Helga Baumgartner: Mit Yin Yoga gegen Burnout

Helga Baumgarnter Yin Yoga

Helga Baumgartner kennt sich aus mit Grenzerfahrungen in einer Berufswelt, die einem viel abverlangt und Menschen dazu bringt, ihr Gefühl für die individuellen Bedürfnisse von Körper und Geist zu verlieren.

In ihrem Beruf als Architektin war sie lange Zeit sehr gefordert. Überstunden, Leistungsdruck, Wettbewerbe: Es ging immer darum, noch besser zu sein, in noch kürzerer Zeit Ergebnisse zu liefern. Abends war sie erschöpft, das Bedürfnis nach Ruhe und Meditation, nach Revitalisierung war da. Mit Ashtanga Yoga und Vinyasa Yoga forderte sie ihren Körper nur noch mehr. Kurz vor dem Burnout begegnete sie Yin Yoga – für Helga war das „the missing piece“.  Mit Yin Yoga konnte sie endlich auch körperliche Anspannungen lösen. Mittlerweile ist Helga Baumgartner anerkannte und leidenschaftliche Yin-Yoga Lehrerin, sie unterrichtet auf Yoga-Konferenzen und hat eine eigenes Yin Yoga-Buch herausgebracht: „Yin Yoga. Achtsames Üben für innere Ruhe & Entspannung“, erschienen bei BLV.

YOGA JOURNAL sprach mit der Architektin und Yoga-Lehrerin über Yin Yoga, die Bedeutung und Wirkung.

YJ: Was genau macht die psychologische Komponente des Yin Yoga aus?

HB: Der Effekt des Yin Yoga ist mit dem der Meditation vergleichbar. Wenn wir zur Ruhe kommen, können wir uns dem widmen was wirklich da ist. Verborgene Vrttis – Vasanas, oft ist das die Spitze eines Eisbergs, der lange im Verborgenen lag. Das kann erschreckend, überraschend, erfreulich oder auch traurig sein.

YJ: Im Yin Yoga geht es immer um das Annehmen. Der unruhige Geist soll im Yoga zur Ruhe gebracht werden.Yoga citta vrtti nirodhah … so steht es ganz zu Beginn des Yoga Sutras von Patanjali. Ist das überhaupt im Gruppenunterricht möglich, kann man das anleiten?

HB: Es ist für jeden eine eigene, individuelle Reise, man kann aber wie Patanjali auch sagt, die Werkzeuge anleiten. Wie geht man mit dem vrttis (den Wirrungen des Geistes) um, identifiziere ich mich mit ihnen oder versuche ich in einer liebevollen Aufmerksamkeit zu bleiben. Patanjali sagt, wir sollen uns nicht identifizieren und erst so können wir unsere wahre Natur erkennen. So sagt es auch der Buddhismus. Erlaube, schaffe einen Raum, nur so können sich sich innere Türen und Fenster öffnen.

YJ: Birgt das nicht auch Gefahren, wenn man jetzt in einer Gruppe Yoga übt und da plötzlich etwas hoch kommt und die Schüler dann nach der Stunde damit alleingelassen werden?

HB: Da ist man als Lehrer stark in seiner Verantwortung gefragt. Ich muss mich fragen, wieviel möchte ich aus meinen Schülern herausbringen? Spiele ich eine super emotionale Musik, gehe ich nur auf die ganz tiefen Themen, öffne ich Pandoras Box ohne sie nachher wieder zu schließen? Oder mach ich das behutsam Stück für Stück, immer wieder ein kleines Stück. Man muss die Welt nicht an einem Tag erobern und auch nicht die innere Welt. Das ist eine lange, lange Reise, für die wir ja vielleicht sogar mehrere Leben Zeit haben ( lacht).

YJ: Im Yin Yoga wird immer erwähnt, wir sollten das was da ist, den Moment so annehmen, wie er ist. Und nicht mehr verlangen. Das Extrem davon währe eigentlich, dass man den Antrieb verliert, keinen Ehrgeiz mehr entwickelt. Alles anzunehmen, bedeutet das nicht auch, dass da der Drive verloren geht?

HB: Der Drive geht dann verloren, wenn Du einen Irrweg betrittst. Ich glaube, das ist leider bei vielen Menschen der Fall. Meine Hoffnung ist, dass die dann auch wieder zurück  und in eine reflektierte Praxis kommen. Manchmal brauchen wir dazu auch einen Lehrer, der uns an die Hand nimmt. Einen sehr erfahrenen Lehrer. Die Praxis ist wie eine Rasiermesserschneide. Verirrt ist man dann, wenn man nur noch denkt, alles ist gottgegeben – wobei da eher ein innerer Frust dahinter steckt. Das ist einzig und allein, das genaue Reflektieren. Was ist meine Motivation, meine Inspiration? Ich sehe die Gefahr nicht in der Yin-Praxis, eher in der Meditationspraxis. Im Yin Yoga ist es ja nicht so, dass alles losgelassen wird, es wird immer noch gehalten? Du hast also schon noch Körperspannung im Gegensatz zum restorative Yoga. Es ist eine Struktur im Muskel, die Halt gibt – auch wenn der Muskel locker ist, der Knochen hält auch, Du musst also nicht anspannen. Es kann in jeder Haltung vollständig losgelassen werden.

YJ: Es gibt eine große Verwirrung im unterrichten von Yin-Yoga…

HB: Oft wird Long-Slow-Deep als Yin Yoga missverstanden, Yin-Yoga, in der Form wie ich es unterrichte trägt keinerlei muskuläre Spannung. Sobald muskuläre Anspannung da ist, kann man mit Hilfsmitteln arbeiten. Im Yin passiert auch das Heben und Senken des Kopfes muskulär – also geht nicht alles Yin, aber der große Anteil der Stunde ist Yin. Man muss seinen eigenen Punkt erkennen.


Foto: Axel Hebenstreit

Montags-Mantra: Leise stark

junge Frau vor Bllumen_Montags-Mantra

Beim Lesen unserer Kern-Kolumne über yogische Antworten auf Populismus musste ich seit langem mal wieder an  „Es sind nicht immer die Lauten stark“ von Konstantin Wecker denken. Der Musiker und Lyriker besingt in seinem Lied nicht diejenigen, die auf einer Bühne stehen und eine große Plattform genießen. Sondern diejenigen, die auf „schwereren Plätzen kämpfen“. Diejenigen, die täglich ihren Weg leise und stark gehen – auch gegen Widerstände und die Mehrheitsmeinung. Das mag manchmal anstrengend sein, aber es lohnt sich. Denn das Gefühl, richtig zu handeln, erfüllt uns mit Zufriedenheit und Leichtigkeit. Für mich klingen Weckers Worte richtig (yogisch), wenn er singt:

Es sind nicht immer die Lauten stark, nur weil sie lautstark sind. Es gibt so viele, denen das Leben ganz leise viel echter gelingt.

Habt eine wunderbare Woche!


Foto: Allef Vinicius // unsplash.com

Wie geht die yogische Antwort auf Populismus?

03/2016

Am 20. Januar 2017 wurde Donald Trump als US-Präsident vereidigt. Ein lauter Vorzeige-Populist als „mächtigster Mann der Welt“? Trump, Marine Le Pen, Viktor Orban, die AfD – sie alle haben etwas gemeinsam: Sie  berauschen sich am eigenen Lärm, am Getrampel, Geschrei und Geschubse ihrer Anhänger. Das Laute ersetzt das Zuhören und Nachdenken. Wie kann sich dagegen ein Weg behaupten, den man leise und friedlich beschreitet? Wie sollen sich Leute Gehör verschaffen, die nicht brüllen? Wie geht die yogische Antwort auf Populismus?

Der neue Rechtspopulismus und der allerorten aufblühende Nationalismus ist gerne grob und laut. Differenzieren, Abwägen, Nachdenken hält man für eine Schwäche. Es soll schnell und einfach vorangehen. Leute wie Donald Trump schreien sich offenbar den ganzen Tag in Rage. Und zwar bevorzugt über das Immergleiche: Mauern bauen, Grenzen schließen, im Namen des Kampfes gegen Terrorismus Menschen niedermachen … Gegenüber Einwänden und Argumenten von Andersdenkenden wird man immun, indem man seinen Standpunkt unendlich oft und möglichst laut wiederholt. Ansonsten ist sowieso alles erlaubt: Lügen, Verunglimpfen, Denunzieren. Das Projekt der Schreihälse ist zynisch und menschenverachtend bis ins Mark und das zeigt sich auch an ihrer Performance.

Dem entgegengesetzt ist eine Geisteshaltung, die der Dalai Lama in seinem Buch mit den Worten „nachdenken, nachdenken, nachdenken – forschen, forschen, forschen“ umschreibt. Hier geht es um äußerste Aufmerksamkeit, um Differenzierungen, um den Willen und die Fähigkeit, sich selbst zu hinterfragen, sich zu verändern, sich in den Anderen hineinzudenken. In einem Wort: Es geht um das Leise, Behutsame, es geht um Yoga.

Wenn Trump den Dalai Lama träfe…

Vielleicht trifft der Dalai Lama irgendwann einmal auf Donald Trump und kann ihn davon überzeugen, für die nächsten 10 Jahre auf sein Abendessen zu verzichten, um am frühen Morgen mit klarem Geist meditieren zu können. Vielleicht übernimmt Trump von Mahatma Gandhi die Idee, einen Tag in der Woche zu schweigen, um sich zu besinnen. In der Zwischenzeit müssen wir nicht nur Trump und Petry ertragen, sondern tagtäglich in unserer direkten Umgebung überzeugend wirken und aktiven Widerstand gegen das Geschrei leisten. Das könnte insofern anstrengend werden, weil unsere Mittel andere sind – nämlich das gesprochene, nicht das gebrüllte Wort, differenzierende Erklärungen, genaues Argumentieren, genaues Beobachten.

Angst als Antrieb

Und darin besteht auch schon der Witz der Sache: Die Mittel geben Auskunft über das, was man will. Trump ist Befürworter der Folter, die AfD will an den Grenzen schießen und alle diese Leute wollen sich bis an die Zähne bewaffnen. Im Grunde treffen wir bei den Trumps, der AfD, dem Front National (Frankreich) oder auch der SVP (Schweiz) auf zutiefst ängstliche und verunsicherte Menschen, die sich lieber einbunkern und um sich schießen, als dass sie sich ihren Angstkosmos einmal wirklich anschauen: Angst vor fremden Kulturen, Angst vor fremden Menschen, Angst vor Veränderung, Angst vor Frauen, Angst vor Sex, Angst vor dem Veggieday …

Yoga als starke Gegenkultur

Yoga ist tatsächlich eine kraftvolle Gegenkultur. Sie ist zwar leise und friedlich, interessiert sich aber um so mehr für die eigene Mitwelt und ist im größtmöglichen Sinn ganzheitlich. Yoga  macht tatsächlich toleranter, behutsamer, enthaltsamer und langsamer, aber eben auch unabhängiger, freier und vor allem weniger ängstlich. Der Dalai Lama sagt: „Ich kenne keine Feinde, sondern nur Menschen, die ich noch nicht kennengelernt habe.“ Es geht plötzlich nicht mehr darum, sich abzugrenzen und möglichst viele auszuschließen, sondern um Kooperation.

(Mit) Gefühl verbindet Menschen

Yoga wendet sich mit all seinen Ressourcen gegen den Rassismus, Sexismus und Chauvinismus eines Donald Trump und seiner Freunde und Nachahmer. Immer wieder wird Yogis wie dem Dalai Lama deswegen Weltfremdheit oder sogar „moralische Trunkenheit“ vorgeworfen (so der französische Philosoph Alain Finkelkraut). In Wirklichkeit beschreibt der Dalai Lama in seinem jüngsten Buch eine säkulare, universalistische Ethik, die grundsätzlich alle Menschen verbindet – und zwar vor aller Religion, vor allem Trennenden. Zu ihr gehören Güte, Geduld, Mut, Mitgefühl, Achtsamkeit, Liebe – alles Dinge, die wir überall auf der Welt und bei allen Menschen antreffen und über die wir uns zu verständigen versuchen wollen. Das Konzept der lärmenden Angsthasen verblasst dagegen.

Michi Kern lebt und unterrichtet als Jivamukti-Yoga-Aktivist in München. Neben Yogastudios betreibt er diverse Clubs und Restaurants und studiert Philosophie.


Titelbild:Carla Schostek/ Illustration:shutterstock.com

Sivananda Yoga Vedanta Zentrum

Aus der Quelle schöpfen

Zeitlos jung –  das ist die Erfahrung von Yogis weltweit, wenn sie auf der Matte mit Stellung, Atmung und Entspannung Stress lösen und neue Energien aufbauen.

Mit geistigen Übungen wie Visualisation, Autosuggestion und Meditation kann diese Erfahrung nach innen expandiert werden und einen ein Stück näher zu sich selbst führen – zu Balance und innerem Frieden.

Schöpfe aus einer Quelle der Yoga-Tradition und einem Erfahrungsschatz von über 60 Jahren Praxis und ehrenamtlichem Yoga-Unterricht im Westen.

Mehr über das Sivananda Yoga Seminarhaus in Reith bei Kitzbühel, die internationale Yogalehrerausbildung und die vielfältigen Online-Live Yoga-Angebote: www.sivananda.at

Mehr über Sivananda Yoga in München unter www.muenchen.sivananda.yoga

Workshops auf der YogaWorld in München:

Samstag 14.10.: Relax & Recharge – Workshop: Asanas, Tiefenentspannung u. Meditation

Swami Narayanananda ist ein erfahrener Lehrer im Sivananda Yoga Seminarhaus und bei den internationalen Yoga-Lehrerausbildungskursen. Er teilt seine Faszination für die tieferen Verbindungen zwischen Körper, Geist und Seele mit großer Freude.

Sonntag 15.10.: Expansion nach Innen – Workshop: Sonnengebet, Pranayama und Meditation

Narayani hat eine exzellente Asana-Praxis und demonstriert und unterrichtet Asanas mit Leichtigkeit und Detail.


Sivananda Yoga Vedanta Zentrum auf der YogaWorld 2023 in München:

Samstag, 14. Oktober// 18:15 – 19:00 Uhr // Relax & Recharge – Einfach loslassen und regenerieren // Vishnu Yoga Space

Sonntag, 15. Oktober // 13:45 – 14:30 Uhr // Expansion nach innen – Sonnengebet und Atemübungen (Pranayama) // Ganesha Yoga Space


Rajesh Chaudhary

Rajesh Chaudhary hails from the motherland of Yoga. As a student of Dr. Nirmala Shrivastava (Shri Mataji Nirmala Devi) he follows the tradition of Kundalini awakening and Sahaja Yoga Meditation. He is expert in “Kundalini-Jagruti” and vibrational Chakra clearing. Meditation Instructor and lecturer of Sahaja Yoga with 18 years experience, Software & IT Engineer near Munich.

Can the awakening of Kundalini Energy cause negative side effects? Are there any risks?
By the authorised method of Sahaja Yoga the Evolutionary Power “Kundalini” rises spontaneously in our Central Channel (Sushumna Nadi) and puts us into mental silence / thoughtless awareness. This is the actual definition of “Yoga” described in Yoga Sutras of Patanjali written ~300 BC. The authentic Kundalini diagnoses our blockages in the Chakras (psychosomatic energy centers), clears it, unfolds their qualities and awakens the Spirit (True Self, Atma) in our heart. In the light of Kundalini and Spirit, by devotion and introspection, our Self Realisation develops and we can achieve our Yoga Samadhi.

Rajesh Chaudhary auf der YogaWorld 2017 in München:
Freitag, 20. Januar 2017 // 16:45 -17:30 Uhr // THE TRUTH ABOUT KUNDALINI & HOW TO ACHIEVE YOGA-SAMADHI (Lecture and guided Meditation in English.)

www.sahaja.eu
https://www.facebook.com/sahajayoga.munchen/

Karoline Herfurth über Liebe, Loslassen und Yoga

Karoline Herfurth im Interview

Wir kennen sie aus Filmen wie „Das Parfum“, „Vincent will Meer“ und „Fuck Ju Göhte“: Die Schauspielerin Karoline Herfurth. Im vergangenen Herbst gab sie mit „SMS für Dich“ ihr Regiedebut in Spielfilmlänge. Mit dem YOGAJOURNAL sprach die Neu-Regisseurin über ihren Film, Yoga, Liebe, das Leben und alles Mögilche.

YJ: Wieso haben Sie sich bei Ihrem Regiedebüt für dieses ­Genre entschieden?
KH: Ich liebe dieses Genre persönlich sehr. Ich glaube, um uns wirklich anzupieksen, zum Lachen und zum ­Weinen zu bringen, braucht ein Film ein Grundthema, das uns alle beschäftigt und umtreibt. Und das Weiterleben­müssen, -können und -wollen, nachdem wir einen ­geliebten ­Menschen verloren haben, werden wir alle in irgendeiner Form erleben. Allerdings war es mir sehr wichtig, diese Geschichte mit Leichtigkeit zu erzählen. Ich gehe einfach gerne mit Hoffnung aus dem Kino. „SMS für dich“ hatte für mich all das: Tiefe, Romantik, Komödie, Herzschmerz.

YJ: Was verstehen Sie persönlich unter Romantik?
KH: Puh. Wenn ich mir diesen Film so anschaue, bin ich ­offensichtlich sehr viel romantischer, als ich dachte … Allerdings kann ich mit Dingen, die allgemein in diese Kategorie fallen, nicht so wahnsinnig viel anfangen: ­Rosenblätter auf dem Hotelbett oder in Champagner baden … ich hasse baden. Ich finde, dass sich Romantik aus der gemeinsamen Geschichte ergibt. Alte Städte ­finde ich romantisch. Kopfsteinpflaster in der Nacht, Sommernächte mit Pizza auf dem Brunnenrand. Alles kann ­romantisch sein, wenn der Richtige dabei ist.

YJ: Ist sie Ihrer Meinung nach ein idealistisches oder realistisches Konzept – und wo liegen die Grenzen?
KH: Wieso denn idealistisch? Entweder ist etwas romantisch oder nicht. Für mich hat das nichts mit Idealisieren zu tun, sondern mit Träumen, Phantasie, Hingebung, Sehnsucht, Liebe und allem Möglichen, das sowohl zu sehr realistischen Beziehungsanfängen führt als auch dazu, lange Beziehungen aufrechtzuerhalten. Ich glaube nicht, dass Realismus das ist, was Liebe am Leben hält. Oder besser gesagt: Oft wird Realismus in diesem Zusammenhang mit Zynismus verwechselt.

YJ: Von zufällig fallengelassenen Taschentüchern und ­parfümierten Liebesbriefen zu Dating-Portalen und Kurznachrichten: Ohne zu viel von „SMS für dich“ zu verraten – welche Chance hat Romantik in unserer Zeit?
KH: Ich glaube, dass all diese Dinge romantisch sein können. Es gibt ja keine vorgeschriebene Form, ab wann etwas romantisch ist oder nicht. Das ist meiner Meinung nach ein sehr individuelles Empfinden. Romantik wird heiß und hoch gehandelt, und das wird auch so bleiben.

Manchmal ist das Leben klüger als man selbst

YJ: Als Idee gilt sie vielen Menschen zu „weich“, gefolgt wird eher dem Leistungsprinzip. Brauchen wir mehr Vertrauen ins Leben und in vermeintliche „Zufälle“?
KH: Ich bin überzeugt davon, dass das Leben manchmal ­klüger ist als man selbst. Manchmal passieren mir ­Dinge, die ich nicht erwartet hätte, die mich wütend machen oder verzweifeln lassen. Wenn ich dem Ganzen etwas Zeit gebe, stellt sich meistens heraus, wofür es gut war. Oder dass etwas anderes, Gutes kommt. Ich glaube nicht, dass man die Zügel abgeben sollte. Aber ich glaube, dass es gut ist, manchmal „in den Himmel“ zu hören, um die Richtung zu entscheiden, die man einschlägt.

YJ: Die Sehnsucht nach etwas, das über die Planbarkeit des Lebens und seine reine Funktionalität hinausgeht, kann Menschen zum Yoga bringen. Haben Sie ähnliche Erfahrungen mit der Praxis gemacht?
KH: In dieser Form habe ich Yoga noch nicht kennengelernt. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es Menschen ­helfen kann, ein Gespür für sich selbst zu entwickeln und dadurch sicherer zu werden.

YJ: Ein etwas weniger philosophischer Grund ist für viele, beweglicher zu werden. Das scheint bei Ihnen nicht zuzutreffen: „Früher habe ich im Spagat Bücher gelesen“, war von Ihnen zu lesen. Was motiviert Sie zum Yoga?
KH: Ich probiere gerne immer wieder neue Sachen aus. Dadurch habe ich mir einige Yoga-Formen angeschaut. Jivamukti Yoga war bisher das, was mich am meisten angesprochen hat, als Nächstes würde ich gerne mal Anti-Gravity ausprobieren. Grundsätzlich ist es bei mir bisher allerdings eher die sportliche als die meditative Motivation.

An allem was Yoga mit sich bringt, kann nichts schlecht sein

YJ: Ihre Hauptfigur Clara und deren Mitbewohnerin ­Katja gehen in „SMS für dich“ gerne auf die Matte, was Sie sehr cool und spielerisch inszenieren. Tatsächlich ­gehört Yoga inzwischen fest zum Alltag eines ­kreativen, meist urbanen Umfelds. Wie nehmen Sie diese „Yogaszene“ wahr?
KH: Solange man nichts übertreibt, ist das ein wunderbarer Trend. An allem, was Yoga mit sich bringt, kann nichts schlecht sein.

YJ: Ganz gegensätzlich ist im Film die Schlagersängerin „Henriette Boot“, verkörpert von Katja Riemann, angelegt: eine Esoterikerin, wie sie im Buche steht, aber entscheidend für die Entwicklung der ­Liebesgeschichte. Wie stehen Sie zu Edelsteinmystik, Schamanismus und Aura-Energien?
KH: Hm. Ich kenne mich nicht genug aus, um dazu fundiert etwas sagen zu können. Ich glaube daran, dass Dinge unterschiedliche Energien haben und somit etwas mit uns machen. Ich denke, die Dinge, von denen Henriette Boot spricht, gibt es in allen möglichen ­Glaubensrichtungen, nur unter verschiedenen Namen.

YJ: Im Yoga spricht man bei gewissen Übungen von „Herz­öffnern“. Sind wir eine verschlossene Gesellschaft, die Sensation sucht, aber (Be-)Rührung verlernt hat? In „SMS für dich“ heißt es: „Wer berühren will, muss sich auch berühren lassen.“
KH: Dabei ging es um den männlichen Protagonisten, Mark Zimmermann, der lernen muss, sein Herz zu öffnen, um „sein“ Leben zu finden, statt ein Leben einfach „mitzuleben“. Ich weiß nicht, ob wir eine verschlossene Gesellschaft sind. Eher sind wir stark davon geprägt, was wir glauben, sein und wollen zu müssen. Dabei übersehen wir häufig, wer wir eigentlich wirklich sind.

YJ: Umgekehrt ist Berührung elementar mit Loslassen ­verbunden. Dafür steht Clara, die nicht über den Tod ihres Verlobten hinwegkommt und weiterhin mit ihm kommunizieren möchte. Welche Art von Verbundenheit kann nach radikaler Trennung immer noch möglich sein?
KH: Loslassen gehört bestimmt zu den schwierigsten Aufgaben im Leben, besonders im Falle eines ­Todes. Während der Arbeit an diesem Film habe ich mir ­immer gedacht, dass man für „seinen Toten“ einen Platz braucht. Ein solches Erlebnis bewirkt wahrscheinlich ein starkes Vorher und Nachher. Um weiterzuleben, braucht man wahrscheinlich einen Ort, wo dieser Tote sein ­kann – weil er sonst überall ist. Was das für ein Ort ist – eine Bilderwand, eine Kette mit einem Amulett oder eben ein einseitiges Zwiegespräch über SMS –, ist vermutlich sehr individuell.

YJ: Beruflich haben Sie mit Ihrer ersten Regiearbeit einen Schritt in Richtung mehr „Kontrolle“ getan. Wie war das Gefühl, mehr Gestaltungsspielraum, aber auch für andere verantwortlich zu sein?
KH: Das war großartig. Überwältigend, manchmal beängstigend, sehr erfüllend, sehr herausfordernd, sehr intensiv. Ich habe es geliebt. Ich hatte Schauspieler, die ­eisern an meiner Seite standen, und ein absolutes Luxusteam hinter der Kamera. Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als auf diese Weise und mit diesen Leuten zu arbeiten.

YJ: Wie leicht oder schwer empfanden Sie es, sich selbst zu inszenieren? Ist auch das eventuell – wie Yoga – ein Spiel zwischen Kontrolle und Loslassen?
KH: Es war nicht immer einfach, in den Funktionen zu wechseln, besonders in sehr emotionalen Szenen. Aber auch beim Anspielen meiner Filmpartner musste ich mich manchmal daran erinnern, mitzuspielen und nicht nur zuzusehen. Ehrlich gesagt ist alles irgendwie eine ­Balance zwischen Kontrolle und Loslassen, oder?

YJ: Allerdings. Und wie Ihr Film berührend erzählt, bedeutet loszulassen keineswegs aufzugeben …
KH: Das könnte man so sagen, ja.

 

Karoline Herfurth: Zu ihren ersten Filmauftritten gehören „Crazy“ (2000) und „Mädchen, Mädchen“ (2001). International bekannt wurde sie 2006 durch die Rolle des Mirabellenmädchens in Tom Tykwers Großproduktion „Das Parfum“. 2008 war sie an der Seite von Kate Winslet und ­Ralph ­Fiennes in der Bernhard-Schlink-Verfilmung „Der Vorleser“ zu sehen. Für ihre Rolle in Caroline Links Drama „Im Winter ein Jahr“ erhielt sie 2009 den Bayerischen Filmpreis. Zu ihren weiteren Arbeiten gehören „Vincent will Meer“ (2010), die sensationell erfolgreichen „Fack Ju Göhte“-Filme (2013, 2015) sowie die Familienfilme rund um „Rico und Oscar“ (2015/2016).  „SMS für dich“ ist nach dem Kurzfilm „Mittelkleiner Mensch“ (2012) ihre zweite Regiearbeit.


Foto: Warner Bros.

Volle Kraft voraus: YOGA JOURNAL und YogaWorld vertiefen Zusammenarbeit

Yogaklasse auf der YogaWorld

Von Anfang an war das YogaJournal bei der beliebten Mitmach-Yogamesse YogaWorld dabei. Von nun an vertiefen wir unsere Zusammenarbeit mit der beliebten Messe, die dieses Jahr in München, Stuttgart und Düsseldorf stattfindet.

Dabei inspirieren uns die Grundgedanken von Yoga – Spaß am Miteinander, Zusammenhalt und die Bereitschaft, zu wachsen und sich zu verändern. Das macht sich künftig auf unserer Website bemerkbar: Das YogaJournal kümmert sich ab sofort um den Online-Auftritt der YogaWorld. Auf yogajournal.de werden wir Ihnen nicht nur von der Praxis und den Trends der Szene berichten, sondern Sie auch mit den neuesten Infos zur Messe versorgen. Als kleines Goodie haben wir zum Anlass dieses Neustarts auch an tollen Tools für die Website gebastelt – mehr dazu im nächsten Heft.

Vorsätze wie eine tiefere Praxis und eine acht­same Ernährung lassen sich schon im Januar in die Tat umsetzen, wenn die YogaWorld nach München kommt. Diesmal in einer neuen Location, dem Münchner Postpalast, treffen vom 20. bis 22. Januar 2017 wieder bekannte Yogalehrer, Aussteller,
Ayurveda-Experten und andere Größen aus der
Yogalandschaft aufeinander. Ein schöner Anlass, die Theorie in die Praxis umzu­setzen und Teil der Community zu werden!

Ob Neuling oder erfahrener Yogi – ein umfangreiches Programm an kostenlosen Yogastunden, Vorträgen und Workshops bringt allen die vielfältige Welt des Yoga näher. Dabei geht es natürlich nicht nur um Informieren, sondern vor allem ums Teilnehmen und Kennenlernen – das hautnahe Erleben neuer oder schon bekannter Yogalehrer, das Ausprobieren vieler verschiedener Yogastile und der Austausch mit Gleichgesinnten machen diese drei Tage aus.

Zwischendurch können Sie über den bunten Marktplatz bummeln: Dort warten neue Produkte rund um Yoga und Ayurveda sowie leckere vegane Köstlichkeiten unseres Caterings auf Sie. Wir sind gespannt auf eine Menge neuer Inspirationen, in diesem Sinne: Ganz egal, was Sie machen – machen Sie mit!

Nächster YogaWorld-Termin // 20.–22. Januar 2017
Location // Postpalast München
Infos und Tickets // www.dev2.yogaworld.de


Foto: Stefanie Kissner// YogaWorld München 2016

Hans H. Rhyner

Hans H. Rhyner MD (AM) PhD (AM) ist international anerkannter Experte und Pionier des Ayurveda in Europa. 30 Jahre klinische Erfahrung, insbesondere Diagnostik, Panchakarma und Heilmittelkunde. Er unterhält Praxen in Deutschland und der Schweiz sowie eine Ayurveda-Manufaktur in Österreich. Er ist erfolgreicher Autor von vielen Ayurveda- und Yogabüchern, die in 7 Sprachen übersetzt wurden.
 
Mehr zu Hans H. Rhyner: www.ayurveda-rhyner.com