Yogaphilosophie: Die vier Arten des Glücks

Was ist eigentlich Glück? Ein dauerhafter High-Zustand? Oder einfach die Abwesenheit von Unzufriedenheit? Kann man generell glücklich sein, auch wenn es gerade nicht so läuft? Hier sind vier Antworten aus der Yogaphilosohie.

Ganz klar: Wie man Glück definiert, hat einen großen Einfluss darauf, wie man es erlebt – und es gibt zig Definitionen von Glück, von den antiken Philosophen bis hin zur modernen Forschung. Alleine in der Yogaphilosophie kennen wir mindestens vier verschiedene Arten:

Santosha

Santosha bedeutet, sich an dem zu freuen, was man hat, wer man ist und wo man sich in diesem Moment im Leben gerade befindet. Mit einem Wort: Zufriedenheit. Und es stimmt natürlich: Wir sind dann am glücklichsten, wenn wir uns nicht danach sehnen, reicher, schöner, gelassener, mitfühlender, jünger oder sonst wie anders zu sein, als wir es sind.

Sukha

Sukha bedeutet wörtlich so etwas wie “ein guter Ort”. Gemeint ist ein Zustand von Vergnügen, Freude oder Wohlergehen – und den sollte man nicht nur finden können, wenn alles gerade prima ist, sondern am besten auch inmitten von Schwierigkeiten. Sukha soll übrigens die ethymologische Wurzel des deutschen Wortes “Zucker” sein, genau wie des englischen “sugar” oder des französischen “sucre”: So gesehen wäre Glück ganz einfach die Süße des Lebens.

Mudita

Mudita fällt vielen von uns nicht leicht: mitfühlende Freude zu erleben, also glücklich zu sein, weil jemand anders glücklich ist, selbst wenn er oder sie das hat, was uns selbst vielleicht fehlt. Das passt nicht sehr gut in unsere oft ichbezogene Vorstellungswelt. Umso wichtiger ist es, sich auch für diese Art von Glück zu interessieren und zu öffnen.

Ananda

Ananda schließlich wird im Deutschen mit dem schönen Wort “Glückseligkeit” übersetzt: ein vollkommener, von keinerlei Bedingungen abhängiger Glückszustand, in dem wir nicht länger nach dem Glück suchen, sondern es einfach erfahren. Der Yogagelehrte Georg Feuerstein schrieb einmal, Ananda sei das, “was wir erleben, wenn unser ganzer Körper Freude verströmt und wir uns fühlen, als umarmten wir alles und jeden.

All diesen Arten von Glück ist eines gemeinsam: Sie überhaupt wahrzunehmen und auszukosten, ist davon abhängig, dass man im gegenwärtigen Moment präsent sein kann. Das trifft auch auf die beiden eher wissenschaftlich gefassten Kategorien zu, die Jonathan Rauch in seinem Buch von der Glückskurve verwendet. Demnach gibt es die affektive (wie fühle ich mich heute) und die evaluative Art von Glück (wie bewerte ich mein Leben im Ganzen). Die zweite Kategorie ist natürlich die bedeutsamere, denn, so Rauch, “Sie mögen zwar heute nicht so happy sein, können aber dennoch das Gefühl haben, dass Ihr Leben erfüllend und lohnend ist.”


Autorin Aimee Heckel lebt als freie Autorin mit ihrer Familie in Colorado. Ihre Spezialität sind Reisereportagen aus der ganzen Welt. aimeeheckel.com

Titelbild: Denise Jones on Unsplash

1 KOMMENTAR

  1. Was für eine schöne Beschreibung. Danke dafür.

    Es ist tatsächlich nicht so einfach für die Welt, mit solchem Glück umzugehen.

    Als ich vor vielen Jahren neu in die freie evang. Gemeinde kam, also gewechselt habe, von meinem familiären Ursprung in der kath. Gemeinde, saß ich immer lächelnd in den letzen Reihen. Natürlich sprach mich irgenwann jemand darauf an, also antwortete ich ” Ich bin einfach glücklich und empfinde hier diese große Freude, auf der Suche nach der passenden Gemeinschaft, angekommen zu sein.”

    Ich lächele immer noch. Aber es fragt mich niemand mehr 🙂

    Gerade in Zeiten von corona fehlte mir diese “echte” Gemeinschaft und das gemeinsame Singen, also nicht das alles über zoom.
    Durch die Lieder entwickelt sich für mich eine andere Meta Ebene, die mich nicht auf den Stühlen halten kann, so stehe ich oft hinten, in unserem angrenzenden Cafe Erker, um mich beim Singen bewegen zu können.
    Das erzeugt in mir eine Freude, die man nicht beschreiben kann 🙂 auch wenn sie von einigen Mitgliedern als charismatisch bezeichnet wird. 🙂

    Sicher könnte ich zu einer noch charismatischeren Gemeinde wechseln, aber das ist gar nicht mein Bestreben. Ich bin angekommen, weil ich dort sein darf, wie ich bin. Mit allem was mich ausmacht, auch meinen Fehlern.
    Was für ein Glück:)

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