Kurz erklärt: Was bedeutet die Bhagavad Gita für moderne Yogi*nis?

Viele kommen erst in der Yogalehrerausbildung mit dem Gesang der Götter in Berührung, so die wörtliche Übersetzung der Bhagavad Gita. Dabei ist die Bedeutung der Bhagavad Gita auch für moderne Yogi*nis so immens, dass alle wissen sollten, worum es geht. Deshalb findest du hier einen kurzen Abriss des Inhalts wie auch der Hintergründe und ihren Einfluss auf die Lebensphilosophie des Yoga, die wir so sehr schätzen.

Der Inhalt ist auf den ersten Blick weniger spirituell als ein echtes Epos. Wir treffen den Protagonisten Prinz Arjuna am Rande des Schlachtfeldes, wo über seine ganze Zukunft entschieden wird. Prinz Arjuna muss wegen seines eigenen Verwandten um den der Erbfolge nach ihm zustehenden Thron fürchten. Das lässt ihn zweifeln, ob er wirklich gegen den Thronräuber kämpfen will, da es sich um seine eigene Familie handelt.

Gottheiten an deiner Seite

Ihm zu Hilfe kommt die Gottheit Krishna. Er ist eine Inkarnation des Vishnu. Hier zeigt sich die in der Yogaphilosophie verbreitete Weltsicht der Wiedergeburten. So wie Menschen das Rad der Wiedergeburten durchlaufen, tun dies auch Gottheiten. Krishna ist in der Erzählung Arjunas bester Freund seit Kindertagen, offenbart sich jetzt aber als Gottheit. Auch die Lehre von Samsara, dem Rad der Reinkarnation wird im Buch eingeführt. (Diese stehen in dieser Zusammenfassung nicht im Vordergrund.)

Lies hier mehr über Wiedergeburten.

Gottheiten symbolisieren im Yoga keine von uns getrennte Entität. Wir können uns entscheiden, ob wir unserem göttlichen oder unserem dämonischen Anteil mehr Raum in unserem Leben geben wollen. Also steckt in uns allen sowohl das Potenzial zu einem reinen und göttlichen, wie auch zu einem gewaltsamen und grausamen Leben. Deshalb sind die in der Bhagavad Gita aufgelisteten Vorschläge für ein gutes Leben auch menschlich und lebensnah formuliert. Gottheiten erscheinen als Menschen. Im Hauptteil des Buches erklärt Krishna Arjuna vier Wege zur Erleuchtung und zu einem achtsamen Leben. Diese sind bis heute als die vier Margas im Yoga bekannt.

Die vier Margas

  • Raja Yoga: Der königliche Yogaweg und des 8-gliedrigen Pfad des Patanjali
  • Karma Yoga: Das Yoga der Handlungen
  • Jnana Yoga: Das Yoga des Wissens
  • Bhakti: Das Yoga der Hingabe

Lies hier mehr über die vier Wege des Yoga.

Daraus können wir schlussfolgern, dass es für ausnahmslos alle einen passenden Weg zur Spiritualität gibt. Jede*r kann dem Göttlichen auf ihre/ seine Weise dienen. Die Lehre der vier Yogawege macht die Bhagavad Gita heute zum bekanntesten Abschnitt der Veden, der Sammlung heiliger spiritueller Schriften aus Indien. Diese Bücher besitzen auch im Hinduismus eine große Bedeutung. Darin stecken noch mehr spirituelle Botschaften.

Vereinbarkeit von Beruf(ung) und Spiritualität

Der Krieg, in dem sich der Prinz befindet, ist in diesem Buch nicht der Hauptteil, sondern der Rahmen oder die Voraussetzung, dafür, dass er spirituell wachsen muss. So ist es für uns Leser*innen auch im Leben. Es geht nicht wirklich darum, was scheinbar unsere größten Voraussetzungen im Außen sind. Sondern es geht darum, wer wir uns entscheiden zu sein in den Ungewittern des Lebens.

Arjuna kämpft gegen seine eigene Familie. Daraus lernen wir, dass wir selbst uns die ärgsten Feind*innen sind. Um diese dämonischen Anteile abzuschütteln müssen wir manchmal zu extremen Mitteln greifen. Das ist bei uns vielleicht eine Reinigungskur oder eine intensive Yogapraxis, bei der wir alles, was wir nicht mehr brauchen, ausschwitzen. Bei Arjuna ist es ein tatsächlicher Kampf im Außen.

Durch die Umsetzung der von Krishna dargelegten Richtlinien für ein gutes Leben gibt es für den Prinzen ein Happy End. Denn Arjuna gewinnt den Krieg um den Thron, wird aber kein Tyrann, sondern ein gütiger und gottesfürchtiger Herrscher. So kann er seine Spiritualität mit der Arbeit und seinen weltlichen Aufgaben verbinden.

Die Bedeutung der Bhagavad Gita in 5 Punkten:

  • Es gibt viele Wege hin zur Spiritualität, sodass für alle das Richtige dabei ist.
  • Du musst nicht dem Leben entsagen, um spirituell zu sein. Suche dir einen Beruf, wo du Gott durch einen Dienst an anderen Menschen dienst.
  • Im Yoga wohnen sowohl Gottheiten als auch Dämonen in uns. Wir entscheiden, wer wir sein wollen.
  • Die schlimmsten Dämonen lauern in uns selbst.
  • Um diese loszuwerden, müssen wir einen radikalen Wandel durchlaufen.

Text: Kerstin Thost | Foto von Thought Catalog von Pexels

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