Ausrichtung und Freude

Seit 2004 bieten Vilas und Lalleshvari in Berlin Yoga für moderne Stadtbewohner. Ihr City Yoga ist das einzige lizenzierte Anusara-Yogastudio in Europa. YOGA JOURNAL sprach mit den beiden Lehrern über Schlüsselerlebnisse auf ihrem Weg.

YOGA JOURNAL: Wie seid ihr zum Yoga gekommen und seit wann praktiziert ihr?
LALLA: Ich übe seit 1995 und bin durch ein Buch zum Yoga gekommen, das eine Bekannte bei uns im Gästezimmer liegen gelassen hat. Es hieß in etwa „Das große Yogabuch“, allerdings erinnere ich mich nicht mehr an den genauen Titel. Ich habe meine Bekannte angerufen und ihr gesagt, dass ich es ihr nachschicken ­werde. Sie meinte: „Lass mal, behalt‘s, wer weiß…?“
VILAS: Ich bin durch Lalla zum Yoga gekommen, und weil sie mich nicht in Ruhe hat frühstücken lassen…. (lacht). Ich wollte mich mit Lalla in Los Angeles zum Frühstücken treffen. Nebenan war ein Yogastudio. Sie sagte: „Warum kommst du nicht mit ins Yogastudio und wir frühstücken danach?“ Dort habe ich zum ersten Mal eine Anusara-Lehrerin getroffen, die mich sehr faszinierte. Ich dachte, wenn das Yoga ist und so unterrichtet wird, könnte ich mir vorstellen, so Yoga zu praktizieren. Die Lehrerin hieß Tara Judelle. Später, nach meiner schweren Verletzung, habe ich mich an diese Lehrerin erinnert. Mit der Suche nach ihr begann meine intensive Yogapraxis.

Welchen Yogastil übt beziehungsweise unterrichtet ihr und warum gerade diesen?
L: Wir praktizieren Anusara Yoga. Es ist die intelligente Herangehensweise an eine intensive Yogapraxis; die Erkenntnis, dass es Yoga für einen weniger beweglichen, oft auch schwereren, weniger flexiblen westlichen Körper geben muss. Wichtig sind auch die wunderbaren Ausrichtungsprinzipien und die freudige Herangehensweise. Anusara Yoga ist nicht dogmatisierend, sondern sehr frei. Die Erkenntnis, dass alles in uns steckt und durch Yoga herauskommen darf.
V: Für mich ist es die Lebensfreude: Dies trifft sich mit meinem Naturell, Ja zum Leben zu sagen. Darüber hinaus ­fasziniert mich die großartige Shiva-Shakti-Philosophie, die eine Lebensform schafft, die wir täglich kultivieren und intensiv leben.

Was war euer schönstes Yogaerlebnis, zum ­Beispiel während eines Retreats, einer ­Ausbildung, im Unterricht…?
V: Die schönste Yogaerfahrung ist die regelmäßige tägliche Praxis mit Lalla. Sie ist immer da. Wir wachsen täglich, wir erfahren täglich etwas Neues, was uns erfüllt. Wir machen jeden Tag neue verrückte, inspirierende Sachen, die uns bereichern und weiterbringen. Das ist das Herausragendste. Wenn man eine Person nennen will, dann war es diese erste, oben beschriebene Yogaerfahrung mit Tara Judelle.
L: Ich kann mich dem nur anschließen. Ich habe kein spezielles Highlight. Für mich ist es die Summe aller Erfahrungen, die das große Ganze bringt.

Wenn ihr neben einem “Promi” Yoga üben dürftet: Neben welcher Person würdet ihr eure Matte ausrollen und warum gerade diese Person?
L: Ich hatte eine Erfahrung in einem Teacher-Training. Mary Romeu hat uns nur 20 Minuten unterrichtet. Es war so kraftvoll, dass ich mir gewünscht hätte, sie wäre neben mir. Es war eine sehr erkenntnisreiche Erfahrung, wenn nicht sogar erleuchtend. Ich habe sie sehr nahe gespürt.
V: Für mich war Mary ebenfalls eine Schlüsselerfahrung als Lehrerin. Sie ist eine Lehrerin, die ich noch immer in mir trage, wenn ich praktiziere. Sie ist mir auch sehr tief verbunden, da ich durch sie meinen yogischen Namen erhalten habe.

Wenn ihr auf eine einsame Insel auswandern müsstet, welche zwei Yogabücher würdet ihr mitnehmen?
V: „Space and Illusion“, ein japanisches Gartenbuch, und die „Vijnana Bhairava“. Mit diesen beiden Büchern kann ich locker ein Jahr verbringen.
L: Die „Bhagavad Gita“ und ein leeres Buch.

Nachgefragt bei Nana Merz

„Der Handstand – wie erlernt man ihn am Besten?“

 

1.21. tivrasamveganamasannah

„Je stärker wir das Vertauen in uns spüren und je intensiver unsere Bemühungen sind, desto näher rückt das Ziel.“

In diesem Yoga Sutra von Patanjali finden sich zwei wesentliche Voraussetzungen, um Adho Mukha Vrikshasana, den Handstand, zu erlernen: Vertrauen und Üben.

Ein Kleinkind, das nach dem Krabbeln irgendwann laufen lernt, steht vor einer Herausforderung. Das Laufen auf zwei Beinen erscheint erst einmal ungeheuer schwierig: Die Schwerkraft wirkt und lässt das Kind nur mühsam die Balance finden. Dennoch meistert es die Situation – mit Vertrauen und Mut. Es lässt sich nicht entmutigen! Was liegt näher, als sich beim Üben einer Umkehrhaltung an die Zeit zu erinnern, in der das Erlernen elementarer Dinge unser ganzes Bemühen, unsere Leidenschaft und unser Vertrauen in das Leben forderte?

Nach einigen vorbereitenden Übungen, die gleichermaßen Kraft und Flexibilität in Schultern und Armen sowie eine gute Körperspannung aufbauen, kann der Kick nach oben in den Handstand gewagt werden. Wenn meine Schüler diesen alleine an der Wand beherrschen (also die Prinzipien der Übung verstanden und umgesetzt haben), motiviere ich sie, den Abstand zur Wand schrittweise zu vergrößern. Dadurch tritt nach und nach die Sicherheit der Wand in den Hintergrund.

Da Yoga eine Erfahrungswissenschaft ist und es so viele Handstände gibt wie ausführende Menschen, muss jeder seinen eigenen Weg in die Stellung finden. Jeder Yogi kennt das Phänomen: Manche Hinweise des Lehrers, die sich auf ganz verschiedene Aspekte einer Asana beziehen, gehen einfach an einem vorbei, als hätte man sie gar nicht gehört. Zu diesem Zeitpunkt sind Verstand und Körper noch nicht bereit. Es kommt jedoch der Tag, an dem man die Instruktionen aufnehmen und umsetzen kann. Vielleicht ist man in der letzten Yogastunde im Handstand umgekippt und hat dabei festgestellt, dass nichts Schlimmes geschieht. Man hat Vertrauen gefunden. Dieses Mal kommt vielleicht ein tief vergrabenes Potential ans Licht und plötzlich hält man mit spielerischer Leichtigkeit die Balance. Manchmal geht es einfach darum, in den Raum der Möglichkeiten zu treten und sich von sich selbst überraschen zu lassen.

Zur korrekten Ausrichtung gibt es viele Anleitungen, beispielsweise die exakte Ausrichtung der Gelenke oder der richtige Abstand zwischen den Händen. Der absolute Aha-Effekt tritt allerdings meist nach längerer Übung ein, wenn man die Möglichkeit des Fingereinsatzes entdeckt. Die Finger können den Rest des Körpers ausbalancieren, wenn sie effektiv eingesetzt werden und eine stabile Verbindung zur Erde entsteht. Wenn man von einem „Geheimnis“ des Handstandes sprechen kann, ist es sicher auf der körperlichen Ebene der Kontakt der Hände zum Boden – und auf der psychischen Ebene das (Ur)vertrauen und die damit verbundene positive Einstellung der Umwelt gegenüber.

Beim Erlernen fortgeschrittener Asanas brauchen wir immer eine Mischung aus Beharrlichkeit (abyasa) und Gleichmut (vairagya). Gemäß dem Motto: „Niemand ist ein besserer Mensch, weil er einen freien Handstand beherrscht“, sollte beim Üben vor allem die Freude am Tun dominieren. Yoga dient immer einer größer werdenden Bewusstheit. Sich selbst beim Erlernen des Handstands zu beobachten ist aufschlussreich. Auf einer gewissen Ebene kann es Wachstum bedeuten, wenn die äußere Form der Asana weniger vordergründig ist und man versteht, worum es eigentlich geht. Wenn wir voller Vertrauen und Mut üben, nach jedem Umfallen lachend wieder aufstehen und weiter probieren – wie das Kleinkind beim Laufen lernen – schenkt uns Adho Mukha Vrikshasana Leichtigkeit, Lebensfreude und Energie. Das sind die Qualitäten unserer Kindheit. Dann ist es gleichgültig, ob wir einen oder 25 Atemzüge lang im Handstand stehen. Also: Entdecke das Kind in Dir und spiele!

 

Nana Merz ist seit vielen Jahren begeisterte (Handstand-)Übende, Yogalehrerin und Yoga Coach. Sie wirkt als Dozentin bei Ausbildungen mit und leitet das Institut für Yoga in Darmstadt (www.satyayoga.de).

Yogabekenntnisse einer Insiderin

Dieses Buch will mein Leben nicht verändern. Was schon mal wahnsinnig angenehm ist für ein Yogabuch. Eine irre Entspannung. Der Text ist eher wie die viel beschworene Nackenmassage nach einer Jivamukti-Stunde. Fühlt sich toll an, geht vorüber und hinterlässt ein angenehmes Gefühl. Man könnte auch sagen, „Alle sind erleuchtet“ gleicht einer der rasanten Fahrradfahrten der Autorin durch diverse Großstadt-Parks. Wir spüren den Fahrtwind, die pure Geschwindigkeit macht riesig Spaß. Bei der Reise durch die aktuelle Yogaszene und die der letzten 15 Jahre in mindestens drei Ländern fliegen die Haare. Wir legen uns in die Kurve in New York, in London geht es mitunter bergauf, in Berlin geht es dann vor allem leicht voran. Dieser Spaß an der Schnelligkeit der Sprache, an der Spontanität der Einfälle, an der eigenen Schlagfertigkeit steht im allerschönsten Kontrast zu manch anderen Auskünften über Yoga. Den einen oder anderen Artikel in Yogazeitschriften durchaus mit eingeschlossen. Bei Kristin Rübesamen ist nichts betulich, esoterisch, peinlich. Keine Bekehrung, keine Belehrung in Sicht, keine Erweckung gefordert, keine aufdringliche Sinnsuche bei der Sinnsuche. Hier hat jemand eine erfrischende und neue Sprache zur Beschreibung der Yogawelt gefunden. Natürlich ist „Alle sind erleuchtet“ ein Entwicklungsroman und irgendwie ein Bilanzbuch. Auch spürt der Leser deutlich das „time of my life“-Gefühl am Anfang in New York. Aber es geht eben immer flott weiter.Die Szene wird sich wieder erkennen. Alle Stars sind dabei. Alle wichtigen Spielorte kommen vor. Das Milieu wird wunderbar genau beschrieben, nichts ist erfunden. Wir befinden uns mitsamt unserer Yogafamilie im Wohnzimmer und im Studio. Wir können also mitreden. Das Besondere ist jedoch weder eine nachträgliche kritische Distanziertheit noch die Analyse dieser Verhältnisse, die tatsächlich oft nervt weil sie so gewollt daher kommt. Vielmehr ist es der Humor und das Bekenntnis, immer wieder unbedingt mitmachen zu wollen. Kristin Rübesamen ist eben ein Familienmensch.

Es ist außerdem die Sympathie mit den großen und kleinen Fehlern im System und mit den Menschen, die das Buch bestimmt. Manchmal wäre ich viel, viel deutlicher geworden mit einer Ablehnung, mit Kritik und sogar mit dem Verdammen bestimmter Entwicklungen im Yoga. An einigen Stellen dachte ich fast ungeduldig, da müsste man doch jetzt einmal endlich diesen Leuten… die Meinung…! Ob das fruchtbarer wäre für den Leser? Man ist der Autorin dankbar für die pointierte Beschreibung und nicht für ständige Aufklärung. Viele Lehrer und Schüler werden die Kritik und Selbstkritik trotzdem verstehen und auch über sich lachen können.

Das heißt nicht, dass das Buch nicht ausreichend ernste Absätze bietet. Jeder darf überlegen wie asozial oder wie egoistisch er durch Yoga wird; oder auch nur wie langweilig. „Wer durch Yoga gerettet werden will, wird bitter enttäuscht werden. Yoga kann viel, aber nicht alles“, schreibt die Autorin. Und deswegen will uns auch dieses Buch nicht retten. Iyengar wird zitiert, damit wir nicht vergessen: „Der Verstand muss schwitzen, und zwar zu 100 Prozent.“ Sich weder das eigene Denken vor lauter Ehrfurcht oder aus Bequemlichkeit, noch das Lachen vor lauter Ernsthaftigkeit im Yoga abgewöhnen lassen – Das ist die Botschaft.

 

 Michi Kern

„Alle sind erleuchtet“ von Kristin Rübesamen (Berlin Verlag, 19,95 Euro)

Her mit den Dämonen: Gemeinsam geht es besser

Orange Kerze Hand innere Dämonen
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Gemeinsam geht es besser. Wenn man mit seinen Dämonen geschickt umgeht, sind sie die besten Helfer zum Glücklichsein. Manchmal werden wir im Ashram beneidet. Weil hier nur friedliebende Menschen sind, die gerne meditieren. So eine Umgebung wünscht sich ja eigentlich jeder. Ohne die ganzen Anforderungen des Alltags wäre vieles einfacher. Und tatsächlich kann so ein Leben auch sehr glücklich sein. Allerdings nicht immer so, wie man es sich zunächst vorgestellt hat.

Selbst die Götter hatten es früher im Himmel schwer. Ständig diese Kämpfe mit den Dämonen. Und mal wieder können wir von den Göttern lernen. Die ewigen Auseinandersetzungen mit den Asuras hatten die Devas bereits so ausgezehrt, dass sie beschlossen, endlich den Nektar der Unsterblichkeit zu finden, um dadurch alle Sorgen um die eigene Existenz los zu sein. Sie gingen zu ihrem Chef, um sich Hilfe zu holen. Brahma erklärte ihnen, dass der lebensspendende Amrita nur in einem gemeinsamen Akt mit den Dämonen zu holen sei, und gab ihnen dann eine Bauanleitung für die größte Küchenmaschine der Welt. Damit die Kräfte der Dunkelheit und des Lichts zusammen wirken könnten, empfahl er den Berg Kailash in die Mitte des großen Milchsees zu stellen, auf dessen Grund das Elixier verborgen war.

Die Schlange der Ewigkeit würde als Antriebsseil dienen, an dem Gut und Böse wechselseitig ziehen müssten, um so das kostbare Elixier zu gewinnen. Die Götter waren zwar ängstlich, weil die Dämonen dadurch ja auch gestärkt werden würden. Vishnu deutete jedoch an, ihm würde schon etwas einfallen. Von beiden Seiten wurde nun gearbeitet. Statt des wundervollen Nektars kam jedoch plötzlich das furchtbare Gift Hala Hala zum Vorschein, das die Welt zu vernichten drohte. Das kennen wahrscheinlich die meisten von uns.

Die Gefahr aus der Mitte

Der Kailash ist nicht nur das Zentrum des Universums, er repräsentiert auch unsere eigene Mitte. Und wenn wir uns auf den spirituellen Weg begeben. Hin- und hergerissen vom Wunsch, ein meditatives Leben zu führen, und alten bequemen Gewohnheiten. So fallen uns auf einmal unendlich viele Negativitäten an uns selbst auf. Oft projizieren wir die dann lieber auf andere „Störenfriede“, statt sie in uns selbst zu akzeptieren. Solche Menschen meiden wir, und ärgern uns darüber, wie feindselig die Welt ist. Wenn wir uns dann noch selbst Vorwürfe dafür machen, ist der Kreislauf der Selbstvergiftung komplett, und es hilft nur noch eines. Aufhören zu kämpfen. In der Geschichte erklärt der barmherzige Shiva sich bereit, das Gift selber zu trinken.

Die Inder haben manchmal eine sehr befreiende Weltsicht. Unsere eigenen Handlungen bestimmen einen guten Teil unseres Lebens. Aber am Ende führt vor allem die Göttliche Gnade zur Befreiung. Wir müssen nicht alles selbst machen. Als schließlich der Nektar zum Vorschein kam, freuten sich die Götter. Die Dämonen wollten natürlich auch ihren Anteil. Gott sei dank wissen wir schon, dass sie in den Geschichten immer verlieren. Denn während Vishnu die Asuras ablenkte, genossen die Devas das Elixier, und der vermeintliche Kampf war erstmal zugunsten der Guten entschieden. Aber hatte überhaupt wirklich ein Krieg stattgefunden? Schließlich hätte das Licht ohne die Kraft des Schattens nicht „siegen“ können. Bei genauem Hinschauen verliert die Dualität ihren Schrecken. Und das, was böse schien, war eine hilfreiche Kraft.

Hilfe annehmen

Jeden Tag bemerke ich bei Menschen etwas, das mich stört. Seltsamerweise gerade hier, wo ich wohne. An einem Ort, den so viele Leute als heilsam ansehen. Ich vergesse oft, dass er das wirklich sein kann, und erblicke Probleme. Wenn ich allerdings genau hinschaue, sehe ich, dass alle Menschen in meiner Umgebung auch stets Geschenke mitbringen. Denn alleine würde ich hier auf der Welt ganz schön hilflos aussehen. So kommen wir in die Balance aus geben und nehmen.

Wenn mir auch manchmal scheint, es ginge mir besser, wenn wenigstens die schlimmsten Individuen von der Bildfläche verschwänden. Am Ende weiß ich, dass wir alle miteinander arbeiten. Dass wir uns gegenseitig unterstützen, beim ewigen Glücklichsein. So erlebe ich jeden Tag mehr, dass ich bei Menschen um mich herum etwas bemerke, dass ich schätze. Dieser „Nektar des Lebens“ den ich immer koste, wenn ich mich daran erinnere, macht mich froh, nicht alleine zu sein. Es funktioniert übrigens auch wenn man in der Kölner Innenstadt wohnt. Und an allen anderen Orten auf der Welt.


RALF STURMs Geschichten von den Göttern gibt es zusammen mit Yoga-Übungen von Katharina Middendorf im Buch und auf der CD “Götter-Yoga”. Mehr zu ihm und seiner Arbeit unter www.ralfsturm.de

Was heißt eigentlich: Nadi?

Als Nadis werden die feinstofflichen Kanäle bezeichnet, durch die prana (Lebensenergie) im Körper fließt. In manchen Texten heißt es, es gäbe insgesamt 72.000. Andere Quellen erklären 72 für besonders wichtig.

Ausgangspunkt der Nadis, die sich entlang der Wirbelsäule befinden sollen, ist der Kanda: Er sitzt im Beckenbodenbereich, der Basis der Energien. Auf der feinstofflichen Ebene soll dort außerdem die verborgene „Schlangen-Kraft“ (Kundalini) „aufgerollt“ oder „geringelt“ liegen.

Von besonderer Bedeutung sind drei Hauptleitbahnen: der zentrale Kanal, die Sushumna, sowie Ida- und Pingala-Nadi, die links und rechts von Sushumna zu finden sind. Nadi-Chakra bezeichnet die Gesamtheit der Nervenkanäle.

Wenn die Nadis verstopft sind, kann Prana nicht frei zirkulieren und den Körper nicht mehr mit Energie versorgen. Durch Nadi-Shodhana können die Kanäle gereinigt werden. Diese Art der Reinigung kann durch regelmäßige Asana-Praxis erfolgen oder durch bestimmte Atem- und Meditationsübungen.

Nadi-Shodhana bezeichnet außerdem eine Praktik der Wechselatmung, bei der jeweils ein Nasenloch abwechselnd beim Aus- bzw. Einatmen verschlossen wird.

 

Quelle: „Das Yoga-Lexikon“ von Wilfried Huchzermeyer

 

Spring-Time

Kopf oder Zahl? Der Münzwurf ist ein schönes Bild dafür, dass es meist mehrere Blickwinkel gibt, aus der sich eine Situation betrachten lässt. Im Falle der Münze sind es mindestens zwei; und es soll sich bitte für einen davon entschieden werden. Bei ihrem neuen Album „Changing“ wollte die aus New York stammende Sängerin Spring diese Entscheidung nicht treffen. Vielmehr stellt sie die Münze auf den Rand, schnippt mit dem Finger dagegen und lässt den Zuhörer erleben, wie eine Scheibe zur Kugel wird. Auf den insgesamt zehn Titeln des Albums ist eine Vielzahl an Elementen vertreten. Auf der einen Seite sind da die gesungenen Mantras – in hebräischer Sprache und auf Sanskrit. Auf der anderen Seite gibt es eine Vielzahl an Songwriter-Titeln, die sich nahtlos und harmonisch in das Konzept eingliedern. Alle Stücke unterscheiden sich stark in ihrem Tempo. Wo gerade noch ekstatisch Wiederholung um Wiederholung gesungen wird, wechselt das Timbre im nächsten Track zu treibenden Folk-Klängen. Sie werden durch einige experimentelle synthetische Sounds ergänzt, die aber dem Wesen der Platte nicht widersprechen. Vielmehr entsteht eine sehr stimmungsvolle und abenteuerliche Reise an die Grenze zwischen Entspannung und Anregung. Das Fazit: Bei „Changing“ muss man sich eben nicht entscheiden. Die Münze bleibt in Bewegung.

 

Emanuel Prestele

Was heißt eigentlich: Sankhya?

Sankhya (Sanskrit: सांख्य sprich: samkhya) gehört zu den sechs orthodoxen Systemen des Hinduismus (shaddarshana). Der Weise Kapila begründete diese spirituelle Befreiungslehre, die wörtlich übersetzt „Zahl“, „Aufzählung“ oder „Ergründung“ bedeutet. Darin werden 25 tattvas (Grundprinzipien, Elemente) erläutert, die das Zusammenwirken zwischen dem individuellen Menschen und dem kosmischen Bewusstsein beeinflussen.

Die sankhya-Philosophie beschäftigt sich mit der Frage, wie sich der Mensch aus dem Kreislauf der Wiedergeburten und damit von Leid und Schmerz befreien kann. Der Schlüssel dazu, so die sankhya-Lehre, ist die Erkenntnis, dass die beiden tattvas „purusha“ (das reine, freie Bewusstsein) und „prakriti“ (alle stofflichen und psychischen Ercheinungsfomen) getrennt voneinander zu betrachten sind. Da sich normalerweise purusha mit prakriti identifiziert und die Dualität nicht mehr erkennt, entsteht für den Menschen Leid und Schmerz. Die Philosophie des sankhya zu erkennen, wirkt daher erlösend.

Zwischen sankhya, einer der ältesten Philosophien Indiens und Yoga bestand schon früh eine Verbindung: In der Bhagavad Gita steht sankhya für „jnana„(Erkenntnis) und Yoga für für den Weg der Werke: „karma-yoga„. Sankhya liefert sozusagen die Theorie und Yoga die Praxis. Beide Ansätze führen jedoch zum selben Ziel und wahre Erkenntnis besitzt jener, „der sankhya und yoga als eins erkennt“.

 

Quelle: „Das Yoga-Lexikon“ von Wilfried Huchzermeyer

 

Was heißt eigentlich: Japa

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Der Begriff Japa kommt aus dem Sanskrit (जप, sprich: dschappa) und bedeutet soviel wie „flüstern“ oder „murmeln“. Japa ist die laute oder leise Wiederholung eines Mantras, das heißt, einer oder mehrerer heiliger Silben, Wörter oder Wortkombinationen. Ziel ist es, die im Mantra verkörperte Wahrheit zu verwirklichen. Oft wird auch von Japa-Yoga oder Mantra-Yoga gesprochen. Japa wird nicht nur im Hinduismus, sondern auch im Buddhismus und im Sikhismus praktiziert.

Das Ziel eines Japas kann entweder weltlich sein und etwa die Bitte um Wohlstand und Gesundheit beinhalten. Oder er ist spirituell und wird vom Wunsch nach der Verwirklichung Gottes getragen.

Die Schwingungen, die durch das Mantra entstehen, sollen schließlich zum Ziel führen: Man geht davon aus, dass die Wiederholungen, der Japa, auf der feinstofflichen Ebene die Bedingungen dafür schaffen.

In der praktischen Durchführung gibt es vier Aspekte des Japa: 1. vacika oder vaikhari: Hier wird das Mantra klar, deutlich und laut gesprochen. 2. upamsu: Die Worte werden vernehmbar, aber mit sehr leiser Stimme wiederholt. 3. manasa: Die Worte werden ohne Teilnahme der Stimmorgane oder der Lippen mental wiederholt. 4. likhita: Die Wiederholung findet nur in schriftlicher Form statt.

Gerne wird in der Ausführung eine Kette verwendet, ähnlich dem christlichen Rosenkranz, eine sogenannte Japa-Mala. Sie besteht aus 108 kleinen Perlen, von denen eine etwas größer ist, als die anderen. Die Perlen werden beim Aufsagen des Mantra zwischen Daumen und Mittelfinger der rechten Hand gerollt.

Wird die größte Perle erreicht, wandern die Finger für weitere 108 Wiederholungen zurück.

Viele Texte, wie das Yogasutra, empfehlen für Japa besonders die heilige Silbe Om (auch aum; Sanskrit: ॐ ).

 

Quelle: „Das Yoga-Lexikon“ von Wilfried Huchzermeyer