Loslassen im Yoga: Was ist damit eigentlich gemeint?

Loslassen im Yoga

Was wir Yogis in unseren Breitengraden häufig unter “Loslassen” verstehen, ist in den alten Schriften des Yoga so nicht zu finden. Machen wir es uns da mit der Praxis vielleicht zu leicht? Wir haben mal nachgelesen …

Text: Ralf Sturm / Titelbild: Paul Pastourmatzis via Unsplash

“Yoga heißt ja auch Loslassen.” Diesem oder ähnlichen Sätzen begegnen wir gefühlt in jeder zweiten Yogastunde. Aber was ist damit eigentlich genau gemeint? Ist Loslassen im Yoga eher ein passiver oder ein aktiver Vorgang? Und was wollen wir überhaupt loslassen? Zwischen dem 21. Jahrhundert und den Ursprüngen des Yoga scheint es doch einige Unterschiede zu geben. Es lohnt sich also, die alten Schriften mal wieder in die Hand zu nehmen und sich ein paar Gedanken zu machen.

Wer spricht von Loslassen?

Wenn man die im Westen wohl populärste Übersetzung von Patanjalis Yogasutra liest, wird schnell klar, warum die Idee, Yoga sei Loslassen, so weit verbreitet ist. In der deutschen Übertragung des englischen Buches von T. K. V. Desikachar heißt es nämlich: “Durch Üben und die Fähigkeit loszulassen, kann unser Geist den Zustand von Yoga erreichen.” (Yogasutra 1.12) Demnach ist “Loslassen” wenigstens die halbe Miete auf dem Yogaweg. Nun sind Patanjalis Aphorismen äußerst knapp gehalten und entsprechend viel Spielraum besteht beim Übersetzen – erst recht, wenn vom Sanskrit ins Englische und weiter ins Deutsche übersetzt wird. Denn jede Übersetzung spiegelt die Haltung des Übersetzenden wider.

Loslösen der Vrittis

Eine andere, in Deutschland etwas weniger oft verkaufte Übertragung ist die von Deshpande. Er interpretiert den Sanskrit-Begriff Vairagya, um den es hier geht, nicht als Loslassen, sondern als “Loslösung”. In den Erläuterungen wird es dann noch ein wenig genauer: Es handelt sich um die Loslösung von den Vrittis, also salopp gesagt von dem, was wir so im Kopf haben. Das loszulassen, ist manchmal gar nicht so bequem, wie wir uns das landläufig vorstellen, wenn wir sagen: “Lass es doch los!” Eigentlich ist dieser Satz nichts anderes als eine scheinbar spiritualisierte Form von “laissez faire”: Hoffen, dass sich die Dinge auch ohne eigenes Zutun zum Besten regeln. Lass das Universum mal machen!

Wie sehr sollen wir loslassen?

Viele kennen das: Wenn wir mit Yoga beginnen, dann ist es oft Liebe auf den ersten Blick. Aber diese Liebe bringt auch hohe Ansprüche mit sich: an die eigene Praxis, das damit verbundene Leben und den ganzen bisherigen Alltag. Man würde gerne direkt alles richtig machen, vielleicht auch mal ein Jahr in einem Ashram leben und sowieso nie wieder Fleisch essen, geschweige denn ein ordentliches Bier trinken. Nachdem man sich dann eine Weile so vollkommen in den sattvischen Lebensstil gezwungen hat, klopft das alte Leben aber wieder an. Es waren ja schließlich auch nicht alle alten Freunde doof.

Foto: Liana S via Unsplash

Yoga und Verzicht

In dieser Situation liest man dann gerne den Begriff “Loslassen” in die alten Schriften hinein. Ein Glas Wein kann man doch mal trinken, oder? Ich würde sagen: Kann man, aber man sollte dabei mit sich im Reinen sein und es nicht begründen mit: “Das gehört auch zu Yoga: mal loslassen.” Um beim Beispiel der Ernährung zu bleiben: Krishna ist im 17. Kapitel der Bhagavad Gita ziemlich eindeutig darin, was akzeptabel ist und was nicht. Auch sonst ist der liebe Gott eher restriktiv denn liberal: Loslassen heißt im traditionellen Yoga, auf vieles zu verzichten. Nun muss niemand zu dem in der Bhagavad Gita dargestellten “reinen Menschen” (Bhagavad Gita, 17.8) werden. Aber dann können wir den tollen Schokoladenkuchen eben auch nicht legitimieren, indem wir sagen, das sei “auch Yoga”. Anders gesagt: Wenn im traditionellen Yoga losgelassen wird, dann richtig. Es hat eher den Geschmack von Entsagung und Etwas-von-sich-Werfen als von großzügiger Ausgewogenheit.

Was sollen wir loslassen?

Nun wollen wir den Krishna der Bhagavad Gita aber nicht nur als Hardliner dastehen lassen. Schließlich ist genau dieser Text ja eine Einladung für uns Laienpraktizierende, den göttlichen Gesang auch im Alltag zu hören. Die Botschaft lautet: Man muss nicht ins Kloster gehen, um den Weg des Yoga zu gehen. Den Yoga des Wissens, der Hingabe und des selbstlosen Dienens, den können wir auch in der Berliner Innenstadt oder in einem Dorf in der Eifel beschreiten. Allerdings sollten wir dann besser nicht die Hatha Yoga Pradipika aufschlagen: Denn da sehen wir uns sofort wieder gezwungen, uns „in eine einsame Zelle“ (Hatha Yoga Pradipika, 1.17) zurückzuziehen. Auch wenn die mit einem Altar und einem Brunnen verschönert werden darf.

Yoga und Besitz

Auch der in der modernen Yogawelt so viel zitierte Patanjali ist eher restriktiv. Vor allem, wenn es um materiellen Besitz geht: Der Yogi, der Aparigraha übt, soll sich konsequent „auf das beschränken, was er braucht und was ihm zusteht“. Die Frage, wie sehr wir heutigen Yogi*nis das reflektieren, dürfte für die meisten von uns nicht gerade angenehm sein.

Festhalten, wo es geht

Auch wenn es nicht immer bequem ist: Yoga ist halt doch vor allem auch die erste Hälfte des oben zitierten Yogasutra-Satzes: beharrliche Übung. Und ein Festhalten an dieser Praxis. Manchmal bedeutet das nicht einfach ein „Alles darf sein“, sondern ein bewusstes Loslösen, ja fast ein Wegschmeißen von alten Ideen, Vorstellungen und Verhaltensweisen. Nicht, dass wir den klassischen Weg so strikt gehen müssen, wie es die Schriften empfehlen. Die stammen aus einer anderen Zeit. Aber wenn wir uns darauf beziehen, dann sollten wir uns auch darüber klar sein, wann wir ein Stück weit unsere alten Muster bedienen. Es muss ja nicht Samadhi in diesem Leben sein.


RALF STURM ist Yoga- und Meditationslehrer und führt mit seiner Frau Katharina Middendorf eine Praxis für Paar- und Sexualtherapie. Mehr über ihn findest du auf middendorf-sturm.de oder nivata.de

YogaWorld-Messe in Stuttgart 10.-12. April 2026 – freue dich auf diese Highlights!

yogaworld messe 2026

Save the Date! Vom 10. bis 12. April 2026 findet wieder unsere YogaWorld-Messe im Rahmen der Stuttgarter Frühjahrsmessen statt. Die Halle C2 wird an diesen drei Tagen zu einem Ort, an dem Yoga gelebt, Wissen geteilt und bewusster Lifestyle spürbar wird. Diese Highlights erwarten dich

In unseren beiden Yoga Spaces “Vishnu” und “Ganesha” kannst du an kostenlosen Workshops mit renommierten Yogalehrer*innen teilnehmen – mal kraftvoll, mal ruhig, mal meditativ oder kreativ. Unterschiedlichste Yogastile laden dazu ein, Neues auszuprobieren, Bekanntes zu vertiefen und deinen eigenen Rhythmus auf der Matte zu finden. Ergänzend dazu bieten inspirierende Vorträge Raum für Austausch, Hintergrundwissen und frische Impulse aus den Welten von Yoga, Ayurveda, Gesundheit und Spiritualität.

Zwischen den Sessions wartet der Yogi Bazar darauf, entdeckt zu werden. Hier präsentieren kreative Köpfe, nachhaltige Labels, innovative Start-ups und etablierte Marken eine vielfältige Auswahl an Produkten: von hochwertigen Yogamatten, nachhaltiger Kleidung und Naturkosmetik über Klangschalen, Schmuck und Accessoires bis hin zu Angeboten für Yoga- und Ayurveda-Reisen. Aktuelle Trends treffen auf bewährte Klassiker – immer mit Blick auf einen bewussten, ethischen Lebensstil. Und für genussvolle Pausen zwischendurch erwartet dich im VeganWorld Food Court eine bunte Auswahl an rein pflanzlichen Köstlichkeiten.

Ob du Yoga neu für dich entdeckst, deine Praxis vertiefen möchtest oder dich für Ayurveda, Nachhaltigkeit und pflanzliche Ernährung begeisterst – die YogaWorld heißt dich willkommen. Erlebe drei Tage voller Inspiration, Begegnung und lebendigem Yoga-Spirit.

Fotos: Anja Schnell


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Diese Yogalehrer*innen sind 2026 auf der YogaWorld in Stuttgart dabei

Diese Yogalehrer*innen und noch viele andere sorgen mit ihrer langjährigen Erfahrung, ihrem Wissen und ihrer Begeisterung dafür, dass du unvergessliche Momente auf der YogaWorld-Messe erlebst:

Ranja Weis

Ranja Weis unterrichtet seit einigen Jahren Yoga mit dem Schwerpunkt Yin Yoga und Yoga Nidra. Darüber hinaus ist sie Lehrerin in Ausbildungen und Retreats, Beraterin in Unternehmen und Sprecherin auf Konferenzen.

Yoga ist für sie vor allem ein Weg zu mehr Bewusstsein, zur Fähigkeit, sich selbst und andere jenseits von Konzepten und Bewertungen wahrzunehmen. Und zu spüren, dass alles miteinander in Verbindung steht. Das führt nicht zwangsläufig sofort zur “Erleuchtung”, aber in jedem Fall zu mehr Toleranz, Mitgefühl und Liebe.

Mehr zu Ranja auf ranjaweis.com und Instagram

Timo Wahl

Foto: Anja Schnell Fotografie

Timo Wahl unterrichtet Yoga seit über 20 Jahren und ist aus der Yogaszene hierzulande nicht mehr wegzudenken.

“Yoga muss stets ein gangbarer Weg sein und bleiben – für jeden, der ihn beschreitet. Dies bedeutet für den Unterricht und die Ausbildung vor allem den Bezug zum Alltag herzustellen. Zu verstehen, statt auswendig zu lernen – Wissen muss immer auf eigener Erfahrung beruhen und stets auf seine aktuelle Gültigkeit und Richtigkeit überprüft werden.”

Wir freuen uns, dass Timo auch in diesem Jahr wieder in Stuttgart dabei ist!

Mehr zu Timo auf timowahl.de und Instagram

Elena Lustig

Foto: Maria Schiffer

Elenas großes Thema ist seit vielen Jahren die Frage, wie wir gut und gesund älter werden und welche Prävention wir dafür betreiben können. Mit Mitte 50 erlebt sie ihre aktuelle Lebensphase als große Bereicherung, aber auch als Herausforderung, der sie mit einer Mischung aus Gelassenheit und ihrem ProAgeYoga® begegnet: ein Yoga- und Coaching-Programm, das Menschen darin unterstützt, selbstbewusst und gesund älter zu werden.

Mehr Info auf elenalustigyoga.com und Instagram

Tanja Seehofer & Yann Kuhlmann (DJAYA)

Tanja Seehofer ist Bewusstseinsforscherin, Dipl. Mentalcoach und Human-Energetikerin. Sie unterrichtet Yogaklassen mit dem Schwerpunkt Yin Yoga, Yoga Nidra, Meditation, Burnout-Prävention und Stressmanagement sowie traumasensibles Yoga. Gemeinsam mit ihrem Partner Yann Kuhlmann hat sie DJAYA ins Leben gerufen: Hier wird Tanjas Yin-Yogastunde mit Yanns Live-Musik kombiniert. Alle Instrumente sind in der heilenden Erdton-Stimmung 432 Hertz gestimmt. Diese wirkt besonders harmonisierend und entspannend auf den Körper. In diesem Jahr geht der Workshop sogar über volle 90 Minuten, sodass du richtig viel Zeit hast, am Ende des Messetages abzuschalten.

Mehr zu Tanja auf tanjaseehofer.de und Instagram

Lena Jungmann

Lena Jungmann ist Wahl-Berlinerin und Yogalehrerin seit 2018. Ihre Stunden sind so individuell, wie jede*r selbst: Von kraftvollen Vinyasa-Flows bis hin zu Yoga Nidra spielt vor allem die Achtsamkeit eine große Rolle in Lenas Stunden. Unter dem Motto “Yoga is for everyBODY” setzt sie sich gegen Vorurteile ein und arbeitet ständig daran, ihre Stunden so inklusiv wie möglich zu gestalten – ganz egal, mit welchen körperlichen oder emotionalen Voraussetzungen jemand auf die Matte kommt.

Mehr über Lena auf happylenayoga.com und Instagram 

Lara Schäffer

Lara Schäffer in Ardha Matsyendrasana

Lara Schäffer ist studierte Biologin, Ayurveda-Expertin und Unternehmerin mit einer tiefen Leidenschaft für ganzheitliche Gesundheit. Sie bildet Yogalehrer*innen in Hatha und Yin Yoga aus und verbindet in ihrer Arbeit Wissenschaft mit der Weisheit uralter Traditionen.

Mit ihrer authentischen Lebensfreude inspiriert sie Menschen, Ayurveda und Yoga als Werkzeuge für ein erfülltes, lebendiges Leben zu nutzen. Auf der YogaWorld Messe teilt sie ihr Wissen in einem Tantra-Vortrag und im Workshop “Breathwork meets Yin Yoga”.

Mehr Info auf lumo-love.com und auf Instagram @laramadeby und @lumo.love

Veronika Rössl

Veronika Rössl versteht Yoga als Wegweiser und als Hilfestellung für das richtige Leben, um den Alltag spielerisch gestärkt und mit Freude zu erleben. Yoga als Lebenselixier – für Körper, Geist und Seele. Seit 2002 unterrichtet Veronika hauptberuflich Yoga und gründete das beliebte MahaShakti Yoga Center in München. In ihren Stunden unterrichtet sie einen Mix aus klassischen Hatha-Yoga und Vinyasa-Yogarichtungen wie Ashtanga, Sivananda, Power Yoga und Anusara Yoga. Sie gestaltet die Asanas fließend, mit Fokus auf der Atmung. Veronikas Unterricht ist dabei immer getragen von Humor, Leichtigkeit und viel Lebensfreude, die ansteckend ist.

Mehr zu Veronika auf mahashakti-yoga.de und auf Instagram

Olivia Leicht

Ein weiteres Highlight sind auch in diesem Jahr wieder die Sound Meditationen mit Olivia Leicht. Die Crystal Sound Bowls erzeugen harmonische Schwingungen, die auf deine Gehirnwellen wirken. Bei der sogenannten Frequency-Following-Response reagiert dein Gehirn auf die Stimuli des Sounds und kann durch den Klang in den Alpha- und Theta-Zustand kommen. Die Gehirnwellen verlangsamen sich. Dies wird mit einem meditativen und friedlichen Zustand in Verbindung gebracht und es kann sich eine tiefe Ruhe in deinem Körper ausbreiten. Sie finden mehrmals täglich kostenfrei in einem separaten Raum statt.

Mehr zu Olivia auf olivialeicht.de und Instagram

Tobias Frank

Tobias Frank ist Bodyworker, Buchautor und Seminarleiter seit über 15 Jahren. Nach zwölf Jahren Thai Yoga Ausbildung umfasst seine Community derzeit über 1.000 Ausbildungsteilnehmende. Thai Yoga hat sein Leben auf vielfache Weise bereichert: Er hat gelernt, dass er der Welt umso mehr zu geben hat, je mehr er sich die Erlaubnis gibt, Pause zu machen, für sich zu sorgen und seine eigene Energie hoch zu halten. Er möchte in einer Welt leben, in denen Menschen nicht nur ihre Smartphones berühren, sondern sich selbst gegenseitig. Und zwar achtsam und liebevoll!

Mehr auf thaiyoga.de und Instagram

Sandra Walkenhorst

Sandra Walkenhorst ist Dipl.-Sozialpädagogin, (Kinder-)Yogalehrerin, Coach und Autorin. Yoga gehört seit mehr als 30 Jahren zu ihrem Leben. Genauso lange arbeitet sie mit Kindern und Jugendlichen mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf; 20 Jahre als Lehrerin an einer Förderschule, mittlerweile als Teamleitung für Schulbegleitung/Teilhabeassistenz. Seit 2010 ist sie selbständig als (Kinder-)Yogalehrerin und Dozentin und bildet seit vielen Jahren erfolgreich (Kinder-)Yogalehrer und Coaches europaweit aus. Ihre Leidenschaft etwas zu bewegen, gepaart mit einer großen Neugierde und Empathie ist ihr Antrieb Menschen darin zu begleiten ihre einzigartigen Fähigkeiten zu entdecken.

Mehr zu Sandra auf sandra-yoco.de und Instagram

Stefanie Weyrauch

Stefanie Weyrauch ist Yogalehrerin (E-RYT 500h/AYA), Autorin und Coach. Ihr Herzensanliegen ist es, Frauen in der Zeitspanne von der Schwangerschaft über die Rückbildung bis hin zum Familienyoga zu begleiten. Seit 2015 bildet sie deutschlandweit in den Bereichen Pränatal & Postnatal Yoga sowie Kinderyoga & Teenyoga aus – und ist selbst Mutter von zwei Kindern. Seit mehr als 20 Jahren beschäftigt Stefanie sich mit Yoga und Meditation. Inzwischen leitet sie ihr eigenes Yogastudio “Yogastern” in der Wiesbadener Innenstadt. Sie teilt von Herzen gerne ihre Leidenschaft für Yoga und persönliche Erfahrungen für ihre Spezialgebiete. 

Mehr zu Stefanie auf yogastern.de und yogastern-akademie.de oder auf Instagram @yogastern und @stefanie.weyrauch.yogastern

Abschluss-Kirtan und Jivamukti Yoga mit Tobias Holzinger

Tobias Holzinger spielt Tabla

Tobias Holzinger ist Yogapraktizierender und Yogalehrer aus Stuttgart. Sein Unterricht, so wie die eigene Asana-Praxis, basiert auf dem zeitgemäßen Stil des Jivamukti & Vinyasa Yoga, das er nun über viele Jahre praktiziert und unterrichtet. Unter seinem spirituellen Namen – Balaram – organisiert er in Stuttgart auch regelmäßig Kirtans und Satsangs. Am letzten Messetag, den 12. April von 17:30–18:00 Uhr findet im Vishnu Yogaspace ein Abschluss-Kirtan statt, zu dem alle herzlich eingeladen sind – auch ohne Teilnahme an der Yogaklasse. Freue dich auf gemeinsames Singen, Lauschen und Verbundensein als Abschluss unserer Messe und Ort der Begegnung.

Mehr zu Tobias findest du auch auf Insta @balaram__7


Und das war noch lange nicht alles! Freue dich auf viele weitere tolle Yogalehrer*innen und ein buntes Workshop- und Vortragsprogramm!


👉 Du möchtest gerne dein eigenes Produkt auf unserer Messe präsentieren? Sichere dir jetzt einen der letzten freien Stände, Anmeldung unter messe@wellmedia.net 

👉 Außerdem suchen wir noch ein paar Volunteers, die uns am Messe-Wochenende unterstützen. Als Dankeschön gibt’s eine Goodie Bag, ein Outfit von OGNX, freien Messe-Eintritt und Verpflegung. Bei Interesse melde dich unter redaktion@yogaworld.de


Alle aktuellen Informationen unter yogaworld.de/messe und auf unserem Instagram-Kanal @yogaworld108

Dies.Das.Asanas mit Jelena Lieberberg – kräftige Krieger-Knie

Die kreativen Varianten unserer Asana-Kolumnistin sind mal eher spaßig, mal
extra kniffelig – und manchmal obendrein auch heilsam. Hier stellt sie dir eine Variation von Krieger I vor, die zur Rehabilitation eines verletzten Knies gehören kann. Du kannst damit aber auch deine Gelenke gesund erhalten und Schmerzen vorbeugen, vor allem, wenn du gerne viel läufst.

Text: Jelena Lieberberg / Foto: Theresa Bartmann

Krieger I, auf Sanksrit Virabhadrasana I, kennst du natürlich. Je nach Yogastil und Beweglichkeit wird die hintere Ferse dabei eingedreht und abgesetzt oder sie bleibt zur Vereinfachung angehoben. Dabei sind die Yoga-Krieger und die yogischen Kriegerinnen natürlich keine mörderischen War Lords: Wir verstehen sie eher als spirituelle Rebellen, die kraftvoll und zielgerichtet gegen Unwissenheit, Täuschung und falsche Erkenntnis (Avidya) kämpfen, denn darin liegt nach yogischer Philosophie die Quelle allen Leidens.

Kraftvoller Krieger für stabile Knie

Die Asana ist auf den ersten Blick simpel, aber in Wirklichkeit ziemlich komplex, denn sie steckt voller gegensätzlicher Bewegungsrichtungen. Doch wenn sie auf harmonische Weise zusammenwirken, entsteht ein kraftvolles Ganzkörpererlebnis. Sie dehnt Fußgelenke und Waden, stärkt Quadrizeps und Rücken, verlängert den Psoas und dehnt Oberkörper und Arme. Du merkst: Es gibt fast keinen Körperteil, der nicht von Virabhadrasana I profitiert. Das machen wir uns auch in dieser Variante zunutze: Indem wir beide Ferse anheben, wird die Kraft des vorderen Beins potenziert – und das stabilisiert das Knie und verbessert die Körperwahrnehmung (Propriozeption). Zusätzlich verwenden wir ein Gewicht (oder eine volle Wasserflasche) und stärken so den Halt aus der Körpermitte.

Macht das Spaß?

Auf jeden Fall! Ich liebe es, Bekanntes aus neuen Blickwinkeln zu betrachten – und diese Variation bringt auf jeden Fall frischen Wind in die Praxis.

Muss ich das können?

Das kannst du! Zu Beginn kannst du es dir leicht machen, indem du die Hände an die Hüften setzt und dich erst mal nur auf die Balance und das langsame Anheben der vorderen Ferse konzentrierst. Wenn du ungefähr 10 Wiederholungen auf jeder Seite schaffst, bist du bereit für mehr.

Wie bereite ich mich vor?

Wärme dich mithilfe von Sonnengrüßen auf, indem du zunächst nur mit der Atmung in die Positionen hinein- und hinausfließt, ohne in ihnen zu verweilen. In Tadasana (aufrechter Stand) kannst du versuchen, die Fersen zu heben und auf den Ballen zu balancieren. Du kannst dich auch mit dem Rücken an eine Wand lehnen, mit den Füßen ein wenig nach vorne laufen und dann bei gestreckten Beinen die Zehen heben – kleine Übungen, um die Knie zu stabilisieren und Kraft in den Oberschenkeln aufzubauen.

Step by step in die Krieger-Variation

Jelena Lieberberg, Krieger-1-Variante Yoga, Kolumne dies.das.asanas

1. Beginne im Stehen am Anfang deiner Matte. Verwurzle deine Füße am Boden und richte dich lang auf.

2. Tritt dann mit dem linken Bein nach hinten in einen Ausfallschritt. Anders als beim klassischen Krieger I hältst du dabei die hintere Ferse gehoben und drehst den Fuß nicht ein. Positioniere die Schultern senkrecht über den Hüften und richte den Oberkörper auf. Achte dabei darauf, die Rippen nicht nach vorn zu schieben.

3. Strecke dann die Arme mit oder ohne Gewicht waagerecht nach vorne. Dabei richtest du auch den Blick gerade nach vorne aus. Wenn du Mühe beim Balancieren hast, kannst du ihn auch auf einen Punkt am Boden heften.

4. Konzentriere dich nun auf das vordere Bein und hebe langsam die Ferse – nimm dir auf jeden Fall 2–3 Sekunden Zeit zum Heben, bleibe dann 2–3 Sekunden oben und senke die Ferse im gleichen Tempo auch wieder ab.

5. Übe 8–12 Wiederholungen.


JELENA LIEBERBERG ist Osteopathin und Yogacoach in Berlin. Ihre eBooks, Retreats und Workshops findest du unter kickassyoga.com oder besuche Jelena auf Insta @kickassyoga.

Kennst du schon diese spannende Krähen-Variante aus Jelenas letzter Kolumne?

Oder möchtest du deine Beweglichkeit herausfordern? Dann schau mal hier vorbei:

Yin-Yoga-Sequenz für mehr Selbstliebe von Helga Baumgartner

Wo bin ich, wenn ich nicht zuhause bin? Und was bedeutet es, bei mir selbst anzukommen? Diese Yin-Yoga-Sequenz hilft dir, wieder in Verbindung zu dir selbst, deinem Körper und deinen Gefühlen zu kommen – ganz besonders, wenn du dich ängstlich, verloren oder unverbunden fühlst.

Text & Sequenz: Helga Baumgartner / Fotos: Christine Schneider

Nach Hause kommen zu sich selbst

Mein Geist ist manchmal wie ein Spaceshuttle, das durch verschiedene Galaxien rast – jede Achterbahn ist im Vergleich dazu ein fader Bummelzug. Vielleicht geht es dir auch so. Erinnerungen katapultieren uns in die Vergangenheit. Die nächste Erwartung schleudert uns gleich wieder die Zukunft. Und dazwischen präsentieren uns unsere Projekte und Pläne Veränderungsmöglichkeiten, die den kreativsten Szenographen ins Schwitzen brächten. Ganz zu schweigen von Gedanken und Emotionen. Nur sehr selten aber sind wir in solchen Momenten – bei uns.

In erster Linie bedeutet “Nach Hause kommen” daher, unser Gewahrsein wieder zurück in unseren Körper zu bringen und voll und ganz in diesem Moment anzukommen. Denn ohne Gewahrsein und Präsenz im Moment gibt es kein Ankommen bei uns selbst. Was uns dabei hilft, ist zum Beispiel das achtsame Atmen, das Körper und Geist zusammenführt. Damit können wir uns im Hier und Jetzt verankern. Beim Üben von Asanas hingegen bringt uns das Spüren in den gegenwärtigen Moment. Gerade Yin Yoga bietet uns einen schönen Raum, einen guten Kontakt nach innen zu finden. Der Vorteil dabei: Wir haben beim langen Verweilen in den einzelnen Haltungen enorm viel Zeit zu spüren, was ist und wie sich gewisse Empfindungen wandeln. Denn gerade das Wahrnehmen einer Veränderung ist es, was uns besonders in den Bann zieht, uns interessiert und einlädt, dabeizubleiben.

Form und Ästhetik sind dabei zweitrangig. Wir spüren, ob der Stimulus im Muskel, in den Faszien, den Gelenken, ja sogar in den Nervenendungen ankommt. Weil wir mehrere Minuten lang in der Haltung bleiben, können wir zudem würdigen, was wir spüren – und indem wir die Form immer wieder neu anpassen, bringen wir das auch zum Ausdruck. So entsteht eine stille, innere Kommunikation, die von Wertschätzung für uns selbst geprägt ist.

Wir entwickeln Selbstliebe, indem wir im Fühlen ankommen.

Helga Baumgartner

Wenn wir in der Praxis wieder in Verbindung mit unserem Körper kommen, werden wir aber nicht nur angenehme Empfindungen beobachten. Wir nehmen vielleicht auch Enge oder Anspannung wahr. Dabei handelt es sich quasi um den Tagebucheintrag unseres Körpers zu Schmerz, Angst oder Sorge. Wir bemerken, wieviel Spannung sich in uns aufgebaut hat, während wir “unverbunden” und nicht in uns zu Hause waren. Wir spüren und würdigen diese Spannungen – vielleicht das erste Mal seit Langem. All unsere vergangenen Fehltritte, alles, was wir uns noch nicht verzeihen konnten, darf sich nun zeigen und lösen. Es ist: die Basis für ein Mitfühlen mit uns selbst.

Dieses Spüren im Yin Yoga, das mit der Zeit immer feiner wird, löst in uns ein inneres “Awe” , also eine Art Ehrfurcht oder Respekt, aus. Tatsächlich ist es oft eine ehrfürchtige Stille, mit der ich in den Yin-Haltungen verweile, spüre, beobachte, loslasse. Und dabei entsteht, ich mag es gar nicht kleinreden, nicht weniger als eine Bewunderung für das Leben und für diese unglaublichen, besonderen, ständig neuen Empfindungen und Prozesse, zu denen unser Körper in der Lage ist. Wenn wir unseren aber Körper als Wunderwerk, als magische Institution und Geschenk begreifen, möchten wir ihn auch weniger leiden lassen. Und wie leidet er? Indem wir Empfindungen und Signale missachten, unser Zuhause verlassen. Dieses Missachten ist das Gegenteil von Liebe. Wie aber entwickeln wir Selbstliebe und Selbstmitgefühl? Es erscheint fast zu einfach: Indem wir im Fühlen ankommen und präsent mit unseren Empfindungen und Bedürfnissen in diesem Moment sind.

Wenn wir diesen Prozess einmal bewusst erlebt haben, entsteht dabei auch mehr Mitgefühl hin zu anderen, die sich gerade verloren haben. Das Mitgefühl zu uns selbst hin, wenn wir uns verloren haben. Und so ist es ein ganz natürlicher Prozess, dass sich in der Praxis Selbst-Liebe, Freude und Selbst-Mitgefühl einstellt.

Die 10 Prinzipien zur Yin-Yoga-Praxis

  1. Intensität: Suche nicht zu viel und nicht zu wenig Dehnung. Im Zweifelsfall gilt: Weniger ist mehr.
  2. Atem: Der Atem ist dein Barometer im Yin-Yoga. Geht er fließend und weich, ist alles gut. Ist er zittrig und flattrig, bist du zu intensiv in der Haltung und solltest sie abmildern.
  3. Individualität: Wenn du die beschriebene Wirkung der Haltung spürst, bist du in der Haltung. Vergleiche dich nicht, übe neugierig und vertraue dem eigenen Empfinden.
  4. Null Schmerztoleranz: Stechen, Brennen, Taubheit oder auch ein punktgenaues Empfinden ist nicht das Ziel der Praxis. Ein flächiges Dehnungsempfinden im Sinne von “Wohlschmerz” ist erwünscht.
  5. Loslassen: Wir üben Yin-Yoga mit möglichst entspannter Muskulatur. Dieses Loslassen müssen wir lernen. Spüre immer wieder, wo im Körper noch Anspannung sitzt, um diese ausatmend loszulassen.
  6. Ankommen: Wenn du eine stimmige Position gefunden hast, erlaube das Ankommen in (innerer) Stille und Ruhe. Es gibt nichts mehr zu tun. Beobachte nur, was von selbst geschieht.
  7. Zeit: Die Magie im Yin-Yoga ist die Zeit. Spüre, wann die Haltung für dich vorbei ist. Das kann anfangs nach 1–3 Minuten sein. Später nach 5 oder mehr.
  8. Auflösen: Komm so langsam und vorsichtig aus den Haltungen, als würdest du dich durch zähen Honig bewegen.
  9. Rebound: Lass dir Zeit, so lange nachzuspüren, bis das intensivste Empfinden im Körper abgeklungen ist. Erst dann geh in die nächste Haltung.
  10. Achtsamkeit: Beobachte nicht nur während der Übung, wie es dir in der Haltung geht, sondern auch kurz danach und ein paar Stunden später. Lerne achtsam deine Grenzen kennen. Zieh dich warm an und sei großzügig mit Hilfsmitteln.

Yin-Yoga-Sequenz von Helga Baumgartner

Yin Yogahaltung 1: Unterstützer Fisch

Loslassen – schafft Weite im Brustkorb, einer Region in der wir im Alltag häufig eng werden.

Yin-Yoga-Sequenz für mehr Selbstliebe von Helga Baumgartner
Foto: Christine Schneider

Lege zwei Blöcke quer auf deine Matte: Einer kommt unter die Brustwirbelsäule und ein zweiter unter den Kopf. Stütze dich im Sitzen mit angewinkelten Beinen auf deine Unterarme und lege dich von dort aus vorsichtig zurück. Achte dabei darauf, dass die untere Hälfte der Schulterblätter auf dem Block aufliegt, das gibt dir vorne am Brustkorb eine geräumige Weite. Lege dein Hinterhaupt so auf dem oberen Block ab, dass der Kopf sich angenehm getragen fühlt. Passe die Höhe beider Blöcke gerne noch an, so dass der Brustkorb sich weitet, während Hals und Nacken sich entspannt und lang anfühlen. (Sanftere Alternative zu den Blöcken: eine gerollte Decke quer unter der Brust).

Wenn du gut liegst, streckst du die Beine locker am Boden aus. Bleibe 2-3 Minuten lang im Fisch. Atme zu Beginn einige Male durch die Nase ein und dann lang und lösend durch den geöffneten Mund wieder aus. Dabei löst du bewusst jede äußere (und vielleicht auch innere) Anspannung. Zum Beenden der Haltung stellst du die Beine auf, hebst den Kopf mit den Händen und der Kraft deiner Mitte an und kommst langsam zum Sitzen. Ruhe flach auf dem Rücken liegend etwas nach. Dabei legst du die Hände Bauch und Herz und spürst deinen Atem. Wie fühlt sich die gewonnene Weite im Brustkorb an, spürst du eine Veränderung in dieser Region, physisch, oder auch emotional?

Yin Yogahaltung 2: Schmetterling

Ankommen – öffnet die Verbindung nach innen. Eine gute Idee, wenn du Spannung in Schultern, Nacken und Rücken lösen möchtest.

Yin-Yoga-Sequenz für mehr Selbstliebe von Helga Baumgartner
Foto: Christine Schneider

Beginne sitzend mit angewinkelten Beinen, dann lässt du die Knie auseinander sinken wie Schmetterlingsflügel und legst die Fußsohlen locker aneinander. Alternativ kannst du die Füße weiter nach vorne schieben, außerdem könntest du erhöht auf einer Decke sitzen und die Beine seitlich mit Blöcken stützen. Lege einen Block oder ein Kissen hinter deine Füße, bevor du dich mit einer Ausatmung langsam nach vorne sinken lässt. Entspanne dabei bewusst die Muskulatur, bis in der runden Länge die Dehnung am Rücken spürbar wird. Wenn die Unterarme am Boden aufliegen, könntest du sie wie auf dem Bild gezeigt unter die Beine schieben, ansonsten legst du sie auf die Beine. Der Kopf kann auf dem bereitstehenden Block ruhen (gerne auch hochkant oder zwei übereinander). Lass mit einigen tiefen, bewussten Ausatmungen noch mehr Anspannung abfließen, Schultern und Rücken werden weich, du kommst immer mehr in der Haltung an, spürst wie sie dich trägt. Vielleicht nimmst du auch wahr, wie der Atem hinter den Schulterblättern die Rückseite des Brustkorb entfaltet. Falls diese Haltung für dich zu mild ist, kannst du die Beine auch ausstrecken und grätschen zur Libelle (kleines Foto). Diese intensivere Variante erzeugt neben mehr Länge am Rücken auch mehr Dehnung an den Beininnenseiten.

Bleibe 4-5 Minuten, so lange sich die Haltung stimmig anfühlt. Mit einer Einatmung hebst du dann Kopf und Oberkörper langsam wieder an und schließt die Knie. Spüre in der Bauch- oder Rückenlage nach. Lege die Hände dabei wieder auf Bauch und Herzraum und nehme deinen Atem wahr. Wie fühlen sich Schulterregion und Rücken nun an? Spürst du dort ein Fließen von Wärme, von Energie?

Yin Yogahaltung 3: Wassernixe

Entfaltung – die spielerische Seitbeuge kann Spannung im Grenzstrang (truncus sympathicus) an der Wirbelsäule lösen. Der seitliche Brustkorb und die Rippen fächern sich auf.

Yin-Yoga-Sequenz für mehr Selbstliebe von Helga Baumgartner
Foto: Christine Schneider

Lege dein Bolster quer auf die Matte und setze dich mit der rechten Beckenseite dicht vor das Bolster, die Beine sind bequem gebeugt. Stütze die Hände über das Bolster und gleite dann mit der rechten Hand am Boden entlang vom Bolster weg, so dass deine rechte Flanke auf dem Bolster zum Liegen kommt. (Alternative zum Bolster: eine gerollte Decke). Lege den Kopf auf den rechten Oberarm ab. Den freien linken Arm kannst du locker über dem Kopf nach oben legen, so dass die Handflächen aufeinander liegen. Probiere auch gern eine andere Armvariation wie die hier gezeigte, wo der obere Arm auf der unteren Handfläche liegt. Du selbst entscheidest, wie intensiv die Dehnung an der oberen Flanke und am Brustkorb sein soll.

Atme einige Male durch die Nase ein, und lange und lösend durch den geöffneten Mund wieder aus. Erlaube, dass sich die Haltung mit der Zeit entfaltet, dazu bleibst du 3-5 Minuten lang. Zum Auflösen stützt du die linke Hand vor dem Brustkorb auf, hebst Kopf und Oberkörper langsam wieder an und bleibst einen Moment auf beide Hände gestützt sitzen. Wir machen direkt weiter mit Haltung 4.

Yin Yogahaltung 4: Reh mit Drehung

Zentrierung – löst Spannungen und Dysbalancen an der Wirbelsäule. Schafft Länge für den unteren Rücken. Stimuliert die Bauchorgane und unterstützt die Mobilität der Hüftgelenke

Yin-Yoga-Sequenz für mehr Selbstliebe von Helga Baumgartner
Foto: Christine Schneider

Drehe den Oberkörper nach rechts, so dass dein Brustkorb zum Bolster zeigt. Das Bolster kannst du dort behalten oder auch zur Seite legen. Falls sich diese Drehung noch sperrig anfühlt, schiebst du die rechte Hüfte etwas nach rechts und ziehst das hintere (linke) Knie etwas nach vorne. Strecke die Wirbelsäule genussvoll in die Länge, wenn du dich nun drehend über das rechte Bein nach vorne lehnst. Bleibe dabei entweder auf die Hände gestützt oder auf die Unterarme, alternativ liegst du auf dem Bolster. Spiele mit der Form, bis du eine interessante Länge am unteren Rücken links spürst. Nicht der Körper kommt in der Haltung an, sondern die Haltung kommt im Körper an. Atme einige Male durch die Nase ein und langsam durch den Mund wieder aus.

Bleibe 3-5 Minuten lang. Lass dir viel Zeit, um danach den Oberkörper wieder aufzurichten und lege dich behutsam auf den Rücken. Wie geht es dir nach den zwei Haltungen, was spürst du? Lass den feinen Energiefluss allmählich abklingen, bevor du Übung 3 und 4 seitenverkehrt übst. Danach nimmst du dir noch einmal in der Rückenlage Zeit zum Nachspüren. Lege die Hände auf Bauch und Herz und nimm deinen Atem wahr. Spüre das Echo der Praxis entlang der Flanke und der Wirbelsäule.

Yin Yogahaltung 5: Anahata mit Anjali-Mudra

Verbindung mit dem Herzraum – streckt die Wirbelsäule, weitet die Oberkörpervorderseite in Längsrichtung. Anjali-Mudra bringt zusätzlich Länge in den Trizeps und Herzmeridian.

Yin-Yoga-Sequenz für mehr Selbstliebe von Helga Baumgartner
Foto: Christine Schneider

Lege deine Unterarme aus dem Vierfüßlerstand auf ein quer über der Matte liegendes Bolster. Dann schiebst du die Ellenbogen etwas nach vorne, so dass der Brustkorb in Richtung Boden sinkt. Lege die Stirn oder auch die Kopfkrone so auf die Rolle, wie es für deine Halswirbelsäule angenehm ist. Für die Anjali-Mudra Handhaltung beugst du die Ellenbogen und lässt die aneinander liegenden Hände Richtung Hinterkopf sinken. Spüre, wie zwischen Ellenbogen und Sitzbeinen eine Art Hängebrücke entsteht, die deinen Herzraum weitet. Atme lang gezogen und tief aus.

Bleibe 2-3 Minuten lang in dieser Haltung – in jedem Fall nur so lange, wie du dich sicher fühlst. Zum Auflösen schiebst du die Unterarme gegen die Rolle, so dass die Körpermitte aktiv wird. Dann hebst du den Kopf, wanderst mit den Knien nach vorne und richtest langsam den Oberkörper auf. Spüre im Fersensitz nach: Nimmst du eine Wärme wahr, dort wo gerade noch Dehnung war? Wie fühlt sich deine Wirbelsäule an? Lege die Hände auf Bauch und Herz und spüre die Verbindung zum Atem, die Verbindung zum Herzen. Leg dich dann auf den Bauch.

Yin Yogahaltung 6: Offener Flügel

Öffnung – Oberkörper- und Schultervorderseite dehnen sich in Querrichtung.

Yin-Yoga-Sequenz für mehr Selbstliebe von Helga Baumgartner
Foto: Christine Schneider

Stütze in der Bauchlage die Unterarme auf (Sphinx), dabei platzierst du eventuell eine gefaltete Decke unter dem Brustkorb und legst einen Block für den Kopf bereit. Lege den rechten Arm auf Schulterhöhe gestreckt zur Seite, die Hand darf sich dabei so drehen, wie es für dich stimmig ist. Stütze die linke Hand links neben dem Brustkorb am Boden auf, wenn du dich nun langsam auf die rechte Körperseite rollst, bis du eine interessante Öffnung vom Brustbein über die Brust und die Schultervorderseite spürst. Die Decke unter dem Brustkorb mildert hier die Haltung für die rechte Schulter. Die rechte Schläfe legst du am Boden oder auf dem Block ab. Winkle das untere (rechte) Bein an, so dass du stabil liegst, und schiebe das obere (linke) Bein gestreckt etwas nach hinten. Das intensiviert die Dehnung an der linken Hüfte.

Nach etwa 2 Minuten löst du die Haltung langsam wieder auf und kehrst zurück in die Bauchlage. Sobald das Nachspüren etwas stiller geworden ist, übst du die zweite Seite. Anschließend spürst du wieder in Bauchlage nach und nimmst die Empfindungen an Brustkorb und Schultern wahr. Wie fühlt sich diese Region jetzt an?

Yin Yogahaltung 7: Aufgerichteter Schwan

Schmelzen – dehnt den Hüftbeuger des hinteren Beins, der häufig verspannt-verkürzt ist. Dies erzeugt dann in Folge Länge in der Lendenwirbelsäule. Öffnet die gesamte Vorderseite.

Yin-Yoga-Sequenz für mehr Selbstliebe von Helga Baumgartner
Foto: Christine Schneider

Ziehe aus dem Vierfüßlerstand das rechte Knie hinter die rechte Hand und schiebe den rechten Fuß etwas nach links, so dass dein rechtes Schienbein diagonal auf der Matte liegt. Dein Potenzial für die Außenrotation im rechten Hüftgelenk gibt dabei den für dich passenden Winkel vor. Ganz wichtig: eine Spannung im rechten Knie wäre hier ein Hinweis, die Haltung zu verändern! Lege bei Bedarf einen Block unter die rechte Gesäßhälfte, ein Bolster quer unter das ganze Gesäß, oder ein Bolster längs unter den rechten Oberschenkel und Po. Schiebe das linke Bein gerade nach hinten. Die Hände lässt du am Boden oder du setzt sie wie hier auf Blöcke. Das intensiviert die Rückbeuge und die Dehnung an der Körpervorderseite. Ein mildes Druckgefühl im Rücken ist okay. Sollte der Druck zu intensiv werden, schiebst du die Hände etwas weiter nach vorn. Lass die linke Beckenseite ausatmend weich nach unten sinken und schmelze dabei tiefer in die Haltung. Wieviel dehnende Intensität an der linken Vorderseite, wieviel stimulierender Druck im Rücken sind für dich stimmig und interessant?

Bleibe 3–5 Minuten oder solange du dich wohl fühlst. Um von hier direkt weiter in den Schlafenden Schwan zu gehen, lehnst du den Oberkörper langsam etwas weiter nach vor. Spüre hier einen Moment lang das Echo der Haltung in deinem Körper, deinem Geist und deinen Emotionen.

Yin Yogahaltung 8: Schlafender Schwan mit Adlerarmen

Lösung – vor allem in den Hüftrotatoren (Piriformis) und dem IT-Band, häufig Regionen mit hoher Spannung. Mobilisiert und lockert die Schulterregion.

Yin-Yoga-Sequenz für mehr Selbstliebe von Helga Baumgartner
Foto: Christine Schneider

Wandere mit den Händen langsam nach vorne und senke deinen Oberkörper, bis du eine gute Intensität der Dehnung an der Hüft- und Oberschenkelaußenseite des angewinkelten Beins gefunden hast. Dabei hilft dir dein Atem: Ein zittriger Atem ist ein Hinweis auf zu hohe Intensität. Du kannst auf den Händen oder den Unterarmen bleiben, oder dich auf dem Bolster oder am Boden ablegen. Wenn du dir eine zusätzliche Lockerung der Schulterregion wünschst, legst du den linken Arm über den rechten, beugst die Ellenbogen und legst die Handflächen oder -rücken aneinander. Die Stirn kannst du sanft gegen die Hände lehnen. Du intensivierst die Dehnung an den Schultern wenn du die Ellenbogen etwas wegschiebst von den Schultern und einen Block unterlegst. Atme einige Male durch die Nase ein, lange und lösend durch den Mund wieder aus.

Bleibe entspannt 3-5 Minuten oder so lange, wie es sich heute gut anfühlt. Löse dann zuerst die Arme und schiebe die Hände sachte gegen den Boden. Richte den Oberkörper betont langsam wieder auf und ziehe das hintere Knie nach vorne. So findest du zurück in den Vierfüßler. Schau, ob du dir eine Pause oder eine intuitive Bewegung wünschst, bevor du die zweite Seite von 7 und 8 übst. Anschließend spürst du in der Rückenlage dem Echo der letzten vier Haltungen nach. Vielleicht konnte sich einiges an Spannung lösen? Lege die Hände auf Bauch und Herz und spüre deinen Atem.

Yin Yogahaltung 9: Sattel

Befreiung – dehnt die langen fasziale Linien an der Körpervorderseite. Der milde Druck in der Lendenwirbelsäule stimuliert die Nierenkraft.

Yin-Yoga-Sequenz für mehr Selbstliebe von Helga Baumgartner
Foto: Christine Schneider

Lege ein Bolster längs auf die Matte. Setze dich vor dem Bolster auf oder zwischen deine Fersen. Bei Bedarf legst du eine gefaltete Decke unter die Schienbeine, einen Block unter das Gesäß und einen dünn gefalteten Gurt in die Kniekehlen. Das mildert den Druck auf Fuß- und Kniegelenke. Für mehr Länge im unteren Rücken kannst du das Steißbein noch etwas in Richtung der Knie ziehen, bevor du dich auf die Hände stützt und langsam, Stück für Stück zurücklehnst. Lass dir viel Zeit mit dieser Haltung und praktiziere immer in der Intensität, der du vertraust. Wenn möglich, lehnst du dich irgendwann auf die Unterarme. Wenn du jetzt bemerkst, dass sich der Sattel heute nicht stimmig anfühlt, legst du dich statt dessen wie im kleinen Bild gezeigt mit dem Becken über das quer liegende Bolster. Wenn du im Sattel tiefer gehen möchtest, legst du achtsam den Rücken und dann den Kopf auf dem Bolster ab. Ein leichter Druck im unteren Rücken ist in Ordnung, genau so eine Dehnung an der Vorderseite. Breite die Arme zu den Seiten oder hinter dem Kopf aus, du kannst sie auch mit Hilfsmitteln stützen. Atme einige Male durch die Nase ein und lange und lösend durch den Mund wieder aus.

Genieße die befreiende Öffnung 3-5 Minuten oder solange es für dich stimmig ist. Zum Auflösen hebst du zuerst den Kopf mit Hilfe der Hände. Dabei wird die Körpermitte aktiv. Dann greifst du mit den Händen zu den Fersen und schiebst dich langsam zurück in den Fersensitz. Spüre 1-2 Minuten lang sitzend dem Echo in Wirbelsäule und Nierenregion nach. Anschließend lässt spürst in Rückenlage noch einmal nach. Kannst du das Fließen von Wärme oder Energie auch an der Vorderseite spüren? Nimmst du mehr Präsenz in der Wirbelsäule wahr?

Abschluss

Yin-Yoga-Sequenz für mehr Selbstliebe von Helga Baumgartner

Bevor du dich in Shavasana entspannst, lege dich 1-2 Minuten lang bequem in die Rückenlage. Mache die ausgleichenden Bewegungen, die du dir jetzt wünschst, strecke zum Beispiel Arme und Beine nach oben oder schaukle die angestellten Beine nach rechts und links. Spüre dabei, was die Praxis in dir berührt hat. Vielleicht hat sich ja etwas innere Spannung gelöst. Vielleicht ist mehr Weite in dir entstanden. Lege die Hände noch einmal auf Bauch und Herz und nimm die Verbindung zum Atem wahr. Über den Atem spüre die Verbindung zu dir selbst, in der du nun wieder angekommen bist. Die Verbundenheit zu diesem Moment. Die Verbundenheit mit allem, was ist. Dann ruhe 6-10 Minuten in Shavasana. Beende die Praxis danach im Sitzen mit aneinander gelegten Händen und dem inneren Wunsch nach Frieden, Wohlergehen und Harmonie für alle Lebewesen. OM.


HELGA BAUMGARTNER leitet mit ihrem Partner die Mindful Yin+Yoga Schule. Sie zählt zu den wenigen Lehrer*innen weltweit, die bei Paul Grilley in Kalifornien eine 650 h Yin Yoga Ausbildung abgeschlossen haben. Sie selbst unterrichtet seit vielen Jahren und bietet seit 2014 Yin-Yoga-Ausbildungen an. Mehr Info auf yinplusyoga.de und Instagram @helgabaumgartneryoga


Einschlafen erwünscht – beruhige mit dieser Abendpraxis dein Nervensystem:

Winterliche Fitmacher – 3 sättigende Salatrezepte

Erdig, würzig und schön sättigend, dabei aber auch frisch und gesund – genau so sollten Salate in dieser Zeit des Jahres sein. Wir schwelgen dafür nicht nur in allem, was derzeit an Gemüse zu haben ist, wir verraten euch auch fünf verschiedene Dressing-Rezepte, mit denen du ihnen je nach Geschmack einen anderen Aroma-Dreh geben kannst.

Rezepte: Erica Gebhart / Titelbild: Anna Puzatykh von Getty Images via Canva

Mangold-Salat mit gerösteten Kichererbsen

Kichererbsen-Salat Symbolbild, winterliche Fitmacher
Foto: Anna Puzatykh von Getty Images via Canva, Symbolbild

Zutaten für 4 Personen:

  • 1 Dose Kichererbsen
  • 1 EL Olivenöl
  • 2 TL Garam Masala Gewürz
  • 3 EL Sesamsamen (hell)
  • 400 g Mangold

Zubereitung

1. Den Backofen auf 200°C vorheizen. Die Kichererbsen in einem Sieb abspülen und abtropfen lassen. Öl mit Garam Masala verquirlen. Kichererbsen einrühren, auf ein mit Backpapier belegtes Blech geben und ca. 30 Minuten im Ofen braten. Dabei immer wieder rütteln oder wenden. Herausnehmen und leicht abkühlen lassen.

2. Die Sesamsamen ohne Fett in der Pfanne etwas rösten.

3. Mangold waschen, die Stiele herausschneiden und die Blätter grob zerschneiden. In kochendem Wasser ca. 2 Minuten blanchieren, dann abgießen und mit kaltem Wasser abschrecken. In einer Schüssel mit Dressing beträufeln und gut durchmischen. Die Kichererbsen darauf verteilen und mit Sesam und etwas Pfeffer aus der Mühle bestreuen.

5 Dressings für jeden Geschmack

Balsamico-Honig
2 EL dunklen Balsamico-Essig mit 1 EL Senf, 1 TL Honig, 3 EL Wasser und 1 EL Soja-Kochcreme verquirlen. 4 EL Olivenöl unter Rühren angießen und cremig verquirlen. Mit Salz und frisch gemahlenem Pfeffer abschmecken.

Clementinen-Linsen
100 g rote Linsen mit 200 ml Gemüsebrühe und 1 TL Kurkuma bissfest garen, abgießen.
Saft von 2 Clementinen mit 2 EL weißem Balsamico-Essig, 1 TL Honig und 1 EL Soja-Kochcreme verquirlen, mit den Linsen vermischen und das Ganze mit Salz und Pfeffer würzen.

Senf-Ahornsirup
100 ml Traubenkern- oder Sonnenblumenöl mit 100 ml Wasser, 3 EL Apfelessig, 3 EL Senf (mittelscharf oder körnig) und 3 EL Ahornsirup kräftig verquirlen, mit Salz und Pfeffer würzen.

Tahini-Zitrone
Saft von 1⁄2 Bio-Zitrone mit 1 EL abgeriebene Bio-Zitronenschale, 100 g Joghurt-Alternative,
4 EL Tahini, 3 EL Wasser, je 1⁄4 TL Kurkuma, Kreuzkümmel und Paprikapulver verquirlen.
Mit Salz und Pfeffer aus der Mühle abschmecken.

Dreifach Orange
Saft von 1 großen Bio-Orange, 1 EL abgeriebene Bio-Orangenschale und 1 TL Orangenmarmelade unter Rühren einkochen lassen. Vom Herd nehmen, etwas abkühlen lassen und mit 4 EL mildem Olivenöl, Salz und Pfeffer verquirlen.

Quinoa-Salat mit Cranberries, Äpfeln und Nüssen

Quinoa-Apfel-Salat Symbolbild
Foto: nata_vkusidey von Getty Images via Canva, Symbolbild

Zutaten für 4 Personen:

  • 150 g Quinoa (oder Couscous)
  • 1 kleiner Bund Petersilie
  • 2 große süßliche Äpfel (z.B. Gala)
  • 1 Zitrone, ausgepresst
  • 3 Stangen Staudensellerie
  • 100 g getrocknete Cranberries
  • 75 g Walnusskerne

Zubereitung

1. Quinoa in einem Sieb kalt abspülen und abtropfen lassen. In einem Topf mit 400 ml leicht gesalzenem Wasser aufkochen und mit geschlossenem Deckel bei mittlerer Hitze ca. 20 Min. garen, bis die Flüssigkeit vollständig aufgesogen ist. In einer Schüssel abkühlen lassen.

2. Petersilie waschen und trockenschütteln, die Blättchen abzupfen. Äpfel waschen, Kernhaus entfernen, das Fruchtfleisch würfeln und sofort mit etwas Zitronensaft vermischen. Staudensellerie waschen und kleinschneiden.

3. Alle Zutaten mit den Cranberrys und den Walnüssen vermischen, mit Dressing beträufeln und gut durchmischen.

Mandarinen-Fenchelsalat

Mandarinen-Fenchel-Salat Symbolbild, winterliche Fitmacher
Foto: Gwylan Anna von Getty Images via Canva, Symbolbild

Zutaten für 4 Personen:

  • 4 Mandarinen
  • 2 große Fenchelknollen
  • 1 Zitrone, ausgepresst
  • 1 rote Zwiebel
  • 1⁄2 Bund frischer Dill
  • 1 EL grüne Pfefferkörner (eingelegt)
  • 1 Handvoll Gojibeeren

Zubereitung

1. Mandarinen schälen, Fruchtscheiben voneinander trennen, weiße Fäden abziehen. Fenchel waschen, in Scheiben schneiden (oder hobeln), sofort mit Zitronensaft beträufeln und durchmischen. Zwiebel schälen, in sehr feine Ringe schneiden. Dill waschen, Zweige abzupfen. Pfefferkörner in ein Sieb geben, spülen und abtropfen lassen.

2. All diese Zutaten in einer Schüssel miteinander vermischen, mit Dressing beträufeln und nochmals gut durchmischen. Auf Tellern anrichten und mit Dill und Gojibeeren bestreuen.


Federleicht ist die Schreibe unserer Food-Fee Erica Gebhart – und genauso heißt auch das Redaktionsbüro der freien Journalistin. Ganz wichtig: Von ihrem Schreibtisch darf es nie mehr als ein paar Schritte weit in die Küche sein. Mehr auf feder-leicht.com

Du suchst noch mehr winterliche Rezepte und Kochinspiration? Dann schau doch mal hier vorbei:

Entdecke die Kraft von Thai Yoga: Dein Weg zu tiefer Entspannung und innerer Balance

Tobias Frank Thai Yoga
Tobias Frank Thai Yoga

Tobias Frank, seit über 15 Jahren als Bodyworker, Buchautor und Seminarleiter tätig, weiß: “Thai Yoga hat mein Leben auf vielfache Weise bereichert: Ich habe gelernt, dass ich der Welt umso mehr zu geben habe, je mehr ich mir die Erlaubnis gebe, Pause zu machen, für mich zu sorgen und meine eigene Energie hoch zu halten.” Tobias möchte in einer Welt leben, in der Menschen sich achtsam und liebevoll berühren, anstatt nur ihre Smartphones zu bedienen. Hier erklärt er, was Thai Yoga ist, was es bewirkt und wie es dein Leben transformieren kann.

Was ist Thai Yoga?

Thai Yoga ist eine ganzheitliche Form der Körperarbeit, die man auch als passives Yoga bezeichnen könnte. Es nutzt Techniken und die Körpermechanik der klassischen Thai Massage, was es ermöglicht, ohne Anstrengung zu geben und zu empfangen. Der Fokus liegt dabei auf der Qualität der Berührung: Wichtiger als das “Was” ist das “Wie”. Durch Präsenz und Achtsamkeit schaffen wir einen geschützten Raum, in dem Loslassen, Heilung und Transformation möglich werden. Berührung kann so nicht nur den Körper, sondern auch die Seele berühren.

Der Unterschied zu anderen Yogastilen und Massagearten

Diese Form des Yoga ist einzigartig, weil sie alle Schichten des menschlichen Seins einbezieht: den physischen Körper, den Energiekörper, den Emotionalkörper, den geistigen Körper und den göttlichen Körper. Viele Yogastile oder Massagearten konzentrieren sich primär auf Teilaspekte. Die Dimension der Gefühle und Emotionen kommt im klassischen Yoga oft zu kurz. Thai Yoga hingegen ermöglicht es, auch an unterdrückte Gefühle und Emotionen heranzukommen.

Ein weiterer Unterschied liegt im Ansatz: Während viele Methoden auf Wissen und Technik setzen, geht es hier darum, sich intuitiv und achtsam auf den Moment einzulassen. Unsere Körper sind keine Maschinen, sondern fühlende Wesen, die je nach Energiezustand unterschiedliche Bedürfnisse haben. Um wirklich zu helfen, brauchen wir radikales Vertrauen in unsere Intuition und die Fähigkeit, den Moment zu spüren und darauf zu reagieren.

Thai Yoga ist Meditation in Bewegung

Die Praxis wird oft als “Meditation in Bewegung” beschrieben. Wenn du Thai Yoga praktizierst, kommst du schnell und ohne Anstrengung in einen Flow-Zustand. Die Arbeit mit einem anderen Menschen erfordert Achtsamkeit und Präsenz, wodurch ein meditativer Zustand ganz natürlich erreicht wird. Eine Ausbildungsteilnehmerin berichtete, dass sie durch Thai Yoga leichter in einen meditativen Zustand kam als beim alleinigen Meditieren.

Der Ablauf einer Sitzung

Eine Thai Yoga Sitzung dauert in der Regel mindestens 90 Minuten, wobei längere Sessions von 2 bis 2,5 Stunden ein noch tieferes Erlebnis bieten. Während der Sitzung erhältst du die uneingeschränkte Aufmerksamkeit des Gebenden. Dein Körper wird in passive Drucktechniken oder Dehnungen gebracht, wodurch sich Blockaden auf physischer, energetischer, emotionaler oder geistiger Ebene lösen können. Es stellt sich ein Zustand tiefen Loslassens, Vertrauens und Geborgenheit ein, in dem du komplett die Kontrolle abgeben und ins entspannte Sein finden kannst.

Voraussetzungen und Vorbereitung

Um eine Sitzung zu empfangen, brauchst du lediglich eine weiche Unterlage und bequeme Kleidung. Es sind keinerlei Voraussetzungen notwendig. Um selbst eine Sitzung zu geben, brauchst du nur die Freude daran, jemanden zu berühren und deine volle Aufmerksamkeit auf den Moment zu richten. Es ist nicht notwendig, Sequenzen auswendig zu lernen; wichtiger als das Tun ist das Sein.

Die Vorteile von Thai Yoga

Thai Yoga mit Tobias Frank
Tobias Frank & Birgit Suva Schachner – Foto: © Simin Kianmehr

Physische Vorteile

Die Praxis bietet zahlreiche körperliche Vorteile, wie tiefe Entspannung und verbesserte Durchblutung. Durch die achtsame Berührung wird das Ruhe-Hormon Oxytocin aktiviert, das Adrenalin und Kortisol entgegenwirkt. Serotonin und Endorphine sorgen für Glücksgefühle und wirken beruhigend auf das Nervensystem. Dies kann innere Unruhe, Nervosität und Heißhungerattacken reduzieren, da sich Körper und Seele genährt fühlen.

Wirkung auf das Nervensystem und Hormondrüsen

Achtsame Berührung schenkt deinem Körper einen heilsamen Hormon-Cocktail. Oxytocin fungiert als Gegenspieler zu Stresshormonen, während Serotonin und Endorphine Glücksgefühle fördern und das Nervensystem harmonisieren. Dies kann Symptome seelischer Erkrankungen wie Depression, Vereinsamung und Burn-Out lindern.

Atmung und energetische Blockaden

Während einer Sitzung kannst du deine Atmung ganz natürlich fließen lassen. Die Berührung lenkt die Wahrnehmung automatisch in den eigenen Körper, was zu einer entspannten und tieferen Atmung führt. Dies kann einen schlafähnlichen Zustand hervorrufen, der jedoch einem Klartraum ähnelt und das Unterbewusstsein öffnen kann.

Harmonisierung der Energie

Thai Yoga mit Tobias Frank
Tobias Frank & Birgit Suva Schachner – Foto: © Simin Kianmehr

Diese Form des Yoga hilft, die eigene Energie zu harmonisieren, indem es Achtsamkeit, Spüren, Klarheit und Hingabe praktiziert. Es bringt dich aus dem Kopf ins Herz und fördert das Leben im Moment. Dies stärkt dein Vertrauen in deine Intuition und erleichtert es dir, deine eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und zu äußern.

Abbau von Nervosität und Müdigkeit

Thai Yoga hilft, ein überaktives Nervensystem zu beruhigen und die Balance von Yin und Yang wiederherzustellen. Das führt zu einem entspannten und wachen Zustand, der natürliche Freude und Präsenz fördert.

Überwindung von Isolation und Getrenntsein

Diese Praxis bringt dich aus dem Kopf ins Herz und fördert das Gefühl der Verbundenheit. Durch achtsame und liebevolle Berührung wird das Wissen um unsere Einheit zur erfahrbaren Realität.

Stärkung des Selbstwertgefühls und der Lebensfreude

Freude ist unsere Essenz, und Thai Yoga hilft, diese Essenz wiederzufinden. Durch die Praxis wirst du in den Moment geführt, Stress und Unruhe werden reduziert und du verbindest dich mit deinem Herzen.

Geistige Klarheit und Abbau negativer Gedankenmuster

Diese Praxis unterstützt das geistige Erwachen und hilft, die Identifikation mit Gedanken und Gefühlen loszulassen. Es lenkt die Wahrnehmung in den Körper und ermöglicht so eine tiefere Verbindung zu sich selbst.

Der meditative Zustand

Thai Yoga fördert das Bewusstsein und die Achtsamkeit im Moment. Es geht nicht nur um die Technik, sondern um dein Sein und deine Energie-Signatur. Durch die Praxis kultivierst du eine entspannte und liebevolle Berührung, die sowohl dir als auch dem oder der Empfangenden zugutekommt.

Fazit: Deine Reise zu innerer Ruhe

In einer Zeit, in der Digitalisierung und künstliche Intelligenz unser Leben bestimmen, bietet Thai Yoga eine wertvolle Möglichkeit, zu sich selbst und zu anderen Menschen zurückzufinden. Diese Praxis hilft, chronischen Stress, Überanstrengung und Reizüberflutung zu reduzieren und fördert Bewusstsein und Präsenz. Lass dich von Thai Yoga inspirieren und entdecke die transformative Kraft dieser einzigartigen Methode.

“Die meisten Menschen leben ihr Leben in einem Zustand von chronischem Stress, Überanstrengung und Reizüberflutung. Durch Thai Yoga können wir diesen Zustand verändern und zurück zu innerer Ruhe und Balance finden.”


Du möchtest Thai Yoga direkt von Tobias lernen? Dann besuche die YogaWorld Academy und entdecke seine Ausbildungen.

Mehr Info zu Tobias auf thaiyoga.de und auf Instagram.

Diagnose Brustkrebs: Wie Yoga unterstützen kann

Diagnose: Brustkrebs. Mit dieser Gewissheit beginnt für viele Frauen (und auch einige Männer) ein langer, leidvoller Weg. Die Heilungschancen sind inzwischen gut, zumal Yoga und Ayurveda dabei die oftmals entscheidende Unterstützung bieten können. Hier berichten Betroffene und Expertinnen.

Text: Nici Tannert / Titelbild: Aflo Images via Canva

„Ich hatte schon länger eine kleine Delle, eine Einbuchtung, an der Unterseite der Brust und dachte mir noch: ‚Lustig, was mein Busen da so macht.‘ Wenig später hat mich mein Mann dort berührt und gefragt: ‚Was hast du da?‘ Er hat den Knoten entdeckt.“ Im März 2018 erhielt Sigrun Ramsperger die Diagnose. „Wenn deine Ärztin plötzlich ein versteinertes Gesicht bekommt, dann weißt du, was los ist.“

Jedes Jahr gibt es mehr als 75.000 Brustkrebs­-Neuerkrankungen alleine in Deutschland. Zu 99 Prozent sind Frauen davon betroffen. Für sie ist es die mit Abstand häufigste Krebsart: Jede achte Frau wird laut den aktuellen Zahlen im Krebsregister am Robert Koch­-Institut im Laufe ihres Lebens mit dieser Diagnose konfrontiert. Rechtzeitig erkannt und behandelt, sind die meisten heutzutage heilbar. Aber der Weg dorthin ist niemals leicht. Sigrun ließ den Knoten entfernen, verweigerte allerdings die weitere empfohlene Behandlung und setzte auf Naturheilverfahren. „Damit habe ich mich auch sehr wohl und fit gefühlt, aber ein Jahr später hatte ich ein Rezidiv.“ Der Krebs war zurück. Jetzt gab es keine Alternative mehr. Die Brust wurde amputiert und mit Silikon wieder aufgebaut. Außerdem bekam sie Medikamente, die das Rezidiv­-Risiko senken. Doch damit begann der eigentliche Leidensweg.

Sigrun Ramsperger, Iyengar-Yogalehrerin in Ismaning

Wie die meisten bösartigen Tumore an der Brustdrüse, sogenannte Mammakarzinome, war Sigruns Brustkrebs Hormonrezeptor­positiv. Das bedeutet, dass hohe Werte das Wachstum der Krebszellen beschleunigen. Medikamente können in diesem Fall verhindern, dass die Rezeptoren der Krebszellen an die Hormone andocken und so das Karzinom genährt wird. Doch diese Präparate stellen oft das gesamte Hormonsystem auf den Kopf. „Ich bin von heute auf morgen in den Wechsel gedrückt worden“, erzählt Sigrun. Schubweise kamen starke Gelenk-­ und Muskelschmerzen und sie entwickelte eine Depression. „Ich war so müde und erschöpft, dass ich manchmal nicht wusste, wie ich den Tag rumkriegen sollte. Ich bin aufgewacht und hab mir gedacht: ‚Wozu?‘ In mir war nur Leere. Keine Freude mehr, kein Antrieb.“

So kann Yoga bei Brustkrebs unterstützen

Fatigue
Eine der schwersten Nebenwirkungen bei der Behandlung ist das Erschöpfungssyndrom. Es führt zu einer starken Beeinträchtigung der Lebensqualität durch Symptome wie Kraftlosigkeit, Müdigkeit, Niedergeschlagenheit und Konzentrationsschwierigkeiten. Yoga reduziert Fatigue signifikant und hilft insbesondere, wieder in Bewegung zu kommen.

Immunsystem
Die Konfrontation mit einer lebensbedrohlichen Krankheit kann Stoffwechselveränderungen auslösen, die das Immunsystem erheblich schwächen. Bei einer Studie aus dem Jahr 2021 konnten schon nach sechs Yogastunden heilungsunterstützende Immunprozesse beobachtet werden.

Schlafstörungen
Regelmäßige Yogaeinheiten erleichtern das Ein- und Durchschlafen und erhöhen die Schlafqualität. Wer Yoga übt, kommt abends besser zur Ruhe und schläft erholsamer. Das wiederum reduziert die Tagesmüdigkeit und sorgt für mehr Energie und Kraft.

Menopausale Symptome
Therapiebedingt können bei Krebserkrankungen starke Wechseljahrsbeschwerden hervorgerufen werden wie Hitzewallungen oder Reizbarkeit. Yoga und damit einhergehende Achtsamkeitsübungen können hier erwiesenermaßen ausgleichend wirken.

Quelle: White Paper 2024. Nebenwirkungsmanagement in der Onkologie mit Yoga. Deutsche Gesellschaft für Yoga in der integrativen Onkologie e.V. SO

Yoga als Überlebenshilfe

Als wären der Krebs und die damit einhergehenden Ängste nicht schon schlimm genug: Oft reißen die Nebenwirkungen der Therapien, die das Leben retten sollen, den betroffenen Frauen erst so richtig den Boden unter den Füßen weg. Allerdings nicht allen und nicht im gleichen Maß. Der gleiche Krebs, die gleichen Medikamente können bei zwei Frauen ganz unterschiedliche Auswirkungen haben. Für Sigrun war die besondere Schwere ihrer Nebenwirkungen auch deshalb ein Problem: „Dann steht man alleine da und fühlt sich so hypochondrisch.“ Was der Iyengar­-Yogalehrerin in dieser dunklen Phase am meisten geholfen hat, war die Tatsache, dass sie weiter Yoga unterrichten und damit Geld verdienen musste. Diese Verpflichtung hat sie auch dann für das eigene Üben auf die Matte gebracht, wenn der Antrieb völlig fehlte. Heute sagt sie, dass es ihre Yogapraxis war, die sie schließlich „durch die Hölle geleitet“ hat.

Ähnliches kennt man natürlich von anderen Krankheiten und Schicksalsschlägen: Yoga kann sie nicht verhindern, aber die Übungspraxis ist ein unglaublicher Schatz, aus dem man schöpfen kann. „Das Tolle am Yoga ist, dass ich die Praxis individuell danach ausrichten kann, wie es mir heute geht“, erzählt auch Stefanie Ebenfeld, deren Brustkrebs­-Geschichte vor mittlerweile 14 Jahren begann. Im Lauf der Zeit hat die Yogalehrerin in Eigenregie herausgefunden, was ihr beim Üben guttut und wie sie ihre Praxis an die jeweiligen Therapiephasen und Befindlichkeiten anpassen kann. Mal kraftvoller, mal sehr behutsam.

Individuell unterstützende Praxis

Als besonders hilfreich beschreibt sie beispielsweise lange Dehnungen des Brustraumes. „Dieser ganze Bereich ist durch Operationen und Bestrahlungen oft bindegewebig vernarbt und zusammengezogen. Zudem sorgen manche Medikamente für einen hohen Muskeltonus. Und auch Ängste schaffen Enge im Brustkorb. Wenn wir da verspannt sind, zieht es sich durch den ganzen Körper. Yogaübungen helfen, diesen Bereich wieder sanft zu öffnen.“ Ihre Erfahrungen gibt sie heute an andere Frauen weiter. Yoga gegen Brustkrebs ist ihre Mission geworden.

Auf den Retreats von „Frau Mamma“­-Gründerin Carmen Schumacher ergänzt sie deren Ayurveda­-Expertise mit Yogaeinheiten für Frauen mit Brustkrebs. Die beiden nennen sich bezeichnenderweise „Busenfreundinnen“ und bringen auch damit ein wenig Leichtigkeit in ihr gemeinsames Schicksal. In meinem Gespräch mit ihnen stellt sich heraus, dass sie beide ihre Erstdiagnose im Alter von 42 bekommen haben, wenn auch in unterschiedlichen Jahren. Carmen ist selber zwar nicht Yogalehrerin, war aber damals schon mit Yoga sehr vertraut und konnte mit ihrer Praxis die Heilung unterstützen. Ihr wurde nach der Mastektomie, also der Brust­-Amputation, Gewebe aus dem Po in die Brust eingepflanzt. „Dadurch fehlten mir dort 15 Zentimeter Haut. Ich konnte mich gar nicht hinsetzen. Die Haut musste erst langsam wieder gedehnt werden. Aber durch meine langjährige Yogapraxis war ich mit meinem Körper gut vertraut. Ich wusste: Es gibt gute Tage und schlechte Tage. Ich musste nur dranbleiben und regelmäßig mit Vertrauen üben.“

Zauberwort: Selbstwirksamkeit

Ein Retreat, ein Yogakurs oder ein Workshop für Frauen mit Brustkrebs ist ein geschützter Ort, an dem die Teilnehmerinnen schnell eine Verbindung zueinander aufbauen und ins Gespräch kommen. „Da ist jemand, der meine Nebenwirkungen versteht, wenn ich mich morgens nach der Anti-Hormon-Tablette fühle wie mit 80“, erzählt Stefanie. „Es herrscht Verständnis füreinander, wenn ich heute voller Energie bin und morgen in ein Loch falle und nicht weiß, warum. Es ist egal, wenn die Haare ausfallen. So eine Gruppe spendet viel mehr Kraft als eine gemischte.“ Manchmal entstehen Freundschaften fürs Leben.

Stefanie Ebenfeld, Yoga- und Krebstrainerin in Offenbach

Zu den Retreats, die Carmen anbietet, kommen Frauen in allen Stadien der Krankheit, die meisten jedoch nach der Akuttherapie. Nach den ganzen Arztbesuchen und Klinikaufenthalten sehnen sie sich nach einem Raum, der bewusst andere Akzente setzt als rein medizinische. Sie wollen selbst aktiv werden und sich nach komplementären Angeboten umsehen, um den Heilungsprozess zu unterstützen und die Nebenwirkungen zu dämpfen, die die überstandenen Therapien noch nach sich ziehen. Manche leiden unter den Verspannungen im Brustkorb, andere unter Erschöpfung (Fatigue) oder Muskelschmerzen. Es gibt also ganz unterschiedliche Bedürfnisse, auf die individuell eingegangen wird. „Was aber alle verbindet: Sie kommen in die Selbstwirksamkeit und erfahren, dass sie selber etwas tun können, um ihre Situation zu verbessern“, erzählt Carmen.

Unterstützung durch Ayurveda

Die indische Gesundheitslehre Ayurveda kann nach ihrer Erfahrung bei vielen Beschwerden sehr gut unterstützen. Das fängt schon bei einfachen Morgenroutinen an. „Durch die Chemotherapie können die Schleimhäute stark austrocknen. Das morgendliche Ölziehen hat nicht nur eine reinigende Wirkung, sondern dient auch der Schleimhautpflege“, berichtet sie. Fußmassagen mit einem Vata-reduzierenden Öl können bei Polyneuropathie hilfreich sein, wenn also die Nerven in den Extremitäten belastende Empfindungsstörungen auslösen. Das vielleicht wichtigste Thema im Ayurveda ist die Verdauung, sie gilt als Gradmesser der Gesundheit, Ursache vieler Erkrankungen und Grundvoraussetzung für Heilung. Nach den Krebstherapien leiden viele Frauen unter zum Teil hartnäckigen Störungen, vor allem Durchfall und Verstopfung. Ayurvedische Ernährungsempfehlungen, aber auch Tipps für Präparate und Anwendungen können hier Ausgleich bringen, damit der Körper wieder gut genährt wird und besser heilen kann.

Sich selbst etwas Gutes tun, das ist die Hauptmotivation der Teilnehmerinnen dieser Retreats – und das ist manchmal ein gewaltiger Schritt. Viele Frauen waren es jahrelang gewohnt, sich für die Familie aufzuopfern, Leistung im Job zu bringen und sich selbst permanent zurückzustellen. Dann kommt die Diagnose und es wird ihnen erst bewusst, wie wenig Zeit und Raum sie für sich selbst haben. Manche müssen überhaupt erst wieder lernen, auch mal etwas für sich zu tun. Als Yogaübende haben wir da einen Vorteil von unschätzbarem Wert, da sind sich alle meine Gesprächspartnerinnen einig: Wir wissen in der Regel um die Bedeutung und den Wert von Selbstwahrneh­mung und ­-fürsorge. „Ich weiß nicht, wie ich es sonst geschafft hätte,“ erklärt Stefanie. Dennoch empfiehlt sie allen Betroffenen, sich Unterstützung von Expert:innen zu holen.

Carmen Schumacher, Heilpraktikerin in Berlin

Mit Yoga unterstützen – aber richtig

Es hat eine Weile gedauert, aber seit März 2021 wird Yoga im deutschsprachigen Raum ausdrücklich in den Leitlinien für begleitende Verfahren in der Krebstherapie empfohlen. „Das war ein echter Meilenstein“, erzählt Gaby Kammler, die sich auf die Fahne geschrieben hat, Fachleuten und Patient*innen das große Potenzial von Yoga bei Krebserkrankungen nahezubringen. Medizinische Leitlinien sind Handlungsempfehlungen für Ärztinnen und Ärzte auf der Basis von aussagekräftigen Studienergebnissen. Das bedeutet: Die Wirksamkeit von Yoga auf diesem Gebiet gilt inzwischen als erwiesen. Trotzdem stellt Gaby in ihren Gesprächen und Fortbildungen immer wieder fest, „dass Mediziner*innen keine genaue Vorstellung von Yoga haben, weil es beim Studium nicht vermittelt wird.“

Was die Praxis erwiesenermaßen leisten kann, wird medizinisch als „Nebenwirkungsmanagement“ beschrieben: Zum Beispiel kann Yoga die oft krassen Nebenwirkungen von Chemo und Bestrahlung lindern oder ihnen sogar vorbeugen. Und es holt die Frauen aus dem Gefühl der Hilflosigkeit und Ohnmacht: Sie können nämlich selbst sehr viel dazu beitragen, dass die Lymphflüssigkeit fließt, das Immunsystem besser funktioniert, sich die Empfindungen in bestimmten Körperbereichen wieder verbessern und sie mehr Kraft und Energie bekommen. „Selbst wenn man aus medizinischer Sicht längst wieder als geheilt gilt, haben viele noch starke Einschränkungen in der Beweglichkeit, leiden unter Lymphstau und ­-ödemen. Sie finden sich damit ab und denken, da kann man nichts machen. Dabei ist es erwiesen, dass man die 20 häufigsten Nebenwirkungen, die auch noch zwei Jahre nach der Diagnose auftreten, alle mit Yoga lindern kann. Das kann jeder. Dazu braucht es keine Voraussetzungen“, wird Gaby nicht müde zu betonen.

Forschung zu Yoga und Brustkrebs

Gaby Kammler hat viele Jahre selbst im medizinischen Bereich gearbeitet und sich besonders mit Chemotherapien und deren Nebenwirkungen befasst. Aufgrund einer eigenen gesundheitlichen Krise ist sie tiefer in die Yogapraxis eingetaucht, was ihr schließlich geholfen hat, wieder gesund zu werden. Danach wollte sie es genau wissen und beschäftigt sich seither mit Studien, die die Wirksamkeit von Yoga bei Krebs untersuchen. „2014 wurde auf dem Krebskongress erstmals eine Studie vorgestellt, die belegen konnte, dass durch Yoga Entzündungsparameter gesenkt, die Vitalität der Patienten verbessert und das schwere Erschöpfungssyndrom – Fatigue – gelindert werden kann. Seither hat es immer mehr Forschungen dazu gegeben.“

Gaby Kammler, Aus- und Weiterbildungen Yoga und Krebs, Köln

„Ich möchte Menschen mit einer Krebs- erkrankung wieder ins Spüren bringen. Sie sollen wieder eine Verbindung zu sich aufbauen: Was brauche ich? Was nährt mich? Wie möchte ich leben, wenn ich die Krankheit überstanden habe? So finden sie auch den Mut und die Kraft, ihr bisheriges Leben zu hinterfragen und das, was ihnen nicht guttut, zu verändern.“

Seit neun Jahren bildet Gaby Kammler im deutschsprachigen Raum Yoga­ und Krebstrainer*innen aus. Sie bringt ihnen bei, welche Asanas, Pranayama-Techniken und Meditationen geeignet sind – und welche nicht. „Es geht nicht um einen schönen Flow in der Yogastunde, sondern darum, jemandem zu helfen, gestärkt durch diese Lebenskrise zu gehen. Ich muss als Yogalehrerin verstehen, dass manche Übungen nicht möglich sind, weil zum Beispiel durch eine Operation die Beweglichkeit eingeschränkt wurde. Wie können wir also diese Grenzen akzeptieren und so praktizieren, dass man sich dabei wohlfühlt? Es liegt in unserer Verantwortung zu lernen, wie ich mit Krebspatient*innen und deren Ängsten umgehe.“ Wer noch nie Yoga geübt hat und dann mit seiner Erkrankung in eine „normale“ Yogaklasse kommt, wird sonst vielleicht frustriert oder abgeschreckt und will nie wieder hin. Dann wäre das Potenzial von Yoga verschenkt. Es ist ihr daher wichtig, dass Betroffene in gute Hände kommen.

Vor drei Jahren hat Gaby Kammler die Deutsche Gesellschaft für Yoga in der integrativen Onkologie e.V. (DGYO) gegründet, eine Non­Profit­-Organisation, die Yoga wissenschaftlich fundiert in die Medizin tragen und in einer Sprache aufklären soll, die dort verstanden wird. Sie will Yoga noch bekannter machen und in nationale Pläne zur Versorgung von Krebspatient*innen bringen, „weil ich so sehr davon überzeugt bin, dass es da hingehört.“ Deshalb bietet sie jetzt auch eine Ausbildung für medizinisches Fachpersonal an. In der digitalen Fortbildung „Yoga in der Onkologie“ erfahren Profis aus Medizin, Physiotherapie und Pflege, wie sie Yoga einsetzen können, um zum Beispiel eine verängstigte Patientin dabei zu unterstützen, in die Ruhe zu kommen. „Der Nutzen von Yoga steht in den Leitlinien, kommt aber trotzdem noch nicht bei allen Menschen mit einer Krebserkrankung an. Diese Lücke möchte ich schließen. Krebspatient*innen sollten von den Möglichkeiten erfahren, die Yoga ihnen bietet – und es zumindest mal ausprobieren!“

Tipps & Links

fraumamma.com
Hier findest du die im Text beschriebenen Retreats für Brustkrebspatientinnen von Carmen Schumacher und Stefanie Ebenfeld.

yoga-und-krebs.de
Auf der Website von Gaby Kammler gibt es im Patientenbereich ein Verzeichnis ausgebildeter Yoga-und-Krebs-Trainer*innen in deiner Nähe. Yogalehrende erfahren hier mehr zu den Aus- und Weiterbildungen zu Yoga bei Krebserkrankungen.

yoga-in-der-onkologie.com
Hier erfährst du mehr zur Online- Fortbildung „Yoga in der Onkologie“ für medizinische Fachkräfte.

dgyo.de
Die spendenfinanzierte Deutsche Gesellschaft für Yoga in der integrativen Onkologie e.V., setzt sich ein für die Bildung von Qualitätsstandards, wie Yoga bei Krebs fundiert unterrichtet werden kann. Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung zu Yoga als begleitendem Verfahren bei Krebs.


Unsere Autorin Nici Tannert hat nach der Recherche für diesen Beitrag direkt mal wieder einen Termin bei ihrer Frauenärztin gemacht. Mit Brust-Ultraschall. Sie ist Iyengar-Yogalehrerin und unterrichtet online und in Leipziger Studios. yogakraftwerk.de

Hier geht’s zu einem passenden Praxis-Video: Mit diesen einfachen Yoga-Übungen von Yogalehrerin Gaby Nele Kammler werden die tiefliegenden Lymphgefäße aktiviert und der Lymphfluss in Gang gebracht:

Liebeskummer als Weg zu deiner eigenen Wahrheit – Tipps von Sally Kempton

frau auf bett mit liebeskummer

Liebeskummer ist eines der selbstzerstörerischsten Gefühle überhaupt. Als Weg kann er uns allerdings Zugang zu unserer eigenen Wahrheit verschaffen. Und uns von selbst geschaffenen Phantasien befreien. Wie das geht, erklärt dir die renommierte Meditationslehrerin und Tantrika Sally Kempton in diesem Artikel.

Text: Sally Kempton / Titelbild: Gustavo Fring via Pexels

Als ich sechs Jahre alt war, wollte sich Hughey Wise, der hübscheste Junge in meiner Klasse, nach der Schule mit mir treffen. Natürlich war ich zur Stelle. Er allerdings nicht. Vielleicht hatte er spontan entschieden, dass es doch nicht cool sei, den Nachmittag mit einem Mädchen zu verbringen. ­Vielleicht hatte er auch einen Termin beim Zahnarzt. Ich habe es nie herausgefunden. Denn keiner von uns hat es je wieder ­erwähnt. Das geplatzte Rendezvous war in meinem Leben der erste Anlass, die unsichere Natur romantischer ­Verabredungen zu erkennen. Und die komplette Unberechenbarkeit ­menschlicher Beziehungen.

Diese unvermittelten Brüche in der Liebe haben jeden von uns schon einmal mit voller Wucht getroffen. Dieser Artikel soll keine Ratschläge liefern, wie du dein Liebesleben “optimieren” kannst. Normalerweise fragen Menschen nicht nach Rat, wenn es ihnen gut geht. Sie tun es eher, wenn sie Stillstand, Umstürze, Enttäuschungen oder Verluste erfahren. Bei diesen tief greifenden Einschnitten bietet unsere Yogapraxis immense Unterstützung. Durch sie lösen wir starre Konzepte und Fantasien auf und nähern uns einer Form der Liebe an, die nicht an Erwartungen und Bedingungen geknüpft ist.

Freiheit schaffen

Unsere Kultur vertritt die generelle Auffassung, dass Verliebtheit direkt zum gemeinsamen Ritt in den Sonnenuntergang führen sollte. In Wahrheit können sich zwei Menschen aufrichtig lieben, aber dennoch nicht für eine längere Beziehung geeignet sein. Tatsächlich ist eine Seelenverwandtschaft nicht unbedingt die ideale Basis für eine nachhaltige Partnerschaft. Hier kommt die Idee des Karma ins Spiel. Eine starke emotionale Verbindung kann ein Zeichen für Karma aus der Vergangenheit sein. Das Gefühl der Seelenverwandtschaft kann in der Anziehung der individuellen Karmas begründet liegen. Dadurch kreuzen sich die Wege zweier Menschen, die gemeinsam unerledigte Aufgaben ­bewältigen. Oder sich auf eine bestimmte, aber limitierte Weise helfen.

Universelle Liebe

So paradox es klingt: Die bereitwillige Akzeptanz der Trennung ist der erste Schritt dahin, die Liebe zu erhalten und den Schmerz loszulassen. Die Trauer wird zunächst bleiben. Verluste sind nun einmal schmerzhaft. Wenn man diesen Schlusspunkt jedoch annimmt, öffnet man die Tür für eine andere Entfaltung. Entweder zwischen euch beiden oder dir und einer anderen Person. Ich habe einen Vorschlag. Jedes Mal, wenn du die Liebe und den Schmerz dieser Beziehung spürst, gib diesen Empfindungen eine universelle Dimension. Widme sie etwas Größerem.

Wenn du das wiederholt tust, merkst du, dass deine Liebe an Obsession und Besitzdenken verlieren wird. Sie wird sich eher zu einem zärtlichen Gefühl entwickeln. Dann kommt eine weitere Qualität hinzu. Die Seelenverwandtschaft der Beziehung kann in echte Freundschaft übergehen. So kannst du dich von romantischen Erwartungen und dem damit verbundenen Frust der Enttäuschung befreien und der Person einfach alles Gute wünschen. Dieser Prozess braucht Zeit und achtsame Selbstfürsorge. Zur Unterstützung schlage ich folgende Herz-Meditation vor:

Herz-Meditation: “Ich lasse dich gehen”

Reserviere 30 Minuten, die du zuhause oder in der Natur allein bist. Richte die Aufmerksamkeit auf das Innere deines Herzens. Stell dir vor, dass dieser Mensch bei dir ist und sage ihm. “Ich lasse dich gehen. Ich widme unsere Beziehung und meine Liebe zu dir dem Universum.” Bleibe bei diesem Gedanken, bis sich die Perspektive ändert oder du einfach Erleichterung spürst. Wenn du weinen musst oder Schmerz empfindest, lasse es zu. Im Laufe der Meditation kann sich Loslassen einstellen. Es muss kein überwältigendes Gefühl sein. Eine kleine Entspannung genügt.

Wenn du dann an die andere Person denkst, sende ihr liebevolles Mitgefühl. Sage oder denke: “Ich wünsche dir Glück, Gesundheit und Freiheit”. Und wünsche dir dasselbe. Beobachte die Empfindungen und Gedanken rund um diese Person sehr genau. Übe, diese Gedanken vorüberziehen zu lassen, anstatt sich mit ihnen zu identifizieren. Sehe einen Gedanken nur als Gedanken – und nicht als Wahrheit. Dann kannst du ihn als nächstes einfach loslassen.

Der Traum von der perfekten Beziehung

In Sanskrit werden bestimmte Gedanken als Vikalpahs bezeichnet, was mit “Träume” oder “Fantasien” übersetzt werden kann. Ein Vikalpah, an dem wir entschlossen festhalten, ist der Traum von der perfekten Beziehung. Je mehr wir uns mit dieser Fantasie identifizieren, desto mehr wird sie zu einem Fluchtpunkt. Eine Art Alternativ-Universum, das wir aufsuchen, um den Realitäten und Herausforderungen des Alltags auszuweichen. Wenn wir das Mantra “Ich wäre so glücklich, wenn ich mit ihm/ihr zusammen wäre!” praktizieren, wird Glück für unsere Gegenwart völlig unerreichbar. Das Erkennen und Loslassen dieser Gedanken in der Meditation bricht dieses Muster auf und führt uns in Gestalt und Erfordernisse des Moments zurück.

Fatale Liebe

In der Yogawelt ist eine Retreat-Romanze nicht ungewöhnlich. Das liegt an der besonderen Situation. Die Vertrautheit, die entsteht, wenn man diesen besonderen Raum gemeinsam teilt, öffnet das Herz. Das Bewusstsein, das sich nach innen gerichtet hat, verlangt nach Abwechslung. Ich kenne Menschen, die im Zuge einer solchen “spirituellen Affäre” geheiratet haben. Manche Verbindungen funktionieren, andere explodierten geradezu, wenn die Paare ihre Verschiedenheit erkennen mussten.

Die wichtigste Aktivität ist jetzt, gar nichts zu tun. Nutze die momentane Erfahrung als Weg. So kannst du im Laufe des nächsten Monats viel über dich erfahren und alle aufkommenden Gefühle bewusst wahrnehmen. Oft vermeiden wir allzu starke Gefühle wie Liebe, Angst, Verlangen und Traurigkeit. Stattdessen fixierst du dich derzeit vielleicht auf Geschichten, die du mit diesen Gefühlen kombinierst. “Ich bin ein schlechter Mensch, weil ich so empfinde.” “Wenn ich mich derartig verlieben konnte, stimmt etwas mit meiner Langzeit-Beziehung nicht”.

Eine Frage der Interpretation

Solche Auslegungen sind allerdings Interpretationen und nicht notwendigerweise wahr. Wie man eine Erfahrung deutet, basiert oft auf unbewussten Grundeinstellungen oder Weltanschauungen, die kulturell, in der Familie und aus Erfahrungen übernommen sind. Je mehr wir uns mit Yoga beschäftigen, desto mehr schiebt sich diese Philosophie über unsere bisherigen Werte. Wenn man emotional aufgewühlt ist, können unterschiedliche Erfahrungs-Interpretationen in Wettbewerb geraten. Die Yoga-Prinzipien der Eigenständigkeit und des Loslassens stehen im Kontrast zum romantischen Ideal unserer Gesellschaft. Ihr Verlangen nach einem neuen Abenteuer kämpft mit dem Wunsch nach Stabilität und tiefer Hingabe. Der Konflikt zwischen diesen Vorstellungen kann dazu führen, dass du sich in endlosen Denkschleifen und dem Abwägen von Alternativen verstrickst.

Das Resultat sind Verwirrung, Unsicherheit und Angst. Um das alles noch zu komplizieren, haben diese Szenarien direkte Auswirkungen auf dein Verhalten. Wenn du dich über die unbedachten Worte eines anderen ärgerst, entscheidet deine Interpretation dieser Situation über den Konflikt. Und wenn dir in der Anwesenheit eines anderen das Herz aufgeht, deutest du dieses Gefühl in Richtung Romanze. Deine Interpretationsweise hat unmittelbaren Einfluss auf die Zukunft dieser Begegnung.

Wenn man die ganze “Rahmenhandlung” beiseite lässt, sind Gefühle einfach nur Gefühle. Was sie hauptsächlich ausmacht, ist reine Energie. Liebe, Traurigkeit und Ärger geben ihr jeweils eine spezifische Form. Jede von ihnen äußert sich unterschiedlich: Ärger durch Härte in der Herz- und Bauchgegend, Liebe durch ein warmes Gefühl im Herzen und Traurigkeit durch Schwere, die den Brustkorb sinken lässt.

Meditation: Feel your feelings

In Krisenzeiten ist es eine kraftvolle Übung, jede Gefühlswelle als Bewegung im Körper zu registrieren, ohne auf sie einzuwirken. In dieser Meditations-Praxis bringe deine Aufmerksamkeit auf die Gefühlsempfindungen in deinem Körper. Ähnlich wie wenn du dein Bewusstsein immer wieder auf den Atem richtest. Sitze mit dieser Empfindung, so lange du kannst. Be­obachte die Geschichten, die in dir aufsteigen. Kehre immer zu wieder zu deinem momentanen Körpergefühl zurück.

Im Laufe dieser Übung kann sich dieses Gefühl ­verändern. Es kann sich auflösen. Oder einfach nur zur einer anderen Gefühlskette führen. Dann nimmst du Emotionen als Sinneseindrücke und Energie wahr und lässt ihre Transformation zu. So wird sich ein Weg zur positiven Veränderung abzeichnen. Bleibe bei der Gefühlsempfindung in der Gegenwart, ohne dich von selbst erfundenen Szenarien davontragen zu lassen. Das wird dir helfen, authentisch zu handeln. Und nicht aus einem Gefühl der aufgeregten Verwirrung, das die Geschichten von Liebe und Betrug in allen von uns auslösen können.

Der Traumprinz

Intuitiv erkennst du die zwiespältige Qualität romantischer Fantasien. Jede Art von Wunschvorstellung lenkt dich von der Gegenwart und ihren unmittelbaren Herausforderungen ab. Gleichzeitig öffnen Fantasien Zugang zu neuen (Bewusstseins)räumen, die auch im Yoga schon immer dazu benutzt wurden, das Innere neu zu beleuchten. In anderen Worten: In leidenschaftlichem Verlangen steckt auch eine Chance, wenn man es abseits der persönlichen Färbung zu seiner Essenz verfolgt. Romantische Gefühle empfinden wir deshalb als so erstrebenswert, weil sie uns sehr kraftvoll mit der Erfahrung unbedingter Liebe verbinden.

In seinem Buch “Traumvorstellung Liebe” deutet der Psychologe Robert Johnson romantisch verklärte Liebe als verdrängte Liebe zu etwas Größerem. Tatsächlich haben die großen romantischen Leidenschaften des Lebens eine “göttliche” Qualität, wie sie zum Beispiel auch in der Literatur umgesetzt wird. So berühren uns die Liebesgedichte des Sufi-Poeten Rumi aufs Tiefste. Und auch die indischen Bhakti-Sutren lehren, dass jede menschliche Empfindung als Weg zur göttlichen Liebe dient. Diese kann einem Freund gelten, den Eltern oder einem Kind. Die Sutren führen weiter aus, dass der stärkste Ausdruck hingebungsvoller Liebe die vollkommene Bindung an das Göttliche, das Madhura Bhakti (wörtlich: “süße Hingabe”) ist. Das intensive Verlangen romantischer Liebe erzeugt ein kraftvolles Feuer im Herzen. Wenn wir dieses Feuer nach innen richten oder dem Göttlichen widmen, transformiert es den Charakter, öffnet das Herz und führt uns zu tieferen Dimensionen der Hingabe und Wertschätzung.

2 Wege zum Umgang mit der Fantasie

Ich erwähne dies alles, damit du effektiver mit solchen Fantasien arbeitest. Um mit einer unerfüllbaren und tendenziell zerstörerischen Leidenschaft umzugehen, gibt es zwei Wege. Der erste Ansatz braucht Disziplin, Selbsterforschung und Verzicht. Sobald die Fantasien auftauchen, lässt man sie sofort fallen. Eine andere, umfassendere Methode ist in der traditionellen Yogaphilosophie begründet, die als Tantra bekannt ist. Im Tantra fokussiert man sich auf die Gefühle hinter der Fantasie. Das pure Verlangen nach Liebe, das wir alle besitzen. Diese Sehnsucht wird von einer Verbindung mit einer anderen Person aktiviert, aber sie ist viel größer als dieses Individuum. Wenn wir ihr folgen, führt sie uns direkt zur Quelle unseres Seins. Beide Herangehensweisen können funktionieren. Eine führt über positive Kontrolle, die andere bewegt sich direkt in und durch die Fantasie, um den Ursprung der Sehnsucht zu erfahren.

Fantasien als Wegweiser

Wenn wir uns um unsere tiefsten Wünsche kümmern, können wir unsere Fantasien als Wegweiser und nicht als Selbstzweck nutzen. Meditation bricht jede Art von Wahrnehmungsmustern auf. Um die tantrische Herangehensweise zu probieren, lass den Fantasien einige Zeit freien Lauf. Erforsche die Empfindungen, die deine fiktive Romanze in dir aufsteigen lässt. Das intensive Verlangen oder die sexuelle Intensität. Oder was auch immer sich manifestiert. Lenke die Empfindungen dann zur Herzgegend und konzentriere dich auf die Erweiterung des Gefühls. Visualisiere es als Licht. Lass diesem Punkt das Bild der Person in der Fantasie komplett los.

Fokussiere dich stattdessen auf deinen Gefühlszustand. Nimm genau wahr, wie du dich fühlst. Lebendig, traurig, sehnsüchtig oder liebevoll. Koste dann diese Empfindung aus. Bemerke, dass dies deine Gefühle und Wünsche sind. Mit dieser Aufmerksamkeit entwickelt und verändert sich der Gefühlszustand weiter. Das Ergebnis dieser Praxis kann die zunehmende Erkenntnis sein, dass das, wonach du wirklich suchst, der Gefühlszustand ist, den deine romantischen Fantasien auslösen. So kommst du mehr in Kontakt mit den Empfindungen in deinem Körper und verabschiedest dich gleichzeitig von deren Auslösern. Dadurch siehst du, dass es sich um deine eigene Liebe und deine eigene Lebendigkeit handelt.

Das Liebesgefühl erweitern

Ein zweiter Schritt in der tantrischen Variante kann es sein, andere Menschen als die Person deiner Träume einzubeziehen. Stell dir die unterschiedlichsten Menschen in deinem Leben vor. Öffne diesen Menschen dein Herz und nutze dein durch Meditation erweitertes Liebesgefühl. So lässt du so viele Andere wie möglich daran teilhaben, bis hin zur Natur und anderen Lebewesen. Erkenne, dass deine Liebe universell sein kann. Wenn du zulässt, dass deine persönliche Zuneigung auf diese Weise expandiert, eröffnen sich unendliche Gelegenheiten zu lieben.

Und wenn du in dieser Übung noch weiter gehen willst, gehe ihr bis ganz auf den Grund. Im Innersten deiner Gefühle befindet sich die Präsenz, die wir “Gott” nennen können. Jedes Gefühl von Liebe hat ­göttliche Dimension. Beide Übungswege helfen, romantische Fixierungen zu lösen. Letztere geht einen Schritt weiter und öffnet das Herz für das heilende Potenzial der Liebe.


Foto: David Martinez

Sally Kempton war eine international bekannte Meditationslehrerin und schrieb regelmäßig für das amerikanische YOGA JOURNAL. Sie veröffentlichte mehrere Bücher (z.B. “Awakening Shakti”) und unterrichtete weltweit Workshops und Retreats. Mehr Info auf sallykempton.com