In 5 Schritten zum Krieger III // Virabhadrasana III

Im Krieger III eröffnet die innere Haltung eines Kämpfers kombiniert mit der Neugier eines Anfängers neue Wege des Lernens.

Je mehr Erfahrung man in seiner Yogapraxis sammelt, desto größer ist die Gefahr, das zu verlieren, was im Zen-Buddhismus als „Anfängergeist“ bezeichnet wird. Anstatt sich für das Lernen zu öffnen, strebt man nach Perfektion, man versucht, die eine, beste Art zu finden, eine Haltung zu üben, oder man übt stumpf im Autopilot. Dass man sich als Fortgeschrittener gegen Veränderungen sträubt, ist ganz normal: Man befürchtet, das zu verlieren, was man durch jahrelanges Üben aufgebaut hat. Viel erfüllender ist es jedoch, den Geist für neue Wege des Lernens offen zu halten. Yoga bietet uns ständig diese Gelegenheit. Indem wir uns selbst immer wieder mit verschiedenen Herangehensweisen konfrontieren, bleiben wir präsent und kreativ.

Genau um diesen frischen Ansatz geht es in unserer Übungsreihe rund um Virabhadrasana III (Krieger III). Die Haltung fordert den Körper zugleich mit Elementen der Rück- und der Vorbeuge. Sie baut Kraft in den Beinen auf, erdet und lässt zugleich spielerische Leichtigkeit zu. Falls Sie denken, Hilfsmittel seien nur etwas für Anfänger, dann liegen Sie falsch: Das Experimentieren mit verschiedenen Varianten verfeinert Ihre Wahrnehmung und lässt Sie die für Ihren Körper sicherste Ausrichtung in der Haltung finden. So bekommt Ihre Praxis mehr Tiefe und Sie gelangen vom einfachen Befolgen einer Anleitung zur Arbeit mit Ihrer Körperintelligenz. Seien Sie neugierig darauf, was sich in Körper und Geist abspielt: Was können Sie lernen? Wie gelangen Sie zu einer tieferen Ebene der Verkörperung – weg von dem, was man Ihnen beigebracht hat, und hin zu dem, was Sie intuitiv wissen?

Konzentrieren Sie sich dabei auf Ihre Atmung, finden Sie zu einem sanften, ruhigen Atem und verfeinern Sie Ihre Achtsamkeit. Wenn Sie bemerken, dass Sie gerade auf etwas ganz Neues stoßen, dass die Übung Sie vielleicht auf eine Weise fordert, der Sie nur allzu gerne ausweichen, dann bleiben Sie genau bei dieser Wahrnehmung und erforschen sie tiefer. Das Allerwichtigste ist, dass Ihre Bewegungen weder allzu routiniert noch erzwungen sind.

1. Virasana (Heldensitz) 

Ein Klotz zwischen den Händen kräftigt die Arme und hilft, den Rumpf korrekt auszurichten
Ein Klotz zwischen den Händen kräftigt die Arme und hilft, den Rumpf korrekt auszurichten.

Virasana ist eine beruhigende Sitzhaltung, die Beine und Füße auf die rückbeugenden Elemente im Krieger III vorbereitet. In dieser Version arbeiten Sie daran, Schultern, Leisten und Oberschenkel zu dehnen und den Rumpf aufzurichten. Sie beginnen im Vierfüßerstand, legen Ihre Daumen tief in die Kniebeugen und schieben die Waden in Richtung Fersen, während Sie sich langsam zwischen die Füße zurücksetzen. Wenn sich in dieser Haltung Ihre Knie bemerkbar machen, dann setzen Sie sich unbedingt erhöht auf einen Klotz oder eine gefaltete Decke. Schmerz ist niemals ein Zeichen der Öffnung, sondern eine Warnung des Körpers und eine Erinnerung an eines der wichtigsten Prinzipien im Yoga: Ahimsa (Gewaltlosigkeit).

Schieben Sie die Sitzknochen gleichmäßig nach unten. Die Füße zeigen gerade nach hinten. Mit den Händen streichen Sie alle Zehen am Boden glatt und drücken den Spann sanft nach unten. Dann ziehen Sie die äußeren Knöchel etwas an und schieben die großen Zehen zurück, so dass sich Innen- und Außenseite des Fußgelenks gleichmäßig verlängern können.

Jetzt drücken Sie die Oberschenkel mit den Händen nach unten und lassen die Beininnenseiten entspannt sinken. Diese Erdung erlaubt es Ihnen, die gesamte Wirbelsäule zu verlängern. Halten Sie die Kinnlinie waagerecht und schmiegen Sie die Schulterblätter am Rücken nach unten. Zugleich hebt und weitet sich die Brust. Wenn Sie dabei die Schlüsselbeine weiten, entsteht Leichtigkeit im Brust- und Herzraum. Schließen Sie einen Moment lang Ihre Augen. Der Atem wird gleichmäßig, der Geist ruhig.

Mit einem Gefühl der Zentriertheit öffnen Sie die Augen wieder und nehmen einen Klotz quer zwischen Ihre Hände. Strecken Sie die Arme auf Schulterhöhe nach vorn und drücken Sie die Hände gegen den Klotz. Dabei aktivieren Sie die Oberarme und lassen zugleich die Trapeziusmuskeln entspannt vom Nacken abwärts sinken.

Mit einer Ausatmung heben Sie langsam die Arme. Sobald es schwierig wird, den Tonus in den Oberarmen beizubehalten, machen Sie eine Pause. Im Idealfall heben Sie die Arme bis auf Höhe der Ohren, aber wenn das dazu führt, dass die vorderen Rippenbögen herausragen, senken Sie den Klotz wieder etwas. Verwurzeln Sie die Oberarmknochen in den Schultern, strecken Sie die Arme von der Taille ausgehend und verlängern Sie diese Kraftlinie bis in die Fingerspitzen. Gleichzeitig entspannen Sie die Vorderseite des Brustkorbs und heben die Rückseiten der Rippen. So verlängern Sie Vorder- und Rückseite des Rumpfes gleichmäßig.

Zum Schluss lösen Sie sich aus Virasana und gehen langsam in Adho Mukha Shvanasana (nach unten schauender Hund) über, um die Knie zu lockern. In Uttanasana (Vorwärtsbeuge im Stehen) dehnen Sie die Beinrückseiten. Um sich weiter aufzuwärmen, üben Sie entweder einen Wechsel aus verschiedenen Stehhaltungen und nach unten schauendem Hund oder den Sonnengruß.

2. Shalabhasana (Heuschrecke) 

Shalabhasana eignet sich perfekt dazu, die nötige Kraft für Virabhadrasana III aufzubauen. Gleichzeitig können Sie den korrekten Einsatz der Beine und des unteren Rückens üben. Sie beginnen in der Bauchlage und platzieren einen Klotz zwischen den Fersen und den großen Zehen. Probieren Sie verschiedene Positionen des Klotzes aus. Wenn Sie eher steif im unteren Rücken sind, wählen Sie die größtmögliche Breite, das heißt, sie legen ihn quer.

Die Stirn ruht auf der Matte und Sie strecken die am Boden liegenden Arme gerade nach vorne aus. Dabei haben die Hände einen schulterbreiten Abstand. Dann schließen Sie die Augen, lenken Ihre Aufmerksamkeit auf den Atem und lassen ihn weich und gleichmäßig fließen. Noch bleiben die Füße am Boden, das hilft Ihnen, eine korrekte Ausrichtung der Beine zu finden. Sie bewegen die Außenseiten der Fußgelenke nach innen und drücken zugleich die Innenseiten der Fersen vom Klotz weg. Die Zehen sind ausgestreckt und gespreizt, die Fußgelenke sind wie in Virasana lang gezogen, der Spann der Füße schiebt sich in die Matte. Dabei heben sich die Knie etwas.

Hier erleichtert ein Klotz zwischen den Füßen die bewusste Ausrichtung von Beinen und Becken
Hier erleichtert ein Klotz zwischen den Füßen die bewusste Ausrichtung von Beinen und Becken.

Um Länge in den unteren Rücken zu bringen, bewegen Sie Ihr Gesäß in Richtung Fersen, ohne es anzuspannen. Zusätzlich ziehen Sie die Beinaußenseiten Richtung Boden und die Innenseiten nach oben. Stellen Sie sich bildlich vor, wie Ihre Beinrückseiten sich dabei weiten. Zur Unterstützung können Sie auch die Daumen in die Mitte beider Gesäßhälften drücken und das Fleisch weg von der Lendenwirbelsäule zu den Beinen schieben, während Sie zugleich die Oberschenkel heben.

Dann drücken Sie die Handflächen in die Matte und ziehen die Schulterblätter fester an den Körper. Der obere Rücken strafft sich, das Brustbein streckt sich nach vorne und Sie heben langsam den Kopf. Lösen Sie nur die Fingerspitzen vom Boden und strecken Sie sich durch Arme und Flanken in die Länge, während Sie zugleich die Schultern weg von den Ohren ziehen. Nach einigen Atemzügen legen Sie sich wieder entspannt auf den Bauch.

Erst wenn Sie herausgefunden haben, wie man die Beine aktiviert, ohne den unteren Rücken zu komprimieren, lösen Sie die nach vorne gestreckten Arme ganz vom Boden. Beobachten Sie, wie viel Kraft Sie dafür im oberen Rücken benötigen. Die Hände bleiben in einem schulterbreiten Abstand, selbst wenn Sie in den Ellenbogen etwas nachgeben müssen.

Erforschen Sie die Haltung: Spielen Sie damit, die Beine abwechselnd von der Beininnenseite aus anzuheben. Zum Schluss heben Sie beide Beine samt Klotz.

3. Virabhadrasana I (Krieger I) 

Virabhadrasana I hilft Ihnen, sich mit dem geerdeten, starken Geist eines Kriegers zu verbinden. Beobachten Sie, wie sich Ihr Körper dabei erhitzt und wie der vordere Oberschenkel gekräftigt wird. Einige Merkmale dieser Haltung werden Ihnen in Virabhadrasana III wieder begegnen: Wie sich die Arme strecken und wie die Wirbelsäule in die Länge gezogen wird. Zu Beginn stehen Ihre Füße parallel mit etwa einer Beinlänge Abstand. Sie breiten die Arme zu den Seiten aus und nehmen sich ein paar Atemzüge lang Zeit, sich in der Haltung einzurichten. Die Schultern bewegen sich weg von den Ohren, die Arme sind weit zu den Seiten ausgestreckt. Indem Sie die Füße fest in den Boden schieben, heben Sie die Beininnenseiten. Die Vorderseiten der Oberschenkel bewegen Sie nach oben und zurück, das Gesäß lassen Sie entspannt nach unten sinken.

Virabhadrasana I wärmt den Körper auf und kräftigt das vordere Bein.
Virabhadrasana I wärmt den Körper auf und kräftigt das vordere Bein.

Mit einer Einatmung heben Sie die Hände gerade über den Kopf. Falls Sie die Ellbogen dabei gestreckt halten können, legen Sie die Handflächen aneinander, ansonsten zeigen sie in schulterbreitem Abstand zueinander. Sie können auch mit einem Klotz zwischen den Händen arbeiten, um wie in Virasana die Ausrichtung der Schultern zu verfeinern.

Die Arme sind lang gestreckt, zugleich sinken die Schulterblätter entspannt nach unten. Achten Sie darauf, dass die vorderen Rippenbögen nicht aus der Körperachse ausbrechen. Die hinteren Rippen heben Sie an, um Platz für den unteren Rücken zu schaffen. Auch das Brustbein ist angehoben.

Dann drehen Sie den linken Fuß um 90 Grad nach außen und den rechten Fuß um 30 Grad nach innen, die Fersen stehen in einer Linie. Mit gestreckten Beinen wenden Sie Rumpf und Becken zum vorderen Bein. Bevor Sie nun in die volle Kriegerhaltung gehen, machen Sie sich noch einmal die Bewegungen in Beinen, Rumpf und Armen bewusst: Die Aktivität im hinteren Bein kennen Sie von Shalabhasana. Das rechte Bein und die rechte Hüfte drehen so weit wie möglich nach vorn, so dass das Kreuzbein möglichst gerade steht. Als nächstes heben Sie das Becken vom vorderen Bein weg an und lassen diese aufwärts strömende Energie an den hinteren Rippen entlang durch das Brustbein bis in die Arme fließen.

Mit einer Ausatmung beugen Sie nun das linke Knie und richten es am zweiten Zeh aus. Der Oberschenkel ist parallel zum Boden und das Knie steht genau über dem Fußgelenk. Der Rumpf ist weiterhin angehoben und kippt nicht nach vorn. Dann spannen Sie die Rückseite des vorderen Oberschenkels an und öffnen sich mutig und tief für die Rückbeuge. Dabei verbinden Sie sich mit einem Gefühl von Kraft und Überzeugung. Nach einigen Atemzügen strecken Sie das vordere Bein wieder vorsichtig. Nehmen Sie sich etwas Zeit, um sich wieder in der Ausgangshaltung mit parallel stehenden Füßen einzurichten, bevor Sie die zweite Seite üben.

4. Virabhadrasana III (Krieger III): Varianten 

4_Krieger_3_Variante_mit_Wand_und_klotzDie beiden Varianten an der Wand helfen Ihnen, ein Bewusstsein für Virabhadrasana III zu entwickeln. Dadurch können Sie die einzelnen Details und Körperregionen besser integrieren. Zum Beispiel ist es ziemlich schwierig, die genaue Lage eines in den Raum gehobenen Arms oder Beins exakt zu spüren. Hier hilft Ihnen die Wand, Körperintelligenz zu entwickeln.

Die erste Variante sehen Sie auf dem Titelfoto dieser Strecke: Sie stehen mit einer Beinlänge Abstand und dem Rücken zur Wand und legen den rechten Fuß mit nach unten zeigenden Zehen etwa auf Hüfthöhe dagegen. Die linke Ferse sollte sich genau unterhalb des linken Sitzknochens befinden, die linken Zehen zeigen gerade nach vorne. Dann legen Sie die Hände auf zwei unterhalb der Schultern aufgestellte Klötze. Dieser Aufbau sollte es Ihnen ermöglichen, den Rücken so zu strecken, dass er parallel zum Boden ist.

Verwurzeln Sie sich tief über Großzehballen, Außenkante und Ferseninnenseite des linken Fußes. Dann heben Sie das Fußgelenk und aktivieren das Standbein: Das Knie orientiert sich am zweiten Zeh, alle vier Seiten des Oberschenkels sind angehoben und kräftig angespannt. Dabei darf das Knie nicht überstreckt werden, Ober- und Unterschenkel bilden eine gerade Linie.

Nun drehen Sie Pobacke und Oberschenkelaußenseite des gehobenen rechten Beins so weit nach unten, dass das Kreuzbein eben liegt. Zugleich wenden Sie die Innenseite des Oberschenkels in Richtung Decke. Aktive Seitenpartien an beiden Beinen geben der Haltung Stabilität. Strecken Sie das Brustbein nach vorne, die Schulterblätter sind an den Rücken gezogen, die Schlüsselbeine und die Brust weit. Erinnern Sie sich an die Ausrichtung in Shalabhasana: Der Rumpf ist lang gestreckt und die rechte Gesäßhälfte bewegt sich in Richtung Wand. Dadurch entsteht Länge im unteren Rücken.

Wenn Ihr Standbein stark genug ist, beginnen Sie nun, mit den Armen zu spielen und sie abwechselnd zu heben. Achten Sie darauf, dass Sie dabei nicht in der Hüfte des Standbeins einsinken. Die Hüfte ist stabil, das Brustbein nach vorne gestreckt und Sie blicken nach unten auf die Fingerspitzen.

Diese Variante nutzt die Unterstützung einer Wand, auf diese Weise können Sie die einzelnen Details der Haltung erforschen.
Diese Variante nutzt die Unterstützung einer Wand, auf diese Weise können Sie die einzelnen Details der Haltung erforschen.

In der zweiten Variante (siehe Bild oben) wird der Rumpf durch die Wand gestützt, während Sie lernen, das Bein präzise ausgerichtet in den Raum zu heben. Sie stehen mit dem Gesicht zur Wand, legen die Hände schulterbreit und auf Hüfthöhe dagegen und machen ein paar Schritte zurück, bis Ihr Körper einen rechten Winkel bildet. Die Hüften stehen exakt über den Füßen, die Arme sind gestreckt, die Füße hüftbreit voneinander entfernt.

Schieben Sie die Fingergelenke gleichmäßig gegen die Wand, die Mittelfinger zeigen senkrecht nach oben. Dann straffen Sie die Außenseiten der Oberarme und strecken Flanken und Hüften weg von der Wand. Dabei bleiben die Ohren auf Höhe der Oberarme. Das Brustbein streckt sich nach vorne, die Schulterblätter sind dicht an den Rücken gezogen. Die Füße stehen parallel und Sie heben die Innenseiten der Oberschenkel von den Knien weg in Richtung Becken. Kräftig angespannte Beinvorderseiten schützen die Rückseiten. Indem Sie die Oberschenkel weg von der Wand bewegen, können Sie Flanken und Wirbelsäule noch etwas weiter in die Länge ziehen. Um dabei stabil zu bleiben, ziehen Sie die Hüftknochen zur Körpermitte hin.

Achten Sie darauf, dass Sie weiterhin auf beiden Händen gleich viel Druck haben, wenn Sie nun das rechte Bein ein paar Zentimeter vom Boden abheben. Dabei schieben Sie die Ferse nach hinten, um einen guten Kontakt zur Beinrückseite zu bekommen. Dann heben Sie das Bein von der Beininnenseite her bis in die Waagerechte. Die Details zur Ausrichtung in der ersten Variante helfen Ihnen, das Becken gerade zu halten und das Bein nicht nach außen aufzudrehen.

5. Virabhadrasana III (Krieger III) 

5_Krieger_3_korrekt
Nachdem Sie alle Elemente der Haltung mit Hilfsmitteln und Varianten kennengelernt haben, setzen Sie ihr verfeinertes Bewusstein für eine präzise Ausrichtung frei im Raum stehend ein.

Nachdem Sie die Haltung an der Wand ausprobiert und genügend verfeinert haben, ist es an der Zeit, in die Mitte des Raums zurückzukehren. Genau zu spüren, wann dieser Punkt erreicht ist – und wann es besser ist, an der Wand zu bleiben –, das ist die große Kunst der Yoga-Praxis. Fragen Sie sich ehrlich: Kann ich den Quadrizeps des Standbeins aktivieren, während ich das Gleichgewicht halten muss? Kann ich dabei der Tendenz, das Knie durchzudrücken, wirksam begegnen? Kann ich das Becken noch gerade halten, wenn ich Arme und Bein hebe? Wenn Sie sich unsicher fühlen, sollten Sie Hilfsmittel verwenden.

Sie beginnen in Virabhadrasana I mit dem linken Bein vorne. Strecken Sie Ihre Arme kraftvoll, lehnen Sie den Oberkörper nach vorne und verlagern Sie das Gewicht auf das linke Bein. Um den vorderen Fuß zu stabilisieren, verwurzeln Sie den Großzehballen und die Ferse fest im Boden. Dann heben Sie langsam das rechte Bein und spannen den rechten Quadrizeps an. Der linke Sitzknochen steht über der linken Ferse, Arme und Rumpf sind parallel zum Boden.

Strecken Sie sich gleichmäßig durch den Rumpf nach vorne und durch das gehobene Bein nach hinten. Strecken Sie die Arme weit in den Raum und bewegen Sie gleichzeitig die Schultern weg von den Ohren. Erinnern Sie sich an das, was Sie in den vorigen Übungen über die Arbeit von Bein und Fußgelenk gelernt haben. So bewahren Sie sich Länge, Weite und Kraft und der Atem bleibt ruhig.

Auch beim Auflösen der Haltung sollten Sie achtsam bleiben: Ein fortgeschrittener Yogi zeichnet sich weniger durch das Meistern komplizierter Asanas aus als dadurch, wie achtsam er von einer Haltung in eine andere übergeht. Diese Übergänge sind Kostbarkeiten, die nur allzu oft übersehen werden! Zunächst konzentrieren Sie sich darauf, sich durch das hintere Bein zu strecken. Dann beugen Sie vorsichtig und ohne einzuknicken das linke Knie und richten es am zweiten Zeh aus. Bleiben Sie einen Moment lang in dieser Haltung, um Kraft und Kontrolle aufzubauen. Schließlich setzen Sie den hinteren Fuß kontrolliert wieder in Virabhadrasana I ab und bleiben einen Atemzug lang in der Haltung. Zum Schluss stellen Sie die Füße wieder parallel und pausieren etwas, bevor Sie die zweite Seite üben.

Das Spiel mit Varianten und Modifikationen ist ein guter Weg, um den Anfängergeist wieder zu wecken. Mit dieser Einstellung werden Sie nie gelangweilt oder frustriert üben. Sie fühlen sich präsent und lernbereit und können das Pro und Contra jeder Variante selbst erforschen. Frische und Offenheit führen Sie zu einer tieferen Praxis.


Wirkungen 

– Kräftigt Standbein und oberen Rücken
– Verbessert Balance und Selbstvertrauen
– Schafft ein Gefühl der Erdung und Verwurzelung
– Öffnet Brust und Schultern
– Energetisiert Herz und Brust

Gegenanzeigen

– Verspannung und Zerrungen an den Beinrückseiten
– Verletzungen an Kreuzbein, unterem Rücken oder Nacken
– Schwangerschaft
– Menstruation

Quick Tips: 3 Beauty-Produkte mit Jojoba

Das Jojobaöl ist eines der wertvollsten Öle im Wellness- und Kosmetikbereich. Pluspunkt im Frühling und Sommer: Es besitzt einen leichten Lichtschutzfaktor und kann die natürliche Bräune unterstützen. 

Eigentlich müsste das Jojobaöl Jojobawachs heißen – denn es wird aus den Nüssen des in Mexiko, Kalifornien und in Arizona wachsenden Jojoba-Strauches gewonnen und ist ein bei Zimmertemperatur flüssiges Pflanzenwachs. Es zieht daher gut in die Haut ein und hinterlässt keinen fettigen Film, wie es bei echten Ölen häufig der Fall ist. Schon vor der Entdeckung Amerikas wussten die Indianer um die heilende und schön machende Wirkung der Jojobapflanze. Zudem nutzten sie sie zum Verfeinern von Speisen und Getränken. Da die Nachfrage nach der wertvollen Essenz inzwischen so groß ist, werden die Sträucher außer in ihren Heimatländern heute auch in Israel, Argentinien und Australien kultiviert. Nicht ohne Grund ist Jojobaöl derart begehrt: Durch seine günstige Fettzusammensetzung pflegt, schützt und glättet es die Haut und erhöht deren Rückhaltevermögen für Feuchtigkeit. Es ist entzündungshemmend, schmiert nicht und ist für jeden Hauttyp – auch für sensible, trockene, juckende und zu Neurodermitis oder Akne neigende Haut – geeignet. Außerdem enthält das Öl viel Vitamin A und Vitamin E und hat – gerade jetzt bei viel Sonnenschein ein großer Vorteil – einen natürlichen Lichtschutzfaktor der Stärke 4, unterstützt die natürliche Bräune und ist ein effektiver Helfer, wenn man doch einmal etwas zu viel Sonne abbekommen hat. Und auch die Haare lieben Jojoba: Eingerieben in die Spitzen kann Jojobaöl wirksam vor Spliss schützen, als Zugabe zum Shampoo macht es die Haare geschmeidig, füllig und glänzend.

Mit Jojoba kann man Haut und Haare leicht selbst verwöhnen. Wie einfach das geht, verraten wir Ihnen jetzt:

  1. Gesichtsmaske
    Das Fruchtfleisch einer Gurke oder einer Avocado mit ein paar Tropfen Jojobaöl vermischen. Maske sofort auf die Haut auftragen.
  2. Haare
    Ein Plus an Pflege erhält ein Haarshampoo, wenn man ihm einige Tropfen Jojobaöl zusetzt. Das Haar wird glänzend und geschmeidig, außerdem hilft -Jojobaöl gegen Schuppen.
  3. Massageöl
    Jojobaöl mit einigen Tropfen eines ätherischen Öls nach Wahl vermischen – so erhält man nicht nur ein pflegendes Öl für die Massage, sondern streichelt mit dem Duft der Jojoba auch die Seele und die Geruchsknospen.

Viel Spaß beim Ausprobieren! Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

 

„Der nächste Dalai Lama kann auch eine Frau sein.“

Montag, der 21. Mai 2012 in Salzburg: Die viertgrößte Stadt Österreichs hat hohen Besuch. Seine Heiligkeit, der 14. Dalai Lama, legt hier den dritten Stopp auf seiner Europareise ein, um über Spiritualität, Buddhismus und Weltfrieden zu sprechen.

Das Salzburger Messegelände ist schon in den frühen Morgenstunden gut besucht. Scharen von Fans, Gläubigen, Sinnsuchenden, Presseleuten, buddhistischen Mönchen und Nonnen tummeln sich bunt zusammengewürfelt vor den drei Haupteingängen. Viele sind von weit her angereist, erfüllen sich einen Traum, erwarten interessante Einsichten und erhoffen sich vielleicht ein Autogramm. Eine Veranstaltung mit einer solch bekannten Persönlichkeit wie dem geistigen Oberhaupt der Tibeter hat zwangsläufig auch etwas von einem Jahrmarkt. Zwischen den Sicherheitsschleusen und den kreisförmig angelegten Bühnenzugängen stehen Räucherstäbchen- und Buchverkäufer neben Kaffeebars und Sandwich-Theken, aneinandergereiht wie Yak-Knochen-Perlen einer tibetischen Gebetskette. Der Dalai Lama war zwar schon oft in Österreich, so lange wie dieses Jahr verweilte der bekannteste Mönch der Welt allerdings noch nie. Insgesamt neun Tage sind für seinen Besuch anberaumt. Ein solch langer Aufenthalt in einem einzigen Land stellt selbst im internationalen Besuchskalender des Dalai Lama eine Besonderheit dar und unterstreicht die Verbundenheit des geistlichen Oberhauptes der Tibeter mit der Alpenrepublik. In Salzburg ist das Programm zeitlich straff organisiert. Von halb zehn bis halb eins warten zwei österreichische Moderatoren auf ihn, von halb zwei bis halb fünf findet eine Podiumsdiskussion mit Vertretern anderer Religionen statt.

Der Saal füllt sich langsam. Trotzdem spürt man schon lange vor Beginn eine erwartungsfrohe Grundstimmung im Publikum. Insgesamt sind es fast 25.000 Besucher – etwa 15.000 weitere Zuschauer sind per Live-Stream dabei. Das zeigt das große Interesse sowie die breite Welle der Sympathie, die Seiner Heiligkeit auch im Westen nach wie vor entgegengebracht wird. Noch größer ist allerdings das Medieninteresse: Über 330 akkreditierte Journalisten aus 17 Nationen – darunter die USA, Indien, Finnland, Norwegen, Frankreich und Großbritannien – sind hier, um über diesen Besuch des Dalai Lama in Österreich zu berichten. Aber für alle heißt es erst einmal: warten. Auch ein geistig hochverwirklichtes Wesen wie der Dalai Lama kommt ab und an zu spät. Die Veranstaltung beginnt schließlich mit einer halben Stunde Verspätung: Da die Funkmikrofone bereits auf Audio-on gestellt sind, hört man schon einige Momente vor dem Auftritt das typische glucksende Lachen von Tenzin Gyatso, dem 14. Dalai Lama. Begleitet von Blitzlichtgewitter und einem Raunen im Publikum, gefolgt von begeistertem Applaus, steht der bald 77-Jährige auf der Bühne und begrüßt alle im Saal mit einem flotten „Hello everybody!“

Danach beginnt die Diskussion mit den beiden österreichischen Moderatoren zum Thema „Weltfrieden und universelle Verantwortung“. Ein sehr breit angelegtes Thema, doch die beiden Moderatoren ziehen inhaltlich anders gelagerte Fragen vor. Darauf angesprochen, was der Dalai Lama zu den jüngsten chinesischen Anschuldigungen sagt und ob er sich einen unpolitischen Ruhestand wirklich vorstellen kann, antwortet der in bordeauxrot gekleidete Buddhist nur: „Eigentlich habe ich nicht vor, mich hier politisch zu äußern. Mein Ruhestand hat ja schon letztes Jahr begonnen.“ Dann lacht er kurz und fährt fort: „Aber es ist wichtig, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Die chinesische Regierung kann viel über mich erzählen. Auch ich kann viel über sie erzählen. Aber fahren sie doch einfach selbst nach Tibet. Schauen sie sich selbst dort um, bilden sie sich ihre eigene Meinung, stellen sie vor Ort ihre eigenen Fragen. Ich weiß, es ist sehr kostspielig, nach Tibet zu reisen. Aber Sie sollten es versuchen. Vorausgesetzt, man erlaubt Ihnen, einzureisen. Und vorausgesetzt, man erlaubt Ihnen, die Fragen zu stellen, die Sie stellen möchten und sich die Orte anzuschauen, die Sie sich persönlich ansehen wollen. Das ist nämlich nicht ganz einfach.“ Er lacht wieder, etwas kürzer als vorher, und fügt hinzu: „Aber ich drücke Ihnen die Daumen, dass es klappt. Tibet braucht Sie, also besuchen Sie das Land.“

Im Anschluss daran erklärt er, dass die Welt viel von Europa lernen könne . „Ein Kontinent mit vielen unterschiedlichen Kulturen, Traditionen, Interessen und Religionen hat es in den letzten Jahrzehnten geschafft, ein bis dahin völlig neues Wir-Gefühl zu erzeugen. Viele Menschen, darunter vor allem die Jugend, begreifen sich immer mehr als Europäer, einzelne Länder haben große Teile der eigenen Souveränität aufgegeben, bilden jetzt eine Union, haben ein gemeinsames Ziel, gleiche Rechte. Darunter auch viele ehemals verfeindete Nationen.“ Man kann viel über den Dalai Lama erzählen. Viel Positives und aus manchen Blickwinkeln vielleicht weniger Positives. Eins ist allerdings unumstößlich: Seine Sicht auf viele weltpolitische und soziale Fragen gibt immer wieder interessante Denkimpulse. „Wenn die ganze Welt Teil eines Wir ist, dann gibt es keine Basis für Kriege mehr. Ich bin überzeugt, dass eine offene Haltung und Sorge für die anderen zu einer besseren Welt führen.“

Bei aller Ernsthaftigkeit wird es gegen Ende der Unterhaltung plötzlich richtig lustig. Was sich das geistige Oberhaupt Tibets von seinem Nachfolger erwartet und wie denn dieser in einem besetzten Land gefunden werden soll, möchte das Moderatorenteam wissen. „Wissen Sie“, antwortet er, „seit fast 700 Jahren gibt es die Dalai Lamas. Seit 370 Jahren waren alle mit politischen und geistigen Funktionen versehen. Ich habe beschlossen, dass sich der Dalai Lama künftig nur noch auf geistige Angelegenheiten beschränken wird. Es gibt im tibetischen Reinkarnationssystem klare Richtlinien zur Erkennung, die sie nachlesen können. Ich kann nicht näher darauf eingehen, da das Tulku-Erkennungsprinzip sehr komplex ist und bei meiner Erklärung viele Leute hier vielleicht einschlafen würden. Aber wenn es einen nächsten Dalai Lama gibt, wird man ihn auf Grundlage dieses Systems finden. Und dabei kann ich mir persönlich vorstellen, dass meine nächste Reinkarnation eine Frau sein wird. Frauen sind auch viel schöner anzuschauen als ich“. Er lacht. „Einer schönen Frau hört man doch auch viel lieber zu als einem Mann, finden Sie nicht auch?“ Er lacht erneut. Bei der Damenwelt in der Salzburgarena schlagen die Herzen höher. Einige Männerherzen auch. Das Thema „Tibets nächste Reinkarnation“ ist durchaus delikat. Natürlich will man nicht nur in China wissen, wer nach diesem Dalai Lama das tibetische Volk repräsentieren wird. Um Reinkarnationen bzw. die wiedergeborenen Tulkus zu akzeptieren, muss man an das Prinzip der Wiedergeburt glauben. In den altindischen und vielen asiatischen Traditionen und philosophischen Schulen wird dies seit jeher anerkannt. Dafür gibt es in den unterschiedlichen Strömungen verschiedene Argumente. Letztlich basieren alle auf der Vorstellung, dass das Bewusstsein aufgrund seiner Natur, die ursprünglich völlig klar und rein ist, nicht ohne eine andere Ursache zustande kommen kann. Physikalisch oder chemisch ausgedrückt: Kein Element reagiert ohne die Einwirkung eines anderen Elements.

Im Alter von 90 Jahren wird der jetzige Dalai Lama zusammen mit der tibetischen Öffentlichkeit, anderen hohen Lamas und weiteren betroffenen Personen entscheiden, ob die Institution fortbestehen soll oder nicht. Dass auch Frauen in Tibet eine solche Rolle übernehmen können, klingt modern und ist es auch, hat aber eine Tradition: Viele wichtige tibetische Schutzgottheiten sind weiblich, selbst die persönliche Gottheit des Dalai Lama und Tibets Patronin, Palden Lhamo, ist eine Frau. Die Tschöd-Linie von Macig Labdrön ist hauptsächlich eine Frauenlinie und die Reinkarnationen von Samding Dorje Phagmo, einer ehemaligen tibetischen Prinzessin, gibt es seit etwa 700 Jahren. Diese Reinkarnation ist fast so alt wie die des Karmapa.

Abgesehen von den Fragen und Antworten zu Nachfolge und geschlechtlicher Gleichstellung im Lamaismus Tibets, bleibt bei solchen Statements ein Gedanke: Man möchte einem Menschen wie Tenzin Gyatso, der immer wieder mit Aussagen überrascht, die zum Nachdenken anregen, ein langes gegenwärtiges Leben wünschen.

Quick Tips: Wie erstelle ich eine Yoga-Playlist

Andrea „Qbi“ Kubasch gibt einige praktische Tipps, wie die Musikauswahl für die eigene Yoga-Stunde gelingt und wie Sie die Zusammenhänge zwischen Klang und Körper ganz praktisch in die eigene Yoga-Playlist einfließen lassen können.

  1. Beim Zusammenstellen der Playlist für die eigene Praxis kann man sich ganz nach Belieben austoben – da können alle Songs kombiniert werden, die man selbst mag und mit denen man sich in den einzelnen Sequenzen wohl fühlt.
  2. Um als Lehrer Musik in den Stunden einzusetzen, muss man sich als erstes das Medium aussuchen, auf dem die Playlist abgespielt werden soll. Ich empfehle, einen MP3-Player und für die Anlage eine Fernbedienung zu verwenden – insbesondere um die Lautstärke zu regulieren. Einzelne CDs zu benutzen, ist zwar auch möglich, aber relativ umständlich und könnte von der Konzentration – auch der Schüler – leicht ablenken.
  3. Die nächste Überlegung ist, ob Musik mit gesungenem Text gespielt werden soll. Texte können zum einen den Lehrer selbst aus dem Konzept bringen, zum anderen vielleicht die Schüler. In Klassen, in denen viel zu erklären ist, empfiehlt es sich, nur instrumentale Stücke zu wählen. Zumindest bei den Sequenzen, in denen viel angesagt wird.
  4. Ich bekomme meine Musik entweder aus legalen Download-Portalen wie iTunes oder von CDs, die ich mir in Spezialgeschäften kaufe.
  5. Anregungen für die Musikauswahl liefert neben dem eigenen Geschmack unser kürzlich veröffentlichter Beitrag „Welche Musik zu welcher Asana?“ mit Elementen und Sounds. Zur Orientierung habe ich eine Playlist für eine 60-Minuten-Klasse zusammengestellt, die zeigt, wie man die passende Musik für die einzelnen Phasen zusammenstellen kann. Diese Liste spiegelt mein persönliches Empfinden wider und erhebt keinen Anspruch auf die absolute Wahrheit. Geschmäcker und Wahrnehmungen sind unterschiedlich, also ist sie als Inspiration zu verstehen. Die Wahrheit findet immer im Ohr des Zuhörers statt.

Qbis Playlist (mit Erläuterungen zur Auswahl)

1. Vargo „Your love – interlude“
Dieser Song vereint alle Elemente zur Einstimmung auf die Stunde. Die Lyrics drehen sich um das große Ganze: „Every flower (Erde) becomes a being (Erde), every being (Erde) becomes a friend (Beziehungen/Relationship, 2. Chakra), every friend becomes the universe (7. Chakra) and the universe your love. Peace begins within us.“ Diese Aussage holt uns ab und erinnert uns daran, weshalb wir Yoga praktizieren.

2. Bill Laswell „Aum“
Der Text schließt an die Botschaft des vorherigen Songs an (Peace, Love) und manifestiert sich im Aum. Wie ein Orchester stimmen sich die Teilnehmer mit unterschiedlichen Stimmungen auf eine gemeinsame Schwingung ein.

3. The Prodigy „Narayan“
Wer hätte gedacht, das ausgerechnet The Prodigy auch chanten würden? Sie tun es – zu Ehren von Vishnu! „Om Namo Narayana“ ist ein universelles Mantra, das für Frieden auf der Welt wiederholt wird. Es dient der Einstimmung darauf, dass wir unsere Yogapraxis etwas Höherem widmen und uns nicht nur selbstsüchtigen Motiven zuwenden. Wir beginnen den Warm-up-Teil.

4. Gorillaz „Stylo“
Die Lyrics passen zu Vinyasa-Sequenzen, die dem Schüler bereits bekannt sind. Die Bass-Begleitung repräsentiert das Erdelement, der Titel treibt an und sorgt für Fluss, er gibt Stabilität und hat Feuer. Diese Kombination eignet sich beispielsweise gut für Sonnengrüße, um das innere Feuer zu wecken.

5. Ashtech „Plain Speaking“
Dieser Titel kombiniert ebenfalls die Elemente Feuer und Erde: Ganz ohne Lyrics treibt er an zum Vinyasa Flow. Er besitzt einen gleichmäßigen Beat, ohne großartig abzulenken. Besonders gut begleitet er Variationen und schwierigere Flows.

6. Ibiphonic feat. Ricoloop „Incantation“
Der ganze Song fließt wie Wasser und enthält zusätzlich ein leichtes Feuerelement durch knisternde Geräusche. Er eignet sich gut für stehende Hüftöffner. Bei diesem Lied handelt es sich um ein Mantra, gesungen von Deva Premal.

7. Faithless „Insomnia (Monster Mix)“
In diesem Mix beginnt der Song langsam, die Elemente Erde und Luft sind durch Streicher und Klavier enthalten. Die einnehmenden Lyrics des charismatischen Sängers Maxi Jazz sind erdig und wirken fokussierend. Dies ist ideal für stehende Balancehaltungen, trotz der schnellen Beats. Wir spüren die Verbindung zur Erde und streben zugleich nach oben zum Himmel.

8. Vargo feat. Dan Millman „Warriors“
Dieser Song enthält gesprochene Denkanstöße vom großartigen spirituellen Schriftsteller, Trampolin-Weltmeister und Sportlehrer Dan Millman. Er bringt drei Elemente – Erde, Feuer und Luft – und einen tollen Rhythmus zusammen. Er ist ideal für intensive Drehhaltungen, die das innere Feuer entfachen, und trotzdem motivierend, den weisen Worten von Dan Millmann zuzuhören und sie ins Unterbewusstsein strömen zu lassen.

9. Ophoria „Waterfalls“
Wasser und Erde sind in der Musik enthalten. Geeignete Asanas sind sitzende Vorwärtsbeugen und Hüftöffner, die auch das Element Wasser widerspiegeln. Dieser „schwebende“, strömende und rein instrumentale Titel lädt ein, Blockaden zu lösen und Emotionen loszulassen.

10. Mousse T. „Toscana“
„Toscana“ ist ein instrumentaler, leicht fließender Titel mit leichtem Plätschern, wirkt aber trotzdem dominant. Er lässt einen mit Hingabe in Vorwärtsbeugen und Hüftöffner gehen. Entspannt, fröhlich und nicht aggressiv, erinnert er an einen Strand.

11. Nightmares on wax „Bless my soul“
Dieses instrumentale Stück ist ideal zum Aufwärmen für die folgenden Rückbeugen. Die Seele soll glücklich sein. Die Drums vermitteln Feuer und die Streichinstrumente geben dem Song Luft.

12. Mousse T. „Numero Uno“
In diesem Stück helfen die tiefen Drums, die das Erdelement repräsentieren, Stärke und Überzeugung zu entwickeln – beispielsweise Urdhva Dhanurasana (Das Rad). Das Klavier kann einen „Kloß im Hals“ lösen, da es durch seine Klänge hilft, das Hals-Chakra zu öffnen. Gefördert wird absolute Hingabe für die anspruchsvolleren Rückbeugen, das Herz wird geöffnet (Luft). Manchmal können dadurch Tränen fließen. Der Song trägt in seinen Tönen vollkommene Schönheit und ein reines Herz.

13. Lenny Ibizarre „Ethereal“
Wenn dieser Titel erklingt, hat man das Gefühl, direkt in den kosmischen Raum zu gelangen und im Äther, im Raum, im Akasha willkommen geheißen zu werden. Zum langsamen „Herunterfahren“ sind die Eigenschaften laut und leise, hoch und tief vereint.

14. Vargo feat. Dirk Bennewitz and Duncan Wong „Dear Friends (Reprise)“
Das Subtilste und Allerfeinste scheint aus diesem Song heraus zu klingen. Er ist ein Herzöffner, steht für bedingungslose Liebe, vollkommene Freiheit und Ekstase. Ein Song für Shavasana, wenn unser kleines Ich mit dem großen Ich zusammenkommen kann. In Shavasana werden noch einmal sämtliche Elemente berührt, bevor die Haltung zum tiefen „Abtauchen“ einlädt. Bis Duncan Wong uns mit seinen berührenden Worten schließlich in die nächste Bewusstseinsstufe zu heben scheint.


Andrea „Qbi“ Kubasch ist die Gründerin und Leiterin von Power Yoga Germany in Hamburg. Zum Thema „Musik im Yogaunterricht“ leitet die ehemalige Musikmanagerin mehrere Workshops.

Jyotisha – vedische Astrologie: Paramahansa Yogananda

Die Aufgabe von Jyotisha ist es, menschliches Karma zu bestimmen. Was erlebt ein Mensch zu welcher Zeit? Wie handelt er? Was ist die Folge?

Diese Fragen zu beantworten, verlangt ein tiefes Verständnis der Natur eines Menschen, seiner Talente, Stärken, Schwächen und Möglichkeiten. Das wichtigste Instrument, um diese Aufgabe zu erfüllen, ist das Horoskop. Die Abbildung zeigt ein typisches nordindisches Horoskop. Der Aufbau eines Horoskops besteht zunächst aus drei Grundbausteinen: Planeten, Häuser und Sternbilder. Planeten werden in Sanskrit als „graha“ bezeichnet. „Graha“ bedeutet „jenes, das zufasst, das Besitz ergreift“. Und das ist genau das, was die neun Planeten tun. Sie bewirken unser Karma und sind die Dreh- und Angelpunkte des Horoskops. Jeder Planet besitzt ihm fest zugeordnete Sternzeichen und beherrscht die Häuser des Horoskops, in denen diese Sternzeichen angesiedelt sind. Die Häuser geben Themen vor, für die der Planet im Horoskop steht. Ist der Planet vorteilhaft platziert, dann stellen sich zu diesen Themen wünschenswerte Resultate ein.

Surya: Die Sonne ist der König unter den Planeten

Nordindisches_Horoskop_Yogananda
Nordindisches Horoskop von Paramahansa Yogananda

Das individuelle Naturell eines Planeten bestimmt, wie diese Lebensthemen Ausdruck finden. Surya, die Sonne, ist zum Beispiel der König unter den Planeten. Als solcher steht sie für Autorität, Organisation und Zuverlässigkeit, für Würde, Ruf und Ehre. Die Sonne herrscht über das Sternzeichen Löwe. Im abgebildeten Geburtshoroskop von Paramahansa Yogananda befindet sich das Sternzeichen Löwe (als 5. Sternzeichen mit „5“ beziffert) im ersten Haus, dem mit farbigem Rahmen markierten Aszendenten. Die Sonne regiert somit das erste Haus, das den Charakter und die Handlungsweise des Menschen wiedergibt.

In Yoganandas Horoskop ist die Sonne vorteilhaft platziert. Das Resultat: Autorität, Organisation, Zuverlässigkeit, Würde, Ruf und Ehre kommen in seinem Leben in Charakter und Handlungsweise vorteilhaft zum Ausdruck. Yogananda war tatsächlich eine Autorität und ist es für viele seiner Anhänger bis heute. Er brachte die Kriya-Yoga-Bewegung in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts in den Westen. Die Anerkennung und Verehrung, die ihm für seine Arbeit zuteil wurde, war enorm. Die von ihm gegründete Organisation Self-Realization Fellowship ist bis heute aktiv.

Die Attribute der Sonne

Die Archetypen der Planeten finden sich auch in den Epen der vedischen Tradition wieder: In der Ramayana vereinigt Rama, der Thronfolger in der solaren (!) Dynastie, die zuvor genannten und viele weitere Eigenschaften der Sonne in seinem Tun und Handeln. Rama ist stets aufrecht und korrekt. Zuverlässig tut er, was getan werden muss. Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein sind seine Markenzeichen. Selbstverständlich hat jeder die Sonne in seinem Horoskop, aber nicht jeder ist ein König. Wie sich die Attribute der Sonne im Leben jedes einzelnen Menschen manifestieren, hängt davon ab, wie vorteilhaft die Sonne im Horoskop platziert ist, wie sie durch andere Planeten beeinflusst wird und welchen Bereich des Horoskops sie regiert.


Autor: Bernd Rößler

Asana im Fokus: Krieger I – Virabhadrasana I

Virabhadra = Krieger; Asana = Haltung

Ganz ehrlich: Virabhadrasana I ist nicht gerade meine Lieblingshaltung. Ich finde sie schwierig und kämpfe oft mit ihren vielen, scheinbar widersprüchlichen Details. Wenn ich zum Beispiel versuche, den hinteren Fuß fest in den Boden zu schieben, geht mir das Anheben der Rippenbögen verloren. Und wenn ich mich bemühe, die Arme lang zu strecken, dann rundet sich die Brust. Ich verbessere ein Detail, verliere die exakte Ausrichtung in einem anderen Körperteil – und dann beginne ich, mich zu verspannen. Sie kennen das? Keine Sorge: Man kann Virabhadrasana I auch anders angehen.

Die wichtigste Aufgabe eines Yogi besteht darin, die ganzheitlichen Beziehungen zwischen allen Körperteilen wahrzunehmen. Und wenn wir von Beziehungen sprechen, geht es natürlich um Kommunikation. Alle Elemente einer Asana sprechen zueinander – und was noch wichtiger ist: Sie müssen auch aufeinander hören. Auf diese Weise kann der in den Boden schiebende hintere Fuß eine freundliche Einladung für die Rippen darstellen, sich zu heben. Und die sich weitende Brust schafft erst den Raum, damit sich die Arme lang strecken können. Wenn Sie diese Kommunikation zulassen, dann ist das Halten der Asana nicht länger Schwerstarbeit. Es wird zu einem tänzerischen Wechselspiel von Information und Reaktion.

Der physische Nutzen dieses Tanzes erstreckt sich auf den gesamten Körper: Fußgelenke, Waden und Oberschenkel werden intensiv gedehnt, Quadrizeps und Rückenmuskulatur gleichzeitig kraftvoll angespannt und diese straffende Anspannung setzt sich über die Schultern bis in die Arme hinein fort. Die Dehnung des Iliopsoas bereitet den Körper auf intensivere Rückbeugen vor und findet eine Entsprechung in der Öffnung von Bauch, Brust, Schultern und Nacken – sogar die Lungen bekommen ein Stretching.

Es passiert also eine ganze Menge. Kein Wunder, dass ich manchmal Lust habe, mich aus dem Raum zu schleichen, wenn der Krieger I an der Reihe ist. Ich tue es aber nicht. Ich bleibe auf meiner Matte und versuche, die Kommunikation in meinem Körper offen und mit ruhigem Geist stattfinden zu lassen: das Wechselspiel in der Arbeit von Armen, Beinen und Rücken und die Gedanken, die dabei aufsteigen. Indem Sie inmitten der widerstreitenden Kräften nicht nur äußere Stabilität, sondern auch innere Stetigkeit üben, kommen Sie in den Genuss des tieferen Nutzens von Virabhadrasana I: Sie entwickeln Zuversicht und den Mut, sich auch schwierigen Lebenssituationen zu stellen.

Tief geerdet
Zunächst erforschen Sie den Aufbau der Haltung in einer vorbereitenden Variante. Sie beginnen in Tadasana (Berghaltung) und legen die Hände an die Hüften. Drücken Sie das Becken kräftig nach unten. Spüren Sie, wie sein Gewicht über Beine und Füße nach unten abgeleitet wird und wie Sie sich dadurch im Boden verwurzeln. Schieben Sie alle vier Ecken der Füße gleichmäßig in den Boden: das Großzehengrundgelenk, das Kleinzehengrundgelenk, die innere und die äußere Fersenkante. Dann aktivieren Sie die Beinmuskeln, indem Sie sie wie lange Strümpfe an den Knochen nach oben ziehen. Diese aufsteigende Energie setzt sich an der Wirbelsäule entlang fort bis unter die Schädeldecke.

Jetzt machen Sie mit dem rechten Fuß einen Ausfallschritt nach hinten und beugen das linke Bein. Wählen Sie dazu einen für Sie bequemen Winkel, in dieser Variante müssen es noch keine 90 Grad sein. Nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit, um wieder die Beinmuskeln zu aktivieren. Der hintere Fuß steht zunächst gerade, Sie drücken nur den Ballen fest in die Matte, die Ferse hängt in der Luft. Dennoch schieben Sie alle vier Ecken nach unten.

Krieger_1_Arme falsch
So Nicht: Krieger 1
Krieger_1_Arme_richtig
So: Krieger 1

Legen Sie den linken Daumen von außen in die linke Leistenbeuge und vertiefen Sie die Falte etwas, die vier anderen Finger liegen außen am Oberschenkel. Diese Hand hilft Ihnen, den vorderen Oberschenkel stabil zu halten, das Knie gerade nach vorne zeigen zu lassen und den Körper nach vorne auszurichten, wenn Sie nun den rechten Oberschenkel auswärts drehen, den Fuß etwa in einen 45-Grad-Winkel bringen und die Ferse flach aufsetzen. Dabei wird die rechte Hüfte etwas nach rechts gezogen. Vermeiden Sie aber, dass sich das ganze Becken mitdreht, sonst kommt zu viel Spannung ins vordere Knie. Um den hinteren Fuß eben aufzusetzen, breiten Sie den Kleinzehballen Richtung hinterer Mattenrand aus und schieben die Fersenaußenkante bewusst in den Boden. Spüren Sie, wie dieser Impuls dafür sorgt, dass sich die Beininnenseite bis in die Leiste hinein hebt?

Der Brustkorb zeigt gerade nach vorne, wenn Sie nun die gestreckten Arme nach vorne bis auf Schulterhöhe heben. Drehen Sie von den Daumen ausgehend die Arme nach außen, so dass die Handflächen nach oben zeigen. Sie strecken die Fingerspitzen weit in den Raum hinein, halten aber zugleich die Schulterblätter fest an den Rücken geschmiegt. Dann drehen Sie vom Ellenbogen ab nur die Unterarme wieder einwärts, bis sich die Handflächen ansehen, und beginnen, die Arme langsam bis in einen 45-Grad-Winkel zu heben. Vorausgesetzt, dass die Brust weit und der Nacken frei bleiben, können Sie die Arme auch bis auf Höhe der Ohren bringen. Den Unterschied sehen Sie deutlich auf den „So“- und „So nicht“-Abbildungen. Wenn Sie merken, wie das Anheben der Arme dazu führt, dass der Nacken zwischen den Schultern verschwindet, breiten Sie die Arme V-förmig aus, anstatt sie parallel zu halten.

Das Gespräch beginnt
Jetzt ist es Zeit, die Haltung genauer zu erforschen: Als erstes stellen Sie vielleicht fest, dass sich Ihre rechte Hüfte ziemlich weit nach außen drehen muss, damit der hintere Fuß flach auf dem Boden bleiben kann. Das ist okay. Bei vielen Menschen ist es nur so möglich, den hinteren Fuß zu verwurzeln, das Bein zu strecken und die Kniescheibe in die gleiche Richtung zeigen zu lassen wie die Zehen. Und das ist wichtig, um das Knie zu schützen.

Manche Leute behaupten zwar, das Becken müsse in Virabhadrasana I gerade nach vorne zeigen, doch leider gibt es viele Menschen, die diese Anweisung unmöglich ausführen können. Und es geht in dieser Haltung auch gar nicht um die Hüften, sondern um das Verhältnis zwischen aufwärts und abwärts wirkenden Kräften, zwischen Vorder- und Rückseite, zwischen Armen und Beinen, Rippen und Becken, Atem und Körper, Himmel und Erde. Anstatt sich also um exakt nach vorne ausgerichtete Hüftknochen zu sorgen, erforschen Sie lieber die Beziehungen zwischen Oberschenkeln, Becken und unterem Rücken und lernen, die verschiedenen Teile Ihres Körpers miteinander ins Gespräch zu bringen.

Verbindung herstellen
Vergewissern Sie sich, dass der hintere (also der rechte) Fuß fest im Boden verwurzelt ist und dass das gebeugte vordere Knie gerade nach vorne zeigt. Legen Sie die Spitze des rechten Mittelfingers von vorne auf den rechten Beckenkamm und den rechten Daumen genau oberhalb davon auf den untersten Rippenbogen. Dann streichen Sie mit dem Mittelfinger langsam Richtung Daumen und locken damit die Vorderseite des Beckens nach oben Richtung Rippen. Ein leichtes Anziehen des unteren Bauchs unterstützt diese Bewegung. Beobachten Sie, wie dabei das Steißbein ganz von selbst nach unten sinkt und wie Länge im unteren Rücken entsteht. Indem Sie das Schambein nach oben ziehen, zugleich das hintere Bein anspannen und den hinteren Fuß in die Matte schieben, schaffen Sie die Voraussetzung für eine gut gestützte, sichere Rückbeuge. Diese Rückbeuge dehnt die Körpervorderseite und den Iliopsoas, einen langen Muskel, der die Innenseite des Oberschenkels mit dem unteren Rücken verbindet.

Mit dem gut aufgerichteten Becken und der Weite im unteren Rücken wird es Ihnen leichter fallen, Bauch und Brust gerade nach vorne auszurichten. Durch diese Ausrichtung bekommt die Haltung eine kleine Drehung. Der Brustkorb rollt sich nach oben und weg vom hinteren Fuß. Vielleicht folgt dabei das Becken dem Brustkorb und die rechte Hüfte wandert wieder etwas nach vorne. Das ist an sich gut, stellen Sie aber nochmals sicher, dass das hintere Knie durch einen tief im Boden verwurzelten hinteren Fuß und ein kraftvoll gestrecktes Bein geschützt ist. Falls nicht, dann drehen Sie die rechte Hüfte lieber wieder etwas zur Seite auf. Experimentieren Sie mit den verschiedenen Feinheiten und finden Sie heraus, welche Ausrichtung für Sie am besten funktioniert, so dass alle Teile Ihres Körpers eine gesunde Beziehung zueinander aufrechterhalten können.

Nachdem Sie den Krieger I fünf bis zehn Atemzüge lang gehalten haben, kehren Sie in Tadasana zurück. Dann erforschen Sie die andere Seite und setzen das Gespräch zwischen den einzelnen Elementen der Haltung fort: Das hintere Bein schiebt sich in den Boden und die Rippen antworten, indem sie sich heben. Das gibt dem Brustkorb Weite, wodurch wiederum die Arme ermutigt werden, nach oben zu steigen. Es ist wie bei einer Kettenreaktion mit Dominosteinen: Jede Bewegung löst die nächste aus. Das hintere Knie sackt nach innen? Dann müssen Sie die Arme etwas nach vorne senken, damit der hintere Fuß wieder festen Kontakt zum Boden bekommt. Auf diese Weise wird der mittlere Rücken besser gestützt und die Brust kann sich umso weiter öffnen.

Die Kräfte in Fluss bringen
Wenn Sie sich bereit fühlen, tiefer in die Haltung hineinzuwachsen, dann beginnen Sie eine zweite Runde. Sie starten wieder in Tadasana mit auf den Hüften liegenden Händen. Ein Ausfallschritt bringt das rechte Bein nach hinten und Sie verwurzeln den schräg stehenden rechten Fuß tief und gleichmäßig in der Matte. Zugleich beugen Sie das linke Knie langsam in Richtung eines 90-Grad-Winkels, so dass der linke Oberschenkel parallel zum Boden steht, das Knie aber nicht vor die Zehen kommt. Lassen Sie sich Zeit: Die Sicherheit des hinteren Knies geht hier in jedem Fall vor. Dafür muss das hintere Bein kraftvoll gestreckt sein. Sobald das Knie nach innen sackt, beugen Sie das vordere Bein etwas weniger (oder verkleinern die Schrittweite) und schieben das hintere Bein wieder fest in den Boden.

Um den Quadrizeps des vorderen Beins nicht zu stark zu beanspruchen, lassen Sie die Beinrückseite einen Teil der Arbeit übernehmen. Dazu schieben Sie die Ferse des vorderen Fußes in den Boden und ziehen sie in einer äußerlich nicht sichtbaren Bewegung nach hinten. Dieser Impuls spannt die Muskeln an der Rückseite des Oberschenkels zum Knochen hin. Vielleicht spüren Sie diese feine Bewegung nicht auf Anhieb, aber lassen Sie sich nicht entmutigen.

Nun erzeugen Sie wieder Länge im unteren Rücken, indem Sie die Vorderseite der rechten Hüfte nach oben ziehen. Dann drehen Sie Bauch und Brust nach vorn. Wenn es sich für Sie ganz natürlich anfühlt, lassen Sie zu, dass das Becken dieser Bewegung folgt. Versuchen Sie aber nicht, das Becken mit Gewalt nach vorne hin auszurichten. Sobald Knie oder unterer Rücken sich ungut anfühlen, müssen Sie wieder etwas nachlassen und zu einem stabilen, für Sie angemessenen Aufbau der Haltung zurückfinden.

Von dieser soliden Basis ausgehend, heben Sie jetzt die Arme diagonal nach oben, drücken die Handflächen gegeneinander und strecken sich himmelwärts. Beobachten Sie sich sorgfältig: Wenn sich die Brust bei dieser Bewegung verengt, dann öffnen Sie die Arme lieber. Die Brust folgt den Armen, die wie das Schwert eines Kriegers gehoben sind. Nach einigen Atemzügen lösen Sie die Haltung auf, kehren zurück zu Tadasana und üben die andere Seite.

Soweit die Anleitung. Nehmen Sie so viel davon in sich auf, wie Sie können, aber dann lassen Sie Worte und Vorstellungen auch wieder los. Verabschieden Sie sich, so gut es geht, vom konzeptuellen Denken und kommen Sie zur sinnlichen Erfahrung, die immer nur gerade jetzt ist und alle Wahrnehmungen gleichwertig auffasst: brennende Muskeln, wundervolle Dehnung, kräftiges Schwitzen, die volle Atmung in den weit geöffneten Lungen – Sie bleiben ruhig und beobachten die feinen Veränderungen im Inneren.

Sanfte Variante
Sanfte Variante: Virabhadrasana I

Sanftheit und Furchtlosigkeit sind die Waffen eines Yoga-Kriegers. Immer geht es im Yoga darum, das Verhältnis zwischen den Gegensätzen auszuloten. Die starke körperliche Anspannung unterstützt dabei einen weiten, klaren Geist. Ein Yoga-Krieger ist tief geerdet und doch geschmeidig, so kann er der Welt begegnen, wie sie ist. Das ist der Grund, warum ich mich nicht aus dem Unterricht schleiche, wenn Virabhadrasana I an der Reihe ist. Ich hätte zwar gute Lust dazu, aber ich weiß, dass es viel besser ist, zu bleiben und ein bisschen loszulassen. Dann öffnet sich ein kleiner Spalt und dieser Spalt weitet sich zu einem Raum, in dem mein Geist Ruhe finden kann. Der innere Krieger erwacht – ein pulsierendes, klares Wesen, das die innere Dauerradiosendung abstellt und auf der Frequenz des Atems Himmel und Erde vereint.

Wirkungen
– Kräftigt den Quadrizeps
– Dehnt Fußgelenke und Waden
– Dehnt den Iliopsoas und die Körpervorderseite

Gegenanzeigen
– Knieschmerzen
– Bluthochdruck


Cyndi Lee ist Autorin, Künstlerin, Yogalehrerin und Gründerin des OM Yoga Center in New York.

Das goldene Zeitalter des Yoga ist – jetzt!

Gerne verwendet die Yogawelt Worte wie „alt“ oder „traditionell“, um bestimmte Aussagen zu vermarkten. Dadurch wird impliziert, dass uns etwas Essenzielles verloren gegangen ist und wir die Missstände der modernen Welt nur dann ausräumen können, wenn wir zu den alten Werten zurückkehren. Doch haben wir uns wirklich verirrt? War die Welt früher so viel besser? Und die Menschen weiser?

Da keiner von uns zur viel beschworenen „damaligen Zeit“ lebte, kann uns niemand eine glaubwürdige Antwort liefern. Wenn ich mir allerdings manche Gegebenheiten ansehe, die als Maßstab dienen könnten, glaube ich, dass wir heute eindeutig besser dran sind. Unsere Lebenserwartung, die Menschenrechte und die Möglichkeit, andere Kulturen und Ideen kennen lernen zu können, sind ein wesentlicher Fortschritt. Die heutige Zeit ist weitaus freundlicher zu Menschen mit Zahnschmerzen, zu Homosexuellen, zu Kritikern der vorherrschenden politischen Meinung oder denjenigen, die bestimmte Konzepte von Gott oder gar die Existenz Gottes in Frage stellen.

Angesichts der Missstände der modernen Welt ist allerdings auch nachvollziehbar, weshalb sich viele Menschen in eine nostalgische, mythische und vermeintlich tugendhafte Vergangenheit zurückträumen. Diese Zuflucht in Illusion und Wunschdenken ist allerdings unproduktiv und rückwärtsgewandt. Schließlich ist es gerade im Yoga wichtig, die Aufmerksamkeit auf die Gegenwart, das Jetzt, zu richten. Die persönliche Innenschau umfasst zwar auch die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit – allerdings nur, um sich von ihr zu befreien. Daher sollten die Versprechen rund um den Nutzen des Yoga auf den Erfahrungswerten unserer Zeit beruhen.

Überhaupt: Yoga, wie wir es heute kennen, ist alles andere als althergebracht. Yoga ist kein Museumsstück – die Praxis ist ein lebendiges, atmendes, und sich stets weiterentwickelndes Konzept. Die meisten Asanas wurden erst im 20. Jahrhundert entwickelt und befinden sich weiterhin in einem evolutionären Prozess. Während der vergangenen 100 Jahre haben die Ideen und Praktiken des Yoga mehr und mehr Menschen und heute sogar globale Relevanz erreicht. Das goldene Zeitalter des Yoga ist – jetzt!

Kirtan kommt aus dem Herzen
Mit der wachsenden Yoga-Community wird auch die Praxis des Kirtan immer populärer. Viele Übende kommen durch das Chanten in Berührung mit Bhakti Yoga. Die verschiedenen Ausprägungen und Stile des Kirtan werden immer zahlreicher. Parallel wird die Frage laut, worin die „wahre“ Tradition dieser Praxis besteht. Die Diskussion ist spannend und spricht für unsere dynamische und innovative Kultur. Dennoch finde ich es wichtig, darüber nicht die Intention und Wirkung aus den Augen zu verlieren. Kirtan (Sanskrit für „singen“) ist eine der ältesten Formen spiritueller Musik. In der westlichen Welt bringen wir unweigerlich unsere eigenen kulturellen Prägungen mit. Meine Absicht ist weniger traditionell, als vielmehr authentisch zu sein. Damit meine ich, dass das, was ich tue, aus meinem Herzen kommt. Yoga stärkt das Bewusstsein, dass alles eins ist. Vor diesem Hintergrund
ist ein Verschmelzen der östlichen Kirtan-Tradition – mit seinem Fokus auf der Auflösung des Individuums – mit westlichen Musiktraditionen wie Gospel, Jazz und Rock kein Widerspruch. Zwar steht bei Letzteren der Ausdruck des Individuums im Mittelpunkt, aber alle Richtungen entstehen aus demselben Impuls heraus: Das auszudrücken, was ekstatisch, befreiend und transzendent ist. Kirtan ist volkstümliche Musik, die im Rahmen der indischen Bhakti-Bewegung im 15. Jahrhundert entstanden ist. Ursprünglich wurde er von Sängern und Musikern praktiziert, die wenig formelle Ausbildung hatten. Die Bhaktis schrieben ekstatische Liebesgedichte, die dem Göttlichen gewidmet waren, und zogen singend umher. Ihre Botschaft war einfach, aber in einer Kastengesellschaft radikal: „Kultiviere und fördere Freude. Sieh das Göttliche im Anderen. Die Liebe macht uns alle gleich.“

Kirtan ist Innovation
Jede Neuerung, etwa die Erweiterung des Spektrums an Instrumenten, die im Kirtan zum Einsatz kommen, hat für Kontroversen gesorgt. Die Einführung der Sarangi, einem Streichinstrument, das der westlichen Viola ähnelt, sorgte für Entrüstung, da sie traditionellerweise in Bordellen gespielt wurde. Tablas stammen aus der musikalischen Kultur der Perser und wurden von muslimischen Mogulen eingeführt. Die Briten steuerten das Harmonium bei, das ursprünglich christliche Gesänge begleitete. Der Kirtan hat sie alle gleichermaßen integriert. Aktuell halten in der westlichen Welt Gitarre, Bass und Schlagzeug aus der Rockmusik, Violine und Cello aus der klassischen Musik, das Hackbrett aus der Tradition der Sinti und Roma, Trompete und Saxophon aus dem Jazz Einzug. Kirtan gibt ihnen allen Raum. Innovation und Synthese sind Teil seiner Tradition.

Die Absicht des Kirtan ist Bewusstseinsveränderung. Er lädt die Sänger ein, eins zu werden mit dem Gesang – ähnlich wie Regentropfen, die wieder Teil des Ozeans werden. Was mich besonders am Kirtan fasziniert, ist das Verschwimmen der Grenzen zwischen dem Publikum und dem Künstler. Eine Menschenmenge, die gemeinsam singt und atmet, wird zu einem großen Ganzen mit einer eigenen Intelligenz – ähnlich einem Schwarm Vögel, der in völliger Harmonie die Richtung wechseln kann. Teil von so etwas zu sein, ist eine beeindruckende Erfahrung. Man fühlt sich mit den Menschen um sich herum verbunden, obwohl man sie nie zuvor
gesehen hat. Man spürt sich über die Grenzen des Selbstkonzeptes hinaus und fühlt sich lebendig.

Das Chanten öffnet unsere emotionalen Kanäle und wirkt wie eine Katharsis. Das hat zur Folge, dass sich unsere Konzentration vom Hirn zum Herz hin verlagert. Der Verstand bemüht sich, die Dinge in Kategorien einzuordnen, das Herz hingegen sehnt sich nach Einheit. Auch die neurochemischen Vorgänge beim Chanten sind beeindruckend: Singen reduziert die Aktivität in den Bereichen des Gehirns, die dafür sorgen, dass wir uns als getrennt von unserer Umwelt wahrnehmen. Dadurch verringert sich das Gefühl von Einsamkeit.

Aus linguistischer Perspektive ist Sanskrit die Mutter vieler moderner Sprachen. Es kann als eine Art göttlicher „Nonsens“ erfahren werden, der dazu dient, Unreinheiten des Geistes fort zu spülen. Mantras sind in erster Linie Rezitationen der vielen verschiedenen Namen für das Göttliche. Ihre wahre Bedeutung liegt vermutlich jedoch in dem Gefühl der Verbundenheit, des Wohlbefindens und der Zeitlosigkeit, die sie in uns auslösen.

Um Kirtan in der Tiefe zu erleben, müssen wir uns in ihn hinein begeben. Kirtan repräsentiert ein Miniaturmodell des Universums, wo jeder im Mittelpunkt steht und das Gesamtgeschehen mit beeinflusst, während er sich gleichzeitig vom Ganzen beeinflussen lässt. Kirtan ist ein Weg, Freude zu erleben und zu spüren, wie sie durch andere verstärkt wird. Kirtan ist ein Weg, um unsere Verbundenheit mit dem großen Ganzen wahrzunehmen.

Yoga basiert auf Erfahrung, nicht auf Glauben. Es fordert uns auf, zu praktizieren und unsere Erfahrungen zu beobachten, um unsere Wahrheit in unserem Herzen zu finden. Auch wenn ich die Namen hinduistischer Götter und Göttinnen singe, richte ich mich damit nicht konkret an etwas oder jemanden. Für mich stehen die Gottheiten und ihre Mythologien für die verschiedenen Kräfte, aus denen unser Universum besteht. Mich motiviert mein Interesse, einen Ort des reinen, liebenden Bewusstseins zu erreichen, der jenseits aller Bilder, Konzepte und Dinge existiert. Das ist, was ich unter „Gott“ verstehe. Ein Bewusstsein, das ich nur in Momenten tiefer, innerer Stille erfahren kann. Das Chanten bringt mich dorthin: in die unmittelbare Gegenwart.


Autor: Dave Stringer

Gongmeditation: Woher kommt der Gong?

Gongmeditation

Ihr Klang ist nicht von dieser Welt. Das Zusammenspiel mehrerer Gongs ist eines der kraftvollsten Hilfsmittel zur Meditation. Dass die Herstellung der Instrumente schwere, fokussierte Handarbeit ist, erlebte der Gongspieler und Yogalehrer Satya Singh bei einem Besuch der Gong-Manufaktur Paiste in Norddeutschland. Aber was passiert vor der Gongmeditation?

Sommer 2009 in Berlin: Auf dem weitläufigen Gelände des großen Yogafestivals am Wannsee herrscht Woodstock-Atmosphäre. Mit acht weiteren Yogalehrern und Gongspielern werde ich in wenigen Minuten im großen Zelt eine Gongmeditation spielen. Die neun Gongs auf der Bühne sollen das Zelt in einen Klangteppich verwandeln. Auf ihren Matten drängen sich die Besucher am Boden und blicken in gespannter Erwartung zu uns auf die Bühne.

Ein elementarer Teil von Yoga ist die Meditation. Seit Alters her haben die Aspiranten ihre Schwierigkeiten damit, die Gedanken im Geist zu beruhigen. Ein kraftvolles Hilfsmittel ist hierzu der Gong. Seit ich vor vielen Jahren auf einem Yogafestival in Frankreich zum ersten Mal mit Gongmeditation in Berührung kam, fasziniert mich die magische Anziehungskraft dieses Klangs. Damals spielte Nanak Dev Singh, der später mein Lehrer wurde, den Gong. Vor über fünf Jahren durfte ich mit meiner damaligen Ausbildungsgruppe erstmals die Gong-Manufaktur von Paiste im norddeutschen Rendsburg besuchen.

Auf der Suche nach der Herkunft

Der mittelständische Instrumentenbauer, seit 1901 geführt von der estnischstämmigen Paiste-Familie, spezialisierte sich auf Cymbals (Becken) und Gongs. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschlug es die Nachfahren des Gründers Michail Toomas Paiste zunächst nach Rendsburg. Später nach Nottwil in der Schweiz. Dort liegt heute der Hauptsitz der Firma, in Rendsburg findet jedoch die Hauptproduktion der Becken statt. Nach wie vor ist Paiste ein Familienunternehmen.

Nur wenigen Gruppen pro Jahr öffnet der renommierte Gonghersteller seine Türen. So können sie sich direkt einen der begehrten Paiste-Gongs auswählen. Man sagt, dass der Gong sich seinen Spieler wählt. Die Herstellung dieser alten und seltenen Instrumente erfolgt traditionell in schwerer Handarbeit. Die Männer beherrschen perfekt die Kunst, aus einer silbernen Metallscheibe einen exakt gestimmten Gong zu hämmern. Jedes ihrer Werkzeuge ist ein handgemachtes Unikat. Sie bringen die Scheibe zum Glühen und hämmern mit gezielten Schlägen den nach hinten gebogenen Rand. Der dadurch entstandene Rohling sieht aus wie der überdimensionale Kronkorken einer Bierflasche.

Pures Handwerk

Die Gongherstellung ist eine schwere und schweißtreibende Arbeit. In der Manufaktur erinnert nichts an den filigranen Klang der späteren Instrumente, der niemanden kalt lässt. Zahlreiche fertige und halbfertige Instrumente hängen in Reihen angeordnet an der Wand. Darunter auch der größte spielbare Gong der Welt. Mit seinen gut zwei Metern Durchmesser beeindruckt er jeden Besucher.

Allerdings sagen die Gongbauer selbst auf Nachfrage, dass sie noch nie gehört haben, was wir mit ihren fein gestimmten Gongs bewirken. Ihre Arbeit endet an dem Punkt, wo der Gong den Werkraum verlässt. Die Verbindung von Yoga und dem Gongspiel ist ihnen fremd. Es interessiert sie auch nicht weiter. Und doch sind es die gleichen Männer, die absolut fokussiert mit ihrem feinen Gehör die Instrumente stimmen. Jeder Gong erhält so viele Hammerschläge wie nötig, keinen mehr. Moderne Elektronik, Computer und Software sucht man hier vergebens. Ein einfaches, altes Gerät bestätigt dem Gongmeister final, dass die von ihm und seinem Team gestimmte Klangfrequenz passt. So verlassen pro Woche nur wenige der begehrten Instrumente den Werkraum.

„Der Gong ist der Kern des Klangs.“ Das sagte Yogi Bhajan, der Meister des Kundalini Yoga. Wir spielen unseren Gong nach seiner Tradition, wie er sie nur einer Handvoll Schülern persönlich weitergab. Einer von ihnen ist Nanak Dev Singh, bei dem ich meine Ausbildung durchlief. Der Gong legt die Gedankenwellen der Teilnehmer einer Meditation still, ganz nach den Worten Patanjalis. „Yogas chittá vritti nirhoda. Yoga ist das Zur-Ruhe-Kommen der Gedanken im Geist.“ Unser Gongspiel ist so kraftvoll, der Klangteppich so stark, dass die Meditierenden die Klangwellen in ihrem Körper spüren können. Wenn es ihnen gelingt, völlig die Kontrolle über ihr Selbst loszulassen, kommen sie in den Zustand der Trance. Ihre Gehirnwellen verlangsamen sich, die Gedanken stehen still, Energie durchströmt ihre Körper.

Gongmeditation

Energiearbeit mit der Gongmeditation

Yogi Bhajan sagte dazu: „The gong is not sound, the gong is resound.“ Klang und Widerhall. „Wenn du in die Berge gehst und nur ein Wort rufst, wird das Echo tausendmal mehr erschallen und tausend Meilen weiter klingen. Das ist die Kraft des widerklingenden Sounds. Wir nennen es ‚Anahad‘, den absoluten Klang ohne Grenzen.“ Der Gong klingt nicht durch den einzelnen Schlag des Spielers, er ertönt durch den Sound, der vom letzten Schlag zurückkommt. Mit ihm vermischt er sich zu einem neuen Klang. Außerdem addiert sich mit jedem einzelnen Gongschlag der Widerklang des Gongs zu einem Klangraum, der die Meditierenden trägt – der „Resound“. Er ist nicht vorhersehbar, er bedient kein Muster und verwirrt die Zuhörer. Ihr Verstand weiß ihn nicht einzuordnen. Der Gong durchbricht die Klangmuster der Teilnehmer und öffnet sie dadurch.

Seit einigen Jahren wird der Gong zunehmend als Möglichkeit entdeckt, die Teilnehmer einer Gongmeditation zu ihrem Ursprung, dem eigenen „Urton“, zu führen. Die Frequenz des Gongs ist das Om. Durch ihn erhalten wir die Chance, uns mit unserem Urton zu verbinden. Außerdem heißt es in yogischen Lehre, dass das Universum aus Klang erschaffen sei und sich alles in Frequenzen widerspiegele. Jenseits alles Physischen begann die Schöpfung mit einer Vibration. In der Bibel heißt es: „Am Anfang war das Wort.“ In der Yogalehre ist dies „Naad“, der Klang. Wissenschaftler nennen es „kosmische Strahlung“. Also der konstante Klang, der vom Urknall übrig ist. Dabei stellt die Gong-Manufaktur Paiste ihre „Planetengongs“ auf Basis von Berechnungen des Mathematikers Hans Cousto her. Jeden in der Frequenz des zugehörigen Planeten.

Beim Yogafestival Berlin bereitet Nanak Dev Singh die Festivalgäste im großen Zelt mit einer kräftigen Übungsreihe aus dem Kundalini Yoga auf die Gongmeditation vor. Heute liegt der Fokus im dritten Energiezentrum, dem Manipura-Chakra. Dieses steht für innere Stärke, Kraft, Selbstbewusstsein, Fülle und Durchsetzungsvermögen. Damit ausgestattet und aufgeweckt, sind die Teilnehmer bestens für die Wirkung des Gongs vorbereitet. Dabei legen sie sich flach auf den Rücken in Savasana, decken sich zu und entspannen sich. Wir spielen die ersten Töne der Gongs, die noch ganz leise klingen und doch bereits beginnen, den Klangteppich auszubreiten.

Der weiße Sound

„Spüre den Energiefluss der Gruppe und schaffe den Energiefluss, der vom Gong ausgeht“, sagt Nanak Dev. „Du selbst bist als Gongspieler nur ein hauchdünnes Papier. Du reagierst nicht. Durch dieses hauchdünne Medium nimmt dein Bewusstsein Informationen auf, die genutzt werden, um die Meditation zu führen.“ Seitdem weiß ich: Je reiner mein Bewusstsein ist, je fokussierter ich spiele, desto reiner sind die Informationen, die durch mein Nervensystem gehen und sich im Gongspiel manifestieren. Denn diese Reinheit ist wichtig, um sich auf die Schwingungen der energetischen Blockaden – alte Muster, Verletzungen oder Krankheiten – der Teilnehmer einzustimmen und sie zu neutralisieren. Als Yogalehrer und Gongspieler bin ich nur ein Kanal, der die Informationen und Schwingungen der Teilnehmer aufnimmt und sie in der entgegengesetzten Richtung wieder abgibt.

Langsam kommen in Berlin die neun Gongs zu ihrem Höhepunkt – dem „weißen Sound“. Er ertönt klar und rein, ist pure Kraft, nichts kann ihm widerstehen. Die Lautstärke ist für viele unbeschreiblich. Dieser Sound ist Anahad. „Er vibriert, erschafft Licht und Leben“, so Yogi Bhajan. Ich fokussiere all meine Konzentration auf den Gong und halte die Energie.

Nach dem weißen Sound sind viele Teilnehmer*innen völlig offen. Alte Muster und Blockaden wurden gelöst. Wir lassen unsere mächtigen Instrumente in langen Wellen ausklingen und führen die Meditierenden wieder zurück. In dieser Phase bringen wir unsere Schüler wie Bergführer vom Gipfel wieder sicher zurück ins Tal. Allerdings kämpften manche Teilnehmer innerlich mit dem Gong. Dabei bedeutet die Hingabe zu ihm das Loslassen der Kontrolle über sich selbst. Allerdings möchte der eine oder andere Verstand diese Kontrolle nicht abgeben.

Kopf, Brust und Bauch

Einer der Gongbauer bei Paiste fragt mich: „Warum nennt ihr den Höhepunkt des Gongs‚ weißer Sound?“ Wenn seine Energie am stärksten ist, die Lautstärke und Frequenz am höchsten sind, sprechen wir vom „weißen Sound“. Er ist mit direktem Sonnenlicht vergleichbar, das ohne Brechung auf uns strahlt. Es ist weiß, klar und bringt die höchste, reinste Energie mit sich. Der Gongbauer findet dies offensichtlich spannend. Trotzdem sind ihm Yoga und Meditation eher fremd.

Mit einer Zigarette im Mund erklärt er mir die Frequenz der drei Sound Creation-Gongs „Kopf“, „Brust“ und „Bauch“. Diese Gongs sind nach der Frequenz des Kopfes, der Brust und des Bauches gestimmt und werden auch so aufgehängt. Der „Kopf“-Gong ist der kleinste, seine Frequenz ist am schnellsten, er tönt am höchsten. Der Brustbereich mit dem Klangraum des Brustkorbes entspricht einer mittleren Frequenz und soll diesen Teil des Körpers aktivieren und öffnen. Der „Bauch“-Gong aktiviert den Klangraum zwischen Bauchnabel und Becken. Er ist der größte des Dreier-Ensembles und klingt am tiefsten, womit die Frequenz am langsamsten schwingt.

Sein Kollege rollt gerade einen Gong auf seiner Kante durch den Raum. Dann kommt mir der Gedanke, wie unterschiedlich wir doch alle sind. Hier der ehrfürchtige Gongspieler und Yogalehrer, der es kaum wagt, seinen Gong anzufassen, geschweige denn, ihn auf der Kante zu rollen. Dort der handwerklich geniale Gongbauer, dessen Aufgabe mit der Fertigstellung dieser mächtigen Instrumente endet. Aber auf ihren weiteren Weg hat er keinen Einfluss. Dieser führt keineswegs nur zu Yoga und  Meditation. Denn er stellt sie auch für Symphonie-Musiker und Heavy Metal-Schlagzeuger wie beispielsweise Nicko McBrain von Iron Maiden her. Berühmte Paiste-Gong-Sequenzen aus der Rockmusik finden wir unter anderem bei Queen im Song „Bohemian Rhapsody“ oder Led Zeppelins „What Is And What Should Never Be.“

Mehr über wichtige Konzepte in Yoga und Meditation findest du im Yoga World Glossar.


Gong_paiste

Mehr Infos über den Gong, Gongmeditation und Wirkung finden sich unter www.gongmeditation.de.
Autor: Satya Singh A.J. Renner; Fotos: Lucie Jansch
; Titelfoto von cottonbro von Pexels