Tatort Gemüsebeet

Sich ein Jahr lang ausschließlich regional zu ernähren: Dieser Herausforderung hat sich Andreas Hoppe aka „Tatort“-Kommissar Mario Kopper gestellt und zusammen mit Co-Autorin Jacqueline Roussety in einer Art Tagebuch dokumentiert. Auslöser für das Experiment waren der langjährige Konsum des Catering-Essens bei seinen Drehs und der folgende Impuls sich gesünder zu ernähren. Im Verlauf der Öko-Odyssee bemerkt der in Berlin lebende Schauspieler schnell, dass regionale Ernährung weit mehr bedeutet als im trendigen Bio-Supermarkt in Kreuzberg einkaufen zu gehen. Er beginnt auf seinem kleinem Hof in Mecklenburg Obst und Gemüse anzupflanzen und lässt den Leser an sämtlichen Höhen und Tiefen teilhaben, die die Selbstversorung mit sich bringt. Amüsant: Hoppe vergleicht ein Gemüsebeet mit einer Yogagruppe inklusive Dill und Majoran als Gurus – „weil sie schädliche Einflüsse fernhalten und mit allen gut können“. Fazit: Unterhaltsamer Selbstversuch, der an manchen Stellen ein wenig naiv geraten ist, für Jetzt-schon-Ökos vermutlich zu banal. Für alle Anderen ein kurzweiliger Einstieg in die Welt der Bio-Läden und regionalen Ernährung.

 

 

„Allein unter Gurken – mein abenteuerlicher Versuch mich regional zu ernähren“ von Andreas Hoppe (Pendo Verlag, 16,95 Euro)

DVD-Tipp: David wants to fly

Nach der Filmhochschule hat der junge Regisseur David Sieveking ein großes Ziel: Wie sein großes Idol David Lynch möchte er „abgründige“ Filme drehen. Doch genau das fehlt ihm in seinem Leben: die Abgründe…

Im Bestreben, seinem Idol und Namensvetter näher zu kommen, stößt der Berliner Filmemacher auf die Transzendentale Meditation (TM) und die Geschichte ihres Gründers, des Beatles- und Hollywood-Gurus Maharishi Mahesh Yogi. Sieveking beginnt, selbst TM zu praktizieren, erlebt wahre Höhenflüge und fühlt sich bald „wie in einem Fahrstuhl, dessen Seile abgeschnitten wurden“. Überwältigender Nebeneffekt ist die persönliche Begegnung mit Meisterregisseur  Lynch, der ihm rät, beim Filmemachen und im Leben seine „eigene Wahrheit“ zu finden.

Als Sieveking diesen Rat beherzigt und tiefer in die TM-Materie einsteigt, tun sich allerdings Ungereimtheiten auf, die jedes David Lynch-Films würdig wären: Die Organisation behindert die Recherchen, in Indien, den USA und Deutschland berichten Zeitzeugen und TM-Aussteiger von bizarren Umtrieben des Gurus und seines Umfelds. Schließlich droht sogar David Lynch mit einer Klage.

Faszinierend obskur: Seine persönliche und filmische Odysee durch die Transzendentale Meditation hat David Sieveking zum sehr persönlichen, kritischen und spannenden Dokumentarfilm „David Wants To Fly“ verarbeitet. Sein Fazit: „Menschen, die wissen, wo’s lang geht, können einen ganz schön in die Irre führen.“

 

„Yoga schafft Realität“

Im alternativen New York der 80er Jahre kombinierten Sharon Gannon und David Life die Energie von Musik, Tanz und traditionellem Yoga zu einer Methode, die bis heute vor allem in urbanen Szene-Vierteln begeistert praktiziert wird. Ihr Jivamukti Yoga ist kraftvoll, kreativ, politisch – und absichtlich hip. “Yoga kann nicht angesagt genug sein”, sagen die ehemaligen Performance Künstler im YOGA JOURNAL -Interview anlässlich des Jivamukti Tribe Gatherings in München.

Interview: Christina Raftery  Foto: Gion

 

YOGA JOURNAL: Sharon und David, anlässlich eures Besuchs in Berlin, Hamburg und München haben euch viele Menschen erlebt, die nicht viel mit Yoga zu tun haben, aber definitiv schon von Jivamukti Yoga und seinen prominenten Schülern gehört haben. Wie nutzt ihr diese Popularität?

Sharon Gannon: Popularität treibt seltsame Blüten. Als wir im November in Kolumbien waren, wurden wir von der Presse als “Los Gurúes de Yoga y Sexo Tántrico de Sting” angekündigt. Da waren wir durchaus etwas verlegen….

David Life: Nicht nur die Menschen, die Yoga üben, sollten von Yoga wissen. Unsere Gesellschaft befindet sich an einem sozialen und ökologischen Wendepunkt, der uns vor bestimmte Aufgaben stellt. Yoga gibt unseren Vorschlägen für ein Leben in Harmonie mit dem Planeten Integrität. Seine Popularität nutzen wir, um sie zu verbreiten und ein Netzwerk von Interessierten aufzubauen.

 

YJ: Der Beginn einer Yoga-Praxis bedeutet oft einen Wendepunkt im Leben. Über körperliche Übungen finden wir Verbindung zu allem Lebenden, denken und handeln aus neuen Perspektiven. Wir denken wieder über “Spiritualität” nach, die wir im Westen vielleicht auch in einer christlichen Erziehung erlebt haben. Ist Yoga ein Ersatz für Religion?

David Life: Das Sehnsucht nach etwas Größerem ist in uns, ebenso das Bedürfnis, uns unter spirituellen, sozialen oder politischen Vorzeichen zu versammeln. Warum gehen die Menschen in die Kirche? Es ist mehr als das offensichtliche Ritual des Gebets. Wir suchen Gemeinschaft. Yoga bietet dies ebenfalls an, mit einem wichtigen Unterschied: Hier wird jede Form des Glaubens akzeptiert.

 

YJ: Vom Christentum zum Yoga: Welche Art von Übergang kann hier stattfinden?

Sharon Gannon: Yoga bedeutet Verbindung. Ich bin mit dem Katholizismus aufgewachsen. Eine große Rolle spielt hier die Furcht vor Gott, die im Leben auf Autoritätsfiguren projiziert wird. Als Kind lernt man die zehn Gebote auswendig, entwickelt ein Schuldgefühl und geht zur Beichte. Ich erinnere mich, wie ich mir vor der Beichte den Kopf zerbrochen habe, welche Sünden ich wohl begangen haben könnte und fragte meine Geschwister, ob ihnen etwas einfiele…

Als ich Patanjalis Yoga Sutren entdeckte, las ich erneut “Du sollst nicht töten, lügen, stehlen”. Die Yoga Philosophie macht die gleichen Vorschläge wie das Alte Testament. Patanjali formuliert jedoch optimistischer: Die Yoga Sutren beschreiben die positiven Wirkungen des Nicht-Verletzens. Das fand ich aufregend!

David Life: Dieser Ansatz gibt uns etwas, womit wir arbeiten können, anstatt in Schuldgefühlen zu verharren, die aus vergangenen Taten resultieren. Yoga betont die Gegenwart, die Realität: Was können wir JETZT tun? Wir können unsere Realität selbst schaffen. Dieses Versprechen gibt uns Yoga – aber nicht als Konzept, das wir glauben können oder nicht, sondern durch direkte Erfahrung. Du fühlst dein Leben JETZT, hier, direkt auf der Matte, in der Meditation.

Sharon Gannon: Ich habe das Gefühl, dass auch Religionen wie das Christentum einmal umfassender funktioniert haben. In der katholischen Messe knien wir, stehen wieder auf, beugen uns zur Erde, richten uns zum Himmel: Ein Sonnengebet!

 

YJ: Im Neuen Testament steht: “Liebe deinen Nächsten wie dich Selbst”. Gesprochen von jemandem, der mitten im Leben stand.

Sharon Gannon: Natürlich. Jesus war ein Yogi. Er sah sich als Eins mit Allem und hat es beispielshaft gelebt.

 

YJ: Über die Brücke des Yoga verändern wir den Blick auf unsere Erziehung, unsere Wurzeln, unsere Familien. Wir können mit vielem Frieden schließen.

Sharon Gannon: Wir werten nicht mehr so stark und kommen von der “Ich und die Anderen”-Trennung ab. Yoga reicht unermesslich weit und ermöglicht uns, mehr von der Welt in unsere eigene Realität zu integrieren, ohne auf die Erlösung im Jenseits zu warten. Ein unglaublich praktisches Konzept!

David Life: Yoga ist keine Religion, sondern anarchistisch. Es gibt keine Hierarchie, keinen “Yoga-Papst”. Viele offizielle Religionen sind nicht pro-Yoga. Warum? Weil die Kraft des Individuums gefördert wird. Yoga braucht kein abhängiges Gefolge. In unserem Unterricht versuchen wir, eine intelligente, reflektierte Atmosphäre zu schaffen. Informieren statt einlullen.

Sharon Gannon: Wenn sich Organisationen bedroht fühlen, ergreifen sie eine bestimmte Maßnahme: Sie drehen die Dinge um. Jesus sagte “Mein Vater und ich sind Eins.” Das ist Yoga, Samadhi. In seiner Sprache, dem Aramäischen, nutzte er den Namen “Alaha”. Das heißt “Alles, was ist, alles Manifestierte. Er sagte: “Ich bin eins, mit allem, was ist.” Allerdings steht in der Bibel an keiner Stelle, dass er als Einziger Anspruch auf diese Einheit hat. Weil seine Worte die Verhältnisse bedrohten, wurden seine Worte jedoch so interpretiert. Damit hat man ihn ins System zurückintegriert, aber unerreichbar entrückt.

 

YJ: Körperliche Übung und Bewusstsein – wie stehen sie im Yoga im Zusammenhang?

S: Das sind keine getrennten Einheiten. Der Körper ist ein Produkt unseres Karmas. “Karma” umfasst unsere Beziehungen zu anderen, die sich im Körper manifestieren. Durch die Yoga-Praxis heilen wir unsere Beziehungen. Wenn wir uns nicht um sie kümmern, verfolgen sie uns und wir sind völlig von ihnen und unserer vermeintlichen “Persönlichkeit” besessen. Aber wir sind viel mehr als das: Eine “Jiva Mukta” (befreite Seele) befindet sich in Einheit mit allem, was ist.

 

YJ: Muss man hierzu unbedingt Asanas üben?

David Life: Es gibt andere effektive Methoden, die einfacher sind als Yoga-Übungen und die Menschen im umfassendsten Sinn gesünder machen. Eine der wichtigsten ist eine vegetarische, besser vegane Ernährung. Dabei ist wichtig zu sehen, dass Yoga nicht von “Sünden” spricht, sondern von hilfreichem und weniger hilfreichem Verhalten. Damit ist weniger Verurteilung und Selbstgerechtigkeit möglich.

Sharon: Wir leben in einer skeptischen, zynischen, von Zweifeln geschüttelten Welt. Wenn wir diesen Haltungen verfallen, entfernen wir uns von unserer inneren Kraft, unsere eigene Realität zu gestalten. Es ist so normal, sich als Opfer zu fühlen und andere verantwortlich zu machen. Je mehr wir uns jedoch mit Yoga beschäftigen, desto unmöglicher wird uns diese Haltung. Dann wird es richtig spannend.

 

YJ: In München fand anlässlich eures Besuchs das erste “Jivamukti Tribe Gathering” statt, ein “Stammestreffen” mit Lehrern und Schülern. Welche Rolle spielt die Gemeinschaft im (Jivamukti) Yoga?

S: Wenn wir uns um uns selbst kümmern, schaffen wir Methoden, die Welt zu verändern. Eine Gemeinschaft, in der jeder auf seine individuelle Weise zum Wohle des Anderen arbeitet, ist das wichtigste Mittel, um die Krisen auf unserem Planeten zu lösen.

D: Dabei sollten wir nicht in die Falle der etablierten Religionen geraten und uns nicht “besser” als Andere fühlen: “Wir haben es kapiert, ihr nicht…” Yoga kann nicht missioniert werden, sondern findet uns, wenn wir motiviert sind.

 

YJ: Was ist dabei wichtiger – der Intellekt oder Gefühle? Müssen wir insgesamt liebevoller werden?

S: Liebe ist die Basis, aber nicht so, wie wir sie meistens verstehen. Wir lieben unsere Familie, Freunde und Haustiere. Was aber ist mit dem Unbekannten, dem Fremden? Anderen Wesen?

David: Liebe ist mehr als das Gegenteil von Hass, umfassender. Jivamukti Yoga erforscht Yoga auch als tantrische Übung. “Tan” bedeutet im Sanskrit “ausdehnen”, “tra”, es wirklich zu tun. Durch unsere Methode wollen wir allen Dingen ein Gesicht geben und eine Beziehung zu ihnen finden. Dann besteht die Welt aus lebenden, nicht ausbeutbaren Wesen. Wenn das Fleisch auf dem Teller ein Gesicht hat, wird es schwieriger, es zu essen.

Kinder (sind) Yoga

Foto:  Holger ZapfLöwengebrüll, brummende Hubschrauber, strampelnde Käfer auf dem Rücken, Helden mit Superkräften und Surfer in der Pipeline – im Kinderyoga ist Fantasie gefragt. Während Erwachsenen die Anweisung „Virabhadrasana II“ reichen mag, um in einen perfekten Krieger II zu kommen, stellen sich Kinder hierzu viel lieber vor, wie ein Surfer auf dem Brett zu balancieren. Beim Yoga lernen sie die Asanas je nach Alter auf mehr oder weniger spielerische Weise.

Von Verena Hertlein

„Kinder sind sehr fantasiereich und lernen schnell, wenn sie in Bilder lernen dürfen. Sagt man die Kobra an, liegen sofort alle auf dem Bauch, räkeln die Hälse und geben Zischlaute von sich. Kinder machen nicht die Übung, sie sind die Übung.“ Holger Zapf, Kinderyogalehrer und -ausbilder am Institut Unit Wiesbaden, betont, wie wichtig es ist, Yoga an die Bedürfnisse von Kindern anzupassen. „Ist die Yogastunde neben dem positiven Effekt auch noch lustig, spannend und jedes Mal ein Erlebnis, werden die Kinder immer wieder gerne hingehen.“ Als Kinderyogalehrer braucht man viel Fantasie und die Fähigkeit, sich in die Kinder hinein zu versetzen. Sonst hat man schnell einen Raum voller lustloser oder nörgelnder Kinder vor sich. Wenn sie mit Langeweile oder Monotonie konfrontiert werden, verlieren sie nämlich schnell die Lust

Das wichtigste Prinzip: Satya – Wahrhaftigkeit

Auch Jenny Burgstett, Kinderyogalehrerin bei Jaya Yoga in München, weiß, was ihre kleinen Schüler wünschen. Sie müssen die Möglichkeit haben, zwanglos und mit Spaß zu lernen. Seit acht Jahren unterrichtet sie Kinderyoga und hat von ihren Schülern vor allem gelernt, selbst flexibel zu bleiben und im Moment zu leben. „Mit Kindern weiß man vorher eigentlich nie so genau, wie sich die Yogastunde entwickeln wird. Für mich ist das allerwichtigste Prinzip „Satya“ – Wahrhaftigkeit. Wenn ich am Anfang der Stunde beispielsweise merke, dass es einem Kind nicht gut geht, integriere ich das in die Stunde. Vielleicht mache ich dann Gefühle oder Veränderung zum Unterrichtsthema. Es hat keinen Sinn, als Lehrer stur an einem Konzept festzuhalten. Mit Kindern funktioniert das einfach nicht.“ Ihrer Erfahrung nach sind Kinder sehr authentisch und verstellen sich nicht wie Erwachsenen. „Wenn ich mit Kindern zusammen bin, versuche ich, genauso authentisch zu sein. Ich erzähle ihnen auch, wenn es mir einmal nicht gut geht. Mich hat schon immer die Leichtigkeit und Offenheit, mit der Kinder die Welt erleben, fasziniert. Mit Yoga möchte ich Kinder dabei unterstützen, sich mit Neugierde und Spaß selbst zu erfahren, ihre Stärken zu entdecken und in Harmonie mit sich und anderen zu leben.“

Freiraum zurück erobern

Wenn man einen Blick auf die Kurspläne von Yogastudios wirft, kann man erkennen, dass Yoga für Kinder immer mehr an Beliebtheit gewinnt. Holger Zapf sieht die Ursache in der wachsenden Reizüberflutung, die heute schon im Kindesalter den Alltag prägt – durch Fernsehen, Videospiele und nicht zuletzt überladene Lehrpläne in den Schulen. Die wenige Freizeit wird oft zusätzlich mit Englisch und Klavierunterricht verplant und den Kindern bleibt immer weniger Auszeit zur Entspannung. Rechnet man alle organisierten Aktivitäten zusammen, kommen Kinder nicht selten auf einen 10-Stunden-Tag. Wen wundert es da, dass viele Kinder darauf mit innerer Unruhe reagieren, zappelig, unkonzentriert oder sogar aggressiv werden? Zapf empfiehlt Kinderyoga, um den Kindern genau diesen verlorenen Freiraum zurückzugeben. „Die Yogastunde dient als Refugium jenseits von Termin- und Leistungsdruck, in dem sie ihre Kreativität ausleben und sich so selber entdecken können.“

Mutter-Vater-Kind-Yoga

Isabel Schilpp, die im Frankfurter Studio „Inside Yoga“ (www.insideyoga.de) Kinderyoga unterrichtet, hat sich ebenfalls Gedanken darüber gemacht, wie sehr Kinder und Eltern von der allgemeinen Hektik und dem schnellen Tempo unserer Zeit betroffen sind. „Im ständigen Balanceakt zwischen Schule, Arbeitswelt und Familienleben ist der Tag eines jeden Familienmitglieds angehäuft mit Terminen und Verpflichtungen. Das Freizeitprogramm wird oft unabhängig voneinander gestaltet. Daher bleiben gemeinsame Stunden und die Ruhe, sich wirklich aufeinander einzulassen, meist auf der Strecke.“ Aus diesem Grund veranstaltete sie 2009 zum Weltkindertag bei Inside Yoga erstmalig einen Workshop für Mutter-Vater-Kind-Yoga. Das Konzept: Die ganze Familie soll aus dem Alltag heraus und gemeinsam auf die Matte. „Der ganze Tag stand unter dem Motto sich für das zu öffnen, was einen verbindet, und es im gemeinsamen Yoga umzusetzen. Es war schön zu sehen, wie die Kinder die volle Aufmerksamkeit ihrer Eltern genossen und mit Enthusiasmus und Konzentration bei den Übungen waren. Die Eltern staunten oft nicht schlecht darüber, was ihr Kind kann. Der Workshop bot den Eltern-Kind-Paaren das passende Umfeld, sich auszuprobieren und sich miteinander auseinander zu setzen. Dabei wurde das Bewusstsein, dass eine gut funktionierende Beziehung mit ständiger Arbeit verbunden ist, wachgerufen. Isabel Schilpps Fazit: Beim gemeinsamen Yoga konnten Eltern und Kinder neue Seiten am anderen entdecken und das Vertrauen in ihre Fähigkeiten als Team stärken.

Natürlich bietet es sich für Eltern an, auch zu Hause mit ihrem Kind Yoga zu machen. Um selbst eine Yogastunde zu kreieren, gibt Holger Zapf folgende Tipps:

* Werden Sie erfinderisch! Überlegen Sie sich Geschichten zu Themen, die Ihr Kind interessiert, beispielsweise Piraten, Skaten oder den Zoobesuch, und bauen sie die Asanas in die Geschichte ein.

* Wählen Sie Übungen, die zu den Bedürfnissen ihres Kindes passen. Ist ihr Kind eher unruhig, vermeiden Sie Übungen, die stark aktivierend sind.

* Versuchen Sie, sich in Ihr Kind hinein zu versetzen und sich daran zu erinnern, wie sie sich in dem Alter gefühlt haben.

* Üben Sie interaktiv, beziehen sie das Kind in das Geschehen ein.

* Zwingen Sie ihr Kind auf keinen Fall zu Yoga. Ihr Kind sollte freiwillig und mit Neugierde dabei sein.

Das Institut UNIT (www.unit-wiesbaden.de) veranstaltet für interessierte Yogalehrer und Pädagogen in Kooperation mit dem Deutschen Roten Kreuz Mainz Kinderyoga-Ausbildungen in Wiesbaden und München. Die nächsten Termine sind:  23.-25. April 2010 in München (berufsbegleitend) und 10.-15. August 2010 in Wiesbaden (Intensivkurs).

Nachgefragt bei Sonja Söder

Yoga und Workout – Wie passt das zusammen?

 

Wer die heutige Yogawelt betrachtet, stellt fest, dass Yoga innerhalb der letzten beiden Jahrzehnte eine unglaublich hohe Zahl an Stilblüten hervorgebracht hat. Selbst Yogarichtungen aus einer Entwicklungszeit von mehreren Tausend Jahren werden dabei um ein Vielfaches überstiegen. Die meisten „neuen“ und immer populärer werdenden Stile finden ihren Ursprung in den Vereinigten Staaten. Ähnlich wie die Fitnesswelle in den 80er Jahren von Amerika nach Europa schwappte, so erreicht uns auch das westliche Yoga aus den USA.

Die Parallelen sind unverkennbar: Massenmobilisation, Kommerzialisierung, inhaltliche Systematisierung sowie die Dominanz amerikanischer Konzepte. Wer sich Yogakongresse anschaut, fühlt sich in die Anfänge der Fitness- und Aerobic-Conventions zurückversetzt. „Presenter“ (heute: „Yoga-Presenter“) üben mit Massen von Menschen alle möglichen Yogastile – je intensiver und schweißtreibender, desto gefragter.

Auspowern als Hauptmotivation

Von diesem Standpunkt aus betrachtet hat ein gewisser Teil der westlichen Yogakultur sehr viel mit „Workout“ zu tun. Es ist offensichtlich, dass Yoga in vielen Fällen Menschen begeistert, die nicht in erster Linie die „höheren Ziele“ des Yoga vor Augen haben, sondern ganz profan Bewegung, Schwitzen oder Auspowern als Hauptmotivation für ihre Praxis sehen. Genau diese Beweggründe wurden von verschiedenen Yogakonzepten früh erkannt; ein typisches Beispiel ist Power Yoga. Hier lässt der Name unterschiedliche Interpretationen zu. Einerseits könnte „Power“ ganz neutral für Energie oder Kraft stehen (Energie Yoga, Energetisches Yoga, Lebensenergie), andererseits ist die Assoziation mit der Fitnessbranche unübersehbar. Besonders in diesem Zusammenhang steht „Power“ für körperlich besonders anstrengende Trainingsformen und lässt auf einen Anspruch auf mehr Jugendlichkeit, Leistungsfähigkeit und dem Streben nach gängigen Schönheitsidealen schließen.

Natürlich hat jeder Yogastil seine Berechtigung, und besonders wir Yogaübenden sollten Toleranz und Akzeptanz als eine der bedeutendsten Prinzipien unserer Lebenseinstellung ansehen. Egal, ob Yogapraktizierende eher den Wunsch nach einem energetischen Workout oder einer spirituellen Körpererfahrung haben: Yoga kann nicht missbraucht werden, solange die Übungspraxis aus eigener und freier Entscheidung geschieht.

Der Weg zum Ich führt über den Körper

In Zukunft könnte die Verbindung Workout und Yoga jedoch um einen weiteren, bedeutenden Aspekt ergänzt werden: Einerseits lassen die Prognosen über demographische Entwicklungen einen deutlichen Anstieg der höheren Altersgruppen erkennen, andererseits werden allgemeine Bewegungsarmut und einseitige Haltungsmuster weiterhin auch Probleme der jüngeren Altersschichten bleiben. Die Bedürfnisse der Menschen könnten sich in eine Richtung entwickeln, der am besten durch differenzierte Yogaformen begegnet werden sollte. Eine der wichtigsten Bestimmungen der Yogalehrer besteht also darin, Teilnehmern in den Einsteiger- und Mittelstufestunden primär den Status ihrer eigenen Körperlichkeit zu vermitteln. Ziel sollte dabei sein, dass sie ihren eigenen Körper kennen und verstehen lernen. Dieses Prinzip steht in keinem Widerspruch zu dem spirituellen Anspruch der Yogapraxis. Der Weg zum Ich führt über den Körper, wobei der Körper kein unüberwindbares Hindernis sein darf, sondern vielmehr der Schlüssel zur spirituellen Praxis. Dieser Weg steht jedem Menschen offen, unabhängig von seinen individuellen Voraussetzungen und dem Level seiner Praxis. Das macht das System Yoga wunderbar offen und zum Tor der Selbsterfahrung im eigenen Körper. Jeder sollte sich sein Yoga erarbeiten können – oder wie man im englischsprachigen Raum sagen würde: „Workout Your Yoga.“

Sonja Söder (BDY/EYU) praktiziert verschiedene Yogastile und begründete 1999 das Yogakonzept Woyo („Workout-Yoga“). Als Leiterin der Woyo Akademie entwickelt sie die angebotene Yogalehrerausbildung (200 h) vor allem im Bereich Yoga-Physiologie/ Anatomie und Hilfestellung bei Gelenkproblemen ständig weiter. www.woyo.de

Nachgefragt bei Yogeswari

Welche Rolle spielt der Lehrer auf dem Yogaweg? Braucht man für die Entwicklung einen persönlichen Mentor?

 

OM SAHA NAVAVATU
SAHA NAU BHUNAKTU
SAHA VIRYAM KARAVAVAHAI
TEJASVI NAVADHITAM ASTU
MA VIDVISHAVAHAI
OM SHANTIH, SHANTIH, SHANTIH

 

Akzeptiere uns beide, beschütze uns beide, möge unser Wissen und unsere Kraft wachsen. Mögen wir uns nicht streiten.

Dieses Mantra aus der Kena Upanishad ist bekannt als das Lehrer-Schüler Mantra. Die Aufgabe des Lehrers ist es, den Schüler an seine Grenzen zu bringen, um aus alten Verhaltens- und Denkmustern ausbrechen zu können. Der Schüler wird dadurch oftmals mit Themen konfrontiert, die er normalerweise meidet. Er wird in diesen schwierigen Situationen darin getestet, den Lehrer nicht mit einem verletzten Ego zu verlassen. Damit ist die Verbindung zum Lehrer symbolisch für alle zwischenmenschlichen Beziehungen.

Der Lehrer erscheint, wenn der Schüler bereit ist. Jeder Mensch ist anders: Einige können sich selbst motivieren und verfügen über eine große Selbstdisziplin, andere müssen von einer inspirierenden Kraft und einer starken Hand geführt werden. Traditionell werden die Lehren des Yoga vom Lehrer an den Schüler weitergegeben, der dann selbst irgendwann zum Lehrer wird und einer neuen Generation von Schülern das Wissen vermittelt.

Es ist sicher möglich, im Yoga bis zu einem gewissen Grade autodidaktisch zu wachsen, jedoch kommt man irgendwann ohne professionelle Anleitung und mit Hilfe von Büchern nicht mehr weiter. Wir brauchen einen Lehrer oder Mentor, der uns in die Tiefenkenntnisse der Anatomie und die oft kodifizierte Sprache der Philosophie einweiht. Nehmen wir beispielsweise das Mysterium des Shakti Pad, eine heilenden Berührung. Diese sollte mit einem Lehrer erlebt und aufgedeckt werden. Wir erfahren so, wie sich die Asanas energetisch anfühlen sollten. Die motivierende Kraft des Lehrers spielt bei diesen harten Disziplinen eine sehr große Rolle.

Die Hauptaufgabe des Lehrers ist es, die Tücken des Ego im Schüler zu beseitigen. Der Dialog ist hier nicht als Meinungsaustausch gedacht, bei dem der Schüler seine Argumente und Ansichten verteidigt. Vielmehr befreit sich der Schüler von seiner Arroganz und entwickelt Vertrauen, Gehorsam und Bescheidenheit. Es geht in erster Linie darum, dem Lehrer zu dienen, und dadurch eine tiefe Liebe für den Lehrer und die spirituelle Praxis zu entdecken. In der heutigen Yoga-Welt ist dieser Prozess viel unpersönlicher geworden. Die Klassen sind oftmals sehr groß und es gibt nur selten die Möglichkeit mit einem Lehrer one-to-one zu arbeiten. Dadurch besteht die Gefahr, wahllos von einem Workshop zum anderen zu gehen, aus oberflächlicher Kenntnis Methoden zu mischen und sich schnell von einem Lehrer zu trennen, sobald ein Hauch von Unzufriedenheit aufkommt.

Daher ist es empfehlenswert, zuerst einmal verschiedene Methoden und Lehrer auszuprobieren, bis man denjenigen findet, von dem man sich am meisten angesprochen fühlt, dann aber bei diesem zu bleiben, bis man die Methode verstanden hat.

Es ist durchaus möglich, mehrere Lehrer zu haben. Aber es wird kompliziert, wenn die Methoden vom Schüler miteinander in Konflikt gebracht, verwechselt werden oder wenn zeitliche Prioritäten gesetzt werden müssen. Manche Yogis bleiben ihr ganzes Leben in der gleichen Tradition, bei einem Lehrer oder Mentor. Einige verbringen einen begrenzten Zeitraum mit ihm und wenden sich in einem anderen Lebensabschnitt einem neuem Lehrer zu – weil sie auf diese Art und Weise das größte Entwicklungspotenzial für sich sehen. Womit wir wieder am Anfang meiner Ausführungen wären: Der Lehrer erscheint, wenn der Schüler bereit ist.

Die gebürtige Schweizerin Estelle Eichenberger alias Yogeswari begleitet die Jivamukti-Lehrerausbildungen mit Sharon Gannon und David Life in den USA und in Deutschland. Die studierte Tänzerin, Choreografin und Direktorin der Wohltätigkeitsorganisation Azahar Foundation (www.azaharfoundation.org) unterrichtet im August wieder in Deutschland: Vishnu’s Vibes Düsseldorf (6. – 8.8.), Yogalounge Freiburg (12. – 15.8.), Coolyoga, Dortmund (28./ 29.8.). Mit Patrick Broome leitet sie vom 7. November bis 3. Dezember 2010 die Jivamukti Yoga 300-Stunden-Lehrerausbildung auf der Fraueninsel/Chiemsee.

Herausforderung und Überforderung – nachgefragt bei Young-Ho Kim

Young Ho Kim Yogaworld

Besonders in Zeiten von Social Media hat sich Yoga extrem verändert. Wolltest du auch schon mal eine halsbrecherische Position von Instagram nachmachen? „Spüre in deinen Körper“ heißt es in regülären Yogastunden. Manchmal ist es auch in Begleitung eines Yogalehrers ganz schön schwer, zu erkennen, ob der Körper bereit ist oder ob das Ego dich in eine Pose zwingen will. Wie erkenne ich in meiner Yogapraxis den schmalen Grat zwischen Herausforderung und Überforderung? Das Yoga Journal hat bei dem Gründer der Yogarichtung „Inside Flow“, Young-Ho Kim nachgefragt.

Oft packt uns der Ehrgeiz, und wir möchten bestimmte Asanas unbedingt sofort können. Zwischen Herausforderung und Überforderung: wie kann man den Ehrgeiz mit Gelassenheit kombinieren? Schließlich wollen wir Fortschritte erreichen, ohne sich dabei Frust oder Verletzungsgefahr auszusetzen.

Die Antwort der traditionellen Yogaphilosophie

Von Patanjali stammt der Hinweis „Sthira Sukham Asanam“. Die Yoga-Haltung soll fest und leicht zugelich sein. So weise und plausibel dies klingen mag, erwischen wir uns immer wieder, wie wir übermütig über die Grenze hinausgehen, uns Schmerzen zufügen oder die Praxis einfach frustriert und resigniert aufgeben.

Um herauszufinden, ob uns eine Herausforderung weiter bringt oder überfordert, nimm die richtige Einstellung zur Anstrengung ein. Wenn man beispielsweise mit der Krähe (Bakasana) beginnt, hat man Angst, vornüber zu fallen. Genau so ist es beim Handstand. Für die Überwindung dieser Angst braucht es die Bereitschaft, sich überhaupt mit Emotionen auseinandersetzen zu wollen. Ohne diese Bereitschaft werden wir uns nie der Herausforderung stellen. So nähmen uns die Möglichkeit der Weiterentwicklung. Sei also offen und nimm die Herausforderung an.

Nachdem die Herangehensweise stimmt, brauchst du das nötige Know-How, um die Position korrekt ausführen zu können. Halbwissen kann dabei sehr gefährlich sein – die fatalste Kombination ist allerdings Halbwissen und Übermut. Um Stabilität und Leichtigkeit zu erzeugen, benötigen wir also Information über Asanas und die richtige Einstellung.

Die Schlüsselrolle der Atmung

Bei dieser Achtsamkeitsübung ist die Atmung der rote Faden, an dem man sich entlang hangelt. Verlierst du ihn, verlierst du auch die Kontrolle über deinen Körper und den Fokus des Geistes. So läufst du Gefahr, deine Grenzen zu überschreiten. Bleib also ganz bei dir, indem du deine Achtsamkeit auf deine Atmung lenkst und sich von ihr leiten lässt.

Die Ujjayi-Atmung (Kehlkopf-Atmung) erzeugt die nötige Spannung im Körper. Gleichzeitig beruhigt sie den Geist. Zudem hört man ihren Klang deutlich, wodurch es uns leichter fällt, auf uns selbst zu hören. Achte also als Schüler und ebenfalls als Lehrer auf die Ausrichtung des Asana und gleichzeitig auf eine ruhige Ujjayi-Atmung. So lange dich das ruhige Rauschen deiner Ujjayi-Atmung begleitet, kannst du dich weiter langsam an deine Grenze vortasten. Sobald du dich überforderst oder dich die Angst packt, wirst du bemerken, dass du in eine Pressatmung verfällst oder sogar das Gefühl hast, gar nicht mehr atmen zu können.

Wenn das Rauschen deines Atems angestrengt, laut und unregelmäßig ist, stehst du davor, dich zu überfordern. Erkenne und akzeptiere die Grenze von Herausforderung und Überforderung, lass dich davon jedoch nicht demotivieren. Nimm hier von neuem eine positive Einstellung gegenüber deiner Praxis ein. Du solltest die Situation als Herausforderung wahrnehmen, die deine Praxis spannend macht und bereichert. Wäre das Leben nicht langweilig, wenn wir alles schon wüssten und sofort könnten?


Young-Ho Kim ist in Südkorea geboren und mit der asiatischen Kampfkunst Taekwondo aufgewachsen. Zusätzlich übt er seit Jahren Yoga, betreibt in Frankfurt das Studio Inside Yoga und reist als Lehrer und Ausbilder durch ganz Europa.

Nachgefragt bei Patricia Thielemann

Ich bin Yogalehrer/In und unterrichte oftmals Klassen, die aus Anfängern und Fortgeschrittenen bestehen. Wie kann ich meinen Unterricht trotz unterschiedlicher Übungsniveaus erfolgreich gestalten?

Für einen Yogalehrer ist es auf jeden Fall eine Herausforderung, den unterschiedlichen Bedürfnissen von Anfängern und fortgeschrittenen Schülern in einer Klasse gerecht zu werden. Es ist Aufgabe des Lehrers, all denen, die über wenig Yogaerfahrung verfügen, ein solides Fundament zu vermitteln und Übende, die schon länger praktizieren, parallel ausreichend zu fordern.

Neueinsteiger leiden häufig unter Müdigkeit, Erschöpfung oder Rückenbeschwerden. Manche von ihnen glauben, dass im Yoga die gleichen Gesetze gelten wie im Sport. Dies führt dazu, dass sie sich bemühen, möglichst alles mitzumachen und „durchzuziehen“. Diese ehrgeizige, primär auf die äußere Form ausgerichtete Herangehensweise erhöht nicht nur die Verletzungsgefahr, auch der tiefere Sinn des Yoga geht dabei verloren.

Für den Anfänger ist es zuerst einmal wichtig, dass er sich eine solide Basis erarbeitet. Das erfordert Mühe und Konzentration. Der Lehrer darf den Unterricht deshalb nicht überladen. Er muss konkrete Anweisungen geben und die Schüler klar zu führen wissen. Darüber hinaus muss er selbstverständlich noch auf die Bedürfnisse des einzelnen Schülers eingehen. Es ist hilfreich, Schüler mit wenig Yogaerfahrung zusammen und möglichst in der Nähe des Lehrers zu platzieren. Für einen Anfänger steht das Erlernen der korrekten Atmung und die Genauigkeit bei der Ausführung der Asanas im Vordergrund. Ein erfahrenerer Schüler, der die Grundlagen beherrscht, will weiter. Er möchte die komplexeren Inhalte des Yoga verstehen, durch verschiedene Pranayama-Techniken und schwierigere Asanas mehr gefordert werden. Wie ein guter, erfahrener Bergführer sollte der Lehrer den fortgeschrittenen Schüler sicher zum Gipfel führen. Der Weg durchs Hochgebirge kann sich allerdings vertrackt gestalten.

Es ist entscheidend, dass der Lehrer genau weiß, in welchen Abschnitten der Stunde ein Schüler gefordert werden will, wo und wie die philosophischen Aspekte geschickt in den Unterricht eingeflochten werden können und an welchem Punkt eine getragene Stille das einzig Richtige ist. Die Klasse sollte deshalb gut strukturiert sein. Beschränkt sich ein Lehrer auf das Wesentliche, so ist er auch in der Lage, eine heterogene Klasse zu führen. Präzise und einfache Anweisungen in Bezug auf die Ausführung der Haltungen helfen dem Schüler mit wenig Vorerfahrung, werden den fortgeschrittenen Schüler aber trotzdem nicht behindern. Was den Schwierigkeitsgrad der Asanas anbelangt, so ist es sinnvoll, die einfachere Haltung immer zuerst zu nennen. Die für den Anfänger erreichbare Form wird so zum Vorbild. Anweisungen für fortgeschrittene Schüler folgen am besten danach. Die Anfänger sind dann bereits mit der für sie bestimmten Haltung beschäftigt und laufen nicht unnötig Gefahr, sich zu übernehmen. In den Phasen der Stunde, in denen der Anfänger mehr Aufmerksamkeit braucht, ist es gut dem fortgeschrittenen Schüler eine Haltung, die ihn fordert und Raum zum Experimentieren lässt, zu geben.

Betrifft eine Lektion eher den fortgeschrittenen Schüler, so ist es genauso wichtig, den richtigen Zeitpunkt dafür zu wählen. Im Idealfall, wenn eine etwas länger zu haltende Stellung für die Anfänger vorab etabliert wurde und sie damit beschäftigt sind.

Nicht allein der Unterrichtsinhalt ist wichtig, sondern eben auch wie und wann er vermittelt wird. Ist der Lehrer in seinem Ausdruck klar und bestimmt, so werden Schüler jeden Levels vom Unterricht profitieren und sich immer persönlich angesprochen fühlen.

Patricia Thielemann ist Yogalehrerin und Gründerin der renommierten Spirit Yoga Studios in Berlin. Die kommende Spirit Yoga-Lehrerausbildung mit internationalen Gastlehreren wie Max Strom, Rod Stryker und Mark Whitwell beginnt am 4. September 2009.

www.spirityoga.de

„Ich bin Yogalehrer/In und unterrichte oftmals Klassen, die aus Anfängern und Fortgeschrittenen bestehen. Wie kann ich meinen Unterricht trotz unterschiedlicher Übungsniveaus erfolgreich gestalten?“

Für einen Yogalehrer ist es auf jeden Fall eine Herausforderung, den unterschiedlichen Bedürfnissen von Anfängern und fortgeschrittenen Schülern in einer Klasse gerecht zu werden. Es ist Aufgabe des Lehrers, all denen, die über wenig Yogaerfahrung verfügen, ein solides Fundament zu vermitteln und Übende, die schon länger praktizieren, parallel ausreichend zu fordern.

Neueinsteiger leiden häufig unter Müdigkeit, Erschöpfung oder Rückenbeschwerden.

Manche von ihnen glauben, dass im Yoga die gleichen Gesetze gelten wie im Sport.

Dies führt dazu, dass sie sich bemühen, möglichst alles mitzumachen und „durchzuziehen“.

Diese ehrgeizige, primär auf die äußere Form ausgerichtete Herangehensweise erhöht nicht nur die Verletzungsgefahr, auch der tiefere Sinn des Yoga geht dabei verloren.

Für den Anfänger ist es zuerst einmal wichtig, dass er sich eine solide Basis erarbeitet. Das erfordert Mühe und Konzentration. Der Lehrer darf den Unterricht deshalb nicht überladen. Er muss konkrete Anweisungen geben und die Schüler klar zu führen wissen. Darüber hinaus muss er selbstverständlich noch auf die Bedürfnisse des einzelnen Schülers eingehen. Es ist hilfreich, Schüler mit wenig Yogaerfahrung zusammen und möglichst in der Nähe des Lehrers zu platzieren. Für einen Anfänger steht das Erlernen der korrekten Atmung und die Genauigkeit bei der Ausführung der Asanas im Vordergrund. Ein erfahrenerer Schüler, der die Grundlagen beherrscht, will weiter. Er möchte die komplexeren Inhalte des Yoga verstehen, durch verschiedene Pranayama-Techniken und schwierigere Asanas mehr gefordert werden. Wie ein guter, erfahrener Bergführer sollte der Lehrer den fortgeschrittenen Schüler sicher zum Gipfel führen. Der Weg durchs Hochgebirge kann sich allerdings vertrackt gestalten.

Es ist entscheidend, dass der Lehrer genau weiß, in welchen Abschnitten der Stunde ein Schüler gefordert werden will, wo und wie die philosophischen Aspekte geschickt in den Unterricht eingeflochten werden können und an welchem Punkt eine getragene Stille das einzig Richtige ist. Die Klasse sollte deshalb gut strukturiert sein. Beschränkt sich ein Lehrer auf das Wesentliche, so ist er auch in der Lage, eine heterogene Klasse zu führen. Präzise und einfache Anweisungen in Bezug auf die Ausführung der Haltungen helfen dem Schüler mit wenig Vorerfahrung, werden den fortgeschrittenen Schüler aber trotzdem nicht behindern. Was den Schwierigkeitsgrad der Asanas anbelangt, so ist es sinnvoll, die einfachere Haltung immer zuerst zu nennen. Die für den Anfänger erreichbare Form wird so zum Vorbild. Anweisungen für fortgeschrittene Schüler folgen am besten danach. Die Anfänger sind dann bereits mit der für sie bestimmten Haltung beschäftigt und laufen nicht unnötig Gefahr, sich zu übernehmen. In den Phasen der Stunde, in denen der Anfänger mehr Aufmerksamkeit braucht, ist es gut dem fortgeschrittenen Schüler eine Haltung, die ihn fordert und Raum zum Experimentieren lässt, zu geben.

Betrifft eine Lektion eher den fortgeschrittenen Schüler, so ist es genauso wichtig, den richtigen Zeitpunkt dafür zu wählen. Im Idealfall, wenn eine etwas länger zu haltende Stellung für die Anfänger vorab etabliert wurde und sie damit beschäftigt sind.

Nicht allein der Unterrichtsinhalt ist wichtig, sondern eben auch wie und wann er vermittelt wird. Ist der Lehrer in seinem Ausdruck klar und bestimmt, so werden Schüler jeden Levels vom Unterricht profitieren und sich immer persönlich angesprochen fühlen.

Patricia Thielemann ist Yogalehrerin und Gründerin der renommierten Spirit Yoga Studios in Berlin. Die kommende Spirit Yoga-Lehrerausbildung mit internationalen Gastlehreren wie Max Strom, Rod Stryker und Mark Whitwell beginnt am 4. September 2009.

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