Ayurveda & heimische Wildpflanzen – 2 heilsame Rezeptideen

Die Pflanzen unserer heimischen Umgebung nähren uns am besten – und je wilder und naturbelassener, desto besser. Mit dieser Weisheit des Ayurveda machen wir uns auf in Wald und Wiesen, um Zutaten für heilsame Rezepte zu finden.

Text & Rezepte: Andrea Küthe Albrecht, Daniela Dörflinger Bruggeman /
Fotos: ayurfood.ch, Urs Albrecht

Es gibt Momente, in denen zwei Welten aufeinandertreffen und eine wunderbare Harmonie entsteht. So ging es uns, als wir begannen, die Weisheit der indischen Gesundheitslehre Ayurveda mit der wilden, kraftvollen Natur unserer heimischen Pflanzen zu verbinden. Erst mal klingt das natürlich verrückt: Ayurvedische Gerichte mit Tannenspitzen und Brunnenkresse statt mit Ingwer und Koriandergrün? Aber eigentlich entspricht das genau der Lehre von Ayurveda: Das, was direkt um uns wächst, nährt uns am besten.

Wildpflanzen tun das noch mehr als heimisches Gemüse und Gartenkräuter, denn anders als Zuchtpflanzen sind sie völlig naturbelassen, tief verwurzelt mit ihrem Standort und daher besonders reich an Vitalstoffen und Lebenskraft. Viele der Wildpflanzen, die wir verwenden, sind regelrechte Kraftpakete. Brennnessel zum Beispiel enthält Eisen und unterstützt den Stoffwechsel, während Löwenzahn mit seinen Bitterstoffen die Verdauung fördert. Beides macht sie zu idealen Zutaten für die ayurvedische Küche, denn Ayurveda betrachtet die Verdauung – Agni – als Schlüssel zur Gesundheit. Wildpflanzen können helfen, dieses innere Feuer sanft zu stärken, ohne es zu überfordern. Sie wirken reinigend, ausgleichend und schenken uns eine tiefe Verbindung zur Natur.

Kochen als Achtsamkeitspraxis

Kochen mit Wildpflanzen ist auch ein Akt der Achtsamkeit. Das beginnt schon damit, dass wir die im Ayurveda ansonsten beliebten Gewürze bewusst sparsam einsetzen. Ingwer, Curry, Kardamom und Co. würden die zarten, oft bittersüßen Noten der Wildkräuter überdecken, ihre feinen Aromen brauchen Raum. Achtsamkeit ist aber auch gefragt, wenn wir uns für Wildkräuter interessieren, sie draußen in der Natur finden, zuverlässig bestimmen und sammeln.

Wer sich auf den Rhythmus der Jahreszeiten einlässt, entdeckt eine neue Fülle, die direkt vor unserer Tür wächst: zarte Blätter im Frühling, kraftvolle Blüten im Sommer, nährende Wurzeln im Herbst – alles hat seinen Moment. Man tritt mit der Natur in Verbindung, nimmt ihre Zyklen bewusster wahr und „erntet“ mit Bedacht nur so viel, wie man wirklich benötigt. In unserer eigenen Küche und bei den Seminaren und Kursen, die wir veranstalten, erleben wir immer wieder, wie sehr diese Art des Kochens auch die Sinne öffnet: Die Farben, Düfte und Texturen der Wildpflanzen laden dazu ein, den gesamten Prozess – vom Sammeln über die Zubereitung bis zum Essen – ganz bewusst zu erleben.

Ayurvedischer Ausgleich

Viele heimische Wildkräuter haben ausgleichende Effekte auf die Doshas. Diese drei Grundprinzipien steuern nach ayurvedischer Auffassung sämtliche Körperfunktionen und machen in ihrem Zusammenspiel die individuelle Konstitution aus. Ist eines der Doshas übermächtig, zeigt sich das in gesundheitlichen Symptomen und Befindlichkeitsstörungen – und genau da setzt die ayurvedische Gesundheitslehre an: Bestimmte Gewürze, Kräuter und Lebensmittel sollen helfen, die Elemente in Ausgleich zu bringen. Das funktioniert nicht nur mit indischen Zutaten, sondern auch mit vielen Pflanzen unserer heimischen Natur.

So wirken zum Beispiel die Bitterstoffe von Löwenzahn oder Beifuß reinigend und helfen, Kapha (Schwere, Trägheit) zu reduzieren. Gänseblümchen oder Frauenmantel dagegen haben eine sanft kühlende Wirkung und tun einem dominanten Pitta (Feuer, Hitze) gut. Und für Vata (Trockenheit, Kühle) sind wärmende und kräftigende Wildkräuter wie Tannenspitzen oder Dost eine wunderbare Ergänzung. Das Wissen um diese Eigenschaften kann helfen, die Ernährung noch gezielter an individuelle Bedürfnisse anzupassen. Die folgenden Rezepte laden dich ein, Ayurveda mal ganz anders zu erleben und dabei nicht nur deine Umgebung, sondern auch dich selbst ein bisschen besser kennenzulernen. Vielleicht magst du es einfach mal ausprobieren: sammeln, kochen – und vor allem genießen!

Ayurvedische Rezepte mit Wildpflanzen

Blütenrollen mit Mandeldip

Blütenrollen mit Mandeldip, Ayurveda und Wildkräuter

Zutaten für 4 Personen:
100 g Basmatireis, mit 1⁄2 TL Kurkuma gegart
2 EL Sesamsamen
10–15 Asia-Reisblätter
1 Handvoll Blattsalat, gewaschen
2 Karotten, geraspelt
1⁄2 Salatgurke, in Stifte geschnitten
1 kleine Handvoll Wiesenlabkraut, Minze oder Zitronenmelisse, gewaschen und zerpflückt
1 kleine Handvoll essbare Blüten (Gänseblümchen, Löwenzahn, Rotklee, Taubnessel, Ehrenpreis, Wiesensalbei, Kapuzinerkresse, Holunderblüte …)

Für den Mandeldip:
Saft von 1 Zitrone
4 EL Mandelmus
2 EL Ahornsirup
1 1⁄2 TL Ingwer, fein gerieben
1 Prise Chilipulver
2–3 EL Wasser
1 EL Sojasauce

ZUBEREITUNG:

Alle Zutaten für den Mandeldip verrühren, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Den Sesam in einer Pfanne rösten, bis er duftet. Locker unter den Reis heben. Alle weiteren Zutaten für die Sommerrollen bereitlegen. Eine flache Schale mit lauwarmem Wasser füllen. Ein Reisblatt vorsichtig durch die Wasserschale ziehen und auf eine saubere Unterlage legen. Das mittlere Drittel nacheinander mit Blüten, einem Salatblatt und den weiteren Zutaten belegen. Um die Rollen zu schließen, zuerst die äußeren beiden Seiten nach innen klappen und dann den unteren Teil über die Füllung rollen. Dabei die Zutaten fest zusammendrücken, sodass eine kompakte Rolle entsteht. Die Blüten sollen mittig auf der Oberfläche sichtbar sein. Die gefüllten Sommerrollen mit der Naht nach unten auf einer Platte anrichten und bis zum Servieren mit einem feuchten Küchentuch bedecken. Mit dem Mandeldip genießen.

WIESENLABKRAUT – SANFTE REINIGUNG

Mit seinem milden, leicht süßlichen und frischen Geschmack wirkt Wiesenlabkraut kühlend und ausgleichend. Es beruhigt Pitta, stabilisiert Vata und hilft beim Abbau von überschüssigem Kapha. Es wird traditionell zur Unterstützung von Lymphe, Haut und Nieren verwendet, alles Organe der Entgiftung und Reinigung.

Sammelzeit: Mai bis August auf Wiesen und an Waldrändern.

ESSBARE BLÜTEN – FARBENFROHE HARMONIE

Viele Blüten sind reich an Antioxidantien und wirken entzündungshemmend. Holunderblüte, Malve, Rotklee und Ehrenpreis sind kühlend und gleichen Pitta aus. Kapuzinerkresse, Ringelblume, Löwenzahn, Taubnessel wirken belebend und stärken die Verdauung. Rose, Lavendel, Gänseblümchen, Wiesensalbei und Frauenmantel gelten als entspannend und harmonisierend.

Tannenspitzen-Fenchel-Suppe

Tannenspitzen-Fenchel-Suppe, Ayurveda & Wildkräuter

Zutaten für 4 Personen:
3 mittelgroße Fenchelknollen
1 Zwiebel
1 1⁄2 EL Ghee
1 TL Koriander, gemahlen
1 TL Fenchelsamen, gemahlen
850 ml Gemüsebrühe
1–2 Handvoll frische, hellgrüne Tannenspitzen (Alternative: Fichten- oder Lärchenspitzen)
1⁄2 Bio-Zitrone, Schalenabrieb
Salz
Pfeffer aus der Mühle

ZUBEREITUNG:

Den Fenchel in kleine Stückchen schneiden, dabei das feine Fenchelgrün zur Seite legen. Die fein gehackte Zwiebel im Ghee anschwitzen, mit Koriander und Fenchelsamen würzen. Das Gemüse dazugeben und 2–3 Minuten dünsten. Die Gemüsebrühe angießen und die Suppe im geschlossenen Topf köcheln lassen. Inzwischen die Tannenspitzen säubern, wenn nötig holzige Teile entfernen und die Nadeln fein hacken. Die Tannenspitzen in die Suppe einrühren. Wenn der Fenchel weich ist, die Suppe pürieren und den Zitronenabrieb dazugeben. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und kurz vor dem Servieren mit dem Fenchelgrün bestreuen.

TANNENSPITZEN – WALDAROMA MIT HEILKRAFT

Die jungen Triebe schmecken frisch, leicht zitronig und harzig. Sie wirken wärmend und ausgleichend auf Kapha und Vata, sind verdauungsfördernd und schleimlösend (z.B. bei Husten und Erkältungen).

Sammelzeit: von April bis Juni, wenn sie noch weich und hellgrün sind.

Dieser Artikel stammt aus dem YOGAWORLD JOURNAL 03/2025.


Diese und viele weitere tolle Rezepte findest du im Buch „Ayurveda mit Wildkräutern – Das Kochbuch“ von Andrea Küthe Albrecht und Daniela Dörflinger Bruggeman.

Daniela Dörflinger Bruggeman (rechts) ist die kreative Kraft hinter dem Food-Blog ayurfood.ch. Gemeinsam mit Andrea Küthe Albrecht (links), der Gründerin der Freya-Heilpflanzenschule, veranstaltet sie regelmäßig Kurse und Workshops.

So wunderschön der Sommer ist, so unangenehm kann stärkere Hitze auch für den Körper sein. Ayurvedische Ernährungstipps können hier lindernd unterstützen!

Vata, Pitta oder Kapha – na, kennst du eigentlich schon deine Ayurveda-Konstitution? Nein? Dann mache hier unseren Dosha-Test:

Periodenprodukte neu denken: Wenn Bewusstsein bei der Periode beginnt

Periodenprodukte neu denken

Yoga bedeutet für viele Menschen, bewusster mit dem eigenen Körper umzugehen. Irgendwann fängt man an, genauer hinzuspüren. Was tut gut? Was bringt aus dem Gleichgewicht? Und welche Dinge lässt man eigentlich Tag für Tag so selbstverständlich an sich heran, ohne groß darüber nachzudenken?

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Das passiert oft erst bei den kleinen Alltagsroutinen. Beim Essen vielleicht. Bei Kosmetik. Bei Kleidung. Und irgendwann auch bei den Produkten, die Menstruierende Monat für Monat verwenden.

Lange Zeit war das Thema Periodenprodukte vor allem praktisch besetzt. Hauptsache, nichts verrutscht, nichts läuft aus und man muss sich unterwegs keine Gedanken machen. Fertig. Erst in den vergangenen Jahren hat sich der Blick darauf langsam verändert. Plötzlich wird offener über Zyklusgesundheit, Hormone, PMS oder Endometriose gesprochen. Und damit taucht auch eine andere Frage auf: Woraus bestehen Tampons, Binden oder Slipeinlagen eigentlich genau?

Plastik dort, wo man es kaum vermutet

Viele Menschen würden wahrscheinlich gar nicht vermuten, wie viel erdölbasierter Kunststoff in herkömmlichen Menstruationsprodukten steckt. In manchen Binden findet er sich gleich an mehreren Stellen wieder. In der Oberfläche, im Wäscheschutz oder im absorbierenden Kern. Auch Tampons enthalten teilweise synthetische Bestandteile.

Natürlich müssen Einwegprodukte funktional sein. Sie sollen zuverlässig schützen und möglichst angenehm sitzen. Trotzdem achten inzwischen viele Menstruierende bewusster auf die Materialien, die dabei verwendet werden. Besonders dann, wenn die Haut empfindlich reagiert oder Nachhaltigkeit im Alltag ohnehin eine größere Rolle spielt.

Genau an diesem Punkt setzt Natracare an. Die Marke beschäftigt sich nämlich nicht erst seit Kurzem mit der Frage, wie Periodenprodukte hautfreundlicher und nachhaltiger hergestellt werden können. Gegründet wurde das Unternehmen bereits 1989 von der britischen Umweltaktivistin Susie Hewson. Auslöser war damals ihre Irritation darüber, dass es kaum Alternativen zu Produkten mit Kunststoffen, Chlorbleiche oder synthetischen Materialien gab.

Heute klingt das fast selbstverständlich. Ende der 80er Jahre war es allerdings ziemlich ungewöhnlich.

Weniger Zusätze, mehr Transparenz

Was viele an Natracare anspricht, ist vermutlich genau dieser vergleichsweise unkomplizierte Ansatz. Keine übertriebene „Clean Living“-Perfektion, sondern eher der Versuch, Produkte möglichst reduziert herzustellen.

Die Tampons bestehen aus GOTS-zertifizierter Bio-Baumwolle. Bei Binden und Slipeinlagen setzt die Marke unter anderem auf einen Wäscheschutz aus Pflanzenstärke statt ölbasiertem Plastik und einen saugfähigen Kern aus nachhaltigem Zellstoff.

Gleichzeitig verzichtet Natracare auf Duftstoffe, Farbstoffe und sogenannte Superabsorber.

Diese stark saugenden Materialien stecken in zahlreichen herkömmlichen Produkten, obwohl die wenigsten genau wissen, was sie eigentlich enthalten. Natürlich soll eine Binde oder ein Tampon zuverlässig sein. Gleichzeitig wünschen sich viele Menschen aber auch Produkte, die sich möglichst atmungsaktiv und angenehm anfühlen.

Und ehrlich gesagt: Während Bauchkrämpfe, Stimmungsschwankungen oder Kreislaufchaos ohnehin schon genug Energie kosten, braucht es nicht zusätzlich noch das Gefühl, in synthetischen Materialien eingepackt zu sein.

Nachhaltigkeit ohne Perfektionsdruck

Interessant ist dabei auch, wie sich der Blick auf Nachhaltigkeit verändert hat. Für viele geht es längst nicht mehr darum, plötzlich alles perfekt zu machen. Niemand wird über Nacht zum besseren Menschen, weil die Yogamatte nachhaltiger produziert wurde oder die Periodenprodukte plastikärmer sind.

Wir versuchen eben, bewusster zu konsumieren. Schritt für Schritt. Ohne erhobenen Zeigefinger.

Genau deshalb passt Natracare wahrscheinlich so gut in diese Entwicklung hinein. Die Produkte sind vegan zertifiziert, werden nicht an Tieren getestet und bestehen überwiegend aus pflanzenbasierten Materialien. Außerdem unterstützt das Unternehmen als Mitglied von „1% for the Planet“ Umwelt- und Gleichberechtigungsprojekte weltweit.

Das alles wirkt vergleichsweise unaufgeregt, aber konsequent. Und genau deswegen spricht die Marke seit so vielen Jahren auch Menschen an, die nachhaltiger konsumieren möchten, ohne daraus gleich eine komplette Lebensphilosophie machen zu müssen.

Die Periode gehört zum Leben

Was außerdem positiv auffällt: Rund um Menstruation kommuniziert Natracare angenehm selbstverständlich. Ohne Scham. Ohne dieses altbekannte „Tu so, als hättest du deine Tage nicht“-Marketing, das viele vermutlich noch aus früheren Werbespots kennen.

Denn am Ende gehört die Periode schlicht zum Leben. Genauso wie hormonelle Veränderungen, das Wochenbett oder auch leichte Blasenschwäche. Alles Themen, über die oft erstaunlich wenig gesprochen wird, obwohl sie so viele Menschen betreffen.

Vielleicht verändert sich gerade genau das langsam. Nicht laut und revolutionär, sondern eher Stück für Stück. Durch offenere Gespräche, mehr Wissen und die Möglichkeit, bewusster zu entscheiden, welche Produkte eigentlich jeden Monat so nah an den eigenen Körper kommen.

Auf einen Blick: Natracare

erster Tampon aus 100% GOTS-zertifizierter Bio-Baumwolle
kompostierbare Binden und Slipeinlagen (Seedling-zertifiziert)
Binden und Einlagen aus Bio-Baumwolle, Zellstoff und Pflanzenstärke
frei von Chlor, Duftstoffen, Farbstoffen und Superabsorbern
frei von erdölbasiertem Plastik
vegan zertifiziert, ohne Tierversuche
Partner von „1% for the Planet“
Fokus auf natürliche, atmungsaktive Materialien
für empfindliche Haut geeignet

Wer Natracare ausprobieren möchte, erhält mit dem Code YOGA10 aktuell 10% Rabatt auf die erste Bestellung im neuen Onlineshop. Die Versandkosten sind davon ausgenommen.

Mehr Informationen gibt es hier:
Natracare Onlineshop

Vollmondkalender 2026: So wirkt der Vollmond am 30. Juni im Zeichen Steinbock

Wann ist Vollmond?  Der nächste Vollmond am 30. Juni 2026 steht um 01:56 Uhr im Zeichen Steinbock. Welche Energien jetzt wirken und wie du diese am besten für dich nutzen kannst, erfährst du weiter unten im ArtikelHier ist eine Übersicht aller Vollmonde 2026, alle Daten mit Uhrzeit, Sternzeichen sowie einige Tipps für die Arbeit mit der Vollmondenergie.

Titelbild: VYCHEGZHANINA von Getty Images via Canva

Der Mond übt schon seit Tausenden von Jahren eine starke Faszination auf die Menschheit aus. Immerhin regelt er mit seiner Kraft die Gezeiten und nimmt auch bei manchen Menschen Einfluss auf das Schlafverhalten. Er gilt als Symbol für weibliche Energie, Weisheit und Intuition. Die bewusste Auseinandersetzung mit den verschiedenen Mondphasen hilft dabei, dich mehr mit dir, der Erde und dem Kosmos zu verbinden.

Nutze die Vollmondenergie, um in die Reflexion zu kommen und Altes loszulassen. Nun ist eine gute Zeit, um dich sanft von all dem zu verabschieden, was dir nicht mehr dient.

Hier findest du Inspiration für dein Vollmond-Ritual:


3. Januar 2026: Vollmond im Zeichen Krebs

Am 3. Januar gegen 11:05 Uhr steht der erste Vollmond des Jahres im Sternzeichen Krebs. Der Januarvollmond, auch „Wolfsmond“ genannt, verstärkt das Bauchgefühl und die innere Wahrheit. In Kombination mit dem gefühlstiefen Wasserzeichen erwartet dich eine Energie, die nach innen gerichtet ist und Raum für Rückzug gibt. 

Achte darauf, dass gesunde Grenzen nicht zu Mauern werden. Stärke und Sanftheit sind keine Konkurrenten, sondern Teile von dir, die sich gut ergänzen. Du darfst jetzt reflektieren, wie du beides halten kannst. 

Was brauchst du, um dich sicher zu fühlen? Traust du dich, das zu zeigen? Traust du dich, dich zu zeigen? Nutze deine Gefühle als Kompass, der dich da hinbringt, wo du schon immer hin wolltest. 

Yoga-Tipp:

Yin Yoga oder Restorative Yoga beruhigen dein Nervensystem, lösen behutsam emotionale Spannung und lassen dich langsam weich werden.


1. Februar 2026: Vollmond im Zeichen Löwe

Am 1. Februar gegen 23:09 Uhr steht der Vollmond im Sternzeichen Löwe. Der zweite Vollmond des Jahres wird auch „Schneemond“ genannt und bietet Gelegenheit für Achtsamkeit, Selbstreflexion und persönliche Entwicklung. In Verbindung mit der feurigen Energie des Löwen lädt er besonders dazu ein, Emotionen wahrzunehmen und zu erforschen. Denn Klarheit wird erst dann wirklich kraftvoll, wenn sie das Herz nicht ausklammert. 

Fotocredit: RDNE Stock Project via Pexels, Symbolbild

Das Löwe-Feuer brennt stark und zuverlässig und schenkt einen Moment der Wärme in den kalten Wintermonaten. Es fordert dich auf, deine Gefühle zu überprüfen:

Was lodert gerade in dir?
Wo spürst du vielleicht nur ein leises Flackern?
Wo darfst du etwas nachlegen?
Wo fühlst du dich ausgebrannt?

Du bist die Hüterin/der Hüter deines Feuers. Sorge gut dafür, dass dir deine innere Wärme erhalten bleibt und achte darauf, dass sie weder erlischt noch zu einem Strohfeuer wird. Dabei entscheidest du ganz allein, was dir guttut und was nicht.

Yoga-Tipp:

Eine Yin-Yoga-Sequenz hilft dir, behutsam mit deinen Gefühlen in Verbindung und bei dir anzukommen. Achtsame Dehnungen, die mal sanft, mal intensiver sein können, und lange Haltungen geben dir Ruhe und genügend Raum für Wahrnehmung. 


3. März 2026: Vollmond im Zeichen Jungfrau (totale Mondfinsternis)

Am 3. März um 12:41 steht der Vollmond im Sternzeichen Jungfrau. Die intellektuelle und bodenständige Energie des Erdzeichens bringt ein Gefühl von Verlässlichkeit und Stabilität bei gleichzeitiger Scharfsinnigkeit. All das bringt uns im Optimalfall innere Klarheit und Ruhe. 

Traditionell wird der März-Vollmond auch Wurmmond oder Lenzmond genannt und symbolisiert als Vorbote des Frühlings Neubelebung und Wachstum.

Totale Mondfinsternis

Zudem erwartet uns ein seltenes Himmelsphänomen: Der Vollmond fällt mit einer totalen Mondfinsternis zusammen und leuchtet in rötlicher Farbe. Als sogenannter „Blutmond“ steht er im Schatten der Erde und versinnbildlicht einen kraftvollen Wendepunkt. Obwohl die spektakuläre Färbung leider nicht überall zu sehen sein wird, können wir die Finsternis trotzdem spüren. Intuition und Sensibilität können jetzt intensiver wahrgenommen werden.

Der Schnee des Winters taut endlich auf und legt offen, was darunter schon zu lange im Verborgenen liegt. Ein alter Zyklus schließt sich, ein neuer beginnt, und der Übergang ist fließend. Lass den Fluss des Lebens zu und verharre nicht in zu starren oder veralteten Vorstellungen. Es ist an der Zeit zu ändern, was sich ändern möchte. 

Foto: bestgreenscreen von Getty Images via Canva

Yoga Tipp:

Schaffe mit einem bewussten Flow Verbindung zwischen dir, deinen inneren Zuständen und Bedürfnissen und dem, was dich umgibt.


2. April 2026: Vollmond im Zeichen Waage

Am 2. April gegen 4:12 Uhr steht der Vollmond im Sternzeichen Waage. Das Luftzeichen wird von der Venus beherrscht und ist bekannt für seinen ausgeprägten Sinn für Ästhetik und sein Bedürfnis nach Ausgeglichenheit. Die Sensibilität der Waage öffnet uns für tiefe Verbindungen und lässt uns selbst die feinsten energetischen Veränderungen wahrnehmen.

Das Merkurjahr

Dieser Mond heißt uns außerdem willkommen im neuen astrologischen Jahr:
Seit dem 20. März ist das Venusjahr vorüber und das Merkurjahr hat begonnen. Merkur steht unter anderem für soziale Beziehungen und insbesondere für jegliche Art von Kommunikation. Auf diesen Themen liegt also in nächster Zeit ein besonderer Fokus.

Oft teilen wir einander bereits unbewusst über unser Nervensystem mit, bevor wir überhaupt ins Gespräch gehen. Diese Art der Wahrnehmung äußert sich dann als intuitives Gefühl. Du darfst darauf vertrauen.

Was fühlt sich für dich richtig an?

Foto: Ankit Rainloure via Pexels

Kannst du das spüren? Die Tage werden wieder länger und wärmer und auch die ersten Frühlingsgefühle lassen nicht lange auf sich warten. Doch sei dir bewusst: Jede Täuschung wird früher oder später enttäuschen!
Kannst du Klarheit mit Dankbarkeit empfangen?
Ist das, was du willst, auch das, was dir gut tut?

Der Frühlingsmond, auch „Pink Moon“ genannt, hat das Potenzial, alles in harmonisches Licht zu tauchen, ohne dass du dafür eine rosarote Brille brauchst. Echt zu sein, ist sowieso viel besser als perfekt. Was wäre, wenn du erkennst: Das, worauf du sehnsüchtig wartest, hast du schon längst – alle Voraussetzungen, um in Resonanz zu kommen, schwingen in dir.

Es gibt nur zwei Bedingungen:
1. Du verkörperst deine Wahrheit und gestehst dir zu, dem Leben zu begegnen.
2. Du lässt auch alle anderen sie selbst sein – ohne Wertung – und wendest dich dem zu, was wirklich ist.

Yoga-Tipp:

Begrüße den Tag mit einer Tantra-Praxis und erfahre, wie du in Beziehung zu allem stehst. Spüre, wie alles verwoben ist.


1. Mai 2026: Vollmond im Zeichen Skorpion

Am 1. Mai gegen 19:24 Uhr steht der Vollmond im Sternzeichen Skorpion. Der sogenannte Blumenmond findet am Tag nach der Walpurgisnacht statt und bringt in Kombination mit dem tiefgründigen Wasserzeichen eine mystische Energie mit sich. Intensive Emotionen steigen aus dem Verborgenen empor und verlangen danach, gespürt und losgelassen zu werden. 

Der Skorpion hat die Kapazität, viel zu fühlen, jedoch kann er dabei schnell misstrauisch und eifersüchtig werden. Angestachelt von seiner Gefühlswelt, neigt er mitunter zu dramatischen Kurzschlussreaktionen. 

Foto: LEONIDES MONTES von Pexels

Emotionale Inventur mit zwei Vollmonden im Mai

Nun geht es darum, emotionale Themen ganz genau zu betrachten und dabei eine schonungslose Ehrlichkeit an den Tag zu legen: Wo willst du lieber angreifen, statt dich verletzlich zu machen? Wann fühlst du dich entmachtet? 

Wie kannst du deine Sensibilität als Stärke nutzen?

Versuche einerseits dir diese Fragen zu beantworten, aber andererseits auch über das Reflektieren hinauszukommen: Der Mai bietet mit gleich zwei Vollmonden am ersten und am letzten Tag des Monats die perfekte Gelegenheit, um alte Handlungsmuster gehen zu lassen und neue zu etablieren. Überlege also auch am besten direkt, was du tun kannst, um die Kraft deiner Gefühle in Antrieb umzusetzen. Bleibe dabei jedoch besonnen und klar, und verwechsle trübe Gewässer nicht mit Tiefe.

Yoga-Tipp:

Entfessle deine Kraft mit einer Sequenz für fließende Energie, indem du sanft Blockaden auf der Körperebene löst und deinen Atem frei strömen lässt.


31. Mai 2026: Vollmond im Zeichen Schütze

Am 31.05. steht der Vollmond als „Blue Moon“ gegen 10:45 Uhr im Sternzeichen Schütze. Der besondere Name hat dabei jedoch nichts mit der Farbe zu tun, sondern markiert das eher seltene Ereignis, dass zwei Vollmonde in einem kalendarischen Monat stattfinden. 

Im Englischen gibt es den Ausdruck „once in a blue moon“, was so viel bedeutet wie „äußerst selten“. Mit diesem ungewöhnlichen Phänomen geht daher auch eine bemerkenswerte Intensität einher: Nun können sich überraschende Wendepunkte offenbaren, Emotionen können besonders stark werden und auch die Schütze-Energie ist mehr als deutlich spürbar. 

Das Feuerzeichen ist bekannt für seine leidenschaftliche und zielorientierte Art. Mit mitreißendem Optimismus nimmt der Schütze seine Aufgabe pflichtbewusst ins Visier und lässt sich dabei scheinbar von nichts aus der Ruhe bringen. In seinem Inneren kann es allerdings ganz anders aussehen: Ungeduld und Freiheitsdrang können, wenn sie zu stark werden, dazu führen, dass der Schütze seinen Fokus verliert und sich sprunghaft und unstrukturiert verhält.  

Foto: Janusz Walczak von Pexels

Der Blue Moon lädt dazu ein, uns Zeit zu nehmen und nachzuspüren:

Was ist gerade präsent?
Wo haben Emotionen ihren Ursprung?

Diese Fragen sind oft nicht auf intellektueller Ebene zu lösen. Doch es ist immer wieder überraschend, zu wie viel Klarheit uns das reine Wahrnehmen auf Körperebene verhelfen kann. 

Yoga Tipp: 

Manchmal stecken wir buchstäblich fest zwischen Alltagsverpflichtungen und guten Vorsätzen. Doch die Lösung liegt auf der Hand: Wenn alles zu viel ist, fang im ganz Kleinen an. Schon eine kurze und gut genutzte Auszeit zwischendurch kann uns zurück in Richtung Freiheit und Leichtigkeit führen. 


30. Juni 2026: Vollmond im Zeichen Steinbock

Am 30. Juni gegen 1:56 Uhr steht der Vollmond im Erdzeichen Steinbock. Mit liebevoller Ernsthaftigkeit nimmt uns der Junimond in die Verantwortung, einen ehrlichen Blick auf den aktuellen Ist-Zustand unseres Lebens zu werfen. Die Steinbock-Energie wirkt dabei durch nüchterne Klarheit unterstützend und stabilisierend.

Mercury Retrograde

Merkur; Bildcredit: Mike Norris von Pexels
Bild: Mike Norris von Pexels

Am 29. Juni beginnt Merkur seine Rückläufigkeit im Krebs. Der Planet, der für Organisation und Kommunikation steht, wandert rückwärts durch das gefühlsbetonte Wasserzeichen. Gespräche laufen nun Gefahr, besonders emotional aufgeladen zu sein, Absprachen können schwammig sein und Missverständnisse scheinen vorprogrammiert. Der Vollmond im Steinbock wirkt hier wie ein Gegengewicht. Er hilft uns, die Merkur-Energie auszugleichen und behutsam Ordnung ins Gefühlschaos zu bringen. 

Jetzt ist entscheidend, wie wir mit unserer Zeit umgehen: Verantwortungsvoll zu handeln heißt, auch hier das richtige Maß zu treffen. Entscheidungen sollten weder vorschnell getroffen noch zu lange aufgeschoben werden. In unserer beschleunigten Welt ist es oft förderlich, sich bewusst Zeit zu nehmen und Langsamkeit zu erlauben. So können wir zur Ruhe kommen und bauen gar nicht erst Stressblockaden auf, die uns am Ende im Weg stehen. 

Yoga-Tipp:

In der Ruhe liegt die Kraft – daran erinnern uns der Vollmond im Steinbock und Merkur im Krebs. Durch die Balance des gedrehten Halbmonds (Parivritta Ardha Chandrasana) förderst du körperliche und geistige Stabilität. Gib dir Halt, indem du den Fokus auf deine Nabelregion richtest. 


Die nächsten Vollmonde 2026 im Überblick:

29. Juli 2026 um 16:35 Uhr im Zeichen Wassermann

28. August 2026 um 06:15 Uhr im Zeichen Fische (partielle Mondfinsternis)

26. September 2026 um 18:44 Uhr im Zeichen Widder

26. Oktober 2026 um 05:09 Uhr im Zeichen Stier

24. November 2026 um 15:50 Uhr im Zeichen Zwilling

24. Dezember 2026 um 02:27 Uhr im Zeichen Krebs


Du möchtest wissen, an welchen Tagen 2026 Neumond ist? Alle Daten und Tipps findest du in unserem Neumondkalender:

Warum es sich lohnt, Sanskrit zu lernen

Om Shanti! Diesen Friedensgruß kennst du sicher, vielleicht sind dir auch ein paar Asana-Namen und philosophische Begriffe in Sanskrit geläufig. Aber nur die wenigsten Yogi*nis machen sich die Mühe, Sanskrit zu lernen. Gabriela Bozic hat es getan. Hier erklärt sie, warum sich das Abenteuer lohnt.

Text: Gabriela Bozic / Titelbild: liubomirt von Getty Images via Canva

Mediziner*innen tauschen sich untereinander in lateinischen Bezeichnungen von Körperteilen und Krankheiten aus; wenn du mal in einer Ballettstunde gewesen bist, wirst du französische Begriffe gehört haben; im Rock’n’Roll kommt man nicht um Englisch herum – und Sanskrit ist die Sprache des Yoga. Egal ob Asana-Namen, philosophische Konzepte oder zentrale Texte wie Yoga Sutra, Bhagavad Gita oder Hatha Yoga Pradipika: Die heilige Sprache des alten Indien ist im Yoga eigentlich überall. Und so wie Yoga sehr viel mehr ist als achtsame Gymnastik, so ist auch der Klang von Sanskrit sehr viel mehr als exotisches Beiwerk einer Yogastunde.

Spätestens wenn wir beginnen, uns tiefer mit der Lehre und dem Weg des Yoga zu beschäftigen, kommen wir nicht darum herum, uns wenigstens in Ansätzen auch mit Sanskrit zu befassen. Es ermöglicht uns, die Bedeutung der Asana-Namen und ihre korrekte Aussprache zu kennen, wichtige philosophische Begriffe und ihre Bezüge untereinander zu entschlüsseln und uns beim Chanten von Mantras nicht nur vom Klang verzaubern zu lassen, sondern sie auch mit Sinn zu füllen.

Yogalehrer*innen gibt das mehr Sicherheit und Authentizität im Unterricht: Wir wissen, worüber wir sprechen, und vermitteln unseren Schüler*innen Wissen mit Kompetenz und Tiefe. Aber auch alle anderen Übenden profitieren von der Beschäftigung mit dieser faszinierenden Sprache. So wie wir mehr über die Heimat eines Freundes erfahren wollen, wenn wir eine enge Beziehung zu ihm haben, öffnet uns Sanskrit ein Tor zur Kultur, aus der Yoga stammt. Sich mit ihr vertraut zu machen, ist also auch ein Ausdruck von Respekt gegenüber den Ursprüngen des Yoga.

Abbild der kosmischen Ordnung

Jede Sprache hat ihre Eigenheiten und besonderen Qualitäten. Sanskrit verstehe ich als die Sprache der Seelenschau. Wir sind nicht nur unser Körper. Wir sind vor allem leuchtende, reine und ewige Seelen. Keine andere Sprache erfasst die Feinheiten der menschlichen Psyche so genau und vieldimensional wie Sanskrit. Wenn wir göttlich sagen, meinen wir etwas, das unübertrefflich schön und perfekt ist. So wie die Mutter Natur. Der Sprachaufbau, die Anordnung des Alphabets und die Sprachentfaltung des Sanskrit orientieren sich an genau dieser Intelligenz und Perfektion, die wir auch im natürlichen Universum finden. Jedes Wort, jeder Satz ist mit Bedeutung, Inspiration und jener kraftvollen Schöpfungsenergie (Shakti) verwoben, die auch durch deinen Körper, dein Herz und deinen Geist schwingt.

Sanskrit gilt als die älteste kontinuierlich verwendete Sprache der Welt. Sie ist eng verwandt mit der sogenannten proto-indoeuropäischen Sprache, von der viele moderne europäische Sprachen abstammen. Man könnte Sanskrit daher als die „ältere Schwester“ dieser Sprachen bezeichnen – und Spuren davon finden wir bis heute. Es ist zum Beispiel kein Zufall, dass Atman (sanskrit für Selbst oder Seele) fast identisch klingt wie das deutsche Wort Atem: Die Bedeutung des gemeinsamen Wortstamms ist „Lebenshauch“.

Was bedeutet „Sanskrit“?

Wörtlich übersetzt ist Sanskrit die „perfekt zusammengesetzte Sprache“, denn die Perfektion dieser Sprache spiegelt nach traditioneller Auffassung die Intelligenz und Ordnung der Natur wider. Von der Gliederung des Alphabets bis hin zur Grammatik und Sprachstruktur ist alles darauf ausgelegt, eine vollkommene kosmische Ordnung abzubilden. Dazu muss man wissen: Ähnlich wie das klassische Latein war Sanskrit die streng geregelte Sprache der Rituale und heiligen Schriften, keine gesprochene, sich verändernde Volkssprache.

Sanskrit Buch Hände
Foto: 100 von Getty Images via Canva

Nama-Rupa – Klang und Form

Klar: Man kann auch herabschauender Hund sagen, statt Adho Mukha Shvanasana. Es ist aber nicht dasselbe. Die indische Philosophie nennt dieses Prinzip: Nama-Rupa. Es besagt, dass im Namen, beziehungsweise in seinem Klang sowohl die Form als auch die Bedeutung enthalten sind. Der Begriff bezeichnet also nicht die Form, er erschafft sie, denn nach der traditionellen Vorstellung entsteht zuerst der Name oder Klang und erst dann folgt die Form. Das verändert die Art, in die Haltung hineinzugehen, sie zu halten und wieder aufzulösen. Deshalb sind die Namen aus der deutschen Turn- und Gymnastiktradition so grundsätzlich anders als die Sanskrit-Namen der Asanas.

Sanskrit als Orientierung

Nehmen wir zum Beispiel Pashchimottanasana im Vergleich zu „Vorwärtsbeuge aus dem Langsitz“. Pashchima bedeutet „Westen“. Der Westen steht in Indien symbolisch für die Rückseite des Körpers, die wiederum mit der Vergangenheit assoziiert wird. Wenn du dich in diese Haltung begibst, dehnst du nicht nur deinen Rücken, du verneigst dich vor deiner Vergangenheit, akzeptierst sie und indem du dich mit ihr versöhnst, stärkt sie dir das Rückgrat und gibt dir Halt. Ein Mensch ohne Rückgrat ist sprichwörtlich jemand, der nicht den Mut hat, seine Überzeugung offen zu vertreten. All das schwingt im Namen Pashchimottanasana mit.

Ein anderes Beispiel für Nama-Rupa sind die Bija-Mantras, die sogenannten „Keimsilben“, die in der traditionellen indischen Kultur mit den Elementen und darüber mit den Chakras assoziiert werden: Der Klang (Nama) eines Bija-Mantras trägt bereits die Schwingung, Energie und symbolische Form (Rupa) in sich, die auf physischer Ebene das Element ausmachen. Zum Beispiel enthält das Mantra „Lam“ die Qualitäten des Elements Erde, die wir mit dem Wurzelchakra in Verbindung bringen: Erdung, Stabilität, Urvertrauen. Der Klang ist also nicht getrennt von der Form – er bringt sie hervor.

Sanskrit auf dem Yogaweg:
Darum geht es

Yoga als Klang:
In Indien wird Yoga häufig durch Klang praktiziert, dazu gehört vor allem die Rezitation oder das Chanten von wichtigen Texten wie der Bhagavad Gita, denn Sanskrit ist eine Sprache der Schwingung. Den Text als Klang zu erleben, erlaubt es, sich auf ihn einzuschwingen, mitzuschwingen.

Auch das Rezitieren von Sanskrit-Mantras basiert auf diesem Prinzip von Schwingung. Es gilt als eine praktische Anwendung der Lehre von Prana (Lebensenergie): Bestimmte Laute wecken demnach bestimmte Schwingungen und richten sie aus, etwa in Richtung Ruhe, Fokus oder Ausdauer.

Konzentration und Kommunikation:
Eine Fremdsprache zu lernen, schult generell den Geist, verbessert Gedächtnis und Konzentrationsfähigkeit – erst recht, wenn damit eine andere Schrift verbunden ist. Das Einüben der korrekten Aussprache trainiert auch unser Sprachorgan und hilft, sich im Alltag – besonders als Yogalehrer*innen – klar und präzise auszudrücken.

Würdigung der kulturellen Wurzeln:
In der Beschäftigung mit Sanskrit tauchen wir sehr tief in die indische Kultur und ihre Geschichte ein. Wir verstehen Zusammenhänge – und wir verneigen uns vor der Quelle, aus der Yoga stammt, statt uns nur überformte Teilaspekte anzueignen.

Studium der Schriften:
Übersetzungen sind immer ein Stück weit Interpretationen. Wer zum Beispiel schon mal verschiedene Übersetzungen des Yoga Sutra verglichen hat, weiß: Die Unterschiede sind riesig. Sich mit dem Originaltext beschäftigen zu können, erfordert zwar fortgeschrittene Sanskrit-Kenntnisse, erlaubt aber einen tieferen Zugang zur Yogaphilosophie.

Foto: Adobe Stock

Sanskrit im Unterricht – trennend oder verbindend?

Manchmal höre ich, dass die Verwendung von Sanskrit-Begriffen im Yogaunterricht „elitär“ sei. Das schaffe eine Trennung zwischen denen, die sie verstehen, und denen, die nicht mitkommen. Aber ich erlebe genau das Gegenteil: Sanskrit beseitigt Sprachbarrieren und verbindet! Ich reise viel, unterrichte und nehme Unterricht in vielen verschiedenen Ländern. Oft verstehe ich die Landessprache nicht, aber sobald der Lehrer die Asanas auf Sanskrit ansagt, weiß ich genau, was zu tun ist. Und genauso geht es vielen meiner Schüler*innen: Wenn sie meine Anweisungen nicht erfassen, hilft ihnen der Sanskrit-Name sofort, sich zu orientieren. Sanskrit schafft Vertrautheit, über die Grenzen unserer Muttersprache hinaus. Es verbindet uns als globalen Satsang, es ist unsere gemeinsame Sprache.

Sanskrit rezitieren

Natürlich ist es eine persönliche Entscheidung, ob man Sanskrit lernen und wie intensiv man sich damit beschäftigen möchte, aber für mich gehört es einfach dazu. Wenn mich ein Land oder eine Kultur interessiert, will ich auch ein Gefühl für die Sprache bekommen – und genauso ist es mit Yoga. In Indien ist Yoga oft etwas völlig anderes als das, was wir im Westen darunter verstehen. Dort bedeutet Yoga in vielen Fällen das Rezitieren von Mantras, das Singen der Yogasutra, Rituale und Verehrung – und all das geschieht auf Sanskrit. Auch das Studium der Schriften, Svadhyaya, gehört zum achtgliedrigen Pfad des Yoga nach Patanjali. Und traditionell bedeutet Studium in Indien vor allem: Rezitieren. Gefühlte 90 Prozent des Yoga in Indien finden in Form von Klang statt!

Sanskrit zu rezitieren, ist für mich eine Art Meditation. Die Schwingung dieser Sprache geht direkt in die Tiefe, reinigt die Energiekanäle, baut Spannungen und Blockaden ab. Es wirkt beruhigend auf den Geist, lenkt die Gedanken in eine positive Richtung. Der Körper schwingt mit, der Atem wird tiefer und gleichmäßiger – und plötzlich ist der Kopf ruhig. Gleichzeitig ist das Rezitieren auch eine Atemübung: Wenn wir aus der Bauchgegend chanten, wird unser inneres Feuer, unser Agni, aktiviert – es weckt unsere Lebensenergie. Besonders kraftvoll ist es, Mantras gemeinsam zu rezitieren. Mein Lehrer Shyamdas sprach immer von Bhakti Bhav – einer freudvollen, liebevollen Atmosphäre, die im Raum spürbar wird. Und genau das ist Yoga: Verbindung, Gemeinschaft, eine Schwingung, die über Worte hinausgeht und etwas tief in uns berührt.

Gut zu wissen

Sanskrit wird in verschiedenen Schriften wiedergegeben, am verbreitetsten ist die Devanagari-Schrift. Der Name bedeutet „Schrift aus der Stadt der Götter“ (deva = Gott, nagari = Stadt). Sie beinhaltet Schriftzeichen zu 49 Lauten: 13 Vokale (manche kurz, manche lang ausgesprochen), 33 Konsonanten beziehungsweise Silben (unterschieden in stimmlos und stimmhaft, gehaucht und nicht gehaucht) plus 3 sekundäre Schriftzeichen. Dadurch entspricht jedes Zeichen exakt einem Laut. Devanagari wird also genauso gelesen wie geschrieben – sehr praktisch!

IAST (International Alphabet of Sanskrit Transliteration), die internationale Umschrift von Devanagari in lateinische Buchstaben, gibt die korrekte Aussprache durch Striche und Punkte über und unter den Buchstaben wieder. Das erleichtert kundigen Studierenden das Lesen. In unserem YOGAWORLD JOURNAL und hier auf der Webseite machen wir es noch einfacher und verwenden stattdessen eine an die Aussprache angelehnte Schreibweise ohne Sonderzeichen. Wir schreiben zum Beispiel Matrika statt mātṝkā. Matrika bedeutet Schriftzeichen, wörtlich aber: „Mutter des Universums“, denn jeder Laut wird als ein Mantra angesehen, das die Essenz der Schöpfung in sich trägt.

Dieser Artikel stammt aus dem YOGAWORLD JOURNAL 05/2025.


Gabriela Bozic hat ihre Wurzeln im Jivamukti-Yoga und gehört zu den erfahrensten Ausbilder*innen und Lehrer*innen. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit Sanskrit.

Mehr Info auf gabrielabozic.com

Kennst du schon unser Yogi Glossar? Hier erklären wir dir die gängigsten (Sanskrit-)Yogabegriffe von A bis Z!

Kleine Pause, große Wirkung – 7 Übungen für geistige Frische

Viel zu oft stecken wir in der Mühle aus Verpflichtungen und ständiger Erreichbarkeit fest. Genau hier setzt diese Praxis mit Kunal Joseph an: eine kurze, aber effektive Auszeit, die Körper und Geist in wenigen Minuten erfrischt und dir neue Energie und geistige Klarheit schenken kann – ganz zu schweigen von einer Menge Spaß mit deinen Kolleg*innen oder Kindern.

Sequenz: Kunal Joseph / Fotos: Christian Böhm

Darum geht es:

Für diese Praxis brauchst du keine Matte und keine Sportkleidung, sondern nur ein paar Minuten Zeit – im Büro, zu Hause oder unterwegs. Einfache Koordinations-Übungen mit Armen, Händen, Beinen und Augen aktivieren nicht nur Muskeln und Atmung, sie fördern auch Konzentration und mentale Klarheit. Regelmäßig durchgeführt, helfen „Active Breaks“ (aktive Pausen) dabei, Verspannungen zu lösen, die Haltung zu verbessern und neue Wachheit zu schaffen – ideal für Zwischendurch und als wohltuende Mini-Auszeit im Alltag.

1. Schulter-Mobilisierung mit bewusster Atmung

Kunal Joseph Schultermobilisierung

Stelle dich aufrecht hin, die Füße hüftbreit auseinander. Die Schultern befinden sich über den Hüften, die Arme hängen entspannt an den Seiten, der Blick geht nach vorne. Hebe dann einatmend die Arme locker über die Seiten, bis sich die Handflächen leicht vor dem Kopf treffen. Ausatmend senkst du die Arme wieder über die Seiten. Gleichzeitig senkst du den Blick und näherst das Kinn dem Brustbein an. Achte auf weiche, bewusste Bewegungen und einen ruhigen Atemfluss. (30 Sekunden – 1 Minute)

2. Cross-Crawl

Kunal Joseph Cross crawl für geistige frische

Beginne, im aufrechten, hüftbreiten Stand auf der Stelle zu marschieren. Dabei hebst du bei jedem Schritt ein Knie so weit, dass du es mit der gegenüberliegenden Hand (also über Kreuz) berühren kannst. Achte darauf, dass du dich fließend und bewusst bewegst und nicht vom Platz weg. Wenn du dich sicher fühlst, bringst du zusätzlich die Augen in Bewegung: Zehn Schritte lang lässt du den Blick im Uhrzeigersinn wandern und dann 10 Schritte lang gegen den Uhrzeigersinn. Achte dabei auf ein ruhiges Tempo und gleichmäßigen Atem.

3A. Hände im Takt Teil 1

Kunal Joseph handbewegungen

Hebe im Stehen oder Sitzen beide Arme seitlich an, die Ellenbogen sind locker gebeugt, die Handflächen zeigen nach unten. Beginne, die Hände gleichzeitig seitlich hin und her zu schütteln – so, als würdest du Wasser von den Fingern abschütteln. Spüre, wie die Handgelenke sich lockern und die Finger entspannen. Danach drehst du die Handflächen nach vorne und bewegst sie synchron mit einer Wellenbewegung auf und ab.

3B. Hände im Takt Teil 2

Kunal Joseph handbewegungen

Nun beginnt der herausfordernde, aber spaßige Hauptteil: Beginne mit einer Hand die seitliche Schüttelbewegung (rechts-links), während die andere Hand gleichzeitig die Wellenbewegung (auf-ab) macht. Nach einer Weile tauschst du die Bewegungen – die Hände wechseln ihre Aufgaben. Lass dich nicht entmutigen: Zu Beginn ist es völlig normal, durcheinanderzukommen, aber genau das macht den Trainingseffekt aus.

4A. Finger-Fokus Teil 1

Halte im Sitzen oder Stehen beide Hände locker vor dich, Ellenbogen leicht gebeugt. Forme mit beiden Händen das „Okay“-Zeichen: Daumen und Zeigefinger berühren sich zu einem Kreis, die restlichen Finger zeigen nach oben.

Kunal Joseph macht Okay Geste mit Händen

Wechsle dann zu einem „Daumen hoch“ mit beiden Händen – alle Finger sind zur Faust geschlossen, nur der Daumen zeigt nach oben.

Kunal Joseph macht Daumen hoch

Wiederhole diese beiden Handzeichen eine Zeitlang im Wechsel: Okay, Daumen hoch, Okay … und so weiter.

4B. Finger-Fokus Teil 2

Kunal Joseph macht Okay und Daumen Geste mit Händen

Sobald sich diese Abfolge vertraut anfühlt, geht’s ans Eingemachte: Forme mit der einen Hand das Okay-Zeichen und mit der anderen Daumen hoch und wechsle dann zwischen beiden Handhaltungen hin und her. Sieht leicht aus, ist aber ganz schön kniffelig und braucht erstmal Übung – und genau darin liegt der Effekt!

4C. Finger-Fokus Teil 3

Kunal Joseph Hände zusammen

Wenn das wechselseitige Spiel gut klappt, kannst du zwischendurch die Hände klatschend zusammenführen – als kurze Pause oder um den Rhythmus zu resetten. Also so: Okay und Daumen hoch, klatschen, Seiten wechseln, klatschen und so weiter. Je öfter du diese Übung machst, desto schneller wirst du. Viele beginnen dabei zu lachen, weil’s so überraschend schwierig ist!

5. Daumen trifft kleinen Finger

Kunal Joseph macht Geste mit Händen

Hebe deine Hände mit leicht gebeugten Ellenbogen locker vor die Brust und schließe die Hände zu Fäusten. Strecke bei der rechten Hand nur den kleinen Finger nach außen und bei der linken Hand nur den Daumen. Wechsle dann die Positionen: rechte Hand Daumen raus, linke Hand kleiner Finger. Wiederhole diesen Wechsel rhythmisch, erst langsam und sobald du dich sicher fühlst, etwas schneller.

Finger-Fakten

Der Daumen steht in enger Verbindung zum zentralen Nervensystem und gilt in vielen energetischen Lehren als Ausdruck von Willenskraft und Fokus. Die Aktivierung der kleinen Finger wiederum spricht Bereiche im Gehirn an, die mit feinmotorischen Fähigkeiten und emotionaler Selbstregulation zu tun haben.

Tipp: Probiere passend dazu auch die „Asana & Mudra“-Sequenz von Susanne Mors aus!

6. Fingertanz

Kunal Joseph zeigt Fingertanz

Hebe die Hände auf Brusthöhe und lege die Fingerspitzen beider Hände sanft aneinander, dabei bleiben die Handflächen leicht geöffnet. Beginne nun, die Daumenspitzen sanft umeinander kreisen zu lassen, zuerst im Uhrzeigersinn, dann gegen den Uhrzeigersinn. Wiederhole diese kreisende Bewegung nacheinander mit Zeige-, Mittel-, Ring- und kleinen Fingern. Achte auf gleichmäßige, kontrollierte Bewegungen und spüre bewusst die Berührung. Je langsamer du die Bewegungen machst, desto intensiver spürst du den meditativen Effekt.

7A. Wechselatmung

Kunal Joseph Nadi Shodhana Hand an Nase

Richte dir eine bequeme Sitzhaltung ein, gerne auch auf einem Stuhl. Verankere beide Füße am Boden und richte die Wirbelsäule entspannt auf. Hebe dann die rechte Hand und klappe Zeige- und Mittelfinger locker nach innen (Vishnu-Mudra). Verschließe mit dem rechten Daumen das rechte Nasenloch und atme ruhig durch das linke ein. Schließe dann mit dem Ringfinger das linke Nasenloch und atme rechts aus und wieder ein. Alternativ kannst du auch wie auf dem Foto nur mit dem Zeigefinger arbeiten. Fahre in deinem natürlichen Rhythmus fort und wechsle jeweils ausatmend zu anderen Seite. (5–10 Runden)

7B. Mentale Wechselatmung

Kunal Joseph Nadi Shodhana ohne Mudra mental

Lege dann die Hände entspannt auf den Oberschenkeln ab und richte deine Konzentration mit der Einatmung bewusst auf das linke Nasenloch und in der Ausatmung auf das rechte. Wenn du die Augen dabei schließt, kannst du die feine Wahrnehmung des Atems noch vertiefen. Spüre dabei zu deinen inneren Atemströmen hin und nimm wahr, wie dein Geist ruhig und klar wird. Bleibe einige Minuten lang bei dieser mentalen Führung. Schließe die Übung dann ab, indem du einige Atemzüge zu deiner Mittellinie hin spürst, bevor du die Augen wieder sanft öffnest.

Wusstest du?

Studien zeigen, dass die Wechselatmung den Sauerstoffaustausch effizienter macht, die Lungenkapazität verbessert und den Blutdruck senken kann. In der traditionellen Yogalehre gilt Nadi Shodhana als Technik zur „Reinigung des Geistes“ – heute könnte man auch sagen: ein natürliches Anti-Stress-Tool.

Kunal Joseph im YOGAWORLD JOURNAL 03/2026

Du möchtest noch mehr einfache Übungen für Zwischendurch ausprobieren? Dann hol‘ dir das aktuelle YOGAWORLD JOURNAL! Darin zeigt dir Kunal eine weitere Mini-Übungsreihe mit kleinen Atempausen für mehr Gelassenheit. Sie hilft dir im Alltag inmitten von Tempo, Terminen und einer ständigen Flut an Eindrücken schon in wenigen Minuten Spannung abzubauen, den Kopf frei zu bekommen und neue Energie zu schöpfen. Hier kannst du dir das aktuelle Heft bestellen.


Kunal Joseph unterrichtet seit 20 Jahren Yoga in München, auf Retreats und Festivals. Dabei hat er sich in letzter Zeit mehr und mehr auf Entspannung und Stressreduktion im Alltag spezialisiert. Dazu kombiniert er traditionelle Yogatechniken mit Übungen aus Neuroscience und anderen Richtungen. Wenn du mehr über ihn erfahren möchtest, schau auf seiner Website oder auf Insta @kunaljosephyoga vorbei.

Dieser Artikel stammt aus dem YOGAWORLD JOURNAL 05/2025.

Hier findest du eine weitere Sequenz mit Kunal Joseph:

Grünes Gemüse: 6 frühlingshafte Nährstoffbomben

grünes gemüse auswahl

Schluss mit Gewächshaus- und Luftfracht-Ware: Endlich gibt es wieder eine üppige Auswahl an frischem grünen Gemüse. Wir präsentieren: Sechs frühlingshafte Nährstoffbomben und wie du sie richtig zubereitest.

Text: Karen Ansel / Titelbild: Erin Kunkel

Im Mai und Juni ist grünes Gemüse besonders frisch und nährstoffreich – die perfekte Gelegenheit, sich mal wieder mit der umwerfenden Vielfalt an essbaren Blättern, Kräutern und Schoten vertraut zu machen. Unter den ersten Sorten, die so zeitig im Jahr geerntet werden, sind etliche vollgepackt mit wichtigen Nährstoffen: zum Beispiel mit Folsäure, Antioxidantien, dem für den Knochenaufbau nötigen Vitamin K und den Immun-Boostern Vitamin A und C. Es lohnt sich also, den gewohnten Speisezettel mal über Bord zu werfen und mit grünen Zutaten zu experimentieren, die man bisher vielleicht noch nicht unbedingt auf dem Schirm hatte. Wir stellen dir sechs gartenfrische Supergemüse vor, die dir helfen, kraftvoll und gesund zu bleiben.

Grüner Spargel für eine bessere Verdauung

Grüner Spargel
Foto: KarolaG via Pexels

Die zarten grünen Stangen sind reich an Inulin, einer einzigartigen Faser, die im oberen Teil des Verdauungstraktes nicht zersetzt wird. Im Dünndarm angekommen nährt Inulin dann die für die Darmgesundheit notwendigen Bakterien und fördert so die Aufnahme wichtiger Nährstoffe. Obendrein enthält grüner Spargel Vitamin A, Zeaxanthin und Lutein – alles Stoffe, die die Augen gesund erhalten.

Zubereitung: Grüner Spargel verdirbt schnell, daher sollte man die Stangen möglichst frisch kaufen, in ein feuchtes Tuch gewickelt im Kühlschrank aufbewahren und bald verwenden. Anders als bei weißem Spargel schält man ihn nicht und schneidet allenfalls holzigere Enden ab. Man muss ihn auch nicht unbedingt kochen. Ganz einfach, lecker und gesund: Den Spargel mit etwas Olivenöl, Salz und Pfeffer vermengen und 15 Minuten bei 200 Grad im Ofen backen. Danach mit Parmesan und Zitrone gewürzt servieren oder kleingeschnitten zu einer Frittata geben.

Rucola für mehr Power

Rucola
Foto: Oksana Ermak/Getty Images via Canva

Rucola (deutsch: Rauke) enthält neben den antibakteriell wirkenden Senfölen, die für seinen pfeffrigen Geschmack verantwortlich sind, auch Jod, Folsäure und eine Reihe von B-Vitaminen. Er gilt als immunsteigernd, verdauungsfördernd und harntreibend. Ein zweischneidiges Schwert ist dagegen: Rucola nimmt mehr Nitrate aus dem Boden auf als alle anderen pflanzlichen Lebensmittel. Nitrate selbst gelten zwar als unbedenklich, sie werden aber leicht in Nitrite umgewandelt und die können auf Dauer und in größeren Mengen krebserregend sein. In letzter Zeit wurden diesen möglichen Risiken aber auch positive Effekte gegenübergestellt: Nitrate sollen die Blutgefäße erweitern, den Blutdruck senken und die Durchblutung fördern – und das kommt insbesondere dem erhöhtem Sauerstoffbedarf von Sportlermuskeln zugute.

Zubereitung: Rucola muss man nur gründlich waschen, dann ist er bereit für die Salatschüssel. Sehr lecker schmeckt er auch mit heißen Nudeln, Olivenöl und geriebener Zitronenschale vermengt oder als würziges Plus in einer frisch zubereiteten Tomatensauce. Dabei gilt allerdings: Wegen der Nitrat-Nitrit-Problematik nie aufwärmen!

 

Mangold als Schutz gegen Diabetes

Mangold
Foto: Olha Afanasieva/Getty Images via Canva

Mit fast 4 Gramm Ballaststoffen pro Tasse gekochtem Gemüse verlangsamt Mangold die Aufnahme von Kohlenhydraten und schützt so vor starken Schwankungen im Blutzuckerspiegel. Zugleich ist die Pflanze ein Top-Lieferant von Magnesium: Schon in einer Tasse gekochtem Mangold steckt ein Drittel des Tagesbedarfs. Dieses Mineral unterstützt den Körper beim effektiven Einsatz des Hormons Insulin. Ein weiteres wichtiges Element bei der Regulierung des Blutzuckerspiegels ist Syringasäure: Sie blockiert die Umwandlung von Stärke in Zucker und ist ebenfalls in Mangold enthalten. Spätestens wenn man bedenkt, dass die meisten Menschen nur halb so viele Ballaststoffe und weniger als zwei Drittel der empfohlenen Menge an Magnesium zu sich nehmen, sollte klar sein: Esst mehr Mangold!

Zubereitung: Ob im Smoothie, im Wok, als Suppe oder in einer Quiche: Bei der Zubereitung von Mangold sind der Phantasie kaum Grenzen gesetzt. Rezepttipp: Probiere Mangold mal als gesundes Topping für Pizza und Fladenbrot. Brate dazu die Blätter mit Olivenöl und Knoblauch leicht an. Gemeinsam mit gebratenen Zwiebeln und deinem Lieblingskäse (oder pflanzlichem Ersatz) belegst du damit den Teig und schiebst das Ganze kurz in den Ofen.

Kleine Sattmacher: Erbsen

Erbsen
Foto: ildipapp via Canva

Ballaststoffe und Eiweiß – mit diesen beiden Pfunden können die kleinen grünen Hülsenfrüchte wahrlich wuchern. Schon eine Tasse Erbsen enthält 7 Gramm Ballaststoffe, dazu kommt resistente Stärke, eine spezielle Form von Kohlenhydraten, die vom Körper nicht aufgespalten werden können. Folge: Erbsen machen lange satt. Außerdem enthält eine Tasse Erbsen 8 Gramm Eiweiß – das entspricht mehr als einem großen Ei. Wie alle grünen Gemüsesorten sind Erbsen auch eine wichtige Quelle für Antioxidantien und entzündungshemmende Wirkstoffe, die vor chronischen Erkrankungen schützen.

Zubereitung: Frisch oder tiefgekühlt sind die kleinen Hülsenfrüchte ein cleverer Trick, um Smoothies, Suppen oder Nudelgerichten einen extra Eiweißkick zu verleihen. Wenn du zum Beispiel eine Handvoll Erbsen mit Avocado, Banane und Mandelmilch zu einem Smoothie mixt, wirst du die Erbsen noch nicht einmal herausschmecken.

Rezepttipp: Erbsen-Guacamole

Erkältungen abwehren mit Löwenzahn

Löwenzahn Blätter
Foto: gaffera/Getty Images via Canva

Von wegen Unkraut: Löwenzahn enthält sehr viel Vitamin A, ein Nährstoff, der die Oberflächen der Atemwege bei der Abwehr von Bakterien und anderen Erregern von Atemwegserkrankungen unterstützt. Schon eine Tasse Löwenzahn enthält 110 Prozent der täglich empfohlenen Dosis an Vitamin A – das ist mehr als doppelt so viel als in der gleichen Menge Spinat und zehnmal mehr als in Brokkoli. Außerdem ist Löwenzahn reich an Vitamin C – dem bekanntesten aller Immunkraft-Vitamine. Es beugt Erkältungen nicht nur vor, sondern lindert auch die Symptome.

Zubereitung: Roh im Salat ist Löwenzahn besonders knackig und gesund. Allerdings kann er etwas bitter schmecken. Falls du das nicht so gerne magst, blanchiere die Blätter kurz in Salzwasser, bevor du sie zum Beispiel mit etwas Knoblauch und Chili-Flocken in Olivenöl anbrätst und mit geriebenem Parmesan servierst.

Mit Brunnenkresse Krebs vorbeugen

Foto: Ika Rahma via Canva

Brunnenkresse sieht zwar so ähnlich aus wie junger Spinat, in Wirklichkeit handelt es sich aber um ein Kreuzblütengewächs und somit um eine Verwandte von Brokkoli und Rosenkohl. Sie alle sind reich an Senfölglycosiden, die antibakteriell wirken und zudem Krebs vorbeugen sollen, indem sie kanzerogene Stoffe im Körper ausschalten, bevor diese die Zellen schädigen können. Da Hitze die Wirksamkeit von Senfölglycosiden allmählich zerstört, ist die roh genießbare Brunnenkresse gegenüber der Kohl-Verwandtschaft klar im Vorteil. Bei den Teilnehmer*innen einer amerikanischen Studie, die acht Wochen lang täglich 80 Gramm Brunnenkresse aßen, waren die Schädigungen der weißen Blutkörperchen um bis zu 25 Prozent reduziert.

Du möchtest Brunnenkresse, Rucola & Co. selbst anbauen? Hier erfährst du wie es geht!

Zubereitung: Roh ist hier die Maxime! Brunnenkresse ist ein aromatischer Ersatz für Salatblätter in Sandwiches. In einem gemischten Salat solltest du ihren pfeffrigen Geschmack zum Beispiel mit einer Avocado oder einem cremigen Dressing etwas abpuffern. Am besten hält sich frische Brunnenkresse, wenn man sie in ein Glas Wasser stellt, abdeckt und im Kühlschrank aufbewahrt.

Dieser Artikel stammt aus dem YOGA JOURNAL 03/2015.


Karen Ansel ist Kochbuchautorin, Journalistin, registrierte Ernährungsberaterin und Sprecherin der amerikanischen Academy of Nutrition and Dietics. Mehr Info auf karenansel.com

Bitterstoffe wie in Löwenzahn & Co. unterstützen auch die Leber bei ihrer Arbeit. Lies hier mehr über dieses beeindruckende Organ und wie du es gesund hältst:

Das Selbst – was ist das überhaupt?

Die westlichen Wissenschaften versuchen, das Selbst immer besser zu verstehen. In Yoga und Buddhismus geht es eher darum, die Vorstellung eines beständigen Ichs loszulassen. Wie passt das zusammen? Was macht uns im Innersten zu dem, was wir meinen zu sein? Eine Bestandsaufnahme.

Text: Ulrich Hoffmann / Bilder: Nick Fancher via Unsplash

Als der Buddha gefragt wurde: „Gibt es ein Selbst?“, soll er geschwiegen haben. Allerdings schwieg er auch bei der Gegenfrage: „Also gibt es kein Selbst?“ Für ihn waren das Fragen, deren Beantwortung niemandem weiterhilft. Egal, ob es ein Selbst gibt oder nicht – jede dieser Ansichten führt aus Sicht des Buddhismus zu mehr Stress und Leid. Deshalb sei es besser, die Frage zu ignorieren.

Das heißt keineswegs, dass wir nicht existieren. Das tun wir. Wir können fühlen, atmen, denken, uns bewegen. Wir sind hier. Aber was davon ist wie beständig? Ein Freund von mir hat in der Therapie erkannt, welche seiner Angewohnheiten dysfunktional sind und ihm schaden – doch sie zu ändern, gelingt ihm nicht. Eine ehemalige Kollegin arbeitete lange in der Pressestelle einer Umweltschutzorganisation – und wechselte dann zu einem Autohersteller. Was passiert da? Ist das „Ich“ in unserem Inneren jemals dasselbe wie letzte Woche oder nächste Woche?

Diese Frage beschäftigt auch Philosophen. Kurz nach Christi Geburt schon fragte Plutarch: Wenn vom Schiff des Theseus nach und nach alle Planken ersetzt werden – ist es dann am Schluss immer noch dasselbe Schiff? Hat sich meine frühere Kollegin vielleicht substanziell so sehr verändert, dass sie in ihrem neuen Job gar nicht mehr dieselbe ist wie in dem davor? Oder gehen diese Veränderungen, umgekehrt, so kleinschrittig vor sich und sind letztlich so äußerlich, dass unser Selbst zwar nicht unverändert bleibt, aber dennoch es selbst?

Ich bin viele

Dass wir uns all diese Fragen überhaupt stellen können, hängt mit einer menschlichen Fähigkeit zusammen, auf die schon im 17. Jahrhundert der Philosoph René Descartes hingewiesen hat, nämlich unser Selbstkonzept: Wir existieren nicht nur, wie der Mond oder ein Regentropfen, sondern haben zugleich ein Bewusstsein davon, wir können die eigene Existenz wahrnehmen und reflektieren. Die moderne Neurologie kann unsere Vorstellung vom eigenen Ich mittlerweile sogar recht präzise im Gehirn verorten: Sie sitzt im medialen präfrontalen Kortex (dem mittig gelegenen Teil der Stirnhirnrinde) und im medialen posterioren parietalen Kortex (dem mittig-hinteren Teil des Scheitellappens).

Das große Problem der Wissenschaft ist allerdings der freie Wille: Im Hirn laufen biochemische Reaktionen ab, die müssten sich theoretisch voraussagen lassen: auf Reiz A folgt Reaktion B, ganz grob gesagt. So gesehen wäre es möglich, dass zwar unsere Vorstellung vom Selbst korrekt ist, die Annahme wirklich freier Entscheidungen aber eine Illusion. Was zum Beispiel erklären würde, warum es meinem Freund wider besseres Wissen so schwer fällt, seine unguten Gewohnheiten abzulegen.

Die Psychologie des Selbst

In der Psychologie gibt es unterschiedliche Modelle, die unser Selbst beschreiben. Freud vermutete ein Es (unbewusste Wünsche und Instinkte), ein Ich (eine Art Vermittler zwischen Es und Wirklichkeit) und ein Über-Ich (verinnerlichte moralische Standards). Auch systemische Methoden beschreiben eine Vielheit innere Anteile, zum Beispiel das berühmte „innere Kind“, aber ebenso innere Kritiker*innen, Antreiber*innen, Feuerwehrleute und so weiter. Mit anderen Worten: Das Ich hat viele Facetten. Auch bezogen auf die Zeit: Die Theorie der „narrativen Identität“ besagt, dass wir unsere Sicht auf die Vergangenheit stets der Gegenwart und unserer Vorstellung der Zukunft anpassen. Auf diese Weise erzählen wir uns quasi selbst eine stimmige Lebensgeschichte.

Letztlich, darin sind sich die Psycholog*innen einig, möchten Menschen ein konsistentes Selbstgefühl aufrechterhalten. Das heißt: Wir wollen das Gefühl haben, dass unsere Gedanken, Handlungen und Erinnerungen gut zusammenpassen. So können wir wissen, dass wir gestern anders waren, als wir es heute sind, und dass wir morgen wieder anders sein werden. Dennoch übernehmen wir Verantwortung für die Folgen unseres vergangenen Handelns. Man nennt das „Persistenz“: Wir verändern uns und wahren dennoch eine Kontinuität, eine Identität.

Frau auf rosa Hintergrund, bunte Muster, Symbolbild für das Selbst, Bildcredit: Nick Fancher via Unsplash
Bild: Nick Fancher via Unsplash

Werde, wer du bist

Aber wodurch wird die bestimmt? Viele Philosoph*innen und auch manche Religionen vertreten die Ansicht, unser Selbst sei von Geburt an festgelegt und unsere Aufgabe bestünde darin, es freizulegen und zum Blühen zu bringen. Scito te ipsum – erkenne dich selbst – stand in der Antike nicht nur über dem Orakel zu Delphi, es war auch die Grundhaltung der Philosophie von Sokrates und Platon bis hin zu Thomas von Aquin. Mit anderen Worten: Jedem Ding (und jedem Menschen) wohnt demnach von Anfang an seine spezielle Besonderheit inne. Auch Friedrich Nietzsche forderte noch: „Werde, der du bist.“

Sei, wer du wirst

Erst Sartre und die Existenzialist*innen kamen vor rund achtzig Jahren darauf, dass es auch umgekehrt sein könnte, dass nämlich die Existenz der Essenz vorausginge: Wir werden erst geboren, dann gestalten wir unser Leben und definieren dabei unsere Persönlichkeit. Der massive Individualismus der Neuzeit (und erst recht dessen mediale Aufbereitung in den sozialen Medien) machen eine entspannte Auseinandersetzung mit dieser Aufgabe jedoch schwer. Wenn wir ständig aufgefordert sind, „besonders“ zu sein, „individuell“ und „authentisch“, dann muss da doch was zu finden sein! Wer hier ins Leere greift, gerät in Not.

Die buddhistische Lehre vom Anatta (Pali) beziehungsweise Anatman (Sanskrit) hingegen besagt, dass es kein festes, unveränderliches und unabhängiges Selbst gibt. Mit dieser Haltung stellte sich der Buddha gezielt gegen die zu seiner Zeit vorherrschende hinduistische Atman-Lehre, die von einer festgelegten Persönlichkeit ausging. Manche finden das tröstlich, viele andere aber eher erschreckend. Zumal der Buddha in den „Fünf täglichen Betrachtungen“ auch mahnte: „Alles, was mir lieb und teuer ist, werde ich eines Tages verlassen müssen.“ Woran unser Leben dann überhaupt festmachen und ausrichten?

Getrennt und doch verbunden

So bleibt das Selbst eins der größten Rätsel des Menschseins. Und doch scheint es so, als würden sich all die Beobachtungen und Folgerungen nicht zwingend ausschließen. Es könnte ja auch sein, dass sie sich von verschiedenen Seiten und mit unterschiedlichen Schwerpunkten der Sache nähern. Dann wäre das Selbst möglicherweise einerseits viel formbarer, als wir oft glauben. Andererseits – und gleichzeitig – wären unsere Einflussmöglichkeiten viel begrenzter, als wir annehmen. Vielleicht ist unser Selbst so ungeheuer komplex, dass wir es uns derzeit nur mithilfe unterschiedlicher Anteile und Modelle vorstellen können. Nur ein Konstrukt, das uns hilft, im Leben klarzukommen.

Was wäre, wenn wir lernten, diese Mehrdeutigkeit auszuhalten: Ein Ich, das wir eindeutig zu spüren glauben, dessen Begrenztheit wir jedoch nicht klar umreißen können. Das auf irgendeine Weise von allen und allem getrennt und zugleich auch mit allen und allem verbunden ist. In meinem Kopf entsteht da eine Art Vexierbild, die Vorstellungen wechseln und gehen ineinander über. Aber wäre es wirklich so schlimm, wenn das Selbst gleichzeitig spürbar und rätselhaft ist, begrenzt und unendlich, substanziell und schwadenhaft? Oder wäre das nicht ganz großartig?

Meditation: Annäherung ans (Nicht-)Selbst

Schritt für Schritt

1. Richte dich in einer für dich bequemen, aufrechten Meditationshaltung ein. Lege deine Hände locker auf die Knie. Ziehe die Schultern mit dem Einatmen hoch und lasse sie sanft mit dem Ausatmen herabsinken. Der höchste Punkt des Kopfes wächst in die Höhe. Schließe die Augen oder richte den Blick unfokussiert in eine mittlere Entfernung. Lächle, wenn du magst. Freue dich daran, dass du dir diese Zeit zuwendest.

2. Richte deine Aufmerksamkeit dann einige Minuten lang auf deinen Atem. Wenn du möchtest, kannst du die Atemzüge zählen. Genausogut kannst du darauf achten, wie sich dein Atem anfühlt, das Heben und Senken, der Luftstrom in den Nasenlöchern.

3. Dann trittst du im Geist einen Schritt zurück: Bisher hast du den Atem beobachtet, nun beobachtest du den Beobachter. Geht das? Und was soll das heißen? Wer beobachtet da wen? Ist das nicht bloß ein Konstrukt? Sind das Atmen und die atmende Person, das Beobachten und die beobachtende Instanz nicht alle eins? Lass dir Zeit, lass dich auf dieses Abenteuer ein und lass zu, dass sich diese Grenzen vielleicht auflösen.

4. Möglicherweise nimmst du dich dabei als Energie wahr, als Farbe, oder als Teil des Kosmos. Es gibt ein Ich und doch wieder nicht, die Wahrnehmung ist sehr präsent und zugleich ist nichts mehr wichtig. Aus Widersprüchen scheint Gleichzeitigkeit zu werden. Wenn dir der Zustand angenehm ist, genieße ihn. Wenn du ihn eher irritierend findest, nimm auch das wahr.

5. Schließlich holst du tief Luft und lässt den Atem langsam ausströmen. Richte die Aufmerksamkeit auf deinen Körper: die Bauchdecke, den Po, die Hände. Wenn du die Augen geschlossen hattest, lege die Hände vor die Augen und öffne diese dann langsam. Anschließend spreizt du erst ein wenig die Finger, dann ziehst du die Hände sanft von den Augen. Lächle, wenn du magst.

Dieser Artikel von stammt aus dem YOGAWORLD JOURNAL 05/25.


Ulrich Hoffmann Autorenfoto

Ulrich Hoffmann ist zertifizierter Meditations- und Yogalehrer sowie Philosoph (M.A.). Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Er kann Unklarheiten nicht leiden, aber arbeitet daran.

Mehr auf ulrichhoffmann.de

Mehr zum Zusammenspiel aus Wahrnehmung, Realität und Identität liest du hier:

Kennst du schon die YogaWorld-Podcast Folge mit Ulrich Hoffmann zu praktischer Meditation? Wie Meditation im Alltag gelingt und welche Wirkung sie haben kann, erfährst du hier:

Selbstliebe üben: Innere Leere in Freude verwandeln

Selbstliebe üben

Einsamkeit ist eine niedere Schwingung, Freude ist eine hohe Schwingung. Mit diesen beiden einfachen Übungen können wir unsere Frequenz selbst erhöhen und somit mehr Selbstliebe und Lebensfreude in unserem Leben etablieren.

Text: Tanja Seehofer / Titelbild: KoolShooters via Pexels.com

Das Thema Einsamkeit steht oft mit dem Gefühl von „innerer Leere“ in Verbindung. Gerade in Zeiten von Corona rückte dieses Gefühl in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Eine Studie belegt jedoch, dass Einsamkeit viele Menschen schon zuvor beschäftigt hat.

Einsamkeit vs. Alleinsein

Es gibt allerdings einen Unterschied zwischen Einsamkeit und Alleinsein, den man nicht verwechseln sollte. Es handelt sich um zwei komplett verschiedene Energiefrequenzen. Wenn du mit dir selbst nicht verbunden bist, kannst du dich einsam fühlen, obwohl du viele Freunde und Bekannte hast. Auch im Alleinsein kannst du viele Freunde und Bekannte haben. Mit dem Unterschied, dass du das Alleinsein genießen kannst, um dich ganz mit dir SELBST zu verbinden und zum Kern deines Wesens zu gelangen. Ja, das Alleinsein ist sogar wichtig! Doch im Alleinsein kann ebenso Einsamkeit entstehen, wenn wir uns SELBST und die Verbindung zu unserem Herzen verlieren.

Das Alleinsein ist eine wunderbare Möglichkeit, sein eigener Verbündeter zu werden. Selbstliebe, Herzensliebe, Achtsamkeit, Dankbarkeit und Vertrauen – all diese Qualitäten musst du nicht im Außen suchen, du kannst sie alleine nähren und stärken.

Innen wie Außen – Außen wie Innen

Dieses Lebensprinzip lässt sich in jeder Situation anwenden. Wenn du in deinem Inneren wieder Freude findest, wirst du dich nicht mehr einsam fühlen. Es gibt eine Skala mit verschiedenen Energieebenen. Bei dieser Skala verändern sich die Schwingungen diverser Bewusstseinszustände von niedrigen Frequenzen im unteren Bereich der Skala bis zu hohen Frequenzen im oberen Bereich. Je weiter unten sich unser aktueller Bewusstseinszustand auf dieser Skala befindet, desto verfälschter sind unsere Eindrücke.

Im Yoga nennt man dies auch „Maya“. Dies steht für „Illusion, Schein, Trug“ und bedeutet, dass die Welt, wie wir sie wahrnehmen, nicht die Realität ist. Je höher wir jedoch auf der Skala nach oben wandern, desto klarer wird unsere Wirklichkeit. Einsamkeit ist eine niedere Schwingung und Freude/Dankbarkeit ist eine hohe Schwingung. Mit einigen Übungen können wir unsere Frequenz selbst erhöhen und somit mehr Selbstliebe und Lebensfreude erreichen, ganz unabhängig von äußeren Einflüssen und anderen Menschen.

Foto: KoolShooters via Pexels.com

ÜBUNG 1: Öffne dein Herz für dich und die Selbstliebe!

Setze dich bequem hin und schließe deine Augen. Nimm deinen Atem wahr und lass alle Anspannung mit der Ausatmung gehen. Verbinde dich mit deinem Herzensraum. Lass dein Herz mit der Einatmung ganz groß werden und mit der Ausatmung wieder bis in die tiefste Mitte deines Herzens zurücksinken, dorthin, wo du dich mit der Energie der Liebe verbinden kannst. Wiederhole dies einige Male.

Stelle dir dann die folgenden Fragen:

Wofür bin ich in meinem Leben dankbar?

Für wen oder was in meinem Leben empfinde ich tiefe oder sogar bedingungslose Liebe?

Erlaube dir nun das Bild hierzu vor deinem geistigen Auge entstehen zu lassen und bleibe mit dem Gefühl in deinem Herzen verbunden. Verweile einen Augenblick in diesem Gefühl tiefer Liebesschwingung und erlaube dir, es in jeder Zelle deines Körpers aufzunehmen. Genieße diesen warmen Gefühlszustand in jeder einzelnen Zelle. Wie fühlt es sich an? Was empfindest du? Bleibe nun bei deiner Empfindung, schiebe das Bild nach links und lasse ein neues Bild entstehen. Das Bild deiner selbst. Verbinde dich auch hier mit dem Spiegelbild deiner selbst und versuche in derselben Schwingung von Wertschätzung und Liebe zu bleiben. Betrachte dich mit diesem warmen Gefühl. Erlaube dir, erneut einen Moment im Gefühlszustand der Liebe zu verweilen. Bemerke nun die Veränderungen. Ist das Gefühl noch genauso stark wie am Anfang oder hat es sich verändert?

Je weniger du die Anerkennung und Liebe im Außen suchst, desto näher kommst du dir selbst. Du erkennst eigenverantwortlich und aus tiefstem Herzen heraus, was dich wirklich glücklich macht. Wirkliches Glück und wahre Liebe sind nur unabhängig von anderen möglich. Wenn du dir Zeit für dich selbst nimmst und das Alleinsein auch genießen kannst, hast du die Möglichkeit den Zugang zur SELBST-Liebe zu finden. Kümmere dich um dich selbst – und um die Liebe zu dir selbst. Sei dir dein BESTER Freund! Gehe von Zeit zu Zeit in Dialog mit deinem Herzen. Selbsterkenntnis bringt Selbstliebe! Ich bin mir meiner SELBST BEWUSST.

Beantworte dir ehrlich die folgenden Fragen, die dir dabei helfen herauszufinden, was du wirklich brauchst:

Was bringt meinem Herzen Freude?

Welche Sehnsüchte liegen in meinem Herzen?

Ich kann mir selbst vertrauen, weil… (Beende den Satz für dich!)

Welches Gefühl liegt im Verborgenen, welches ich im Außen erhoffe und mir innerlich nicht geben kann? 

Wieso bin ich mir selbst soviel wert? 

ÜBUNG 2: Die Schwingung der FREUDE erfahren

Setze dich bequem hin und schließe deine Augen. Entspanne deinen ganzen Körper. Nimm deinen Atem wahr und beobachte, wie er ein- und ausströmt. Bleibe ganz entspannt dabei. Dieser Moment gehört dir ganz alleine. Verweile für einen Augenblick in dieser Energie. Erlaube dir nun eine Situation in deinem Leben zu finden, in der du vollkommen glücklich warst. Voller Gesundheit, Glück, Zufriedenheit, Geborgenheit. Lasse dir ein wenig Zeit bis sich die Situation vor deinem geistigen Auge zeigt.

Wo warst du? Welche Menschen waren bei dir?
Welche Farben und Gerüche nimmst du wahr?
Wie zeigt sich dieses Gefühl in deinem Körper? Wie genau fühlt es sich an?
Spürst du es in deinen Zellen? Macht sich ein Lächeln breit in deinem Gesicht?
Wo nimmst du dieses wohlige Gefühl am stärksten wahr?

Lege nun deine Hände in einer Geste an diese Stelle. Damit setzt du einen Anker. Immer dann, wenn du dich mit dem Gefühl verbinden möchtest, berührst du dich an dieser Stelle und verweilst einen kurzen Moment in dem freudigen Gefühl.

Zum Weiterlesen:

Im aktuellen YOGAWORLD JOURNAL 03/2026 haben wir uns ausführlich dem Thema „Liebe“ gewidmet und unter anderem erforscht, wie Liebe und Selbstliebe sich bedingen. In dieser Ausgabe findest du auch eine schöne neue Praxisstrecke mit Tanja Seehofer zum Thema „Yin Yoga bei Krebs“. Hol‘ dir das Heft in unserem Online Shop!


Tanja Seehofer

Die beiden Übungen in diesem Artikel stammen von Tanja Seehofer. Sie ist Bewusstseinsforscherin, Dipl. Mentalcoach und Humanenergetikerin. Sie unterrichtet Yogaklassen, Retreats, Workshops sowie Weiterbildungen im In- und Ausland. Mehr Info auf tanjaseehofer.de


Einsamkeit und Depression gehen oft Hand in Hand. In dieser Podcastfolge haben wir mit Tanja Seehofer darüber gesprochen, wie Yoga dabei helfen kann:

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