Selbst, aber nicht allein

Eltern zu sein, ist großes Glück und große Herausforderung. Wenn wir ganz für unsere Kinder da sein wollen, dürfen wir auch uns selbst nicht vergessen, empfiehlt der Achtsamkeitslehrer Lienhard Valentin.

Lienhard Valentin, sehen Sie Ihre Arbeit mit Eltern und Familien als spirituelle Tätigkeit?
Das hängt von der Definition dieses Begriffes ab, mit dem ich sehr vorsichtig geworden bin. Ich selbst bin seit 30 Jahren in der buddhistischen Achtsamkeitsmeditation verwurzelt, die auch in meinen Kursen vermittle. In Ausbildungssituationen ist es gut, regelmäßig die Gesprächsebene zu verlassen und ins Spüren zu kommen. Man darf nicht vergessen, dass die traditionellen Formen von Männern für Männer in Klöstern entwickelt worden sind. Täglich drei Stunden sitzende Meditation lässt sich nicht 1:1 auf Frauen mit Kindern im heutigen Leben anwenden.
Die meisten Teilnehmer meiner Workshops motiviert keine konkrete spirituelle Praxis, sondern ihre tägliche Praxis als Eltern. Im Alltag sind gesunder Menschenverstand und Menschlichkeit genauso hilfreich. Für mich besteht eine große Aufgabe der Familie darin, Achtsamkeit, Mitgefühl und bedingungslose Liebe zu verkörpern – so gut es im jeweiligen Moment geht. Jede Praxis, die dem dient, ist gut – ob sie nun spirituell ist oder nicht. Stillen, Wickeln, Baden, Spielen: Man kann jede Tätigkeit, bei der man wirklich präsent ist, zur Achtsamkeitspraxis gestalten.

Im Sinne inneren Wachstums ist das Elternsein sicher bereits für sich eine spirituelle Praxis.
Und zwar eine sehr fortgeschrittene. Wenn man die Praxis des Elternseins darin sieht, die Kinder darin zu bestärken, sie selbst bleiben zu können, ist das eine anstrengende Aufgabe, die ohne regelmäßiges Verbinden mit einer inneren Quelle fast nicht vorstellbar ist. Sicher ist das ein spirituelles Thema, aber nicht in einer bestimmten Tradition oder Form, sondern in der Herausforderung, die individuell wirksame Quelle zu finden. Ich bin überzeugt davon, dass es hier keinen „richtigen“ Weg gibt, obwohl es im Bereich der so genannten Kinder-„Erziehung“ – wir nennen es lieber „Begleitung“ – erstaunlich viele, vermeintlich verbindliche Wahrheiten gibt.

Wenn sich besonders Mütter Zeit und Raum für Selbsterfahrung nehmen, wird das oft als Egotrip gewertet.
Es ist allerdings wichtig, in sich einen weiten Raum zu entdecken und in ihm zu verweilen. Je weiter wir innerlich sind, desto flexibler können wir mit herausfordernden Situationen umgehen. Je enger wir sind, desto weniger Möglichkeiten haben wir. Als Egotrip werte ich eher das Selbstbild vieler Praktizierender, „weiter“ zu sein als andere. Entwaffnend finde ich es, wenn sich in meinen Gruppen Menschen öffnen und vor der Erkenntnis stehen: „Jetzt meditiere ich schon 20 Jahre, aber stehe oft vor meinem Kind und weiß nicht, was ich machen soll.“ Dann entsteht die Frage: Ist das vielleicht normal?

Was ist das Spezielle am Elternsein, das uns im Positiven und Negativen so sehr erschüttern kann?
Es ist eine komplexe und extrem tiefe Liebesbeziehung, die das Herz, aber auch seine alten Verletzungen öffnen kann. Sie ruft alte Muster in uns wach, von denen wir denken, dass wir sie lange hinter uns gelassen haben. Aber dann ertappt man sich dabei, dass man dem Kind Dinge sagt, die man selbst in der Kindheit gehört und eigentlich als bescheuert empfunden hat. Kinder bieten uns die wertvolle Möglichkeit, tief an diese wunden Punkte zu gelangen und dort Heilung zu finden, wo wir sonst vielleicht gar nicht hingesehen hätten.

Die eigene Herkunft erhält ganz neue Bedeutung.
Dazu die Fragen: „Wer bin ich wirklich?“ und „Wie will ich wirklich leben?“ Wir haben im Laufe unserer Geschichte Teile weggesteckt, die keine Resonanz gefunden haben, und einen Kokon gesponnen, um unser Herz zu schützen. Der Psychologe Charles Tart vergleicht das mit einer gesellschaftlichen Trance.

Worin besteht die Arbeit, aus dieser Trance zu erwachen?
In dieser Arbeit geht es darum, wieder mit unserer Essenz in Berührung zu kommen. Konventionelle Erziehungsmethoden haben als Ziel, Kinder möglichst schnell in den gleichen Schlaf zu versetzen, damit wir gemütlich weiterschlafen können. Solche lebendigen Wesen nerven ja auch (lacht). Die große Chance besteht darin, das nicht als Störung oder Ungehorsam zu sehen, sondern als Weckruf, die Verkrustung um unser Herz aufzulösen. Kinder wollen uns wach und präsent haben. Sie wollen unsere Essenz.

Das macht sie zu echten Lehrern.
Kinder sind noch sehr mit sich selbst verbunden und eventuell mit etwas Größerem. Es ist aber auch natürlich, dass sie das verlieren – an dem Punkt, wo das Denken anfängt. Mit dem Denken kommt die Trennung, die Vertreibung aus dem Paradies. Dann sind wir zunehmend mit Begriffen in Kontakt und nicht mehr mit dem, was dahinter steht – besonders in unserer Kultur, in der das patriarchalische Prinzip das Göttliche weg aus der Natur und hoch in den Himmel verbannt hat. Kinder spiegeln uns sofort, wenn wir nicht mit unserem Herzen verbunden sind. Dadurch können sie sehr strenge Zen-Lehrer sein.

Wie steht es mit dem starken Wunsch, nur das Beste für die Kinder und alles absolut richtig machen zu wollen?
Oft gehen wir mit uns viel strenger um als mit anderen, was natürlich darin begründet ist, wie wir selbst als Kinder gesehen wurden. Durch dieses strenge Über-Ich fehlt uns das Selbstmitgefühl. Wir sind immer auf der Hut, nichts falsch zu machen, und nehmen uns dadurch die Möglichkeit nachzusehen, was eigentlich los ist: Was möchte ich, was möchte das Kind? Zwischen dem vermeintlichen „Problem“ und der ach so wichtigen „Lösung“ liegt ein wichtiger Ort, den es zu besetzen gilt. Wenn wir freundlicher mit uns selbst sind, wird auch der Umgang mit dem Kind achtsamer, flexibler und kreativer. Mitgefühl kann sich auch in einem klaren Nein äußern.

Wie weit sollte der Schutz durch die Eltern gehen und wann begrenzt er die Freiheit des Kindes?
Achtsamkeit bedeutet nicht, eine Hab-acht-Stellung einzunehmen. Wenn ein Kind das Gefühl vermittelt bekommt, Quell der Freude für seine Eltern zu sein, wenn es sich als individuelle Persönlichkeit gesehen fühlt, hat es die wichtigste Sicherheit. Unser Gehirn hat die Tendenz, auf das zu schauen, was angeblich nicht stimmt. Seltener fragen wir uns: Was läuft eigentlich gut? Es ist wichtig, Kinder nicht nur als empfindliche Wesen zu sehen. Sie haben große Kraft und können fast jede Situation gut verarbeiten – wenn sie damit sie selbst, aber nicht allein sind. Und sie wollen auf keinen Fall perfekte Eltern haben.

Die heutigen Erziehungsmodelle entwickeln sich glückicherweise zunehmend von verbindlichen Prinzipien zu größerer Offenheit.
Man darf nicht vergessen, dass sogar Freud noch angenommen hat, dass Säuglinge keine Gefühle haben. Früher war eigentlich nur der Mann ein Mensch und nach der Frauenbewegung richtet sich nun das Augenmerk auf die Kinder. Es ist wichtig, dass sie sie selbst sein können, statt nur zu funktionieren, und dass man sie in ihrem eigenen Entdeckungsraum wachsen lässt, statt wie der berühmte Helikopter über ihnen zu kreisen. Dazu brauchen wir innere Orientierung, die uns beispielsweise die Achtsamkeit bieten kann. Mit ihr können wir lernen, in schwierigen Situationen zu verweilen, statt automatisch zu reagieren. Diese Techniken können auch problemlos an kindliche Bedürfnisse angepasst werden: Dann sind sie unendlich viel besser als Ritalin und alle Drogen, die zum Funktionieren bringen. //


Lienhard Valentin ist Verleger, Gestaltpädagoge und in Beratung und Fortbildung von Erziehern, Lehrern und Eltern tätig. Der in Freiburg lebende Vater eines Sohnes hat eng mit Jack Kornfield und Jon Kabat-Zinn zusammengearbeitet und die Zeitschrift „Mit Kindern wachsen“ gegründet.

www.mit-kindern-wachsen.de

Yoga in Zeiten des Krieges

Zwei Yogalehrerinnen im Nahen Osten. Die eine ist Palästinenserin und unterrichtet im Westjordanland, die andere ist Israelin und hält ihre Stunden in Tel Aviv.  Beide müssen sich im Sommer 2014 mit einer unerträglichen Situation arrangieren: dem Krieg. Wie ist es möglich, dennoch Akzeptanz und Hoffnung zu entwickeln? 

Wir kennen keinen Frieden. Die Bevölkerung hier hat das Kriegführen in den Genen. Doch selbst wenn wir solche Konflikte regelmäßig erleben, dieser Krieg war besonders beängstigend.“ Ernessa Bergman lebt in Tel Aviv und unterrichtet dort Yoga.

Aufgewachsen ist sie in New York, als Teenager zieht sie mit Vater und Schwester nach Israel. Nach dem Schulabschluss geht sie zunächst zurück in die Staaten. Wie alle Schulabsolventen in Israel, egal ob Frauen oder Männer, hätte sie sonst in der Armee dienen müssen. „Ich wollte nicht zum Militär, ich war Pazifistin.“ Doch nach dem Studium zieht es sie wieder zurück in den Nahen Osten. Sie gründet mit ihrem Mann eine Familie und fängt an, als Körpertherapeutin und später als Yogalehrerin zu arbeiten. Ihre drei Söhne werden in Israel geboren. Ihr erster Sohn hat Diabetes und muss deshalb nicht zum Militär. Ihr zweiter Sohn Daniel muss dienen und will sich seiner Pflicht auch nicht entziehen. Er bewirbt sich sogar um einen Platz in einer militärischen Spezialeinheit. Wenn er schon kämpfen muss, dann will er wenigstens in die beste Abteilung. Ernessa ist nicht begeistert, aber sie akzeptiert seine Entscheidung. „Selbst wenn ich nicht daran glaube, dass Gewalt die Lösung ist, und ich mir wünsche, dass dieser Konflikt gewaltfrei gelöst wird, muss ich einsehen, dass es Leute gibt, die uns den Tod wünschen. Und deswegen müssen wir diese verdammte Armee haben.“ Daniels Einheit ist im Juli 2014 Teil der Bodentruppen, die in Gaza einmarschieren. „Ich hing Tag und Nacht vor dem Fernseher und habe Nachrichten gehört, mit meinem Handy immer in der Hand. Wir haben täglich eine E-Mail vom Einsatzleiter bekommen, ob Daniel unverletzt und wohlauf ist. Ich habe für diese E-Mails gelebt!“

Ernessas palästinensische Kollegin schaut keine Nachrichten. „Aber ich höre den Menschen zu, die in meine Stunden kommen. Sie erzählen von Tötungen, Bombardierungen und zerstörten Häusern. Sie sind wütend, ängstlich und frustriert. Sie wollen von mir wissen: Wie soll es möglich sein, sich von all diesen negativen Emotionen loszulösen? Auch für mich war es oft schwierig, in dieser Situation konzentriert und ruhig zu bleiben.“

Fünf Mal pro Woche unterrichtet die zierliche Frau mit den langen, glatten Haaren in einem größtenteils leerstehenden Bürogebäude in einer kleinen Stadt im Westjordanland. Zu den Stunden kommen Christen, Muslime und manchmal auch Juden – obwohl es jüdischen Bürgern nicht erlaubt ist, ins Westjordanland zu reisen. Mit ihrem offenen Unterricht macht sich die christliche Palästinenserin nicht überall Freunde. Weil sie sich und ihre Schüler keiner unnötigen Gefahr aussetzen möchte, nennen wir sie hier einfach also Sara, ein Name, den es sowohl in der arabischen als auch in der jüdischen und christlichen Kultur gibt. Seit der aktuelle Konflikt ausbrach, ist es besonders heikel für Sara, gemischte Stunden zu unterrichten oder selbst zu gemischten Klassen nach Israel zu fahren. Viele ihrer Landsleute können die Offenheit, die sie den Israelis entgegenbringt, nicht nachvollziehen.

Sara erzählt, dass viele Palästinenser in den vergangenen Monaten nicht nur große Wut über das Vorgehen der israelischen Regierung empfanden, sondern auch Angst hatten, abends ihre Häuser zu verlassen. „Sie haben von der Entführung und der schrecklichen Ermordung eines palästinensischen Jugendlichen im Fernsehen gehört.“ Ihr Sohn ruft sie manchmal an und erzählt ihr, was im Rest des Landes passiert. Sara will das nicht hören. „Ich bete für die Leute, deren Häuser zerstört werden und deren Kinder nicht mehr am Leben sind, aber ständig diese Nachrichten zu hören, macht uns alle krank. Das können wir nicht gebrauchen in dieser Situation. Wir müssen stark sein, um uns gegenseitig zu unterstützen.“ Viele Menschen in ihrer Heimat wollen der Situation ganz entfliehen und das Land verlassen. Die meisten, die genügend Geld haben, zieht es weg aus dem Westjordanland. Saras Töchter leben in Jordanien und England. Ihr Sohn wohnt in Holland. Sie besucht ihre Kinder gerne. Im Ausland hat sie die Möglichkeit, sich frei zu bewegen, das ist ihr in Palästina nicht möglich. Wenn sie nach Jerusalem zu einem Yoga-Workshop fahren will, muss sie Wochen vorher eine Genehmigung beantragen. Doch auch wenn die Lebensstandards im Ausland höher sind, für Sara war es nie eine Option, aus dem Westjordanland wegzugehen. „Es gibt etwas, das mich immer wieder hierher zurückholt. Ich bin hier geboren und ich werde auch hier sterben. Es ist meine Mission, den Leuten hier zu helfen.“

Ernessas Leben in den Tagen des Bodeneinsatzes spielt sich größtenteils zwischen ihrer Wohnung und dem Bombenschutzkeller ab. Sie ist oft wie gelähmt von der Angst um ihren Sohn und schafft es kaum, sich aus dem Haus zu bewegen. Dann helfen ihr die privaten Yoga- und Körpertherapie-Stunden, die sie trotz der Krise mit ihren Schülern vereinbart. „Wenn ich anderen Menschen helfe, geht es ihnen besser, es geht mir besser und am Ende hilft uns das allen. Ich bin der Meinung, wenn alle Menschen sich mit ihren Ängsten und Frustrationen auseinandersetzen würden, wären wir gar nicht in dieser Situation.“ Das Gefühl, etwas tun zu können, statt nur auf die nächste Nachricht zu warten, hält sie davon ab, in eine dauerhafte Depression zu verfallen. Dennoch ist ihr Telefon immer in Griffweite, wenn sie in dieser Zeit unterrichtet.  „Irgendwann habe aber ich verstanden, dass es sinnlos ist, wenn ich die ganze Zeit auf mein Telefon starre und Nachrichten gucke. Mein Mann hat mich daran erinnert, dass das, was ich mir eigentlich wünsche, nicht die Nachricht ist, dass er lebt. Sondern einfach nur, dass es ihm gut geht. Also bin ich rausgegangen, an den Strand, wo wegen der Bombendrohungen keine Menschenseele war. Ich habe mich ins Meer gelegt und an meinen Sohn gedacht. Ich habe ihm all meine positiven Gedanken geschickt, eine Art mentales Schutzschild. Es hat sich so gut angefühlt, etwas tun zu können.“ Sie schafft es, ihre Angst in ein positives Gefühl zu verwandeln. „Mir ist klar geworden, dass die Angst um ihn nur daher kommt, dass ich ihn so sehr liebe. Und mir so sehr wünsche, dass er zurückkommt.“

„Ich kenne dieses Gefühl, sich nicht sicher zu fühlen aus meiner Kindheit. Damals hatte ich es andauernd“, erzählt Sara. „Inzwischen habe ich das Gefühl nicht mehr. Ich habe keine Angst. Auch während der Krise bin ich nach Jerusalem zu den Yoga-Workshops meines Lehrers gefahren.“ Ihr verändertes Verhältnis zur Angst sei ein Resultat ihrer Yogapraxis. „Das heißt nicht, dass ich ein perfektes Leben habe, auch ich habe meine Probleme. Aber ich bin der Meinung, was passiert, passiert. Selbst wenn im Nebenhaus eine Bombe einschlägt, habe ich keine Angst. Denn ich kann es nicht ändern.“ Sara will den Schülern in ihren Stunden eine ähnliche Gelassenheit vermitteln. Mit Meditation will sie ihnen helfen, sich von ihren Emotionen zu distanzieren.

Die meisten Menschen in Israel und Palästina haben sich an den Konflikt gewöhnt oder zumindest gelernt, ihn zu tolerieren. Jeder hat seine eigene Methode entwickelt, mit der Situation und den Gefühlen, die sie auslöst, umzugehen. Das müssen sie, um in dieser Umgebung leben zu können. Die einen blenden sie aus, die anderen schieben sie weg. Sara und Ernessa haben sich dafür entschieden, ihre Gefühle zu akzeptieren, seien es Angst, Schmerz oder Wut. „Dass ich den Schmerz akzeptiere, heißt aber nicht, dass ich aufgebe. Es heißt nicht, dass ich nicht versuche, etwas zu ändern“, erklärt Sara.

Der Graben zwischen der Realität und dem, was sich Ernessa und Sara für ihr Heimatland und für die Zukunft ihrer Kinder wünschen, ist riesig. Ernessa bekennt: „Frieden ist eine Realität, die wir in Israel nicht kennen. Ich wünschte, es wäre nicht so. Aber es ist so. Wir schicken unsere Söhne in den Krieg und gleichzeitig wollen wir, dass nichts davon passiert. Es ist surreal.“ Ernessa und Sara haben die Hoffnung dennoch nicht aufgegeben, dass Realität und Wunschvorstellung irgendwann näher zusammenrücken und es dauerhaften Frieden gibt. „Natürlich gibt es diese Momente, in denen ich denke: Alles was ich tue, ist so klein im Vergleich zu den großen Träumen, die wir haben“, erzählt Sara. „Aber irgendwo muss man ja anfangen. Und jede Veränderung beginnt erst einmal im Kleinen. Es wird dauern. Nicht nur Jahre, sondern Jahrzehnte.“

Zunächst muss dafür gesorgt werden, dass die Grundbedürfnisse aller Menschen gedeckt sind, dass sie genügend Essen, Wohnungen, Bildung haben, meint Sara. Danach sieht sie es als größten Schritt in Richtung Frieden, dass die Bevölkerung der Region ein gegenseitiges Verständnis entwickelt. „Das geht nur, wenn man ein Bewusstsein für die eigene Person bekommt. Yoga kann dabei helfen. Es ist ein Hilfsmittel, sich seiner eigenen Wünsche und Abneigungen bewusster zu werden.“ Yoga hat ihr Leben verändert, dann kann es auch das Leben aller anderen ändern. „Dafür reicht es aber nicht, wenn ab und zu internationale Gastlehrer hierherkommen. Wir brauchen mehr palästinensische Yogalehrer. Menschen, die in ihren eigenen Gemeinden unterrichten. Wir brauchen Kontinuität.“ Ernessa sieht das ähnlich. „Ich kann nicht nach Ostjerusalem gehen und dort Araber unterrichten. Das wäre Missionierung und die halte ich für gefährlich.“

Ihr Sohn Daniel ist inzwischen heil aus dem Einsatz zurückgekehrt. Auch ihn wollte sie bisher nie zum Yoga überreden. Nach seiner Heimkehr im August hat sie ihm jedoch geraten: „Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, um damit anzufangen.“ Sie hat einige Schüler, die nach dem Militärdienst begonnen haben, Yoga zu üben. Vielleicht hilft es ihnen, den Schrecken, den sie im Krieg gesehen haben, zu verarbeiten. Für ihren Sohn sind die Erfahrungen, die er in Gaza gemacht hat, noch zu frisch, um sich damit auseinanderzusetzen. Aber diese Aufarbeitung muss kommen, wenn sich etwas ändern soll in dieser Generation, die „das Kriegführen mit der Muttermilch aufgesogen hat“, wie Ernessa sagt. „Wenn ich diese jungen Männer ansehe, meine Söhne und ihre Freunde, sehe ich ein echtes Verlangen nach Veränderung. Das ist meine größte Hoffnung.“ Bevor ihr Sohn nach Gaza einberufen wurde, hat Ernessa ihn gefragt, ob er kämpfen will für sein Land. „Er hat mich entgeistert angeschaut und gesagt: Mama, bist du bescheuert? Wir haben alle Angst. Niemand von uns will kämpfen.“


Veronika Köberlein ist freie Journalistin und Yogalehrerin aus München. Kurz bevor die aktuelle Gazakrise im Juli 2014 ausbrach, besuchte sie Israel und das Westjordanland.

Zoopolis

Während die Idee der fleischlosen Ernährung an Akzeptanz gewinnt, nimmt die industrielle Massentierhaltung, -ausbeutung und -tötung zu. Da kommt der Vorschlag, das Verhältnis zwischen Mensch und Tier politisch zu lösen, gerade recht. 

Nicht Gnade, nicht Mitgefühl und auch keinen fürsorglichen Paternalismus – Sue Donaldson und Will Kymlicka wollen nichts weniger als Gerechtigkeit für Tiere. Selbst ökologische Argumente für den Erhalt der Tierwelt spielen für die Autoren des Buches „Zoopolis. Eine politische Theorie der Tierrechte“ (Suhrkamp, 36 Euro) keine Rolle. Die beiden gehen bei ihrem Gerechtigkeitsprojekt von anderen Prämissen aus.

Erstens: Tiere haben unverletzliche Rechte, weil sie empfindungsfähige Individuen mit subjektiver Welterfahrung sind. Es herrscht daher moralische Gleichheit zwischen Mensch und Tier. Die Prinzipien dieser Gleichheit können nicht von der Intelligenz abhängen, sondern allein von der Empfindungsfähigkeit eines Wesens. Skeptikern halten sie entgegen: Die Tierarten, die besonders grausam missbraucht werden, sind gerade diejenigen, deren Bewusstsein und Schmerzempfinden am wenigsten in Frage gestellt werden.

Zweitens: Tiere sind keine undifferenziert Masse, über die wir pauschal reden oder urteilen können. Sie lassen sich differenzieren – etwa in wildlebende Tiere, Kulturfolger, domestizierte Tiere, Gefährtentiere, Nutztiere – und daraus lässt sich eine gruppen- und situationsbezogene Tierethik entwickeln.

Drittens: Wir leben seit jeher in gemischten Mensch-Tier-Gemeinschaften. Da diese Beziehungen unauflöslich sind, verlangen sie nach einem gerechten Interessenausgleich. Die Pointe am Vorgehen von Donaldson/Kymlicka ist nun, dass sie bestimmten Tieren den Status von Staatsbürgern, Vollbürgern, anderen von Einwohnern oder Gästen und wieder anderen den von Migranten, Flüchtlingen oder souveränen Gemeinschaften geben. Jede Gruppe hat eigene Ansprüche, Rechte, Verpflichtungen und Probleme. Die Idee ist zum Beispiel, mit domestizierten Tieren ein geteiltes politisches Gemeinwesen zu unterhalten, in dem hierarchische Beziehungen durch Mitbürgerschaft und Mitgliedschaft ersetzt werden. Die Autoren betonen, dass es eine empirische Tatsache ist, dass viele Tiere dieser Gruppe sowohl zur Kommunikation als auch zur Kooperationen mit Menschen in der Lage sind und eine Sozialisation bzw. Partizipation heute schon stattfindet und in Zukunft ganz selbstverständlich viel weitergehend möglich sein könnte. Wildlebende Tiere oder Kulturfolger hätten den Status von Gästen oder souveränen Gemeinschaften; vergleichbar mit den politischen Rechten der Indianer, der Aborigines oder Inuit. Allein die Forderung, über die Mensch-Tier-Beziehung mit Begriffen wie „Staatsbürgerschaft“, „Immigrant“ oder „Gast“ nachzudenken, empfinden viele wahlweise als überraschend, originell, exotisch oder unzumutbar. Kymlicka und Donaldson sagen dazu: „Es ist eine Übung zur Erweiterung der moralischen Vorstellungskraft, wenn man Tiere nicht bloß als verletzliche und leidende Individuen sieht, sondern als Nachbarn, Freunde, Mitbürger und Angehörige …“

Menschen, die sich mit Yoga beschäftigen und eine Kultur der Gewaltlosigkeit schaffen wollen, müsste der Vorschlag intuitiv einleuchten, wenn ihr Mantra von der Freiheit und vom Glück aller Wesen nicht nur leeres Gerede sein soll. In „Zoopolis“ zeigt sich, wie unser Zusammenleben mit Tieren konkret ausgestaltet werden kann.

Ein bekanntes Gedankenexperiment stellt die Frage, wie wir kognitiv extrem überlegenen Außerirdischen erklären würden, warum sie uns nicht ausbeuten, einsperren, töten und essen sollten, obwohl wir nicht über ihre Intelligenz verfügen. Der Mensch würde auf seine Empfindungsfähigkeit und sein Bewusstsein verweisen, wie eingeschränkt es im Vergleich zu dem seines Gegenübers auch sein mag.
Warum erkennen wir dieses einfache Argument nicht in unserem Verhältnis zu den Tieren an? Bekannt ist die yogische Lösung des Problems auch unter dem Namen „Star Trek Ethik“: Fremden Kulturen und Zivilisationen wird mit dem größten Respekt und der größten Zurückhaltung begegnet. Der Missbrauch, die Versklavung oder gar Vernichtung von „unterlegenen“ Lebewesen müssen der nachhaltigen Praxis der friedlichen Koexistenz weichen. //

Janina Hahn

Janina Hahn

In meiner Arbeit als Massagetherapeutin verbinde ich individuell und intuitiv die schamanische Art der Dynamischen Thai Yoga Massage, mit Elementen der Osteopathie
(Osteothai) und der Ayurvedischen Laufmassage. Ergänzend dazu biete ich Yoga Kurse in Meditativem Tantra Yoga an.
Zusammen mit meiner Herzensfreundin und Kollegin Sophie Krespach, habe ich Anfang 2016 eine Thai Yoga Massage Schule in Stuttgart gegründet.
Dort werden Grundausbildungen, Workshops und Massage-Heilabende angeboten.
Dieser Ort soll auch Forum und Forschungsstätte für andere Thai Yoga Massage Lehrer und Praktizierende sein.

Webseite: www.hahn-massagen.de

Thai Yoga Massage Schule Stuttgart

Thai Yoga Massage als Wohlfühl- und Entspannungsmoment auf der Yoga World Stuttgart. Janina Hahn und Sophie Krespach machen mit Ihnen ‚passiv Yoga‘ auf einem gemütlichen Futon zum Messevorzugspreis.Zusammen bieten die beiden Thai Massage Practitioners und Yogalehrerinnen, Thai Yoga Massage Ausbildungen, Workshops und Behandlungen in Stuttgart an. Die Thai Yoga Massage ist eine jahrhundertealte Heilkunst, die sowohl Körper, Geist und Seele tief berührt. Diese Massageform ist eine einzigartige Methode, die Elemente aus dem Hatha Yoga, Energiearbeit und Meditation vereint. Die sanften Dehnungen und Streckungen sowie die Bearbeitung der Energiepunkte und –linien regen den Energiefluss im gesamten Körper an und balancieren ihn aus. Sowohl der Empfänger wie auch der Geber geben sich dem Fluss des Moments hin und erfahren die Massage wie einen heiligen Tanz oder Meditation in Aktion.

Webseite
Facebook

Vielfalt Indien GmbH

Vielfalt Indien steht für authentische Ayurvedakuren für jeden Geldbeutel. Wir vermitteln Aufenthalte in hochwertigen Ayurvedahotels mit Schwerpunkt in Kerala, im Süden Indiens, meiner Heimat. Auch Yogaurlaube lassen sich hier planen und mit Erkundungsreisen durch ganz Indien und seine Nachbarländer kombinieren.
Individuell auf Ihre Wünsche abgestimmt, besondere Reisen zu planen ist meine Leidenschaft. Ich freue mich auf ein Gespräch!

Webseite: www.vielfalt-indien.de

Zentrum für Glückseligkeit

Am Stand EE04 erwarten dich inspirierende Gespräche, intensive Momente, Informationen über die Kundalini Shakti, kurze Sitzungen zur Bewusstseinserweiterung und Heilung, CDs für Kundalini Energie, energetisierte ägyptische Parfums und Energiesteine. Das Team vom Zentrum für Glückseligkeit in Aldingen freut sich schon auf dich.

Webseite: www.claudia-glueck.com

nandiyoga

Informationen zur Yogaschule NandiYOGA und zur Yogalehrer Ausbildung mit NandiYOGA

Webseite: www.nandiyoga.de
Facebook: https://m.facebook.com/Nandiyoga-341361412725819/