Vollmondkalender 2026: So wirkt der Vollmond am 26. September im Zeichen Widder

Wann ist Vollmond?  Der nächste Vollmond am 26. September 2026 steht um 18:44 Uhr im Zeichen Widder. Welche Energien jetzt wirken und wie du diese am besten für dich nutzen kannst, erfährst du weiter unten im Artikel. Hier ist eine Übersicht aller Vollmonde 2026, alle Daten mit Uhrzeit, Sternzeichen sowie einige Tipps für die Arbeit mit der Vollmondenergie.

Titelbild: VYCHEGZHANINA von Getty Images via Canva

Der Mond übt schon seit Tausenden von Jahren eine starke Faszination auf die Menschheit aus. Immerhin regelt er mit seiner Kraft die Gezeiten und nimmt auch bei manchen Menschen Einfluss auf das Schlafverhalten. Er gilt als Symbol für weibliche Energie, Weisheit und Intuition. Die bewusste Auseinandersetzung mit den verschiedenen Mondphasen hilft dabei, dich mehr mit dir, der Erde und dem Kosmos zu verbinden.

Nutze die Vollmondenergie, um in die Reflexion zu kommen und Altes loszulassen. Nun ist eine gute Zeit, um dich sanft von all dem zu verabschieden, was dir nicht mehr dient.

Hier findest du Inspiration für dein Vollmond-Ritual:


3. Januar 2026: Vollmond im Zeichen Krebs

Am 3. Januar gegen 11:05 Uhr steht der erste Vollmond des Jahres im Sternzeichen Krebs. Der Januarvollmond, auch „Wolfsmond“ genannt, verstärkt das Bauchgefühl und die innere Wahrheit. In Kombination mit dem gefühlstiefen Wasserzeichen erwartet dich eine Energie, die nach innen gerichtet ist und Raum für Rückzug gibt. 

Achte darauf, dass gesunde Grenzen nicht zu Mauern werden. Stärke und Sanftheit sind keine Konkurrenten, sondern Teile von dir, die sich gut ergänzen. Du darfst jetzt reflektieren, wie du beides halten kannst. 

Was brauchst du, um dich sicher zu fühlen? Traust du dich, das zu zeigen? Traust du dich, dich zu zeigen? Nutze deine Gefühle als Kompass, der dich da hinbringt, wo du schon immer hin wolltest. 

Yoga-Tipp:

Yin Yoga oder Restorative Yoga beruhigen dein Nervensystem, lösen behutsam emotionale Spannung und lassen dich langsam weich werden.


1. Februar 2026: Vollmond im Zeichen Löwe

Am 1. Februar gegen 23:09 Uhr steht der Vollmond im Sternzeichen Löwe. Der zweite Vollmond des Jahres wird auch „Schneemond“ genannt und bietet Gelegenheit für Achtsamkeit, Selbstreflexion und persönliche Entwicklung. In Verbindung mit der feurigen Energie des Löwen lädt er besonders dazu ein, Emotionen wahrzunehmen und zu erforschen. Denn Klarheit wird erst dann wirklich kraftvoll, wenn sie das Herz nicht ausklammert. 

Fotocredit: RDNE Stock Project via Pexels, Symbolbild

Das Löwe-Feuer brennt stark und zuverlässig und schenkt einen Moment der Wärme in den kalten Wintermonaten. Es fordert dich auf, deine Gefühle zu überprüfen:

Was lodert gerade in dir?
Wo spürst du vielleicht nur ein leises Flackern?
Wo darfst du etwas nachlegen?
Wo fühlst du dich ausgebrannt?

Du bist die Hüterin/der Hüter deines Feuers. Sorge gut dafür, dass dir deine innere Wärme erhalten bleibt und achte darauf, dass sie weder erlischt noch zu einem Strohfeuer wird. Dabei entscheidest du ganz allein, was dir guttut und was nicht.

Yoga-Tipp:

Eine Yin-Yoga-Sequenz hilft dir, behutsam mit deinen Gefühlen in Verbindung und bei dir anzukommen. Achtsame Dehnungen, die mal sanft, mal intensiver sein können, und lange Haltungen geben dir Ruhe und genügend Raum für Wahrnehmung. 


3. März 2026: Vollmond im Zeichen Jungfrau (totale Mondfinsternis)

Am 3. März um 12:41 steht der Vollmond im Sternzeichen Jungfrau. Die intellektuelle und bodenständige Energie des Erdzeichens bringt ein Gefühl von Verlässlichkeit und Stabilität bei gleichzeitiger Scharfsinnigkeit. All das bringt uns im Optimalfall innere Klarheit und Ruhe. 

Traditionell wird der März-Vollmond auch Wurmmond oder Lenzmond genannt und symbolisiert als Vorbote des Frühlings Neubelebung und Wachstum.

Totale Mondfinsternis

Zudem erwartet uns ein seltenes Himmelsphänomen: Der Vollmond fällt mit einer totalen Mondfinsternis zusammen und leuchtet in rötlicher Farbe. Als sogenannter „Blutmond“ steht er im Schatten der Erde und versinnbildlicht einen kraftvollen Wendepunkt. Obwohl die spektakuläre Färbung leider nicht überall zu sehen sein wird, können wir die Finsternis trotzdem spüren. Intuition und Sensibilität können jetzt intensiver wahrgenommen werden.

Der Schnee des Winters taut endlich auf und legt offen, was darunter schon zu lange im Verborgenen liegt. Ein alter Zyklus schließt sich, ein neuer beginnt, und der Übergang ist fließend. Lass den Fluss des Lebens zu und verharre nicht in zu starren oder veralteten Vorstellungen. Es ist an der Zeit zu ändern, was sich ändern möchte. 

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Yoga Tipp:

Schaffe mit einem bewussten Flow Verbindung zwischen dir, deinen inneren Zuständen und Bedürfnissen und dem, was dich umgibt.


2. April 2026: Vollmond im Zeichen Waage

Am 2. April gegen 4:12 Uhr steht der Vollmond im Sternzeichen Waage. Das Luftzeichen wird von der Venus beherrscht und ist bekannt für seinen ausgeprägten Sinn für Ästhetik und sein Bedürfnis nach Ausgeglichenheit. Die Sensibilität der Waage öffnet uns für tiefe Verbindungen und lässt uns selbst die feinsten energetischen Veränderungen wahrnehmen.

Das Merkurjahr

Dieser Mond heißt uns außerdem willkommen im neuen astrologischen Jahr:
Seit dem 20. März ist das Venusjahr vorüber und das Merkurjahr hat begonnen. Merkur steht unter anderem für soziale Beziehungen und insbesondere für jegliche Art von Kommunikation. Auf diesen Themen liegt also in nächster Zeit ein besonderer Fokus.

Oft teilen wir einander bereits unbewusst über unser Nervensystem mit, bevor wir überhaupt ins Gespräch gehen. Diese Art der Wahrnehmung äußert sich dann als intuitives Gefühl. Du darfst darauf vertrauen.

Was fühlt sich für dich richtig an?

Foto: Ankit Rainloure via Pexels

Kannst du das spüren? Die Tage werden wieder länger und wärmer und auch die ersten Frühlingsgefühle lassen nicht lange auf sich warten. Doch sei dir bewusst: Jede Täuschung wird früher oder später enttäuschen!
Kannst du Klarheit mit Dankbarkeit empfangen?
Ist das, was du willst, auch das, was dir gut tut?

Der Frühlingsmond, auch „Pink Moon“ genannt, hat das Potenzial, alles in harmonisches Licht zu tauchen, ohne dass du dafür eine rosarote Brille brauchst. Echt zu sein, ist sowieso viel besser als perfekt. Was wäre, wenn du erkennst: Das, worauf du sehnsüchtig wartest, hast du schon längst – alle Voraussetzungen, um in Resonanz zu kommen, schwingen in dir.

Es gibt nur zwei Bedingungen:
1. Du verkörperst deine Wahrheit und gestehst dir zu, dem Leben zu begegnen.
2. Du lässt auch alle anderen sie selbst sein – ohne Wertung – und wendest dich dem zu, was wirklich ist.

Yoga-Tipp:

Begrüße den Tag mit einer Tantra-Praxis und erfahre, wie du in Beziehung zu allem stehst. Spüre, wie alles verwoben ist.


1. Mai 2026: Vollmond im Zeichen Skorpion

Am 1. Mai gegen 19:24 Uhr steht der Vollmond im Sternzeichen Skorpion. Der sogenannte Blumenmond findet am Tag nach der Walpurgisnacht statt und bringt in Kombination mit dem tiefgründigen Wasserzeichen eine mystische Energie mit sich. Intensive Emotionen steigen aus dem Verborgenen empor und verlangen danach, gespürt und losgelassen zu werden. 

Der Skorpion hat die Kapazität, viel zu fühlen, jedoch kann er dabei schnell misstrauisch und eifersüchtig werden. Angestachelt von seiner Gefühlswelt, neigt er mitunter zu dramatischen Kurzschlussreaktionen. 

Foto: LEONIDES MONTES von Pexels

Emotionale Inventur mit zwei Vollmonden im Mai

Nun geht es darum, emotionale Themen ganz genau zu betrachten und dabei eine schonungslose Ehrlichkeit an den Tag zu legen: Wo willst du lieber angreifen, statt dich verletzlich zu machen? Wann fühlst du dich entmachtet? 

Wie kannst du deine Sensibilität als Stärke nutzen?

Versuche einerseits dir diese Fragen zu beantworten, aber andererseits auch über das Reflektieren hinauszukommen: Der Mai bietet mit gleich zwei Vollmonden am ersten und am letzten Tag des Monats die perfekte Gelegenheit, um alte Handlungsmuster gehen zu lassen und neue zu etablieren. Überlege also auch am besten direkt, was du tun kannst, um die Kraft deiner Gefühle in Antrieb umzusetzen. Bleibe dabei jedoch besonnen und klar, und verwechsle trübe Gewässer nicht mit Tiefe.

Yoga-Tipp:

Entfessle deine Kraft mit einer Sequenz für fließende Energie, indem du sanft Blockaden auf der Körperebene löst und deinen Atem frei strömen lässt.


31. Mai 2026: Vollmond im Zeichen Schütze

Am 31.05. steht der Vollmond als „Blue Moon“ gegen 10:45 Uhr im Sternzeichen Schütze. Der besondere Name hat dabei jedoch nichts mit der Farbe zu tun, sondern markiert das eher seltene Ereignis, dass zwei Vollmonde in einem kalendarischen Monat stattfinden. 

Im Englischen gibt es den Ausdruck „once in a blue moon“, was so viel bedeutet wie „äußerst selten“. Mit diesem ungewöhnlichen Phänomen geht daher auch eine bemerkenswerte Intensität einher: Nun können sich überraschende Wendepunkte offenbaren, Emotionen können besonders stark werden und auch die Schütze-Energie ist mehr als deutlich spürbar. 

Das Feuerzeichen ist bekannt für seine leidenschaftliche und zielorientierte Art. Mit mitreißendem Optimismus nimmt der Schütze seine Aufgabe pflichtbewusst ins Visier und lässt sich dabei scheinbar von nichts aus der Ruhe bringen. In seinem Inneren kann es allerdings ganz anders aussehen: Ungeduld und Freiheitsdrang können, wenn sie zu stark werden, dazu führen, dass der Schütze seinen Fokus verliert und sich sprunghaft und unstrukturiert verhält.  

Foto: Janusz Walczak von Pexels

Der Blue Moon lädt dazu ein, uns Zeit zu nehmen und nachzuspüren:

Was ist gerade präsent?
Wo haben Emotionen ihren Ursprung?

Diese Fragen sind oft nicht auf intellektueller Ebene zu lösen. Doch es ist immer wieder überraschend, zu wie viel Klarheit uns das reine Wahrnehmen auf Körperebene verhelfen kann. 

Yoga Tipp: 

Manchmal stecken wir buchstäblich fest zwischen Alltagsverpflichtungen und guten Vorsätzen. Doch die Lösung liegt auf der Hand: Wenn alles zu viel ist, fang im ganz Kleinen an. Schon eine kurze und gut genutzte Auszeit zwischendurch kann uns zurück in Richtung Freiheit und Leichtigkeit führen. 


30. Juni 2026: Vollmond im Zeichen Steinbock

Am 30. Juni gegen 1:56 Uhr steht der Vollmond im Erdzeichen Steinbock. Mit liebevoller Ernsthaftigkeit nimmt uns der Junimond in die Verantwortung, einen ehrlichen Blick auf den aktuellen Ist-Zustand unseres Lebens zu werfen. Die Steinbock-Energie wirkt dabei durch nüchterne Klarheit unterstützend und stabilisierend.

Mercury Retrograde

Merkur; Bildcredit: Mike Norris von Pexels
Bild: Mike Norris von Pexels

Am 29. Juni beginnt Merkur seine Rückläufigkeit im Krebs. Der Planet, der für Organisation und Kommunikation steht, wandert rückwärts durch das gefühlsbetonte Wasserzeichen. Gespräche laufen nun Gefahr, besonders emotional aufgeladen zu sein, Absprachen können schwammig sein und Missverständnisse scheinen vorprogrammiert. Der Vollmond im Steinbock wirkt hier wie ein Gegengewicht. Er hilft uns, die Merkur-Energie auszugleichen und behutsam Ordnung ins Gefühlschaos zu bringen. 

Jetzt ist entscheidend, wie wir mit unserer Zeit umgehen: Verantwortungsvoll zu handeln heißt, auch hier das richtige Maß zu treffen. Entscheidungen sollten weder vorschnell getroffen noch zu lange aufgeschoben werden. In unserer beschleunigten Welt ist es oft förderlich, sich bewusst Zeit zu nehmen und Langsamkeit zu erlauben. So können wir zur Ruhe kommen und bauen gar nicht erst Stressblockaden auf, die uns am Ende im Weg stehen. 

Yoga-Tipp:

In der Ruhe liegt die Kraft – daran erinnern uns der Vollmond im Steinbock und Merkur im Krebs. Durch die Balance des gedrehten Halbmonds (Parivritta Ardha Chandrasana) förderst du körperliche und geistige Stabilität. Gib dir Halt, indem du den Fokus auf deine Nabelregion richtest. 


29. Juli 2026: Vollmond im Zeichen Wassermann

Am 29. Juli gegen 16:35 Uhr steht der Vollmond im Sternzeichen Wassermann – das freiheitsliebendste aller Luftzeichen. Es steht aber auch für soziale Verantwortung, unkonventionelle Lösungen und das große Ganze. Dieser Juli-Vollmond hilft uns authentisch in der Gemeinschaft zu sein und erinnert uns daran, dass Freiheit und Isolation nicht dasselbe sind. 

Dem Mond im Wassermann steht die Sonne im Löwen gegenüber. Er steht für das innere Feuer, den Herzensweg, Individualität und Selbstverwirklichung. Gleichzeitig fordert uns der Wassermann heraus, über uns hinauszuwachsen und zu erkennen, dass wir nicht nur wir selbst, sondern immer auch der Kontext sind. 

Was wäre, wenn deine Authentizität nicht nur für dich befreiend wäre, sondern auch für alle anderen?

Was wäre, wenn deine Individualität nicht nur dich selbst betrifft, sondern ein wichtiger Teil der Gemeinschaft ist?

Das, was du beizutragen hast, ist dein Geschenk an die Welt.
Gehe großzügig damit um!

Yoga-Tipp:

Yoga ist bekanntlich mehr als Gymnastik auf der Matte! Bei einem Kirtan, dem gemeinsamen Singen, kannst du besonders schön erleben, wie deine Stimme zur gemeinschaftlichen Stimmung beiträgt. Wie sie verändert und gleichzeitig verändert wird, und wie sie trotz allem immer noch deine Stimme bleibt.


28. August 2026: Vollmond im Zeichen Fische

orangener Vollmond über Wasser
Bild: Robertk So von Pexels

Am 28. August steht der Vollmond gegen 06:15 Uhr im Sternzeichen Fische. Als typisches Wasserzeichen lenkt dieses unsere Aufmerksamkeit jetzt besonders auf emotionale Themen und intuitive Klärung. Dagegen können wir auf mentaler Ebene vielleicht eine kleine Pause gebrauchen, denn Gedanken können nun schnell die Richtung ändern und alles Rationale wirkt in dieser Zeit eher uneindeutig und verschwommen. 

Partielle Mondfinsternis

Zusätzlich erwartet uns eine partielle Mondfinsternis, durch deren Schatten die tiefgründige und nach innen gerichtete Qualität des gefühlsbetonten Vollmondes noch mal stärker akzentuiert wird. Jetzt ist also der ideale Moment, um aus der Gedankenwelt – dem Reflektieren und Fantasieren – zurück ins Spüren zu kommen. 

Statt immer wieder deinen Kopf mit den Dingen zu beschäftigen, die dir gerade im Nacken sitzen, und hin und her zu überlegen, was war und was in Zukunft und im schlimmsten Fall passieren könnte, frage lieber deinen Körper:
Wie fühlst du dich im Hier und Jetzt?
Kannst du diesen Zustand annehmen?

Und bei allen Fragen, die dich nicht loslassen: Was sagt dein Bauchgefühl?

Yoga Tipp: 

Matsyasana, der Fisch, dehnt Schultern und Nacken, öffnet das Herz und hilft dir, flexibel anzunehmen, was gerade ist. Eine unterstützte Yin-Variante, bei der du deinen Rücken auf ein Kissen legst und dich sanft in die Dehnung gleiten lassen kannst, eignet sich besonders gut zum Loslassen und Entspannen.


26. September 2026: Vollmond im Zeichen Widder

Am 26. September gegen 18:44 Uhr steht der Vollmond im Widder. Das Feuerzeichen symbolisiert Mut, Eigenständigkeit und Tatkraft und lädt uns dazu ein, unsere Unabhängigkeit auf den Prüfstand zu stellen. Gegenüber weist die Sonne in der Waage sanft darauf hin, dass nicht jede Beziehung gleich Abhängigkeit bedeutet, und dass auch nicht jedes Ungleichgewicht direkt ein Problem ist. 

Der Herbstvollmond läutet die Zeit des Loslassens ein und gibt den Impuls, eine Bestandsaufnahme zu machen: Was hält dich auf? Was steht dir im Weg? Was darf gehen, damit du wieder mehr Raum für dich hast? Oft braucht es Kooperation und Zusammenhalt, um Freiheit zu erreichen. Vielleicht erkennst du, dass du nicht alles alleine lösen musst und gewisse Dinge abgeben darfst, um weiter zu kommen. 

Wenn du nicht weißt, an wen du dich konkret wenden könntest, kannst du dazu auch ein Ritual durchführen. Schreibe dafür drei Aspekte, deren Gewicht du nicht weiter tragen möchtest auf einen Zettel und verbrenne diesen in der Vollmondnacht in einer feuerfesten Schale. Überlasse die Asche anschließend dem Wind. 

Yoga Tipp:

Widme dich mit Rückbeugen deiner Wirbelsäule für mehr Selbstbewusstsein, Energie, Offenheit und Flexibilität. Schon eine kurze Sequenz reicht aus, um dich dynamisch zu stabilisieren und auch in turbulenten Zeiten locker zu bleiben.


Die nächsten Vollmonde 2026 im Überblick:

26. Oktober 2026 um 05:09 Uhr im Zeichen Stier

24. November 2026 um 15:50 Uhr im Zeichen Zwilling

24. Dezember 2026 um 02:27 Uhr im Zeichen Krebs


Du möchtest wissen, an welchen Tagen 2026 Neumond ist? Alle Daten und Tipps findest du in unserem Neumondkalender:

YOGAWALK® – Eine neue Dimension der Bewegung

Yogawalk - Yoga und Gehen
Yoga geht neue Wege: Von der Matte hinaus in die Natur // anzeige

Was wäre, wenn Gehen mehr sein könnte als einfach nur vorwärts zu kommen? YOGAWALK® verbindet Gehen, Yoga, bewusste Atmung und Meditation mit der kraftvollen Wirkung der Natur. Daraus entsteht eine neu entwickelte Bewegungsmethode, die Yoga von der Matte holt und in den natürlichen Bewegungsfluss des Gehens integriert. Dabei wir das Gehen selbst zur Yogapraxis!

Das Besondere: Es werden nicht einfach Yogahaltungen während eines Spazierganges praktiziert. Es ist eine absolut neu erschaffene Yogische Gehkunst. Mit dieser Methode lässt sich Yoga ganz einfach in den Alltag integrieren. Du brauchst kein Studio und keine zusätzliche Zeit, du gehst einfach los. Entdecke, wie leicht es sein kann, Körper und Geist in Bewegung zu bringen.

Im Mittelpunkt stehen Körperwahrnehmung, Atmung, Ausrichtung, bewusste Schritte sowie Kräftigung und Dehnung des Körpers – je nach Walk mit unterschiedlichen Schwerpunkten. YOGAWALK® lässt sich überall und jederzeit praktizieren: in der Natur, auf Reisen oder direkt vor der eigenen Haustür. Die Methode wurde entwickelt, um noch mehr Menschen einfachen Zugang zu Yoga kombiniert mit Naturerfahrung zu ermöglichen.

Mehr als Bewegung und Achtsamkeit

Entwickelt wurde die neue Praxis von Mag. art. Marion Bachinger: YOGAWALK® basiert auf zwei Jahren Entwicklungsarbeit und 35 Jahren Erfahrung mit Yoga, Bewegung und Retreats. Dabei geht YOGAWALK® über reine Bewegung und Achtsamkeit hinaus: Je nach Praxis können auch tieferliegende energetische und spirituelle Themen bewusst erfahren, bewegt und transformiert werden. So wird der Weg zu einem Raum für innere Entwicklung, neue Perspektiven und persönliche Veränderung. Aus einem Spaziergang wird eine bewusste Yoga-Praxis. Aus Bewegung wird Achtsamkeit. Aus dem Weg nach draußen wird ein Weg zu dir selbst.

Diese innovative Yogapraxis kann dabei helfen, neue Bewegungsmotivation zu finden, den Körper zu kräftigen, zu dehnen und die Körperwahrnehmung zu verbessern. Wenn man es regelmäßig praktiziert, kann diese Methode auch bei der Gewichtsabnahme unterstützen, denn die Praxis ist sehr effizient und wirkungsvoll.

YOGAWALK® kennenlernen: Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt

YOGAWALK® ist Teil des Walkiness®-Konzepts. Dazu gehören verschiedene geschützte Walk-Formate wie Soulwalk®, Qiwalk® und Holywalk®. Jedes Format setzt eigene Schwerpunkte – von Körperwahrnehmung und Atem über Meditation bis hin zu persönlicher und spiritueller Entwicklung.

Beim YOGAWALK® wird das Gehen für Körper, Atem, Wahrnehmung und innere Ausrichtung zum bewussten Erfahrungsraum. Der SOULWALK® ist ein geführter Weg zur persönlichen Reflexion und Selbstfindung – raus aus dem täglichen Funktionieren und hinein in die eigenen Fragen, Wünsche und Perspektiven. QIWALK® ist eine achtsame Bewegungspraxis, die hilft, Energie bewusst wahrzunehmen und zu speichern und den Energiefluss entlang der Energiebahnen anzuregen. Beim HOLYWALK®, einer spirituellen Geh-Praxis, wird die Verbindung zum Höheren und zur eigenen Spiritualität erfahrbar – als Weg zu innerer Heilung, Transformation und tieferer Verbundenheit.

Dabei geht es nicht darum, einfach nur spazieren zu gehen. „Gehe dich glücklich“ ist der Grundgedanke für die Praxis von WALKINESS. Das Gehen bildet also das Fundament: Zu Beginn werden natürliche Bewegungsabläufe und eine gesunde Ausrichtung von Füßen, Knien, Becken und Wirbelsäule bewusst geschult. Dieses Wissen bildet die Basis für eine gesunde und effiziente Bewegung. Auch das Barfußgehen ist ein wichtiger Bestandteil der Praxis. Laut Clinton Ober, dem US-amerikanischen Begründer der „Earthing“-Bewegung, ist Erdung ein sehr wichtiger Aspekt zur Gesundheitsförderung. So sind wir durch Schuhe beispielsweise isoliert von der Erde, was wiederum den Energiefluss blockieren soll.

FÜR WEN IST YOGAWALK® GEEIGNET?

Nicht nur für die persönliche Praxis, auch für Yogalehrer*innen oder Coaches, die neben Mindset und Verstand auch Körper, Bewegung und Wahrnehmung in ihre Arbeit integrieren möchten eröffnet YOGAWALK® neue Wege für ganzheitliche Entwicklung.

Für Menschen, die etwas verändern mochten: Du möchtest dich mehr bewegen, suchst neue Motivation oder möchtest Bewegung ganz selbstverständlich in deinen Alltag integrieren? Je nach Walk stehen unterschiedliche Schwerpunkte im Mittelpunkt – von Kräftigung und Ausdauer über Gewichtsmanagement bis hin zur Entwicklung von Willenskraft und neuen Gewohnheiten.

Für Yogalehrer*innen: In einer zunehmend vielfältigen Yogabranche kann ein neuer Ansatz dabei helfen, das eigene Angebot unverwechselbar zu gestalten. YOGAWALK® eröffnet die Möglichkeit, frühzeitig Teil einer neuen Form der Yogapraxis zu werden und den eigenen Teilnehmer*innen etwas anzubieten, das über die klassische Mattenpraxis hinausgeht. Wer neue Wege gehen und einen innovativen Ansatz in sein Angebot integrieren möchte, kann mit YOGAWALK® einen Schritt voraus sein. Ein weiterer Vorteil: Du benötigst keinen Yogaraum und keine Raummiete. Die Praxis findet in der Natur, im Park oder auf geeigneten Wegen statt. So lässt sich das Angebot frei und flexibel ohne Kosten gestalten.

Für Coaches und Trainer*innen: Persönliche Entwicklung findet nicht nur im Kopf statt. Die Methode verbindet alles: Bewegung, Körperwahrnehmung, Atem und mentale Ausrichtung. Für Coaches, die ihre Arbeit um eine körperorientierte Methode ergänzen und ihren Klienten neue Erfahrungsräume eröffnen möchten.

YOGAWALK® online lernen

Du bist neugierig geworden und möchtest die Methode Schritt für Schritt erlernen? Dann kannst du mit dem YOGAWALK® ONLINE-PROGRAMM – TEIL 1 beginnen: Das 12-monatige Programm vermittelt die Grundlagen von YOGAWALK® mit geführten Übungen, Videos, 100 unterschiedlichen Walks, Audiodateien, Gehmeditationen und umfangreichen begleitenden Materialien. Dank Online bist du dabei unabhängig und vollkommen flexibel. Dieses Premium online Programm ist für alle, die Yoga nicht nur üben, sondern in ihr Gehen und damit in ihren Alltag integrieren möchten.

YOGAWALK® live erleben

WALKINESS® meets Yogitrip

Wer die Methode nicht online, sondern live und unmittelbar in der Natur erleben möchte, kann sie bei WALKINESS® MEETS YOGITRIP kennenlernen. Die Verbindung von Yoga, Wandern, Visionsfindung, Yogawalk® und Qiwalk® macht dieses Retreat zu einem besonderen Erlebnis: ein abwechslungsreiches, ganzheitliches Programm, das Bewegung, Natur und Selbsterfahrung miteinander verbindet. Eine Reise, die bewegt – körperlich und persönlich.

Live-Retreats für Unternehmen

Walkiness® Retreats gibt es als 1- bis 4-tägige Auszeit in schöner Natur. Ein abwechslungsreiches Programm aus bewusster Bewegung, verschiedenen Walks und genug Zeit für Erholung schafft Raum, um Energie zu tanken, zur Ruhe zu kommen und neue Perspektiven zu entwickeln. Und vor allem zur Gesundheitsförderung und Stressreduktion für Mitarbeiter. Je nach Schwerpunkt des Retreats, können verschiedenen Methoden miteinander kombiniert werden.

Die YOGAWALK®-Entwicklerin Marion Bachinger

Mag. art. Marion Bachinger lebt und arbeitet seit 2009 in Marokko, wo sie gemeinsam mit ihrem österreichischen Partner ihr eigenes privates Retreat-Hotel am Meer betreibt. Sie verbindet langjährige Erfahrung in Yoga, Meditation, Bewegung, Natur und persönlicher Entwicklung mit ihrer besonderen Leidenschaft für das bewusste Gehen. Mit ihrer Yogareiseagentur yogitrip.com hat sie bisher mehr als 3.000 Gäste durch die Wüsten Marokkos geführt. Ihre über viele Jahre persönlich entwickelten und geführten Wüstenwanderreisen mit Yoga und Visionsfindung legten den Grundstein für die Entwicklung von YOGAWALK®. Die intensive Erfahrung, Menschen über Bewegung, Natur und bewusste Wahrnehmung zu begleiten, inspirierte sie dazu, diese Elemente in einer eigenständigen Praxis zu verbinden.

„Jeder einzelne Schritt führt zu mehr Körperbewusstsein – und ein Stück näher zu sich selbst.“

Mag. art. Marion Bachinger

Du willst mehr erfahren? Dann entdecke YOGAWALK® auf www.walkiness.com – der Plattform für bewusstes Gehen und Bewegung.

Neurozentriertes Yoga – Teil 1: Stabilität

Was geschieht eigentlich im Nervensystem, während wir Yoga üben? Genau hier setzt neurozentriertes Yoga an. Die Neurowissenschaftlerin und Yogalehrerin Svenja Borchers erklärt, wie wir die Prozesse in Gehirn und Nerven beim Üben nutzen und stärken können.

Text: Dr. Svenja Borchers / Fotos: Nela König

Zarte Pasteltöne, sanftes Licht und Pflanzenpracht mitten in der Stadt – da rollt man gerne die Matte aus. Die Fotos zu diesem Artikel entstanden im Schöneberger Studio von Yoga für dich Berlin: yfdberlin.com

Unser Gehirn verfolgt in jedem Moment nur ein Ziel: die eigene Sicherheit zu gewährleisten. Es prüft ununterbrochen alle eintreffenden Signale – was wir sehen, hören, fühlen, wie wir uns bewegen und wo wir uns im Raum befinden. Schon kleinste Unstimmigkeiten oder unvorhersehbare Situationen genügen, um die Prioritäten zu verschieben: Der Körper spannt stärker an, Bewegungen werden eingeschränkt, der Herzschlag beschleunigt sich. Wir spüren eine subtile Unruhe – und können uns nicht mehr wirklich auf das Wesentliche konzentrieren.

Daher ist Sicherheit zentral für den methodischen Rahmen des neurozentrierten Yoga. Das SAFE-Prinzip steht für Stärken, Atmen, Fühlen, Erkunden und zeigt, wie wir unser Nervensystem in der Yogapraxis unterstützen können: Wir beginnen mit dem Stärken, der bewussten Ausrichtung und Stabilisierung des Körpers. Besonders die Rumpfmuskulatur spielt hier eine Schlüsselrolle – sie hält uns nicht nur aufrecht, sondern ist eng mit unseren Emotionen verbunden. Haben wir das Gefühl, uns auf unseren Körper verlassen zu können, lässt sich der nächste Schritt leichter integrieren: das Atmen. Mit einem gesunden Atemmuster stellen wir Balance im autonomen Nervensystem her und können Sicherheit innerlich spürbar machen. Darauf folgt das Fühlen: bewusst innehalten, wahrnehmen, was wir brauchen, und unsere Batterien wieder aufladen.

Erst wenn diese Basis geschaffen ist, öffnet sich der Raum für das Erkunden. Hier liegt der Schlüssel für Entwicklung und Lernen: spielerisch Neues ausprobieren, Bewegungen variieren, Augen- oder Gleichgewichtsübungen einbinden. Erkunden bedeutet, das Nervensystem herauszufordern, ohne es zu überlasten – und dabei Freude und Leichtigkeit zu bewahren. So ergibt sich ein SAF+E-Prinzip: Stabilität, Atmung und Fühlen bilden die Grundlage – das Erkunden setzt die Krone darauf. Die Schwerpunkte kann man variieren und individuell anpassen. Entscheidend ist, dass die Praxis Freude bereitet und uns dabei unterstützt, mit dem eigenen Körper in einen guten Dialog zu treten. Die Übungsserien greifen alltagsnahe Themen auf, die diese Prinzipien in unterschiedlichen Gewichtungen sichtbar machen. Im ersten Teil widmen wir uns der Stabilität.

Stabilität – Vertrauen schaffen

Stabilität meint sehr viel mehr als Muskelkraft oder Balance. Es geht um ein tiefes Gefühl von Sicherheit im eigenen Körper. Unser Körper ist unser Zuhause – je stabiler und verlässlicher wir ihn wahrnehmen, desto leichter können wir uns innerlich entspannen und zugleich den Herausforderungen des Lebens gewachsen sein. Ein Beispiel: Stell dir vor, du stolperst. Wenn deine Wahrnehmungssysteme gut zusammenspielen, reagierst du stabil: Der Körper fängt dich ab, der Herzschlag beruhigt sich rasch, und du gehst gelassen weiter. Fehlt hingegen Vertrauen in die Signale aus Gelenken, Augen und Gleichgewichtssystem, entsteht Unsicherheit – der Körper verspannt, die Schritte werden vorsichtiger, und die Aufmerksamkeit bleibt beim Stolpern hängen.

Stabilität ist also nicht nur eine Frage der Muskeln, sondern vor allem des Vertrauens in die eigene innere Steuerung. Es sind drei Systeme, die Stabilität herstellen: Propriozeption (Körperbewusstsein bezüglich der Position von Gelenken und Muskeln), visuelles System (Augen, Sehnerven und Verarbeitung von optischen Informationen im Gehirn) und vestibuläres System (Gleichgewichtsorgan im Innenohr, Orientierung in Bewegung und Raum). Sie arbeiten eng zusammen, um uns aufrecht zu halten, flexibel zu reagieren und uns in jeder Situation sicher zu bewegen. In der neurozentrierten Yogapraxis bedeutet das: Wir üben nicht nur Haltungen, sondern stärken auch aktiv die Fähigkeit, Stabilität zu erzeugen.

Die stille Basis

Ein wesentlicher Faktor ist dabei die reflexive Stabilität, also automatische Reaktionen, die wir nicht willentlich steuern. Sie sorgen dafür, dass wir beim Stolpern das Gleichgewicht halten, bei einseitigen Bewegungen nicht zur Seite kippen oder den Körper bei feinen Mobilisierungen stabilisieren. Indem wir in der Yogapraxis gezielt Eingangssignale – etwa aus Augen, Gleichgewicht oder Gelenken – trainieren, können wir auch diese reflexive Stabilität verbessern. Das Nervensystem reagiert schneller, unsere Bewegungen wirken müheloser und wir fühlen uns sicherer. So können bewusste Kraft, Beweglichkeit und Gelassenheit überhaupt erst entstehen.

1. Check-in-Meditation

Svenja Borchers, Meditation, Neurozentriertes Yoga

Bevor wir Stabilität im Außen finden, beginnt sie im Inneren: Wenn wir uns mit uns selbst verbinden und die Signale unseres Körpers bewusst wahrnehmen, entsteht Vertrauen und innere Sicherheit. Diese kleine Selbstreflexion schenkt dir Klarheit über deinen momentanen Zustand – und hilft dir, Bedürfnisse zu spüren, ohne sie zu bewerten.

So geht’s: Setze dich bequem in den Fersensitz, gerne auch erhöht auf Kissen oder Block. Wenn es für dich angenehm ist, schließe die Augen und richte den Fokus nach innen. Spüre zunächst in deinen Körper hinein. Welche Bereiche melden sich gerade? Welche Empfindungen sind präsent? Nimm dann wahr, wo du deine Atmung spürst. Erlaube dir, dich mit jeder Ausatmung ein Stück tiefer zu entspannen. Richte den Fokus nun auf den Geist: Welche Gedanken ziehen vorbei? Nimm sie wahr, ohne sie festzuhalten oder zu bewerten. Öffne schließlich langsam wieder die Augen und kehre mit einem frischen Blick zurück in den Moment.

Der zweite wichtige Faktor ist die Erdung, es geht also nicht um starres Halten, sondern um innere Verankerung. Wenn wir uns gut geerdet fühlen, entsteht Vertrauen – in unsere Bewegungen, in den Atem und in den Fluss des Lebens. Neurozentriertes Yoga knüpft hier an: Indem wir Stabilität von innen schaffen, stärken wir unsere „Wurzeln“. Wir spüren den Kontakt zum Boden, richten uns auf und erleben zugleich Leichtigkeit nach oben. Sobald das Gehirn mehr Vertrauen in die Signale aus Körper und Umwelt hat, reduziert es überflüssige Spannung. Bewegungen werden leichter, Atmung und Herzschlag regulieren sich, der Geist wird ruhiger. Stabilität ist damit die Basis für Freiheit, Anpassungsfähigkeit und Lebendigkeit.

2. Stabilität aus der Körpermitte

Svenja Borchers, Stabilität aus der Körpermitte, Neurozentriertes Yoga
Svenja Borchers, Stabilität aus der Körpermitte 2

Die tiefen Bauchmuskeln stabilisieren wie ein inneres Korsett die Lendenwirbelsäule, unterstützen die aufrechte Haltung und regulieren den Bauchinnendruck. Besonders Transversus abdominis und schräge Bauchmuskeln sind entscheidend für das Gefühl von Stärke und Sicherheit im Rumpf.

So geht’s: Lege dich auf den Rücken, die Füße aufgestellt, die rechte Hand ruht auf den unteren Rippen. Aktiviere sanft die Bauchmuskeln, sodass die Abstände zwischen den Rippen flacher werden. Hebe einatmend den linken Arm und den rechten Oberschenkel in die Senkrechte. Mit der Ausatmung streckst du dich diagonal: Führe den Arm hinter den Kopf und strecke das rechte Bein. Gehe nur so weit, wie du deine Körpermitte stabil halten kannst: Leichter wird es, wenn Arm und Bein eher senkrecht bleiben, intensiver, wenn du weiter Richtung Boden gehst. Wiederhole die Bewegung im Einklang mit deinem Atem etwa 10 Mal, dann wechsle die Seite.

3. Low Lunge mit Feedback

Svenja Borchers, Low Lunge mit Feedback, Neurozentriertes Yoga

Stabilität entsteht auch durch die bewusste Ausrichtung im Raum. In dieser Haltung kräftigst du die Gesäßmuskeln und schulst gleichzeitig dein Körperbewusstsein. Durch das taktile Feedback deiner Hände gibst du deinem Gehirn zusätzliche Orientierung, so wird die Verbindung zur Rumpfmuskulatur klarer spürbar.

So geht’s: Setze den linken Fuß aus einer stehenden Vorwärtsbeuge nach hinten und lege das Knie am Boden ab. Den hinteren Fuß kannst du entweder flach ablegen oder die Zehen aufstellen. Richte den Oberkörper auf, bis beide Knie etwa 90 Grad gebeugt sind. Die linken Gesäßmuskeln unterstützen dich dabei, das Becken aufzurichten. Achte darauf, dass dein linker Sitzbeinhöcker genau über dem Knie ausgerichtet ist. Nutze nun deine Hände als Feedback: Lege eine Hand an den Hinterkopf und die andere an deine vorderen Rippen. So spürst du deine Aufrichtung und die Aktivität deiner Rumpfmuskulatur. Überprüfe auch deine Gesäßmuskeln – durch Berührung aktivierst du sie leichter und schulst dein Körperbewusstsein. Wiederhole die Übung auf der anderen Seite.

4. Dynamische Goddess-Haltung

Svenja Borchers, Dynamische Goddess-Haltung

Stabilität hängt eng zusammen mit Beweglichkeit und Körperkontrolle. Hier mobilisierst du die Wirbelsäule und schulst zugleich dein Körperbewusstsein. Die Bewegung mag sich ungewohnt anfühlen, doch gerade das macht sie so wertvoll: Neue Informationen für dein Gehirn erweitern deine innere Landkarte.

So geht’s: Stelle die Füße in eine sanfte Grätsche. Hebe die Fersen leicht an und drehe sie nach innen, sodass die Zehen etwas nach außen zeigen. Die Rotation kommt aus den Hüften. Beuge die Knie leicht, als würdest du auf einem Pferd sitzen. Überprüfe mit den Händen am Kreuzbein und Unterbauch, ob dein Becken aufrecht und neutral ist. Falls nicht, wähle einen etwas engeren Stand oder rotiere die Hüften weniger stark. Lege deine Hände ans Becken, um sicherzustellen, dass es stabil bleibt. Beginne nun, dein Brustbein abwechselnd nach rechts und links zu schieben – stell dir vor, es gleite horizontal auf einer unsichtbaren Schiene. Wenn dir das leicht fällt, erweitere die Bewegung zu kleinen Kreisen.

5. Stabilität durch Blickkontrolle

Svenja Borchers, Stabilität durch Blickkontrolle, Neurozentriertes Yoga

Auch die Augen spielen eine zentrale Rolle für Stabilität. Mit einfachem isometrischem Training stärkst du die Augenmuskeln, schulst die Fixierfähigkeit und gibst deinem Gehirn klare Orientierungssignale. Lerne die Übung im Sitzen oder stabilen Stand kennen– später kannst du sie auch in Yogahaltungen integrieren.

So geht’s: Wähle eine für dich bequeme Sitzhaltung mit aufgerichteter Wirbelsäule. Hebe die rechte Hand auf Augenhöhe, der Daumen zeigt nach oben. Richte den Blick auf deinen Daumennagel. Führe den Daumen dann wie auf einem Ziffernblatt zu verschiedenen Positionen und halte den Blick jeweils für etwa 5 Sekunden stabil. Achte dabei darauf, dass dein Kopf ruhig bleibt. Wenn er sich mitbewegen möchte, lege einen Finger der freien Hand sanft ans Kinn. Nutze für die Blicke nach rechts den rechten Arm, für die linke Seite den linken. Die Schultern bleiben entspannt, der Atem fließt ruhig.

6. Gleichgewicht schulen

Svenja Borchers, Gleichgewicht schulen auf einem Bein

Das Gleichgewichtssystem im Innenohr reagiert stark auf Kopfbewegungen. Kombinieren wir diese mit Balancehaltungen, trainieren wir besonders unsere reflexive Stabilität.

So geht’s: Stelle dich stabil hin. Drehe den Kopf nacheinander nach rechts, links, rechts oben, rechts unten, links oben und links unten. Halte jede Position für ca. 5 Sekunden und kehre zur Mitte zurück, bevor du weitergehst. Beobachte, wie sich Spannung und Körpergefühl dabei verändern. Wiederhole die Übung dann in einer einfachen Balancehaltung wie dem Baum. Wenn du magst, starte mit dem Fußballen am Boden, um dich sicher zu fühlen. Steigere die Schwierigkeit, indem du den Fuß am Oberschenkel platzierst und die Kopfbewegungen dort ausprobierst. Wiederhole die Übung auf der anderen Seite.

7. Seitstütz mit aufgesetztem Knie

Svenja Borchers, Seitstütz mit aufgestelltem Knie, Neurozentriertes Yoga

Hier geht es um Stabilität und Körperspannung: Sobald im Seitstütz die Gesäß- und tiefen Bauchmuskeln nicht aktiv sind, wird die Haltung instabil. Mit dieser Variante schulst du die Ausrichtung deiner Körpermitte, stärkst deine Rumpfmuskeln und erfährst gleichzeitig eine Dehnung der seitlichen Körperpartien.

So geht’s: Beginne im Vierfüßlerstand und strecke das rechte Bein mit aufgesetzten Zehen nach hinten. Ziehe die Hände sanft nach hinten, um besonders das linke Schulterblatt zu stabilisieren. Drehe dann den rechten Fuß am Boden parallel zum hinteren Mattenrand und rotiere die rechte Schulter nach oben Richtung Decke, sodass die Körpervorderseite in den Raum zeigt und nicht mehr zum Boden. Lege die rechte Hand an deine Hüfte, um deine Ausrichtung zu kontrollieren. Aktiviere jetzt bewusst die Gesäßmuskulatur und die tiefen Bauchmuskeln. Stell dir vor, du schließt die unteren Rippenbögen und ziehst sie sanft nach innen, ohne den Rücken rund werden zu lassen. Wenn du Stabilität gefunden hast, entspanne den Nacken und lass den Kopf mit der Schwerkraft sinken. Diese ungewohnte Kopfposition fordert deine Balance zusätzlich heraus. Fällt dir auch das leicht, hebst du wie auf dem Bild das rechte Bein und zeichnest kleine Kreise in die Luft. Diese „Perturbation“ – eine gewollte Störung – trainiert deine reflexive Stabilität besonders intensiv. Wiederhole die Übung auf der anderen Seite.

8. Dynamische Schulterbrücke

Svenja Borchers, Dynamische Schulterbrücke

Zum Abschluss verbinden wir innere Kraft mit Erdung und Entspannung. In dieser Variante der Schulterbrücke geht es nicht um eine tiefe Rückbeuge, sondern um die kontrollierte Ansteuerung der Wirbelkette. Die Gesäßmuskeln geben dir Kraft, während Bauchmuskeln und Atem dafür sorgen, dass der untere Rücken lang und stabil bleibt.

So geht’s: Lege dich mit aufgestellten Füßen auf den Rücken. Kreuzbein, Schulterblätter und Hinterkopf haben gleichmäßigen Bodenkontakt, die Arme ruhen zunächst längs vom Körper. Drücke die Füße dann aktiv gegen den Boden und rolle mit der Einatmung das Becken und den unteren Rücken Wirbel für Wirbel nach oben. Mit der Ausatmung legst du den Rücken wieder langsam ab. Wiederhole diesen Ablauf mindestens 5 Mal. Lege dann die Arme wie auf dem Foto in Verlängerung des Körpers über den Kopf, und setze die Bewegung im Atemrhythmus fort. Du spürst, wie sich die Körperseiten und das Zwerchfell dehnen und du für die Ansteuerung mehr Rumpfstabilität brauchst. Zum Abschluss bleibe einige Atemzüge lang ruhig am Boden liegen. Spüre nach und nimm wahr, wie die Praxis in dir nachklingt.


Dr. Svenja Borchers ist Neurowissenschaftlerin, Yogalehrerin, Neuroathletik- und Breath-Coach. In ihrem Buch „Neurozentriertes Yoga“ verbindet sie aktuelle Erkenntnisse aus der Gehirnforschung mit traditioneller Yogapraxis und zeigt, wie wir durch ein tieferes Verständnis unseres Nervensystems mehr Stabilität, Gelassenheit und Lebendigkeit entwickeln können.
svenjaborchersyoga.de

Dieser Beitrag stammt aus dem Yogaworld Journal 06/25.

So geht’s weiter: Im Oktober setzen wir unsere Mini-Serie zu neurozentriertem Yoga fort mit spielerischen Übungen zur Koordination, im nächsten Beitrag wird es dann um die entspannende Verbindung nach innen gehen.

Advaita Vedanta – Von Bewusstsein, Wahrheit und Wirklichkeit

Wolken, Symbolbild für Advaita Vedanta

Eine Gedankenschule nennen es die einen, eine religiöse Tradition die anderen. Für James Swartz, einen ihrer renommiertesten Lehrer, ist Vedanta eine Wissenschaft. Ein Interview über Wahrheit – und darüber, was der Gang zum Supermarkt oder ein Löwe in der Sonne damit zu tun haben.

Interview: Carmen Schnitzer / Titelbild: Ritthichai von Getty Images Pro

Als Journalistin bemühe ich mich ja, möglichst wahre, authentische Artikel zu schreiben. Aber soweit ich Vedanta verstanden habe, geht es um eine andere Art Wahrheit, als diese, richtig?

Richtig, es gibt die Wahrheit, die wir selbst definieren – und dann eine allgemeine, die für alle gut und richtig ist, die alle Menschen als Wahrheit erkennen können.

Je mehr ich über Vedanta gelesen habe, desto mehr habe ich das Gefühl, ich müsste sozusagen verlernen zu lernen.

Das ist nachvollziehbar, denn du bist gewohnt, in Dualitäten zu denken – zum Beispiel hast du den Eindruck, dass ich hier in Berlin sitze und du in München bist, während wir uns über Videochat unterhalten. Aus Sicht unserer Sinnesorgane ist das auch richtig. Vedanta aber sagt: Das ist nur eine Erscheinung, keine Tatsache. Wenn man den eigentlichen Ort der eigenen Erfahrung analysiert, ist dieser Ort das Bewusstsein. Wir sind also beide bewusste Wesen, die denken, tun und fühlen – das könnten wir nicht, wenn wir nicht bewusst wären. Es gibt also ein Fundament, das uns beide umfasst: Hier bist du, da bin ich, und dann gibt es diesen dritten Faktor, der uns eint. Ohne bewusst zu sein, kannst du dich nicht als Menschen erkennen und mich nicht als Menschen. Eine Katze kann keine Katze sein, wenn sie sich dessen nicht bewusst ist. Ein Vogel könnte ohne Bewusstsein nicht fliegen. Nichts kann sich ohne Bewusstsein bewegen – das ist die Idee. Aber so zu denken sind wir nicht gewohnt.

Ich glaube, ich habe eine Ahnung, um was es geht – aber das in Worte zu fassen ist nicht einfach.

Das ist im Grunde das Schöne an Vedanta – es ist eine Wissenschaft dieser Existenz! Dieses Leuchtens, dieses Bewusstseins. Und Wissenschaft ist letztlich unpersönlich, nicht teilbar in zum Beispiel diese James-Person und jene Carmen-Person. Es wirken letztlich immer diese zwei Dimensionen – die unpersönliche, wissenschaftliche, bei der Fakten einfach Fakten sind. Und daneben die persönliche mit ihren Glaubensvorstellungen, Meinungen, Geschichten und all dem.

Unser Körper, unser Aufenthaltsort und so weiter – die sind also Illusion, aber gleichzeitig Werkzeuge, mit deren Hilfe wir Kontakt aufnehmen und interagieren können?

Ja, genau. Es sind Instrumente. Dein Bewusstsein nutzt deinen Körper und deinen Geist, um zu kommunizieren. Und Vedanta ist eine sehr einfache, perfekte Sprache dafür. Sie wurde offenbart und verfeinert, damit spirituelle Menschen sich über Tieferes austauschen können als lediglich ihre eigenen Erfahrungen.

Ich glaube, was das Begreifen so schwer macht, ist, dass „Illusion“ so schnell klingt nach: „Das bildest du dir nur ein, da ist eigentlich nichts.“

Aber nein, eine Illusion ist nicht nichts! In der modernen spirituellen Welt gibt es immer wieder Menschen, die von Nicht-Dualität sprechen und dann behaupten, „nichts“ zu sein. Aber wie kannst du das behaupten, wenn du nicht etwas bist? Warum sollte ich jemandem zuhören, der behauptet, nicht zu existieren? Wenn jemand in diesem Zusammenhang das Wort „nichts“ benutzt, kannst du davon ausgehen, dass er die Realität oder die Existenz nicht wirklich analysiert hat.

Okay, also: Meine Haare, meine Augen, mein Körper, mein Besitz und so weiter existieren, …

… aber sie sind nicht real, genau.


Was ist Advaita Vedanta

„Ende des Wissens“ bedeutet Vedanta übersetzt, Advaita wiederum heißt so viel wie „Nicht-Zweiheit“. Hinter Advaita Vedanta verbirgt sich die heute bedeutendste Richtung der philosophisch-spirituellen Hindu-Tradition Vedanta – im Zentrum steht die Vorstellung von der Nicht-Dualität der Welt beziehungsweise ihrer All-Einheit. Nur Brahman, das absolute, unendliche Bewusstsein, ist wirklich; die Welt der Vielfalt dagegen ist letztlich eine kosmische Illusion (Maya). Das wahre Selbst des Menschen (Atman) wiederum ist letztlich identisch mit Brahman, nur sozusagen „verpackt“ in unserer menschlichen Hülle. Trennung, Ego und Leiden entstehen durch Unwissenheit (Avidya), welche durch Erkenntnis, Selbsterforschung und Meditation aufgelöst werden soll. Wer erkennt, dass das eigene Bewusstsein nicht individuell begrenzt, sondern Ausdruck desselben grenzenlosen Seins ist, erlebt Befreiung (Moksha) ein – ein Zustand inneren Friedens und Klarheit, der schon im Leben erfahrbar sein soll.


Puh. Und darum lohnt es sich, Illusion hin oder her, trotzdem für Liebe, Frieden, Wahrheit und so weiter zu kämpfen?

Du könntest nicht an deinem Karma arbeiten, wenn du nicht existiertest. So etwas wie Nicht-Existenz gibt es nicht. Weißt du, da, wo ich herkomme, aus dem Westen der Vereinigten Staaten, aus Montana, da wirst du überall Souvenirs finden, die ein Tier namens Jackalope zeigen – eine Art Feldhase mit Geweih. Es gibt allerdings kein Tier namens Jackalope, das durch die Prärien von Montana, Wyoming und Oregon hüpft. Das ist eine Erfindung von Menschen.

Wir haben hier in Bayern etwas Ähnliches, den Wolpertinger. Aber gut, anders als Jackalope und Wolpertinger existiert mein Körper tatsächlich. Kann man sagen, das Problem beginnt, wenn ich mich, mein Selbst, damit identifiziere?

Ganz genau! Es geht um Fehlidentifizierung. Du hast einen Körper, aber du bist nicht dieser Körper. Du bist quasi Zeugin deines Körpers. Du siehst deinen Körper als Objekt, nicht wahr?

Ähm, ja.

Eben. Und da sagt Vedanta: Du bist niemals das, was du siehst. Was du siehst, ist das Objekt, das Bewusstsein ist das Subjekt. Wenn du also sagst: „Ich bin zum Supermarkt gelaufen …“

… müsste ich eigentlich sagen: „Mein Körper ist zum Supermarkt gelaufen.“

Exakt. Und du hast deinen Körper dabei beobachtet. Du warst die ganze Zeit dieselbe Person, deren Körper sich einfach von einem Ort zum anderen bewegte und das tat, was dein Ich, das Bewusstsein, beobachtete. Dein Bewusstsein selbst dagegen kann nichts tun, weil es keine Hände, Füße, Augen, Ohren, Nase, Geschlechtsorgane und all das hat. Aber natürlich kannst du ruhig sagen: „Ich bin zum Supermarkt gelaufen.“ Auch wenn es nicht wirklich so ist. Dein Bewusstsein versorgt und erschafft quasi deinen Körper, daher kann es sich ihn auch zu eigen machen. Das Bewusstsein selbst kann sich aber nicht bewegen, weil es nur Bewusstsein gibt. Es ist die Basis der Existenz. Und Existenz ist quasi ein Leuchten des Bewusstseins.

Das klingt sehr schön. Nun wird es allerdings Menschen geben, die sagen: Mir doch egal, ob ich mein Körper bin oder einen Körper habe.

Dann würde ich fragen: „Bist du vollkommen zufrieden mit dir selbst, so wie du bist, zu jedem Zeitpunkt? Und vollkommen zufrieden mit der Welt der Objekte, so wie sie in jedem Augenblick ist?“ Falls ja – wunderbar, dann haben wir nichts weiter zu besprechen.

Aber da wird kaum jemand ehrlich Ja sagen.

Eben. Mit Ausnahme von einigen Menschen, die Vedanta leben, vielleicht, aber es ist sehr selten.

Vedanta ist also ein Weg, Glückseligkeit zu finden – beziehungsweise zu erkennen?

Ja. Denn das Wesen des Selbst ist Glückseligkeit. Ich hatte bis vor Kurzem eine Katze, die ich abgeben musste, weil ich mein Haus verkauft habe und noch nicht genau weiß, wo es mich hin verschlägt. Diese Katze jedenfalls, die hat verstanden, was Glückseligkeit ist. Ein Baby versteht es auch. Oder ein in der Sonne ruhender Löwe. Die sind nicht bewusstlos. Die genießen einfach ihr Dasein, fühlen sich vollständig und erfüllt. Weil sie ihrer gottgegebenen Natur folgen, so könnte man es vielleicht ausdrücken.

Glückseligkeit bedeutet, sich seiner Vollständigkeit bewusst zu sein?

So ist es. Glückseligkeit bedeutet Fülle und Vollständigkeit. Wenn man sich seiner selbst nicht bewusst ist, fühlt man sich unvollständig, unzulänglich, getrennt und einsam. Man empfindet eine Reihe unangenehmer Gefühle. Sobald du erkennst, wie vollkommen und rein du bist, verschwinden all deine Sehnsüchte, dich auf verschiedenen Wegen zu „vervollständigen“. Dann ruht man einfach in sich, als vollständiges, glückliches Wesen. So wie meine Katze.

James Swartz
James Swartz, Foto: privat

Wie ist das mit Entscheidungen? Wir können ja nicht einfach zufrieden vor uns hindämmern, wir müssen tagtäglich entscheiden, was wir tun wollen oder sollen?

Wenn du wirklich in dir ruhst, musst du dich nicht entscheiden. Jede Entscheidung, die dein Dasein dir vorgibt, ist in Ordnung. Du kannst sagen, du überlässt die Entscheidungen Gott, wenn du es religiös ausdrücken möchtest. Weißt du, es geht heutzutage in unserer Gesellschaft ganz viel um das „Ich“: Ich habe diese Ausbildung gemacht, diese Kinder bekommen, dieses Haus gebaut … Aber Vedanta sagt, dass derjenige, der behauptet, etwas getan zu haben, dies nur im Zusammenwirken aller anderen Faktoren im Bereich der Existenz tun kann. Handlungen bestehen nicht nur aus einer Person, die sie ausführt. Es sind viele, viele Faktoren erforderlich, um eine Handlung hervorzubringen. Du brauchst Wahrnehmungs- und Handlungsorgane, dein Nervensystem und so weiter, die du nicht selbst geschaffen hast. Gott hat sie dir gegeben. Dann brauchst du ein emotionales Zentrum. Du musst Emotionen erzeugen. Du musst unterscheiden können, Dinge miteinander vergleichen. Und handeln. Außerdem brauchst du den Gedanken: Ich handle. Und das Bewusstsein, die Achtsamkeit. Du musst existieren, sonst kannst du nicht handeln. Wenn du mal darüber nachdenkst, wie viele Faktoren nötig sind, nimmt dir das doch eigentlich den Stress als Handelnde, oder? Dann kannst du entspannen.

Theoretisch ja.

Auch praktisch. Ich lasse mir vom Universum einfach sagen, was es für mich will. Und selbst wenn es mir etwas gibt, was ich nicht will, habe ich die Kraft zuerkennen, dass auch das gut für mich ist. Das Universum sagt mir damit, dass ich einen Gedanken, eine Handlung, eine Überzeugung oder eine Meinung korrigieren muss, um mir den Kummer zu ersparen, unpassende Handlungen und Folgen zu erleiden. Unsere handelnde Wesenheit möchte genießen, nicht leiden. Das ist normal. Aber du kannst die Folgen deines Handelns nicht kontrollieren. Du trägst dazu bei, aber das gesamte Feld deiner Existenz kommentiert ständig, was es für dich und sich als gut erachtet. Entspann dich und lass sich die Dinge einfach natürlich entwickeln.

Leichter gesagt als getan.

Nimm dir nicht zu viel auf einmal vor. Jeden Tag ein wenig Karma- oder Bhakti-Yoga hilft. Also handelndes, hingebungsvolles Yoga, jenseits von Asana und Pranayama. Obwohl die natürlich auch unerlässlich sind. Du wirst das Konzept nicht verstehen, wenn du nicht auch an deiner äußeren Ausstattung arbeitest. Yoga ist grundsätzlich ein guter Weg, Nicht-Dualität zu verstehen.


Carmen_Schnitzer, Autorin Yoga Journal

Sich nicht zu viel auf einmal vornehmen: Diesen Abschluss-Rat von James Swartz will die FOMO*-geplagte Carmen Schnitzer in vielfacher Hinsicht beherzigen. Denn wer auf zu vielen Hochzeiten tanzt, tanzt in Wahrheit auf keiner richtig. *FOMO = Fear of missing out

10 Minuten für mehr Energie-Flow am Morgen

Eine energetisierende morgendliche Praxis kann wie ein natürliches Stimulans wirken. Sie macht dich fit für einen produktiven Tag. Vor allem Rückbeugen wecken den Körper auf, dehnen und strecken Wirbelsäule und Hüftgelenke und führen dich von der nächtlichen Erholung in eine energiegeladene Offenheit. So startest du hellwach und voller Energie-Flow in den Tag.

Sequenz: Paige Elenson / Fotos: Jeff Nelson

Zeiteinteilung

Bleibe in jeder Haltung 10 bis 12 Atemzüge lang (das entspricht etwa 1 Minute). Bei asymmetrischen Haltungen hingegen bleibst du 5 bis 6 Atemzüge lang auf jeder Seite. Dann wiederholst du die gesamte Reihe zwei weitere Male in einer dynamischen Folge, bei der du die einzelnen Asanas jeweils nur einen Atemzug lang hältst.

Tipp: Die Sequenz ist dynamisch und fordernd. Lass dich deshalb von den Zeitangaben nicht unter Druck setzen und pausiere ruhig mal zwischen den Übungen. Insbesondere kann es wichtig sein, die Handgelenke zwischendurch zu entspannen.

Zur Einstimmung

Strecke zuerst in Balasana (Stellung des Kindes) mit weit geöffneten Knien die Arme nach vorn, atme tief und sammel Energie, um mit den kommenden Bewegungen zu beginnen.

1. Katze – Kuh

Richte nun den Vierfüßlerstand ein: Die Handgelenke sind unter den Schultern und die Knie unter den Hüften ausgerichtet. Dann beginnst du, die Wirbelsäule rhythmisch zu bewegen. Hierbei sinkt bei jeder Einatmung der Bauch nach unten und du hebst Sitzknochen und Brust. Ausatmend lässt du dann den Kopf und das Steißbein sinken und rundest den Rücken nach oben für die Katze.

Ziehe für den Energie-Flow anschließend im Vierfüßlerstand den Bauch Richtung Wirbelsäule. Hebe hier dein rechtes Bein und linken Arm und greife mit der Hand (oder mit Hilfe eines Gurtes) nach dem Fuß. Der Fuß schiebt währenddessen gegen die Hand, du weitest die Brust in eine Rückbeuge mit leichter Drehung und hebst sanft den Kopf. Das erzeugt Hitze und fördert das Gleichgewicht. Danach wechselst du den Vierfüßler die Seiten.

2. Tisch, Variation

3. Hund mit Knie zur Nase

Hund_Knie_Yogajournal

Aus dem Vierfüßlerstand kommst du jetzt in den nach unten schauenden Hund. Hebe danach das rechte Bein und strecke es nach hinten, dann rundest du den Rücken und ziehst das Knie zur Nase. Das Becken steht währenddessen tief, der obere Teil der Wirbelsäule ist gehoben, du schmiegst den Oberschenkel zur Brust und schiebst die Hände fest gegen die Unterlage. Über den herabschauenden Hund wechselst du anschließend die Seiten.

4. Flip Dog, Variation

Aus dem Hund hebst du als nächstes den rechten Arm und den rechten Fuß und drehst dich auf dem linken Fuß, um Rumpf und Becken zur Decke zu wenden. In dieser Haltung setzt du danach den rechten Fuß wieder neben den linken und streckst den rechten Arm hinter den Kopf. Währenddessen bleiben die Füße parallel und drücken fest gegen die Unterlage. Über den Hund wechselst du des Weiteren die Seite.

5. Vasishthasana, seitliches Brett

Aus dem Hund schiebst du dann die Fersen nach rechts und verlagerst das Gewicht auf rechte Hand und rechte Fußaußenkante. Den linken Fuß setzt du dafür auf den rechten oder davor. Aktiviere nun die Oberschenkel, schiebe Hand und Fuß fest gegen die Matte und hebe das Becken. (Wenn das zu wackelig ist, lege das untere Knie ab.) Den linken Arm streckst du anschließend nach oben. Über den Hund wechselst du jetzt die Seiten.

6. Shavasana

Beende die Praxis mit 3 Minuten in Shavasana (Totenstellung).

Diese Home Practice stammt aus dem YOGA JOURNAL 03/2015.


Paige Elenson ist Lehrerin für Baptiste Power Yoga. Als Mitbegründerin des Africa Yoga Projects lebt sie in Nairobi, wo sie gemeinsam mit Walter Mugwe, dem Model dieser Sequenz, jungen Kenianern Yoga näherbringt. Instagram: @paigeelenson und @waltermugwe


Hier findest du eine weitere Sequenz für fließende Energie:

Yoga und Rheuma: Keine Angst vor Bewegung

Schonen war gestern: Heute empfiehlt die moderne Medizin sogar ausdrücklich, sich bei Rheuma bzw. rheumatoider Arthritis zu bewegen. Was viele nicht wissen: Die Erkrankung trifft bei weitem nicht nur ältere Menschen – und Yoga kann eine wichtige Unterstützung sein.

Text: Nici Tannert / Titelbild: Vlada Karpovich von Pexels via Canva

Marisa Knecht hat nebenbei in einer Bäckerei gejobbt, als die Schmerzen begannen: Wenn sie nach der Zange griff, um Brötchen in die Papiertüte zu packen, taten ihr die Fingergelenke weh. Es wurde immer schlimmer. Damals war sie 19. Bald kamen Gelenkschmerzen in den Füßen dazu. Zuerst sah sie gar keinen Zusammenhang, denn das fühlte sich ganz anders an. Von zwei verschiedenen Orthopäden hörte sie: „An Rheuma würde ich erst mal nicht denken.“ Doch dann kamen die Blutwerte zurück und die waren eindeutig: Marisas Diagnose lautete rheumatoide Arthritis. Bald waren auch Knie und Schultern betroffen. Zu ihren schlimmsten Zeiten konnte sie kaum noch gehen, ihr Freund musste sie die Treppen rauf- und runtertragen und ihr sogar den Pulli an- und ausziehen, weil sie die Arme nicht mehr hochbekam.

Eine Krankheit mit vielen Gesichtern

„Wie, Rheuma? Kriegen das nicht nur Alte?“, wurde Marisa von Freund*innen und Familie gefragt. Doch auch wenn entzündliches Rheuma statistisch verstärkt im Alter zwischen 50 und 60 auftritt und mehr Frauen als Männer betrifft: Es kann jeden treffen, sogar Kinder. Genau genommen sind es mehrere hundert Krankheitsbilder, die unter dem Begriff Rheuma zusammengefasst werden. Die arthritische Form ist die häufigste, aber auch die kann individuell sehr verschieden ausgeprägt sein. Wichtig dabei zu wissen: Rheuma ist eine Autoimmunkrankheit.

Die Immunzellen bekämpfen körpereigenes Gewebe, in diesem Fall Gewebe innerhalb der Gelenkkapseln. Die betroffenen Gelenke schwellen an und tun weh, das sind die ersten Symptome. Meist sind es die Finger- und später auch die Hand- und Ellenbogengelenke. Oder auch die Zehen-, Fuß- und Kniegelenke. Die Entzündungen treten in Schüben auf und je mehr sich die Schübe häufen und je länger sie andauern, desto größer ist die Gefahr, dass auch Knorpel oder sogar Knochen angegriffen werden. Dann verformen sich die Gelenke, sie versteifen und die Beweglichkeit wird eingeschränkt. Dabei sind die Ursachen für Rheuma weitestgehend unklar. Teilweise ist es wohl genetisch bedingt, aber auch Infektionen, Übersäuerung oder Hormonstörungen können eine Rolle spielen.

Leben mit Rheuma

Heilbar ist die Krankheit bislang nicht, man muss also lernen, mit Rheuma zu leben. Eine wichtige Rolle in der konventionellen Therapie spielen dabei Medikamente. Um das Immunsystem zu regulieren und Entzündungen zu hemmen, bekam Marisa Kortison und einmal in der Woche Methotrexat (MTX) verschrieben. Damit verbesserten sich zwar die Rheumasymptome, aber von dem immer sonntags verabreichten MTX-Präparat wurde ihr so schlecht, dass sie den ganzen Tag im Bett verbringen musste. Partys fanden ohne sie statt, wenn ihre Freund*innen zum Skifahren aufbrachen, blieb sie zu Hause. „Einen Tod muss man sterben“, lautete die lapidare Antwort ihrer damaligen Ärztin.

Marisa probierte, durch den Wechsel von Arzt, Medikamenten und Dosierungen eine ganzheitliche Verbesserung zu erreichen. Mal mehr, mal weniger erfolgreich. Wirklich besser ging es ihr erst, als sie begann, sich genauer zu beobachten. So fand sie heraus, dass Schübe bei ihr vor allem mit der Ernährung und dem Stresslevel zu tun hatten – Faktoren, die sie selbst in der Hand hatte. Heute, mit 36, braucht Marisa nur noch eine vergleichsweise geringe Dosis Kortison und keines der Medikamente, die bei ihr starke Nebenwirkungen verursacht haben. Schon seit vielen Jahren hatte sie keinen Rheumaschub mehr. Mit gesunder Ernährung, ausreichend Schlaf und regelmäßiger Bewegung sorgt sie Tag für Tag selbst dafür, dass es so bleibt.

MARISAS TIPPS BEI RHEUMATOIDER ARTHRITIS

· Rauchen aufgeben, denn es lässt die Entzündungswerte nach oben schießen.

· Alkohol, Zucker und rotes Fleisch meiden. Ich selber esse gar kein Fleisch mehr. Da ich (wie viele Rheumatiker*innen) Hülsenfrüchte nicht gut vertrage, decke ich meinen Proteinbedarf mit Fisch und Milchprodukten.

· Ausreichender, regelmäßiger Schlaf. Wenn es irgendwie geht, schlafe ich von 21 Uhr bis 6 Uhr morgens. Ausnahmen bestätigen (immer seltener) die Regel, denn sie tun mir nicht gut.

· Bewegung: Mein täglicher Spaziergang in der Mittagspause gehört für mich zum Pflichtprogramm. Dazu dreimal pro Woche Krafttraining für den Muskelaufbau und restorative Yogaeinheiten, wann immer ich mich gestresst fühle.

· Kleine Schritte: Die eigene Lebensweise kann man nicht von jetzt auf gleich völlig umstellen. Besser eines nach dem anderen, statt alles auf einmal. Sonst wird es nicht funktionieren.


Bewegung als Medikament

Foto: Leire Cavia via Unsplash

Früher wurde Rheumakranken geraten, sich zu schonen. Und noch immer ist die Angst weit verbreitet, durch Bewegung und sportliche Betätigung einen neuen Schub auszulösen oder die Gelenke kaputt zu machen. Doch diese Sichtweise gilt inzwischen als veraltet. „Wenn ein Muskel bewegt wird, bildet er sogenannte Myokine, das sind Botenstoffe, die antientzündlich wirken. Das ist bei Rheuma ganz hervorragend“, erklärt Dr. Wilma Ludwig, Rheumatologin am Alb-Donau-Klinikum Langenau. Mit anderen Worten: Rheumapatient*innen können durch Bewegung eine Art körpereigenes Medikament freisetzen.

Sofern die Muskulatur tatsächlich arbeitet und nicht nur passiv durchbewegt wird, kann dieses Biologikum neuen Schüben entgegenwirken. Wichtig sei dabei die Regelmäßigkeit und ein gesundes Maß, betont Dr. Ludwig. Ein guter Muskelaufbau entlaste zudem die Gelenke – erst recht, wenn das Training auch das Gewicht reguliert. Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) empfiehlt Patient*innen 150 Minuten Sport pro Woche. „So viel muss man erst mal in den Alltag integrieren!“, weiß die Rheumatologin. Ihr Rat: „Das klappt nur, wenn man auch Freude daran hat.“ Erlaubt ist also alles, was Spaß macht, nur Sportarten, die die Gelenke stoßweise belasten, etwa Tennis oder Joggen, sind bei Rheuma ungünstig.

Die Rolle von Yoga bei Rheuma

Dagegen wird etwa Wandern, Nordic Walking, Radfahren, Schwimmen oder Tanzen ausdrücklich empfohlen – und natürlich Yoga. In den langsamen, bewussten, eher fließenden Bewegungen sieht Dr. Ludwig genau die richtige Belastung, um durch den antientzündlichen Effekt eine Therapie zu unterstützen. Aber das ist nicht alles: „Die entspannende, meditative Komponente von Yoga ist ein weiterer hilfreicher Ansatz.“ Stresshormone werden reduziert und die Bildung von Endorphinen hebt die Stimmung. Auch wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen mittlerweile, dass Yoga die gesundheitliche Lebensqualität von Rheumapatient*innen spürbar verbessern kann. Eine 2020 veröffentlichte Übersichtsstudie aus China hat unter dem Titel „Yoga for Treating Rheumatoid Arthritis“ die bis dato international vorliegenden Untersuchungen zusammengefasst.

Yoga verbessert demnach bei Rheuma die körperlichen Funktionen, wirkt Entzündungen entgegen und kann Schmerzen reduzieren. Da Rheuma heute meist früh diagnostiziert und behandelt wird, kommt es seltener zu chronischen Schäden und funktionellen Einschränkungen. Erkrankte können sich daher beim Üben auf der Matte oft ähnlichen Belastungen aussetzen wie Gesunde. Sei es, um die Beweglichkeit wiederherzustellen oder um präventiv einem nächsten Schub vorzubeugen: Die Aktivität wirkt auch gegen ein Gefühl der Hilflosigkeit.

Oder wie B.K.S. Iyengar es formuliert hat:

„Yoga lehrt uns zu heilen, was nicht ausgehalten werden muss, und auszuhalten, was nicht geheilt werden kann.“

Worauf es dabei ankommt, erklärt der Berliner Arzt und Yogatherapeut Dr. Hermann Traitteur in diesem Interview:

Dieser Artikel stammt aus dem YOGAWORLD JOURNAL 01/26.


Marisa Knecht teilt auf ihrem Instagram-Kanal @sympathisch_rheumatisch ihre Erfahrungen. Sie möchte anderen Betroffenen Mut machen und zeigen, dass ein Leben mit Rheuma nicht nur aus Einschränkungen besteht.

Unsere Autorin Nici Tannert ist Iyengar-Yogalehrerin und unterrichtet online und in Leipziger Studios. yogakraftwerk.de

Wie sollte man Yoga bei Rheuma üben? Tipps von Dr. med. Hermann Traitteur

Yoga kann eine sinnvolle Unterstützung bei Rheuma sein. Worauf genau sollten Rheumapatient*innen und ihre Yogalehrenden in der Praxis achten? Das fragten wir den Berliner Arzt und Iyengar-Yogalehrer Dr. med. Hermann Traitteur.

Text: Nici Tannert / Titelbild: Humberto Guzman von Pexels via Canva

Hier geht es zum ersten Teil des Artikels:

Wie gehst du als Yogalehrer damit um, wenn dir ein*e Schüler*in sagt, dass er oder sie an Rheuma leidet?

Die erste Frage ist: Bist du gerade in einem Schub? Beziehungsweise: Wie lange ist der letzte Schub her? Wer gerade entzündungsfrei ist und sich vom letzten Schub bereits erholt hat, kann in unseren allgemeinen Yogaklassen mitüben. Die möglicherweise steiferen Gelenke lassen sich in der normalen Yogapraxis gut mobilisieren.

Und wenn es noch nicht so lange her ist?

Dann beginne ich mit Einzelstunden von 45 bis maximal 60 Minuten oder mit der Aufnahme in die Therapieklasse. In einer allgemeinen Klasse würde es Betroffenen sonst hinterher wahrscheinlich eher schlechter gehen, sowohl körperlich als auch mental. Körperlich, weil die Gelenke noch entzündet und dadurch schnell überreizt sind, und dann alles weh tut. Und mental, weil es natürlich frustrierend ist, wenn du nicht alles mitmachen kannst, was die anderen üben. Die Yogaklasse sollte keinen zusätzlichen Stress erzeugen.

Was ist im Therapie- oder Einzelunterricht anders?

Hier kann ich mich voll auf meine Patient*innen konzentrieren und auf ihre Probleme eingehen. In Therapieklassen beginnen wir in aller Regel mit einer individuellen Haltung, in der wir die betroffene Region erst mal entspannen. Die Gelenke und angrenzenden Muskeln sind ja alle in Panik. Selbst Gewichte, die man bei anderen Krankheitsbildern gerne auflegt, um die Entspannung zu unterstützen, können bei Entzündungen schnell zu viel sein, weil die Gelenke so irritiert sind. Da reicht manchmal schon das Gewicht einer Decke.

Yoga-Tipps für Rheumapatient*innen

Wenn die Finger- und Handgelenke betroffen sind:
Übe Asanas, bei denen die Belastung weit davon entfernt ist, also auf Füßen und Beinen. Hilfsmittel wie Stühle, Hocker oder Gurte unterstützen dabei die Ausrichtung in den Stehhaltungen.

Wenn die Füße und Knie betroffen sind oder waren:
Übe zunächst nur im Sitzen oder Liegen, um diese Gelenke nicht mit Körpergewicht zu belasten.

Umkehrhaltungen wirken ausgleichend auf Immun- und Nervensystem.
Um dabei die Gelenke nicht zu belasten, kann z.B. die Kopfstand-Variante auch hängend und der Schulterstand mit einem Stuhl ausgeführt werden.

Foto: Kateryna Hliznitsova via Unsplash

Wie gehst du bei aktiveren Asanas mit den betroffenen Gelenken um?

Wir beginnen mit Haltungen, bei denen die Belastung möglichst weit weg ist von dieser Region. Wenn also die Finger- und Handgelenke schmerzen, lasse ich Stehhaltungen üben. Wenn die Füße betroffen sind, empfehlen sich sitzende Asanas wie Bharadvajasana auf dem Stuhl oder liegende wie Supta Padangushthasana. Umkehrhaltungen können im Seil oder mit dem Stuhl geübt werden, um das Körpergewicht herauszunehmen. Im Laufe der Genesung und mit zunehmender Praxis tasten wir uns dann Stück für Stück weiter vor.

Das heißt: Kommunikation zwischen Übenden und Lehrenden ist wichtig.

Ja, wir lassen unsere Teilnehmer*innen in jeder Therapieklasse evaluieren: Wie geht’s mir vor der Klasse? Wie geht’s mir nach der Klasse? Und – die wichtigste Frage: Wie ging es mir am Tag nach der letzten Klasse? Denn kurz nach der Stunde ist der Körper vielleicht noch in Aufruhr. Entscheidend ist also das Empfinden mit ein bisschen Abstand.

Und wenn es dann aufwärts geht, …

… bringen wir ihn oder sie wieder in die Bewegung durch dynamischeres Üben, touch & go, ohne langes Halten, mehrmals rein und raus, bevor es dann erst später wieder in die genauere Ausrichtung geht. Der Körper braucht Zeit, sich wieder zu entwickeln.

Können Rheumapatient*innen irgendwann in eine allgemeine Klasse wechseln?

Ja. Ich habe zum Beispiel einen Patienten, der in unseren normalen Klassen übt. Er nutzt verstärkt die Hilfsmittel, weil sich beispielsweise die Handgelenke nicht so beugen lassen wie bei anderen. Parallel besucht er die Therapieklasse, um gezielt gegen die Steifheit in den deformierten Gelenken vorzugehen. Allerdings vorsichtig, um keine neuen Schübe auszulösen. Aber oft gibt es viel längere entzündungsfreie als akute Phasen. Die können die Patient*innen zur Prävention nutzen und um die Beweglichkeit wiederherzustellen.

Inwiefern wirkt denn Yoga bei rheumatoider Arthritis präventiv?

Eine klassische Iyengar-Yogastunde zum Beispiel beginnt mit einem aktiverem Teil, der die Leute auf ihrem Stresslevel abholt, sie mobilisiert und Kraft aufbaut. Bei uns spielen außerdem die Umkehrhaltungen eine zentrale Rolle. Sie haben eine ausgleichende Wirkung auf das Immun- und Nervensystem. Am Ende gibt es die Entspannung, um zur Ruhe zu kommen. Dieser Rhythmus reduziert chronischen Stress, der zu den häufigsten Auslösern von Autoimmunerkrankungen wie Rheuma gehört.

Aber die Yogastunden ersetzen nicht die Schulmedizin?

Nein. Ich würde nie jemandem versprechen, eine Akutphase nur durch Yoga zu therapieren.

Dieses Interview stammt aus dem YOGAWORLD JOURNAL 01/26.


Dr. med. Hermann Traitteur beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit Yogatherapie. Physisches und anatomisches Grundlagenwissen vermittelt er in Aus- und Fortbildungen und in seinen Büchern „Yoga Asana Anatomie“ und „Yoga Asana Physiologie“. iyengar-yoga-berlin.de

Unsere Autorin Nici Tannert ist Iyengar-Yogalehrerin und unterrichtet online und in Leipziger Studios. yogakraftwerk.de

Yoga & Psychologie – zwei Wege, ein gemeinsames Ziel

Yoga und Psychologie
Was Yoga und Psychologie voneinander lernen können: Yoga und Psychologie scheinen auf den ersten Blick unterschiedlichen Welten anzugehören: Hier eine jahrtausendealte Lehre, die Körper, Atem und Geist miteinander verbindet, dort eine wissenschaftliche Disziplin, die sich mit menschlichem Erleben, Fühlen und Handeln beschäftigt. Und doch gibt es erstaunlich viele Berührungspunkte.

anzeige // Titelbild: Alexey Demidov von Pexels via Canva

Beide Ansätze richten den Blick auf den Menschen und beschäftigen sich auf ihre jeweils eigene Weise mit Fragen rund um Selbstwahrnehmung, Gedanken, Emotionen, Stress und innere Balance. Yoga bietet dabei einen erfahrungsorientierten Zugang über Körper, Atem und Achtsamkeit. Die Psychologie betrachtet menschliches Erleben und Verhalten aus wissenschaftlicher Perspektive und stellt Modelle und Methoden zur Verfügung, um psychische Prozesse besser zu verstehen.

Gerade diese unterschiedlichen Perspektiven machen die Verbindung spannend. Denn wer sich mit Yoga beschäftigt, kann von psychologischem Wissen profitieren und wer psychologisch arbeitet, kann durch die Yogalehre neue Zugänge zu Körperwahrnehmung, Achtsamkeit und Selbstregulation kennenlernen.

Selbstwahrnehmung: sich selbst bewusster erleben

Yoga & Psychologie bei der ALH-Akademie
Foto: Irina Petrichei von Pexels via Canva

Ein wichtiger Ausgangspunkt sowohl im Yoga als auch in der Psychologie ist die bewusste Wahrnehmung des eigenen Erlebens.

Im Yoga wird die Aufmerksamkeit beispielsweise auf den Körper, den Atem und die eigenen Empfindungen gelenkt. Eine Asana kann dabei mehr sein als eine körperliche Übung: Sie kann dazu einladen, wahrzunehmen, wie sich der Körper anfühlt, wo Anspannung entsteht oder welche Gedanken während der Praxis auftauchen. Praktizieren wir diese Übungen häufiger, lernen wir uns selbst und unsere innere Welt besser kennen.

Auch psychologische Ansätze beschäftigen sich mit der Fähigkeit, eigene Gedanken, Gefühle, Bedürfnisse und Verhaltensmuster wahrzunehmen. Denn wer sich selbst besser versteht, kann bewusster mit den eigenen Reaktionen und Handlungsmöglichkeiten umgehen.

Diese Verbindung ist auch für die berufliche Praxis interessant. Ein*e Yogalehrer*in mit psychologischem Wissen kann beispielsweise besser verstehen, warum Menschen unterschiedlich auf Stress, Herausforderungen oder bestimmte Situationen reagieren. Ein*e Psychologe*in wiederum kann durch die Yogalehre den eigenen Blick dafür schärfen, wie sich innere Prozesse körperlich zeigen und wie Körperwahrnehmung als ergänzender Zugang genutzt werden kann.

Wenn Yogalehrende psychologisches Wissen nutzen

Yoga zu unterrichten bedeutet weit mehr, als Bewegungsabläufe anzuleiten. Yogalehrende begegnen Menschen in unterschiedlichen Phasen und Situationen auf der Matte. Manche kommen auf die Matte, um sich körperlich zu bewegen, andere suchen Entspannung, möchten Stress reduzieren oder einen besseren Zugang zu sich selbst finden. Dabei können Yogalehrerende die Menschen auch in unterschiedlichen Gefühlslagen erleben.

Psychologisches Wissen kann dabei eine wertvolle Hilfe sein.

Kenntnisse über menschliches Erleben und Verhalten, Stressprozesse, Emotionen oder Kommunikation können helfen, die Bedürfnisse der eigenen Teilnehmenden besser zu verstehen. Auch ein Bewusstsein für unterschiedliche Grenzen und individuelle Voraussetzungen kann die Begleitung sensibler und bewusster machen.

Yoga & Psychologie lernen
Foto: Fernando Alonso Stock Films von Getty Images via Canva

Dabei geht es nicht darum, psychologische oder therapeutische Arbeit zu ersetzen. Vielmehr kann psychologisches Wissen dazu beitragen, die eigene Rolle klarer zu verstehen und die eigenen Möglichkeiten und Grenzen als Yogalehrender*in besser einzuschätzen.

So entsteht eine wertvolle zusätzliche Perspektive: Nicht nur die Frage „Welche Übung passt?“, sondern auch „Was könnte dieser Mensch gerade brauchen? Worauf möchte ich die heutige Stunde ausrichten?“ rückt stärker in den Mittelpunkt.

Wie die psychologische Praxis von Yoga profitiert

Auch die umgekehrte Verbindung kann bereichernd sein.

Psychologische Arbeit findet häufig über das Gespräch statt. Gedanken, Gefühle, Verhaltensweisen und persönliche Erfahrungen werden gemeinsam betrachtet und eingeordnet. Die Yogalehre eröffnet darüber hinaus einen stärker körperorientierten Zugang.

Denn psychisches Erleben findet nicht unabhängig vom Körper statt. Anspannung, Unruhe oder Stress können körperlich spürbar werden. Umgekehrt können Bewegung, bewusste Atmung und Entspannung das eigene Erleben beeinflussen. Die Erkenntnisse über psychosomatische Zusammenhänge werden immer größer.

Wer als Psycholog*in oder Psychotherapeut*in Yoga praktiziert und sich intensiver mit der Yogalehre auseinandersetzt, kann dadurch die eigene Körperwahrnehmung schärfen und zusätzliche Perspektiven auf das Zusammenspiel von Körper und Psyche gewinnen.

Auch für die Arbeit mit Klientinnen und Klienten kann dieses Wissen eine wertvolle Ergänzung sein, beispielsweise wenn es darum geht, Körperempfindungen bewusster wahrzunehmen oder achtsam mit Stress und Anspannung umzugehen. Welche Methoden im Einzelfall sinnvoll sind, hängt dabei immer von der jeweiligen Situation, Qualifikation und dem therapeutischen beziehungsweise beraterischen Rahmen ab.

Zwei Fachbereiche, die sich ergänzen können

Foto: Fernando Alonso Stock Films von Getty Images via Canva

Genau hier liegt das Potenzial: Das gegenseitige Wissen, erweitert nicht automatisch das eigene Tätigkeitsfeld, aber kann den eigenen fachlichen Blickwinkel vergrößern.

Für Yogalehrende kann psychologisches Wissen dabei helfen, die Menschen, die sie begleiten, differenzierter wahrzunehmen und die eigene Kommunikation und Begleitung bewusster zu gestalten. Die Yogastunden können mit einer tiefgreifenderen Thematik gestaltet werden, das Verständnis und die Empathie für die eigenen Klienten kann gesteigert werden.

Für Psycholog*innen und Psychotherapeut*innen kann die Beschäftigung mit Yoga neue Impulse für Körperwahrnehmung, Achtsamkeit und den Umgang mit Anspannung eröffnen, die sie ihren Patienten mitgeben können.

Stress und Selbstregulation verstehen

Eine weitere wichtige Schnittstelle ist der Umgang mit Stress.

Yoga kann uns über den Körper, genauer gesagt über Bewegung, Atmung und bewusste Körperwahrnehmung dazu verhelfen, Entspannung zu finden oder einen Moment innezuhalten und die Aufmerksamkeit aus dem permanenten Funktionsmodus zurück in den gegenwärtigen Moment zu lenken.

Die Psychologie betrachtet Stress unter anderem im Zusammenspiel von Belastungen, individueller Wahrnehmung und Bewältigungsstrategien. Dabei geht es beispielsweise um die Frage, welche Ressourcen zur Verfügung stehen und wie Menschen mit herausfordernden Situationen umgehen. Dabei kommen unterschiedliche Strategien zum Einsatz: falls möglich – die Veränderung, der Situation, die Umbewertung der belastenden Situation oder eine reaktionszentrierte Bewältigung, also eine Regulierung auf körperlicher oder mentaler Ebene.

Stress lässt sich dadurch aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten: Was passiert im Körper? Welche Gedanken und Bewertungen begleiten die Situation? Welche Verhaltensweisen zeigen sich? Und welche Ressourcen stehen zur Verfügung?

Machen wir uns dieses Wissen zunutze, können wir körperliche und psychische Zusammenhänge besser verstehen, Beschwerden differenzierter einordnen und individuelle Bewältigungsstrategien entwickeln.

Wissen verbinden, Perspektiven erweitern

Yoga und Psychologie sind keine Ersatzlösungen füreinander. Sie haben unterschiedliche Traditionen, Methoden und fachliche Grundlagen. Dennoch können sie sich sinnvoll ergänzen.

Für Yogalehrende kann psychologisches Wissen eine wertvolle Erweiterung der eigenen Kompetenz sein. Für Psycholog*innen und Psychotherapeut*innen kann die Yogalehre neue körper- und achtsamkeitsorientierte Perspektiven eröffnen.

Wer sich in beiden Bereichen weiterbildet, verbindet deshalb nicht einfach zwei Fachgebiete. Er erweitert seinen Blick auf den Menschen.

Und davon können am Ende alle profitieren: die Fachkräfte selbst, weil sie ihr Wissen und ihre Perspektiven erweitern – und die Menschen, die sie auf ihrem individuellen Weg begleiten.

Yoga & Psychologie bei der ALH-Akademie

Manchmal entsteht Weiterentwicklung genau dort, wo zwei Perspektiven aufeinandertreffen. Die ALH-Akademie verbindet langjährige Erfahrung in der Vermittlung von psychologischem Fachwissen mit fundierter Expertise in der Yoga-Ausbildung. Mit berufsbegleitenden Ausbildungen beispielsweise zum/zur Psychologischen Berater*in, zum/zur Heilpraktiker*in für Psychotherapie oder Yogalehrer*in bietet sie die Möglichkeit, das eigene Fachwissen gezielt, um eine weitere Perspektive zu ergänzen.

Denn wer sich im jeweils anderen Bereich weiterbildet, erweitert nicht nur seinen eigenen Wissenshorizont, sondern kann auch neue Impulse für die Begleitung von Menschen gewinnen. So entsteht aus der Verbindung von Yoga und Psychologie ein ganzheitlicherer Blick auf den Menschen – und eine wertvolle Ergänzung für die persönliche und berufliche Entwicklung.


Über die ALH-Akademie, Köln

Die ALH-Akademie bietet seit über 50 Jahren berufsbegleitende Ausbildungen für ganzheitliche Gesundheit und Beratung an. In den staatlich zugelassenen Lehrgängen werden praxisorientierte Fähigkeiten und aktuelles Fachwissen zur persönlichen Weiterentwicklung und beruflichen Qualifikation vermittelt. Die Basis bietet ein modernes mediengestütztes Lernsystem, das durch flexible Seminartermine und interaktive Online-Trainings genau auf die Bedürfnisse der Teilnehmenden zugeschnitten ist. Sie erhalten zudem jederzeit qualifizierte fachliche Beratung und individuelle Betreuung durch persönliche Fachtutoren!