Yoga online lernen? Ja. Aber bitte richtig.

Yogalabor Yoga online lernen

Es gab mal eine Zeit, da klang „Online-Yoga“ ein bisschen nach Wohnzimmerteppich, YouTube-Pause und „ich mach kurz was für den Rücken“. Kann man machen. Hat vielen geholfen. Aber eine Yogalehrer*innen-Ausbildung online? Da gucken manche immer noch, als hätte man vorgeschlagen, Schwimmen per PDF zu lernen.

Verstehen wir. Und trotzdem: Eine gute Online-Yoga Ausbildung kann heute ziemlich viel. Vor allem, wenn sie nicht einfach nur aus Videos besteht, sondern klar aufgebaut ist, persönlich begleitet wird und genug Praxis, Feedback und Struktur mitbringt. Denn seien wir ehrlich: Die meisten Menschen, die sich für eine Yoga Ausbildung interessieren, sitzen nicht irgendwo drei Monate lang im Ashram und haben außer Atmen nichts vor.

Die haben Jobs, Kinder, Rechnungen, Selbstständigkeit, Beziehungen, Termine, BVG-Ausfälle, müde Augen und manchmal auch einfach keinen Nerv, jedes zweite Wochenende quer durch die Stadt zu fahren. Das Leben ist voll. Yoga darf da reinpassen.

Warum gerade jetzt so viele Yoga tiefer verstehen wollen

Yoga ist längst nicht mehr nur „ein bisschen beweglicher werden“. Viele Menschen kommen heute über ganz andere Themen zur Praxis: Stress, Erschöpfung, Nervensystem, Schlaf, Rückenschmerzen, innere Unruhe, ADHS, Wechseljahre, emotionale Überforderung, Daueranspannung.

Und genau deshalb werden gerade Themen wie Somatic Yoga, Yin Yoga, Yoga Nidra, Breathwork und Nervensystem-Regulation so viel gesucht. Alle wollen runterfahren. Aber bitte nicht mit irgendeinem Wellness-Satz auf einer Duftkerze, sondern so, dass es im Körper wirklich ankommt.

Das ist auch der Punkt, an dem eine fundierte Ausbildung spannend wird. Denn irgendwann reicht es nicht mehr, nur zu wissen: „Diese Übung tut mir gut.“ Man will verstehen, warum. Was macht der Atem? Warum beruhigt eine lange Ausatmung? Warum fühlt sich eine Vorbeuge anders an als eine Rückbeuge? Warum ist Yin manchmal genau richtig und manchmal vielleicht auch nicht? Warum braucht ein Körper Kraft, bevor er loslassen kann?

Hatha-Vinyasa: keine Trend-Schublade, sondern ein richtig gutes Fundament

Unsere 200h On-Demand Ausbildung im Yoga Labor basiert auf Hatha und Vinyasa Yoga. Das klingt erstmal klassisch. Ist es auch. Aber klassisch heißt nicht verstaubt. Hatha Yoga gibt dir Klarheit. Du lernst Haltungen wirklich kennen: Aufbau, Ausrichtung, Wirkung, Varianten, typische Ausweichbewegungen, sinnvolle Hilfsmittel. Nicht dieses „zieh mal hier, drück mal da, lächle spirituell“, sondern echtes Verständnis.

Vinyasa bringt Bewegung, Atem und Flow dazu. Du lernst, wie man Stunden aufbaut, wie Übergänge funktionieren, wie ein Thema durch eine Klasse getragen wird und warum ein Flow nicht automatisch besser ist, nur weil alle nach zehn Minuten schwitzen. Zusammen ist Hatha-Vinyasa eine ziemlich gute Basis. Stabil genug, um sicher zu unterrichten. Lebendig genug, um kreativ zu werden. Und offen genug, damit du später deinen eigenen Weg findest, ob der dann eher Yin, Somatic, Prävention, Pränatal, Meditation, Breathwork oder „Yoga für Menschen mit Nacken aus Beton“ heißt.

Muss ich schon Handstand können?

Nein. Wirklich nicht. Du musst auch nicht biegsam sein wie ein Ladekabel, nicht jeden Sanskrit-Begriff kennen und nicht morgens um fünf lächelnd in weißer Baumwolle Tee trinken. Was du brauchst, ist Interesse. An Yoga. Am Körper. Am Menschen. An dir selbst. Und die Bereitschaft, regelmäßig zu lernen und zu üben.

Eine gute 200h Ausbildung ist keine Bühne für Perfektion. Sie ist ein Fundament. Du lernst, wie Yoga funktioniert: körperlich, philosophisch, methodisch und praktisch. Du lernst, wie man eine Stunde sinnvoll gestaltet. Wie man Menschen sicher anleitet. Wie man Sprache findet, die nicht klingt wie aus dem Räucherstäbchen-Katalog. Wie man Varianten anbietet, ohne Menschen kleinzumachen. Wie man Raum hält, ohne sich selbst dabei komplett zu verlieren.

Und ja: Du lernst auch, deine eigene Praxis zu vertiefen. Nicht als hübsches Nebenprodukt, sondern als Zentrum der ganzen Sache.

On-Demand heißt nicht allein

Das größte Missverständnis bei Online-Ausbildungen ist: „Dann sitze ich da allein vor dem Laptop und muss irgendwie durch.“ Kann so sein. Muss aber nicht.

Unsere On-Demand Ausbildung ist flexibel, aber nicht anonym. Du bekommst strukturierte Module, klare Inhalte, Praxisvideos, Theorie, ein Asana-Lexikon, Live-Unterricht, persönliche Begleitung und Rückmeldungen. Du kannst lernen, wann es für dich passt, aber du verschwindest nicht in irgendeinem Login-Bereich, aus dem nie wieder jemand auftaucht.

Der große Vorteil: Du kannst Inhalte wiederholen. Nochmal schauen. Pausieren. Zurückspulen. Einen Asana-Workshop dreimal anschauen, bis es klick macht. Eine Philosophie-Einheit erstmal sacken lassen. Deine Praxis in deinen Alltag integrieren, statt dein Leben für die Ausbildung komplett umzubauen. Das ist nicht weniger tief. Es ist einfach realistischer.

Und mal ehrlich: Manche Themen versteht man nicht besser, weil man acht Stunden am Stück in einem Raum sitzt. Manchmal versteht man sie besser, wenn man sie montags hört, dienstags übt, mittwochs im echten Leben scheitert und donnerstags nochmal neu draufschaut.

Für wen ist diese Ausbildung gemacht?

Für Menschen, die Yoga nicht nur konsumieren wollen.

Für alle, die schon länger üben und merken: Da ist noch mehr. Für alle, die vielleicht unterrichten möchten, aber noch nicht wissen, ob sie sich trauen. Für alle, die ihre Praxis vertiefen wollen, ohne sofort ihr Leben auf links zu drehen. Für alle, die fundiertes Wissen suchen, aber keine Lust auf Dogma haben. Für alle, die flexibel lernen müssen, weil Alltag eben Alltag ist. Für alle, die Yoga lieben, aber bei zu viel Eso-Gedöns innerlich aussteigen.

Du kannst die Ausbildung machen, um später zu unterrichten. Du kannst sie aber auch machen, um Yoga für dich selbst tiefer zu verstehen. Beides ist gut. Nicht jede Ausbildung muss sofort ein Businessplan sein. Manchmal ist es schon groß genug, den eigenen Körper besser zu verstehen, die eigene Stimme zu finden und nach Jahren Praxis plötzlich zu merken: Ach krass, jetzt ergibt das alles Sinn.

Und was ist mit Yin, Somatic Yoga und Yoga Nidra?

Diese Stile sind gerade total gefragt und das aus gutem Grund. Yin Yoga bringt Ruhe, Faszienarbeit und Innenschau. Somatic Yoga arbeitet fein, körpernah und nervensystemorientiert. Yoga Nidra ist eine tiefe Entspannungspraxis, die viele Menschen genau da abholt, wo klassische Meditation zu still oder zu schwierig wird. Breathwork und Pranayama zeigen, wie stark Atmung unser Erleben beeinflusst.

Alles wichtige Felder. Alles spannend. Alles sinnvoll. Aber: Spezialisierung ohne Basis ist ein bisschen wie Dachterrasse ohne Haus. Sieht nett aus, hält aber nicht lange. Eine 200h Hatha-Vinyasa Ausbildung gibt dir das Grundgerüst. Danach kannst du dich vertiefen, verfeinern, spezialisieren. Dann weißt du besser, was du tust. Und auch, warum du es tust.

Warum Yoga Labor On Demand?

Weil wir Yoga fundiert, menschlich und undogmatisch vermitteln. Wir mögen Tiefe. Wir mögen Anatomie. Wir mögen Philosophie. Wir mögen gute Didaktik. Wir mögen klare Sprache. Wir mögen Praxis, die Menschen wirklich erreicht. Aber wir mögen keine unnötige Härte, kein spirituelles Gehabe und keine Ausbildung, in der alle so tun, als hätten sie ihr Leben komplett sortiert. Hat nämlich niemand. Willkommen im Club.

Unsere Ausbildung ist für echte Menschen gemacht. Für volle Kalender. Für große Fragen. Für kleine Wohnungen. Für müde Abende. Für neugierige Körper. Für alle, die Yoga nicht nur nachmachen, sondern verstehen wollen. Du lernst flexibel, aber begleitet. Online, aber persönlich. In deinem Tempo, aber mit Struktur. Und mit dem Wissen aus vielen Jahren Yoga Labor: Studio, Ausbildungen, Weiterbildungen, Retreats, Bildungszeiten, echte Gruppen, echte Fragen, echte Körper.

Kein Hochglanz-Yoga aus dem Katalog. Mehr so: fundiert, warm, klar, ein bisschen Berlin – und sehr viel Liebe für gute Praxis.

Fazit: Yoga lernen darf in dein Leben passen

Eine Yogalehrer*innen-Ausbildung muss nicht bedeuten, dass du alles stehen und liegen lässt. Sie darf auch bedeuten: Ich nehme meinen Yogaweg ernst und finde eine Form, die zu meinem Leben passt. Wenn du Yoga tiefer verstehen möchtest, wenn du vielleicht irgendwann unterrichten willst, wenn du Lust auf Hatha-Vinyasa als stabiles Fundament hast und wenn du flexibel lernen möchtest, dann ist unsere 200h On-Demand Ausbildung vielleicht genau dein Ding.

Nicht irgendwann, wenn alles ruhiger ist. Nicht erst, wenn du „bereit genug“ bist. Nicht erst, wenn du den Kopfstand kannst. Fang da an, wo du bist. Der Rest wächst mit.

Und wenn du genau jetzt anfangen willst:

Sichere dir unsere 200h On-Demand-Ausbildung zum luftig-leichten Sommerpreis. Bis zum 31.08.2026 zahlst du mit dem Code SOMMERSPECIAL26 statt 1.750 € nur 999 €.

Übrigens: In unserer YogaWorld Academy kannst du viele weitere tolle Ausbildungen bei Yoga Labor buchen. Schau doch gleich mal rein!


Welche Yogalehrer Ausbildung ist die Richtige

Doris & Birga schreiben nicht nur gerne über ihre große Leidenschaft Yoga. Sie leiten auch gemeinsam das Yoga Labor – einen Ort für moderne, körperbasierte Yogapraxis mit Fokus auf Nervensystem, Faszien und funktionelle Kräftigung. Seit über 20 Jahren begleitet Yoga ihren eigenen Weg, und seit vielen Jahren bilden sie mit viel Erfahrung, fachlicher Tiefe und einer großen Portion Praxisnähe Yogalehrer*innen aus. Ihr Ansatz ist undogmatisch, alltagsnah und wissenschaftlich fundiert. Dabei vermitteln sie Yoga so, dass es Menschen nachhaltig stärkt – auf der Matte und weit darüber hinaus.

Mehr Info: yogalaborberlin.de

Mehr Infos speziell zur 200h On-Demand Yogalehrer*innen Ausbildung: yoga-ausbildung.online

Wie Aggregatoren die Yogaszene verändern – Interview mit Moritz Ulrich

yogastudio szene

Wer ein Abo bei Anbietern wie Urban Sports Club oder Wellpass (sog. Aggregatoren) hat, kann für einen monatlichen Fixpreis flexibel in unterschiedlichen Yoga- und Sportstudios üben. Eigentlich eine tolle Sache, aber was bedeutet das für die Studios? Das sollte im Herbst 2025 eine Online-Panel-Diskussion klären. Wir sprachen mit Moritz Ulrich, der die Veranstaltung gemeinsam mit Nicole Bongartz initiiert hat, über die Erkenntnisse.

Interview: Susanne Mors / Titelbild: Christian Harb via Unsplash

Als die Diskussion eröffnet wird, ist sofort klar: Das Thema brennt. Fast 200 Yogis und Yoginis sind live dabei und diskutieren in der Chat-Leiste mit, als vier Studioinhaber*innen und Vertreter*innen von Wellpass und Eversports im Online-Panel über etwas sprechen, das die Yogaszene seit einigen Jahren prägt – und zunehmend zerreißt: Aggregatoren. Zwar bringen sie neue Kund*innen in die Studios und können den Umsatz steigern, aber viele Studios klagen auch über Abhängigkeit, Preisdruck und mangelnde Transparenz bei den Konditionen. Moritz Ulrich (Peace Yoga Berlin Jivamukti) und Nicole Bongartz (Lord Vishnus Couch Köln) fanden: Wir müssen miteinander sprechen!

Anmerkung der Redaktion: Wir hatten das folgende Interview bereits hier auf unserer Webseite angeteasert. Hier geht’s zum Artikel, in dem wir kurz einen Überblick über die Vor- und Nachteile von Aggregatoren geben:

Interview mit Moritz Ulrich

Moritz Ulrich sitzend Hände verschränkt
Moritz Ulrich ist Inhaber des Jivamukti-Yogastudios „Peace Yoga Berlin“ und hat sich intensiv mit dem Thema Aggregatoren beschäftigt. Foto: Pavel Becker

Moritz, was wolltet ihr mit dem Panel erreichen?

Wir wollten herausfinden, wie die Yogaszene aktuell mit Aggregatoren umgeht. Es geht dabei um Fragen wie: Wer profitiert, wer verliert, und wie kann man faire Bedingungen für Studios, Lehrende und Teilnehmer*innen schaffen? Viele Studios fühlen sich ausgeliefert, haben kaum Einfluss auf die Konditionen und sehen ihre Vision bedroht.

Was nimmst du aus solchen Gesprächen mit?

Ich habe das Gefühl, dass viele wirklich am Ende ihrer Kräfte sind. Manche sind nicht mal mehr wütend. Sie haben einfach keine Lust mehr, ihre Vision von Yoga weiterzutragen, weil so viel Energie in Themen fließt, die eigentlich nichts mit dem Unterrichten zu tun haben. Das tut mir wirklich weh. Studioinhaber*innen sind mit voller Leidenschaft gestartet und jetzt fühlen sich viele ausgelaugt.

Im Panel wurde auch klar: Aggregatoren werden von vielen eher als Belastung wahrgenommen. Warum?

Die Vergütungen sind einfach zu niedrig. Wenn Studios nur ein paar Euro pro Check-in bekommen, reicht das oft nicht, um einen Raum zu betreiben, Lehrende zu bezahlen und ein gutes Angebot aufrechtzuerhalten. Wenn am Ende des Monats kaum noch etwas übrig bleibt, dann frustriert das. Völlig logisch. Dazu kommt, dass die Preise steigen und wir die Löhne unserer Lehrer*innen erhöhen müssten, anstatt zu drücken. Gleichzeitig können wir nicht ständig die Mitgliedschaften teurer machen. Diese Mischung bringt Studios in eine Situation, die wirtschaftlich kaum tragbar ist.

Wie stark hat sich der Anteil von Aggregatoren denn entwickelt?

Genaue Zahlen gibt es dazu nicht, aber wir wissen, dass gerade in den Städten mehr und mehr Studios mit Aggregatoren arbeiten – und bei manchen kommen deutlich mehr als die Hälfte der Buchungen über sie.

Was bedeutet das für die Einnahmen der Studios?

Das ist zweischneidig. Der Payout pro Person ist oft niedriger, aber dafür kommen in der Regel mehr Teilnehmer*innen ins Studio – und am Ende bleibt der Umsatz in vielen Fällen ähnlich. Für kleine Studios, die weniger Platz haben, ist das allerdings problematischer. Außerdem werden viele Lehrende pro Teilnehmer*in bezahlt, sodass höhere Honorarkosten entstehen können.

Gibt es Unterschiede bei den Konditionen zwischen Studios?

Ja. Neue Studios bekommen oft andere Konditionen als etablierte. Das führt zu Intransparenz und teilweise unfairen Situationen. Non-Disclosure Agreements verhindern, dass Payouts offen diskutiert werden, wodurch Studios eine schlechte Verhandlungsbasis haben und schneller in eine gewisse Abhängigkeit geraten.

Heißt das, große Studios haben Vorteile?

Genau. Sie haben mehr Platz, mehr Verhandlungsmacht und so bessere Konditionen. Kleine Studios haben oft nicht einmal mehr direkte Ansprechpartner bei Aggregatoren und müssen fast alles per E-Mail klären.

Welche Probleme ergeben sich noch?

Ein großes Thema sind No-Show-Gebühren. Wenn jemand nicht erscheint, zahlt er zwar eine Gebühr an den Aggregator, aber das Studio bekommt bisher nichts, außer der Platz wird direkt wieder besetzt. Außerdem kontrollieren Aggregatoren über ihr Buchungssystem sogar, wer wann kommt, und zwar je nachdem welche Kurse zu welchen Zeiten sichtbar sind. Die Studios haben da kaum Einfluss.

Also zunehmend Abhängigkeit?

Genau. Studios müssen häufig akzeptieren, wie der Aggregator die Bedingungen setzt. Teilweise beginnen Kooperationen mit guten Konditionen, aber sie können sich plötzlich ändern. Studios, die sich dann gegen Aggregatoren entscheiden, riskieren, damit auch Teilnehmer*innen zu verlieren.

Was sollten Yogis und Yoginis beachten, die über Aggregatoren buchen?

Vor allem: Informiert euch. Fragt in eurem Lieblingsstudio nach: Wie läuft das eigentlich mit den Aggregatoren? So könnt ihr Entscheidungen treffen, die wirklich alle Informationen berücksichtigen. Bei uns im Studio verdienen wir zum Beispiel bei jemandem mit einem Urban-Sports-Abo, der achtmal im Monat oder noch öfter kommt, sogar mehr, als mit einer direkten Mitgliedschaft. Aber das passiert nicht oft. Wichtig ist, sich bewusst zu machen, was einem Yoga wert ist und ob man Studios nicht lieber direkt unterstützt. Viele wissen nicht, dass Studios von Aggregatoren meist nur einen kleinen Teil dessen bekommen, was als Monatsbeitrag gezahlt wird. Und dass direkte Buchungen das Studio wirklich unterstützen können. Ich finde, auch die Yoga-Community darf wissen, was gerade los ist. Das ist kein Jammern, sondern Realität.

Und die Lehrenden – wie sind sie betroffen?

Sie werden oft nach Teilnehmer*innen bezahlt. Das kann Vorteile bringen, wenn die Klasse voll ist, aber eben auch einen enormen Ausfall von Einkommen. Da müsste man Modelle entwickeln, die ein festes Gehalt mit Bonus kombinieren. Teilweise können Lehrende höhere Honorare erzielen, wenn sie kleinere Gruppen in selbst angemieteten Räumen unterrichten.

Wie verträgt sich das eigentlich alles mit den Werten des Yoga?

Zwei Seiten: Einerseits ermöglicht es mehr Menschen, Yoga zu erleben, die es sich sonst vielleicht nicht leisten könnten. Das ist inklusiv. Andererseits fehlt oft die Nachhaltigkeit und die partnerschaftliche Beziehung zwischen Lehrer*in und Schüler*in. Transparenz und Vertrauen, zentrale Werte wie Satya (Wahrhaftigkeit) werden durch NDAs und intransparente Verträge eingeschränkt. Ahimsa (Nicht-Schädigen) wird verletzt, wenn Studios unter wirtschaftlichem Druck zusammenbrechen.

Yogastudio Szene Lehrerin und Schüler
Foto: Christian Harb via Unsplash

Was bedeutet das für die Verbindung zu einem Studio oder einer Lehrperson?

Loyalität und kontinuierliches Üben werden schwieriger. Das Modell kann zwar kurzfristig funktionieren, langfristig fehlen aber oft Tiefe, Kontinuität und die Erfahrung, die Yoga eigentlich vermitteln will. Vertraute Räume verschwinden, langfristig könnten Lieblingsstudios aufhören zu existieren. Aber ich will nicht in Moraldebatten verfallen. Die Vision war großartig: möglichst vielen Menschen Zugang zu Bewegung zu geben.

Wer profitiert also von diesem System?

Kurzfristig: die Kund*innen und die Aggregatoren. Die Kund*innen zahlen wenig und haben maximale Auswahl und Flexibilität, die Aggregatoren wachsen und steigen im Marktwert.

Und die Studios?

Sie verlieren Kontrolle, finanzielle Stabilität und oft auch ihre Motivation. Langfristig verlieren alle, wenn das System Studios zerstört. Denn ohne sie gibt es keine Kurse, keine Community und letztlich auch keinen Yoga mehr, wie wir ihn kennen.

Sind die Studios mittlerweile gezwungen, mitzuspielen? Könnten sie nicht einfach aussteigen?

Wenn wir alle morgen aussteigen würden, wäre das Problem sofort gelöst. Wenn ein einzelnes Studio es aber alleine versucht, muss es möglicherweise schließen. Das zeigt die Abhängigkeit des Marktes sehr deutlich. Und es wirft die Frage auf: Hätten diese Studios ohne Aggregatoren überhaupt je funktioniert? Ich will da keine vorschnellen Urteile fällen, aber es zeigt, wie komplex die Lage ist.

Du hast es gerade angedeutet und im Panel klang es auch an: Die Studios hätten mehr Macht, wenn sie zusammen aufträten. Ist das überhaupt realistisch?

Theoretisch ja, praktisch ist es schwierig. Studios haben Angst, Reichweite zu verlieren, niemand will der Erste sein, der sagt: „Wir machen nicht mehr mit.“ Gleichzeitig sind wir Yogis oft nicht die Typen, die laut auf den Tisch hauen. Aber ich glaube schon, dass wir mehr erreichen könnten, wenn wir uns vernetzen. Auch manche emotionale Ebene sollte man vielleicht stärker zeigen, auch Richtung Kund*in. Denn viele wissen gar nicht, welche Auswirkungen ihr Buchungsverhalten hat.

Welche Lösungen wünschen sich die Studios konkret?

Im Panel haben sich da vor allem drei Dinge herauskristallisiert: Echte Partnerschaften mit den Aggregatoren, also die Möglichkeit, Konditionen wirklich verhandeln zu können und nicht ausgeliefert zu sein. Faire und transparente Payouts, die nach Gruppengröße, Raum und Kursdauer berechnet werden, sind ein weiterer zentraler Punkt. Außerdem wünschen sich die Studios mehr Mitbestimmung, um die Kontrolle über Termine, Slots und Rahmenbedingungen zu behalten. Hilfreich wäre natürlich auch, die Preise für Kund*innen realistisch anzupassen, damit die Lehrenden angemessen bezahlt werden können.

Was wäre jetzt also aus deiner Sicht wichtig für die Branche?

Mehr Ehrlichkeit, mehr Mut, Emotionen auszusprechen, mehr Bewusstsein bei Yogis, mehr Zusammenhalt unter Studios und natürlich ein Geschäftsmodell, das für alle funktioniert.

Fazit:

Die Diskussion ist längst nicht nur eine Frage von Zahlen und Geschäftsmodellen. Sie berührt auch Grundwerte wie Fairness, Gemeinschaft und die Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden. Die Lage ist komplex. Viele Studiobetreiber*innen wünschen sich mehr Transparenz und bessere Vergütung von den Aggregatoren. Andere äußern sich auch selbstkritisch, vor allem im Hinblick auf massenhafte Teacher Trainings und nicht tragfähige Geschäftsmodelle. Was die meisten eint, ist die Erkenntnis, dass die Yogaszene bewusster mit der wirtschaftlichen Dimension des Lehrens und Übens umgehen sollte. Ziel wäre ein „Win, win, win, win – für Studios, Plattformen, Lehrende und Übende“, sagte Nicole Bongartz im Panel. Vielleicht war das der wichtigste Impuls dieses Panels: Dass die Branche mehr miteinander spricht. In manchen Städten sind seither Arbeitsgruppen entstanden – es bewegt sich also einiges. Wir werden weiter berichten.


Studios & Aggregatoren: Wie funktioniert das?

Aggregatoren wie Urban Sports Club oder Wellpass bündeln Angebote verschiedener Fitness- und Yogastudios auf einer Plattform. Nutzer*innen zahlen einen monatlichen Fixpreis und können damit Kurse in unterschiedlichen Studios besuchen. In der Praxis funktioniert das so:

Online-Plattform: Studios stellen ihre Kurse, Standorte und Zeiten auf der Plattform des Aggregators bereit.

Check-in-System: Mitglieder der Aggregatoren melden sich über die App oder ein digitales System für Stunden an.

Abrechnung: Das Studio erhält eine Vergütung pro Besuch, die vom Aggregator ausgezahlt wird.

Verwaltung: Der Aggregator übernimmt Anmeldung und Abrechnung. Die Studios schließen keine direkten Mitgliedsverträge mit den Teilnehmer*innen ab und haben daher oft keine Kontaktdaten.


Wir haben das Thema auch auf Instagram begleitet. In den Kommentaren ist eine große Diskussionsrunde entstanden. Hier geht’s zum Post:

Dieses Interview stammt aus dem YOGAWORLD JOURNAL 01/2026.


Die Frage „Kann man deinen Kurs auch über Wellpass buchen?“, kann Susanne Mors langsam nicht mehr hören. Unsere Autorin arbeitet als freiberufliche Yogalehrerin und Podcasterin in München. Mehr Info auf susanne.mors.de und Instagram @yogasahne

Wie die 10 Mahavidyas das Stereotyp des Weiblichen sprengen

göttin moderne illustration

Was kommt dir als erstes in den Sinn, wenn du an „das Weibliche“ denkst? Begriffe wie mütterlich, mitfühlend, anmutig, sanft? In vielen spirituellen Traditionen begegnet uns das weibliche Prinzip auf diese Weise. Nicht so im Tantra. Hier tritt uns die Göttin auch in wilder, herausfordernder und zuweilen verstörender Gestalt entgegen. Diana Sans gibt dir hier einen Einblick in die Welt der tantrischen Weisheitsgöttinnen (Mahavidyas).

Text: Diana Sans / Titelbild/Illustration: Hanna Tembrink (KI-generiert/Midjourney)

Stell dir eine Welt vor, in der sich das Heilige in jedem Aspekt der Schöpfung offenbart. Eine Spiritualität, die das ganze Universum samt diesem Planeten, seiner Natur und jedem einzelnen Wesen darin als Körper der Göttin verehrt. Einen spirituellen Weg, auf dem dein Körper, deine Gefühle und Sehnsüchte kein Hindernis sind, sondern ein Portal. Eine spirituelle Praxis, die sich in jedem Moment deines Lebens entfaltet, in der U-Bahn genauso wie auf dem Meditationskissen … willkommen in der Welt des Tantra!

Wie kaum eine andere spirituelle Tradition gibt Tantra dem weiblichen Prinzip Raum und Bedeutung. Das ist vor allem deshalb für uns so bedeutsam, weil wir seit langen Jahrhunderten in einer Welt leben, in der das männliche Prinzip dominiert: Die großen Weltreligionen sind allesamt geprägt von männlichen Religionsstiftern, patriarchalischen Strukturen und maskulinen Gottheiten. Dazu gehört auch ein tief verwurzeltes Misstrauen gegenüber unserer Sinnlichkeit und unserem Körper, das sich oft in religiöser Strenge, Praktiken der Läuterung und dem Streben nach Perfektion ausdrückt.

Das Weltbild des Tantra

Im Weltbild des Tantra ist das anders, aber nicht, weil hier etwa das Weibliche dominieren würde. Hier gibt es nur ein Wesen, ein absolutes Bewusstsein, das sich als dieses Universum verkörpert. Es manifestiert und erfährt sich in einer unendlichen Vielzahl von individuellen Formen – als Galaxie … als Wolke am Himmel … als Fisch … als Baum … als du und ich. Es blickt durch Milliarden von Augenpaaren auf das Universum und damit auf sich selbst. Du brauchst es nirgendwo außerhalb deines Selbst zu suchen und kannst es gleichzeitig in allem und jedem, das dir begegnet, erkennen.

Dieses eine absolute Bewusstsein hat zwei Aspekte, die untrennbar miteinander verbunden sind – einen männlichen und einen weiblichen. Shiva steht für den männlichen Aspekt des Göttlichen, er ist der formlose, transzendente Urgrund des Seins, stilles Gewahrsein jenseits von Zeit und Raum, für uns Menschen un(be)greifbar. Shakti, die Göttin, ist der weibliche Aspekt des einen. Sie verkörpert die dynamische Energie und die manifestierende Kraft des Universums, jene also, die sich ausdrückt in Form und Gestalt. Wir begegnen ihr in unermesslicher Vielfalt als „diese Welt“, also in allem, was wir im Inneren oder Äußeren wahrnehmen können. Sie entfaltet sich als pulsierendes Universum und als Tanz des Lebens.

Du möchtest mehr erfahren? Hier findest du eine Einführung in Tantra.

Kraftvoll & ungezähmt: Die 10 Mahavidyas

Dementsprechend hat Shakti viele Gesichter. Zu ihren kraft- und eindrucksvollsten gehören die zehn tantrischen Weisheitsgöttinnen, die Mahavidyas. Jede dieser kosmischen Urkräfte verkörpert einen universellen Aspekt der Schöpfung – und unseres Lebens. Mal verstörend und wild, mal anmutig und sanft, führen sie uns weit über die kulturell eingeprägten Vorstellungen des Weiblichen hinaus. Sie fordern uns gleichzeitig heraus und halten uns in Liebe. Ihre Mission ist unsere innere Freiheit: Die Mahavidyas weisen uns den Weg in ein radikal freies, erwachtes Leben.

Illustration: Hanna Tembrink (KI-generiert/Midjourney)

„Die Göttin muss man spüren, nicht denken.“ Dieser Satz begleitet mich, seit ich vor einigen Jahren ein heftiges Sommergewitter erlebte. In diesem tosenden, furchteinflößenden Unwetter, das mich bis ins Innerste erschauern ließ, begegnete ich ganz unmittelbar der rohen, heftigen und bereinigenden Energie von Kali. Kali ist die bekannteste der Mahavidyas, die dunkle Ur­-Mutter. Alle anderen neun Göttinnen gehen aus ihr hervor. Manche von ihnen – wie etwa Lalita und Kamala – sind verführerisch schön, reich geschmückt, mit Lotusblüten in den Händen. Andere – wie Bhairavi und Chinnamasta – wirken furchteinflößend, nackt und blutbeschmiert halten sie erhobene Schwerter. Dahinter steckt eine tiefe Bedeutung: Die zehn tantrischen Weisheitsgöttinnen sind nicht einfach Archetypen oder mythologische Figuren, sie verkörpern universelle kosmische Kräfte, die überall in der Welt am Wirken sind, auch in dir selbst.

Die 10 Mahavidyas im Überblick

Die zehn tantrischen Weisheitsgöttinnen bilden das Leben in all seinen Facetten ab.
Mit all seinem Licht. Mit all seiner Dunkelheit.

1. KALI
die dunkle Mutter

2. TARA
das summende Potential der Schöpfung

3. LALITA TRIPURA SUNDARI
die Kraft der Sehnsucht

4. BHUVANESHWARI
deren Körper die Welt ist

5. BHAIRAVI
das Feuer der Transformation

6. CHINNAMASTA
die sich selbst enthauptende Göttin

7. DHUMAVATI
die düstere Witwe

8. BAGALAMUKHI
die Kraft des Stillstands

9. MATANGI
der schöpferische Freigeist

10. KAMALA
die süße Fülle des Lebens

Du kannst sie dir als Energie-­Signaturen vorstellen: Die heftige, erneuernde Energie der Göttin Kali steckt also nicht nur in einem Gewittersturm oder einem politischen Umsturz, sondern auch in deinem nächsten Wutausbruch, wenn du aufgestautem Unmut endlich so richtig Luft machst. Das ist auch der Hintergrund des Satzes „Du musst sie spüren, nicht denken“: Die tantrische Göttin ist Schwingung, Frequenz und Energie. Sie entzieht sich jedem Versuch, sie zu begreifen. Du begegnest ihr nicht als intellektuelles Konzept, sondern in direkter, unmittelbarer Erfahrung. Dafür haben die Tantriker feinstoffliche Praktiken entwickelt, die mit Klang, Atemlenkung und Visualisierung arbeiten.

Die paradoxe Natur des Weiblichen im Tantra

Dabei sind die weiblichen Gottheiten des Tantra Verkörperungen des Paradoxen: Jede von ihnen ist zugleich spürbar und unbegreiflich, sie kann dich gleichermaßen binden und befreien, also deine wahre Natur verhüllen oder offenbaren. Kali und all die anderen Göttinnen sind Kräfte, die dich in der leidvollen Begrenzung deiner flüchtigen Person gefangen halten. Zugleich sind sie aber die Sprengerinnen deiner Ketten, weil sie dich über jede „Ego-Identität“ hinausführen in die Grenzenlosigkeit deines wahren Ich.

Wer den tantrischen Weg geht, muss bereit sein, sich auf solche Paradoxien einzulassen und Gegensätze zu umarmen. Der rationale Verstand wird so lange mit Widersprüchlichkeit gefordert, bis er aufgibt, denn da, wo Logik nicht mehr weiterführt, beginnt eine tiefere Wahrheit.

Diese paradoxe Natur des Weiblichen spiegelt sich in den bildgewaltigen Darstellungen der zehn Mahavidyas, in denen sich Totenschädel und bluttriefende Schwerter Seite an Seite mit Lotusblüten und segnenden Mudras finden. Warum begegnet uns das Heilige Weibliche im Tantra auf so widersprüchliche und oft verstörende Weise? Ganz einfach: Weil es nicht um Idealbilder geht, sondern um Wahrhaftigkeit. Wenn wir zu einer Frau sagen „Du bist eine Göttin“, meinen wir gemeinhin: „Du bist strahlend, schön und selbstbewusst.“ Die tantrische Göttin ist all das – und noch viel mehr. Sie ist anmutig und furchteinflößend. Sanftmütig und blutdürstig. Königlich und wild. Verspielt und düster. Sie vereint in sich alle Gegensätze. Sie sprengt alle Konventionen, jedes spirituelle Klischee und jede unserer Vorstellungen.

Sich dem Leben in all seinen Facetten hingeben

Ihr zu begegnen erfordert Mut, denn sie verkörpert nicht nur unser Licht, sondern auch die Schatten, die wir in uns tragen. Wir müssen also bereit sein, uns den dunklen Aspekten in uns zuzuwenden. Es ist nicht leicht, uns unserer Wut und Traurigkeit, unseren Ängsten und sonstigen inneren Dämonen zu stellen. Den Schmerz ebenso tief zu fühlen wie die Freude. Und uns wahrhaftig und ohne Vorbehalte aufs Leben einzulassen – mit all seinen Höhenflügen und all seinen Abgründen.

Der tantrische Weg des Weiblichen ist ein Weg liebevoller Akzeptanz für uns selbst und das Leben in all seinen Facetten. Wir lernen, das Heilige in allem zu sehen und finden so in die Ganzheit zurück, die unsere Quelle ist. Es ist kein Schönwetter-Weg, sondern ein unbequemer und radikal ehrlicher, auf dem es kein Ausweichen gibt, sondern nur ein Mittendurch. Nichts wird geleugnet, nichts wird verdrängt, denn alles ist gleichermaßen heilig und ein Aspekt der Göttin. Am Ende dieses Wegs steht das staunende Erkennen unserer wahren, göttlichen Natur.

Ich bin überzeugt: Es ist Zeit für die Rückkehr der Göttin. Sie bringt Heilung und Balance in unsere Zeit voller Spaltung und innerer Zerrissenheit. Wir alle, Frauen wie Männer, sind aufgerufen, dem weiblichen Prinzip Raum zu geben – in unserem Bewusstsein, unserem Miteinander und im Umgang mit unserem Planeten. „Weiblicher“ leben bedeutet in diesem Sinn: allen Erfahrungen präsent und offen gegenüberzutreten, das angestrengte Streben nach Kontrolle loszulassen, unserer Intuition ebenso zu vertrauen wie der Stimme der Vernunft und uns verbunden zu fühlen im großen Gewebe des Lebens. Auf dem Weg der tantrischen Göttinnen lernen wir, nicht nur aus dem Kopf, sondern auch und vor allem aus dem Herzen zu leben. Mögen wir Freiheit finden und Freude in diesem Tanz durch Licht und Dunkelheit.

Kampf den Dämonen!

Das weibliche Prinzip in der tantrischen Mythologie

Es gibt zahlreiche Geschichten, die beschreiben, wie Devi, die Göttin, mit verschiedensten Arten von Dämonen kurzen Prozess macht. Die Storyline ist immer ähnlich: Männliche Gottheiten haben, beeindruckt von dessen Willenskraft, einem Dämon magische Kräfte zugesichert und die Welt damit ins Chaos gestürzt. Nun wissen sie nicht, wie sie ihn wieder loswerden können. Nur eine Kraft im Universum kann’s richten und wird tränenreich um Hilfe angefleht: Devi, die Große Mutter.

Warum, fragt man sich, ist es hier so ausdrücklich das Weibliche, das gegen „das Böse“ zu Felde ziehen muss? Warum ist das männliche Prinzip so hilflos? In unserer europäischen Mythologie ist es doch immer der mannhafte Held, der den Drachen erschlägt und die hilflose Prinzessin rettet?

Eine mythologische Geschichte findet auch – und vor allem – in uns selbst statt: Die diversen Asuras (finstere Mächte der indischen Mythologie) symbolisieren unsere ganz persönlichen Dämonen, nämlich Gefühle von Hass, Macht und Gier, die in unserem Inneren ihr Unwesen treiben. All das kann man nicht mit Gewalt bekämpfen, sondern nur mit Liebe erlösen. Deshalb ist es in den tantrischen Traditionen das heilige Weibliche, das als unerschrockene und zugleich liebevolle Kraft dem Dämonischen beherzt die Stirn bietet. In Gestalt von Durga, Kali oder Lalita tritt diese Kraft unerbittlich und kämpferisch auf. Sie bezwingt unsere inneren Dämonen und bringt die Erlösung.

Tantrische Meditation: Der Ozean des Herzens

Der tantrische Weg des Weiblichen führt uns in die Tiefe des Inkarnierten, Lebendigen. In uns selbst ist das der Weg vom Kopf ins Herz. Man könnte auch sagen: Wir bewegen uns von der Peripherie des Körpers hinein ins Zentrum, sodass wir mehr und mehr aus der Kraft des Herzens leben können.

Du kannst diese Meditation als sitzende Praxis üben oder als Mini-Meditation immer wieder in deinen Tagesverlauf einstreuen:

Dieser Artikel stammt aus dem YOGAWORLD JOURNAL 06/2025 mit dem Titelthema „Weibliche Kraft“.


Diana Sans unterrichtet seit 2007 Yoga in München und bildet Yogalehrende aus und weiter. Sie gilt als eine der führenden deutschen Stimmen des klassischen Tantra und hat zu diesem Thema zwei Bücher und ein Kartenset veröffentlicht. Ihr Buch „Mit dem Leben tanzen“ (O.W. Barth, 2024) widmet sich den tantrischen Weisheitsgöttinnen.

Mehr Info auf dianasans.com und spanda.education

Zum Weiterlesen: Hier geht’s zu einem Interview mit Sally Kempton über Tantra und Shakti …

„Yoga der Imagination“ – ein Wundermittel für Transformation

imagination symbolbild frau am strand mit funken

Jede Form der Kreativität beginnt mit der Imagination, der menschlichen Fähigkeit, sich etwas vorzustellen. Sally Kempton erklärt dieses Prinzip aus Sicht der Yogaphilosophie und stellt das „Yoga der Imagination“ vor – ein Wundermittel für Transformation.

Text: Sally Kempton / Titelbild: Felipe Moutinho von Pexels

„Bringt das wirklich was?“, fragt Julia. Sie ist auf der Suche nach einer neuen Wohnung. Neben den üblichen Methoden, wie Kleinanzeigen lesen, Internet durchforsten und Freunde fragen, hat sie eine Visualisierungstechnik probiert. Sie stellt sich bildlich vor, wie sie glücklich und zufrieden in ihrem neuen, lichtdurchfluteten Wohnzimmer sitzt. Natürlich ist Julias Frage berechtigt. Kann es sein, dass die eigene Vorstellungskraft die Geschehnisse in der „rea­len“ Welt beeinflusst? Ist das, was sie da betreibt, eine sinnvolle Methode oder nichts anderes als das Bauen von Luftschlössern, also reine Phantasie?

Realität vs. Imagination

Ich meine: Es kann beides sein. Trotz Picassos berühmtem Zitat: „Alles, was du dir vorstellen kannst, ist real“ unterscheiden die meisten Erwachsenen ganz konsequent zwischen „real“ und „imaginär“. „Real“ ist der Konsens von Realität, in der die meisten Menschen leben. Wir sind uns zum Beispiel einig, dass ein in die Luft geworfener Ball wieder herunterkommt. Und dass auf jeden Abend ein neuer Morgen folgt. Aber anders als Fantasy-Filmhelden oder oder die Bewohner des hinduistischen Götterhimmels schaffen es die wenigsten von uns, ihre Ziele und Träume allein dadurch wahr werden zu lassen, dass man sie sozusagen in die Existenz „hinein imaginiert“.

Kein noch so starker Wunsch, kein noch so eindrucksvolles inneres Bild verschafft dir einen neuen Job. Nicht, ohne dass du dazu auch praktische Schritte unternimmst. Aber selbst eingeschworene Skeptiker*innen müssen zugeben, dass das Gegenteil ­genauso wahr ist. Jede wichtige Veränderung – innerlich oder äußerlich – beginnt mit einer Vorstellung davon, wie es auch sein könnte.

Die Zukunft neu denken

Imagination, das ist die menschliche Fähigkeit, Bilder (lateinisch: imago) zu erzeugen, die man nicht mit den Sinnen wahrnehmen kann. Sie existieren nur in der Vorstellung. Vieles spricht dafür, dass diese Fähigkeit essentiell zur Entwicklung von menschlichem Bewusstsein ist. Um uns selbst und die Welt zu verändern, müssen wir in der Lage sein, gedanklich aus dem Bekannten auszubrechen. Sich eine Zukunft vorzustellen, die anders ist als die Vergangenheit.

Natürlich sind wir geprägt von unseren Erinnerungen, unserem Karma, der Kultur und den physischen Umständen. Aber auch wenn an einigen dieser Faktoren nur schwer zu rütteln ist. Die Imagination kann dabei helfen, innere Muster aufzubrechen und zu ersetzen. Im Yoga dreht sich alles darum, was passiert, wenn man diese Wahrheit erkennt. Wenn dir zum Beispiel vorstellst, frei von Leid zu sein, dann ist der erste Schritt zu dieser Freiheit schon getan.

Die feineren Schichten der Imagination liegen ziemlich nahe bei der ursprünglichen Quelle der Kreativität. Diese Quelle wird zum Beispiel umschrieben als der große Geist, das kollektive Unbewusste, das Feld aller Möglichkeiten, die göttliche Intelligenz oder das Tao. Sich dem Spiel der Vorstellungskraft hinzugeben, kann Menschen an einen Ort bringen, wo Inspiration ganz ungefragt auftaucht. Etwa in Form von „aus dem Blauen“ heraus entstehenden Ideen. Wie etwa die erste Zeile eines Gedichts oder der Erkenntnis dessen, was ich jenseits meiner gewöhnlichen Selbstwahrnehmung wirklich bin.


„Kreativität“ – das Titelthema im YOGAWORLD JOURNAL 04/2026:

yogaworld journal 04 2026 cover

Altes Wissen

Große Dichter*innen und geniale Wissenschaftler*innen haben diese geheimnisvollen kreativen Prozesse vielfach beschrieben. Etwa John Keats, der sagte, seine besten Gedichte seien ihm von einer „magischen Kraft gegeben worden“. Die Imagination ist die Pforte zu diesem Reich jenseits des gewöhnlichen Bewusstseins. Viele der alten indischen Weisheitsschriften beschäftigen sich damit. Laut tantrischer Lehre ist die menschliche Fähigkeit, sich etwas vorzustellen, nichts anderes als die individuelle Form des unbegrenzten Weltbewusstseins. Das ist die Schöpferkraft schlechthin, die Welten innerhalb seiner selbst imaginiert und sie dadurch in die Existenz bringt.

Auch Yoga Vasishtha, ein Schlüsseltext des Vedanta, beschreibt unsere reale Welt als eine Schöpfung der Imagination, erschaffen aus verfestigtem Bewusstsein. Das Shiva Sutra behauptet, dass ein Yogi, der dieses Prinzip kultiviert, in der Lage sei, Teile dieses Bewusstseins neu zu ordnen und dadurch so ziemlich alles zu manifestieren. Mit anderen Worten: Er kann zaubern. Natürlich operieren die meisten von uns nicht annähernd auf diesem Niveau. Viel eher wirkt unsere Imagination unbewusst. Etwa in Form von beliebigen Phantasien und eher zufälligen Gedankenkonstrukten. Aber man kann das praktizieren, was ich „Yoga der Imagination“ nenne. So kannst du die göttliche Gabe der Phantasie als ein kreatives Werkzeug der Wandlung nutzen.

Arten der Imagination in der Yogaphilosophie

Im Sanskrit sucht man seit jeher nach möglichst präzisen Begriffen für die subtilen Nuancen des Bewusstseins. Um die verschiedenen Arten der Imagination zu unterscheiden, sind vier Begriffe von Bedeutung.

  • Vikalpa bezeichnet ein zufällig entstandenes Bild oder eine Phantasie.
  • Kalpana ist eine gewollte geistige Schöpfung.
  • Pratibha meint eine spontane visionäre Erkenntnis.
  • Bhavana beschreibt die Kontemplation und die Erzeugung von Visionen.

Vikalpa:

Der Großteil deiner Erfahrungen mit Imagination gehen vermutlich auf Vikalpa zurück. Zum Beispiel die Angst, im Schrank könne sich ein Monster versteckt halten. Oder die Vorstellung davon, was deine Freund*innen hinter deinem Rücken sagen. Die yogischen Schriften warnen davor, sich auf diese Geschichten einzulassen. Statt dessen lautet der Rat: lasse die Vikalpas vorüberziehen. Die klassische Yogapraxis zielt darauf ab, sie sogar ganz aufzulösen, etwa mit Hilfe von meditativer Kontemplation oder indem man sie als essenziell leer wahrnimmt.

Kalpana:

Mit den Kalpanas betreten wir das Reich gezielt hervorgerufener Imagination. Sie sind die Basis menschlicher Kunst und Wissenschaft. Auf ihr beruhen Mythologie, Religion, Politik und all die Fiktionen, die unsere Kultur und das Weltgeschehen anzutreiben scheinen. In der tantrischen Tradition ist man besonders geübt im Umgang mit solchen willentlich erzeugten inneren Bildern. Dort heißt es dann zum Beispiel: „Visualisiere, wie die Wut deinen Körper in Form einer schwarzen Rauchwolke verlässt.“ Diese Art von Visualisierungen sind heute Teil des Mainstreams. Wir unternehmen geführte Traumreisen und stärken unser Immunsystem mit dem Bild von Licht, das den Körper durchströmt. Mittlerweile belegen eine Reihe wissenschaftlicher Studien die Wirksamkeit solcher Techniken. Sportler*innen zum Beispiel verbessern ihre Leistung, indem sie sich komplexe Bewegungsabläufe bildlich vorstellen.

imagination symbolbild frau mit sichtbaren gedanken
Foto: Jonathan Andrew von Pexels

Pratibha:

Auf der dritten Ebene, Pratibha, löst sich die Imagination vom individuellen Geist. Die Inspirationen und Einsichten, um die es hier geht, kommen von jenseits des Bewussten. Hierhin gehört die echte kreative Imagination, von der etwa Keats sprach. Auch Albert Einstein oder der Mathematiker Poincaré haben wichtige Erkenntnisse auf diese Weise erlangt. Von Mozart weiß man, dass er beim Komponieren die Musik in seinem Inneren hörte und nur notierte. Was allerdings nicht heißt, dass Pratibha Genies vorbehalten wäre. Auch du hast es sicher schon erlebt, dass ein Aufsatz auf einmal wie von selbst aus deiner Feder floss. Oder dass du plötzlich etwas voll und ganz verstanden hast, das zuvor wirr und kompliziert zu sein schien. In solchen Momenten sind wir, mit den Worten des Dichters William Blake gesprochen, mit einem Mal fähig „die Welt in einem Sandkorn zu sehen„.

Bhavana:

Diese Art von visionärer Imagination geschieht spontan. Yogi*nis fördern sie durch Meditation, Visualisierung (also Kalpana-Praxis), vor allem jedoch durch Bhavana, die kreative Kontemplation, das machtvollste Instrument der inneren Selbsterschaffung, das es gibt. Es ermöglicht es, uns das eigene Selbst neu vorzustellen. Und zwar viel umfassender und tiefgreifender als das modische und äußerliche Konzept, sich selbst immer wieder „neu zu erfinden“.

Der Begriff leitet sich ab von Bhava, was so viel heißt wie „Gefühl“ oder „emotionaler Duft“. Ein echtes Bhavana trägt Idee, Bild und Gefühl in sich. Es arbeitet also mit der Kraft der Emotionen. Und genau diese Qualität erzeugt die außergewöhnliche Kraft bei der Umstellung der inneren Erfahrung von sich selbst. Die emotionale Visualisierung hat die Kraft, innere Erfahrungen während des Übens zu verändern. Deshalb sind beliebte Praktiken wie das bewusste Erinnern glücklicher Momente oder die Kultivierung von Dankbarkeit.

Im klassischen Yoga erfährt Bhavana aber noch eine tiefere Bedeutung. Mein Lehrer sagte immer: „Wenn du das Bhavana festhältst, eine begrenzte Person mit begrenzten Möglichkeiten zu sein, wirst du dich auch weiterhin so wahrnehmen, als seist du durch deinen Körper und deine persönliche Geschichte eingeschränkt. Wenn du dein gewöhnliches Selbstbild aber ersetzt durch das erhabenste, das du dir vorstellen kannst. Dann beginnst du, diese göttlichen Qualitäten auch an dir wahrzunehmen.“ Mantras wie „Ich bin dies“, „Ich bin das Absolute“ und „Ich bin göttliche Liebe“ sind zwar nur Konstrukte der Imagination. Aber sie bewirken etwas, weil sie den Menschen dazu ermutigen, sich mit einer höheren Wahrheit zu identifizieren. Und diese Bewegung verändert innere Erfahrung, Körper- und Selbstgefühl.

Entscheide dich für deine Größe

Eine meiner Schülerinnen begann, sich selbst als Hanuman, den Sohn des Windes vorzustellen, dessen Kraft Berge versetzt. So gelang es ihr nicht nur besser, den belastenden Alltag als alleinerziehende, berufstätige Mutter zu meistern. Sie hatte dank dieses Bhavanas das Gefühl, mit einer Kraftquelle in Verbindung zu stehen, die weit über sie selbst hinausreicht. So hatte sie sogar noch Energie, um alte Freundschaften wieder zu beleben und sich sozial zu engagieren. „Ich bin so viel größer, als ich dachte“, erzählte sie mir. „Ich habe das Gefühl, mein Geist hat sich ausgedehnt und mein Herz wird manchmal so groß, als könnte es die ganze Welt in sich aufnehmen.“

Yoga ist in seinem Kern eine Praxis für spirituelles Wachstum. Ein Wachstum in unsere höchsten Möglichkeiten hinein. Die Kraft der Imagination ist es, die uns den Weg zu diesen Möglichkeiten eröffnet. Indem wir unsere Imagination entwickeln und nutzen, können wir Wahrheit und Schönheit schaffen und echten Wandel bewirken. Nicht nur in unseren Leben, sondern in der Welt, in der wir alle gemeinsam leben.

Dieser Artikel stammt aus dem YOGA JOURNAL 06/2016.


Sally Kempton war eine international bekannte Meditationslehrerin und schrieb regelmäßig für das amerikanische YOGA JOURNAL. Sie veröffentlichte mehrere Bücher (z.B. „Awakening Shakti“) und unterrichtete weltweit Workshops und Retreats. Mehr Info auf sallykempton.com

Wie Achtsamkeit den Umgang mit der Familie entspannt

familie harmonie bergpanorama

Familie ist im besten Fall schön, aber anstrengend. Oft ist es deutlich komplizierter. Wir werfen einen Blick darauf, wie Achtsamkeit und Meditation uns dabei helfen können, mit der Verwandtschaft besser klarzukommen.

Text: Ulrich Hoffmann / Titelbild: Roberto Nickson via Unsplash

Als ich zum Essen kam, herrschte mich eine ältere Tante an: „Schau mal in den Spiegel!“ Das tat ich und war ganz zufrieden. Aber warum hatte sie mich losgeschickt? „So kannst du doch nicht rumlaufen!“, bemängelte sie, als ich zurückkehrte. Stand mein Hosenstall offen? Blutete ich aus dem Ohr? War mein T-­Shirt ungebügelt? „Deine Haare“, flüsterte meine Frau. Meine Haare? Ich kehrte zurück zum Spiegel. An einem Wirbel auf dem Hinterkopf stand eine Handvoll Haare rebellisch kreuz und quer. Und offenbar konnte die Tante keinen Bissen runterbringen, wenn ich derart unfrisiert war. Echt jetzt?

Ich war fasziniert. Patschte die Widerständler mit etwas Wasser platt und beobachtete weitere Familieninteraktionen. Warum sind Menschen so, wie sie sind? Und warum scheinen die eigenen Verwandten generell die schlimmsten zu sein? Kritisch, zickig, abwertend, unzufrieden, unreflektiert. Sie kauen zu laut, sprechen zu undeutlich, haben zu wenig Humor (oder zu viel oder den falschen).

Verbunden, aber auch verwickelt

Niemand kann uns so viel Rückenwind im Leben geben wie Eltern, Großeltern, Geschwister. Aber es kann uns auch niemand so leicht aus der Ruhe bringen, kränken oder nachhaltig verletzen. Ein Wort, ein Blick, eine Geste. Oft wissen wir schon vorher, was passiert. Oder sind zumindest davon überzeugt, es zu wissen. Diese Gefühle sind das „Leid“, von dem der Buddha spricht. Es ist unvermeidlich – aber wie wir damit umgehen, ist Übungssache und liegt bei uns. Das gilt natürlich nicht nur in der Familie, aber ganz besonders dort. Weil wir hier unsere Wurzeln haben, wichtige Prägungen erfahren haben und weil wir durch gemeinsame Gene, Geschichten und Gefühle verbunden sind.

Eine gute Trainingsmöglichkeit sind Besuche bei anderen Familien: bei den Eltern von Freundinnen oder Freunden, bei Geschwistern der Partnerin oder des Partners. Die verhalten sich uns gegenüber nicht wie neutrale Dritte, es geht aber auch nicht direkt ans Eingemachte. Vor allem können wir unaufgeregt zuschauen, wie sie mit unseren Freund*innen oder Partner*innen interagieren. Und im Idealfall erkennen wir die Muster im familiären Umgang, verstehen die eigene Familie dadurch besser und können auch Rückschlüsse auf uns selbst ziehen.

Jede Familie hat eigene Muster, Codes und Rituale

Familienmuster reichen tief und sind uns selten vollständig bewusst. Oft waren meine Annahmen und Reaktionen falsch, weil sie dem Muster meiner Herkunftsfamilie folgten. Manchmal führte ich Diskussionen, obwohl das letzte Wort längst gesprochen war. Manchmal fühlte ich mich angegriffen, obwohl die Aussage ein Lob sein sollte. Manchmal reagierte ich auf der Sachebene, obwohl es um die Beziehung ging, oder auf der Beziehungsebene, obwohl es um die Sache ging.

Mir war durchaus bewusst, dass jede Familie (oder überhaupt jede stabile Gruppe) ihre eigenen Codes und Rituale hat. Ich versuchte auch, die Interaktionen besser zu verstehen, um meine Freund*innen, meine Frau oder mich selbst besser zu verstehen. Aber es klappte nicht so richtig. Bis mir der Zufall und meine Achtsamkeitspraxis zu Hilfe kamen: Wir machten Urlaub bei entfernten Verwandten. Ich hatte daher mehr Zeit und inneren Raum als bei den üblichen kurzen Treffen. Als die Tante also meine aufmüpfigen Haare attackierte, atmete ich tief ein und aus und ließ erst mal meinen Ärger ziehen. Das war ungewöhnlich für mich, entschärfte aber sofort die Situation.

Achtsamkeit üben und bei sich bleiben

An den nächsten Tagen beobachtete ich genauer, wie wir miteinander umgingen, wofür es in dieser Familie Lob gab und was kritisiert wurde. Manchmal, wenn zu viele Menschen auf einmal durcheinander agierten, konnte ich deutlich meine innere Überforderung wahrnehmen. Einmal zum Beispiel wollten wir nur kurz einkaufen gehen, aber dann kam noch dies dazu und das, und letztlich dauerte die Ausfahrt mehrere Stunden und war verflixt anstrengend. Ich spürte das, und anstatt, wie jahrzehntelang eingeübt, gute Miene zum familiären Spiel zu machen, erklärte ich: „Wow, bin gerade ein bisschen fertig, muss mich mal kurz hinlegen.“ Das war der üblichen Familienkommunikation so fern, dass niemand etwas dagegen einwenden konnte – und nach einer halben Stunde war ich wieder gern im Spiel.

Foto: Katarzyna Bialasiewicz von Getty Images via Canva

Wenn eine Diskussion über das Tagesprogramm für meinen Geschmack sinnlos aufwändig wurde, verzichtete ich darauf, mich (in bester Absicht) einzumischen. Stattdessen konzentrierte ich mich auf meinen Atem und lächelte. Mehrere Male musste ich in einem Laden oder an einem Ausflugsort warten, bis alle Gruppenmitglieder fertig waren. In dieser Zeit spazierte ich langsam durch den Shop oder auf einem Weg hin und her. Ich konzentrierte mich zuerst auf meine Schritte, dann begann ich sehr leise zu murmeln: „Möge ich glücklich sein … möge ich gesund sein und frei von Leiden … möge ich in Sicherheit und Frieden leben …“ Und schon nach wenigen Minuten war mein Mindset komplett anders: offen, zugewandt, freundlich, gutwillig. Ab Tag drei setzte ich mich nach dem morgendlichen Zähneputzen auf den Badewannenrand, schloss die Augen und zählte fünf ruhige Atemzüge. Das ist nicht viel, aber ein besserer Start in den Tag als ohne diese Besinnung.

Alternative Perspektiven einnehmen

Besonders schwierig war ein Tag, an dem zuerst meiner Frau etwas an mir missfiel und später noch jemand anderes mich kritisierte. Und weil ich ja einer von ihnen bin, war die Wortwahl … sagen wir mal: offen. Bei nächster Gelegenheit zog ich mich in den Garten zurück, setzte mich auf eine Stufe und schloss die Augen. „Mögest du glücklich sein … gesund und frei von Leiden … mögest du in Sicherheit und Frieden leben…“ Schon das Einnehmen einer aufrechten Haltung setzt bei mir inzwischen den Impuls, für einen kurzen Moment alles zu lassen, wie es nun mal gerade ist. Und weil ich im Alltag einigermaßen regelmäßig meditiere, habe ich schneller als früher Zugriff auf Alternativperspektiven: Die anderen meinen es vermutlich nicht böse, sie geben ihr Bestes. Niemand hier hasst mich.

Bei meiner eigenen Familie ist das natürlich schwieriger als mit Freunden oder Kolleginnen. Nirgends fühle ich mich so schnell gekränkt, angegriffen, missverstanden. Zum Beispiel verwenden meine Eltern das Wort „muss“ statt „solltest“. Du musst für dein Alter vorsorgen, du musst deinen Abschluss machen, du musst entspannen. Und da ich das alles natürlich nicht „muss“, habe ich mich jahrzehntelang auf der Sachebene gewehrt und konnte deshalb die fürsorgliche Intention nicht erkennen.

Häufige Muster in Familien

Mittlerweile habe ich Familien beobachtet, in denen nie gelobt wird. Und welche, in denen nur gelobt und nie gemeckert werden darf. Ich habe gesehen, wie kleinste Krisen sekundenschnell eskalieren. Wie großer Streit in der einen Familie jahrelang nachgetragen wird, in der anderen reinigt er die Luft und nach zehn Minuten ist alles vergessen. Ich habe erlebt, wie Menschen, die sich Respekt wünschen, Demut einfordern. Und wie manche immer und andere nie gehört werden. Vieles davon ist schlimm, man kann es nicht einfach lächelnd wegatmen. Man darf es durchaus benennen. Aber dazu sollte man es erst mal genau erkennen, am besten ungefärbt von den alten Kränkungen und Prägungen.

Ein ganz großes Thema sind Gerechtigkeit und Anerkennung, innerhalb der Generationen, aber auch zwischen ihnen. Ebenso der Vergleich miteinander. Ist Geld wichtig oder wird über Geld nicht gesprochen (oder beides)? Werden Krisen aus der eigenen Kindheit oder der Kindheit der Eltern verallgemeinert? All das lässt sich beobachten, wenn wir die innere Ruhe haben, uns nicht vom Sturm der Emotionen mitreißen zu lassen. Im Idealfall können wir eine Weile zuhören, ohne parallel die Entgegnung zu munitionieren. Und bei jeder Interpretation können wir uns innerlich fragen: „Ist das wirklich so? Oder wie ist es sonst?“ Auf diese Weise verstehen wir mehr und stärken die Beziehung.

Den Anfängergeist kultivieren

Aber es geht sogar noch mehr. Wir können nämlich die eigenen Beziehungen und Interaktionen neu gestalten. Wer sagt denn, dass die Schwester wirklich glaubt, die Klügere zu sein, oder dass die Eltern sie wirklich bevorzugen? Wer sagt denn, dass die Tante nur Rassismus kann oder der Onkel nicht den kleinsten Funken Humor hat? In Yoga und Meditation sollen wir immer wieder den Anfängergeist („Beginner’s Mind“) kultivieren – Katze/Kuh üben, als hätten wir die Asana noch nie gemacht, den nächsten Atemzug ganz und gar spüren, als wäre es der erste. Dasselbe lässt sich auf familiäre Begegnungen anwenden. Wir sind schließlich frei darin, auch mal ganz anders zu reagieren: defensiver oder aggressiver, kürzer oder raumgreifender. Vielleicht auch einfach mal neugieriger: „Erzähl mir mehr, warum denkst du das, verstehe ich dich richtig?“ Schon könnte alles anders weitergehen.

Und wenn nicht? Dann hilft immer noch die Konzentration auf einen Atemzug nach dem anderen. Denn den Atem haben wir immer dabei.

Foto: Kateryna Hliznitsova via Unsplash

Praxis-Idee 1: ANFÄNGERGEIST

Gemeint ist eine Geisteshaltung, die von der Offenheit und Unvoreingenommenheit eines Anfängers geprägt wird. Im Zen-Buddhismus Shoshin genannt.

  • In der Praxis geht es vor allem darum, keine interpretatorischen Schlüsse aus vergangenen Erfahrungen zu ziehen. Stattdessen bemühen wir uns darum, jede Handlung oder Interaktion „wie beim ersten Mal“ zu beginnen.
  • Achtsamkeit ist ein guter Einstieg in den Anfängergeist: Achte darauf, wie sich beim Aufstehen der Boden unter deinen Füßen anfühlt. Oder wie sich das Vogelgezwitscher anhört. Wie sich dein Atem anfühlt. Achte auf die Konsistenz deines Frühstücksbrotes oder was du alles empfindest, wenn du zum ersten Mal am Tag zum Handy greifst. Schau dein Gesicht im Spiegel an und mache dabei verschiedene Gesichtsausdrücke (lächeln, nachdenken, aufmerksam zuhören). Frage dich, wie andere dich sehen.
  • Jederzeit und überall hast du die Möglichkeit, irgendetwas so zu tun, anzuschauen oder zu fühlen, als wäre es ganz neu und unbekannt. Das holt dich in die Gegenwart und reduziert die Selbstüberschätzung.

Praxis-Idee 2: 6 MINI-MEDITATIONEN BEIM FAMILIENBESUCH

  1. Achte darauf, ob in dir Emotionen aufwallen. Wenn das passiert, konzentriere dich auf deinen Atem. Wenigstens auf einen Atemzug. Wenigstens auf das Ein- oder Ausatmen, das gerade geschieht.
  2. Hast du die Möglichkeit, wohlwollend zu reagieren, wenigstens freundlich? Vielleicht einfach zu schweigen, statt die Augen zu verdrehen? Oder zu fragen: „Ich habe das noch nicht ganz verstanden, kannst du mir mehr erzählen“?
  3. Konzentriere dich für einen Moment auf ein Element im Raum, das du magst. Das kann Deko sein, der Ausblick, eine Person.
  4. Oder zieh dich bei nächster Gelegenheit für ein paar Minuten zurück, notfalls auf die Toilette. Zähle deine Atemzüge: „Eins“ beim Einatmen, „eins“ beim Ausatmen, dann „zwei“ beim Einatmen, „zwei“ beim Ausatmen – bis „zehn“. Das ist leider gar nicht so einfach, wenn wir richtig angefasst sind, aber schon der Versuch erzeugt einen gewissen Abstand. (5 Minuten Instagram auf dem Handy senken den Stress übrigens deutlich weniger. Leider.)
  5. Wenn du die Metta-Meditation kennst, kannst du die folgende verkürzte Variante probieren. Sprich, wenn gerade niemand etwas von dir will, im Geiste vor dich hin: „Möge ich glücklich sein … möge ich gesund sein und frei von Leiden … möge ich in Sicherheit und Frieden leben …“ Du kannst dabei gern auf und ab gehen oder einen kleinen Spaziergang machen. Vielleicht legst du nach einiger Zeit den Fokus auf die anderen Familienmitglieder: „Möget ihr glücklich sein … gesund und frei von Leiden … möget ihr in Sicherheit und Frieden leben…“
  6. Gerätst du in eine Situation, die dir unangenehm bekannt vorkommt, versuche, mal ganz anders zu reagieren: neugierig, interessiert, offen. Gelingt das nicht, kannst du deine Unsicherheit thematisieren: „Ich habe den Eindruck, wir fangen gleich an zu streiten. Das möchte ich aber gar nicht. Was kann ich tun oder was können wir tun, damit wir weiter gut miteinander umgehen?“ Klappt nicht immer, aber manchmal.

Dieser Artikel stammt aus dem YOGAWORLD JOURNAL 06/2025.


Ulrich Hoffmann ist zertifizierter Meditations- und Yogalehrer sowie Philosoph. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

Mehr Infos auf ulrichhoffmann.de

In diesem Artikel beleuchtet Jon Kabat-Zinn das Thema Achtsamkeit im Familienalltag mit Kindern:

Spielerischer Sommer-Flow für Balance und Vitalität

Dieser spielerische Sommer-Flow lädt dich dazu ein, dich mit der Energie des Sommers zu verbinden: In fließenden Übergängen erzeugst du Wärme und kultivierst deine Stabilität und Mittenkraft. Gleichzeitig erforschst du deine Balance und das Wechselspiel zwischen Anspannung und Loslassen. Belebt, fokussiert und ganz im Moment genießt du den Sommer.

Sequenz und Fotos: Nela König / Model: Alena Erbslöh

WARM-UP

Wärme deinen Körper gründlich auf: zuerst mit kleinen kreisenden Bewegungen von Fuß- und Handgelenken, Knien, Schultern und Wirbelsäule und anschließend mit 5 dynamischen Sonnengrüßen.

1. VRIKSHASANA

Alena Erbslöh, Vrikshasana, Summer Flow

Stabilität beginnt von innen: Stelle dich auf dein linkes Bein und ziehe das rechte Bein achtsam heran. Lege die Fußsohle dann an die Innenseite des linken Oberschenkels oder, wenn es sich stimmig anfühlt, wie hier in den halben Lotus. Richte die Wirbelsäule auf und finde Länge vom Becken bis zum Scheitel. Die Handflächen kommen vor dem Herzen zusammen: Anjali Mudra. Spüre deine Verwurzelung in der Erde und wachse gleichzeitig nach oben. Bleibe 5 entspannte Atemzüge lang in der Haltung – ruhig, geerdet und wach.

2. EKA PADA ADHO MUKHA SHVANASANA

Alena Erbslöh,  Eka Pada Adho Mukha Shvanasana, Summer Flow

Aus dem Baum trittst du zurück in den nach unten schauenden Hund. Verankere beide Hände kraftvoll in der Matte und finde Länge in Armen und Rücken. Dann streckst du das linke Bein nach oben, dabei achtest du darauf, die Hüfte nicht aufzudrehen. Strebe nach Raum und Leichtigkeit, als würde dein Fuß den Himmel berühren wollen. Atme ruhig und bleibe wieder 5 Atemzüge lang in der Haltung.

3. CRUNCH

Alena Erbslöh, Crunch

Ziehe dann mit einer Ausatmung das gehobene Bein kontrolliert nach vorn und bewege Knie und Stirn zueinander hin. Dabei wandern die Schultern bis über die Handgelenke und der Rücken wird rund. Aktiviere bewusst die Körpermitte, ziehe den Bauchnabel nach innen. Spüre, wie sich Kraft und Fokus in deinem Zentrum bündeln. Wechsle dann 3 Mal fließend zwischen dreibeinigem Hund und Crunch hin und her.

4. VASISHTHASANA VARIANTE

Alena Erbslöh, Vasishthasana

Dreh dich aus dem Crunch auf die linke Hand und setze den rechten Fuß parallel zur hinteren Mattenkante auf. Finde Stabilität über die Hand und die Außenkante des Fußes. Der rechte Arm streckt sich kraftvoll in Verlängerung der Flanke, während du das linke Bein anwinkelst die Fußaußenkante ans gestreckte Bein legst (Figur-4-Position). Alternativ kannst du den linken Unterschenkel am Boden ablegen. Halte in beiden Fällen die Körpermitte aktiv und finde eine gute Balance aus Spannung und Leichtigkeit. Atme tief in die rechte Flanke und spüre, wie du dich von innen heraus weitest.

5. VASISHTHASANA CRUNCH

Alena Erbslöh, Vasishthasana Crunch, Summer Flow

Linke Hand und rechter Fuß bleiben weiterhin stabil auf der Matte verwurzelt, wenn du nun mit einer Ausatmung das rechte Bein kraftvoll beugst und den rechten Ellenbogen zum linken Knie führst. Dabei erfährst du eine intensive Dehnung in der linken Hüfte und Flanke. Wenn du den linken Unterschenkel am Boden abgelegt hast, ziehst du stattdessen das rechte Knie zum Ellenbogen. Wechsle dann 3 Mal fließend zwischen der ausgestreckten Vasishthasana-Variante und dem Crunch hin und her.

6. SCHWEBENDES PATITA TARASANA

Alena Erbslöh, Patita Tarasana, Summer Flow

Nach der dritten Wiederholung löst du den linken Fuß kontrolliert vom rechten Oberschenkel und streckst das Bein auf Hüfthöhe nach vorn. (Vielleicht kennst du die Haltung auch unter dem Namen Fallen Triangle.) Halte die Körpermitte auch hier wieder kraftvoll und aktiv – sie trägt und stabilisiert dich in dieser schwebenden Position. Alternativ setzt du den linken Fuß am Boden ab und findest dort mit mehr Stabilität in die Streckung. Bleibe 3 tiefe Atemzüge lang in der Haltung.

7. SCHWEBENDES CAMATKARASANA

Alena Erbslöh, Camitkarasana, Summer Flow

Ziehe das linke Bein wieder zum Körper, setze die rechte Hand auf die Matte und fließe zurück in den dreibeinigen Hund. Drehe nun die linke Hüfte weit zur Seite auf, beuge das linke Bein, löse die linke Hand von der Matte und setze den linken Fuß hinter dir ab. Fühlt sich wild an? Die Haltung heißt nicht umsonst „Wild Thing“! Die rechte Hand bleibt kraftvoll geerdet, die Brust hebt sich, weit und offen. Wenn du magst, aktivierst du nochmals deutlicher die Körpermitte und hebst den linken Fuß wie hier gezeigt für ein paar Atemzüge vom Boden ab, um in die schwebende Variante zu kommen.

8. EKA PADA URDHVA HASTASANA

Alena Erbslöh, Eka Pada Urdhva Hastasana

Versuche, das linke Bein gehoben zu halten, wenn du nun in einer fließenden Bewegung aus Camatkarasana in den dreibeinigen Hund zurückkehrst. Ziehe dann den linken Fuß kontrolliert nach vorn und setze ihn zwischen den Händen auf. Dann richtest du dich mit einer Einatmung Wirbel für Wirbel auf, bis du auf dem linken Bein stehst. Ziehe das rechte Knie zur Brust und strecke beide Arme kraftvoll nach oben. Finde hier deine Mitte: Atme bewusst und richte dich von innen heraus neu aus.

9. VIRABHADRASANA 3

Alena Erbslöh, Virabhadrasana 3, Summer Flow

Aus der Aufrichtung fließt du nun mit einer Ausatmung kraftvoll in den Krieger III: Strecke das rechte Bein lang nach hinten aus und neige den gestreckten Oberkörper nach vorn, bis Beine, Becken und Rumpf eine Linie bilden. Gehe nur so tief, dass du das Becken gerade halten kannst, anstatt die rechte Hüfte aufzudrehen – im Zweifel ist eine Diagonale besser als die Horizontale. Lege die Hände vor dem Herzen in Anjali Mudra aneinander. Stabilität und Erdung entstehen auch hier aus der Körpermitte. Atme ruhig und bewusst. Spüre die Verbindung von Kraft und durchlässiger Leichtigkeit in deinem Standbein.

10. CRUNCH

Alena Erbslöh, Crunch, Summer Flow

Aus dem Krieger III beugst du nun kontrolliert dein Standbein und ziehst das rechte, gebeugte Knie diagonal nach unten in Richtung deiner linken Fessel. Die Hände bleiben vor dem Herzen in Anjali Mudra und unterstützen dich in deiner Balance. Halte den Rumpf stabil, die Bewegung bleibt kraftvoll und zentriert. Richte dich dann wieder auf in Krieger III. Wiederhole den fließenden Wechsel zwischen Krieger III und Crunch 3 Mal.

11. SCHWEBENDES PARIVRITTA ARDHA CHANDRASANA CHAPASANA

Alena Erbslöh, Parivritta Ardha Chandrasana Chapasana, Summer Flow

Finde noch einmal Länge in Krieger III mit parallel zum Boden stehendem Becken und stabiler Ausrichtung. Setze dann die rechte Hand kontrolliert auf dem Boden oder einem Block auf, während du den linken Arm nach oben streckst, dabei weitet sich intensiv deine Brust. Wenn du dich stabil fühlst, kannst du die Bewegung noch intensivieren: Beuge das rechte Bein und greife mit der linken Hand den rechten Fuß. Hebe den Oberkörper, löse die rechte Hand vom Boden und finde die Balance in der Schwebe – leicht, offen und kraftvoll zugleich. Atme ruhig in die Drehung und spüre die Weite im Herzraum.

12. EKA PADA PADANGUSTHASANA SQUAT

Alena Erbslöh, Pistol Squat, Summer Flow

Setze aus der schwebenden Haltung zunächst die rechten Finger noch einmal am Boden ab. Dann beugst du dein linkes Standbein tief und ziehst das rechte Bein unter dem Körper nach vorn durch. Mache die Körpervorderseite in dieser einbeinigen Hocke zunächst ganz kompakt und stabilisiere dich, bevor du mit der linken oder mit beiden Händen um den rechten Fuß oder das Schienbein greifst. Wenn du dich wackelig fühlst, kannst du einen Block oder Hocker unter deine Sitzfläche legen. Strecke dann den Rumpf und – soweit es möglich ist – auch das Bein (Pistol Squat). Dabei sind Stabilität und Achtsamkeit wichtiger als das äußere Bild der Asana. Spüre dich in der Balance und atme bewusst.

13. ROLL-BACK

Alena Erbslöh, Roll-Back

Setze dich aus dem Pistol Squat auf die Matte und lasse dich schwungvoll nach hinten rollen. Nutze dabei den Impuls und rolle über deinen gesamten Rücken, bis die Beine über den Kopf gleiten. Die Bewegung ist rund, fließend und kraftvoll zugleich – ein Moment des Loslassens in der Dynamik. Wenn du magst, kannst du dich mehrere Male vor und zurück rollen.

14. URDHVA PRASARITA EKA PADASANA

Alena Erbslöh, Urdhva Prasarita Eka Padasana

Nutze den Schwung aus der Rückwärtsrolle, um kraftvoll wieder zurück an den Anfang der Matte zu rollen, den linken Fuß kontrolliert aufzusetzen und den rechten unter dem Körper hindurch nach hinten zu ziehen. Versuche, auch weiter im Bewegungsfluss zu bleiben, wenn du nun das rechte Bein lang und aktiv nach hinten und oben streckst und den Oberkörper über das Standbein nach vorne beugst. Das Standbein muss nicht gestreckt sein, viel wichtiger ist es, auch hier die Wirbelsäule lang zu halten und das Becken gerade auszurichten, anstatt die rechte Hüfte nach außen zu drehen. Die Fingerspitzen stützen nur leicht stabilisierend am Boden oder auf Blöcken auf. Halte den Atem fließend und spüre die Weite in der Rückseite deines Körpers. Richte dich behutsam wieder zum Stehen auf und wiederhole dann den kompletten Flow (Übung 1 bis 14) auf der anderen Seite.

15. SUPTA KAPOTASANA

Alena Erbslöh, Supta Kapotasana, Summer Flow

Stelle zum Abschluss in der Rückenlage die Füße auf. Lege die Außenkante des rechten Fußes möglichst mittig auf deinen linken Oberschenkel und ziehe die Zehen aktiv Richtung Knie. Greife dann mit beiden Händen durch das „Nadelöhr“ hindurch um den linken Oberschenkel und ziehe ihn sanft zu dir heran. Dabei bleiben die Schultern möglichst am Boden liegen und der Nacken entspannt. (Wenn nicht, gerne einen Gurt verwenden.) Wenn du die Dehnung noch intensivieren möchtest, kannst du das linke Bein nach einer Weile strecken. Atme ruhig – spüre die Dehnung in der rechten Hüfte und das Loslassen in der Tiefe. Wechsle anschließend die Seite.

16. SHAVASANA

Schließe die Praxis mit einer Entspannung in Rückenlage ab. Richte dir das Liegen so ein, dass du deinen gesamten Körper vollständig loslassen kannst. Spüre den Halt des Bodens, der dich trägt, und die Wärme und Lebendigkeit, die dich erfüllen.

Dieser Summer Flow stammt aus dem YOGAWORLD JOURNAL 04/2025.
Im brandneuen YOGAWORLD JOURNAL 04/2026 findest du weitere sommerliche Flow-Sequenzen. Hier kannst du dir das aktuelle Heft bestellen.


Nela König ist ein Yoga-Multitalent: Sie inspiriert uns mit ihrer kreativen Praxis ebenso sehr wie mit den tollen Yogafotos, die sie – wie hier – oft auf ihrer Lieblingsinsel Mallorca aufnimmt. Ihre dynamischen Summer-Flow-Sequenzen sind seit Jahren ein lieb gewonnenes Ritual im YOGAWORLD JOURNAL. Mehr auf nelakoenig.com und Instagram @nelakoenig.photography

Es kommt nicht so häufig vor, dass wir für eine Übungsstrecke mit einem professionellen Model arbeiten. Für Alena Erbslöh haben wir mit unseren Summer Flow gerne eine Ausnahme gemacht, denn Alena hat nicht nur eine tolle Praxis, sie ist auch durch und durch Yogini und sagt von sich: „Yoga verbindet mich mit etwas Tieferem. Mit dem Teil in mir, der nichts beweisen muss, der Teil, der immer genug ist. Und genau das verändert etwas: Wie ich da bin – für mein Kind, meinen Partner, meine Freunde. Es erinnert mich daran, wer ich wirklich bin. Und wie ich leben will.“ Mehr auf Instagram @model.mom.alena

Hier findest du einen weiteren Summer Flow von Nela König:

Das neue YOGAWORLD JOURNAL ist da! Titelthema „Kreativität“

yogaworld journal 04 2026
Heft-Beitrag 04-2026 YOGAWORLD JOURNAL - 1

Das neue YOGAWORLD JOURNAL ist ab sofort im Handel und in unserem Online Shop erhältlichDiese Themen erwarten dich …

Titelthema „Kreativität“

Was unsere Schöpferkraft beflügelt

Sie schenkt uns Momente des Glücks, bringt uns voran und manchmal rettet sie uns auch den Allerwertesten: Ohne Kreativität würde unser Leben stillstehen. Doch was hat es damit eigentlich auf sich und wie können wir unsere Schöpferkraft wecken? Und vor allem: Welche Rolle spielt Yoga bei der ganzen Sache? Das und vieles mehr liest du in unserem neuen YOGAWORLD JOURNAL!

Außerdem in dieser Ausgabe:

  • Der stille See des Geistes: 13 Übungen für mehr innere Ruhe
  • Die fünf Vayus: Harmonisiere deine Energie
  • Good Morning Sunshine! Befreiender Summer Flow
yoga twisted high lunge jil moore
Dieser Summer Flow mit Jil Moore trägt die Energie des Sonnenaufgangs in sich. Foto: Nela König
  • Fest für die Sinne? Multisensorisches Yoga im Selbstversuch
  • Yogisch leben: Alkohol, Vorurteile, Fleisch – was erlauben wir uns?
  • Barfuß gehen: Im Kontakt mit der Welt

… und vieles mehr.

Jetzt in unserem Online-Shop bestellen!

Erfrischung meets Thai-Küche: Rezept für Melonen-Basilikum-Kaltschale

Frisch und kühlend heißt die Devise für eine sommerliche Ernährung. Diese Melonen-Basilikum-Kaltschale ist perfekt, um bei Hitze einen kühlen Kopf zu bewahren. Dieses Rezept ist erfrischend und inspiriert durch die Thai-Küche – zugleich süß und würzig-aromatisch.

Rezept: Lisa Turner / Titelbild: Erin Kunkel

Das brauchst du für 4 erfrischende Kaltschalen:

  • 1 große Cantaloupe-Melone, Fruchtfleisch ausgelöst und in Würfel geschnitten
  • 2 Limetten, ausgepresst
  • 250 ml griechischer Joghurt oder pflanzliche Alternative
  • ¼ TL Sriracha-Sauce (thailändische Chili-Sauce)
  • 4 EL frisch gehackte Basilikumblätter
  • 8 Basilikumblätter zum Garnieren

So bereitest du das Melonen-Basilikum-Dessert zu:

  1. Püriere die Hälfte des Fruchtfleischs mit dem Limettensaft in einem Hochleistungsmixer zu einer glatten Masse. Gib dann die zweite Hälfte des Fruchtfleischs dazu und püriere diese ebenfalls.
  2. Verquirle das Ganze gründlich mit der Hälfte des Joghurts und der Chili-Sauce. Gib dann die Hälfte des Basilikums dazu und mixe nur kurz, so dass noch grüne Stückchen erkennbar bleiben. Schmecke die Kaltschale mit Salz ab und stelle sie abgedeckt etwa 2 Stunden lang kühl.
  3. Für das Joghurt-Topping mixe den restlichen Joghurt mit dem restlichen Basilikum, 1 EL Wasser und 1 Prise Salz.
  4. Vor dem Servieren fülle die Kaltschale in vier Suppenteller oder Gläser, gib jeweils einen Klecks Basilikum-Joghurt darüber und verziere sie mit je 2 Basilikumblättern und evtl. einigen Tropfen Chili-Sauce.

Tipp: So richtig schön cremig wird die Kaltschale, wenn du eine vollreife Melone verwendest.

Dieses Rezept stammt aus dem YOGA JOURNAL 04/2015.


Lisa Turner ist Köchin, Ernährungsberaterin und Gründerin der Beratungsfirma Inspired Eating, die in Workshops und Kurse Wissen über Essen, Gesundheit und Heilung vermittelt. In diesem Artikel findest du noch weitere ihrer Sommer-Rezepte und Ernährungstipps, die dir helfen, leichte Mahlzeiten zu zaubern: