Nie wieder Nudeln?

Nie wieder Nudel Low Carb Ernaehrung

Eine getreide­arme Ernährung soll nicht nur die Pfunde purzeln lassen, sie ist auch eine gängige Antwort auf Glutenunverträglichkeit und andere Gesundheitsprobleme. Es spricht aber auch vieles für Getreide. Unsere Gastautorin Kerri-Ann Jennings trennt die Spreu vom Weizen.

Nach Fett, Milch und weißem Zucker steht seit einiger Zeit eine weitere Gruppe von Grundnahrungsmitteln auf der schwarzen Liste der trendbewussten Gesundheitsapostel: Getreide. Das betrifft Bio-Buchweizen genau wie Frosted Cornflakes, Hirsebrei ebenso wie Weißmehlbrötchen. Sogar Vollkorngetreide – lange Zeit der Liebling der Ernährungsexperten – gilt manchen Verfechtern der Low-Carb-Welle als Bedrohung für die Volksgesundheit. Der allergrößte Feind aber heißt Weizen. Der amerikanische Kardiologe William Davis behauptet in seinem Bestseller „Weizenwampe“, der Verzehr dieses Standardgetreides sei ein Hauptgrund für die statistische Zunahme von Übergewicht und Fettleibigkeit. Seine Theorie: Der in den vergangenen Jahrzehnten mehr und mehr angebaute Hybridweizen enthalte ein höheres Maß an Gliadin. Dieses Eiweiß bildet gemeinsam mit Glutenin das Klebereiweiß Gluten, es soll aber auch an Opiatrezeptoren im Gehirn andocken und so den Appetit stimulieren. Noch einen Schritt weiter geht David Perlmutter, der sich selbst als „abtrünnigen Neurologen“ bezeichnet. Er behauptet, dass sämtliche Kohlenhydrate – und somit sämtliche Getreidesorten – Gift fürs Gehirn seien. Verkürzt ausgedrückt erhöhen sie seiner Theorie zufolge den Blutzuckerspiegel in einer Weise, die Entzündungen auslöst und zu einer Vielzahl von Krankheiten führt, allen voran Alzheimer. Entsprechend plakativ titelt sein Buch: „Dumm wie Brot. Wie Weizen schleichend Ihr Gehirn zerstört“.

Besser als sein Ruf

Beide haben teilweise Recht: Low-Carb-Diäten helfen tatsächlich (aber nur ebenso effektiv wie andere Diäten) beim Abnehmen. Das entschärft natürlich viele Gesundheitsprobleme, die mit Übergewicht in Verbindung stehen, etwa Diabetes und Energiemangel. Wahr ist auch, dass industriell verändertes oder verarbeitetes Getreide mit krankheitsauslösenden Entzündungen in Zusammenhang gebracht wird. Das Gleiche gilt allerdings auch für viele andere industriell verarbeitete Lebensmittel. Der Ernährungsexperte David Katz unterstreicht: „Die Befürworter der getreidefreien Ernährung berufen sich auf Studien, die die negativen Effekte von exzessivem Konsum industriell verarbeiteter Getreide zeigen und beziehen das dann auf alle Getreideprodukte. Oder sie verwenden Untersuchungen über potenzielle Gefahren von gentechnisch manipuliertem Weizen bei Labortieren und leiten daraus dann Verallgemeinerungen darüber ab, wie Weizen auf Menschen wirkt. Das kommt gut an, weil es so einfach wirkt: Man macht ein einzelnes schädliches Element der Ernährung ausfindig und hat einen perfekten Sündenbock für sämtliche Leiden.“ Dabei stimmt auch: „Gutes“ Getreide ist sogar sehr gesund. „Die wissenschaftlichen Belege für den Zusammenhang zwischen regelmäßigem Verzehr von Vollkornprodukten und guter Gesundheit sind ziemlich stark,“ sagt Katz. Zahlreiche Studien haben Vollkorngetreide mit verminderten Entzündungswerten, geringerem Risiko für Herzerkrankungen und sogar mit einer niedrigeren Sterblichkeit allgemein in Zusammenhang gebracht.

Auch die Theorie über die appetitanregende Wirkung des Weizenbestandteils Gliadin hält genauerer Betrachtung nicht stand: Dass alle Arten von Weizen (selbst die so genannten alten Sorten wie Kamut) das Eiweiß Gliadin enthalten, ist nichts Neues. Auch dass Gliadin im Körper einen opiatartigen Stoff, Gliadotropin, erzeugen kann, ist richtig. Aber der menschliche Darm kann diesen Stoff nicht aufnehmen, folglich erreicht er nie das Gehirn und kann dort auch keinen Appetitschub auslösen. Offenbar hat William Davis eine Studie herangezogen, für die Ratten Gliadotropin injiziert wurde – was nicht sehr viel mit dem menschlichen Weizenverzehr zu tun hat.

Alles in Maßen

Gesundheitlich bedenklich ist also nicht das Getreide an sich, sondern die Menge und die Art an Getreide, die wir zu uns nehmen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt täglich 200 bis 300 Gramm Brot oder Getreideflocken und 200 bis 250 Gramm Kartoffeln oder Nudeln – und sie unterstreicht, dass dabei Vollkorngetreide der Vorzug gegeben werden sollte.
Während Getreideprodukte in älteren Ernährungs­pyramiden noch den breiten Sockelplatz einnahmen, stehen nach heutigem Wissensstand Gemüse und Obst an dieser Stelle: mit 400 beziehungsweise 250 Gramm pro Tag. Bei den meisten Deutschen verhält es sich eher umgekehrt (einmal ganz abgesehen vom tendenziell viel zu hohen Zucker- und Fleischkonsum). Ganz wichtig: Je natürlicher und weniger verarbeitet das Getreide, desto besser. Im Gegensatz etwa zu Quinoa, braunem Reis oder Gerstenkörnern enthält der Weizen in handelsüblichem Mehl und fertig gekauften Back- und Teigwaren weder die ballaststoffreiche Hülle noch den nährstoffreichen Keim – dafür aber häufig eine Reihe von Emulgatoren und anderen Zusatzstoffen.

Low Carb hin oder her: Es ist auf jeden Fall richtig, den eigenen Getreidekonsum etwas genauer unter die Lupe zu nehmen: Welches Getreide esse ich in welcher Menge im Lauf der Woche? Wenn Sie dabei zu dem Ergebnis kommen, dass ein gewisses Umdenken nicht schaden könnte, kann mit der leckeren Zucchini-Pasta, Karotten-Walnuss-Muffins und Blumenkohl-Couscous mit Käse anfangen.

Kerri-Ann Jennings ist nicht nur freiberufliche Autorin, sondern auch Yogalehrerin. Sie schreibt am liebsten über Gesundheitsthemen und Ernährung.

 

 

 

 


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Me, Myself and Yoga – David Lurey im Gespräch

Yogalehrer David Lurey im Interview

Auf der YogaWorld in München haben wir es gerade wieder erlebt: Der auf Mallorca lebende amerikanische Yogalehrer David Lurey ist ein Liebling der Szene. Spätestens wenn er die Gitarre zur Hand nimmt und Shavasana mit selbst geschriebenen Songs begleitet, fliegen ihm alle Herzen zu. YOGA JOURNAL hat mit ihm über Eitelkeit, Yoga-Popstars und das zähe Ringen um Selbsterkenntnis gesprochen.

 

„Asanas sind ein Platz für Selbsterfor-schung, kein Thron für Errungenschaften.“ Aadil Palkhivala

YJ: Mit diesem Zitat hast du deine Stunde bei der Yoga World im letzten Jahr eröffnet. Warum ist das kontinuierliche Forschen im Yoga (oder im Leben) so viel wichtiger als das Streben nach Perfektion?
DL: Sagen wir mal so: Nur indem man nach persönlicher Entwicklung strebt und sich selbst erforscht, kann man einige der Hindernisse aus dem Weg räumen, die einem das Gefühl geben, von anderen Menschen getrennt zu sein. Dieses Gefühl von Trennung ist die Ursache aller Konflikte. Wenn ich aber erkenne: Ich sehne mich nach Anerkennung, ich bin liebebedürftig, ich bin wütend oder frustriert, dann kann ich im nächsten Schritt auch verstehen, dass mein Gegenüber die gleichen Gefühle erlebt. Ich sehe hinter seiner menschlichen Schale die gleiche Sehnsucht, geliebt zu werden.

YJ: Warum ist das so schwierig?
DL:Weil wir unsere emotionale Intelligenz auf stumm schalten und die Signale des Lebens überhören. Und das betrifft nicht nur das Persönliche: Auch als gesamte Menschheit hören wir nicht auf die Signale unserer Gefühle und nicht auf die Signale der Erde. Mitgefühl und Liebe sind eigentlich die Essenz unserer Emotionen. Trotzdem gibt es eine Flüchtlingskrise, es gibt Kriege, Gier, Hierarchien zwischen reich und arm.

YJ: Lass uns nochmal einen Schritt zurückgehen zu den Asanas: Hat man in der Arbeit mit dem Körper die Gelegenheit, das Forschen und die Einfühlung einzuüben?
DL: Genau so ist es. Ich übe seit 20 Jahren Asanas – und ich bin noch lange nicht fertig damit, denn hier spüre ich alles zuerst. Wenn ich zum Beispiel den nach unten schauenden Hund übe, dann sprechen meine Schultern zu mir. Wenn ich dann aus der Haltung wieder herauskomme, kann ich mich fragen: Warum spannen meine Schultern? Hat das was mit meinem Lebensstil zu tun, mit meinen Bewegungsmustern oder mit meinen Gefühlen? Gleichzeitig ist es wichtig, nicht übermäßig zu analysieren. Ich lebe lieber im Erforschen.

YJ: Folgt beim Forschen nicht automatisch die Analyse?
DL: Stimmt, aber wenn es um Transformation geht, würde ich eher vier andere Schritte unterscheiden: Der erste ist das Beobachten, der zweite das Anerkennen: Wenn man nicht weiß, dass die Schultern verspannt sind, kann man auch nichts daran ändern. Wenn man nicht erkennt, dass man im Herzen blockiert ist, kann man nichts dagegen tun. Erst das Anerkennen verleiht der Beobachtung Raum und Leben. Der dritte Schritt ist dann die Veränderung. Auf körperlicher Ebene könnte das zum Beispiel bedeuten: Meine Beinrückseiten sind verkürzt, ich übe Supta Padangushthasana. Wenn es um eine Transformation auf der Herzensebene geht, gibt es andere Werkzeuge. Und dann kommt aus meiner Sicht der vierte Schritt und der heißt: Such weiter!

YJ: Was meinst du damit?
DL: Gerade in dem Moment, wo man glaubt, man hätte den Dreh raus, sollte man besser noch mal ganz genau hinschauen. Das ist der Moment, wo die überraschenden Dinge passieren, denn die Schatten sind immer da. Die Sonne scheint im Lauf des Tages aus unterschiedlichen Richtungen und es gibt immer Stellen, die im Schatten liegen. Solange ich ein Mensch bin, kann ich nie alle Aspekte meiner selbst vollständig sehen.

YJ: Ich nehme an, hier kommt das Missverständnis mit dem „Thron der Errungenschaften“ ins Spiel?
DL: Korrekt. Die Asana – oder auch die persönliche Entwicklung – sollte nie ein Statussymbol werden, das sagt: „Schaut her, ich habe im Yoga etwas erreicht!“ Denn es gibt immer noch eine tiefere Ebene. Wenn ich eine Haltung äußerlich auf einem bestimmten Niveau bewältigt habe, dann rücken andere Aspekte in den Vordergrund: Wie fließt die Energie, was macht der Atem, was löst die Asana mental und emotional überhaupt in mir aus?

YJ: Im Unterricht forderst du deine Schüler dazu auf, sich zu fragen: Wird mich jemand mehr lieben, weil ich diese Asana so wunderbar ausführe?
DL: Hast du dich da ertappt gefühlt?

YJ: Na klar. Es hat mich daran erinnert, dass die Asana-Praxis auch dazu verleiten kann, das Ego zu füttern. Der Geist kommentiert ja andauernd, was der Körper tut …
DL: Darum ist es so wichtig, sich bewusst zu machen, dass Yoga eine Praxis für Körper, Geist und Seele ist. Wenn man eines davon außen vor lässt – was passiert dann?

YJ: Dass wir so stark auf Leistung konditioniert sind, macht es nicht gerade leichter.
DL: Deswegen ist es ja auch ein lebenslanger und individuell verschiedener Weg. Für manche Menschen sind Asanas ganz einfach, anderen erschließt sich die Philosophie sehr mühelos oder die spirituellen Aspekte. Für jeden geht es letztlich darum, in eine größere Balance der drei Bereiche zu gelangen.

YJ: Aber vielleicht ist die Sehnsucht nach Anerkennung auch zweitrangig und es macht mir einfach Freude, dass ich eine Asana gut kann?
DL: Daran ist nichts verkehrt. Wenn man nach der Morgenmeditation den Frieden im Herzen fühlt oder nach einem Handstand spürt, wie eine Welle von Kraft und Energie durch den Körper strömt – toll! Etwas zu erreichen, sich als fähig und kraftvoll zu erleben, das ist sogar sehr wichtig. Anzugeben und sich zu produzieren ist etwas völlig anderes.

YJ: Aber wo verläuft die feine Linie zwischen dem Bedürfnis nach persönlichem Wachstum und dem eitlen Streben nach Anerkennung?
DL: Das spielt immer mit rein. Sogar wenn ich eine Interview-Anfrage vom Yoga Journal bekomme, denke ich einen Moment lang: „Wow, cool. Ich bin wichtig. Vielleicht werde ich ein bisschen berühmter.“ Aber dann sage ich mir: „Okay, beruhige dich wieder. Eigentlich möchtest du Menschen zu mehr Gesundheit und Lebendigkeit inspirieren – und wenn dieses Interview dazu beiträgt, dann ist das schön.“

YJ: Im Gegensatz zu vielen Yogaschülern haben Yogalehrer vielleicht eher ein Problem mit zuviel Anerkennung und Bewunderung?
DL: Eine riesengroße Fallgrube und ein wichtiger Prüfstein für die eigene Reife! Ich bin jetzt 43 und unterrichte seit 15 Jahren. Im Vergleich zu meinen eigenen Lehrern bin ich so was wie ein Teenager. Das Zitat mit dem „Thron der Errungenschaften“ verwende ich auch deswegen so gerne, weil es für mich selber wichtig ist. Vermutlich kann man nur zu Bescheidenheit finden, indem man selber intensiv weiterübt. Aber so, wie sich Yoga gerade in der Welt ausbreitet, ist es ziemlich einfach, ein Yoga-Popstar zu werden. Wenn du eine tolle Asana-Praxis hast, gut mit Worten umgehen kannst und eine Botschaft vermittelst, dann wirst du auf Leute treffen, die hungrig danach sind. Auch daran ist wieder grundsätzlich nichts Schlechtes, aber es verleitet natürlich leicht zu einem aufgeblasenen Ego.

YJ: Das Absurde am modernen Yoga ist ja: Die Menschen kommen eigentlich, um einen Ausgleich zu Leistungsdruck und Stress zu finden und rutschen dann oft in genau den gleichen Perfektionismus hinein – in der Außenwahrnehmung ist Yoga schon fast zum Inbegriff einer als lächerlich empfundenen Selbstoptimierung geworden.
DL: Das hängt mit unserer Konditionierung zusammen: Streng dich an, werde besser, setz dir Ziele und erreiche sie! Wir sind völlig in dieses Denken eingebettet – da ist es nur natürlich, dass wir das auch auf Yoga übertragen.

YJ: Andererseits vermitteln wir aber ein Idealbild von Yoga, das genau das Gegenteil davon beinhaltet: Gelassenheit, Selbsterkenntnis, Mitgefühl …
DL: Das ist wahr und dem ist kaum etwas hinzuzufügen. Yoga ist ein sehr, sehr scharfes Messer. Präzise und vorsichtig eingesetzt – und das bedeutet für jeden unter Umständen etwas anderes – dient es dazu, das erleuchtete Selbst herauszuschälen. Missbräuchlich verwendet kann es aber auch großen Schaden anrichten, zum Beispiel indem es einen völlig in den Ego-Zustand und den Wettbewerb mit anderen zurückwirft.

YJ: Ist das vielleicht eine Frage der „richtigen“ Motivation?
DL: Ich glaube und lehre ja, dass Intention alles ist. Wenn die Intention Selbstverwirklichung heißt (wie Yogananda es nennt), dann wirst du jedes Straucheln auf dem Weg dazu nutzen, um innezuhalten und dich selbst zu hinterfragen: „War ich bei dieser Asana in meinem Körper präsent? War mein Atem bewusst? Habe ich es wahrgenommen, als ich gedacht habe: Schaut mich an, ich mach diese Haltung total gut?“ Es ist ein ständiges Fallen, Aufstehen, Weitermachen. Und wenn du zum Yoga gehst, um einen sexy Po zu bekommen, dann wird sich deine Praxis eben darauf ausrichten – und jeder wird irgendwann den Lehrer finden, der ihn bei seinem Weg unterstützt.

YJ: „Ist der Schüler bereit, so ist der Lehrer nicht weit“ …
DL: Genau. Ich bin sicher nicht der richtige Lehrer für alle. Ich liebe es, vom Philosophischen her ranzugehen und meinen Schülern Fragen zu stellen, zum Beispiel: „Bist du dir bewusst, welche Vorstellungen du von deiner Praxis und von dir selbst entwirfst?“ Genauso frage ich mich als Lehrer: „Bin ich hier, weil ich will, dass meine Schüler mich mögen, oder weil ich etwas Bestimmtes vermitteln will?“

YJ: Vielleicht auch: „Bin ich überhaupt in der Position, meinen Schülern zu sagen, was gut für sie ist?“
DL: Oh ja, das ist noch mal ein ganz anderes Kapitel – oder vielmehr ein ganzes Buch! Meine Frau Mirjam und ich stellen uns diese Frage ständig. Mir tut es gut, dass wir uns da gegenseitig unterstützen können.

YJ: In der Tradition des Yoga wurde die absolute Autorität des Guru dagegen nie in Frage gestellt. Er war derjenige, der wusste, was ein Schüler wann und wie zu tun hatte …
DL: Stimmt, aber wir leben heute in einer offenen, demokratischen Gesellschaft und wir stellen diese Fragen. Dabei kann es durchaus richtig sein, einem Lehrer zu folgen, wenn ich das Gefühl habe, dass er mein Herz tief berührt und mich inspiriert – und wenn jede Zelle meines Daseins damit im Einklang ist. Trotzdem bin ich nie einem Lehrer in blindem Glauben gefolgt. Mit den Lehren meines jetzigen Lehrers Aadil Palkhivala zum Beispiel bin ich zu zwei Dritteln einverstanden – das andere Drittel ist einfach sein Weg. Ich glaube, ein guter Lehrer wird dich immer dazu ermuntern und befähigen, deinen eigenen Weg zu gehen, und keine Abhängigkeiten erzeugen.

Mehr zu David Lurey unter www.findbalance.net


Foto: Stefanie Kissner

Montags-Mantra: Bereichernde Begegnungen

Frauen spazieren im Schnee

Manchmal sagen Fremde einen Satz, der uns zum Nachdenken bringt. Oder ein guter Freund hält uns einen Spiegel vor, durch den wir Dinge klarer sehen. Reflexion und Innenschau sind wichtig, keine Frage. In manchen Situationen brauchen wir jedoch Input von außen. Nicht nur, um uns persönlich voran zu bringen und daran zu wachsen. Offene Begegnungen mit anderen bringen uns auch eine Menge Spaß und bereichern uns ungemein! Der französische Schriftsteller Guy de Mauassant fand:

Es sind die Begegnungen mit Menschen,
die das Leben lebenswert machen.

 

Guten Start in die Woche!


Foto: unsplash.com

Blumenkohl-Couscous mit Käse und Tomaten

Blumekohl Kaese Couscous_Foto Jennifer Olson

Von der griechischen Küche inspiriert, aber die Kohlenhydrate reduziert: Die leckere Couscous-Kreation spart gegenüber der traditionellen Variante pro Portion 30 Gramm Kohlenhydrate – und enthält eine volle Tagesration Vitamin C.

Zutaten für 6 Portionen:
2 Tassen halbierte Kirschtomaten ++ 3 EL Olivenöl ++ 1 große Zitrone,
ausgepresst ++ 1 TL körniger Senf ++ ½ TL Honig ++ 2 EL Kapern ++
1 Handvoll frischer Dill, gehackt ++ 1 Blumenkohl, in Röschen zerteilt ++
200 g Halloumi-Käse, klein gewürfelt

Zubereitung:
Heizen Sie den Ofen auf 200 Grad vor. Beträufeln Sie die Tomaten mit ½ EL Öl und braten Sie sie etwa 10 Minuten lang auf einem Blech. Verquirlen Sie 2 EL Öl, Zitronensaft, Senf und Honig in einer Schüssel. Rühren Sie Kapern und Dill unter und schmecken Sie das Dressing mit Salz und Pfeffer ab.
Zerkleinern Sie den Blumenkohl im Mixer zu einer körnigen, Couscous-artigen
Konsistenz. Erhitzen Sie den restlichen ½ EL Öl in einer großen Pfanne und braten Sie den Blumenkohl darin etwa 5 Minuten, bis er goldbraun ist. Vermengen Sie den Blumenkohl mit Dressing, Tomaten und Käse.

Nährstoff-Info:

pro Portion 224 Kalorien, 17 g Fett (davon 8 g gesättigt),
8 g Kohlenhydrate, 3 g Ballaststoffe, 10 g Eiweiß, 511 mg Natrium


Foto: Jennifer Olson

Helga Baumgartner: Mit Yin Yoga gegen Burnout

Helga Baumgarnter Yin Yoga

Helga Baumgartner kennt sich aus mit Grenzerfahrungen in einer Berufswelt, die einem viel abverlangt und Menschen dazu bringt, ihr Gefühl für die individuellen Bedürfnisse von Körper und Geist zu verlieren.

In ihrem Beruf als Architektin war sie lange Zeit sehr gefordert. Überstunden, Leistungsdruck, Wettbewerbe: Es ging immer darum, noch besser zu sein, in noch kürzerer Zeit Ergebnisse zu liefern. Abends war sie erschöpft, das Bedürfnis nach Ruhe und Meditation, nach Revitalisierung war da. Mit Ashtanga Yoga und Vinyasa Yoga forderte sie ihren Körper nur noch mehr. Kurz vor dem Burnout begegnete sie Yin Yoga – für Helga war das „the missing piece“.  Mit Yin Yoga konnte sie endlich auch körperliche Anspannungen lösen. Mittlerweile ist Helga Baumgartner anerkannte und leidenschaftliche Yin-Yoga Lehrerin, sie unterrichtet auf Yoga-Konferenzen und hat eine eigenes Yin Yoga-Buch herausgebracht: „Yin Yoga. Achtsames Üben für innere Ruhe & Entspannung“, erschienen bei BLV.

YOGA JOURNAL sprach mit der Architektin und Yoga-Lehrerin über Yin Yoga, die Bedeutung und Wirkung.

YJ: Was genau macht die psychologische Komponente des Yin Yoga aus?

HB: Der Effekt des Yin Yoga ist mit dem der Meditation vergleichbar. Wenn wir zur Ruhe kommen, können wir uns dem widmen was wirklich da ist. Verborgene Vrttis – Vasanas, oft ist das die Spitze eines Eisbergs, der lange im Verborgenen lag. Das kann erschreckend, überraschend, erfreulich oder auch traurig sein.

YJ: Im Yin Yoga geht es immer um das Annehmen. Der unruhige Geist soll im Yoga zur Ruhe gebracht werden.Yoga citta vrtti nirodhah … so steht es ganz zu Beginn des Yoga Sutras von Patanjali. Ist das überhaupt im Gruppenunterricht möglich, kann man das anleiten?

HB: Es ist für jeden eine eigene, individuelle Reise, man kann aber wie Patanjali auch sagt, die Werkzeuge anleiten. Wie geht man mit dem vrttis (den Wirrungen des Geistes) um, identifiziere ich mich mit ihnen oder versuche ich in einer liebevollen Aufmerksamkeit zu bleiben. Patanjali sagt, wir sollen uns nicht identifizieren und erst so können wir unsere wahre Natur erkennen. So sagt es auch der Buddhismus. Erlaube, schaffe einen Raum, nur so können sich sich innere Türen und Fenster öffnen.

YJ: Birgt das nicht auch Gefahren, wenn man jetzt in einer Gruppe Yoga übt und da plötzlich etwas hoch kommt und die Schüler dann nach der Stunde damit alleingelassen werden?

HB: Da ist man als Lehrer stark in seiner Verantwortung gefragt. Ich muss mich fragen, wieviel möchte ich aus meinen Schülern herausbringen? Spiele ich eine super emotionale Musik, gehe ich nur auf die ganz tiefen Themen, öffne ich Pandoras Box ohne sie nachher wieder zu schließen? Oder mach ich das behutsam Stück für Stück, immer wieder ein kleines Stück. Man muss die Welt nicht an einem Tag erobern und auch nicht die innere Welt. Das ist eine lange, lange Reise, für die wir ja vielleicht sogar mehrere Leben Zeit haben ( lacht).

YJ: Im Yin Yoga wird immer erwähnt, wir sollten das was da ist, den Moment so annehmen, wie er ist. Und nicht mehr verlangen. Das Extrem davon währe eigentlich, dass man den Antrieb verliert, keinen Ehrgeiz mehr entwickelt. Alles anzunehmen, bedeutet das nicht auch, dass da der Drive verloren geht?

HB: Der Drive geht dann verloren, wenn Du einen Irrweg betrittst. Ich glaube, das ist leider bei vielen Menschen der Fall. Meine Hoffnung ist, dass die dann auch wieder zurück  und in eine reflektierte Praxis kommen. Manchmal brauchen wir dazu auch einen Lehrer, der uns an die Hand nimmt. Einen sehr erfahrenen Lehrer. Die Praxis ist wie eine Rasiermesserschneide. Verirrt ist man dann, wenn man nur noch denkt, alles ist gottgegeben – wobei da eher ein innerer Frust dahinter steckt. Das ist einzig und allein, das genaue Reflektieren. Was ist meine Motivation, meine Inspiration? Ich sehe die Gefahr nicht in der Yin-Praxis, eher in der Meditationspraxis. Im Yin Yoga ist es ja nicht so, dass alles losgelassen wird, es wird immer noch gehalten? Du hast also schon noch Körperspannung im Gegensatz zum restorative Yoga. Es ist eine Struktur im Muskel, die Halt gibt – auch wenn der Muskel locker ist, der Knochen hält auch, Du musst also nicht anspannen. Es kann in jeder Haltung vollständig losgelassen werden.

YJ: Es gibt eine große Verwirrung im unterrichten von Yin-Yoga…

HB: Oft wird Long-Slow-Deep als Yin Yoga missverstanden, Yin-Yoga, in der Form wie ich es unterrichte trägt keinerlei muskuläre Spannung. Sobald muskuläre Anspannung da ist, kann man mit Hilfsmitteln arbeiten. Im Yin passiert auch das Heben und Senken des Kopfes muskulär – also geht nicht alles Yin, aber der große Anteil der Stunde ist Yin. Man muss seinen eigenen Punkt erkennen.


Foto: Axel Hebenstreit

Montags-Mantra: Leise stark

junge Frau vor Bllumen_Montags-Mantra

Beim Lesen unserer Kern-Kolumne über yogische Antworten auf Populismus musste ich seit langem mal wieder an  „Es sind nicht immer die Lauten stark“ von Konstantin Wecker denken. Der Musiker und Lyriker besingt in seinem Lied nicht diejenigen, die auf einer Bühne stehen und eine große Plattform genießen. Sondern diejenigen, die auf „schwereren Plätzen kämpfen“. Diejenigen, die täglich ihren Weg leise und stark gehen – auch gegen Widerstände und die Mehrheitsmeinung. Das mag manchmal anstrengend sein, aber es lohnt sich. Denn das Gefühl, richtig zu handeln, erfüllt uns mit Zufriedenheit und Leichtigkeit. Für mich klingen Weckers Worte richtig (yogisch), wenn er singt:

Es sind nicht immer die Lauten stark, nur weil sie lautstark sind. Es gibt so viele, denen das Leben ganz leise viel echter gelingt.

Habt eine wunderbare Woche!


Foto: Allef Vinicius // unsplash.com

Wie geht die yogische Antwort auf Populismus?

03/2016

Am 20. Januar 2017 wurde Donald Trump als US-Präsident vereidigt. Ein lauter Vorzeige-Populist als „mächtigster Mann der Welt“? Trump, Marine Le Pen, Viktor Orban, die AfD – sie alle haben etwas gemeinsam: Sie  berauschen sich am eigenen Lärm, am Getrampel, Geschrei und Geschubse ihrer Anhänger. Das Laute ersetzt das Zuhören und Nachdenken. Wie kann sich dagegen ein Weg behaupten, den man leise und friedlich beschreitet? Wie sollen sich Leute Gehör verschaffen, die nicht brüllen? Wie geht die yogische Antwort auf Populismus?

Der neue Rechtspopulismus und der allerorten aufblühende Nationalismus ist gerne grob und laut. Differenzieren, Abwägen, Nachdenken hält man für eine Schwäche. Es soll schnell und einfach vorangehen. Leute wie Donald Trump schreien sich offenbar den ganzen Tag in Rage. Und zwar bevorzugt über das Immergleiche: Mauern bauen, Grenzen schließen, im Namen des Kampfes gegen Terrorismus Menschen niedermachen … Gegenüber Einwänden und Argumenten von Andersdenkenden wird man immun, indem man seinen Standpunkt unendlich oft und möglichst laut wiederholt. Ansonsten ist sowieso alles erlaubt: Lügen, Verunglimpfen, Denunzieren. Das Projekt der Schreihälse ist zynisch und menschenverachtend bis ins Mark und das zeigt sich auch an ihrer Performance.

Dem entgegengesetzt ist eine Geisteshaltung, die der Dalai Lama in seinem Buch mit den Worten „nachdenken, nachdenken, nachdenken – forschen, forschen, forschen“ umschreibt. Hier geht es um äußerste Aufmerksamkeit, um Differenzierungen, um den Willen und die Fähigkeit, sich selbst zu hinterfragen, sich zu verändern, sich in den Anderen hineinzudenken. In einem Wort: Es geht um das Leise, Behutsame, es geht um Yoga.

Wenn Trump den Dalai Lama träfe…

Vielleicht trifft der Dalai Lama irgendwann einmal auf Donald Trump und kann ihn davon überzeugen, für die nächsten 10 Jahre auf sein Abendessen zu verzichten, um am frühen Morgen mit klarem Geist meditieren zu können. Vielleicht übernimmt Trump von Mahatma Gandhi die Idee, einen Tag in der Woche zu schweigen, um sich zu besinnen. In der Zwischenzeit müssen wir nicht nur Trump und Petry ertragen, sondern tagtäglich in unserer direkten Umgebung überzeugend wirken und aktiven Widerstand gegen das Geschrei leisten. Das könnte insofern anstrengend werden, weil unsere Mittel andere sind – nämlich das gesprochene, nicht das gebrüllte Wort, differenzierende Erklärungen, genaues Argumentieren, genaues Beobachten.

Angst als Antrieb

Und darin besteht auch schon der Witz der Sache: Die Mittel geben Auskunft über das, was man will. Trump ist Befürworter der Folter, die AfD will an den Grenzen schießen und alle diese Leute wollen sich bis an die Zähne bewaffnen. Im Grunde treffen wir bei den Trumps, der AfD, dem Front National (Frankreich) oder auch der SVP (Schweiz) auf zutiefst ängstliche und verunsicherte Menschen, die sich lieber einbunkern und um sich schießen, als dass sie sich ihren Angstkosmos einmal wirklich anschauen: Angst vor fremden Kulturen, Angst vor fremden Menschen, Angst vor Veränderung, Angst vor Frauen, Angst vor Sex, Angst vor dem Veggieday …

Yoga als starke Gegenkultur

Yoga ist tatsächlich eine kraftvolle Gegenkultur. Sie ist zwar leise und friedlich, interessiert sich aber um so mehr für die eigene Mitwelt und ist im größtmöglichen Sinn ganzheitlich. Yoga  macht tatsächlich toleranter, behutsamer, enthaltsamer und langsamer, aber eben auch unabhängiger, freier und vor allem weniger ängstlich. Der Dalai Lama sagt: „Ich kenne keine Feinde, sondern nur Menschen, die ich noch nicht kennengelernt habe.“ Es geht plötzlich nicht mehr darum, sich abzugrenzen und möglichst viele auszuschließen, sondern um Kooperation.

(Mit) Gefühl verbindet Menschen

Yoga wendet sich mit all seinen Ressourcen gegen den Rassismus, Sexismus und Chauvinismus eines Donald Trump und seiner Freunde und Nachahmer. Immer wieder wird Yogis wie dem Dalai Lama deswegen Weltfremdheit oder sogar „moralische Trunkenheit“ vorgeworfen (so der französische Philosoph Alain Finkelkraut). In Wirklichkeit beschreibt der Dalai Lama in seinem jüngsten Buch eine säkulare, universalistische Ethik, die grundsätzlich alle Menschen verbindet – und zwar vor aller Religion, vor allem Trennenden. Zu ihr gehören Güte, Geduld, Mut, Mitgefühl, Achtsamkeit, Liebe – alles Dinge, die wir überall auf der Welt und bei allen Menschen antreffen und über die wir uns zu verständigen versuchen wollen. Das Konzept der lärmenden Angsthasen verblasst dagegen.

Michi Kern lebt und unterrichtet als Jivamukti-Yoga-Aktivist in München. Neben Yogastudios betreibt er diverse Clubs und Restaurants und studiert Philosophie.


Titelbild:Carla Schostek/ Illustration:shutterstock.com

Sivananda Yoga Vedanta Zentrum

Aus der Quelle schöpfen

Zeitlos jung –  das ist die Erfahrung von Yogis weltweit, wenn sie auf der Matte mit Stellung, Atmung und Entspannung Stress lösen und neue Energien aufbauen.

Mit geistigen Übungen wie Visualisation, Autosuggestion und Meditation kann diese Erfahrung nach innen expandiert werden und einen ein Stück näher zu sich selbst führen – zu Balance und innerem Frieden.

Schöpfe aus einer Quelle der Yoga-Tradition und einem Erfahrungsschatz von über 60 Jahren Praxis und ehrenamtlichem Yoga-Unterricht im Westen.

Mehr über das Sivananda Yoga Seminarhaus in Reith bei Kitzbühel, die internationale Yogalehrerausbildung und die vielfältigen Online-Live Yoga-Angebote: www.sivananda.at

Mehr über Sivananda Yoga in München unter www.muenchen.sivananda.yoga

Workshops auf der YogaWorld in München:

Samstag 14.10.: Relax & Recharge – Workshop: Asanas, Tiefenentspannung u. Meditation

Swami Narayanananda ist ein erfahrener Lehrer im Sivananda Yoga Seminarhaus und bei den internationalen Yoga-Lehrerausbildungskursen. Er teilt seine Faszination für die tieferen Verbindungen zwischen Körper, Geist und Seele mit großer Freude.

Sonntag 15.10.: Expansion nach Innen – Workshop: Sonnengebet, Pranayama und Meditation

Narayani hat eine exzellente Asana-Praxis und demonstriert und unterrichtet Asanas mit Leichtigkeit und Detail.


Sivananda Yoga Vedanta Zentrum auf der YogaWorld 2023 in München:

Samstag, 14. Oktober// 18:15 – 19:00 Uhr // Relax & Recharge – Einfach loslassen und regenerieren // Vishnu Yoga Space

Sonntag, 15. Oktober // 13:45 – 14:30 Uhr // Expansion nach innen – Sonnengebet und Atemübungen (Pranayama) // Ganesha Yoga Space

Jetzt Ticket für die YogaWorld 2023 in München sichern!