„In der Rolle der Jägerin fühle ich mich zuhause“

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Ihre Jugend war gezeichnet von Drogen und und sexuellem Missbrauch. Die Rettung für Ana Forrest waren Yoga und das Heilwissen der Indianer.

Ana Forrest hatte keinen einfachen Start ins Leben. Sexueller Mißbrauch, Prostitution und Drogensucht durchzogen ihre Kindheit und Jugend. Infolge dieser Traumata litt sie jahrelang an Bulimie, Alkoholsucht und Epilepsie. Heute, über 30 Jahre später, sind die Wunden von damals verheilt – auch dank einer inzwischen jahrzehntelangen Yogapraxis. Mit der düsteren Vergangenheit hat ihr jetziges Leben nichts mehr gemein: Wenn sie nicht in ihrem Studio, dem Forrest Yoga Institute in Santa Monica unterrichtet, bereist Ana die Welt oder genießt die Zeit auf ihrem Anwesen auf den Orcas Islands – „umgeben von Adlern, Enten und Schlangen“, wie sie schwärmt.

Du hast mit Yoga angefangen, als du 14 Jahre alt warst. Wie hat Yoga seither dein Leben verändert?

Früher war ich alles andere als gut zu mir: Ich habe geraucht und Alkohol getrunken, Drogen genommen. Als ich mit den Drogen aufhörte, verlagerte ich mein Suchtverhalten auf das Essen. Yoga und das Heilwissen der Indianer haben mir geholfen, meinem Leben Sinn und Richtung zu verleihen, anstatt mich weiter zu zerstören.

Welchen Einfluss hat der Schamanismus auf deine Praxis?
Ich habe fünfeinhalb Jahre lang in einem Indianerreservat in Inchelium, Washington, gelebt. Während einer Zeremonie hatte ich eine wunderschöne Vision: Meine Füße waren fest mit der Erde verwurzelt, meine Arme zum Himmel gestreckt – und aus meinen Händen und Füßen kamen Regenbogen, die einen Kreis um die Erde zogen. Da wurde mir klar, dass ich reisen muss, anstatt nur an einem Ort zu bleiben. Ich spürte das starke Verlangen, einen Beitrag für den Heilungsprozess aller Menschen zu leisten.

Wie hast du diese Vision in deine Yogapraxis integriert?

Wichtig ist, die Energie zum Fließen zu bringen und in die richtigen Bahnen zu lenken. Chronische Schmerzen sind oft ein Anhaltspunkt für eine Energieblockade. Mit gezielter Atmung lässt sich Energie mobilisieren und damit auch der Schmerz beeinflussen.

Auf Yogakonferenzen sorgen deine Asana-Vorführungen immer wieder für Begeisterung. Was war die Motivation dafür, Yoga in dieser Form zu präsentieren?

Ich möchte die Menschen inspirieren. In normalen Yogastunden übt man viele grundlegende Asanas, wie Dreieck oder Krieger. Meine Präsentationen öffnen die Augen für einen ganz anderen Bereich voller Schönheit und Magie, der nicht unerreichbar ist. Yoga hat mein Leben auf wunderbare Weise verändert. Durch die Demonstrationen bei den Konferenzen möchte ich das, was Yoga mir gegeben hat, weitergeben – fast so, als würde ich magischen Staub verstreuen . . .

Sie haben viel Gewalt erlebt, aber Ihren Sinn für Humor bewahrt…
In meinem Leben gibt es jetzt sehr viel Liebe. Das ist umso bemerkenswerter, weil sie früher praktisch nicht existierte. Ich weiß inzwischen einfach, dass es einen Grund gibt, warum ich hier bin. Der seelische Reichtum, den ich über die Jahre erworben habe, macht mich glücklich und dankbar. Ob ich herausgefunden hätte, was im Leben wirklich zählt, wenn ich es von Anfang an leicht gehabt hätte, weiß ich nicht. Alles, was ich weiß ist, dass mein Weg mich dorthin geführt hat, wo ich jetzt bin. An diesem Ort fühle ich mich sehr wohl.

Kommen wir zu einem anderen Thema: Was findet sich aktuell in Ihrem Kühlschrank?

Elch und Büffel. Ich esse seit einiger Zeit nicht mehr vegetarisch, weil ich für mich erkannt habe, dass es mir mit Fleisch besser geht. Vor dem Essen zu beten und mich dafür zu bedanken, hat mir bei der Heilung meiner Bulimie geholfen und ist eine Angewohnheit, die ich bis heute beibehalten habe. Egal, ob es nun Brokkoli oder Wild ist: Ich bedanke mich dafür, dass es sein Leben gelassen hat, damit ich leben kann.

Haben Sie den Elch selber erlegt?
Im Reservat haben wir Hasen, Elche und Wild gejagt. Die Rolle der Jägerin fühlt sich für mich stimmig an. Auch wenn ich unterrichte, ist diese Energie präsent: Ich ermuntere meine Schüler, sich auf die Jagd nach dem zu begeben, was in ihnen ist.

Interview: Janelle Brown