Rezept: Zucchini-Pasta mit Minz-Pesto

Zucchini Nudeln Foto: Jennifer Olson

Ergibt 2 Portionen

Mit einem Spiralschneider verwandeln sich viele Gemüsesorten
(Süßkartoffeln, Rote Bete, Karotten) ruckzuck in „Nudeln“, die Sie
mit Ihrer persönlichen Lieblingssauce kombinieren können.

Zutaten

2 Bund frische Minze ++ 3 EL Mandelblättchen, geröstet ++ ½ TL Salz ++ ½ Zitrone, gepresst ++ 2 EL Olivenöl ++ 400 g Zucchini, mit Spiralschneider oder Reibe zerkleinert ++ ½ rote Chili, Samen entfernt, fein gehackt ++ 50 g Feta oder Ricotta

Zubereitung

Pürieren Sie Minze, 2 EL Mandeln und Salz zu einem feinen Mus. Geben Sie Zitronensaft und 1 EL Olivenöl dazu und pürieren Sie die Masse nochmals kurz. Zum Schluss geben Sie so viel Wasser dazu, dass das Pesto streichfähig aber nicht flüssig wird, und schmecken es mit Salz und Pfeffer ab.Erhitzen Sie den zweiten Esslöffel Öl in einer Kasserolle auf mittlere Temperatur. Darin braten Sie Zucchini und Chili etwa 7 Minuten lang sanft an. Vermengen Sie die Zucchini mit Pesto und Käse und garnieren Sie die Mischung mit den restlichen Mandeln.

Nährstoff-Info: pro Portion 217 Kalorien, 19 g Fett (davon 4 g gesättigt), 11 g Kohlenhydrate, 4 g Ballaststoffe, 7 g Eiweiß, 726 mg Natrium

Yoga People: Astrid North

Astrid North_Musikerin und Yogalehrerin_ Foto: Kristin Schnell

Mit langem Atem

Als Frontfrau der Band „Cultured Pearls“ wurde Astrid North Mitte der 1990er-Jahre zur bekannten Soulstimme. Längst hat sie sich auch als Solokünstlerin etabliert –mit Ausdauer, aber auch dank Yoga.

Magie auf der Bühne

Magisch ist dieser Moment, in dem Astrid North auf der Bühne im Hamburger Club „Knust“ steht. Mit geschlossenen Augen singt sie „How Beautiful You Are“ und jeder, wirklich jeder im Publikum fällt mit ein. „Es ist total schön, wenn die Leute so berührt sind“, sagt North, als sie einige Wochen später im Büro ihrer Booking-Agentur sitzt, um über ihr neues Album zu sprechen – und über Yoga, das die 43-Jährige fast noch länger als die Musik begleitet. Dennoch ist es die Musik, die North in den 1990ern als Frontfrau der Cultured Pearls bekannt machte. Songs wie „Sugar Sugar Honey“ und „Tic Toc“ haben bis heute nichts von ihrer Ohrwurm-Qualität eingebüßt, genauso wenig wie die Faszination, die von Norths tiefer Soulstimme ausgeht. Trotzdem dauerte es nach der Trennung der Cultured
Pearls 2003 noch fast zehn Jahre, bevor die Berlinerin solo debütierte und nochmals vier Jahre, bevor sie nun mit „Precious Ruby“ ihr zweites Album veröffentlicht.

Yoga und der lange Atem

Norths langer Atem ist nicht nur ein Zeichen von Ausdauer. „Ich habe eher das Problem, loszulassen“, gibt sie zu und lacht ihr sympathisch raues Lachen. Auch wenn die Mutter zweier Kinder durch ihre Yogapraxis gelernt hat, nicht alles hinterfragen zu müssen, sondern auch mal gut sein zu lassen − ganz leicht fällt ihr das nicht immer. 1998, lange bevor Asanas und Co. zum weltweiten Trend wurden, stand die Musikerin bereits auf der Yogamatte. Im Berliner Yoga-Institut lernte sie klassisches, von Iyengar inspiriertes Hatha Yoga kennen und konnte anfangs kaum einen Tag ohne. Natürlich ließ die Leidenschaft auch mal nach, gibt sie unumwunden zu, aber es sei immer noch ein Muss. Längst hat sich ihr Zugang zur Praxis verändert, seitdem ihre Lehrerin ihr mit Anfang 20 diverse Yogaschriften zum Lesen gab. „Damals konnte ich wenig damit anfangen“, erzählt sie. Meine Reaktion war eher: „Hä, wieso leide ich? Ist doch alles super“. Heute ist sie dankbar dafür, so früh in Kontakt mit den yogischen Sichtweisen gekommen zu sein und auch, sie abgelehnt zu haben. „Denn jetzt erkenne ich, dass eben doch etwas dran ist. Und dass es eine Entscheidung ist, wie es mir geht. Was nicht heißt, dass es mir immer blendend geht, aber ich habe unheimlichen Einfluss darauf.“

Zeit für Asanas

So geerdet und aufrichtig wie North im Gespräch wirkt, ist auch ihre Musik. „Precious Ruby“, der Titel ihres neuen Albums, ist von ihrer US-amerikanische Großmutter inspiriert, bei der North zeitweise aufwuchs. Um das Album zu finanzieren, griff die Musikerin auf die Unterstützung ihrer Fans zurück und deckte die anfallenden Kosten via Crowdfunding. Ein Schritt, der ihr nicht leicht fiel. „Ich habe auch aus Angst gezögert, das nicht zu schaffen“, gibt sie zu. Zwei Musiker-Kollegen überzeugten sie schließlich – einfach machen! A propos machen: Mit der Disziplin, sich täglich zu einer bestimmten Zeit auf die Matte zu stellen, sieht es North nicht allzu eng. „Am liebsten übe ich morgens ein paar Asanas, um den Körper zu wecken,“ erzählt sie, „aber ich bin da nicht so rigoros“. Stattdessen geht sie auch mal mitten am Tag in den Kopfstand, wenn ihr danach ist. Aber sie zeigt auch Ehrgeiz, wenn es darum geht, an einer bestimmten Haltung zu arbeiten. Dann wird der Timer gerne auf 10 Minuten und länger gestellt, um konzentriert in der Asana zu bleiben.Ein paar Minuten länger hat North auch gebraucht, als sie sich vor drei Jahren schließlich für die Ausbildung zur Yogalehrerin bei Eva Obermeier in Berlin entschied: – dort, wo ihr eigener Yogaweg einst begann. Nun berührt die Musikerin ihr Publikum nicht mehr nur von der Bühne aus, sondern inspiriert auch ihre Yogaschüler, ihrem langen Atem zu vertrauen.


Astrid North/ Foto: Kristin Schnell

Montags-Mantra: Leinen los!

Leinen los_Segelschiff_Foto: Kelly Sikkema_unsplash.com

Der Weihnachtsbraten ist fast verdaut und wer im Vorweihnachts-Stress war, erholt sich so langsam wieder. Jetzt kommt die Zeit, das alte Jahr Revue passieren zu lassen und sich auf das kommende Jahr einzustimmen – und sich vielleicht etwas für das neue Jahr vorzunehmen. Zum Beispiel, Knoten zu lösen und los zu segeln! Denn:

In 20 Jahren wirst du mehr enttäuscht sein über die Dinge, die du nicht getan hast, als über die Dinge, die du getan hast.  Also löse die Knoten, laufe aus dem sicheren Hafen. Erfasse die Passatwinde mit deinen Segeln. Erforsche.Träume.

Der Rat stammt von Mark Twain. Und man muss nicht unbedingt auf Reisen gehen, um ihn  anzunehmen. Mut und Lebendigkeit gehören auch zum Alltag!

Wir wünschen euch eine gute Zeit zwischen den Jahren und einen wunderbaren Start in 2017!


Bild: Kelly Sikkema// unsplash.com

 

Vorreiterin des Yoga: Geeta Iyengar

Geeta Iyengar_Yogapionierin_Foto Jake Clenell

Als die Yogapionierin Geeta Iyengar in den frühen 1960er-Jahren zu unterrichten begann, war sie ein neues Phänomen: Sehr wenige Inder hielten etwas von Yoga übenden Frauen – geschweige denn von Yogalehrerinnen. 

Eine der häufigsten Fragen in den 60er-Jahren an Geeta Iyengar lautete: „Kann die Kopfstandpraxis verhindern, dass eine Frau schwanger wird?“ Zu dieser Zeit war Geeta nicht einmal 20 Jahre alt, aber als älteste Tochter von B. K. S. Iyengar hatte ihr Wort Gewicht. Bis heute ist sie kein wirklicher Yogastar, was sicherlich genau so von ihr gewünscht ist. Seit dem Tod ihrer Mutter im Jahr 1973 war sie die Frau im Schatten des Übervaters. Sie kochte Iyengars Mahlzeiten, bearbeitete seine Manuskripte und leitete das Tagesgeschäft im Ramamani Iyengar Memorial Yoga Institut im indischen Pune, dem Zentrum des Iyengar Yoga. Jede Anerkennung und jede Aufmerksamkeit, die sie erhält, richtet sie auf „Guruji“, ihren Vater und Lehrer. Dennoch gilt sie seit vielen Jahren als Yogameisterin mit eigener Ausrichtung und unbestrittene Expertin für auf Frauen abgestimmtes Yoga.

„Entweder übst du Yoga oder du bereitest dich auf den Tod vor“

Ihre Yoga-Ausbildung begann quasi schon mit ihrer Geburt. „Die Praxis war jeden Augenblick präsent“, erinnert sie sich. „Ich habe immer noch vor Augen, wie ich Guruji während seiner Übungen nachgeahmt habe. Er hat mich nach vorne und zurück gebogen und mich bei Kopf- und Schulterstand auf seinen Füßen balanciert.“ Dennoch war ihre Kindheit alles andere als idyllisch. Wie ihr Vater war sie ein kränkliches Kind, das an Erkältungen, Magenbeschwerden, Typhus und Diphtherie litt. Als Zehnjährige wurde Nephritis diagnostiziert, eine lebensgefährliche Entzündung der Nieren. Nachdem sie ein schwerer Schub vier Tage bewusstlos machte, schob ihr Vater die Liste mit den Medikamenten beiseite und beschloss mit strenger Entschiedenheit: „Von morgen an gibt es keine Medizin mehr. Entweder übst du Yoga oder du bereitest dich auf den Tod vor“, wie Geeta in ihrem bahnbrechenden Buch „Yoga für die Frau“ beschreibt.
Mit 15 Jahren gab sie ihren Klassenkameraden bereits Unterricht. Zwei Jahre später baten einige Schüler ihres Vaters, dass sie ihn während seines Aufenthalts in England vertrete. Der Meister gab sein Einverständnis. Die folgenden 50 Jahre verbrachte Geeta damit, ihn zu unterstützen und sein Wirken zu verbreiten – erst als Schülerin, dann als Nachfolgerin, die das Institut gemeinsam mit ihrem Bruder Prashant leitete.

Die Iyengars begleitet der Ruf „allsehend“ zu sein

Die drei Iyengars sind für ihre ganz spezielle Grimmigkeit bekannt. Sie neigen zu Wutanfällen und werden laut: Charaktereigenschaften, die leicht missverstanden werden können. Die amerikanische Yogalehrerin Patricia Walden, die seit Mitte der 1970er-Jahre bei den Iyengars studiert, hat es selbst erlebt. „Für viele ist es schwer nachzuvollziehen, dass dich jemand anschreit und gleichzeitig sehr fürsorglich ist. Sie tun es, weil sie unbedingt wollen, dass du die Inhalte verstehst, dich keinesfalls verletzt oder dich von einem Leiden erholst“, erklärt die erfahrene Yogalehrerin.
Außerdem haben die Iyengars den Ruf, „Allsehende“ zu sein mit der Fähigkeit, unter Hunderten von Schülern die Schwachstelle deiner Haltung und den Moment zu erkennen, an dem deine Aufmerksamkeit schwindet – gefolgt von einer strengen Zurechtweisung. „Unterricht bei ihnen ist wie nackt sein“, so Walden. „Du kannst dich nicht verstecken.“
Als Yogalehrerin spezialisierte sich „Geetaji“ früh auf die speziellen Bedürfnisse von Frauen. Ihr 1983 in der ersten Auflage erschienenes Buch „Yoga für die Frau“ ist bis heute das Standardwerk für Asana und Pranayama in den unterschiedlichen weiblichen Lebensphasen. In dem nur auf Englisch erschienenen Buch „Iyengar Yoga for Motherhood“ behandelt sie alle Themen der Schwangerschaft – vom Kinderwunsch bis zur Stärkung des Körpers nach der Geburt. Ihre Überlegungen zur Anpassung der Praxis während der Menstruation sind in Fachkreisen unbestritten.

Mutig, modern und motivierend

Obwohl sie nie verheiratet war und laut eigenen Angaben nie Interesse daran hatte, beschäftigte sie das Bemühen von Frauen, das Familienleben mit anderen Interessen zu vereinbaren. Auch selbst gibt die Matriarchin der Familie Iyengar zu, ihre eigene Yogapraxis regelmäßig zu vernachlässigen. „Meine vielen Verpflichtungen machen das unmöglich“, sagte sie einmal. „Männer handhaben das anders. Sie können ihr Programm konsequent durchziehen – weil es meistens jemanden gibt, der sie unterstützt.“
Ihr größtes Vermächtnis an die Weiblichkeit ist jedoch ihr eigenes Beispiel. „Als außergewöhnlich kraftvolle und strikte Frau hat sie in vielen Schülerinnen ungeahnte Fähigkeiten wachgerufen“, beschreibt Patricia Walden Geetas Verdienst. „Sie lässt sich von niemandem einschüchtern, spricht offen aus, was sie denkt, und lebt ihre eigene Wahrheit.“

Die Autorin: Anna Dubrovsky (www.anywherebutacubicle.com) lebt als freie Journalistin und Yogalehrerin im amerikanischen Pittsburgh.


Foto: Jake Clennell

Dies.Das.Asana: Der leichtfüßiger Schwan

Asana_leichtfuessiger Schwan_Jelena Lieberberg

Spielerisch und geerdet zugleich: Dieses Mal stellt Jelena Lieberberg in ihrer Kolumne den leichtfüßigen Schwan vor. Für alle Yogis, die gerne etwas Neues ausprobieren möchten ist die Haltung ein guter Anfang.

Der leichtfüßige Schwan ist eine Mischung aus Virabhadrasana III (Krieger III) und dem stehenden Spagat, zugleich zählt er aber zu den Rückbeugen. Man fliegt grazil, ist dabei fest geerdet durch das Standbein, spannt die Flügel der Arme weit auf und lässt das fliegende Bein in eine kraftvolle, elegante Außenrotation gleiten. Die hinter dem Rücken aneinandergelegten Hände schenken Handgelenken, Unterarmen und Schultern eine oft vernachlässigte Dehnung.
Zugleich eröffnet sich dabei die Möglichkeit, die Bandhas (Körperverschlüsse) auf eine neue Art und Weise zu spüren: Das Kippen des Beckens weckt nicht nur die Muskulatur der Körpervorderseite, sondern auch die des Rückens. Um die Balance zu halten, benötigt man zudem die Haltekraft der Bandhas. Je mehr Bauchspannung (Uddiyana Bandha) und Beckenbodenkraft (Mula Bandha) entsteht, desto deutlicher wird die große Muskelgruppe der Rückenstrecker gegen die am Rücken liegenden Händen gedrückt.

Macht das Spaß?

Ja! Gerade weil es etwas kniffliger ist, die Balance zu halten, wenn man (anders als in Krieger III) das gehobene Bein aktiv nach außen rotiert. Dazu kommt: Der Oberkörper darf sich nicht mitdrehen und die Schultern sollten sich eher höher als die Hüfte befinden.

Worauf muss ich achten?

Wie in allen Rückbeugen sollten Sie den unteren Rücken schützen. Dazu ist eine bewusste Aktivierung der Bauchmuskeln notwendig.

Was muss ich dafür tun?

Die Haltung erfordert eine gute Stabiliät in den Beinen. Die ist zum Beispiel gegeben, wenn Sie Krieger III etwa fünf Atem­züge lang halten können. Für die Position der Hände hinter dem Rücken müssen die Schultern ausreichend mobil sein. Das können Sie im Stehen oder in Parshvottanasana (Pyramide) zuvor behutsam üben. (Vorsicht bei Schulterverletzungen!)

Schritt für Schritt in den leichtfüßigen Schwan

1 Beginnen Sie aufrecht stehend in Tadasana (Berghaltung). Legen Sie die Hände hinter dem Rücken langsam, Finger nach Finger, aneinander. Dabei achten Sie darauf, dass Sie nicht in ein übermäßiges Hohlkreuz gezogen werden. Dazu aktivieren Sie Mula Bandha, indem Sie ihr Schambein Richtung Nabel ziehen.

2 Verwurzeln Sie Ihren linken Fuß und strecken Sie das rechte Bein wie im Krieger III nach hinten. Dabei darf sich der Oberkörper zu Beginn wie im stehenden Spagat zunächst etwas tiefer Richtung Boden bewegen.

3 Sobald das rechte Bein oben ist, drehen Sie das gehobene Bein aus dem Hüftgelenk heraus langsam nach außen, heben den Oberkörper wieder etwas und ziehen die Schulterblätter dichter zueinander. Versuchen Sie, die drei entscheidenden Bewegungen in ein gutes Gleichgewicht zu bringen: die Auswärtsdrehung an der rechten Hüfte, die Dehnung der Körpervorderseite und die Mobilisierung der Schultern.

4 Nach etwa fünf gleichmäßigen Atemzügen in der Haltung senken Sie das rechte Bein wieder und kehren zurück in Tadasana. Gönnen Sie Handgelenken und Schultern eine kurze Pause und schütteln Sie ihre Beine aus. Anschließend wiederholen Sie das Ganze auf der anderen Seite.


Foto: Gordon Schirmer/ Foto-me.de

Percy Shakti Johannsen

Shakti ist einer der erfahrensten Sup Yoga Lehrer, wagte als einer der ersten deutschen bereits 2010 den Schritt aufs Wasser und spricht auf der diesjährigen Yoga World erstmalig über seine Erfahrungen.
Während dieses Vortrags wird Shakti das lebendige System von Namasté Sup Yoga vorstellen, über  seine Erlebnisse, Materialkenntnisse und do´s und don´ts des Sup Yogas referieren, reflektieren. Weitere Themen sind Deutschlands erste, von Ihm entwickelte SUP Yoga Instructor Ausbildung und sein im April 2017 im BLV Verlag erscheinende Buch „SUP Yoga“.Mehr über Namasté Sup Yoga findet ihr unter https://namaste-yoga.de/
Und mehr über Shakti unter https://www.shaktiji.com/

Percy Shakti Johannsen auf der YogaWorld 2017 in München: Sonntag, 22.01.2017// 11:15 – 12:00 Uhr // SUP Yoga // Yamuna Vortragsraum
Percy Johannsen & Jeppe Skovgaard at Spree River, Berlin

Atempause – Nik Linder taucht 108 Meter unter Eis

NikAtempause - Apnoetaucher Nik LIndner tauch 108 m tiefCedric Schanze

Nik Linder ist Apnoetaucher. Der Freiburger tauchte mit einem Atemzug 108 Meter unter Eis – Weltrekord. Um solche Extremleistungen zu schaffen, nutzt Linder Pranayama, Asanas, autogenes Training und Meditation,
denn Freediver sind die Yogis unter den Tauchern.

Apnoe heißt Atemstillstand oder „nicht atmen“, was etwas ganz anderes ist, als die Luft anzuhalten. Der Apnoetaucher Nik Linder sagt: „Ich mache Pause vom Atmen“ – und taucht dann minutenlang ab. Die Grundtechniken dafür kommen aus dem yogischen Pranayama.

Mit einem Atemzug unters Eis

Weißensee im Januar 2011. Kärntner Wintersport­idylle. Nik Linder sitzt im roten Neoprenanzug auf dreißig Zentimeter dickem Eis mitten im See. Die Beine baumeln in einem Loch, herausgesägt aus der Eisschicht. Werbebanner, Zuschauer in Daunen­anoraks, Sicherungstaucher mit Pressluft­flaschen – Nik kriegt all das kaum mit. Der Freiburger konzentriert sich vollständig auf seine Atmung und den Rekordversuch: Er will mit einem Atemzug 108 Meter unter der Eis­decke durch den Weißensee tauchen. Ein letztes Mal tief Luft holen, dann verschwindet er im schwarzen Wasser.

Bewusste Entspannung

An Land und im Gespräch begegnet man Linder ganz anders: Kurzhaarfrisur, Dreitagebart, direkter Blick aus stechend blaue Augen – er strahlt etwas Besonnenes aus, wirkt erfrischend unaufgeregt und gut gelaunt. Egal wie viel Trubel um ihn herum tobt, er wählt seine Worte sorgfältig und lacht viel.
Man spürt: Dieser Mann ist tiefenentspannt. Das muss er auch sein, denn Entspannung ist die Quintessenz beim Apnoetauchen, der Tauchdisziplin ohne Flasche, wo alles von einem Atemzug abhängt. Rekorde wie Niks sind spektakulär und bringen Freediving (wie Apnoetauchen auch genannt wird) immer wieder in die Schlagzeilen – doch eigentlich geht es hier gerade nicht um das „Weiter, tiefer, länger“, sondern um bewusste Entspannung.

Atempausen nehmen

Genau das lehrt Linder in seinen Apnoe-Workshops, denn mittlerweile kann der gelernte Sparkassen-Versicherungskaufmann von seinem einstigen Hobby leben: Er ist Profiathlet, Trainer, schreibt Bücher und gibt Entspannungs­seminare – nicht nur für Taucher. So lehrt er etwa, wie man Stress weg­atmen kann. „Sich eine Atempause nehmen“, nennt Nik das. Schon nach wenigen Minuten verlangsamt sich der Puls und man entspannt sich. Dabei nutzt Linder Aspekte aus Yoga Nidra, autogenem Training, Meditation und vor allem Pranayama. Entwickelt hat er all das natürlich für seine Tauchgänge. Wobei sich seine Lust auf Yoga anfangs in Grenzen hielt. Der Türöffner war die Einsicht, dass er hier eine Menge Techniken finden würde, die seiner Tauchpraxis und seinem Unterricht mehr Tiefe geben könnten. Inzwischen ist Yoga Teil seiner täglichen Routine geworden. „Ich mache jeden Morgen Kapalabhati und abends Anuloma Viloma, dazu Aufladeübungen und verschiedene Asanas“, sagt Nik. „Das reicht, um die Atmung bewusster wahrzunehmen. Außerdem bin ich so viel entspannter, weniger impulsiv und meine lästigen Schlafstörungen sind auch verschwunden.“

Weltrekord

In der Woche vor unserem Gespräch war Nik in Ägypten, dann auf Madeira, anschließend standen Kroatien, Türkei und die Bahamas auf dem Plan – das Leben als Profi-Athlet kann ganz schön anstrengend sein. „Nach einem langen Tauchtag ertappe ich mich schon mal bei dem Gedanken: Mensch, damals bei der Versicherung, da hattest du nach acht Stunden Feierabend!“, sagt Nik. Aber dann muss er selbst darüber lachen. Nein, er ist mit seinem Leben, den Reisen und seinen Rekordversuchen glücklich. Wie damals am Weißensee, als er nach 76 Sekunden und 108 Metern wieder Luft holen konnte – denn er hatte den Weltrekord an diesem winterlichen Tag im Januar tatsächlich gebrochen.


Foto: Cedric Schanze

Montags-Mantra: Was muss ich eigentlich wirklich?

Frau mit Tasse-Foto_Maria Hek via unsplash.com

Ich muss noch dies, ich muss noch das und in einer halben Stunde muss ich da und da sein. So rattert es oft durch unsere Köpfe. Vor allem in der Vorweihnachtszeit treiben Termin- und Organisationsdruck unseren Puls in die Höhe. Bei den meisten von uns gehen in dem Zustand alle Kanäle zu: Offenheit und Kreativität leiden darunter. Anspannungen, Gereiztheit und ein Gefühl der Getriebenheit haben uns im Griff. Das nimmt dem Leben viel Lebendigkeit. Manchmal passiert es aber, dass wir aus irgendeinem Grund inne halten (müssen) und wir stellen fest: Die Hälfte unserer Stressfaktoren ist ja überhaupt nicht so wichtig!

Also, raus damit! Es lohnt sich, regelmäßig zu entrümpeln – auch Gedanken und Termine. Sortiert wichtig und unwichtig, denn das Leben ist viel zu schön, um es mit unnötigem Ballast zu füllen!

Albert Camus hat es auf den Punkt gebracht:

Das Leben ist kurz und seine Zeit zu verlieren ist eine Sünde.

Habt eine gute Woche!


Foto: Hek Maria via unsplash.com