Guru Purnima – der Vollmond, an dem wir unsere Gurus ehren (oder lieber nicht?)

Hast du schon mal von Guru Purnima gehört? 2026 fällt das Ereignis auf den Vollmond am 29. Juli. Es ist ein Tag, an dem Yogis und Yoginis ihre spirituellen, aber auch akademischen Lehrenden feiern und ihnen danken. Gerade heute, da der Guru-Begriff (zu Recht!) zunehmend kritisch hinterfragt wird, lohnt sich ein Blick auf seine ursprüngliche Bedeutung und die Geschichte hinter diesem traditionsreichen Fest.

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Vielleicht ist dir in den sozialen Medien schon einmal aufgefallen, dass viele Yogalehrer*innen jedes Jahr an einem Vollmondtag im Sommer ihren Lehrer*innen danken oder sie ehren. Der Anlass dafür ist Guru Purnima, dessen Ursprung weit über die moderne Yogaszene hinausreicht.

Was ist Guru Purnima?

Guru Purnima ist ein spirituelles Fest, das am Vollmondtag (Purnima) des hinduistischen Monats Ashadha – meist im Juni oder Juli – gefeiert wird. Es ist den Lehrerinnen und Lehrern gewidmet, die ihr Wissen, ihre Erfahrung und ihre Weisheit an andere weitergeben. Dabei sind nicht nur spirituelle Meister gemeint: Traditionell werden an diesem Tag auch akademische Lehrkräfte, Mentor*innen und andere Wegbegleiter*innen geehrt.

Das Sanskrit-Wort Guru wird meist als „derjenige, der die Dunkelheit vertreibt“ übersetzt. Die Silbe „gu“ bedeutet „Dunkelheit“ und meint die Dunkelheit der Unwissenheit. „Ru“ ist der „Vertreiber“. Ein Guru ist also jemand, der Orientierung gibt und andere auf ihrem Weg begleitet. Eine andere ethymologische Wurzel könnte auch die Silbe „gru“ sein, die übersetzt „gewichtig“ bedeutet. Dies würde noch mehr die Autorität des Gurus in der Lehrer-Schüler-Beziehung unterstreichen.

Guru Purnima wird im Hinduismus, Buddhismus und Jainismus auf unterschiedliche Art und Weise gefeiert und besitzt in allen drei Traditionen eine lange Geschichte. Im Yoga erinnert der Tag daran, wie wertvoll das Weitergeben von Wissen ist – und daran, den Menschen mit Dankbarkeit zu begegnen, die unseren eigenen Weg geprägt und inspiriert haben.

Die Ursprünge von Guru Purnima

Die Wurzeln von Guru Purnima reichen weit zurück. In der hinduistischen Tradition wird das Fest auch Vyasa Purnima genannt und erinnert an den Weisen Veda Vyasa (wörtlich „Ordner der Veden“), einen der bedeutendsten Gelehrten des alten Indien. Ihm wird traditionell zugeschrieben, die Veden geordnet und das Epos Mahabharata verfasst zu haben. Darüber hinaus gilt er als Autor oder Herausgeber zahlreicher Puranas und als wichtiger Vermittler spirituellen Wissens. Deshalb wird Vyasa bis heute als Urbild des spirituellen Lehrers verehrt.

Mit der Zeit entwickelte sich Guru Purnima zu einem Fest, an dem nicht nur Vyasa gedacht wird, sondern allen Lehrerinnen und Lehrern, die Wissen, Weisheit und Lebenserfahrung weitergeben.

Auch in der Yogatradition besitzt Guru Purnima eine besondere Bedeutung. Während in der klassischen hinduistischen Tradition Vyasa im Mittelpunkt steht, wird in der yogischen Überlieferung hingegen Guru Purnima häufig mit Adiyogi („der erste Yogi“) Shiva verbunden. Er erkannte in den sieben Saptarishis seine ersten würdigen Schüler. Zur Vollmondnacht nach der Sommersonnenwende soll er ihnen erstmals die Lehren des Yoga vermittelt haben und wurde so zum Adi Guru, dem ersten Lehrer des Yoga. Historisch belegen lässt sich diese Erzählung zwar nicht – sie ist eine spirituelle Überlieferung –, doch sie verdeutlicht den hohen Stellenwert, den das Weitergeben von Wissen in der Yogaphilosophie einnimmt.

Vollmond Meer
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Wie wird Guru Purnima gefeiert?

Die Art, wie Guru Purnima begangen wird, unterscheidet sich je nach Tradition und kulturellem Kontext. Viele Menschen nutzen diesen Tag für eine bewusste Praxis: Sie meditieren, rezitieren Mantras, widmen sich spirituellen Texten oder nehmen an gemeinschaftlichen Zeremonien teil. In manchen Traditionen werden Lehrer mit Ritualen, Blumen oder Gaben geehrt. Andere feiern den Tag stiller – mit einer persönlichen Reflexion darüber, welche Menschen und Erfahrungen den eigenen Weg geprägt haben.

Im Yoga kann Guru Purnima eine Einladung sein, sich nicht nur an eine bestimmte Lehrperson zu erinnern, sondern auch die Bedeutung von Lernen, Weitergabe und innerem Wachstum zu würdigen. Denn die Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden steht traditionell für einen lebendigen Prozess: Wissen wird empfangen, vertieft und schließlich weitergegeben.

Die Sache mit dem Guru – zu Recht umstritten

Grundsätzlich müssen wir natürlich unterscheiden: Ist die Rede von spirituellen Gurus oder von alltäglichen Lehrpersonen?

Denn im Sinne von letzterem ist das an sich ja eine sehr schöne Tradition. Wir alle haben bestimmt einige tolle Lehrpersonen gehabt, die unser Leben bereichert haben. Sei es die Grundschullehrerin in der 1. Klasse, die dir Mut zugesprochen hat, ein inspirierender Uni-Professor, der dir neue Chancen ermöglicht hat, oder eben eine Yogalehrerin, die dich schon viele Jahre auf dem Yogaweg begleitet. Das alles macht diese Menschen, wenn man so will, auch zu Gurus auf deinem Lebensweg. Sicher fallen auch dir an dieser Stelle einige Menschen ein, denen du unglaublich dankbar bist für das, was sie dir beigebracht oder was sie in dir gesehen und gefördert haben.

Problematischer ist das Ganze, wenn wir von spirituellen Guru-Personen sprechen. Vor allem dort, wo ein ungesundes Machtgefälle vorherrscht und besagter Guru kultartig idealisiert wird. Und das ist uns in vielen Yogatraditionen schon viel zu oft begegnet. Unethisches Verhalten, Machtmissbrauch und sexuelle Übergriffe sind leider keine Ausnahmefälle mehr. Zuletzt hat der Fall Deepak Chopra und seine Erwähnung in den Epstein-Files Aufsehen erregt. Im Anschluss daran haben wir im YOGAWORLD JOURNAL Nr. 03/26 den Artikel „Goodbye Guru“ veröffentlicht, in dem wir uns unter anderem die Frage gestellt haben, ob die Zeit der Gurus vorbei ist und was gute Lehrerschaft eigentlich ausmacht. Hier kannst du dir das Heft bestellen.

Was machen wir nun mit Guru Purnima?

Haben die Gurus es überhaupt noch verdient, dass wir sie feiern? Oder ist dieser Tag längst überflüssig geworden?

Im oben genannten Artikel haben wir dieses klare Statement von Kim Kassandra Schmid abgedruckt: „Lasst uns keine Gurus mehr auf Podeste stellen. Lasst uns Miteinander, Verbindung und Menschlichkeit aufs Podest stellen.“

Am Ende muss wohl jede*r für sich entscheiden, ob oder inwieweit er oder sie diese alte Tradition von Guru Purnima übernehmen möchte. Wir sollten aber auf jeden Fall die Augen offenhalten und die Machenschaften einzelner (meist männlicher) Gurus hinterfragen. Wir sollten weiterhin unsere Background-Checks machen, bevor wir ein vielversprechend klingendes Yogaseminar buchen. Wir sollten auf unser Bauchgefühl hören, wenn erste Alarmglocken klingeln. Und vielleicht am Ende des Tages lieber unser eigener Guru sein und uns an unsere Selbstwirksamkeit erinnern, statt uns von jemand anderem abhängig zu machen.

Leider haben es einzelne Herren in der Yoga- und Spiri-Szene geschafft, dass einigen von uns beim Wort „Guru“ inzwischen ein Schauer über den Nacken läuft. Falls es dir ähnlich geht, ist dieser Vollmondtag vielleicht der, an dem du – ganz harmlos – an die Grundschullehrerin zurückdenkst. Oder an den Professor. Oder die Yogalehrerin.

Mantra zur Inspiration: Om Sahana Vavatu

Klar ist: Die Beziehung zwischen Lehrperson und Schüler*in kann etwas sehr wertvolles sein, wenn sie unter den richtigen Motiven geführt wird. Um diese friedliche Intention zu wahren und aber trotzdem im Yoga-Kontext zu bleiben, finden wir dieses Mantra besonders passend:

Om Sahana Vavatu
Saha Nau Bhunaktu
Saha Viryam Karavavahai
Tejasvi Na Vadhitamastu
Ma Vidvisavahai
Om Shanti Shanti Shanti

„Om. Mögen wir alle beschützt werden.
Mögen wir alle genährt werden.
Mögen wir in Stärke erblühen und als Einheit arbeiten.

Mögen unsere Studien erhellend sein.
Mögen wir in Harmonie sein.

Om Frieden, Frieden, Frieden.“

Dieses Friedensmantra stammt aus der Taittiriya Upanishad und wird üblicherweise gemeinsam vor einer Yogastunde, einer Schulklasse oder vor dem Studium von Schriften rezitiert. Es soll eine harmonische und beschützte Beziehung zwischen Lehrer*in und Schüler*in herstellen. Gleichzeitig segnet das Mantra die Sache, die studiert wird und unterstützt den Prozess des Lernens.


Hier findest du einen ausführlichen Artikel zum Thema Machtmissbrauch im Yoga:

Wie sieht es aus, wenn zwischen Lehrperson und Schüler*in gar eine Liebesbeziehung entsteht? Hierzu ein spannender Artikel:

Vollmondkalender 2026: So wirkt der Vollmond am 29. Juli im Zeichen Wassermann

Wann ist Vollmond?  Der nächste Vollmond am 29. Juli 2026 steht um 16:35 Uhr im Zeichen Wassermann. Welche Energien jetzt wirken und wie du diese am besten für dich nutzen kannst, erfährst du weiter unten im ArtikelHier ist eine Übersicht aller Vollmonde 2026, alle Daten mit Uhrzeit, Sternzeichen sowie einige Tipps für die Arbeit mit der Vollmondenergie.

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Der Mond übt schon seit Tausenden von Jahren eine starke Faszination auf die Menschheit aus. Immerhin regelt er mit seiner Kraft die Gezeiten und nimmt auch bei manchen Menschen Einfluss auf das Schlafverhalten. Er gilt als Symbol für weibliche Energie, Weisheit und Intuition. Die bewusste Auseinandersetzung mit den verschiedenen Mondphasen hilft dabei, dich mehr mit dir, der Erde und dem Kosmos zu verbinden.

Nutze die Vollmondenergie, um in die Reflexion zu kommen und Altes loszulassen. Nun ist eine gute Zeit, um dich sanft von all dem zu verabschieden, was dir nicht mehr dient.

Hier findest du Inspiration für dein Vollmond-Ritual:


3. Januar 2026: Vollmond im Zeichen Krebs

Am 3. Januar gegen 11:05 Uhr steht der erste Vollmond des Jahres im Sternzeichen Krebs. Der Januarvollmond, auch „Wolfsmond“ genannt, verstärkt das Bauchgefühl und die innere Wahrheit. In Kombination mit dem gefühlstiefen Wasserzeichen erwartet dich eine Energie, die nach innen gerichtet ist und Raum für Rückzug gibt. 

Achte darauf, dass gesunde Grenzen nicht zu Mauern werden. Stärke und Sanftheit sind keine Konkurrenten, sondern Teile von dir, die sich gut ergänzen. Du darfst jetzt reflektieren, wie du beides halten kannst. 

Was brauchst du, um dich sicher zu fühlen? Traust du dich, das zu zeigen? Traust du dich, dich zu zeigen? Nutze deine Gefühle als Kompass, der dich da hinbringt, wo du schon immer hin wolltest. 

Yoga-Tipp:

Yin Yoga oder Restorative Yoga beruhigen dein Nervensystem, lösen behutsam emotionale Spannung und lassen dich langsam weich werden.


1. Februar 2026: Vollmond im Zeichen Löwe

Am 1. Februar gegen 23:09 Uhr steht der Vollmond im Sternzeichen Löwe. Der zweite Vollmond des Jahres wird auch „Schneemond“ genannt und bietet Gelegenheit für Achtsamkeit, Selbstreflexion und persönliche Entwicklung. In Verbindung mit der feurigen Energie des Löwen lädt er besonders dazu ein, Emotionen wahrzunehmen und zu erforschen. Denn Klarheit wird erst dann wirklich kraftvoll, wenn sie das Herz nicht ausklammert. 

Fotocredit: RDNE Stock Project via Pexels, Symbolbild

Das Löwe-Feuer brennt stark und zuverlässig und schenkt einen Moment der Wärme in den kalten Wintermonaten. Es fordert dich auf, deine Gefühle zu überprüfen:

Was lodert gerade in dir?
Wo spürst du vielleicht nur ein leises Flackern?
Wo darfst du etwas nachlegen?
Wo fühlst du dich ausgebrannt?

Du bist die Hüterin/der Hüter deines Feuers. Sorge gut dafür, dass dir deine innere Wärme erhalten bleibt und achte darauf, dass sie weder erlischt noch zu einem Strohfeuer wird. Dabei entscheidest du ganz allein, was dir guttut und was nicht.

Yoga-Tipp:

Eine Yin-Yoga-Sequenz hilft dir, behutsam mit deinen Gefühlen in Verbindung und bei dir anzukommen. Achtsame Dehnungen, die mal sanft, mal intensiver sein können, und lange Haltungen geben dir Ruhe und genügend Raum für Wahrnehmung. 


3. März 2026: Vollmond im Zeichen Jungfrau (totale Mondfinsternis)

Am 3. März um 12:41 steht der Vollmond im Sternzeichen Jungfrau. Die intellektuelle und bodenständige Energie des Erdzeichens bringt ein Gefühl von Verlässlichkeit und Stabilität bei gleichzeitiger Scharfsinnigkeit. All das bringt uns im Optimalfall innere Klarheit und Ruhe. 

Traditionell wird der März-Vollmond auch Wurmmond oder Lenzmond genannt und symbolisiert als Vorbote des Frühlings Neubelebung und Wachstum.

Totale Mondfinsternis

Zudem erwartet uns ein seltenes Himmelsphänomen: Der Vollmond fällt mit einer totalen Mondfinsternis zusammen und leuchtet in rötlicher Farbe. Als sogenannter „Blutmond“ steht er im Schatten der Erde und versinnbildlicht einen kraftvollen Wendepunkt. Obwohl die spektakuläre Färbung leider nicht überall zu sehen sein wird, können wir die Finsternis trotzdem spüren. Intuition und Sensibilität können jetzt intensiver wahrgenommen werden.

Der Schnee des Winters taut endlich auf und legt offen, was darunter schon zu lange im Verborgenen liegt. Ein alter Zyklus schließt sich, ein neuer beginnt, und der Übergang ist fließend. Lass den Fluss des Lebens zu und verharre nicht in zu starren oder veralteten Vorstellungen. Es ist an der Zeit zu ändern, was sich ändern möchte. 

Foto: bestgreenscreen von Getty Images via Canva

Yoga Tipp:

Schaffe mit einem bewussten Flow Verbindung zwischen dir, deinen inneren Zuständen und Bedürfnissen und dem, was dich umgibt.


2. April 2026: Vollmond im Zeichen Waage

Am 2. April gegen 4:12 Uhr steht der Vollmond im Sternzeichen Waage. Das Luftzeichen wird von der Venus beherrscht und ist bekannt für seinen ausgeprägten Sinn für Ästhetik und sein Bedürfnis nach Ausgeglichenheit. Die Sensibilität der Waage öffnet uns für tiefe Verbindungen und lässt uns selbst die feinsten energetischen Veränderungen wahrnehmen.

Das Merkurjahr

Dieser Mond heißt uns außerdem willkommen im neuen astrologischen Jahr:
Seit dem 20. März ist das Venusjahr vorüber und das Merkurjahr hat begonnen. Merkur steht unter anderem für soziale Beziehungen und insbesondere für jegliche Art von Kommunikation. Auf diesen Themen liegt also in nächster Zeit ein besonderer Fokus.

Oft teilen wir einander bereits unbewusst über unser Nervensystem mit, bevor wir überhaupt ins Gespräch gehen. Diese Art der Wahrnehmung äußert sich dann als intuitives Gefühl. Du darfst darauf vertrauen.

Was fühlt sich für dich richtig an?

Foto: Ankit Rainloure via Pexels

Kannst du das spüren? Die Tage werden wieder länger und wärmer und auch die ersten Frühlingsgefühle lassen nicht lange auf sich warten. Doch sei dir bewusst: Jede Täuschung wird früher oder später enttäuschen!
Kannst du Klarheit mit Dankbarkeit empfangen?
Ist das, was du willst, auch das, was dir gut tut?

Der Frühlingsmond, auch „Pink Moon“ genannt, hat das Potenzial, alles in harmonisches Licht zu tauchen, ohne dass du dafür eine rosarote Brille brauchst. Echt zu sein, ist sowieso viel besser als perfekt. Was wäre, wenn du erkennst: Das, worauf du sehnsüchtig wartest, hast du schon längst – alle Voraussetzungen, um in Resonanz zu kommen, schwingen in dir.

Es gibt nur zwei Bedingungen:
1. Du verkörperst deine Wahrheit und gestehst dir zu, dem Leben zu begegnen.
2. Du lässt auch alle anderen sie selbst sein – ohne Wertung – und wendest dich dem zu, was wirklich ist.

Yoga-Tipp:

Begrüße den Tag mit einer Tantra-Praxis und erfahre, wie du in Beziehung zu allem stehst. Spüre, wie alles verwoben ist.


1. Mai 2026: Vollmond im Zeichen Skorpion

Am 1. Mai gegen 19:24 Uhr steht der Vollmond im Sternzeichen Skorpion. Der sogenannte Blumenmond findet am Tag nach der Walpurgisnacht statt und bringt in Kombination mit dem tiefgründigen Wasserzeichen eine mystische Energie mit sich. Intensive Emotionen steigen aus dem Verborgenen empor und verlangen danach, gespürt und losgelassen zu werden. 

Der Skorpion hat die Kapazität, viel zu fühlen, jedoch kann er dabei schnell misstrauisch und eifersüchtig werden. Angestachelt von seiner Gefühlswelt, neigt er mitunter zu dramatischen Kurzschlussreaktionen. 

Foto: LEONIDES MONTES von Pexels

Emotionale Inventur mit zwei Vollmonden im Mai

Nun geht es darum, emotionale Themen ganz genau zu betrachten und dabei eine schonungslose Ehrlichkeit an den Tag zu legen: Wo willst du lieber angreifen, statt dich verletzlich zu machen? Wann fühlst du dich entmachtet? 

Wie kannst du deine Sensibilität als Stärke nutzen?

Versuche einerseits dir diese Fragen zu beantworten, aber andererseits auch über das Reflektieren hinauszukommen: Der Mai bietet mit gleich zwei Vollmonden am ersten und am letzten Tag des Monats die perfekte Gelegenheit, um alte Handlungsmuster gehen zu lassen und neue zu etablieren. Überlege also auch am besten direkt, was du tun kannst, um die Kraft deiner Gefühle in Antrieb umzusetzen. Bleibe dabei jedoch besonnen und klar, und verwechsle trübe Gewässer nicht mit Tiefe.

Yoga-Tipp:

Entfessle deine Kraft mit einer Sequenz für fließende Energie, indem du sanft Blockaden auf der Körperebene löst und deinen Atem frei strömen lässt.


31. Mai 2026: Vollmond im Zeichen Schütze

Am 31.05. steht der Vollmond als „Blue Moon“ gegen 10:45 Uhr im Sternzeichen Schütze. Der besondere Name hat dabei jedoch nichts mit der Farbe zu tun, sondern markiert das eher seltene Ereignis, dass zwei Vollmonde in einem kalendarischen Monat stattfinden. 

Im Englischen gibt es den Ausdruck „once in a blue moon“, was so viel bedeutet wie „äußerst selten“. Mit diesem ungewöhnlichen Phänomen geht daher auch eine bemerkenswerte Intensität einher: Nun können sich überraschende Wendepunkte offenbaren, Emotionen können besonders stark werden und auch die Schütze-Energie ist mehr als deutlich spürbar. 

Das Feuerzeichen ist bekannt für seine leidenschaftliche und zielorientierte Art. Mit mitreißendem Optimismus nimmt der Schütze seine Aufgabe pflichtbewusst ins Visier und lässt sich dabei scheinbar von nichts aus der Ruhe bringen. In seinem Inneren kann es allerdings ganz anders aussehen: Ungeduld und Freiheitsdrang können, wenn sie zu stark werden, dazu führen, dass der Schütze seinen Fokus verliert und sich sprunghaft und unstrukturiert verhält.  

Foto: Janusz Walczak von Pexels

Der Blue Moon lädt dazu ein, uns Zeit zu nehmen und nachzuspüren:

Was ist gerade präsent?
Wo haben Emotionen ihren Ursprung?

Diese Fragen sind oft nicht auf intellektueller Ebene zu lösen. Doch es ist immer wieder überraschend, zu wie viel Klarheit uns das reine Wahrnehmen auf Körperebene verhelfen kann. 

Yoga Tipp: 

Manchmal stecken wir buchstäblich fest zwischen Alltagsverpflichtungen und guten Vorsätzen. Doch die Lösung liegt auf der Hand: Wenn alles zu viel ist, fang im ganz Kleinen an. Schon eine kurze und gut genutzte Auszeit zwischendurch kann uns zurück in Richtung Freiheit und Leichtigkeit führen. 


30. Juni 2026: Vollmond im Zeichen Steinbock

Am 30. Juni gegen 1:56 Uhr steht der Vollmond im Erdzeichen Steinbock. Mit liebevoller Ernsthaftigkeit nimmt uns der Junimond in die Verantwortung, einen ehrlichen Blick auf den aktuellen Ist-Zustand unseres Lebens zu werfen. Die Steinbock-Energie wirkt dabei durch nüchterne Klarheit unterstützend und stabilisierend.

Mercury Retrograde

Merkur; Bildcredit: Mike Norris von Pexels
Bild: Mike Norris von Pexels

Am 29. Juni beginnt Merkur seine Rückläufigkeit im Krebs. Der Planet, der für Organisation und Kommunikation steht, wandert rückwärts durch das gefühlsbetonte Wasserzeichen. Gespräche laufen nun Gefahr, besonders emotional aufgeladen zu sein, Absprachen können schwammig sein und Missverständnisse scheinen vorprogrammiert. Der Vollmond im Steinbock wirkt hier wie ein Gegengewicht. Er hilft uns, die Merkur-Energie auszugleichen und behutsam Ordnung ins Gefühlschaos zu bringen. 

Jetzt ist entscheidend, wie wir mit unserer Zeit umgehen: Verantwortungsvoll zu handeln heißt, auch hier das richtige Maß zu treffen. Entscheidungen sollten weder vorschnell getroffen noch zu lange aufgeschoben werden. In unserer beschleunigten Welt ist es oft förderlich, sich bewusst Zeit zu nehmen und Langsamkeit zu erlauben. So können wir zur Ruhe kommen und bauen gar nicht erst Stressblockaden auf, die uns am Ende im Weg stehen. 

Yoga-Tipp:

In der Ruhe liegt die Kraft – daran erinnern uns der Vollmond im Steinbock und Merkur im Krebs. Durch die Balance des gedrehten Halbmonds (Parivritta Ardha Chandrasana) förderst du körperliche und geistige Stabilität. Gib dir Halt, indem du den Fokus auf deine Nabelregion richtest. 


29. Juli 2026: Vollmond im Zeichen Wassermann

Am 29. Juli gegen 16:35 Uhr steht der Vollmond im Sternzeichen Wassermann – das freiheitsliebendste aller Luftzeichen. Es steht aber auch für soziale Verantwortung, unkonventionelle Lösungen und das große Ganze. Dieser Juli-Vollmond hilft uns authentisch in der Gemeinschaft zu sein und erinnert uns daran, dass Freiheit und Isolation nicht dasselbe sind. 

Dem Mond im Wassermann steht die Sonne im Löwen gegenüber. Er steht für das innere Feuer, den Herzensweg, Individualität und Selbstverwirklichung. Gleichzeitig fordert uns der Wassermann heraus, über uns hinauszuwachsen und zu erkennen, dass wir nicht nur wir selbst, sondern immer auch der Kontext sind. 

Was wäre, wenn deine Authentizität nicht nur für dich befreiend wäre, sondern auch für alle anderen?

Was wäre, wenn deine Individualität nicht nur dich selbst betrifft, sondern ein wichtiger Teil der Gemeinschaft ist?

Das, was du beizutragen hast, ist dein Geschenk an die Welt.
Gehe großzügig damit um!

Yoga-Tipp:

Yoga ist bekanntlich mehr als Gymnastik auf der Matte! Bei einem Kirtan, dem gemeinsamen Singen, kannst du besonders schön erleben, wie deine Stimme zur gemeinschaftlichen Stimmung beiträgt. Wie sie verändert und gleichzeitig verändert wird, und wie sie trotz allem immer noch deine Stimme bleibt.


Die nächsten Vollmonde 2026 im Überblick:

28. August 2026 um 06:15 Uhr im Zeichen Fische (partielle Mondfinsternis)

26. September 2026 um 18:44 Uhr im Zeichen Widder

26. Oktober 2026 um 05:09 Uhr im Zeichen Stier

24. November 2026 um 15:50 Uhr im Zeichen Zwilling

24. Dezember 2026 um 02:27 Uhr im Zeichen Krebs


Du möchtest wissen, an welchen Tagen 2026 Neumond ist? Alle Daten und Tipps findest du in unserem Neumondkalender:

Aubergine all around the world – 3 köstliche Rezepte

Aubergine

Auberginen, Melanzani, Eierfrüchte, Eggplants: Im Supermarkt gibt es sie fast ganzjährig, aber jetzt im Juli ist Auberginen-Hauptsaison! Also schnell zugreifen und schwelgen in all ihren Formen und Farben. Wir zeigen dazu Rezepte aus aller Welt.

Text & Rezepte Erica Gebhart / Titelbild: SHVETS production von Pexels

Tipp

Die Bitterstoffe und der Wassergehalt von Auberginen lassen sich reduzieren, indem man sie in Scheiben geschnitten mit Salz bestreut und 30 Minuten ziehen lässt, dann abspült und mit Küchenpapier abtupft. Das Salz nimmt Wasser von der Oberfläche auf und sorgt dafür, dass die Auberginen beim Braten nicht zu viel Öl aufsaugen.

INDIEN

Auberginen-Curry mit Korianderöl

Auberginen-Curry Symbolbild, Bild: vm2002 via Canva
Foto: vm2002 via Canva

Zutaten für 4 Personen

1 große Aubergine, in Streifen geschnitten
1 große rote Zwiebel, gehackt
200 g Räucher-Tofu, gewürfelt
400 g gehackte Tomaten (Dose)
1 mittelscharfe Chilischote, gehackt
1 Bund Koriandergrün
sowie: Olivenöl, Salz, Pfeffer aus der Mühle, geräuchertes Paprikapulver, Garam Masala, Kreuzkümmel (gemahlen), Kurkuma (gemahlen), Honig, Sesamsamen, evtl. 200 g Paneer (Alternative: Mozzarella), zerbröselt

ZUBEREITUNG

1. Für das Korianderöl die Zweige waschen, trockenschütteln und mit der Hälfte der Chili und 2 EL Olivenöl pürieren.

2. Jeweils 1⁄2 TL geräuchertes Paprikapulver, Pfeffer, Garam Masala, Kreuzkümmel und Kurkuma ohne Fett in einer Pfanne rösten, bis die Gewürze duften. Dann 3 EL Olivenöl zugeben und Zwiebel darin glasig anbraten. Die vorbereiteten Auberginenstreifen (siehe Tipp oben) mit der restlichen Chili zugeben und unter Wenden bei starker Hitze mitbraten. Dann die Hitze reduzieren, die Tomaten angießen. 1 EL Honig einrühren und 15-20 Minuten köcheln lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

3. Tofu unterheben und weitere 5 Minuten ziehen lassen. Curry auf Tellern anrichten, mit Sesamsamen bestreuen, eventuell Paneer darüber verteilen und mit Korianderöl beträufeln. Dazu schmeckt Basmati-Reis und/ oder Naan (indisches Fladenbrot).

Wissenswertes

Auberginen sind reich an Antioxidantien, B-Vitaminen, Beta-Carotin und Vitamin C.
Auch die schlanken 25 Kalorienwert pro 100 Gramm können sich sehen lassen.
Weil Auberginen sich aber leicht mit Fett vollsaugen, steigt er beim Braten rapide an.
Deshalb sparsam mit Öl umgehen, am besten nur einpinseln.

MITTLERER OSTEN

Baba Ganoush (Auberginen-Dip)

Baba Ganoush, Aubergine, Symbolbild, Bild: Brent Hofacker von Alamy
Foto: Brent Hofacker von Alamy

Zutaten für 4 Personen

3 große Auberginen
2 Knoblauchzehen
2 EL Tahin (Sesampaste)
Saft von 1⁄2 Zitrone
3 EL Olivenöl
1 TL Kreuzkümmel (gemahlen)
einige Stängel Petersilie
sowie: Salz, Chiliflocken, Pfeffer aus der Mühle

ZUBEREITUNG

1. Den Backofen auf 200 Grad vorheizen. Auberginen waschen, längs halbieren und die Schnittseite mit einem Messer kreuzweise einschneiden. Auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen, mit etwas Olivenöl bepinseln und im Backofen 30-40 Minuten backen, dabei einmal wenden.

2. Das abgekühlte Fruchtfleisch auslöffeln und mit den restlichen Zutaten pürieren. Wer die Baba Ganoush lieber etwas stückig mag, kann sie statt dessen auch nur mit einem Stampfer zerdrücken. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Mit Petersilie, Olivenöl und Chiliflocken garnieren und als Dip zum Beispiel mit warmem Pita-Brot servieren.

MITTELMEERRAUM

Gefüllte Auberginen mit Granatapfelkernen

Gefüllte Aubergine mit Granatapfelkernen, Symbolbild, Bild: haoliang von Getty Images Signature
Foto: haoliang von Getty Images Signature

Zutaten für 4 Personen

4 mittelgroße Auberginen
150 g Berglinsen, gewaschen und abgetropft
1 Zwiebel, gehackt
1 Knoblauchzehe, zerdrückt
1 Zweig Rosmarin
1 Zweig Thymian
2 Lorbeerblätter
1 Granatapfel, Kerne herausgelöst
8 Scheiben würziger Bergkäse
1 EL frische, gehackte Petersilie
sowie: Olivenöl, Salz, Pfeffer aus der Mühle, orientalische Gewürzmischung

Tipp

Den Bergkäse kann man auch gut durch gewürfelten Feta oder Halloumi ersetzen.
Wer gerne eine dicke Käsekruste mag, nimmt grob zerteilten Ofenkäse.

ZUBEREITUNG

1. Die Auberginen waschen, der Länge nach halbieren und einen Großteil des Fruchtfleischs mit einem Löffel herauskratzen.

2. Zwiebel und Knoblauch in 2 EL Olivenöl glasig anbraten, dann Rosmarin, Thymian, Lorbeer, die Linsen, Pfeffer und 1 EL orientalische Gewürzmischung zugeben und alles kurz unter Wenden bei starker Hitze anbraten. Die Mischung mit Wasser bedecken und 10–15 Minuten bei reduzierter Hitze köcheln lassen, dabei immer wieder umrühren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Inzwischen den Backofen auf 180 Grad (Unter- und Oberhitze) vorheizen.

3. Die Kräuterzweige und den Lorbeer aus den Linsen nehmen und eventuell überschüssige Flüssigkeit abgießen. Das ausgelöste Fruchtfleisch der Auberginen hacken und unter die Linsen rühren, dann den Mix in die Auberginen-Hälften füllen. Jeweils 1 Scheibe Bergkäse darauflegen und 20 Minuten backen. Zum Servieren mit Granatapfelkernen und Petersilie-Blättchen bestreuen.

Dieser Artikel stammt aus dem YOGAWORLD JOURNAL 05/25.


Federleicht ist die Schreibe unserer Food-Fee Erica Gebhart – und genauso heißt auch das Redaktionsbüro der freien Journalistin. Ganz wichtig: Von ihrem Schreibtisch darf es nie mehr als ein paar Schritte weit in die Küche sein.

Die Aubergine ist wirklich ein Allrounder-Gemüse! Falls du (wie wir) nicht genug von ihrer Vielseitigkeit bekommst, findest du hier noch zwei weitere inspirierende Rezepte:

Box Breathing – Atemtechnik für mehr Ruhe, Fokus und innere Balance

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Wenn wir gestresst sind, wird unser Atem oft flach und schnell. Fühlen wir uns hingegen ruhig und entspannt, verlangsamt sich auch unsere Atmung. Diesen Zusammenhang können wir bewusst nutzen. Eine besonders einfache und zugleich wirkungsvolle Methode ist das Box Breathing, auch als Square Breathing, Quadrat-Atmung oder im Yoga als Sama Vritti Pranayama bekannt.

Titelbild: Madalina Todica via Canva

Diese alte Technik wird nicht nur im Yoga praktiziert, sondern heute auch im Leistungssport, im Stressmanagement und in Berufen mit hoher mentaler Belastung eingesetzt. Das Beste daran: Du brauchst weder Vorkenntnisse noch Hilfsmittel – nur deinen Atem und ein paar Minuten Zeit.

Was ist Box Breathing?

Box Breathing ist eine Atemtechnik, bei der alle vier Atemphasen (Einatmen, Atem halten, Ausatmen, Atem halten) gleich lang sind. Die klassische Variante folgt einem Rhythmus von je vier Sekunden. Stell dir dabei ein Quadrat vor: Jede Seite steht für eine Atemphase. Daher stammt auch der Name „Box Breathing“. Ziel ist es, den Atem zu harmonisieren und dadurch Körper und Geist in Balance zu bringen.

Im Yoga entspricht diese Form der Atmung dem Prinzip von Sama Vritti, was aus dem Sanskrit übersetzt „gleiche Bewegung“ oder „gleichmäßiger Fluss“ bedeutet. Entscheidend sind dabei eine bewusste Aufmerksamkeit, ein gleichmäßiger Atemrhythmus und eine ruhige Atemfrequenz.

Warum diese Atemübung so wirkungsvoll ist

Ruhige, langsame Atemtechniken können die Aktivität des Parasympathikus unterstützen – jenes Anteils des Nervensystems, der mit Regeneration, Erholung und Entspannung verbunden ist. Besonders eine langsame, gleichmäßige Atmung steht in Studien mit einer verbesserten Regulation des autonomen Nervensystems sowie einer erhöhten Herzfrequenzvariabilität (HFV) in Zusammenhang. Die HRV beschreibt die natürliche Schwankung der Zeitabstände zwischen den Herzschlägen und gilt als ein Marker für die Anpassungsfähigkeit des Körpers an Stress.

Die Atmung wirkt dabei wie eine Brücke zwischen Körper und Geist: Indem wir den Atem bewusst verlangsamen, können wir körperliche Anspannung reduzieren und gleichzeitig den Geist beruhigen.

So funktioniert Box Breathing – Schritt für Schritt

Suche dir einen ruhigen Ort und nimm eine aufrechte, entspannte Sitzhaltung ein. Setze dich gerne erhöht, zum Beispiel auf ein Meditationskissen. Die Schultern und Arme bleiben locker, der Kiefer entspannt.

Schritt 1

Atme vier Sekunden ruhig durch die Nase ein.

Schritt 2

Halte den Atem für vier Sekunden.

Schritt 3

Atme vier Sekunden langsam und kontrolliert durch die Nase aus.

Schritt 4

Halte den Atem erneut für vier Sekunden.

Hintergrundfoto: Madalina Todica via Canva

Wiederhole diesen Atemzyklus für etwa drei bis fünf Minuten.

Mit zunehmender Übung kannst du die Dauer langsam auf fünf oder sechs Sekunden pro Atemphase verlängern – allerdings nur, wenn sich die Atmung dabei angenehm und mühelos anfühlt.

Nicht alle fühlen sich mit vier Sekunden Atemanhalten sofort wohl. Das ist völlig normal. Du kannst stattdessen mit einem Rhythmus von 3–3–3–3 oder sogar 2–2–2–2 beginnen und die Zeiten nach und nach verlängern.

Wichtig ist, dass alle vier Atemphasen gleich lang sind. Es sollte dabei ein ruhiger, gleichmäßiger Atemfluss ohne Anstrengung möglich sein.

Und noch eine Anmerkung: Es gibt auch Varianten dieser Atemübung, bei denen die Ausatmung durch den leicht geöffneten Mund erfolgt. Im Yogakontext empfehlen wir aber die Ausatmung durch die Nase. Die Nasenatmung bringt nämlich viele Vorteile mit sich: Zum Beispiel wird durch diesen etwas längeren und engeren Atemweg die Ausatmung natürlich verlangsamt. Zudem bleibt die Feuchtigkeit und Temperatur der Atemluft optimal reguliert und die Nasenhärchen bewegen sich am effizientesten mit, um Schmutz- und Staubpartikel aus dem Atemwegen fernzuhalten.

Wann eignet sich Box Breathing besonders?

Die Atemtechnik lässt sich nahezu überall anwenden:

  • morgens für einen ruhigen Start in den Tag
  • vor wichtigen Gesprächen oder Prüfungen
  • vor einer Yogapraxis oder Meditation
  • in stressigen Arbeitspausen
  • nach einem anstrengenden Tag
  • vor dem Einschlafen, wenn der Geist noch aktiv ist

Schon wenige Minuten können helfen, bewusst aus dem Autopiloten auszusteigen und den gegenwärtigen Moment wieder wahrzunehmen.

Gibt es Risiken?

Für gesunde Menschen ist Box Breathing in der Regel gut verträglich.

Vorsicht ist jedoch geboten bei:

  • schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • bestimmten Lungenerkrankungen
  • akuter Atemnot
  • Beschwerden beim Atemanhalten
  • Schwindel während der Übung

In diesen Fällen sollte die Übung angepasst oder auf Atemhaltephasen verzichtet werden. Wer unsicher ist oder Vorerkrankungen hat, sollte vor Beginn ärztlichen Rat einholen. Generell gilt: Der Atem sollte niemals erzwungen werden. Entspannung entsteht nicht durch Leistung, sondern durch Leichtigkeit.

Box Breathing und Yoga – mehr als nur eine Atemtechnik

Im Yoga gilt der Atem als Bindeglied zwischen Körper und Geist. In der Pranayama-Praxis geht es nicht nur darum, bewusster zu atmen, sondern auch darum, die Lebensenergie – Prana – zu lenken und auszugleichen.

Sama Vritti, die gleichmäßige Atmung, steht symbolisch für innere Stabilität und Balance. Indem Einatmung, Ausatmung und Atempausen harmonisch aufeinander abgestimmt werden, entsteht ein Gefühl von Ruhe und Zentrierung.

Box Breathing kann deshalb eine wunderbare Ergänzung zur Yogapraxis sein – sei es als Vorbereitung auf Asanas, als Einstieg in die Meditation oder als kurze Achtsamkeitsübung im Alltag.

Probier’s gleich mal aus!


Dich quälen Ängste oder Schlafprobleme? Dann kannst du auch diese Atemtechnik anwenden:

Die Wissenschaft der Balance – und wie du sie trainierst

Balance

Wackelig oder stabil? Schräg oder gerade? Ob wir gut im Gleichgewicht sind oder im nächsten Moment umzufallen drohen, spüren wir meistens ganz genau – aber wie funktioniert das eigentlich, dass der Körper sich in Bezug zu Raum und Schwerkraft ausrichtet und stabilisiert? Ann Swanson erklärt dir hier die Wissenschaft hinter der Balance.

Text: Ann Swanson / Titelbild: Jade Stephens via Unsplash

Jeder Yogi und jede Yogini kennt diese Tage, an denen man schon in einem schlichten Baum herumkippelt oder aus der dritten Heldenhaltung buchstäblich herausfällt. Aber selbst wenn das passiert: Wir sind immer noch dabei zu balancieren. Ein gutes Gleichgewichtsgefühl hilft uns bei den kleinsten Alltagsverrichtungen, zum Beispiel wenn wir eine Einkaufstasche tragen oder nach einer Vase ganz oben im Schrank greifen. Erst recht ist es bei komplexeren Bewegungen gefragt, etwa beim Tanzen, Fahrradfahren oder Stand-Up-Paddling. Umso wichtiger ist es, diese wichtige Fähigkeit nicht verkümmern zu lassen: Jedes Mal, wenn du in einer Yogahaltung um die Balance ringst, trainierst du jene Körpersysteme, die dir helfen, aufrecht und stabil in einer bestimmten Haltung zu bleiben – und letztlich auch durchs Leben zu gehen. Dabei sind vor allem drei von Bedeutung: das visuelle, das vestibuläre und das somatosensorische System – oder auf Deutsch: der Sehsinn, der Gleichgewichtssinn und der Tast- beziehungsweise Körpersinn.

„Genau wie Muskeln erst durch Beanspruchung stärker werden, profitiert auch der Gleichgewichtssinn davon, wenn du ihn immer wieder herausforderst.

Ann Swanson

Statische vs. dynamische Balance

Die Fähigkeit, aufrecht und mit guter Haltung stabil zu bleiben – etwa im Baum (Vrikshasana) – nennt man statische Balance. Ausschlaggebend für diese gut geerdete Aufrichtung ist neben den eben genannten Sinnen die sogenannte Propriozeption, also die Fähigkeit zu wissen, wo sich deine einzelnen Körperteile im dreidimensionalen Raum gerade befinden. Kleine Sensoren im gesamten Körper, vor allem in Muskeln und um die Gelenke herum, senden dazu ständig Informationen ans Gehirn. Indem wir uns achtsam bewegen und fordernde Gleichgewichtshaltungen üben, können wir diese Sensoren schärfen.

Dynamische Balance kommt immer dann zum Einsatz, wenn wir während einer Bewegung das Gleichgewicht halten müssen, etwa beim Gehen, wenn wir von einem kleinen Absatz herunterspringen oder durch den Sonnengruß fließen. Aber auch die Übergänge von einer statischen Haltung in eine andere, zum Beispiel von der Berghaltung (Tadasana) in die Heldenhaltung 3 (Virabhadrasana 3), erfordert dynamische Balance. Sobald wir nämlich einen Fuß von der Matte lösen, wird es tricky: Weil wir weniger Kontakt zum Boden haben (also weniger somatosensorische Information), müssen das visuelle und das vestibuläre System ausgleichend wirken, um den Wechsel von einer Position in eine andere zu meistern.

Man weiß: Die meisten Stürze passieren genau in diesen Übergängen, Richtungswechseln oder schnellen Bewegungen – und zwar nicht nur im Yoga, sondern auch im Alltag. Leben geschieht in ständiger Bewegung und Yoga hilft, uns an diesen ewigen Wandel anzupassen und ihn geschmeidiger zu meistern.

Dabei entstehen, wie neuere Forschungen zeigen, neue neuronale Verbindungen nicht nur in den fürs Gleichgewicht zuständigen Gehirnregionen, sondern auch dort, wo die kognitiven Fähigkeiten angesiedelt sind. Indem wir die Balance im Yoga gezielt trainieren, beugen wir also nicht nur Stürzen vor, wir erhalten auch auf lange Sicht die Plastizität des Gehirns, verbessern das Körpergefühl, Selbstvertrauen und Mut.

Drei Sinne für mehr Balance

Foto: Jade Stephens via Unsplash

Das Nervensystem integriert die Informationen von visuellem, vestibulärem und somatosensorischem System und übermittelt sie ans Gehirn. Dort werden diese Reize gebündelt, verarbeitet und die passenden Bewegungs- und Haltungsantworten gefunden. Das kannst du gezielt fördern.

Sehsinn

Die von Augen und Sehnerven ans Gehirn übermittelten visuellen Informationen helfen uns dabei, die Lage des Körpers im Raum zu bestimmen und ihn auszurichten. Im Yoga machen wir uns das mit einer besonderen Technik zunutze: Drishti. Indem du einen bestimmten, vor dir liegenden Punkt fixierst, kannst du dich in anspruchsvollen Gleichgewichtshaltungen besser stabilisieren. Der Grund: Ist der Blick fest, dann hat das Gehirn einen statischen Referenzpunkt, an dem es die nötigen Haltungsanpassungen ausrichten kann.

Übung:

Anstatt mit Drishti zu üben, kannst du auch einmal das genaue Gegenteil versuchen: Schließe im aufrechten Stand (Tadasana) einfach mal deine Augen. Ohne den visuellen Input wirst du dich sofort weniger stabil fühlen. Dabei kannst du auch beobachten, wie vestibuläres und somatosensorisches System versuchen, die fehlende Information auszugleichen.

Gleichgewichtssinn

Das vestibuläre System arbeitet mit einem kleinen, sehr komplexen Organ im Innenohr: dem Gleichgewichtsorgan (vestibulärer Apparat). Es besteht zum einen aus drei mit Flüssigkeit gefüllten, annähernd kreisförmigen Kanälen, den Bogengängen. Verändert der Kopf seine Lage, dann setzt das die Flüssigkeit in den Bogengängen in Bewegung.

Je nachdem, ob es nach oben, unten, rechts, links oder seitwärts geht, biegt die Flüssigkeit auf bestimmte Weise die feinen Sinneshärchen (Cilia) an einem oder mehreren Bogenausgängen um. Bewegen wir uns beispielsweise aus Tadasana in Virabhadrasana 3, also von der Senkrechten in die Horizontale, dann wird diese Lageveränderung im Innenohr in einem der Bogengänge die Flüssigkeit stärker bewegen als in den anderen, die Sinneshärchen nehmen diesen Reiz auf und geben ihn über den Gleichgewichtsnerv ans Gehirn weiter. Ob das langsam und kontrolliert geschieht, oder in einem beherzten Sprung oder Sturz, wird ebenfalls im Innenohr registriert: Die beiden unterhalb der Bogengänge liegenden, ebenfalls mit Flüssigkeit gefüllten Vorhofsäckchen (Otholitenorgane) reagieren auf Beschleunigungs- und Bremsbewegungen, die sie ebenfalls über den Gleichgewichtsnerv ans Gehirn melden.

Übung:

Nimm den vestibulären Input wahr, indem du mal bewusst mit den verschiedenen Reizen des Gleichgewichtsorgan spielst. Bewege dich zuerst langsam von Tadasana in die Heldenhaltung 3. Beim nächsten Mal stimulierst du die Sensoren zusätzlich: Bewege den Kopf in kleinen nickenden und verneinenden Bewegungen, während du zwischen dem aufrechten Stand und der Standwaage hin- und herwechselst. Vermutlich wirst du es so deutlich schwieriger finden, die Balance zu halten – ein super Training: Genau wie Muskeln erst durch Beanspruchung stärker werden, profitiert auch der Gleichgewichtssinn davon, wenn du ihn immer wieder herausforderst.

Körpersinn

Der Tastsinn, mit dem wir Berührungen an der Oberfläche des Körpers wahrnehmen, ist ein wesentlicher Teil eines viel komplexeren Systems: Das somatosensorische System erfasst nicht nur Druck, Schmerz, Bewegung und Temperaturveränderungen an der Haut (Oberflächensensibilität), es registriert Reize im gesamten Körper (griechisch: soma).

Bei den Informationen aus dem Körperinneren, vor allem an Muskeln und Gelenken, spricht man von Tiefensensibilität oder Propriozeption: Sie ermöglicht es uns, die Lage der einzelnen Körperteile zueinander und im Raum zu bestimmen und zu steuern.

Übung:

Auch dieses System kannst du durch bewusste Beanspruchung trainieren. Das geht ganz einfach: Statt auf einem festen, stabilen Untergrund übst du auf einer dicken Decke, im Sand oder auf einem Wackelbrett. Das trainiert insbesondere die neuromuskuläre Wahrnehmung und hilft dir, Unsicherheiten leichter auszugleichen und dich zu stabilisieren.

Die Empfindungen an der Oberfläche und in der Tiefe der einzelnen Körperteile informieren über ihre Position in Bezug auf den übrigen Körper und den Raum und helfen uns bei der Ausrichtung.


ANN SWANSON ist eine wissenschaftlich ausgerichtete Yogatherapeutin. Ihr Buch „Yoga verstehen. Die Anatomie der Yogahaltungen“ (Dorling Kindersley), gilt längst als Referenz zum Thema Anatomie. Mehr Info auf annswansonwellness.com

Dieser Artikel stammt aus dem YOGA JOURNAL 05/2021.


Hier findest du 10 Tipps, wie du dein Gleichgewicht in der Asana-Praxis trainieren kannst:

Blick ins Jenseits – über das Leben nach dem Tod

Komme ich als Pinguin zurück, als Popstar oder als Stein? Werde ich vor ein Gericht gestellt und muss für alles büßen, was ich auf Erden verbockt habe? Oder erwartet mich nach meinem Ableben einfach nur Liebe und Licht? Ein Essay über das Jenseits …

Text: Carmen Schnitzer / Titelbild: Creatikon Studio von Getty Images via Canva

„Die muss so ein tolles Erlebnis gehabt, die muss echt das Paradies gesehen haben“, schwärmte mir gerade eine ältere Freundin am Telefon vor. Sie hatte früher mal in einem Seniorenheim gearbeitet und sprach von einer verstorbenen Bewohnerin, die im Tod „so wunderschön“ ausgesehen habe, dass sie sie am liebsten noch ganz lange betrachtet hätte. Eine tröstliche Vorstellung – auch wenn meine Freundin im weiteren Gespräch zugab, so einen Anblick bei Verstorbenen doch eher selten wahrgenommen zu haben.

Was die betreffende Frau tatsächlich erlebt oder gesehen hat, kann sie uns nicht mehr berichten. Zumindest nicht auf herkömmliche Weise, denn dass Kommunikation mit Verstorbenen grundsätzlich möglich ist, davon ist nicht nur Chanelling-Expertin Kristina Sacken überzeugt. Ich selbst bin es, na ja, mal mehr mal weniger. Seit einigen Jahren werde ich immer spiritueller und offener für „Übersinnliches“ jeglicher Art, doch meine immer noch stark präsente skeptische, rationale Seite ist weiterhin dankbar für handfeste Belege und Beweise. Von daher habe ich meine Recherche zum Thema „Was kommt nach dem Tod?“ auch damit gestartet, nach Forschungsergebnissen zu suchen, die vielleicht doch die ein oder andere wissenschaftliche „Sicherheit“ bieten könnten.

GRENZGÄNGE ZWISCHEN LEBEN UND TOD

Relativ schnell stieß ich dabei auf die nicht unumstrittene Studie zum Thema Nahtoderfahrungen (NTE) des niederländischen Kardiologen Pim van Lommel, die 2001 im medizinischen Fachblatt The Lancet veröffentlicht wurde und die später Grundlage für seinen Bestseller „Endloses Bewusstsein“ wurde. Grob heruntergebrochen schloss er aus den Berichten von Menschen, die nach einem Herzstillstand wiederbelebt worden waren, dass es eine Art allgegenwärtiges, nicht an den Körper gebundenes Bewusstsein geben müsse. So hatte etwa ein Patient sofort den Pfleger wiedererkannt, der ihm im Koma die Zahnprothese entnommen hatte, um den Beatmungsschlauch einzuführen: „Sie wissen, wo meine Zahnprothese ist!“, hatte er ihm nach dem Erwachen eine Woche später korrekterweise gesagt. Die beschriebenen Erfahrungen der ins Leben zurückgeholten Menschen können, so der Arzt in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Pressetext von 2016, „nur bedeuten, dass unser Bewusstsein nicht im Gehirn entsteht“. Eine Hypothese, gegen die sich allerdings viele seiner Kolleg*innen wehren, wie er zugibt.

Dass es nach dem Tod weitergeht, glauben Menschen über die Religionen hinweg. Die Vorstellung vom Wie aber unterscheidet sich.

Interpretation des Jenseits

Tatsächlich kritisieren einige Forscher*innen van Lommels Buch und seine Thesen aufgrund von Weglassungen und subjektiven Interpretationen als pseudowissenschaftlich. Andere halten seine Erkenntnisse und seine offene, weniger materiell geprägte Auffassung von Wissenschaft für bahnbrechend. Gemeinsam war den von van Lommel beschriebenen Patient*innen mit Nahtoderfahrung, dass sie gar nicht unbedingt glücklich darüber waren, weiterleben zu dürfen, sondern am liebsten „da“ geblieben wären. Wo auch immer dieses „Da“ sein mag, was auch immer es darstellte. Das Paradies? Wer weiß. Fest steht allerdings, dass sich die meisten Nahtodberichte ähneln. Über unterschiedliche Kulturkreise hinweg gibt es eindeutige Parallelen wie etwa außerkörperliche Erfahrungen, in denen der eigene Körper von oben betrachtet wird, außerdem sehen Betroffene oft ein helles Licht, haben Visionen von verstorbenen Angehörigen und empfinden ein tiefes Gefühl von Ruhe und Liebe. Je nach Religion oder Philosophie werden diese Erlebnisse allerdings unterschiedlich interpretiert.

Inwiefern van Lommels Studie oder andere NTE-Berichte tatsächlich etwas beweisen, wird kontrovers diskutiert. Von nüchternen Naturwissenschaftler*innen werden Nahtoderfahrungen auch gerne mit Sauerstoffmangel im Gehirn, einer letzten Aktivität der Nervenzellen oder der Freisetzung von Endorphinen erklärt.

Himmel und Wolken Spiegelung in Wasser, Symbolbild, Jenseits, c: goinyk von Getty Images
Bild: goinyk von Getty Images

DIE KOLLEKTIVE SEHNSUCHT NACH DEM „MEHR“

Naturwissenschaftlich bewiesen ist mit all dem also noch nichts, und doch gibt es viele Hinweise darauf, dass es noch mehr geben könnte als das, was wir rein mit unserem Verstand begreifen. Ein „Mehr“, von dem gläubige Menschen ohnehin über die Religionen hinweg überzeugt sind, wenngleich sich die Vorstellungen von dem, was nach dem Ende unseres physischen Seins passiert, unterscheiden.

Während es im Christentum und Islam etwa die Vorstellung von einer Gerichtsbarkeit gibt, die aufgrund der Taten eines Menschen auf Erden über ein Weiterleben im Himmel oder der Hölle entscheidet, existieren im Judentum verschiedene Vorstellungen von einem Leben nach dem Tod. Darunter die einer Art Hölle auf Zeit (Scheol), in der verstorbene Menschen von ihren Sünden „gereinigt“ werden, bevor sie vor Gott treten und von ihm aufgenommen werden können. Insgesamt aber liegt der Fokus bei Jüdinnen und Juden mehr auf dem Diesseits, in dem es gilt, sich ethisch korrekt und gottgefällig zu verhalten.

Das Jenseits im Hinduismus und Buddhismus

Laut Hinduismus und Buddhismus wiederum werden wir nach unserem Tod wiedergeboren, wobei unsere Taten beziehungsweise unser Karma darüber entscheiden, als wer oder was wir zurück auf die Erde kommen – und wie oft. Mitunter ist von „bis zu 500 Mal“ die Rede, meist aber von einem unendlichen Kreislauf der Reinkarnationen, einem unendlichen Zyklus des Seins (Samsara). Beiden Religionen gilt es als Ziel, aus diesem Zyklus auszubrechen, wobei der Hinduismus den Fokus auf die Befreiung der Seele (Moksha) legt und der Buddhismus auf das Ende allen Leidens, aller Begierden und Unwissenheit (Nirvana). Im Buddhismus wird nicht etwa eine unsterbliche, unveränderliche Seele wiedergeboren, sondern ein Geist-Kontinuum, ein „Nicht-Selbst“ (Anatman), das durch einen sich wandelnden Fluss an Erfahrungen gleitet, bis es erlöst wird.

Wohin man auch blickt: Vorstellungen von einem Leben nach dem Tod gibt es überall: Weder in der griechischen und römischen noch der ägyptischen oder nordischen Mythologie ist mit dem Ende unserer sterblichen Hülle alles vorbei. Auch in vielen afrikanischen Religionen oder denen amerikanischer oder australischer Ureinwohner existiert der feste Glaube, dass es nach dem Tod in irgendeiner Form weitergeht, sei es durch Wiedergeburt, Aufnahme ins Paradies oder in Form von Ahnengeistern, die mit ihren Familien in Kontakt bleiben.

WAHRHEIT ODER FANTASIE?

Ist die Tatsache, dass sich der feste Glaube an ein Weiterleben nach unserem physischen Dasein weltweit über die Jahrhunderte und Jahrtausende so hält, schon Beleg genug dafür, dass mit dem Tod nicht alles vorbei sein kann? So viele so unterschiedliche Menschen können doch nicht wirklich irren. Oder vielleicht doch? Spiegeln all die Konzepte von unsterblichen Seelen, Wiedergeburten und paradiesischen Gärten vielleicht einfach nur unsere urmenschlichen Ängste wider, denen wir mit tröstlichen Bildern irgendwas entgegensetzen möchten? Lässt uns letztlich nur unsere Sehnsucht nach Unsterblichkeit oder unser Wunsch nach Trauerbewältigung in schöne Fantasien flüchten, weil wir die banale und schreckliche Wirklichkeit anders nicht aushalten? Ich habe darauf keine Antwort, und ganz ehrlich: Ich glaube auch, dass wir die gar nicht unbedingt brauchen. Um zu erklären, warum ich zu diesem vielleicht unbefriedigend wirkenden Schluss komme, eine kleine persönliche Geschichte:

Während einer Quantum Light Breath Meditation im Rahmen eines Yogaretreats auf Bali habe ich mich vor ein paar Jahren – völlig unbeabsichtigt – in einem früheren Leben wiedergefunden, zumindest fühlte es sich währenddessen ganz stark so an: Ich hatte inmitten einer schwer zu lokalisierenden Felsenlandschaft während eines Krieges meinen gerade erwachsenen, sterbenden Sohn im Arm. Die Tränen schossen nur so aus mir heraus und ich fühlte den ganzen Schmerz einer Mutter, die ich in meinem aktuellen Leben nie geworden bin. Gleichzeitig war das Erlebnis ein ungemein tröstliches, erhellendes. Denn es half mir, mich in Liebe aus einer zutiefst ungesunden On-off-Beziehung zu lösen: Der sterbende Sohn aus dem früheren Leben hatte das Gesicht meines Ex-Geliebten aus dem aktuellen und ich konnte von da an akzeptieren, dass uns eine große Liebe verband, wir aber nicht als Paar funktionierten und ich ihn loslassen musste, damit es uns beiden besser ging.

Die Relativität der Wahrheit

Später schaltete sich mein skeptisches, rationales Ich wieder ein, das das Erlebnis als eine Art Rauschzustand einordnete, als einen freundlichen Trick meines Hirns, um mich vom Liebeskummer gesunden zu lassen. Aber weißt du was? Mir ist letztlich egal, was es war. Es ist nicht wichtig. Wahrheit, wie wir sie auf Erden begreifen und beschreiben können, ist ohnehin etwas sehr Relatives, und was ich erlebt habe, ist wahr, ob die Erklärung dazu nun „früheres Leben“ oder „Sauerstoff- Überdosis“ heißt oder vielleicht auch nur „unterbewusste Überlistung meiner Psyche“.

Schmetterlinge über einer Wiese, Symbolbild, Jenseits, c: borchee von Getty Images Signature
Bild: borchee von Getty Images Signature

SPÜREN STATT WISSEN

Worauf ich hinaus will: Ich denke, wir könnten unsere Konzepte von „richtig“ und „falsch“, „wahr“ oder „unwahr“ überdenken und uns stattdessen Erfahrungen öffnen, ohne sie sofort einordnen und bewerten zu wollen. Letztlich also genau das, was wir im Yoga tagtäglich üben: achtsames Spüren und Erkunden unserer körperlichen und seelischen Empfindungen, Offenheit und Akzeptanz gehenüber dem, was ist, was sich verändert und was irgendwann endet. Indem wir den Tod enttabuisieren und als Teil des Lebens akzeptieren, kann er zumindest ein wenig von seinem Schrecken verlieren, auch unabhängig von einem „Danach“.

Erst vorgestern war ich auf einer Beerdigung und sprach später mit der vierjährigen Enkelin der Verstorbenen über ihre Oma, die, wie sie mir erzählte, in einer Kiste gelegen hätte, die man dann in die Erde getan habe. Ich bemühte mich um einen liebevoll-ernsten Gesichtsausdruck und kindgerechte Kommentare, da hellte sich das Gesichtchen der Kleinen auf und sie entwaffnete mich mit der Feststellung: „Wie lustig – ein Mensch in einer Kiste!“ Auch wenn es mir aus meiner erwachsenen Perspektive schwer fällt, einem Sarg etwas Lustiges abzugewinnen, so hatte dieser kindliche Blick auf das Ganze doch etwas Herzerfrischendes und ja, Tröstliches. Einfach nicht mehr festhalten. Einfach beobachten und Schönheit – oder Humor – entdecken, auch im Abschied. Loslassen in Dankbarkeit und Freude. Auch das ein Yogathema, wie letztlich alles im Leben.

Wenn wir einen Schmetterling als Zeichen eines lieben, verstorbenen Menschen wahrnehmen – was sollte uns daran hindern, es anzunehmen?

Die Macht der Wahrnehmung

Doch so wie Sprache im Grunde nur ein Gerüst ist, mit dem wir einen kleinen Teil der Welt erfassen und uns darüber austauschen können, sind in meinen Augen auch viele religiöse Konzepte und Vorstellungen letztlich keine 1:1-Übersetzung der einen großen Wahrheit, sondern nur Versuche einer Annäherung an sie. Sie sind im übertragenen oder wortwörtliche Sinn gemalte Bilder, die uns helfen, das Unbegreifliche ein Stück weit begreifbar zu machen. Vielleicht ist es weniger wichtig, verbissen nach Beweisen für eine Gottes- oder Jenseits-Existenz zu suchen als vielmehr wahrzunehmen, welches Konzept in uns resoniert. Wenn wir etwa in einem vorbeiflatternden Schmetterling ein Zeichen eines lieben, verstorbenen Menschen wahrnehmen – was sollte uns daran hindern, es anzunehmen? Wenn wir seine Energie auch nach seinem Tod spüren, sie uns Kraft gibt und wärmt – was brauchen wir dann irgendwelche Beweise?

Jenseits der Wissenschaft

Ich begrüße es sehr, dass Wissenschaft und Spiritualität mittlerweile immer weniger als Gegensätze betrachtet werden und dass zwischen den beiden Betrachtungsweisen der Welt immer mehr Austausch stattfindet. Vieles, was zum Beispiel Menschen, die regelmäßig Yoga üben, schon seit Jahrtausenden intuitiv gespürt haben, wurde mittlerweile wissenschaftlich untermauert – etwa, dass Meditation heilsame Kräfte haben kann. Möglich also, dass Forscher*innen irgendwann auch Beweise für die Existenz eines wie auch immer gearteten Jenseits finden.

Wenn dem so sein sollte – gut. Wenn (noch) nicht, dann eben nicht, dann können wir das, was wir ganz unwissenschaftlich spüren, dennoch für uns nutzen und uns über unsere Erfahrungen friedlich austauschen – im steten Bewusstsein, dass wir alle fehlbar und unser Verstand begrenzt ist und dass es hier nicht ums Rechthaben geht, sondern um Liebe und Verbindung. Und wer weiß – vielleicht begegnen wir uns eines Tages alle in einem ganz anderen Himmel wieder als gedacht und können über das lachen, was wir uns auf Erden so zusammengereimt haben.

Dieser Artikel stammt aus dem YOGAWORLD JOURNAL 06/25.


Jean-Marc Turmes

Carmen Schnitzer arbeitet als Journalistin und schreibt seit Jahren für das YOGAWORLD JOURNAL.
Erfahre mehr über die Autorin und besuche ihre Facebook-Seite.

Diese Kombi rockt: Yogasequenz für Kletterer

Klettern und Yoga haben vieles gemeinsam: zum Beispiel die enge Verbindung von Körper und Geist, das Spiel zwischen Kraft und Beweglichkeit oder das Spannungsverhältnis zwischen stabilem Halt und dem Mut zu neuen Perspektiven. Wir finden: Diese Kombination rockt!

Text: Andrew Tower / Sequenz: Lydia Zamorano / Fotos: Cory Richards

Wer öfter in die Kletterhalle geht, hat es vielleicht schon bemerkt: Immer häufiger blitzen aus den Taschen zwischen Seilen, Gurten und Magnesium-Beuteln auch Yogamatten hervor. Sogar spezielle Yogabücher und Kursangebote für Kletterbegeisterte gibt es bereits. Kein Wunder: Wie kaum eine andere Ausgleichssportart (wenn man Yoga denn darauf reduzieren mag) verleiht Yoga dem Kletterern genau die Fähigkeiten, auf die es in der Vertikalen ankommt: Gleichgewichtsgefühl, Beweglichkeit und kraftvolle Rumpfmuskeln.

Lydia Zamorano, selbst Yogalehrerin und passionierte Kletterin, sieht auch den umgekehrten Effekt: „Yoga lehrt dich, deine Kraft effizient und entspannt einzusetzen. Dein zentrales Nervensystem bleibt im Ruhemodus. Dadurch kannst du intelligenter reagieren. Beim Klettern kann ich das anwenden und vertiefen, denn es ist ein ständiges Lösen von Problemen. Wie kann ich den nächsten Griff erreichen? Wie kann ich möglichst effizient und möglichst wenig anstrengend eine neue körperliche Aufgabe bewältigen?“

Gemeinsamkeiten zwischen Yoga und Klettern

Kennst du das Gefühl, wenn sich eine Haltung mühelos anfühlt, dass du dich darin fast ausruhst? Oder wenn man das Vinyasa als Erholung wahrnimmt, nachdem man neue, komplexe Bewegungsabläufe geübt hat? Nach diesem Prinzip gelingt es ebenso Kletterern, sich geschmeidig und kräfteschonend zu bewegen. Sie richten ihre Körperteile intelligent zueinander aus und probieren Neues. Dadurch schaffen sie sich inmitten von längeren Routen Ruhe-Inseln und optimieren so die Übergänge zwischen einzelnen Bewegungen.

Yoga hilft Klettern und umgekehrt

Auch Zamorano weiß: „Yoga hilft mir enorm, mich effizient zu bewegen. Denn dabei lerne ich, den ganzen Körper einzusetzen, anstatt einseitig bestimmte Muskelgruppen zu benutzen. Yoga gibt mir das Gefühl, ein Körper, ein großer Muskel zu sein.“

Yogaübungen wie der Krieger II mobilisieren die Hüften und helfen Kletterern so, ihren Körper dichter an die Wand zu bringen. Asanas wie nach oben schauender Hund dehnen Rücken, Schultern und Brust. Das ist entscheidend, wenn man sich aus der Kraft der Arme und Schultern heraus nach oben zieht. Überhaupt ist Yoga das beste Mittel gegen muskuläre Dysbalancen: Es kräftigt den gesamten Rumpf, von der stützenden Muskulatur der Wirbelsäule über die queren Bauchmuskeln bis hin zum Beckenboden.

Yogis sind durch ihre Asana-Praxis also körperlich prädestiniert zum Klettern. Noch wichtiger als Kraft, Balance und Beweglichkeit sind aber zwei andere Qualitäten: Konzentration und die beruhigende Kraft des Atems. Sportkletterei ist nicht ungefährlich, schon ein Moment der Unachtsamkeit oder Hilflosigkeit gegen Angst kann schlimme Folgen haben. Man muss lernen, die Ruhe zu bewahren und ganz bei der Sache zu sein.

Yoga für Kletterer vom Profi in beiden Disziplinen

Kein Wunder, dass sich für Lydia Zamorano der Schwerpunkt verschoben hat: „Ich habe mit Yoga begonnen, um besser zu klettern. Jetzt klettere ich, um meine Yogapraxis zu unterstützen. Das Draußensein in den Bergen ist eine wunderbare Ergänzung zu den innerlichen Erfahrungen auf der Yogamatte. Außerdem fordert mich das Klettern dazu auf, meine Komfortzone zu verlassen, eine unkontrollierbare Umgebung aufzusuchen und in der Verbindung mit der Natur auch riskante Neuanfänge auszuprobieren.“

Im Folgenden stellt sie einen Yoga Flow vor, der das Klettern optimal unterstützt. Die Übungen kräftigen die rückseitige Oberschenkelmuskulatur, mobilisieren die Hüftgelenke, gleichen Dysbalancen im Schultergürtel aus und fördern innere Ruhe.

Zur Vorbereitung praktiziere 2 bis 5 Runden Sonnengruß.

Yoga-Sequenz für Kletterer

1. Bretthaltung

wirkt rumpfkräftigend

yoga klettern plank pose

Du beginnst in Adho Mukha Shvanasana (nach unten schauender Hund). Verlagere dein Gewicht nach vorn, bis die Schultern über den Händen stehen und bilde mit deinem Körper von den Fersen bis zum Scheitel eine Linie. Beobachte, ob das Becken nach vorn oder hinten kippt. Nachdem du stabil und mittig ausgerichtet bist, streckst du die Wirbelsäule gerade in die Länge. Außerdem schmiege die Beckenkämme zueinander hin. Das aktiviert die Bauchdecke und stützt die Lendenwirbelsäule. Anschließend nach fünf tiefen Atemzügen kehre zurück in den Hund.

2. Seitliches Brett, Vasishthasana

kräftigt Arme und Schultern

yoga klettern side plank

Aus dem Hund versetzt du deine rechte Hand etwas nach links unter die Mittelachse des Körpers. Rolle auf die Außenkante des rechten Fußes und lege den linken Fuß auf den rechten. Drehe das Becken nach links, ohne es nach unten sacken zu lassen. Löse die linke Hand vom Boden und drehe den Rumpf zur Seite auf. Dabei liegt die linke Hand am Kreuzbein oder wird senkrecht nach oben gestreckt. Stell dir eine magnetische Kraft vor, die die Beine zueinander zieht. Diese Aktivität stützt die Wirbelsäule. Um die äußeren queren Bauchmuskeln und den Serratus (Sägezahnmuskel) zwischen Brust und Schulter anzusprechen, ziehe die rechten Rippen zum linken Beckenkamm und umgekehrt. Schultern und Schlüsselbeine bleiben möglichst weit. Nach fünf Atemzügen kehre zurück in den Hund und wechsle die Seite.

3. Vorwärtsbeuge aus der Grätsche, Prasarita Padottanasana

dehnt Arme, Schultern und Körperrückseite

lettern prasarita padottanasana

Stelle dich in eine Grätsche, bei der Oberschenkel und Zehen leicht nach innen gedreht sind. Verschränke die Finger hinter dem Rücken, dabei lässt du etwas Abstand zwischen den Handgelenken. Verwurzle die vier Ecken der Füße gleichmäßig am Boden, bevor du dich aus den Hüftgelenken nach vorne beugst. Dabei hältst du den Rumpf lang und die Arme ziehen nach oben und sinken dann nach vorne. Experimentiere damit, die Handflächen zum Rücken oder nach außen zu wenden. Diese Übung schenkt beim Klettern stark beanspruchten Muskeln Entlastung. Nach fünf Atemzügen rollst du dich behutsam zum Stehen auf.

4. Baum, Vrikshasana

fördert das Gleichgewicht und stärkt die Mitte

yoga klettern baum

Du beginnst im Stehen und verlagerst das Gewicht auf das linke Bein. Dann hebst du den rechten Fuß vom Boden. Bewege dich langsam und möglichst locker und setze die rechte Fußsohle auf einer für dich angemessenen Höhe an die Innenseite des Standbeins. Drehe das rechte Knie nach außen, ohne das Becken zu verdrehen, und schmiege Standbein und gehobenen Fuß zueinander hin. Konzentriere dich auf deine Mittelachse – eine gerade Linie über dem stabilen, gut geerdeten Standbein. Genau wie beim Klettern schiebst du nach unten, um dich nach oben abzudrücken. Wenn du mit zu viel Kraft und Anspannung arbeitest, ermüdest du schnell. Nach fünf Atemzügen löst du die Haltung und wechselst die Seite.

5. Einbeinige Taube, Eka Pada Rajakapotasana

mobilisiert die Hüftgelenke und dehnt die Oberschenkel

yoga klattern taube

Du beginnst im herabschauenden Hund. Hebe das linke Bein, beuge das Knie und ziehe es zur linken Hand. Schiebe das rechte Bein nach hinten, bis der linke Oberschenkel am Boden (oder auf einem Kissen) ankommt. Damit das Becken nicht nach links kippt, kannst du die Zehen des hinteren Fußes einwärts und seine Ferse auswärts drehen. Senke den Oberkörper lang nach vorne und stütze dich auf den Unterarmen auf. Bei entsprechender Beweglichkeit kannst du auch die Arme lang ausstrecken und die Stirn ablegen. Entspanne mindestens eine Minute lang bewusst die linke Hüfte und das rechte Bein. Nach maximal fünf Minuten wechsle über den Hund für die einbeinige Taube auf die andere Seite.

6. Donnerkeil, Vajrasana

dehnt die Füße

yoga klettern toe squat

Beim Klettern verspannen sich die Füße leicht. Nicht nur wegen dem enormen Krafteinsatz, sondern auch wegen der engen Kletterschuhe. Dieser Haltung schaffst du Abhilfe, indem du die Faszien der Fußsohle und Muskeln und Bänder rings um die Waden massierst. Deshalb stelle im Kniestand die Zehen auf (auch den widerspenstigen kleinen Zeh) und setze dich zurück auf die Fersen. Bleibe fünf Atemzüge lang in der Haltung und lass nach und nach mehr Körpergewicht auf die Zehen sinken. Wenn das zu intensiv ist, lehne dich nach vorn und stütze dich mit den Händen auf dem Boden ab. Mit der Zeit kannst du hier die Zeit auf bis zu drei Minuten steigern.

Tipps: Darauf kommt es beim Yoga für Kletterer an

  • Atme voll und tief aus der Kraft des Zwerchfells. Das fördert mentale Klarheit und körperliche Kraft.
  • Lenke den Atem an die Rückseite des Rumpfes und lass daraus ein neues Atemmuster werden.
  • Bewege dich mit Effizienz und entspannter Kraft.
  • Übe diese Yogasequenz für Kletterer mindestens drei Mal pro Woche.
  • Klammere dich nicht krampfhaft fest.
  • Setze dein Körpergewicht in der Bewegung ein, anstatt sich der Schwerkraft zu widersetzen.

Dieser Artikel stammt aus dem YOGA JOURNAL 04/2016.


Andrew Tower war lange Zeit Redakteur bei dem amerikanischen Klettermagazin „Urban Climber“. Er lebt (und klettert) in San Francisco.

Lydia Zamorano, aus Ontario stammend, und ihr Mann üben regelmäßig Yoga und Klettern. Auf ihrem Instagram-Account @practicewithlydia kann man die Abenteuer in den Bergen und auf der Yogamatte von den beiden und ihren gemeinsamen Kindern miterleben.

Puja – eine spirituelle Praxis der Verbundenheit

Salisha Aya, Puja spirituelle Praxis

In unzähligen hinduistischen Tempeln und Ashrams, aber auch in Millionen von Familien und manchen Yogaschulen ist Puja ein fester Teil des Alltags. Salisha Aya ist mit dieser spirituellen Praxis aufgewachsen. Hier erklärt sie, wie sie ein Gefühl tiefer Dankbarkeit fördern und zu mehr innerer Ausgeglichenheit verhelfen kann.

Text: Salisha Aya / Fotos: Nela König

Ist dir der Begriff Puja schon mal begegnet, vielleicht im Zusammenhang mit Bhakti Yoga? Er ist abgeleitet vom Sanskrit-Wort puj, was „ehren“ bedeutet: Bei einer Puja wird die Ehrerbietung gegenüber einer Gottheit oder einem Geist durch Rituale, Gesang, Gebete und Opfergaben zum Ausdruck gebracht. Die Hindu-Tempel, in denen sie traditionell durchgeführt wird (Mandir), sind normalerweise einer Hauptgottheit gewidmet – sie ist es, die mit der Puja geehrt wird. Aber auch zu wichtigen privaten Feierlichkeiten wie Geburtstagen und Hochzeiten werden Pujas abgehalten, meist von Priestern und Lehrern, den Brahmanen. Gleichzeitig ist Puja aber für viele Menschen eine ganz alltägliche spirituelle Praxis: eine schlichte tägliche Andacht, ein erstes Ritual des Tages, ein Moment der Besinnung an einem Altar im eigenen Zuhause.

Obwohl ihre Wurzeln tief in die vedische Kultur zurückreichen und sie untrennbar mit dem Hinduismus verbunden ist, bin ich überzeugt: Puja ist für alle Menschen da, egal ob Skeptiker*innen oder Suchende, unabhängig vom eigenen Glauben. Sie kann alleine, mit der Familie, oder in der Gemeinschaft praktiziert werden. Und sie fördert nicht nur spirituelle Verbundenheit und Wachstum, sie kann durch die karmische Reinigung auch zu geistiger Klarheit und innerem Frieden verhelfen und so eine positive und kraftvolle Geisteshaltung entwickeln.

Salisha Aya lässt bei der Puja eine Kerze vor ihrem Altar kreisen. Foto: Nela König
Ein Licht vor dem Altar kreisen zu lassen, ist eine der typischen Handlungen während der Puja.

Großmutter – meine Lehrerin der Puja

Meine persönliche Reise mit Puja begann im Alter von sieben Jahren in meinem Heimatland Trinidad, Tausende Kilometer entfernt von Indien. Es war meine Großmutter – Inderin und praktizierende Hindu – die diese Distanz auf wunderbare Weise überbrückte. Was ich damals noch nicht wusste: Sie brachte mich damit auf einen Weg, der meine Lebensaufgabe werden sollte.

Das Haus meiner Großmutter lag gleich neben unserem. Sie hatte einen Hausaltar errichtet, an dem die Gebete der Puja ihren Platz und Anker hatten. Fast jeden Morgen versammelten wir uns hier für eine halbe Stunde. Normalerweise kniete ich auf einem Kissen oder ich saß im Schneidersitz. Meinen Kopf bedeckte ich als Zeichen des Respekts und der Hingabe an die Hindu-Gottheit mit einem Tuch, während meine Großmutter die rituellen Gebete und Handlungen durchführte. Die Gottheit war anwesend in Gestalt einer kleinen Statue oder eines Bildes. Bei uns war es in der Regel der elefantenköpfige Ganesha, der Gott der guten Anfänge und Beseitiger aller Hindernisse. Meine Großmutter brachte mir bei, mich während der Puja vollständig auf Ganesha zu fokussieren. Alles, was mich irgendwie davon abhalten könnte, eine Verbindung zu Gott aufzubauen, durfte sich in dieser vollständigen Konzentration auflösen, sogar mein andauernder Kampf und Schmerz, an dem ich durch meinen gewalttätigen Vater litt.

Dankbarkeit empfinden

Wir brachten der Gottheit Opfergaben: frisch gepflückte Hibiskusblüten aus dem Garten, ungekochtem Reis als Symbol für Reinheit und Wohlstand, aber auch Obst oder Süßigkeiten. Mit diesen Geschenken drückten wir aus: „Ich bin Gott dankbar.“ Anschließend wurde Weihrauch angezündet, sein Rauch sollte helfen, unsere Gebete zum Himmel zu tragen. Dieses rituelle Räuchern half uns, einen tieferen Meditationszustand zu erreichen. Wir zündeten auch eine Diya an: eine mit Ghee betriebene indische Öllampe, die „die Erleuchtung des Seins“ symbolisiert. Um das Lösen und Beseitigen von Hindernissen zu unterstützen, sang ich meist das Ganesha-Mantra „Om Gam Ganapataye Namah“. Es gibt aber auch viele andere Sanskrit-Mantras, die während der Puja gesungen oder gechantet werden – und jedes erfüllt nach traditioneller Vorstellung mit seiner einzigartigen Schwingungsfrequenz einen bestimmten Zweck.

Absichtsvoll leben mit Pujas

Meine Großmutter fragte mich immer, was ich während der Puja loslassen wollte. So lernte ich schon als Kind, mir meiner selbst bewusst zu werden und Intentionen zu formulieren – etwas, das mich bis heute begleitet: Ich möchte, dass alles, was ich in meinem Erwachsenenleben tue, absichtsvoll geschieht. Dieses von Intentionen geleitete Leben mit seinen Ritualen und Zeremonien, hat es mir ermöglicht, eine tiefe Verbindung zu meiner inneren Weisheit aufzubauen. Obwohl ich nicht in Indien lebe, kann ich dank meiner Großmutter Puja durchführen, denn sie hat diese Tradition an mich weitergegeben. Und obwohl ich keine praktizierende Hindu bin, kann ich mich leiten lassen von dieser bewussten, absichtsvollen Spiritualität.

Schon mit sieben Jahren spürte ich eine tiefe spirituelle Verbundenheit und erlebte, wie sich etwas in mir öffnete für einen Zustand des Bewusstseins und der Aufmerksamkeit. Ich lernte von meiner Großmutter, während der Puja still zu sitzen, zu lauschen und mich für die Lehren der Zeremonie zu öffnen. Das legte den Grundstein für meine Praxis und alles, was ich heute in meiner eigenen Arbeit als Zeremonienmeisterin und spirituelle Alchemistin weitergebe.

Alles basiert auf Ritualen und der Festlegung einer Absicht: Genau wie in der Puja errichten wir auch in der Pflanzenmedizin einen Altar, zünden eine Kerze an, bringen Opfer dar (meist Kopal-Baumharz oder Tabak), singen heilige Gebete (Icaros) und konzentrieren uns auf die Intention, die Drishti. Diesen Sanskrit-Begriff kennst du vermutlich aus dem Yoga. Dort bezeichnet er einen Fokuspunkt, den du mit deinem Blick fixierst. Doch eigentlich bedeutet das Wort „Sehvermögen“ oder „Vision“. Es geht also nicht nur darum, wohin die Augen blicken, sondern auch darum, eine innere Vision zu entwickeln.

Puja Altar von Salisha Aya, Foto: Nela König
Ganesha, der Gott der guten Anfänge, bildet das Zentrum von Salishas Altar.

Puja: Gebet für dich – und alle Wesen

Ich habe schon beschrieben, wie meine Großmutter mich immer gefragt hat, was ich während der Puja loslassen möchte und wie hilfreich das für mich war. Doch Puja ist nicht nur ein Gebet für sich selbst. Sie kann auch ein Gebet für andere, für die Gemeinschaft oder für die Erde sein. Ganz egal, wohin die Intention gerichtet ist: Ich verankere dieses Gebet immer in der Energie der Erde: einer Lebenskraft und „Großen Mutter“, zu der wir mithilfe von Meditation und Atemarbeit Zugang bekommen können und die uns Erdung, Gleichgewicht und Frieden schenken kann.

Ich bin mir ganz sicher, dass es die Praxis der Pujas war, die mich auch tiefer mit den großen spirituellen Segnungen dieser Erde verbunden hat: mit ihren Pflanzen und Tieren. Immer mehr verstehe ich, dass wir eins sind, dass all unsere Gebete und die Art und Weise, wie wir den Raum mit Gebeten erfüllen, immer auf eine universelle Idee zurückgehen: die Absicht, Frieden, Liebe, Freiheit und Verbundenheit für alle Wesen zu schaffen.

Ich glaube, meine Großmutter hätte zugestimmt, dass der Glauben ganz unterschiedlich sein kann, dass aber alle Religionen und Glaubenssysteme durch eine ähnliche Art des Betens miteinander verbunden sind. Auch uns beiden hat das gemeinsame Puja-Gebet eine tiefere Verbundenheit miteinander geschenkt. Puja und der charakteristische Weihrauchduft dieser Zeremonie sind meine Art, mich an meine Großmutter zu erinnern.

Grundgerüst für eine Puja Zuhause

Richte einen kleinen Altar ein:
Am besten in einem Winkel der Wohnung, wo du ungestört bist und zur Ruhe kommen kannst. Es kann ein Tischchen, ein Sims oder Teil eines Regals sein. Decke den Altar außerhalb der Puja mit einem Tuch ab.

Wähle ein Murti:
Im Hinduismus ist das das Bild oder die Statue einer Gottheit, die für den Aspekt steht, den du anrufen möchtest, zum Beispiel Ganesha als Beseitiger von Hindernissen oder Sarasvati als Göttin der Weisheit und der Kunst.

Schmücke deinen Altar mit Gegenständen, die dir heilig sind:
Das können Kristalle, Bilder oder Fundstücke aus der Natur sein. Lege zu Beginn der Puja auch jeweils frische kleine Opfergaben dazu, zum Beispiel eine Blume, eine Süßigkeit (Prasad), etwas Reis oder Wasser. Überlege dabei, wofür du beten möchtest und stimme die Opfergabe darauf ab. Wenn du beispielsweise Reichtum (im Hinduismus repräsentiert durch die Göttin Lakshmi) in dein Leben bringen möchtest, könnte auch ein symbolisches Geldstück auf dem Altar seinen Platz bekommen.

Bereite dich vor:
Es ist wichtig, sauber und am besten barfuß zum Altar zu kommen. Puja praktiziert man traditionell gleich nach Sonnenaufgang, wenn man noch nicht mit Gedanken beschäftigt ist und die Absicht für den Tag festlegen kann.

Zünde ein Licht an:
Wenn du kein Diya (das traditionelle indische Öllämpchen) hast, kann es natürlich auch eine Kerze sein. Das Licht stellt die Erleuchtung deines Gebets dar.

Reinige den Raum mit Rauch:
Zum Räuchern eignen sich Weihrauch, Palo Santo oder Salbei (einer meiner Lieblingsstoffe). Der aufsteigende Rauch soll auch dazu dienen, deine Gebete und Opfergaben direkt zu den Göttern zu tragen.

Chante ein Mantra:
Zum Beispiel Lokah Samastah Sukhino Bhavantu (Mögen alle Wesen überall glücklich und frei sein) oder sprich ein Gebet. Wenn du möchtest, hältst du währenddessen dein Licht in beiden Händen und bewegst es kreisend vor deinem Altar.

Nimm den Segen mit:
Stelle das Licht anschließend auf den Altar, halte deine Hände eine Weile über die Flamme und „gieße“ diese Wärme und das Licht dann symbolisch mit deinen Händen über dich. Lege zum Abschluss die Hände aneinander und verneige dich.

Dieser Artikel stammt aus dem YOGAWORLD JOURNAL 06/2025.


Salisha Aya leitet gemeinsam mit ihrem Mann, dem Yogalehrer Adam Rice, Yogaretreats auf Mallorca. Ihr umfassendes Wissen über Rituale machen die Retreats zu einem transformierenden Erlebnis.

Mehr Info auf activateyouralchemy.com oder auf Insta @salisha.aya


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