Statt Faszienrolle: 3 Übungen für ein gesundes Iliotibialband (IT-Band)

it band jill miller yoga übung

Der Trend, einem verspannten IT-Band mit der Faszienrolle zu Leibe zu rücken, kann mehr Schaden als Nutzen anrichten. Wieso das so ist und welche Yogahaltungen für ein gesundes Iliotibialband sorgen, erfährst du hier.

Text: Jill Miller / Fotos: Paul Miller

Das Iliotibialband, kurz IT-Band, ist kein ganz offensichtliches Yogathema. Schließlich lässt sich das verdickte, sehnenartige Fasziengewebe durch Yoga allein nicht stressen. Wer jedoch Sprungvariationen mag oder Yoga als Ausgleich für Sportarten mit hoher, explosionsartiger Belastung wie Joggen, Wandern, Tanzen oder Intervalltraining praktiziert, kennt sicherlich das Gefühl eines verspannten, „festen“ IT-Bands. Das Gefühl trügt nicht: Die sehnigen Fasern sind von Natur aus fest, um den äußeren Oberschenkel zu schützen. Bevor man nun beginnt, das IT-Band mithilfe von Yoga „dehnen“ bzw. heilen zu wollen, sollte man sich zunächst anschauen, wie es zu Reizungen kommt und was man dagegen tun kann.

Wenn du Schmerzen an der Außenseite des Knies hast, insbesondere wenn du das Knie beugst, kann dies auf ITBS (Iliotibiales Bandsyndrom) hindeuten. Schmerzen können beim Treppensteigen oder in Asanas wie Virabhadrasana II (Krieger II) auftreten, bei denen ein Knie stark gebeugt wird. Verursacht werden die Verspannungen im IT-Band durch ein Ungleichgewicht im Schenkelbindenspanner (M. tensor fasciae latae) oder im großen Gesäßmuskel (M. gluteus maximus), den beiden Ansatzpunkten des IT-Bands an der Hüfte. Wenn diese Muskeln Zug auf das IT-Band bringen, das mit der Kniegelenkkapsel und dem äußeren Schienbein verbunden ist, kann es zu Schmerzen im Knie kommen.

Die gute Nachricht ist, dass Beschwerden in diesem Bereich selten gravierend sind und sich gut durch Kräftigung und Entspannung der umliegenden Muskeln in den Griff kriegen lassen. Das trifft insbesondere auf den großen Gesäßmuskel und den Schenkelbindenspanner zu, aber auch auf den angrenzenden Quadrizeps, die hintere Oberschenkelmuskulatur, auf Hüftbeuger und -rotatoren.

Iliotibiales Bandsyndrom: allgemeine Ursachen

Sehnen, die wiederholt überlastet oder überdehnt werden, bilden Mikrorisse aus, was wiederum Schmerzen oder Verletzungen zur Folge haben kann. Im Fall des IT-Bands spricht man vom Iliotibialen Bandsyndrom (ITBS). Da Sehnengewebe schlechter durchblutet wird und somit langsamer heilt als Muskelgewebe, gestaltet sich die Heilung mitunter schwierig. Zudem befinden sich im IT-Band unzählige Nervenenden, daher kann der Einsatz einer Faszienrolle zur schmerzhaften Angelegenheit werden.

Die 4 häufigsten Ursachen für ITBS:

Übermäßiges Laufen, Springen oder Radfahren, vor allem bei Fehlausrichtung von Knie und Hüfte. Jede schlecht ausgerichtete Bewegung kann Beschwerden verursachen. Das rührt daher, dass dein IT-Band unter anderem für die optimale Führung des Knies verantwortlich ist. Bei dauerhafter Fehlausrichtung der Gelenke (etwa Pronation beim Laufen oder auswärts gedrehte Füße beim Radfahren) kann es zur Reizung des IT-Bands kommen.

Überdehnung bzw. übermäßige Anspannung der Gesäßmuskeln bedingt durch Sport oder Alltag. Dazu gehören auch das Sitzen mit übergeschlagenen Beinen oder das häufige Tragen von hohen Schuhen.

Übermäßiges Sitzen verkürzt dauerhaft den Schenkelbindenspanner und überstreckt gleichzeitig den Gesäßmuskel. Das schwächt Beinrückseiten, Hüft- und Gesäßmuskulatur und verstärkt Beschwerden im IT-Band.

Unterschiedlich lange Beine können eine Hüfte übermäßig beanspruchen und so zu IT-Band-Problemen im längeren Bein führen.

Körperwissen: Anatomie des IT-Bands

Illustration: Michelle Graham

1 Darmbein (Osilium): Oberster und größter Teil des Hüftknochens. An diesem breiten, flachen Knochen setzen viele Hüft- und Rumpfmuskeln an.

2 Schenkelbindenspanner (M. tensor fasciae latae): Dieser kleine Muskel liegt vor dem Hüftgelenk und ist der obere Ansatzpunkt des IT-Bands.

3 Iliotibialband: An dieser verdickten Faszie setzen der große Gesäßmuskel und der Schenkelbindenspanner an. Die Faszie begrenzt den äußeren Schenkelmuskel (M. vastus lateralis) und umhüllt die Quadrizeps-Gruppe.

4 Schienbein (Tibia): Das Schienbein ist der längere und robustere der beiden Knochen unterhalb des Knies.

5 Großer Gesäßmuskel (M. gluteus maximus): Der größte und oberflächlichste der drei Gesäßmuskeln ist der wichtigste Hüftstrecker. Er bildet den unteren Ansatzpunkt des IT-Bands.

Das IT-Band (3), auch Iliotibialtrakt genannt, ist ein multifunktionaler sehnenartiger Faserzug, der an der Außenseite des Oberschenkels vom Darmbein (1, Osilium) zum Schienbein (4, Tibia) verläuft. Er verbindet den Schenkelbindenspanner (2, einen Hüftbeuger) und den großen (sprich größten) Gesäßmuskel (5, einen Hüftstrecker und Außenrotator) mit der Schienbeinaußenseite. Das IT-Band stabilisiert Hüfte und Knie, insbesondere bei schnellen, explosionsartigen Bewegungen, wie sie beim Joggen und Springen geschehen. Stell dir die dicke Faszie wie eine stramm gespannte Brücke zwischen Becken und Knie vor. Die Faszie umhüllt zudem den Quadrizeps und inseriert in die Kniegelenkkapsel.

Die Kontraktion der beiden oben am IT-Band ansetzenden Muskeln – Schenkelbindenspanner und großer Gesäßmuskel – bringt das IT-Band zusätzlich auf Spannung. Das stabilisiert die Ausrichtung des Knies in Bezug auf die Hüfte. Wird einer dieser Muskeln zu stark (oder zu wenig) beansprucht, kann das IT-Band eine Reizung erfahren und schmerzhaft am äußeren Knie ziehen.

Warum Faszienrollen bei ITBS keine Lösung ist

Der Griff zur Faszienrolle bei ITBS erscheint logisch. Doch auch wenn nach der (wahrscheinlich höllisch schmerzhaften) Massage vorübergehend Linderung eintreten mag, bin ich der festen Überzeugung, dass planloses Faszienrollen deinem IT-Band mehr schadet als nutzt: Zum einen kann es Schmerzen im IT-Band durchaus auch verschlimmern und bestehende Mikrorisse verstärken. Zum anderen ist ein Großteil der eventuell eintretenden Linderung der Stimulierung von Dehnrezeptoren im M. vastus lateralis zu verdanken, dem äußerstem Quadrizeps-Muskel, der über dem IT-Band verläuft. Die eigentliche Ursache wird dabei vollständig übersehen und die liegt bei Gluteus Maximus und Schenkelbindenspanner.

Die Alternative zur Faszienrolle: Therapiebälle

Bei der nachfolgend beschriebenen Technik „pflügen“ zwei Therapiebälle in Zeitlupe durch das Gewebe und mobilisieren so nach und nach die tiefliegenden Muskeln. Wichtig ist, das IT-Band nicht „ausrollen“ oder „lockern“ zu wollen. Stattdessen zielst du auf den unter dem IT-Band verlaufenden Muskel ab, den Quadrizeps. Schmerzen sind immer ein Signal aufzuhören. Das Rollen sollte sich wie eine annehmbare Dehnung anfühlen, die den bearbeiteten Bereich wärmt und erfrischt.

  1. Lege dich auf eine Seite und platziere zwei kleine elastische Bälle unter den äußeren Oberschenkel, wo Quadrizeps und hintere Oberschenkelmuskulatur zusammenlaufen, also in das Gewebe direkt unter dem IT-Band.
  2. Gib 10 Atemzüge lang dein Körpergewicht immer mehr an die Bälle ab. Stelle dir vor, diese würden zwischen Quadrizeps und hinterer Oberschenkelmuskulatur andocken.
  3. Führe mit langsamen Bewegungen und mithilfe des Gewicht deines Oberschenkels die Bälle nach vorn (quer über den Oberschenkel). Die tief im Gewebe ansetzenden Bälle bewegen den Quadrizeps um den Oberschenkelknochen herum und mobilisieren so den seitlichen Quadrizeps von der hinteren Oberschenkelmuskulatur weg. So entsteht eine Dehnung zwischen Knochen und Quadrizeps. Bei korrekter Ausführung fühlt es sich an, als ob eine große Hand den Oberschenkelmuskel um den Knochen bewegen würde.
  4. Versuche, die Rollbewegung der Bälle zu minimieren und vielmehr den gesamten Muskelabschnitt zu „durchpflügen“. Diese Technik wird deinen Oberschenkel nach innen rotieren.
  5. Durchpflüge den Oberschenkel mehrfach und langsam von der Außenseite zur Mitte hin. Nach 10 Minu­ten wechselst du zum anderen Bein.

3 Yogahaltungen für ein gesundes IT-Band

Die folgenden Haltungen helfen dir, ein Gefühl für dein IT-Band zu bekommen, und können Beschwerden beheben oder vorbeugen.

Wenn du dein IT-Band spüren möchtest:

PRASARITA PADOTTANASANA – stehende Vorwärtsbeuge aus der Grätsche, Variante

Die Drehung lässt dich Ursprung und Ansatzpunkte deines IT-Bands spüren. Gleichzeitig erfahren Gesäßmuskeln, seitliche hintere Oberschenkel- und Wadenmuskulatur sowie Fußgelenke eine tiefe Dehnung.

Anleitung: Du beginnst in einer seitlichen Grätsche. Die Füße sind 60 bis 90 Zentimeter voneinander entfernt. Beuge dich aus den Hüftgelenken mit neutralem Rücken nach vorn, bis die Finger auf dem Boden, einem Block oder Stuhl aufsetzen. Wandere mit den Händen nach rechts und nimm den ganzen Körper inklusive der Füße mit, bis du deine maximale Rotation erreicht hast. Dein rechtes Bein sollte nun vor dem linken stehen.

Nach 5 bis 10 Atemzügen wechselst du die Seite.

Wenn du ein hypermobiles IT-Band hast

VASISHTHASANA – seitliches Brett

Wenn du zu den sehr flexiblen Menschen gehörst, sind isometrische Haltungen zur Kräftigung und Stabilisierung deines IT-Bands besonders wichtig. Diese Asana aktiviert die seitlichen Hüftstabilisatoren einschließlich großem, mittlerem und kleinem Gesäßmuskel, wodurch der Schenkelbindenspanner dein IT-Band stabilisiert. Da in dieser Variante beide Beine gleich aktiv sind, kräftigt sie besonders gut die Hüfte und verbessert so die Stabilität des IT-Bands.

Anleitung: Liege auf der linken Seite und stütze den linken Unterarm am Boden auf. Ziehe das Schulterblatt zur Hüfte und bringe Füße und Schultern in eine Linie. Aktiviere die Fußaußenkante, um den Knöchel zu stabilisieren und hebe das Becken in die seitliche Brettposition. Strecke den rechten Fuß in hüftweitem Abstand vom linken weg.

Nach maximal 1 Minute wechselst du die Seite.

Wenn dein IT-Band verspannt ist

ANANTASANA – Seitenlage mit gehobenem Bein, Variante

Wenn IT-Band und Hüfte sich fest anfühlen und die Kindeshaltung dich zum Schwitzen bringt, gilt es, die am IT-Band ansetzenden Muskeln zu mobilisieren. So kräftigst du die Muskeln und erhöhst ihren Bewegungsradius.

Anleitung: Liege auf der linken Seite und lege deinen Kopf in die linke Hand. Halte die rechte und linke Hüfte parallel und hebe das rechte Bein so hoch wie möglich, ohne die Hüfte aufzudrehen. Dann streckst du das rechte Bein nach vorn (die Zehen sollten dabei nie zur Decke zeigen). Senke den Fuß langsam Richtung Boden, ohne die Hüfte zu rotieren. Dann hebst du ihn langsam wieder in seine Ausgangsposition.

Diese gesamte Bewegung sollte so langsam sein, dass sie etwa 1 Minute dauert. Nach drei Wiederholungen wechselst du die Seite.

Dieser Artikel stammt aus dem YOGA JOURNAL 01/2018.


Jill Miller hat sich mit ihrem Programm „Yoga Tune Up“ in der Yoga- und Faszientherapie einen Namen gemacht. Mehr Info auf tuneupfitness.com

Model der Übungsbilder war Kat Fowler, die in New York Yoga unterrichtet.


Du hast Schmerzen an der Oberschenkelrückseite? Hier erfährst du, woran das liegen und was dagegen helfen könnte:

Das neue YOGAWORLD JOURNAL ist da! Titelthema „Bewusstsein“

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Heft-Beitrag 05-2026 YOGAWORLD JOURNAL (Instagram-Post (3:4)) - 1

Das neue YOGAWORLD JOURNAL ist ab sofort im Handel und in unserem Online Shop erhältlich. Diese Themen erwarten dich …

Titelthema „Bewusstsein“

Was ist das überhaupt – und wie können wir es fördern?

Irgendwie geht es im Yoga ja immer um „mehr“ oder „höheres“ Bewusstsein – aber was ist das eigentlich genau? Wir fragen nach in Yogatradition und Neurowissenschaften, erklären ein buddhistisches Modell von Bewusstseinsprozessen und zeigen, wie du auch auf der Matte übst, bewusster im gegenwärtigen Moment zu sein.

Außerdem in dieser Ausgabe:

  • Worte, die bewegen: Asanas üben mit Affirmationen
  • Spüren statt Streben: Raus aus der Selbstoptimierung, rein in die Erfahrung
  • Home Practice: Nacken und Schultern lösen
  • Gleichmut: Wie wir mit Anhaftung und Widerstand umgehen
  • Gesunde Hüften: Worauf wir im Yoga achten sollten

… und vieles mehr.

Im Yoga gelten „offene Hüften“ als Ideal. Doch ist das wirklich für alle Körper sinnvoll? Susanne Mors wirft einen Blick auf Anatomie, Stabilität und die Grenzen des eigenen Körpers. Gül Ruijter (Foto) liefert die passende Sequenz. Foto: Viola Halfar

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Dies.Das.Asanas mit Jelena Lieberberg – Entenvariation

Keine Sorge, hier geht es keiner richtigen Ente an den Kragen: Wir üben die Entenküken-Haltung oder – je nach Übersetzung – die Himalaya-Flugente. Klingt beides eher niedlich, ist aber ganz schön knifflig. Wir versuchen es mal mit einer einfacheren Variante.

Text und Foto: Jelena Lieberberg

Karandavasana ist eine fortgeschrittene armgestützte Umkehrhaltung, die einiges an Kraft, Flexibilität und Koor­­dination erfordert, insbesondere in Schultern, Armen, Nacken, Rumpf und Hüften. Die Haltung ähnelt in ihrer Form einer Ente – große Füße, rundlicher, kompakter Körper – daher der niedliche Name. Von ihrer Struktur her ist sie eine Kombination aus einer Baby-Krähe und Pincha Mayurasana, der Pfauenfeder. Und die hat es, wie wir wissen, was Schulterkraft und -beweglichkeit angeht, ganz schön in sich. Aber das sollte dich nicht abhalten, es auszuprobieren, denn die Fallhöhe ist hier so gering, dass selbst Beginner Spaß daran haben können, spielerisch an diesem Körper-Rätsel herumzuknobeln.

In der klassischen Ente, wie sie zum Beispiel im Ashtanga Yoga geübt wird, sind die Beine im Lotus ineinander gewickelt und man faltet sich aus dem aufgerichteten Unterarmstand in diese kompakte Position. Wir machen es anders: Unsere Variation ohne Lotus-Beine kannst du ziemlich unkompliziert aus der Hocke heraus einnehmen und dich dabei nach und nach an die kompakte Kraft herantasten, die dich in der Haltung stabilisiert.

Macht das Spaß?

Auf jeden Fall. Jedes Mal, wenn ich diese Version von Karandavasana in Workshops oder auf Retreats unterrichte, gibt es ein allgemeines Aufatmen, wenn ich die Haltung demonstriere: Äußerlich wirkt sie deutlich weniger kraftraubend und kompliziert als alle anderen Krähen und Unterarmstände, die wir zuvor geübt haben. Sobald die Position allerdings ausprobiert wird, merken viele, dass auch hier ganz schön viel Übung erforderlich ist.

Muss ich das können?

Nein, auf keinen Fall. Aber spielerisch Neues auszuprobieren, macht nicht nur den Körper stärker und beweglicher, es fördert auch deine Neugier und damit das Wachstum des anterioren cingulären Cortex. Das ist der Teil des Frontalhirns, der wächst, wenn wir Dinge üben, die uns herausfordern – und denen wir daher ganz gern ein bisschen aus dem Weg gehen würden.

Was muss ich dafür tun?

Ganz wichtig für diese Asana sind gut aufgewärmte Schultern und Core-Muskeln und eine gewisse Beweglichkeit. Am besten beginnst du mit klassischen Sonnengrüßen, Liegestützen und Übungen, die die Kompression fördern, also das Zusammenbringen von Unter- und Oberkörper mit der Kraft der Körpermitte. Haltungen wie Katze oder Baby-Delfin (auch Puppy Pose genannt) können dir zudem helfen, deine aktive Schulterflexion zu verbessern.

Step by step zur Ente

Jelena Lieberberg, Karandavasana

1 Beginne in einer tiefen Hocke mit etwas geöffneten Knien und lehne dich zwischen den Beinen nach vorn. Halte Beine und Oberkörper kompakt zusammen, während du das Gewicht immer weiter nach vorne lehnst. Lasse von dort aus deine Unterarmen parallel zueinander knapp über dem Boden schweben. Die Haltung von Armen und Händen ist dabei dieselbe wie im Delfin oder Unterarmstand.

2 Wenn du lange Arme und einen langen Oberkörper hast und/oder recht beweglich bist, kannst du die Unterarme aus dieser Haltung kontrolliert ablegen. Wenn nicht, braucht es jetzt einen kleinen „Trust Fall“: Du kommst auf die Zehenspitzen, schiebst deine Knie möglichst weit nach oben Richtung Achselhöhlen und verlagerst dein Gewicht so weit nach vorn, dass du irgendwann auf deine Unterarme „fällst“.

3 Drücke dich aktiv vom Boden weg und versuche, so viel Abstand wie möglich zwischen Gesicht und Boden zu erzeugen. Gleichzeitig ziehst du deine Fersen Richtung Gesäß und löst die Zehen von der Matte. Der gesamte Körper zieht sich kompakt zu seiner Mitte zusammen. Versuche, 3–5 Atemzüge lang in der Haltung zu bleiben und deine Ente dann sanft wieder landen zu lassen.


JELENA LIEBERBERG ist Osteopathin und Yogacoach in Berlin. Mehr zu Jelena und ihre neue App mit Self-Help-Übungen, Handstandprogrammen, Workouts und Flows findest du unter: kickassyoga.com oder besuche Jelena auf Insta @kickassyoga.

Hast du schon die letzte Übung aus Jelenas Kolumne probiert?

Sanfte Sommer-Sequenz für die Körpermitte

Der Sommer bringt nicht nur lebensfrohe Power und Aktivität mit sich, seine Wärme lädt uns auch dazu ein, uns mit der nährenden Energie der äußeren und inneren Sonne aufzuladen. Mit dieser sanften Sequenz besinnst du dich auf deine Mitte, spürst ihre Kraft und fühlst dich rundum wohl und beschützt.

Text & Sequenz: Sybille May Fung Scherer / Fotos: Jasmin Breidenbach

Bevor du beginnst

Die Körpermitte steht für Balance und Kraft, sie ist dein Kern, oder „Core“. Mit den folgenden Übungen kräftigst du deinen gesamten Rumpf zwischen Zwerchfell und Becken, besonders die geraden und seitlichen Bauchmuskeln, den unteren Rücken und die Muskulatur, die deine Hüften beugt und streckt. 5–10 Minuten üben pro Tag sind völlig ausreichend, um dir ein Gefühl von Kraft, Beweglichkeit und innerer Mitte zu verleihen.

Meditations-Tipp: „In 5 Schritten zu innerem Sonnenschein“

1. Katze und Kuh

Beginne im Vierfüßlerstand. Die Knie stehen hüftbreit und die Fußrücken liegen entspannt am Boden. Die Handflächen sind schulterbreit so aufgesetzt, dass die Arme und Handgelenke in gerader Linie unter den Schultern liegen. Mit einer Einatmung hebst du den Blick, ziehst die Schultern weg von den Ohren und stellst die Zehen auf. Spüre eine Weite in deiner Brustvorderseite, halte den Bauch aber stabil. Lenke die Aufmerksamkeit auf deine Mitte und spüre ihre muskuläre Stabilität. Das ist die Position der Kuh.

Sybille May Fung Scherer Yoga Kuh

Mit der Ausatmung rollst du den Kopf ein und rundest den Rücken nach oben zu einem Katzenbuckel. Dabei ziehst du den Bauch in der Bewegung nach innen Richtung Wirbelsäule und spürst erneut die Kraft in dieser Mitte.

Sybille May Fung Scherer Yoga Katze

Wiederhole die beiden Bewegungen im Atemrhythmus mindestens 3 Mal, gerne auch länger.

2. Schulterdehnung

Finde aus der Katze-Kuh-Bewegung zurück in eine neutrale Position der Wirbelsäule. Einatmend hebst du dann deinen rechten Arm. Die Fingerspitzen zeigen Richtung Himmel und dein Blick folgt sanft dieser Bewegung. Spüre, wie deine rechte Brustvorderseite sich weitet. Dabei hältst du das Becken stabil, die Beine bleiben hüftbreit und der untere Bauch ist aktiv. Atme noch ein weiteres Mal tief in deinen oberen Brustkorb ein.

Sybille May Fung Scherer Yoga Thread the Needle

Dann lässt du ausatmend deinen rechten Arm unter der Brust zur linken Seite durchfließen. Lege Arm und rechte Schläfe auf der Matte ab und ziehe deinen unteren Bauch behutsam ein, um dich zu stabilisieren. Atme einige Male tief in deinen Brustkorb, lenke die Aufmerksamkeit auf deine Mitte und spüre, wie deine Kraft von innen wächst.

Sybille May Fung Scherer Yoga Thread the Needle

Wenn du magst, wiederholst du die Bewegung anschließend noch einige Male dynamisch: einatmend Arm heben und nach rechts drehen, ausatmend unter dem Körper durchfließen nach links. Die dynamische Bewegung massiert deine Bauchorgane und unterstützt ihre Funktion. Das Gleiche wiederholst du auf der anderen Seite.

3. Seitliche Streckung

Ausgangshaltung ist wieder der Vierfüßlerstand. Mit einer Einatmung verlagerst du dein Gewicht auf die linke Seite und löst die rechte Hand und das rechte Knie vom Boden. Richte deine linke Hüfte über dem linken Knie aus, strecke das rechte Bein und drehe das Becken so zur Seite, dass die Hüftknochen übereinander stehen. Halte den unteren Bauch aktiv, um dich aus der Mitte heraus zu stabilisieren. Aus diesem kraftvollen Halt kannst du den rechten Arm weich in Verlängerung vom Bein über dein rechtes Ohr ziehen. Lenke deine Aufmerksamkeit auf die Atmung: Atme einige Male tief in deinen Brustkorb ein und aus. Spürst du die aufkommende Wärme? Lass dich von ihr energetisieren und festigen. Mit einer Ausatmung kommst du zurück in den Vierfüßlerstand und wechselst mit der Einatmung die Seite.

Sybille May Fung Scherer Yoga seitliche Streckung

TIPP: Wenn du dich stabil und kräftig genug fühlst, hebst du in der Haltung dein ausgestrecktes Bein. Dabei musst du noch aktiver mit den Bauchmuskeln arbeiten. Das fällt leichter, wenn du am gehobenen Fuß die Zehen nach vorn ziehst.

Sybille May Fung Scherer Yoga Seitliche Streckung

4. Sitzende Vorwärtsbeuge

Komm zum Sitzen und stelle deine Füße hüftbreit auf. Einatmend richtest du dich auf, ausatmend umarmst du deine Knie und ruhst deine Stirn auf den Knien aus. Atme in dieser Haltung tief ein und aus. Deine Schultern sind entspannt, der Rücken weitet sich sanft. Spüre, wo im Körper diese Haltung sich vielleicht herausfordernd anfühlt. Bleibe eine Weile und lass dich langsam tiefer sinken.

Sybille May Fung Scherer Yoga Vorwärtsbeuge

Wenn es sich richtig anfühlt, von hier aus noch tiefer zu gehen, streckst du behutsam deine Beine aus. Dabei schiebst du die Fersen nach vorn und ziehst die Zehen hoch. Kippe dein Becken Richtung Beine und beuge dich nur soweit nach vorne, sodass du eine angenehme Dehnung deiner Rückseite wahrnimmst. Halte den Bauch und den oberen Rücken dabei möglichst lang, Schultern und Gesichtszüge sind entspannt (Pashchimottanasana). Atme auch hier ruhig und tief.

Sybille May Fung Scherer Yoga Pashchimottanasana

Dann richtest du dich mit einer Einatmung wieder langsam zum Sitzen auf. Im Anschluss legst du dich auf den Rücken und spürst einige Atemzüge lang nach.

5. Sanfte Rückbeuge

Atme in der Rückenlage ein und stelle deine Füße etwa hüftbreit auf. Atme aus und spüre deine Mitte. Mit der nächsten Einatmung ziehst du dein Schambein an, kippst das Becken und rollst es langsam nach oben, auch der Rücken löst sich von der Unterlage. Halte das Becken in der Luft und verschränke wenn möglich deine Finger unter dem Rücken. Wenn das nicht geht, ziehst du die lang gestreckten Arme etwas näher zueinander. Halte deinen unteren Bauch aktiv und nimm die Kräftigung deiner Körpervorderseite wahr. Spürst du schon die kräftigende Energie in deiner Mitte? Atme ruhig in die Weite des Brustraums, während du das Becken mehrere Atemzüge lang gehoben hältst (Setu Bandha Sarvangasana).

Sybille May Fung Scherer Yoga Schulterbrücke

Dann löst du mit einer Ausatmung deine Finger und rollst Wirbel für Wirbel wieder aus der Haltung. Entspanne dich einige Atemzüge lang auf dem Rücken liegend oder ziehe die Knie zur Brust.

TIPP: Wiederhole die Bewegung noch einige Male dynamisch im Atemrhythmus: Einatmend heben, ausatmend abrollen. Die Bewegung wirkt sich festigend auf deine Core–Muskeln aus.

6. Energieausgleich

Hebe in der Rückenlage deine Beine mit einer Einatmung und strecke sie locker gen Himmel. Atme einige Male tief ein und spüre die fließende, wohltuende Bewegung deiner Atmung im gesamten Oberkörper und darüber hinaus. Nimmst du den energetischen Ausgleich wahr? Bewusster Atem und bewusste Bewegung wirken harmonisierend auf deinen Körper und deinen Geist.

Sybille May Fung Scherer Yoga Waterfall

7. Ausklang

Lege die Beine wieder ab und richte dir eine angenehme, entspannende Rückenlage ein: Deine Beine sind dabei locker hüftbreit geöffnet, die Füße sinken nach außen. Die Arme winkelst du so weit vom Körper ab, dass du die Handflächen entspannt nach oben drehen kannst (Shavasana). Spüre deine gesamte Körperrückseite am Boden und lass dich in diesen Halt hinein sinken. Entspanne bewusst auch deine Gesichtszüge. Bleibe 5 Minuten lang liegen. Während du so liegst und entspannst, baut dein Körper Stresshormone ab, dein Immunsystem wird gestärkt, Heilprozesse gefördert. Das stärkt deinen Geist und du fühlst dich innerlich ruhig.

8. Atem-Meditation

Finde eine Sitzhaltung, die für dich bequem und mühelos ist. Lege deine rechte Hand auf die Mitte der Brust, wo das Herz-Chakra liegt, und deine linke auf den unteren Bauch. Lenke deine Aufmerksamkeit sanft auf deine Atmung. Spüre ihre Bewegungen. Stell dir vor, in dein Herz hinein einzuatmen und vom Bauch her auszuatmen. Bleibe 3–5 Minuten lang bei diesem feinen Atmen und Spüren. Du wirst sehen: Es füllt deinen Tag mit Ruhe und positiver Kraft.

Sybille May Fung Scherer Yoga Meditation

TIPP: Hast du das Gefühl, dass ständig ein neuer Gedanke deine Konzentration unterbricht? Dann wiederhole im Geist ein schlichtes Mantra: Einatmend sagst du im Stillen „Ich atme ein“ und ausatmend „Ich atme aus.“


SYBILLE MAY FUNG SCHERER übt geschmeidige Balance aus der Mitte nicht nur im Yoga und im Leben, sondern besonders gerne auch auf dem Surfbrett. Die Fotos entstanden an einem ihrer Lieblings-Surf-Spots, dem französischen Hossegor. Meistens ist sie aber als Jivamukti- und Yin-Therapie-Yogalehrerin in München. Mehr zu Sybille und ihrer Arbeit findest du unter www.sybillemayyoga.de

Diese Sequenz stammt aus dem YOGA JOURNAL 04/2022.


Du möchtest heute deine Körpermitte lieber dynamisch aktivieren? Dann empfehlen wir dir zum Beispiel diese Praxis:

Shake it out – können wir Stress abschütteln?

Können wir Stress abschütteln und wenn ja, wie könnte das funktionieren? Unsere Autorin hat sich über TRE, die aktiven Meditationen nach Osho und das Schütteln nach Ilan Stephani schlau gemacht. Ihr Fazit: Wir versuchen immer noch, unsere Probleme mit dem Kopf zu lösen. Vielleicht würde es helfen, öfter mal den Körper ranzulassen.

Text: Andrea Goffart / Titelbild: wickedberlin von Getty Images Signature via Canva

Ein Sonnenstrahl fällt mir ins Gesicht, während ich in bequemer Kleidung und dicken Socken auf meiner Matte liege – und zittere. Rechts von mir liegt ein Mann, dessen Schultern schütteln, neben mir eine Frau, deren Hüfte vibriert. Ich schaue ihnen zu und beobachte zugleich, wie meine Oberschenkel sich schütteln. Begonnen hat das alles vor 15 Minuten mit Aufwärmübungen. Wir – eine Gruppe von vielleicht acht Personen – streckten und dehnten uns, machten ein paar sanfte Balanceübungen, Bein heben, Fuß kreisen, und spürten zu unserer natürlichen Atmung hin.

Annette Gall kenne ich schon lange als Yogalehrerin. Heute darf ich bei ihr TRE ausprobieren: Tension and Trauma Release Exercises. Nach den vorbereitenden Übungen legten wir uns auf unsere Matten und brachten die Beine in eine etwas ungewohnte Position, die Füße aneinander, die Knie gebeugt. Das genügt meist schon, um den natürlichen Zitterreflex auszulösen, um den es im TRE geht. Vorab hatte Annette uns erklärt, wie wir dieses Zittern jederzeit stoppen können, denn ein Gefühl von Sicherheit sei essenziell für unser Nervensystem und damit für die Wirkung, die TRE bereits im Namen hat: das Lösen von traumatischen Spannungen im Körper.


Annette Gall, Foto: Tanja Wilden
Annette Gall, Foto: Tanja Wilden

„Faszien und Nervensystem hören in jeder Millisekunde zu und reagieren genauso schnell. Ein natürlicher Reflex bei Stress ist Anspannung. Je nachdem, wie wir uns bewegen, wie wir durch Verspannungen in eine Schonhaltung kommen, festigt sich diese Anspannung und das alte Reaktionsmuster bleibt, obwohl der Auslöser längst vorbei ist. Durch TRE kann diese Information im Körper aktualisiert werden.“

Annette Gall ist TRE-Providerin, Entspannungs- und Yogalehrerin

Natürliche Reaktion: Stress abschütteln

Zittern zur Entspannung – funktioniert das? Eigentlich zeigt diese Körperreaktion doch das genaue Gegenteil: Meistens zittern wir nach einem großen Schreck. Wenn wir zum Beispiel gerade knapp einem Unfall entgangen sind, beben die Hände oder die Knie. Viele kennen das Zittern auch bei großem Stress oder Angst oder es beginnt nach einem heftigen Streit. Dass der Körper so reagiert, ist nicht nur normal, es ist sogar nützlich, das behaupten zumindest Forscherinnen oder Therapeuten, die den Schüttelreflex für Entspannung und Heilung nutzen.

Denn im automatischen Zittern ist Körperintelligenz am Werk: Das vegetative Nervensystem schaltet bei Gefahr, bei Angst und Aufregung in den Aktionsmodus, indem es zum Beispiel Muskelgruppen aktiviert, die für Kampf, Flucht oder Erstarrung gebraucht werden. Nach einem solchen Ereignis würde der Körper die Anspannung gerne wieder lösen und den Stress im wahrsten Sinn des Wortes „abschütteln“ – so wie man das auch bei Tieren beobachten kann, etwa wenn sich ein Hund nach einer Bellerei mit einem anderen erst mal schüttelt. Wir Menschen unterdrücken diese Reaktion, weil wir sie vielleicht für gesellschaftlich nicht akzeptabel halten. Man stelle es sich vor: Die Chefin schnauzt dich an, du schnauzt zurück. Und dann stellst du dich hin und schüttelst dich ausgiebig. Liest sich irgendwie befreiend – aber …

Unzerstörbare Essenz

„Dadurch, dass wir diese instinktiven Bewegungen immer wieder unterdrücken, können Traumatisierungen entstehen“, sagt Ilan Stephani, Autorin und Körperforscherin. Seit sie sich als Leiterin einer Berliner Frauengruppe vor vielen Jahren spontan entschloss, ein intensives, ekstatisches Schütteln zur Musik einzuladen, ist es zu einem festen Bestandteil ihrer Seminare geworden. Vor allem die Rückmeldung einer Teilnehmerin, die berichtete, dass das Schütteln ihr „Allheilmittel“ werde, ließ Ilan das Potenzial dieser evolutionär angelegten Entspannungstechnik erkennen.


Portrait von Ilan Stephani, Foto: Jens Braune
Ilan Stephani, Foto: Jens Braune

„Im Umgang mit Stress und Burnout oder wenn das Leben mal nicht nach Plan verläuft – bei all dem kann Schütteln eine Hilfe sein. Ich würde es in meinem Toolkoffer als Erste-Hilfe-Set oder Survival-Kit bezeichnen für die Menschen in dieser Zeit. Schütteln ist ein Lauschen auf die Weisheit des Körpers, nichts anderes.“

Ilan Stephani nennt sich selbst „somatische Mystikerin“

Ganz bewusst grenzt sie ihren Ansatz von anderen Methoden ab, die das Zittern oder Schütteln nur sehr vorsichtig angehen. „Ich will die unzerstörbare Essenz des Menschen betonen“, sagt Ilan. Ihre Teilnehmer*innen spricht sie liebevoll als „Tiger“ und „Tigerin“ an, sie dürfen wild sein und sich dem ständigen Fokus auf Schonung und Kontrolle entziehen. Der könne nämlich in der Traumatherapie kontraproduktiv sein, meint Ilan. Mit ihrer kraftvollen Arbeit will sie einen Raum schaffen, der Menschen ihre Resilienz zutraut und sie nicht auf ihr Trauma reduziert.

Verantwortungsvoll schütteln

Auf die Frage nach den Gefahren dieser Herangehensweise reagiert sie selbstbewusst: „Ich habe in meiner Praxis keine Retraumatisierung erlebt. Aber natürlich empfehle ich meine Arbeit nicht in Phasen von akuten Traumasymptomen und ich definiere sie auch nicht als Heilung, sondern als Körpercoaching.“ Wichtig seien individuelle Verantwortung und professionelle Begleitung. Nur so könne diese Körperarbeit ihr volles Potenzial entfalten, Grenzen überwinden, eingeschlossene Bewegungsmuster lösen und die Weisheit des Körpers entfalten.

Auch Ramateertha Doetsch, Mediziner und Gründer des Osho-UTA-Instituts in Köln, nennt wichtige Einschränkungen für das Schütteln: „Es gibt pathologische – krankhafte – Fälle von Zittern. Diese gehen oft einher mit einem völligen und unfreiwilligen Kontrollverlust.“ Hier sei wirklich äußerste Vorsicht geboten und ärtzlicher Rat einzuholen.

Trauma und Körper

Vorsicht oder besser Besonnenheit ist ein Prinzip, das auch für Annette Gall Priorität hat. Die Entspannungstherapeutin, Yogalehrerin und TRE-Providerin aus Belgien schwört auf den Schüttelreflex als Heilungsreaktion des Körpers. Allerdings unter einer für sie essenziellen Bedingung: „Wir müssen immer dafür sorgen, dass Sicherheit da ist!“ Der Reflex selbst sei sehr einfach auszulösen, erklärt Annette. Im TRE ist es eine Folge von fünf bis sieben Übungen, durch die das Zittern angeregt wird. Annette Gall hat in England bei Steve Haines gelernt. Dort sagt man „Let’s shake, have fun“, erklärt sie. Es stehe also eher der körperliche und weniger der psychologische Aspekt im Vordergrund.

Die als Marke geschützte Methode TRE wurde von David Berceli in den 1990er-Jahren entwickelt. Der Psychiater arbeitete mit traumatisierten Soldaten und machte sich die Beobachtung zunutze, dass viele Tiere und einige Naturvölker Stress und überwältigende Erlebnisse durch einen natürlichen Schüttelreflex abbauen. Daraus entwickelte Berceli die TRE-Übungsabfolge, die diesen angeborenen Reflex gezielt auslöst. TRE löst dabei nicht das Trauma aus dem Körper, es löst die durch immerwährende Wiederholung verfestigten Bewegungsmuster einer traumatischen Körpererinnerung. „In der Körperarbeit verstehe ich Trauma nicht als das Ereignis selbst, sondern als eine eingefrorene oder festsitzende körperliche Reaktion“, erklärt Annette. TRE hilft, diese alten Muster aufzulösen.

Eine Frau schüttelt den Kopf vor grünem Hintergrund;Bild: kevinruss von Getty Images via Canva, Symbolbild
Bild: kevinruss von Getty Images via Canva, Symbolbild

Alles ist Körper

In seinem Buch „Das Gedächtnis des Körpers“ schreibt Professor Dr. Joachim Bauer, dass all unser Denken und Fühlen einen Niederschlag im Körper findet – aus Psychologie werde Biologie. Die Idee dass wir umgekehrt beim Körper ansetzen müssen, bevor wir den Geist entspannen können, liegt auch vielen Meditationsformen zugrunde. Insbesondere die dynamischen und aktiven Meditationen von Osho sind ein gutes Beispiel für diese Einladung zur Körperlichkeit. Seine „Kundalini-Meditation“ gestaltet sich in vier Phasen von je 15 Minuten – stehendes Schütteln gefolgt von Tanzen, stillem Sitzen und Liegen. Die ersten drei Phasen werden oft begleitet von Musik.

Osho – oder Bhagwan – sah es als Notwendigkeit, unterdrückten Emotionen in Bewegung Raum zu geben, zumal viele Menschen (vielleicht vor allem im globalen Norden) ihren natürlichen Körperbezug verloren hätten. Wie können wir uns auf dem Meditationskissen niederlassen und reglos sitzend nach innen lauschen, wenn der Körper verspannt ist, weil er jede Menge Gefühle und Erfahrungen festhält? Intensive körperliche Bewegung – Atmen, Tanzen, Hüpfen, Schreien und eben auch Schütteln – bringt das System erst mal in Schwung und lässt angestaute Energie und Emotionen (ab-)fließen.


Portrait von Ramateertha Doetsch, Foto: UTA Institut
Ramateertha Doetsch, Foto: UTA Institut

„Beim Schütteln erfolgt ein Loslassen von dem, was wir festhalten – in den Muskeln, den Faszien, im Nervensystem, emotional. Als Arzt kann ich es auch vom neurologischen Blickwinkel her beschreiben: Wir geben Ladung ab und es entsteht wieder eine Balance von Sympathikus und Parasympathikus, Systole und Diastole, Aktion und Loslassen.“

Ramateertha Doetsch ist Arzt, Therapeut und Gründer des Osho UTA-Instituts

Stress aktiv loslassen

Der Mediziner und Therapeut Ramateertha Doetsch, ein langjähriger Weggefährte Oshos, erklärt die Bedeutung dieser Reinigung, er nennt sie Katharsis, die durch das aktive Loslassen angesammelter Ladung im System geschieht: All den Input unseres geschäftigen Lebens, unsere Gefühle und Reaktionen, können wir nach seiner Überzeugung in den bewegten Meditationsformen abgeben – wie Vögel, die sich nach dem Bad schütteln, sodass die Tropfen glitzernd davonstieben. Insbesondere das Schütteln als erster Teil der Kundalini-Meditation nach Osho helfe, Ladung aus dem vegetativen Nervensystem abzugeben.

„Let go“ – lass es alles los – darum gehe es, sagt Ramateertha und betont, dass dabei eine Einladung zum „Chaos“ durchaus erforderlich sein könne: Das Schütteln in der Osho-Tradition fordert die Praktizierenden auf, die unwillkürliche Ebene der eigenen Reaktionen zuzulassen und Raum zu geben für tiefe Emotionen. Wir lassen los und überlassen uns der Intelligenz unseres Körpers. Die Bewegungen dürfen von selbst kommen – wir schütteln nicht, wir werden zum Schütteln. Dieses Loslassen der Kontrolle schaffe Raum für eine Qualität der Beobachtung von dem, was wir oft unter Verschluss halten und damit letztlich für ein bedingungsloses Ja, sagt Ramateertha.

Akzeptanz und Verbundenheit

Habe ich dieses bedingungslose Ja auch bei meinen Selbst-Versuchen des Schüttelns gespürt – die übrigens auch die Teilnahme an aktiven Meditationen nach Osho und an einem Online-Schütteln bei Ilan Stephani enthielten? Tatsächlich fühlte ich nach dem TRE eine körperliche Entspannung, fast, als hätte jemand einen Zentner Kartoffeln von meinen Schultern genommen. Und nach längeren, regelmäßigen Phasen der Kundalini-Meditation scheint es mir leichter zu fallen, den Moment so zu nehmen, wie er ist, ihn sein zu lassen. Loszulassen – und vielleicht auch ein bisschen bedingungs- und klagloser Ja zu sagen, zu allem, was ist. So ein Ja ist wichtig, denn in ihm steckt viel mehr als Akzeptanz: Es kann uns auch für etwas öffnen, was wir Menschen so dringend benötigen – die Aufhebung der Trennung, Verbundenheit und Liebe.


Autorin Andrea Goffart

Andrea Goffart schreibt nicht nur selbst, sondern unterstützt als Schreibcoach Menschen dabei, ihre Geschichten zu erzählen. Mehr Info auf andrea-goffart.de

Dieser Artikel stammt aus dem YOGAWORLD JOURNAL 01/2026.


Hier erfährst du, was der Psoas-Muskel mit Stress zu tun hat…

Und hast du schon mal „Shake the Dust“ ausprobiert?

Die weiblichen Wurzeln von Somatics

Somatics oder „Somatic Yoga“ trendet gerade nicht nur auf Instagram. Dass so ein innerliches, spürendendes Üben gut in unsere hektische, extrovertierte Zeit passt, leuchtet ein. Was viele nicht wissen: Mit traditionellem Yoga hat das erst mal wenig zu tun. Wo kommt es also her und wie gelangte es ins moderne Yoga?

Text: Dr. Laura von Ostrowski / Titelbild: Heinrich Hamann von Europeana CC0 Images via Canva, Symbolbild

„Somatic Yin“, „Somatic Vinyasa“: Immer häufiger findet man solche Angebote auf Studio-Stundenplänen und Websites. In diesen Kursen geht es ums (Nach-)Spüren, um das Spielerische und Ergebnisoffene, das Innerliche und Individuelle. Starre Regeln haben hier keinen Platz. Vielmehr geht es darum, den Körper als Agens anzuerkennen, nicht als etwas, das geformt werden muss. Damit bekommt etwas Raum, das schon lange die Realität vieler Yogaerfahrungen vor allem von Frauen ist: die Sehnsucht nach einer tieferen Verbindung zum eigenen Inneren – ausgedrückt und erfahren über den Körper. Gerade Frauen, die mit ihrem Körper im Konflikt stehen oder mit Idealvorstellungen struggeln, suchen nach einem achtsameren und auch einem experimentell-lebendigen Zugang zu Bewegung und Eigenwahrnehmung. Doch wenn nicht gerade Tantra drübersteht (womit noch eine Menge weiterer Inhalte einhergehen würden), bleibt oft im Dunkeln, wo die Wurzeln einer solchen Arbeit liegen.

Somatics im frühen 20. Jahrhundert

Was, wenn dieser Aspekt in der indischen Yogageschichte kaum greifbar und stattdessen tief in unserer eigenen Bewegungskultur verwurzelt wäre – und wir diesen Bezug nur aus dem Blick verloren hätten? Tatsächlich ist verkörperte Achtsamkeit Teil einer westlichen, speziell auch deutschen Tradition. Es waren Frauen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus einer vergleichbaren Sehnsucht wie der heutigen heraus somatische Ansätze entwickelten. Auch wenn sie ihre Praxis nicht „Yoga“ nannten, beeinflusst ihre Arbeit heute die Art, wie wir unseren Körper im Yoga erforschen. Man könnte es auch so beschreiben: Über dem modernen Yoga hängt eine „somatische Dunstwolke“. Manchmal umhüllt sie die Praxis nur sanft, manchmal regnet sie aber auch regelrecht auf ihn herab und führt zu fruchtbaren Hybriden aus traditionellem Hatha Yoga und der somatischen Körperkultur der frühen Moderne.

Von Gymnastik zu Somatics

In diesem Artikel soll es insbesondere um zwei Frauen gehen, die im frühen 20. Jahrhundert begannen, mit ihrem Körper aktiv, bewusst und experimentell zu arbeiten. Damit wandten sie sich vom damals gängigen, formellen Gymnastikverständnis im Geist des gestrengen „Turnvater Jahn“ ab und suchten neue Wege. Ganz ähnlich wie sich heute viele von uns von festen Regeln und Formen des Hatha Yoga entfernen, lösten auch sie sich also von der Strenge ihrer Zeit. Das war damals durchaus rebellisch – und ist es heute noch –, da es gängige Körpernormen in Frage stellt.

Beim Blick auf die Geschichte des modernen Yoga ist dieser Aspekt bisher kaum sichtbar gemacht worden. Meist wird dort nur die formfixierte, schönheitsgetriebene Gymnastiktradition betrachtet, die später sowohl in die Fitness-Bewegung als auch ins modernen Yoga einfloss – und das durchaus kritisch, da dieser Praxis die Innerlichkeit fehlte. In Wirklichkeit gibt es aber noch eine zweite Traditionslinie, die von der frühen Gymnastik ins heutige Yoga reicht: somatisch, spürend, propriozeptiv. Der Westen hat also eine eigene Geschichte der innerlichen Körperkultur – eine Geschichte, die sich ausgesprochen fruchtbar mit Yogahaltungen und -inhalten verbunden hat. Dieser historische Blick erklärt nicht nur viele heutige Hybride, sondern auch eine achtsam-verkörperte Alltagshaltung, die wir ganz selbstverständlich mit Yogaphilosophie assoziieren – obwohl sie in kaum einem alten Yogatext nachzulesen ist.

Schwarz-weiß-Bild von Frau, die eine Gymnastikübung macht, Symbolbild für Weibliche Wurzeln in Somatics, c: Heinrich Hamann von Europeana CC0 Images via Canva
Bild: Heinrich Hamann von Europeana CC0 Images via Canva, Symbolbild

Elsa Gindler – die Großmutter der Somatik

Die Berlinerin Elsa Gindler (1885–1961) ist eine Schlüsselfigur dieser somatischen Körperarbeit. In den 1920er-Jahren entwickelte sie gemeinsam mit Heinrich Jacoby in ihrer „Arbeit am Menschen“ eine Praxis, die das Körperbewusstsein durch feine Wahrnehmung und innere Aufmerksamkeit fördern wollte. Vor allem ging es ihr um Atmung, Entspannung und Spannung. Klassische Turn- oder Gymnastikübungen lieferten nicht die Grundlage ihrer Arbeit, es war vielmehr eine leibbezogene Erforschung des Selbst, in der Konzentration zum Schlüssel wurde. In einem Vortrag von 1926 hat sie es folgendermaßen formuliert:

„Es ist für mich schwer, über Gymnastik zu sprechen, weil das Ziel meiner Arbeit nicht in der Erlernung bestimmter Bewegungen liegt, sondern in der Erreichung von Konzentration. Nur von der Konzentration her kann ein tadelloses Funktionieren des körperlichen Apparates im Zusammenhang mit dem geistigen und seelischen Leben erreicht werden: Wir halten darum unsere Schüler von der ersten Stunde dazu an, ihre Arbeit mit Bewusstsein zu verfolgen und zu durchdringen.“

Elsa Gindler

Damit schuf Gindler eine Praxis, die fast wie „Yoga ohne Yoga“ klingt. Dabei war sie überhaupt nicht von indischem Yoga beeinflusst. Es gab keine Asanas, keine Sequenzen, keine festen Programme. Im Mittelpunkt standen Atem, Spüren und eigenes Erfahren. Jede Stunde war experimentell: Aufgaben zur Reaktion auf Schwerkraft oder Spannkraft wurden individuell erarbeitet. Häufig ließ sie mit verbundenen Augen üben, um die Aufmerksamkeit nach innen zu lenken. Die dabei gemachten Erfahrungen sollten ins tägliche Leben übersetzt werden, damit die Praxis an Wirkung gewann – wach, bewusst und reagierbereit. Ich bin überzeugt: Gindlers Arbeit ist einer der Gründe, warum wir heute im Yoga von innerer Aufmerksamkeit, Verkörperung und Körperbewusstsein sprechen können, denn nichts davon spielt in Texten wie dem Yoga Sutra oder der Hathapradipika eine Rolle.

Charlotte Selver – Somatics-Brückenbauerin in die USA

Charlotte Selver (1901-2003) interessierte sich für Bewegung und begann Anfang der 1920er-Jahre eine Ausbildung in formeller Ausdrucksgymnastik bei Rudolf Bode – der sie allerdings als unbegabt abtat. Erst die Begegnung mit Elsa Gindler 1923 öffnete ihr einen neuen Weg. Gindlers Ansatz, das Einfühlen in den Körper von innen her, prägte Selver nachhaltig. Als Jüdin floh Selver 1938 in die USA. Dort entwickelte sie weiter, was sie bei Gindler gelernt hatte, zunächst ohne festen Namen. Erst ab 1971 setzte sich mit der Gründung einer gleichnamigen Stiftung der Begriff „Sensory Awareness“ durch. Selver verstand ihre Arbeit nicht als Methode, sondern als Haltung:

„Beim Spüren begegnet man bewusst zum ersten Mal den schöpferischen, eigengesetzlichen Kräften seiner eigenen Natur; man findet, dass man sich selbst orientieren kann, wo man früher gewöhnlich Rat suchte, und man erkennt, dass die zuverlässigsten Quellen der Information und Leitung in einem selbst liegen.“

Charlotte Selver

Verkörperte Aufmerksamkeit

Selver wurde zu einer wichtigen Figur der Human-Potential-Bewegung in Kalifornien. Sie stand in engem Kontakt mit dem die Hippie-Generation prägenden Alan Watts, unterrichtete am Esalen Institute und prägte so ein Umfeld mit, in dem sich Yoga allmählich etablierte. Obwohl sie nie Yogalehrerin war, wurde sie für viele Yogapraktizierende der damaligen Zeit zu einer entscheidenden Lehrerin. Gleichzeitig beeinflusste sie andere Körperpionierinnen wie Ida Rolf, Psychoanalytiker wie Erich Fromm und Traumatherapeuten wie Peter Levine. Bis ins hohe Alter sprach Selver von Achtsamkeit und Bewusstheit als Lebenspraxis. Mit 100 Jahren sagte sie in einem Vortrag:

„Wir müssen still werden, um aufnahmefähig zu sein. In der Stille ist alles möglich. Sie wendet sich nicht ab. Die Stille hat Reagierfähigkeit in sich, die unmittelbare Bereitschaft.“

Charlotte Selver

Das ist wichtig, denn damit formulierte sie etwas, das wir aus heutiger Yogaphilosophie kennen: nicht eine spirituelle Transzendenz, wie sie der alte Yoga sucht, sondern die Fähigkeit, Alltag, Körper und Aufmerksamkeit in eine durchlässige, lebendige Beziehung zu setzen. Die Zen-Priesterin Yvonne Rand ist überzeugt, dass Selvers Arbeit sogar daran Anteil hatte, „dass Zen in Amerika sich dem somatischen Bereich öffnete, dass die Aufmerksamkeit wieder im Körperlichen, in den Sinnen verankert wurde – und zwar auf eine Weise, die aus Europa kam, nicht aus Asien.“

Schwarz-weiß-Bild von Frau, die eine Gymnastikübung macht, Symbolbild, c: Heinrich Hamann von Europeana CC0 Images via Canva
Bild: Heinrich Hamann von Europeana CC0 Images via Canva, Symbolbild

Zwei Welten verbinden sich leise

Doch wie genau ist diese somatische, westliche Kultur in den Yoga gesickert? Eine einfache Antwort darauf gibt es nicht, denn es lassen sich kaum konkrete Figuren benennen, die beide Welten gezielt miteinander verbunden hätten. Meine Hypothese ist, dass es „stille Trägerinnen“ waren, unbekannte Yogalehrerinnen mit gymnastischer Vorbildung. Diese heute namenlosen Frauen bauten die Brücken, indem sie zunächst als Turnlehrerinnen oder Atemtherapeutinnen arbeiteten, sich nach zwei Weltkriegen spirituell neu orientierten und im Yoga eine neue Form der Körper-Seelen-Schulung fanden. Für sie war Yoga weniger ein exotisches Phänomen, sondern eher eine Fortsetzung und Weiterentwicklung ihres vertrauten körperpädagogischen Umfelds. Ein Beispiel dafür beschreibt die Historikerin Beatrix Hauser in einem Aufsatz über Hatha-Yoga-Pionierinnen. Darin verweist sie auf zwei deutsche Schwestern, die 1952 mit dem Yoga-Unterrichten begannen – und zwar ausdrücklich aus der Tradition der „harmonischen Gymnastik“ heraus.

Somatisches Yoga heute

Ich sehe somatisches Yoga, wie es heute in aller Munde ist, also nicht als Bruch mit der Yogatradition, sondern als ein Offenbarwerden von etwas, das Yoga im Westen schon lange, bisher jedoch still und leise, geprägt hat. Natürlich gibt es eine lose Verbindungslinie: von Elsa Gindler und Charlotte Selver über Methoden aus der westlichen Körperkultur wie Rolfing, Feldenkrais oder Pilates hin zu frühen Yogalehrerinnen, die von solchen Erfahrungen geprägt waren, und weiter zu heutigen somatischen Yogastunden. Das Thema ist noch lange nicht zu Ende erforscht.

Wenn wir jedoch heute im Yoga vom Spüren sprechen, sollten wir auf jeden Fall auch die Stimmen dieser Frauen als Wurzel davon verstehen. Dass wir dafür heute den Begriff „Somatics“ verwenden, verdanken wir übrigens dem US-amerikanischen Philosophen Thomas Hanna, der ihn 1988 einführte. Die Praxis selbst aber reicht weit tiefer zurück. Von Frauen wie Elsa Gindler und Charlotte Selver wurde sie verkörpert und mit Erfahrung gefüllt.


Dr. Laura von Ostrowski leitet in München das Studio Svaira Yoga. Sie hat über Patanjali promoviert und unterrichtet Yogaphilosophie und -geschichte.

Mehr auf ihrer Webseite lauravonostrowski.de und auf Instagram @yoganerds_de

Dieser Artikel stammt aus dem YOGAWORLD JOURNAL 01/2026.

Durchdacht: 7 Tipps für den Umgang mit Gedanken in der Meditation

Seit etwa 5000 vor Christus die Künstler des Indus-Tals ihre berühmte Statue eines gehörnten Gottes in sitzender Meditationshaltung geschnitzt haben, kämpfen Meditierende immer wieder mit der gleichen Herausforderung: Wir setzen uns für die Meditation hin, konzentrieren uns auf den Atem, praktizieren Achtsamkeit oder wiederholen ein Mantra. Wir versuchen, am Gefühl der Einheit festzuhalten. Und dann kommen die Gedanken.

Text: Sally Kempton / Titelbild: Lovleah via Canva

Unaufhaltsam, nicht enden wollend. Wir denken daran, welche Telefonate wir noch zu führen haben, was die Lehrerin des Sohnes neulich gesagt hat, was wir gestern mit unserer Schwester besprochen haben. Und dann machen wir uns noch Gedanken darüber, welche Gedanken wir uns gerade machen. „Das soll Meditation sein? Un­möglich. Mein Geist kommt nicht zur Ruhe. Und warum passiert eigentlich nichts?“ Das ist eine universelle Erfahrung, wie die Geburt oder das Verlassen des Körpers zum Zeitpunkt des Todes. Auch erfahren­e Meditationsmeister erleben dies.

Viele glauben jedoch, dass eine „gute“ Meditation bedeutet, niemals von den eigenen Gedanken davongetragen zu werden. In unserer Vorstellung setzt sich jemand, der wirklich meditiert, einfach hin und zack – befindet er sich in einem Zustand tiefster Stille, dabei ganz und gar mit dem Dasein verhaftet und wie eine goldene Lotusblume aus Licht sanft durch die inneren Sphären schwebend. Doch auch große Meister*innen kämpften mit der Gedankenflut. Ohne Zweifel verbrachte Buddha Stunden damit, mit geschlossenen Augen zu sitzen und sich angesichts des Gedanken­-Tsunamis zu fragen, wann sich endlich Fortschritte einstellen würden. Doch während dieses Prozesses lernte er, sich durch diese Gedanken hindurch in die Meditation hineinzubegeben.

Gedanken in der Meditation sind ganz normal

Beim Meditieren gelangt man an einen Wendepunkt, wenn man erkennt, dass die Meditation trotz Gedanken weitergehen kann. Das ist nicht leicht zu verdauen, da­her lass mich diese Erkenntnis wie­derholen: Dein Geist muss nicht vollkommen zur Ruhe kommen, um in eine Meditation eintauchen zu können. Oft flackern die Ge­danken nämlich auch dann noch weiter über den Bildschirm deiner Wahrnehmung, wenn du innerlich längst ruhig und ge­erdet bist. Auch wenn sich der Strom der Gedanken verlangsamt, so bleibt häufig ein Hintergrundgeräusch bestehen.

Das wird aber nur zum Problem, wenn du nicht er­kennst, was Gedanken eigentlich sind und nicht weißt, wie man mit ihnen umgeht. Die Kunst der Meditation liegt größtenteils darin, zu wissen, wie man mit den Gedan­ken arbeitet und diese dann am Ende in der Feinstofflichkeit des Geistes auflöst. Sicherlich ist es nicht die Lösung, die Ge­danken hervortreten zu lassen und zu er­schließen. Die zarte, intelligente Energie, die wir Geist nennen, reagiert nicht wohlge­sonnen auf Schroffheit. Und das aus gutem Grund: Der Geist ist im Wesentlichen nichts anderes als eine mit Gedanken verstopfte Form der reinen Erkenntnis. Letzteres wiederum ist das Ziel der Meditationspra­xis. In den Texten der Yoga Vasishtha der hohen Vedanta heißt es: „Bewusstsein plus Gedanken ergeben den Geist. Bewusstsein ohne Gedanken ergeben Gott.“

Mit Gedanken gefülltes Bewusstsein ist dennoch Bewusstsein. Und das Bewusst­sein in seiner wahren Natur ist frei, stark und schwer fassbar. Daher reagiert der Geist mit Rebellion, sobald wir versuchen, Gedanken zu unterdrücken oder gar mit Gewalt unsere Aufmerksamkeit an einen bestimmten Punkt lenken zu wollen.


7 Tipps für eine „bessere“ Meditation

1. Einen angemessenen Sitz finden

Die indische Tradition vergleicht den Geist mit einem König, der noch nicht auf sei­nem rechtmäßigen Thron sitzt. Solange der König seinen rechtmäßigen Platz auf dem Thron nicht eingenommen hat, wird er ru­helos, unzufrieden und sogar streitsüchtig bleiben. Sobald er sich auf einen ihm ange­messenen Platz setzt, wird er ruhig und be­ginnt damit, seine königlichen Qualitäten auszuleben. Der rechtmäßige Sitz des Geistes – und im Grunde der einzige Platz, der ihn befriedigt – ist im Selbst, in der tiefen Wohnstätte des reinen Bewusstseins. Der Geist ist ruhelos, solange er nach dem Thronsaal suchen muss. Er sucht nach dem Ort, wo er seine wahre Größe als Bewusstsein erfahren und leben kann. Unsere Aufgabe beim Meditie­ren ist es einfach, ihm die richtige Richtung zu deuten. Um dem Geist seinen angemessenen Platz zuzuweisen, benötigt man zu gleichen Teilen Strenge, Scharfsinn, Übung und Verständnis.

Wenn wir unsere Meditati­onspraxis aufnehmen, werden wir die fol­genden Jahre vermutlich damit verbringen, unseren Geist zum Gegenstand der Medita­tion zu lenken. Du wirst gedanklich etwa tausendmal die Strecke von deinem Wohnort nach Paris zurücklegen. Und du wirst tausendmal deine Aufmerksamkeit wieder fokussieren – sachte, leicht und ohne dich abzumühen. Das ist manchmal langweilig und frustrierend, aber es gibt eine Beloh­nung.

Nach einer Weile nämlich fängt dein Geist an, auf dich zu hören. Anfangs begibt er sich vielleicht noch auf eine Sightseeing­ Tour durch Paris oder spielt die Beziehung zu deiner Mutter noch einmal durch, bevor du eingreifen kannst. Wenn er aber im­mer wieder aufgehalten und zurückge­führt wird, legt er irgendwann nur noch die halbe Strecke nach Paris zurück. Beim nächsten Mal nimmt er sich nur ein Taxi bis zum Flughafen. Und schlussendlich wird er sich nicht weiter als ein paar Ki­lometer entfernen. Wenn du dranbleibst, dann wird die Zeit kommen, dass der Geist sich beheimatet fühlt in der Meditation.

Der Fokus ist wie eine Art mentaler Muskel. Wenn er gestärkt wird, indem wir lernen, unsere Aufmerksamkeit auf einen Punkt zu lenken, so stärken wir automatisch die Fähigkeit, subtile Zustände in der Medi­tation auszuhalten und die inneren Pfade zu erkennen, die uns tiefer hineinführen. Schließlich hat diese Grundübung, sich sel­ber in der Unaufmerksamkeit zu ertappen und den Geist zurückzuführen, Auswir­kungen auf unser gesamtes Leben. Der Geist wird nicht nur stabiler in der Me­ditation, damit du dich länger im Raum des Herzens aufhalten oder länger als zwei Mi­nuten in Stille sitzen kannst – er entwickelt auch eine Fähigkeit, sich richtig auf Dinge zu konzentrieren, wie beispielsweise Auto zu fahren, einen Bericht zu schreiben oder das Golfspielen zu perfektionieren.

Wer der Ablenkung widersteht, der widersteht der Langeweile, der Sorge oder der Depression, ist mehr geerdet und weni­ger anfällig, von unzähmbaren Fantasien heimgesucht zu werden. Daher können wir ebenso wenig auf diese grundlegende Praxis verzichten, wie ein*e Sportler*in auf das Aufwärmtraining.

2. Sich mit dem inneren Dialog konfrontieren

Ironischerweise verhält es sich so: Wenn wir damit beginnen, ernsthaft zu meditie­ren, dann verhält sich der Geist wie ein läs­tiger Störenfried. Das kann beängstigend sein. Ich kenne Menschen, die nicht mehr meditieren, weil sie es so unangenehm fanden, sich mit dem inneren Dialog zu konfrontieren. „Es ist mir egal, was andere sagen“, erzählte mir ein Mann. „Mein Geist hat sich noch nie so daneben benommen. Die Meditation macht mich nur noch ru­heloser.“ Natürlich war sein Geist nicht ru­heloser geworden. Er hatte nur durch das stille Sitzen erst bemerkt, wie ruhelos sein Geist eigentlich war.

Normalerweise sind wir uns der Intensität unseres inneren Dialogs nicht bewusst. Unsere Aufmerksamkeit richtet sich auf die Geschehnisse, die um uns herum pas­sieren. Wenn wir also nicht ungewöhnlich introvertiert sind, so entziehen sich die wil­den und verrückten Szenarien in unserem Geist unserer Aufmerksamkeit. Wenn wir uns aber zum Meditieren hinsetzen, dann können wir sie sehen. Neben dem Bewusstwerden unseres normalen Zustands der Abgelenktheit, erfahren wir etwas, was man samskarisches Abbrennen nennen könnte. Samskaras sind mentale oder emo­tionale Tendenzen, Rückstände unserer ge­wohnheitsmäßigen Gedanken und Gefühle, die wir bereits so oft wiederholt haben, dass sie Spuren in unserem Bewusstsein hinterlassen haben. Das Meditieren löst innere Energien, damit vergrabene Sams­karas ins Bewusstsein dringen können und von der Energie der Bewusstheit, der Kundalini, verbrannt werden.

Ich medi­tierte noch nicht sonderlich lange, als mit bewusst wurde, dass meine Morgenmedi­tationen von Verwirrungen vernebelt wa­ren. Zu dem Zeitpunkt lebte ich in einem Ashram mit mehreren hundert Menschen. In dieser Umgebung gab es keine Möglich­keit, mich vor meiner Stimmung zu verste­cken. Endlich fragte ich meinen Guru: „Was muss ich tun, wenn mich die Meditation innerlich aufwühlt und ich gereizt werde?“ „Nicht die Meditation wühlt dich auf“, war seine Antwort. „Die Gereiztheit liegt in dir. Und das Meditieren hilft dir dabei, sie zu erkennen und loszulassen.“

3. Vom Unterbewusstsein ins Bewusstsein

Wir meditieren unter anderem deswegen, um wirklich loslassen zu können. Unser Unterbewusst­sein gleicht einem Eintopf, dem falsche Zutaten untergemischt wurden. Diese müs­sen wieder hinaus, anderenfalls drohen die falschen Zutaten unsere kristallklaren Erfahrungen zu blockieren. Durch das Meditieren können vergrabene Gefühle, hinderliche Gedanken und schmerzende Emotionen an die Oberfläche unseres Be­wusstseins gelangen, wo sie erkannt und entfernt werden können. Wenn diese Dinge während des Meditierens auftauchen, ist dies ein Zeichen, dass verwobene Netze der Erinnerung, des Glaubens und der Gefühle bereit sind, sich aus dem System zu lösen. Man braucht sich nicht auf diese Gefühle einzulassen und sie zu analysieren – zu­mindest nicht während des Meditierens.

Stattdessen erkennst du diese und atmest aus. Lass sie mit einer tiefen Aus­atmung ziehen. Wird deine Meditationspra­xis vertieft und stabiler, wirst du die Kraft haben, dich neben diese Gefühle zu stellen und den Prozess deiner inneren Rei­nigung zu erleben? Tatsächlich kann dein*e innere*r Beobachter*in eine Ausgangsposition sein, von der aus diese vergrabenen Ge­fühle geheilt werden können.

4. Loslassen mit Vairagya

In seinem Yoga-­Sutra weist uns Patanjali darauf hin, dass es zwei Aspekte gibt, um den Geist zu beruhigen. Den ersten haben wir bereits diskutiert: Abhyasa oder be­ständiges Üben ist das Bemühen, sich auf ein Objekt zu konzentrieren. Der zweite Teil dieses Prozesses ist Vairagya oder Leiden­schaftslosigkeit. Vairagya hilft, um sich von den Gedanken, Gefühlen und Wünschen zu lösen, die normalerweise unsere Aufmerk­samkeit gefangen halten.

Vor ein paar Jahren hörte ich die Geschichte einer jungen Frau, die an einem Meditations-­Retreat in New York teilnahm. Sie hatte eine Reise nach Japan geplant, und in Gedanken ging sie die Checkliste für ihre Abreise durch: Hatte sie auch ge­nügend Pullover eingepackt? Sollte sie eventuell doch noch einen Wintermantel mitnehmen? Plötzlich rief sie eine innere Stimme zur Ordnung:

„Hör auf damit!“

Er­schrocken ließ sie von ihren Plänen ab und konzentrierte sich auf ihren Atem. Kaum hatte sie sich wieder in den momentanen Augenblick geholt, wurde sie von einer großen Traurigkeit übermannt. Sie dach­te daran, wie viel ihr das Retreat gegeben hatte und wie traurig es sei, dass sie es bald verlassen musste. Dann hörte sie die innere Stimme wieder:

„Hör auf damit!“

Also konzentrierte sie sich wieder auf ihren Atem. Doch die Stimme ließ nicht ab:

„Hör auf damit!“

Sie fragte sich: „Womit soll ich aufhören? Was ist gerade meine größte Blockade? Mein Gefühl von Wertlosigkeit? Okay, damit höre ich gerne auf.“ Sie wusste nicht, womit sonst sie hätte aufhören kön­nen. Sie tat einen großen Seufzer – und fiel in eine tiefe Meditation. Es war, als hätte sich ein Meer der Glückseligkeit in ihrem Geist aufgetan. Sie fühlte sich, als würde sie in diesem Meer schwimmen und von den Wellen sanft geschaukelt werden. „Bitte, bit­te“, dachte sie, „dieser Zustand soll nie zu Ende gehen.“ Sofort war wieder die Stimme zur Stelle:

„Hör auf damit!“

„Die Glückse­ligkeit ziehen lassen?“, fragte sie zurück. „Nein. Hör damit auf, sie halten zu wollen“, antwortete die Stimme. Sie ließ ihre Anhaf­tung an die Glückseligkeit los – und fiel in einen derart tiefen und ruhigen Zustand der Meditation, wie sie ihn zuvor noch nie erlebt hatte. Sie fühlte sich ganz und gar mit dem Augenblick verbunden, über alle Maßen geliebt und klar.

Die Erfahrung dieser Frau zeigt einen Pfad auf, dem wir folgen können. Wenn wir durch die Schichten gehen, durch die sie gegangen ist, so entdecken wir den inneren Frieden, der mit dem Loslassen kommt – dem Loslassen unserer Pläne, unserer Gedanken, unserer Zweifel oder sogar unseres Wunsches, an dem ultima­tiven und wunderschönen Erlebnis fest­ zuhalten. Am Ende wollen wir unsere tief verankerten Identifikationen, Anhaftungen und Abneigungen loslassen, die unser Ge­fühl von Getrenntheit immer wieder neu entfachen, und die unsere falsche Persön­lichkeit als einen dauerhaften Zustand erscheinen lassen. Wir wollen zumindest eine Zeit lang das Gefühl von dem „besonderen Ich“, das sich von den anderen unter­scheidet, fallenlassen.

Das ist der Schlüssel zu unserem ureigenen Wesen, sagen die Weisen. Die Erfahrung der immanenten Ganzheit und Freiheit taucht von ganz alleine auf, wenn sich das Ego des Getrennt­seins aufgelöst hat. Natürlich ist es den wenigsten gege­ben, das Ego als trennendes Ele­ment einfach so aufzulösen, erst recht, wenn wir nicht ganz sicher sind, was wir eigentlich wollen. Aber stetes Üben hilft – und in der Me­ditation können wir die drei Stufen von Vairagya praktizieren:

5. Die Anspannung im Körper loslassen (erste Stufe von Vairagya)

Die erste Stufe von Vairagya beinhaltet das Loslassen von Anspannung im Körper. Wir können das zu Beginn jeder Meditationssitzung tun, indem wir in den Körper hinein­spüren. Wo fühlen wir uns angespannt oder unwohl? Als nächstes atmen wir die Anspannung aus dem Körper. Das Ausatmen der Anspannung ist mehr als bloße körperliche Entspannung. Es ent­spannt auch den Geist, denn jede physische Anspannung hat ein inneres Gegenüber. Erfahrene Meditierende erzählen mir häu­fig, dass nicht die eigentliche Meditations­anleitung der hilfreichste Teil sei – sondern die Zeit, die wir uns anfangs nehmen, die Anspannung auszuatmen. Für manche reicht diese Maßnahme vollkommen aus, um in einen tieferen Zustand der Meditati­on eintauchen zu können.

6. Die Wünsche loslassen (zweite Stufe von Vairagya)

Die zweite Stufe von Vairagya umfasst das Loslassen der Wünsche und ihrer zahl­reichen Ableger – Hoffnung, Erwartung, Angst und Sorgen. Ich beginne eine Medi­tation gerne mit der bewussten Entschei­dung, alles eine Zeit lang beiseite zu schie­ben. Ich schiebe mental meine Arbeit und meine persönliche Agenda beiseite, und entscheide mich dafür, mich nicht ablen­ken zu lassen. Das ist der erste Schritt.

Im zweiten Schritt erneuern wir die Intention immer dann, wenn der Geist verlockende Wunsch-­Appetithäppchen anbietet. Die Umsetzung dieser Stufe von Vairagya zeigt die Spur, die sich durch unseren Geist zieht. Erst wenn wir versuchen, die Wün­sche loszulassen, erkennen wir, wie verein­nahmend und verwirrend sie sind. Über­haupt ist dies die größte Lektion, die wir durch Meditation lernen können. Immer, wenn wir uns zum Meditieren hinsetzen, geben wir uns selbst die Gelegenheit, uns mit all den Tarnungen, die unsere Wün­sche annehmen, auseinanderzusetzen. Wir erkennen, wie sogar die einfachsten Wün­sche die Macht besitzen, uns aus der Bahn zu werfen.

Wie oft wirst du vom Duft frischen Kaffees aus der Küche aus deiner Meditation gerissen? Oder nur von dem Ge­danken an Kaffee? Gerade fängt dein Geist an, sich zu beruhigen – und dann fällt dir ein, dass da nicht nur der Kaffee auf dich wartet, sondern auch ein Croissant. Und wenn du dich jetzt aus deiner Meditation he­rausbewegst und es in den Ofen schiebst, so kannst du es warm essen, bevor du zur Arbeit gehst. Bevor du überhaupt weißt, was geschieht, lässt du bereits dein Medi­tationskissen hinter dir und befindest dich auf dem Weg in die Küche.

Wünsche können dem Geist die tollsten Gründe auflisten, warum wir dem Gesang der Sirenen folgen sollten. Natürlich brau­chst du dein Frühstück jetzt, ansonsten musst du vielleicht zur Arbeit hetzen. Natürlich musst du sofort diese eine groß­artige Idee aufschreiben – tatsächlich musst du dafür den Computer anschalten und Recherchen starten, denn du fühlst dich ja so inspiriert. Viel verlockender sind aber solche Geistesblitze wie: Ich könnte doch mal die Telefonnummer meines damaligen Freundes auf dem Gymnasium googlen. Sein Name war Tim und sein Gesicht ist gerade vor deinem inneren Auge aufgetaucht. Hat er sich nicht gerade scheiden lassen? Auch wenn du der Versuchung widerste­hst, auf deinem Meditationskissen sitzen bleibst und dich auf Ursachenforschung nach diesen Impulsen begibst – dich auf sie einzulassen, kann dich aus der Medi­tationspraxis werfen.

Das gilt für kleine und große Wünsche, zum Beispiel philoso­phische Spekulationen über das Leben, in die sich manche gerne verfangen. Oder das Durchspielen von Szenarien, die sich wie ein Drehbuch in unserem Kopf abspielen, wenn wir sie nicht aufhalten. Wenn wir meditieren, können wir das wieder und wieder beobachten. Und wir müssen uns mit den Konsequenzen auseinandersetzen: mit dem Preis, den wir zahlen, wenn wir uns von unseren Wünschen als Geisel neh­men lassen. Auf der anderen Seite lockerst du jedes Mal den Griff des Wunsches, der dich umklammert hält. So wie das Fokus­sieren in der Meditation dabei hilft, im All­tag zu fokussieren, so hilft das Loslassen von Wünschen bei der Übung der Leiden­schaftslosigkeit. Das wiederum hilft dabei, nicht von ablenkenden Impulsen in alle möglichen Richtungen gezogen zu werden. Diese Art von Loslassen ist ein essenzieller Teil der Meditation.

7. Vom Denkenden zum Beobachtenden (dritte Stufe von Vairagya)

Mit der dritten Stufe von Vairayga verhält es sich subtiler. Es geht um das Loslassen der Vorstellung, der oder die Denkende zu sein, der oder die sich mit seinen Gedanken und Wün­schen identifiziert. Stattdessen identifi­zierst du dich mit der Rolle des Beobachtenden der Gedanken. Das bedeutet nicht, deine Gedanken zu verwerfen. Du lässt sie dort, wo sie sind, ziehst dich aber von ihnen zurück.

Foto: Brett Sayles via Pexels

Eine bewährte Methode da­für ist das Wolkenmodell: Wolken berühren nicht den Himmel. Der Himmel wird nicht von hinwegfegenden Wolken beeinflusst. Er verändert sich nicht durch große, kleine oder gar Regenwolken. Genauso wird auch dein Bewusstsein – dein wahres Ich – nicht beeinflusst. Dein Bewusstsein bleibt voll­kommen unbeeinflusst von allem, was da am Himmel auftaucht. Zum Beobachter deiner Gedanken zu werden, statt dich als der Denkender deiner Gedanken zu definieren, beruht auf einer einfachen Veränderung deiner Sichtweise. Es gibt eine sehr einfache Methode, wie du diese neue Sichtweise üben kannst: „Ich heiße ___.“ Beobachte, wie ein anderer Teil deines Geistes diesen Gedanken bemerkt. Das ist der Beobachter, und dieser identifiziert sich einfach nur mit dem, was er bemerkt, statt mit demjenigen, der denkt.

Wenn du lieber mit dem Wolkenmodell ar­beitest, dann verhält es sich so: Wenn du einmal damit begonnen hast, dich mit dem Himmel des Bewusstseins statt mit den Gedankenwolken zu identifizieren, öff­net sich ein weiter Raum. Du kannst deine Gedanken einfach sein lassen, ohne dich von ihnen gefangen nehmen zu lassen. Von hier aus ist es nur ein kleiner Schritt, um die großartige Wahrheit des Geistes zu verstehen: Sogar unsere Gedanken sind Teil des zugrundeliegenden Feldes aus reinem Bewusstsein.

Dieser Artikel stammt aus dem YOGA JOURNAL 05/2012.


Foto: David Martinez

Sally Kempton war eine international bekannte Meditationslehrerin. Sie veröffentlichte mehrere Bücher (z.B. „Meditation – Das Tor zum Herzen öffnen“, „Awakening Shakti“) und unterrichtete weltweit Workshops und Retreats. Mehr Info auf sallykempton.com


Egal, ob du erst einsteigen willst, schon zig Mal angefangen und dann doch wieder aufgehört hast oder ob du schon eine regelmäßige Praxis hast. Elena Browers 5-Tage-Programm hilft dir, die tägliche Meditation zu einem Höhepunkt – und damit zu einem festen Bestandteil – deines Tages zu machen:

Garudasana Flow für Präsenz und Kraft

Weite und Stabilität, Öffnung und Sammlung, Bewegung und innere Ausrichtung – das sind die wichtigsten Merkmale dieser Sequenz und ihrer zentralen Asana, der Adlerhaltung. Du mobilisierst Schultern und Herzraum und kannst dabei auch energetisch mehr Offenheit und Leichtigkeit erfahren. Denn Garuda, der mythische Adler, fliegt nicht, weil er festhält, sondern weil er vertraut in Atem, Präsenz und Kraft.

Sequenz: Lena Jungmann / Fotos: Lena Fingerle

Garudasana, Lena Jungmann, Fotocredits: Lena Fingerle

Garudasana – die Adlerhaltung

Beim Verschränken von Armen und Beinen entsteht ein bewusstes Zusammenziehen des Körpers, das Stabilität im Standbein und die Tiefenmuskulatur stärkt. Zugleich werden Schultern, oberer Rücken und Hüften intensiv gedehnt und die Balance geschult. Dabei wirkt die Haltung wie eine Umarmung: Sie lenkt die Energie nach innen, reduziert äußere Ablenkung und schärft die mentale Präsenz. Besonders unterstützend wirkt Garudasana in Phasen von Stress, innerer Unruhe oder gedanklichem Durcheinander.

Bevor du beginnst

· Nimm dir einen Moment in Stille, um Länge in der Wirbelsäule zu finden, die Fußsohlen bewusst zu spüren und den Atem weicher werden zu lassen. Je deutlicher du am Anfang ankommst, desto klarer formt sich später die Haltung des Adlers: fokussiert, ruhig, wach.

· Passe die Haltungen immer deinem Körper und deiner momentanen Verfassung an: Statt zum Beispiel im Adler die Arme zu verschlingen, kannst du sie auch locker kreuzen oder die Hände auf die gegenüberliegenden Schultern legen. An Tagen mit wenig Standfestigkeit lässt du die Zehen des freien Fußes am Boden oder übst nur mit den Armen.

01 TADASANA – BERGHALTUNG

Tadasana, Lena Jungmann, Fotocredits: Lena Fingerle

Du beginnst im Stand. Die Füße verwurzeln sich gleichmäßig am Boden, die Beinachsen ziehen nach oben, das Becken richtet sich neutral aus. Der Scheitel strebt nach oben, während das Steißbein sanft sinkt. Die Schultern rollen zurück und finden Weite, der Atem fließt ruhig durch den gesamten Körper.

Lenas Tipp:

Tadasana ist viel mehr als eine Startposition, es ist eine Gelegenheit, dich zu erden und in Verbindung zu gehen. Spüre die inneren Linien deines Körpers, als würdest du dich von innen her neu austarieren. Stell dir vor, du atmest durch die Fußsohlen ein und über die Kopfkrone aus.

02 UTTANASANA – VORWÄRTSBEUGE AUS DEM STAND

Uttanasana, Lena Jungmann, Fotocredits: Lena Fingerle

Beuge dich aus den Hüftgelenken nach vorne. Verschränke die Hände hinter dem Rücken oder lege sie auf den unteren Rücken. Lasse die Schulterblätter zueinander gleiten. Das Brustbein verlängert sich nach vorne unten und die Schwerkraft wirkt in Nacken und Rücken.

Lenas Tipp:

Lass den Scheitel Richtung Boden hängen, entspanne den Kiefer, schiebe den Po Richtung Decke und finde eine lange Wirbelsäule.

03 CHATURANGA & AUFSCHAUENDER HUND DYNAMISCH

  • Chaturanga, Lena Jungmann, Fotocredits: Lena Fingerle
  • heraufschauender Hund, Lena Jungmann, Fotocredits: Lena Fingerle

Hier baust du Kraft, Wärme und Muskelspannung auf, die den späteren Herzraum-Öffnungen Stabilität verleiht. Beginne in der Planke mit gestreckten Armen, der gesamte Körper bildet eine stabile Linie. Beuge dann die Arme dicht am Körper in Chaturanga und fließe von dort in den aufschauenden Hund. Die Beinrückseiten heben aktiv vom Boden, das Brustbein zieht nach vorne, die Schultern weiten sich.
etwa 5 Mal

Lenas Tipp:

Anstatt in Chaturanga „runterzufallen“, stell dir vor, du schiebst dich durch eine enge Röhre aus Raum und Atem. So bleibt die Haltung leicht. Spüre, wie bewusste Übergange deine innere Qualität verändern.

04 DREIBEINIGER HUND DYNAMISCH

  • herabschauender Hund, Lena Jungmann, Fotocredits: Lena Fingerle
  • dreibeiniger Hund, Lena Jungmann, Fotocredits: Lena Fingerle
  • Knie zur Brust, Lena Jungmann, Fotocredits: Lena Fingerle

Schiebe dich aus dem auf- in den herabschauenden Hund und richte dich stabil in der Haltung ein. Hebe dann das rechte Bein und strecke es mit nach unten zeigenden Zehen nach hinten. Halte das Becken dabei neutral und wahre die Länge und Kraft im Standbein. Atme tief in die Rippenbögen und drücke die Hände aktiv gegen den Boden. Dann beugst du das gehobene Bein und ziehst ausatmend das Knie Richtung Brust, einatmend streckst du es wieder lang.
etwa 5 Wiederholungen

Lenas Tipp:

Stelle dir vor, du atmest in die Rückseite des gehobenen Beins, vom Ansatz bis in die Ferse. Je lebendiger das Bein wird, desto geerdeter fühlt sich der Hund an.

05 DYNAMISCHER HOHER AUSFALLSCHRITT MIT GARUDA ARMEN

  • hoher Ausfallschritt Garudasana, Lena Jungmann, Fotocredits: Lena Fingerle
  • nach vorne gebeugter Ausfallschritt Garudasana, Lena Jungmann, Fotocredits: Lena Fingerle

Ziehe das gehobene Bein nun nach vorn in den hohen Ausfallschritt, richte den Oberkörper auf und verschränke den linken Arm über dem rechten. Ziehe dann ausatmend die Ellenbogen Richtung vorderes Knie, dabei darf sich der Rücken etwas runden. Mit der Einatmung öffnest du dich wieder in Länge und Weite.
Wiederhole auch diese Bewegung mehrere Male, bevor du über den herabschauenden Hund die Seiten wechselst und Übung 4 und 5 gegengleich wiederholst.

Lenas Tipp:

Spüre den Atem wie eine Welle: Er hebt und senkt dich, statt dass du „Arbeit“ leistest. Indem du die Bewegung als Ausdruck von Atem (statt Muskelkraft) begreifst, wird der Körper federnd statt hart.

06 VIRABHADRASANA II – KRIEGER II

Krieger 2, Lena Jungmann, Garudasana Flow, Fotocredits: Lena Fingerle

Tritt aus dem Stand mit dem linken Fuß einen weiten Schritt zurück und öffne dich in den zweiten Krieger. Die vordere Knieachse bleibt stabil über dem Knöchel, der hintere Fuß erdet, die Arme ziehen auf Schulterhöhe auseinander. Richte einen aufmerksamen und starken Blick über die vorderen Zeige- und Mittelfinger.
etwa 5 Atemzüge, dann Seitenwechsel

Lenas Tipp:

Stell dir vor, du lehnst dich energetisch zwischen die beiden Arme, so entsteht Weite, ohne dass die Schultern hochziehen. Ein Krieger, eine Kriegerin, ist nicht angespannt, sondern aufgerichtet.

07 UTTHITA HASTA PADANGUSHTHASANA – GESTRECKTE GROSSZEHHALTUNG

  • gestreckte Großzehhaltung, Garudasana Flow, Lena Jungmann, Fotocredits: Lena Fingerle
  • gestreckte Großzehhaltung, Garudasana Flow, Lena Jungmann, Fotocredits: Lena Fingerle

Hebe aus dem Stand das linke Knie und fasse mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger den großen Zeh. Stabilisiere dich aus deiner Körpermitte und mithilfe deines Blicks (Drishti). Versuche dann, das Bein nach vorn auszustrecken, gehe dabei nur so weit, wie das mit aufgerichtetem Oberkörper geht.
etwa 5 Atemzüge, dann Seitenwechsel

Lenas Tipp:

Lass Balance zu deiner Meditation werden, jedes Wackeln ist eine Erinnerung daran, dass du stärker und ruhiger wirst. Wenn du kippst, dann bleib freundlich: Der Körper ist nicht „falsch“, er sammelt Daten. Je weicher der Blick, desto intelligenter reagiert das Gleichgewicht.

08 GARUDASANA – ADLERHALTUNG

Garudasana, Garudasana Flow, Lena Jungmann, Fotocredits: Lena Fingerle

Verlagere das Gewicht auf dein linkes Bein, lege das rechte möglichst weit oben darüber und beuge beide Beine. Verschränke den linken Arm über dem rechten. Die Schulterblätter weiten sich, das Becken sinkt, Beine und Körpermitte stabilisieren, der Atem bleibt weich. Garudasana bündelt Gegensätze: gebunden und frei, stabil und offen, gesammelt und weit. Der mentale Fokus wird enger, während die innere Wahrnehmung sich weitet.
etwa 5 Atemzüge, dann Seitenwechsel

Lenas Tipp:

Finde die Balance in dieser wortwörtlichen Umarmung. Wenn die Haltung sich eng anfühlt, atme nicht aus der Enge heraus, sondern in sie „hinein“.

09 NATARAJASANA – TÄNZERHALTUNG

Tänzerhaltung, Garudasana Flow, Lena Jungmann, Fotocredits: Lena Fingerle

Aus dem Stand greifst du den rechten Fuß mit der rechten Hand. Richte das Becken gerade nach vorne aus, bevor du das Bein hebst und den Oberkörper etwas nach vorne kippst. Herz, Oberschenkelvorderseite und Schulter öffnen sich gleichzeitig. Den freien Arm streckst du nach vorne aus. Wo Garudasana sammelnd wirkt, ruft Natarajasana nach Expansion.
etwa 5 Atemzüge, dann Seitenwechsel

Lenas Tipp:

Statt „zurückzuziehen“, stell dir vor, du atmest den hinteren Fuß nach hinten oben. Der Atem ist der Bogen, dein Körper der Pfeil.

10 MATSYASANA-VARIATION – FISCH MIT GARUDA-ARM- UND BEINHALTUNG

Fisch mit Garuda-Arm- und Beinhaltung, Lena Jungmann, Fotocredits: Lena Fingerle

Komm zunächst gut in der Rückenlage an. Verschränke dann zuerst die Beine (rechts über links) und anschließend die Arme (links über rechts) in die Adler-Haltung. Alternativ lässt du die Beine wie auf dem Foto parallel. Hebe dann Brust und Kopf in eine sanfte Rückbeuge. Diese Haltung kombiniert Herzöffnung mit Selbstumarmung. Sie entlastet den Nacken, öffnet die Körpervorderseite und wirkt nach den Standbalancen ausgleichend.
etwa 5 Atemzüge weiter zu Übung 11

Lenas Tipp:

Spüre, wie dein Atem hier tief fließen kann und durch drei Räume geht: Bauch, Rippen, Brustkorb.

11 TWISTED ROOTS – RÜCKENLAGE MIT GEDREHTEN BEINEN

Rückenlage mit gedrehten Beinen, Garudasana Flow, Lena Jungmann, Fotocredits: Lena Fingerle

Löse Armhaltung und Rückbeuge behutsam auf und lasse die verschränkten (oder alternativ die parallel gebeugten) Beine locker nach links sinken. Die Drehung entspannt die Lendenfaszie, massiert die Bauchorgane und beruhigt das Nervensystem. Der Schultergürtel bleibt weich und schwer, der Atem fließt Richtung Flanken und untere Rippen.
etwa 5 Atemzüge, dann Übung 10 und 11 seitenverkehrt wiederholen

Lenas Tipp:

Erlaube der Ausatmung, den Twist zu „beenden“, so öffnet sich die Haltung wie von selbst.

SHAVASANA – ENDENTSPANNUNG

Shavasana, Garudasana Flow, Lena Jungmann, Fotocredits: Lena Fingerle

Breite Arme und Beine locker am Boden aus und komm noch einmal bewusst mit der gesamten Körperrückseite auf der Erde an. Der Körper darf loslassen, der Atem darf von allein kommen und gehen. Aktivierung wandelt sich in Integration, Rhythmus in Ruhe.
mindestens 5 Minuten

Lenas Tipp:

Was der Flow geöffnet hat (Herz, Schultern, Atem, Balance), darf hier ankommen, ohne dass du etwas dafür tun musst. Shavasana ist nicht das Ende, sondern der Anfang.

Diese Sequenz stammt aus dem YOGAWORLD JOURNAL 01/26.


Die aus Österreich stammende Wahl-Berlinerin Lena Jungmann unterrichtet Hatha-, Vinyasa- und Yin-Yoga-Klassen und Retreats. Ihre Mission: Yoga für alle! Mehr auf Insta @happylenayoga