merkur, der derzeit noch rückläufig im Krebs ist, unterstützt durch seine Energie die Klärung und Aussprache von verdrängten Gefühlen. Die emotionale Kraft dieses Neumonds kann allerdings auch schnell in Erschöpfung umschlagen und wir sollten uns genug Zeit nehmen, um allen Grundbedürfnissen gerecht zu werden und immer wieder Pausen einzulegen. Nun ist nicht die richtige Zeit, um Dinge auf Biegen und Brechen durchzusetzen. Vielmehr dürfen wir uns am Wesen und Geschick des Wassers orientieren:

Wie können wir sanft lenken?
Was passiert, wenn wir uns dem Fluss hingeben?

Solange der Weg des geringsten Widerstands in Einklang mit unserer inneren Wahrheit ist, spricht absolut nichts dagegen, ihn zu gehen. Häufig werden wir auch genau das feststellen: wenn wir dem Klang unseres Herzens folgen und ihm Ausdruck verleihen, wird der Weg auf einmal ganz leicht. 

Yoga-Tipp:

Mit dieser tantrischen Meditation kommst du aus dem Kopf ins Herz und schaffst dadurch mentale und emotionale Klarheit:


12. August 2026: Neumond im Zeichen Löwe

Am 12. August gegen 19:37 Uhr steht der Neumond im Sternzeichen Löwe, das von der Sonne beherrscht wird und das Element des Feuers trägt. Der Löwe verkörpert Mut und Mitgefühl, das Herz – aber auch das Ego. Der August-Neumond nimmt uns in die Verantwortung, zwischen Selbstliebe und Selbstverliebtheit zu unterscheiden und fragt, wie ernst wir es meinen. 

Partielle Sonnenfinsternis

Zusätzlich ereignet sich eine partielle Sonnenfinsternis, bei der der Mond für einen Moment zwischen Sonne und Erde steht und die Sonne zum Teil in seinen Schatten stellt. Sie stellt auf den Prüfstand, ob wir auch leuchten können, wenn wir glauben, dass es niemand sieht. Denn das macht den Unterschied zwischen Sein und Schein. 

Dieses Himmelsereignis erinnert uns zudem daran, dass wir weder alles kontrollieren können, noch müssen. Manchmal reicht es, präsent zu bleiben und zu warten, bis unser Licht wieder uneingeschränkt strahlen kann. Die partielle Sonnenfinsternis ist dabei kein Hindernis, sondern sie schenkt uns eine Gelegenheit zum Innehalten und Reflektieren.

Was braucht dein Herz wirklich, um leuchten zu können?

Was brauchst du, um Verantwortung dafür übernehmen zu können?

Yoga-Tipp:

Der Sonnengruß ist ein Zeichen von Demut und Anerkennung. Wenn du dich vor der Sonne verneigst, verneigst du dich vor dem Leben selbst und öffnest gleichzeitig Raum in deinem Herzen für Empathie und Lebendigkeit.

Das Lion’s Gate schließt

Mit dem Neumond am 12. August schließt sich außerdem das Lion’s Gate. Während dessen Höhepunkt am 8.8. Klarheit geschenkt und dazu eingeladen hat, Intentionen zu setzen, trägt der Neumond diese Energie in einen neuen Zyklus. Es gibt also kaum einen besseren Zeitpunkt als JETZT, um deine Visionen zu verankern, Samen zu säen und die ersten bewussten Schritte in Richtung deiner Herzensziele zu gehen.

Hier erfährst du, was es generell mit dem Lion’s Gate auf sich hat:


11. September 2026: Neumond im Zeichen Jungfrau

Am 11. September gegen 5:27 Uhr steht der Neumond im Sternzeichen Jungfrau. Das ordnungsliebende Erdzeichen bringt nach einem Sommer voller emotionaler Intensität endlich wieder mehr Klarheit und Struktur in unseren Kopf. Das heißt aber nicht, jetzt mit schnellen und radikalen Entscheidungen möglichst viel Veränderung zu schaffen, sondern vielmehr, sorgfältig alles an seinen Platz zu räumen.

Rückläufige Planeten

Dazu kommt die Rückläufigkeit von Neptun, Saturn und Pluto. Tiefe Transformation liegt vor uns, doch dafür müssen wir noch ein bisschen etwas tun: Pluto und Neptun lenken unseren Blick nüchtern nach innen und lassen uns Träume und Täuschungen durchschauen.

Wo lohnt es sich, loszulassen?
Und wo dranzubleiben?

Saturn fordert uns auf, Verantwortung zu übernehmen und trotz aller Langsamkeit beharrlich und diszipliniert voranzuschreiten. Dabei dürfen wir fürsorglich mit uns selbst umgehen. Egal, was du verändern möchtest, achte darauf, wie du mit dir sprichst! Statt dich zu verurteilen und ungeduldig Erwartungen an dich zu richten, nimm den Ist-Zustand liebevoll an und frage dich: Was darf ich für mich tun? Wie kann ich mir helfen?

Yoga-Tipp:

Utkata Konasana, die Göttinnen-Haltung, wirkt erdend und stärkend auf Körper und Geist und schenkt Kraft und Selbstvertrauen. Damit bist du auch für herausfordernde Situationen gut gewappnet.


10. Oktober 2026: Neumond im Zeichen Waage

Am 10. Oktober steht der Neumond gegen 17:50 Uhr im Sternzeichen Waage. Die Waage gehört zum Element Luft und repräsentiert Harmonie, Schönheit und Balance. Zusammen mit dem Mond lädt sie uns ein, den Blick dafür zu klären und neue Intentionen zu setzen.

Neumond, Symbolbild; Bildcredit: Victor Hugo von Pexels
Foto: Victor Hugo von Pexels

Venus Retrograde

Venus, der Herrscherplanet der Waage, ist vom 3. Oktober bis 13. November rückläufig. Dabei befindet sich die Venus zunächst noch im tiefgründigen Wasserzeichen Skorpion, bevor sie am 25. Oktober wieder in „ihrem“ Zeichen, der Waage, steht. Rückläufigkeiten sind immer eine Phase der Reflexion, nicht der spontanen Entscheidungen! 

Dieses Mal geht es vor allem um Beziehungen: Während Venus sich durch den Skorpion bewegt, gilt es, die Themen Intimität, Leidenschaft, Kontrolle und Kränkung zu prüfen. Herrschen hier Disbalancen?

Wenn der Planet dann zurück in die Waage kehrt, steht besonders die Frage „Wie?“ im Fokus: Wie schaffen wir harmonische Nähe?

Wie fühlen wir uns wertgeschätzt?
Wie müssen wir miteinander sprechen, um Konflikte konstruktiv auszutragen?
Wie können wir uns auf Augenhöhe begegnen?

Der Neumond erinnert daran, dass es immer wieder einen Anfang geben kann. 

Yoga-Tipp:

Mit spielerischen Balancehaltungen übst du auch, dein inneres Gleichgewicht auszutarieren und ein Gespür für gleichmäßiges Geben und Nehmen zu bekommen. Zentriere dich in deinem Core, um dich von dort aus zu halten und zu entfalten.


Alle kommenden Neumonde 2026 im Überblick:

9. November 2026 um 08:02 Uhr im Zeichen Skorpion

9. Dezember 2026 um 01:52 Uhr im Zeichen Schütze


Du möchtest wissen, an welchen Tagen 2026 Vollmond ist? Alle Daten und Tipps findest du in unserem Vollmondkalender:

Neuer Mond, neuer Mut! Julia Pross zeigt dir eine herzöffnende Neumond-Yogapraxis:

Wie die Psyche das Immunsystem beeinflusst

Wenn die Tage wieder kühler werden, beginnt eine sensible Übergangszeit. Was tust du, um gesund durch den Herbst zu kommen: Ingwertee, Sauna, Vitamin-Präparate? Vielleicht ist eine andere Ebene noch entscheidender für ein ganzheitlich verstandenes, starkes Immunsystem: achtsame Selbstfürsorge.

Text: Isabell Kilian / Titelbild: ma-no von Getty Images

Wenn der Sommer langsam ausklingt und kühlere Abende den Herbst ankündigen, beginnt auch im Körper eine Phase der Umstellung. Unser Immunsystem läuft jetzt auf Hochtouren – und das ist gut so, denn spätestens im Oktober rollt die alljährliche Grippewelle an. Doch was wissen wir eigentlich über unsere viel beschworenen „Abwehrkräfte“? Zum Allgemeinwissen gehört zum Beispiel die Tatsache, dass geschwollene Lymphknoten, Entzündungsreaktionen oder Fieber eine sinnvolle natürliche Antwort auf Infektionen sind: Sie helfen, Krankheitserreger zu bekämpfen. Und war da nicht noch irgendwas mit weißen Blutkörperchen und Antikörpern, die Erreger neutralisieren? Meist stellen wir uns das Immunsystem mit seinen verschiedenen Bausteinen als eine biologische Schutzmauer gegen Viren, Bakterien und Parasiten vor. Das stimmt im Prinzip auch, wobei das Geschehen sehr viel komplexer und dynamischer ist, als es das Bild vom statischen Mauerwerk ahnen lässt.

Unaufhörlich strömen Millionen Abwehrzellen durch den Körper, identifizieren potenzielle Gefahren und bewahren uns vor Krankheiten, meist ohne dass wir irgendetwas davon mitbekommen. Wie gut das funktioniert, hat bekanntermaßen auch viel mit unserer Lebensweise zu tun: Stress, Schlaf- und Bewegungsmangel, aber auch stark verarbeitete Nahrungsmittel, Alkohol und Nikotin schwächen das Immunsystem, während wir ihm mit gesunder Ernährung, Vitaminen, Pausen, Sport und einem gesunden Maß an Hygiene wirksam unter die Arme greifen können. Auch die Rolle des Darm-Mikrobioms rückt dabei immer mehr ins Blickfeld: Bis zu 1000 verschiedene Bakterienarten leben in einer gesunden Darmflora. Sie trainieren nicht nur das menschliche Immunsystem, sie helfen auch direkt dabei, Krankheitserreger in Schach zu halten. Außerdem weiß man inzwischen, dass das Immunsystem in enger Wechselwirkung mit dem Nerven- und dem Hormonsystem steht.

Grundwissen zum biologischen Immunsystem

Das angeborene Immunsystem antwortet sofort und unspezifisch mit einer generellen Abwehrreaktion auf verschiedenste pathogene Stoffe. Es kann körpereigene von körperfremden und ungefährliche von potenziell gefährlichen Stoffen unterscheiden und rund 90 Prozent von ihnen unschädlich machen.

Dagegen richtet sich das erworbene (spezifische) Immunsystem mit maßgeschneiderten Antikörpern gezielt gegen bestimmte Erreger. Es wird permanent trainiert und bildet dabei ein Immungedächtnis aus. So können bekannte Keime schneller bewältigt werden.

Neben Abwehrzellen und bestimmten löslichen Stoffen (Enzyme, Proteine, Antikörper) zählen auch Schleimhäute,
Lymphknoten und -bahnen, Milz und Thymusdrüse
zum Immunsystem.

Immunsystem, Symbolbild, Bildcredits: Ugreen von Getty Images
Foto: Ugreen von Getty Images

Ein ganzheitlicher Blick auf das Immunsystem

Doch seit einiger Zeit geht die Forschung noch einen bedeutsamen Schritt weiter und schaut über die rein biologische Ebene hinaus. Ein Vorreiter auf diesem Gebiet ist der Psychoneuroimmunologe Professor Christian Schubert. In seinem Buch „Immunsystem neu gedacht“ (Arkana Verlag) erklärt er, wie stark das Immunsystem mit anderen Ebenen unseres Daseins verwoben ist: ein komplexes Netzwerk aus körperlichen, psychischen, sozialen und kulturellen Prozessen. Schubert berichtet von den Forschungen, die es in jüngster Zeit in diesem Gebiet gegeben hat, und schlägt vor, neben dem biologischen Immunsystem auch ein behaviorales (also das Verhalten prägendes), vor allem aber auch ein psychisches und soziales Immunsystem zu betrachten – und die Wechselwirkungen all dieser Ebenen mit zu denken.

Vieles davon kennen wir aus der eigenen Lebenswirklichkeit: Schon bevor sich die typischen Symptome eines Infekts zeigen, fühlen wir uns oftmals matt, lustlos und gereizt und wollen uns am liebsten daheim einigeln und umsorgen lassen. Die Forscher*innen nennen das „Sickness Behaviour“, Krankheitsverhalten. Damit hat die Natur eigentlich ein ziemlich geniales Verfahren entwickelt, denn indem das Immunsystem die Grenzen der rein biologische Sphäre übertritt und unser Verhalten steuert, stellt es zwei wichtige Dinge sicher: Erstens sparen wir mit unserem Rückzug Energie, die wir jetzt für die Heilung brauchen, und zweitens übertragen wir, wenn wir zu Hause auf dem Sofa liegen, die Krankheitserreger nicht an zahllose andere Menschen. Schade nur, dass wir diesem sinnvollen Verhalten in unserer Kultur so oft keinen Raum geben (dürfen).

Das „behaviorale Immunsystem“ kann aber noch vieles mehr: Wir halten zum Beispiel ohne groß zu überlegen Abstand, wenn jemand hustet oder schnieft, oder wir empfinden Ekel beim Anblick eines toten Tieres und weichen instinktiv zurück – und beides schützt uns vor potenziell gefährlichen Keimen.

Zu wenig – zu viel

Wenn die Immunreaktion nicht ausreicht, um einen krankmachenden Erreger schnell einzudämmen, gibt es meistens erkennbare Gründe: Der Erreger war noch nicht bekannt, das Immunsystem ist – wie nach den langen Lockdowns – nicht gut im Training, oder der Organismus ist insgesamt geschwächt.

Warum das Immunsystem allerdings manchmal auch übers Ziel hinausschießt und in Form von Allergien auf eigentlich harmlose Stoffe reagiert, oder warum es sogar körpereigene Zellen als gefährlich einstufen und so eine Autoimmunerkrankung hervorrufen kann? Die Schulmedizin hat bislang keine schlüssigen Antworten darauf gefunden. Vermutlich geht es auch hier um sehr viel komplexere als rein biologische Vorgänge.

Psyche und Immunsystem

Noch komplexer wird das Ganze, wenn man auf die Psyche schaut. Vermutlich hast du schon mal erlebt, wie Stress die Infektabwehr schwächen kann: Vor dem Urlaub zwei Wochen durchgearbeitet und pünktlich zum Ferienstart liegt man mit Grippe flach. Ein belastender Konflikt und der Magen rebelliert. Solche Reaktionen sind weder Einbildung noch reiner Zufall. Sie zeigen, wie sehr unser Immunsystem psychisch und sozial geprägt ist: Sind wir emotional angeschlagen, funktioniert die biologische Abwehr spürbar schlechter – und umgekehrt. So weit, so bekannt.

Laut der in Schuberts Buch geschilderten Untersuchungen kann sich die Psyche aber nicht nur schwächend oder stärkend auf den Zustand des biologischen Immunsystems auswirken, sie kann auch selbst Immunreaktionen triggern: Streit, gewaltvolle Kommunikation, Trennungen, Leistungsdruck oder Trauma können also als „psychosoziale Infektionsherde“ wirken und auch völlig unabhängig von Keimen Entzündungsreaktionen auslösen. Das „psychische Immunsystem“ hat laut Schubert die Aufgabe, die Psyche – und damit letztlich den gesamten Organismus – vor Überlastung zu schützen und stabil zu halten. Besonders faszinierend daran ist, dass nicht nur die äußeren Umstände, sondern auch unsere innere Haltung und unser Verhalten das Immungeschehen maßgeblich beeinflussen.

Wer beispielsweise in einer stressigen Situation innehält, tief durchatmet und sich in seine Mitte zurückholt, aktiviert damit das parasympathische Nervensystem – jenen Teil des autonomen Nervensystems, das für Regeneration, Ruhe und Heilung zuständig ist. Halten wir eine Selbstfürsorge-Maßnahme wie diese obendrein für hilfreich und wirksam, dann hat sie einen nachweislich größeren Effekt, als wenn wir nicht recht an sie glauben. Auch soziale und kulturelle Ressourcen wie nährende Beziehungen oder das Eintauchen in die Natur wirken wie ein unsichtbarer Schutzmantel gegen psychosoziale „Angreifer“, ebenso Erfahrungen von tief empfundener Gelassenheit, Freude oder einem befreienden Lachen. All das stärkt unser seelisches Immunsystem – und damit auch unsere körperliche Gesundheit.

Frau mit Regenschirm im Herbstlaub, Symbolbild, starkes Immunsystem, Bildcredit: Esra Erdoğdu von Pexels
Foto: Esra Erdoğdu von Pexels

Meditation, Yoga und Immunsystem

Wie hilfreich dabei gerade auch Yoga und Meditation sind, zeigen immer mehr Studien. Bei einer groß angelegten Untersuchung der University of Florida aus dem Jahr 2021 beispielsweise konnten Forschende nach einem achttägigen intensiven Meditationsretreat eine signifikante Aktivierung von mehr als 200 immunrelevanten Genen beobachten. Die Teilnehmenden zeigten dabei sogar eine stärkere Immunantwort als Infizierte, insbesondere bei antiviralen Schutzmechanismen – und das allein durch die Kraft des Geistes. Auch positive Gedankenbilder und gezielte Visualisierungen scheinen neueren Studien zufolge biologische Prozesse zu harmonisieren und so unser Immunsystem quasi von innen heraus zu nähren. Geistige Prozesse können demnach die Produktion immunaktiver Zellen anregen und den Stresspegel senken.

Auch die körperliche Yogapraxis ist ein kraftvolles Werkzeug, um das Immunsystem zu stärken. Der Schlüssel ist dabei die Achtsamkeit in der Bewegung: Anders als viele Formen von Sport und Fitness wirkt die bewusst wahrgenommene Bewegung Studien zufolge unmittelbar aufs Nervensystem. So kann die Asana-Praxis das Level von Stresshormonen wie Cortisol und Adrenalin verringern, die Regulation der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse verbessern und entzündungsfördernde Botenstoffe im Blut reduzieren, darunter Interleukin-6, das mit Herz-Kreislauf-, Autoimmunerkrankungen und dem metabolischen Syndrom in Verbindung steht.

Wie die Yogapraxis auf das Immunsystem wirkt

Die achtsame Langsamkeit von Yin- oder Restorative-Yoga-Sequenzen kann besonders geeignet sein, die Herzfrequenzvariabilität zu erhöhen. Dieser Wert ist wichtig für eine ganzheitliche Stressregulation, die das Immunsystem stärkt. Eine wichtige Rolle nimmt auch Pranayama ein. Nach yogischer Vorstellung leiten wir mit der Atemarbeit die Lebensenergie Prana – medizinsch gesprochen wird mit Übungen wie Nadi Shodhana oder Ujjayi das Nervensystem reguliert, etwa indem ein heilsamer Ausgleich zwischen rechter und linker Hirnhälfte oder zwischen Sympathikus und Parasympathikus gefördert wird. Dynamische Yogastile eignen sich dagegen besonders gut, um den Fokus im Moment zu halten und sich im Körpergewahrsein zu verankern. Dabei können wir eine emotionale Distanz zu stressauslösenden Einflüssen gewinnen und seelisches Gleichgewicht fördern – alles Faktoren, die, wie wir gesehen haben, wichtig für die Abwehrkräfte sind.

Stoff zum Nachdenken

Ob beim Atmen, durch Berührung, Nahrungsaufnahme oder Verletzungen:
unablässig gelangen Stoffe aus der Umgebung in den menschlichen Körper.
Ausgehend vom kriegerischen Weltbild der Forscher im 19. und 20. Jahrhundert haben wir uns daran gewöhnt, „Fremdkörper“ in erster Linie als feindliche, gefährliche „Eindringlinge“ zu begreifen, die unser „Abwehrsystem“ „bekämpfen“ müsse.

Die Sprache ist geblieben, dabei wissen wir längst, dass in Summe ebenso viele Mikroorganismen in unserem Körper leben wie eigene Zellen – zum größten Teil völlig friedlich und kooperativ. Einige unterstützen wichtige Körperfunktionen, unzählige andere sind so etwas wie stille Mitbewohner im Körperkosmos. Nur um eine kleine Minderheit muss sich das Immunsystem kümmern, weil sie Krankheiten hervorrufen können – und selbst die helfen uns indirekt, indem sie die Immunkräfte fit halten.
Erinnert dich das an etwas?

Nicht nur äußere Umstände, sondern auch unsere innere Haltung und unser Verhalten beeinflussen das Immungeschehen.

Mit Lebensfreude und Gelassenheit

Entscheidend bei all dem ist immer, mit welcher inneren Haltung wir praktizieren. Es kommt weniger darauf an, wie viele Stunden wir auf dem Kissen oder der Matte zubringen und welche speziellen Übungen wir machen, sondern wie wir uns innerlich ausrichten. Das gilt auch im Alltag: Welche Ressourcen können dich innerlich stabilisieren, was erfüllt dich mit Ruhe, Freude, Dankbarkeit, Sinnhaftigkeit, wo kommst du spürbar in die Selbstwirksamkeit? Auf psychische und soziale Faktoren haben wir nicht immer Einfluss – aber das Wissen um ihre Macht zeigt uns, wo wir ansetzen können. Dabei können wir uns an der Natur orientieren: Der Herbst ist eine Zeit der Ruhe und des Rückzugs, in der wir Kräfte sammeln, innehalten und unser Immunsystem auf all seinen Ebenen würdigen und stärken dürfen. In der Ruhe liegt bekannterma​​ßen die Kraft – eine Kraft, die bis in die Zellen wirkt.


Alltagsimpulse für ein starkes Immunsystem

DANKBARKEITS- ODER GLÜCKSTAGEBUCH
Notiere täglich fünf Dinge, die gut gelaufen sind oder für die du dankbar bist – ganz gleich, wie klein sie erscheinen mögen. Schon kurze Momente der Achtsamkeit auf das Positive erzeugen eine Welle heilsamer Emotionen, die dein psychisches Immunsystem wirksam unterstützen kann.

EXPRESSIVES SCHREIBEN
Lass deinen Gedanken freien Lauf – ungefiltert, intuitiv, ehrlich. Ob Sorgen, Wünsche oder kleine Alltagseindrücke: Das freie Schreiben wirkt klärend und erleichternd. Studien zeigen, dass expressives Schreiben Stress reduziert und die emotionale Verarbeitung unterstützt – ein innerer Frühjahrsputz mitten im Herbst.

VERBUNDENHEIT KULTIVIEREN
Ruf einen lieben Menschen an, schreib eine persönliche Nachricht oder verschenke eine Umarmung. Soziale Nähe wirkt wie ein innerer Schutzschild, senkt Stresshormone und stärkt die seelische Abwehrkraft.

ACHTSAMES ESSEN & TRINKEN
Wärmende Getränke, stärkende Suppen oder ein liebevoll zubereiteter Kakao sind Balsam für Körper und Seele – besonders, wenn wir sie mit Achtsamkeit genießen. Langsames Riechen, Schmecken und Kauen beruhigt den Geist und unterstützt die Verdauung – ein wichtiger Schlüssel zur Immunstärkung.

YOGA: ERDENDE MINI PRACTICE
Sanfte Yin-Haltungen beruhigen die Nerven und regen das Lymphsystem an.
Halte jede Haltung 2 bis 3 Minuten lang und atme dabei weich und langsam durch die Nase.
Kindhaltung: Stirn auf der Matte, Arme nach vorne oder entlang des Körpers. Spüre Geborgenheit und Hingabe.
Krokodil: Auf dem Bauch liegen, Stirn auf den Händen, Beine leicht geöffnet. Lass das Becken weich in die Erde sinken.
Knie-zur-Brust: Auf dem Rücken liegend, Knie zum Brustkorb ziehen, sanft schaukeln. Das entlastet Bauch und Nervensystem.
Liegender Schmetterling: Fußsohlen zusammen, Knie nach außen, unterstützt mit Kissen oder Bolstern unter den Oberschenkeln.


Yoga, Gesundheit und Ernährung sind die Themen, mit denen sich Isabell Kilian als Redakteurin am liebsten beschäftigt. Wie entscheidend bei all dem die Psyche ist, weiß sie auch aus dem Psychologiestudium, das sie derzeit absolviert.

Dieser Artikel stammt aus dem Yogaworld Journal 05/2025.

Der Ernte sei Dank: Nährendes Herbstmenü

Herbstmenü
Foto: attyplace-Getty-Images-via-Canva

Während es draußen allmählich immer windiger und dunkler wird, hat man doch gleich wieder Lust, Neues in der Küche auszuprobieren. Schließlich bietet uns die Natur zu dieser Jahreszeit auch eine reichhaltige Ernte. Hier stellen wir dir ein Herbstmenü vor, das dich erdet, wärmt und nährt.

Titelbild: Fattyplace von Getty Images via Canva

Der Herbst beschenkt uns mit einer ganzen Fülle an unterschiedlichem Wurzelgemüse. Und das können wir jetzt auch gut gebrauchen. Denn da es zu dieser Zeit durchaus mal stürmischer und kühler sein kann, wirkt das Gemüse erdend und wärmend.

Vorspeise: Waldsalat mit Crunch

Salat mit Pilzen
Foto: Langan via Canva

Wenn ich an den Herbst denke, kommen mir automatisch Bilder von bunten Wäldern in den Kopf und ein erdiger Geruch steigt in die Nase. Was passt da also besser in die Küche als ein paar frische Pilze.

Zutaten für 4 Personen:

  • 4 große Kräuterseitlinge (oder Pilze deiner Wahl)
  • 2 kleine Knollen Rote Bete
  • 1 große Birne (oder zwei kleinere)
  • 200 g Ziegenfrischkäse
  • 1 Handvoll Kürbiskerne & Nüsse
  • Ahornsirup
  • 2 EL Öl oder Butter

Dressing:

  • 2 EL Joghurt
  • 2-3 EL Apfelessig
  • 1 TL Honig-Senf (oder ca 1 TL Honig, 1 TL Senf)
  • 2 EL ÖL (Walnussöl passt hier sehr gut)
  • Salz und Kräuter nach Geschmack

Außerdem:

  • Salat nach Wahl (eine Mischung aus Radicchio und Kopfsalat passt hier sehr gut)
  • Salz, Pfeffer und Zimt

Zubereitung:

Den Ofen auf etwa 200°C vorheizen. Die Rote Bete-Knollen rundherum einstechen und halbieren, mit der Schnittfläche nach unten und mit Schale in den Ofen legen. Dort bleiben sie liegen, bis sie gut weich sind.

In der Zwischenzeit können die Pilze zubereitet werden. Dafür die Butter oder das Öl in eine heiße Pfanne geben. Die Pilze in Scheiben geschnitten darin schwenken und schön knusprig anbraten. Erst zum Schluss mit Pfeffer und Salz würzen.

Während die Pilze braten, kann die Birne in kleine Würfel geschnitten und die Zutaten für das Dressing angerührt werden.

Anschließend die Kürbiskerne und Nüsse grob hacken und in einer Schüssel mit den Birnenwürfeln, Salz, einer Prise Zimt und dem Ahornsirup vermengen. Diese Mischung für etwa 10 Minuten in den Ofen geben.

Ist die Rote Bete währenddessen schon weich geworden, kann diese geschält und in ganz feine Scheiben geschnitten werden. Den Ziegenfrischkäse in kleine Nocken formen und auf einem Teller zur Seite stellen.

Den Salat in einer großen Schüssel mit der Roten Bete und dem Dressing vermengen. Diese Mischung kann dann auf vier kleine Schüsseln aufgeteilt werden. Anschließend wird auf jede Portion ein paar Scheiben der Pilze und die Frischkäse-Nocken verteilt. Getoppt wird das ganze von dem karamellisierten Birnen-Nuss-Crunch.

Hauptspeise: Wärmendes Kürbisrisotto

Kürbisrisotto
Foto: NatashaBreen von Getty Images via Canva

Was wäre der Herbst ohne Kürbis? Für mich ist dieser kleine orange Freund jetzt ein ständiger Begleiter in der Küche. Der süßliche Geschmack ist einfach der Inbegriff von Erdung und Wärme. Hier trifft der samtige Kürbis auf die Schärfe des Ingwer – ein wärmendes Comfort Food und perfekt für einen stürmischen Herbstabend.

Zutaten für 4 Personen:

Für das Risotto:

  • 1 Hokkaido-Kürbis
  • ca. 200 g Risottoreis
  • 1 kleine Schalotte (gewürfelt)
  • 1 Zehe Knoblauch
  • 2 EL Olivenöl
  • 100 ml Kokosmilch
  • 500 ml Gemüsebrühe
  • Ingwer
  • Zimt, Salz & Kreuzkümmel

Außerdem:

  • 1 Granatapfel (ausgelöst)
  • 1 Handvoll Nüsse
  • 200 g (veganer) Feta

Zubereitung:

Den Kürbis in Würfel schneiden und in einem Topf mit Salzwasser zu einem Püree kochen.

In einem weiteren Topf das Olivenöl geben und die Schalotten und den Knoblauch darin anschwitzen. Sobald beides glasig ist, den Risottoreis sowie Gewürze wie Kreuzkümmel und ein gutes Stück geriebenen Ingwer hinzufügen. Alles zusammen weitere 3-5 Minuten anschwitzen und anschließend mit einem Drittel der Gemüsebrühe ablöschen. Die Temperatur nun etwas herunterdrehen und unter ständigem Rühren nach und nach die Gemüsebrühe hinzufügen. Sobald die Gemüsebrühe eingesogen ist und einer cremige Masse entstanden ist, kann das Kürbispüree und die Kokosmilch hinzugefügt werden.

Alles zusammen nochmal 5-10 Minuten ziehen lassen und mit weiteren Gewürzen abschmecken.

In der Zwischenzeit den Feta in eine Schüssel bröseln, die Nüsse grob hacken und alles zusammen vermengen.

Das Kürbisrisotto auf die Teller verteilen und mit der Feta-Nuss-Mischung bestreuen. Für den farblichen Tupfer und die fruchtige Note, das ganze mit ein paar Granatapfelkernen garnieren.

Dessert: Pumpkinspice-Crumble

Pumpkinspice-Crumble
Foto: ninafirsova via Canva

Knusprig, weich, süß und würzig: Das alles versteckt sich in diesem Dessert. Die wärmenden Gewürze und die Süße der Birne wirken wie eine innere Wärmflasche. Am besten eingekuschelt in eine Decke auf dem Sofa genießen.

Zutaten für 4 Personen:

Für den Crumble:

  • 150 g Haferflocken
  • 100 g gemahlene Mandeln
  • 50 g gehackte Nüsse
  • 50 g gehackte Zartbitterschokolade
  • 50 g Kokosöl
  • 50 g Ahornsirup
  • 2 TL Mandelmus
  • Salz, Zimt, Ingwer, Kardamom (oder fertiges Pumpkinspice)

Außerdem:

  • 2 große oder 4 kleinere Birnen
  • 2 EL Kokosöl
  • 2 TL Ahornsirup
  • Zimt, Salz
  • Vanille-Eis (nach Wunsch)

Zubereitung:

Den Ofen auf 200°C vorheizen. Die trockenen Zutaten für den Crumble in einer großen Schüssel verühren. Anschließend eine Prise Salz, viel Zimt und etwas Ingwer und Kardamom dazu geben. Nochmal alles gut vermischen und anschließend die flüssigen Zutaten gut unterheben. Alles zu einer gut klebrigen Masse verkneten, so dass sich kleine Klümpchen bilden.

Die Birne in kleine Würfel schneiden und in einer Schüssel mit Kokosöl, Ahornsirup und etwas Salz und Zimt vermischen. Die Birnen entweder in vier kleine Auflaufförmchen oder in eine große Form geben. Mit dem Crumble gut bedecken und für etwa 15-20 Minuten in den Ofen geben. Die oberste Schicht sollte leicht braun und knusprig werden. Das ganze kann auf Wunsch mit einer Kugel Vanille-Eis serviert werden.


Entdecke noch mehr wohltuende Rezepte für den Herbst:

Aparigraha-Sequenz zum Loslassen

Aparigraha – das yogische Prinzip des Nicht-Anhaftens – steht auch dafür, sich dem natürlichen Zyklus von Festhalten und Loslassen anzuvertrauen. Diese sanft kräftigende Sequenz lädt dich mit vielen Drehungen und Herzöffnungen dazu ein, innere Anhaftungen zu erkennen und loszulassen, dich zu öffnen und mit dir selbst zu verbinden.

Text und Sequenz: Bryony Kenndoff / Fotos: Christian Boehm

So übst du

Bewege dich langsam und begegne jeder Haltung mit Neugier und Achtsamkeit.
Lass dich dabei von deinem Atem führen:
Einatmen – Raum schaffen.
Ausatmen – loslassen.


Kein Druck. Kein Zwang. Nur Atem und Präsenz.

Besonders in den Drehhaltungen kannst du dich fragen:
Woran halte ich noch fest, das mir nicht mehr dient?
Wie würde es sich anfühlen, weich zu werden?
Wer könnte ich sein, wenn ich loslasse?

Warm-Up

01 Vajrasana – Fersensitz

Richte im Fersensitz die Knie etwa hüftbreit und die Füße gerade nach hinten aus. (Setze dich etwas erhöht auf einen Block, falls die Fußrücken nicht entspannt am Boden liegen.) Richte die Wirbelsäule auf, das Becken steht neutral, die untere Bauchdecke ist sanft nach innen gezogen. Der Brustkorb hebt sich weich, die Schultern sinken entspannt nach unten, hinten. Der Nacken bleibt lang, das Kinn parallel zum Boden, der Scheitel strebt nach oben. Atme tief und gleichmäßig. Finde Stabilität und spüre, wo du loslassen und Leichtigkeit finden kannst. (mindestens 5 Atemzüge)

02 Parivritta Vajrasana – gedrehter Fersensitz

Richte die Wirbelsäule einatmend noch einmal bewusst auf. Lege dann ausatmend eine Hand hinter dir am Boden oder auf dem unteren Rücken ab und die andere am gegenüberliegenden Knie, um dich behutsam aus der Brustwirbelsäule zur Seite zu drehen. Die Schultern bleiben weich, der Nacken lang, der Blick folgt nur ganz locker der Drehung. Atme ruhig und gleichmäßig und halte die Länge in der Wirbelsäule. Lass Spannungen bewusst los und lade Weichheit ein. (etwa 5 Atemzüge, dann Seitenwechsel)


Drehungen und die Kunst des Loslassens

Yoga fordert uns auf, innere Anhaftungen zu erkennen – und sie zu lösen. Dabei spielen Drehhaltungen eine ganz besondere Rolle: Wir spiralen durch die Wirbelsäule tief ins eigene Innere – in Räume, die wir vielleicht zu lange gemieden haben. Dabei erleben wir häufig Widerstand, aber eben auch die Möglichkeit, tief loszulassen. Zunächst auf körperlicher Ebene, etwa in Kiefer, Schultern oder Atem. Aber dann auch auf subtilerer Ebene: Vielleicht indem wir aufhören, uns zu vergleichen, eine Leistung zu erzwingen, oder zu glauben, dass Wachstum immer sichtbar und messbar sein muss. Manchmal geschieht es auch nur ganz leise: Wenn wir uns eine alte Geschichte nicht mehr erzählen. Wenn wir verzeihen. Wenn wir eine Erwartung loslassen, die uns unbewusst einschränkt. Aparigraha bedeutet also gerade nicht, dem Leben zu entsagen – sondern es in seiner Tiefe zu leben, ohne zu klammern. Es bedeutet zu vertrauen, dass wir nicht alles kontrollieren müssen, um sicher zu sein. Dass wir ganz sein können, auch wenn wir uns verändern. Weil wahre Freiheit entsteht, wenn wir mit offenen Händen leben.


03 Marjaryasana & Bitilasana – Katze und Kuh

Richte im Vierfüßler die Hände unter den Schultern und die Knie unter den Hüften aus. Kippe dann einatmend das Becken nach vorn und hebe Steißbein und Brustkorb. Die Wirbelsäule wölbt sich gleichmäßig nach unten, die Schultern ziehen weg von den Ohren. Mit der Ausatmung rundest du die Wirbelsäule gleichmäßig nach oben und ziehst den Nabel sanft nach innen, die Schulterblätter gleiten auseinander. Atme ruhig, während du zwischen den beiden Haltungen wechselst. Spüre, wie Weite an der Vorder- und Rückseite entsteht. (5–10 Wiederholungen)

04 Vyaghrasana Flow – dynamischer Tiger

Strecke mit einer Einatmung ein Bein gebeugt nach hinten. Die Fußsohle zeigt zur Decke, das Becken bleibt parallel zum Boden. Die Bauchdecke ist sanft aktiv, der Brustraum weit. Mit der Ausatmung ziehst du das Knie Richtung Nase und rundest die Wirbelsäule nach oben. Die Schultern bleiben stabil über den Handgelenken, die Arme aktiv, der Nacken entspannt. Bewege dich fließend zwischen Länge und Kraft und halte dabei das Becken stabil. Der Atem fließt ruhig und gleichmäßig im Rhythmus der Bewegung. (5 Wiederholungen, dann Seitenwechsel)

Flow

05 Adho Mukha Shvanasana – herabschauender Hund

Spreize im Vierfüßlerstand die Finger weit und aktiviere die Schultern, bevor du ausatmend die Knie hebst und das Becken nach oben, hinten schiebst. Strecke die Wirbelsäule, kippe das Becken leicht nach vorn und lass die Sitzknochen nach oben streben. Die Schultern rotieren sanft nach außen, der Nacken entspannt. Die Fersen sinken Richtung Boden, dabei dürfen die Knie weich bleiben, um Länge in der Wirbelsäule zu halten. Atme ruhig, verwurzle dich durch Hände und Füße und stelle dir vor, dass du alte Energien durch sie in den Boden abfließen lässt.

06 Tri Pada Adho Mukha Shvanasana – dreibeiniger Hund

Hebe einatmend das linke Bein und strecke es gerade nach hinten, ohne die Hüfte zu aufzudrehen. Das Becken bleibt stabil, die Bauchdecke ist sanft aktiv und beide Hände und Schultern arbeiten möglichst gleichmäßig. Das Standbein ist kraftvoll, der Nacken bleibt entspannt. Spüre, wie du dich bewusst und stabil in die Länge streckst und öffne dich dabei für das, was möglich ist.

07 Virabhadrasana – Krieger I

Ziehe den gehobenen Fuß kontrolliert zwischen die Hände. Das vordere Knie beugt sich über dem Sprunggelenk, das hintere streckt und setzt mit dem Fuß schräg auf. Richte das Becken möglichst gerade nach vorne aus und erde dich gleichmäßig über beide Füße. Aus dieser Stabilität richtest du den Oberkörper auf und hebst die Arme. Schultern und Nacken bleiben entspannt, der Brustkorb hebt sich weich. Atme ruhig und kraftvoll und spüre das Selbstvertrauen dieser Haltung: Das Unbekannte darf seinen Schrecken verlieren.

08 Virabhadrasana II – Krieger II

Wende dich vom Krieger I aus zum langen Mattenrand und senke die Arme seitlich auf Schulterhöhe. Das linke Knie beugt wieder über dem Sprunggelenk, das rechte streckt, der hintere Fuß erdet gleichmäßig. Lass das Becken aufgerichtet zwischen die Beine sinken und halte den Oberkörper senkrecht. Die Schultern bleiben weich, der Nacken lang, der Blick geht ruhig über die vordere Hand. Atme ruhig und spüre die Stabilität deiner Basis und die Weite im Brustraum – ein Gleichgewicht zwischen Kraft und Hingabe.

09 Trikonasana – Dreieck

Strecke beide Beine, schiebe das Becken leicht nach hinten und ziehe Arme und Oberkörper lang über das linke Bein. Kippe den Oberkörper zur Seite und setze Finger oder Hand auf einen Block neben dem vorderen Fuß. Beide Flanken bleiben lang, der Brustkorb dreht sanft nach oben. Richte die Schultern möglichst senkrecht übereinander aus und lass den rechten Arm weich nach oben streben. Atme ruhig und gleichmäßig. Spüre die Erdung und Stabilität von Beinen und Becken und lass unnötige Spannungen los.

10 Utthita Parshva Konasana – gestreckter seitlicher Winkel

Richte den Oberkörper aus dem Dreieck wieder lang auf und beuge das linke Knie. Ziehe das Becken tief zwischen die Beine und lege den linken Unterarm auf den Oberschenkel. Drehe den Brustkorb sanft Richtung Decke und halte beide Flanken weit und lang. Der obere Arm streckt über den Kopf oder zur Decke, die Schultern bleiben weich. Erde dich aktiv über den hinteren Fuß und spüre deine Stabilität. Der Nacken ist lang, der Blick geht ruhig nach oben oder vorne. Atme gleichmäßig und nimm wahr, dass du Wider stände bewusst loslassen kannst.

11 Utthita Ashwa Sanchalanasana – gestreckter Ausfallschritt

Wende dich wieder zum vorderen Mattenrand und lege die Hände auf den Boden oder Blöcke. Verlagere dabei bewusst dein Gewicht nach vorne und strecke das hintere Bein kraftvoll bis in die Ferse. Das vordere Knie steht senkrecht über dem Sprunggelenk und die Schultern über den Handgelenken. Aktiviere den hinteren Oberschenkel und strecke aktiv die Wirbelsäule. Der Blick geht zum Boden oder leicht nach vorne. Atme ruhig und gleichmäßig. Spüre die Stabilität der unteren Körperhälfte und die Möglichkeit zur Entfaltung im Oberkörper.

12 Anjaneyasana – tiefer Ausfallschritt mit Rückbeuge

Setze nun hinteres Knie und Fußrücken am Boden ab. Verwurzle dich aktiv am Boden, bleibe tief in den Hüften und richte langsam den Oberkörper auf. Hebe die Arme mit zueinander zeigenden Handflächen, die Schultern bleiben weich. Das vordere Knie steht senkrecht über dem Sprunggelenk, das Becken darf sinken. Die Bauchdecke stützt sanft, während die Wirbelsäule nach oben wächst und der Brustraum sich hebt. Atme ruhig und kraftvoll und heiße in dieser Herzöffnung die Leichtigkeit willkommen.

13 Parivritta Anjaneyasana – gedrehter tiefer Ausfallschritt

Bleibe stabil in Beinen und Becken, wenn du nun ausatmend die Arme seitlich auf Schulterhöhe senkst und den Oberkörper nach links drehst. Die Handflächen zeigen dabei nach unten oder nach vorne, der Brustkorb rotiert und weitet sich, beide Flanken bleiben lang. Halte die Schultern weich und den Nacken lang, der Blick geht locker zur hinteren Hand. Atme ruhig und gleichmäßig, spüre wieder die Stabilität deiner Basis, während du zugleich die Weite im Herzraum willkommen heißt.

14 Ashwa Sanchalanasana – tiefer Ausfallschritt

Löse die Drehung und setze die Hände wieder am Boden oder auf Blöcken ab. Lass das Becken tief sinken und versuche dabei, die Wirbelsäule lang zu strecken. Die Bauchdecke ist sanft aktiv, der Brustraum hebt sich weich. Wenn du magst, hebst du noch einmal Oberkörper und Arme in Anjaneyasana (Übung 12), dann kehrst du zurück in den herabschauenden Hund und atmest bewusst durch deine Mitte.

Wiederhole Übung 5 bis 14 nun mit dem rechten Bein vorn.

Cool-Down

15 Malasana – tiefe Hocke

Setze die Füße etwas weiter als hüftbreit und senke das Becken. Dabei zeigen Zehen und Knie leicht nach außen. Wenn du die Fersen in dieser Haltung nicht erden kannst, legst du eine gerollte Decke oder einen Block unter. Richte die Wirbelsäule aktiv auf. Dabei helfen dir die sanft gegen die Innenseiten der Beine geschobenen Arme. Die Handflächen liegen vor dem Herzen aneinander, Schultern und Nacken bleiben weich. Atme ruhig und gleichmäßig. Spüre die Tiefe in den Hüften und die Leichtigkeit in der Wirbelsäule.

16 Dandasana – Stabhaltung

Richte Becken und Wirbelsäule aktiv auf, während die Beine lang nach vorne ausgestreckt sind und die Füße flexen. Schiebe die Sitzknochen nach unten und ziehe sanft die Bauchdecke nach oben. Die Hände stützen neben den Hüften am Boden oder auf Blöcken, die Arme sind lang und aktiv. Der Brustkorb hebt sich weich, die Schultern sinken nach hinten und unten. Halte den Nacken lang und lass den Scheitel nach oben streben, dabei steht das Kinn parallel zum Boden. Atme ruhig und gleichmäßig, spüre die Länge im Körper und deine stabile Basis. (5 Atemzüge)

17 Ardha Matsyendrasana – Drehsitz

Stelle den rechten Fuß innen oder außen neben das linke Bein. Richte erneut das Becken auf und verlängere mit einer Einatmung die Wirbelsäule, bevor du dich mit der Ausatmung aus der Brustwirbelsäule (nicht aus dem unteren Rücken) sanft nach rechts drehst. Die Schultern bleiben weich, der Blick folgt nur locker der Rotation. Atme ruhig und gleichmäßig, spüre die Länge und Mobilität in der gesamten Wirbelsäule und öffne dich auch innerlich in diese Weichheit. (5 Atemzüge dann Seitenwechsel)

18 Setu Bandha Sarvangasana – Brücke

Stelle in Rückenlage die Füße etwa hüftbreit auf, breite die Arme längs des Körpers aus und lege die Handflächen auf die Matte. Rolle mit einer Einatmung vom Becken ausgehend Wirbel für Wirbel nach oben. Die Oberschenkel bleiben parallel, die Knie zeigen nach vorne. Drücke Füße und Oberarme aktiv gegen den Boden, um das Herz zu heben. Wenn du magst, kannst du dazu die Hände verschränken. Der Nacken bleibt lang und entspannt, der Blick geht zur Decke. Atme ruhig und gleichmäßig und spüre, ob du in dieser Herzöffnung auch die Anhaftungen des Ego loslassen kannst.

19 Viparita Karani – gestützte Umkehrhaltung

Lege dich auf den Rücken und platziere einen Block oder ein Kissen mittig unter dem Kreuzbein. Hebe beide Beine locker in die Senkrechte. Wenn du magst, lehnst du sie dabei an eine Wand. Lass die Arme längs vom Körper oder breite sie mit nach oben zeigenden Handflächen locker zu den Seiten aus. Alternativ legst du die Hände auf den Bauch. Die Schultern sinken schwer nach unten, der Nacken ist lang und weich, der Brustkorb offen. Gib dein Gewicht vollständig an Boden und Block ab und atme weich und ruhig. Spüre, wie du allmählich still und empfänglich wirst. (2–5 Minuten)

20 Supta Baddha Konasana – liegender Schmetterling

Schiebe den Block zur Seite und lass dein Kreuzbein sanft am Boden ankommen. Lege die Fußsohlen aneinander und lasse die Knie entspannt nach außen sinken. Umfasse hinter dem Kopf mit den Händen die gegenüberliegenden Ellenbogen. Die Schultern dürfen weich nach außen sinken, das Becken ruht schwer auf der Matte, der Bauch ist entspannt. Spüre, wie sich der Brustraum in der ruhigen, gleichmäßigen Atmung sanft weitet. Auch Nacken, Kiefer und Gesicht werden weich und du erlaubst dir, vollständig loszulassen. (2–5 Minuten)

21 Shavasana – Endentspannung

Lege dich flach auf den Rücken und lass deine Füße locker nach außen sinken. Die Arme liegen mit etwas Abstand neben dem Körper, die Handflächen zeigen nach oben. Der Rücken ruht schwer am Boden, die Schultern sinken weg von den Ohren. Das Kinn ist sanft Richtung Brust geneigt, der Nacken weich. Löse bewusst Gesichtsmuskeln, Kiefer, Zunge und Stirn. Der Atem fließt ruhig und ganz natürlich. Lasse vollständig los und entspanne dich in die schlichte, stille Präsenz des gegenwärtigen Moments hinein. (5–10 Minuten)


Bryony Kenndoff, geb. Cecil, stammt aus London und lebt seit einiger Zeit in der Nähe von München. Ihre Hatha-, Vinyasa- und Yin- Yogaklassen sind tief in der klassischen Yogaphilosophie verwurzelt. Für sie ist die Yogapraxis ein Spiegel, in dem sich durch Bewegung, Atem und Stille die subtilen Schichten unseres Inneren offenbaren. Instagram: bryony.kenndoff