Montags-Mantra: Nur wer loslässt, hat die Hände frei

1459

„Lass es los, das bringt doch nichts.“ Ein gut gemeinter Ratschlag von Freunden, wenn wir uns mal wieder verzweifelt an etwas festklammern, was uns nicht gut tut. Oft wissen wir, dass unser Gegenüber Recht hat – und doch setzen wir lieber unzählige Kommas als einmal einen Punkt.

Wie oft halten wir an Menschen, Situationen oder Gedanken fest, weil wir kleine Kämpfer sind und nicht aufgeben möchten? Dabei bedeutet loslassen nicht, dass wir flüchten, Schwäche zeigen oder die Kontrolle abgeben. Vielmehr fordert es eine ganze Portion Mut und beweist innere Stärke, sich von negativen Aspekten im Leben zu lösen und einzusehen, wenn etwas sinnlos ist. Um im Fluss des Lebens voranzukommen, kann man sich nicht an jeden kleinen Ast in der Strömung klammern. Loslassen gehört zum Leben dazu. Wieso nicht darauf vertrauen, dass bei uns bleiben wird, was auch dahin gehört?

Alan W. Watts war der Auffassung, dass wir das Leben und seine Geheimnisse nicht verstehen können, solange wir uns darauf versteifen, sie zu greifen und festzuhalten. Versucht man fließendes Wasser eines Flusses in einen Eimer einzufangen, wird man immer enttäuscht sein, weil es darin still steht – man nimmt ihm die besondere Eigenschaft. Um den Strom des Gewässers zu bewundern, muss man es lassen wie es ist, es loslassen.

So ist es auch in Beziehungen mit Menschen. Wir können ihnen Platz in unserem Leben schenken, können sie gern haben und Momente mit ihnen teilen. Sobald wir versuchen, sie zu kontrollieren oder als unser eigen betrachten, schränken wir sie ein. Es ist ähnlich wie mit dem fließenden Wasser im Eimer: Durchs Festhalten verändern oder verlieren sie ihre besonderen Eigenarten. Nur die wenigsten Personen werden ihr ganzes Leben an unserer Seite verbringen. Manche sind nur kurze Reisebegleiter eines Lebensabschnitts – sie hinterlassen Spuren und ziehen irgendwann in andere Richtungen weiter.

Oft planen wir weit in die Zukunft, setzen uns Ziele oder klammern uns an Erwartungen und Vorstellungen der Vergangenheit fest. Dabei ist das Leben voller unerwarteter Ereignisse, die wir weder beeinflussen noch ändern können. Wieso verzweifelt an unserem 5-Jahres-Plan festhalten, wenn er zu nichts führt und uns unglücklich macht? Es reist sich viel besser mit leichtem Gepäck. Daher lieber mal den Kompass neu ausrichten, Ballast abwerfen und gehen lassen, was uns zurückhält. Oder kurz gesagt: im Jetzt leben.

Manche Leute glauben, Durchhalten macht uns stark. Doch manchmal stärkt uns gerade das Loslassen.

– Hermann Hesse

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here