Petra Orzech

Petra ist Yogalehrerin, Ernährungswissenschaftlerin (Oecotropholgin), Autorin und Gründerin von Slim Yoga®. Sie hat über 12 Jahre für zwei der größten und bekanntesten Frauenmagazine Deutschlands als Redakteurin gearbeitet und nach zusätzlicher 20-jähriger Erfahrung im Yoga-Bereich Ihre Vision umgesetzt und mit ihrer zweiten großen Leidenschaft Yoga das einzigartige Konzept von Slim Yoga® kreiert.

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CD-Tipp: Levitation – Frei und Schwerelos

Frei und Schwerelos
„Ibiza Chillout Music“ nennen Chris Gilcher, Ingmar Hänsch und Marcell Meyer, die zusammen unter dem Projektnamen Levitation aktiv sind, ihren Musikstil. Auf drei CDs bieten sie Einblick in die letzten 20 Jahre ihres Schaffens. Zwar verbindet man mit der für exzessive Partys bekannten Baleareninsel in der Regel eher treibende Clubmusik statt entspannende Downtempo-Klänge, aber irgendwann ist ja auch mal Schluss mit Tanzen – und für die ruhigen Stunden danach ist die Musik von Levitation bestens geeignet. Alle, die regelmäßig Yogastudios besuchen, in denen mit Musik unterrichtet wird, werden die Klänge auch nicht als allzu fremd empfinden: Was bei ausgepowerten Tanzwütigen entschleunigend wirkt, gilt bei eingefleischten Vinyasa-Yogis schon lange als geeignete Untermalung für den entspannten Flow. Hypnotische Beats geben das gedrosselte Tempo vor, die warme Grundstimmung der Songs sorgt für Wohlbefinden – ausruhen ohne wegzudösen, aktiv sein ohne Hektik. Das klingt ein bisschen wie Yoga. Und passt auch gut dazu.


Fazit: Klingt nicht nur im Ibiza-Urlaub gut, sondern auch in der Yogastunde – oder überall da, wo es nicht hektisch zugehen sollte.
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„Essential Levitation“ von Levitation (Whirlpool Records, ca. 25 Euro)

Yoga Übungen: Frühjahrsputz im Körper

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es – frei nach Erich Kästner haben wir das ideale Mantra für den Frühling gefunden. Und bevor es sich irgendjemand anders überlegen kann: Fangen wir gleich an! Denn wer jetzt schon damit beginnt, täglich dieses einfache Detox-Programm zu üben, kann in einen Sommer voller Leichtigkeit und guter Laune starten. 

Jeden Tag erneuert sich ein Prozent unserer Zellen und innerhalb von drei Monaten sogar der ganze Körper. Um diesen dabei zu unterstützen, sich zu reinigen, Energieblockaden loszuwerden und neue Kraft zu sammeln, sollten wir uns regelmäßig bewegen, dehnen und tief durchatmen: Indem wir die Wirbelsäule aufrichten und mobilisieren und die Muskulatur stärken und dehnen, wird die Regeneration angeregt und Verspannungen können sich lösen.

Detox bedeutet jedoch, auf allen Ebenen loszulassen – wir lassen all das gehen, was überflüssig geworden ist und uns belastet, und schaffen dadurch Platz für Neues. Nehmen Sie sich jeden Morgen ein wenig Zeit für die folgenden Übungen und stellen Sie sich selbst die Frage, was es ist, das sie loslassen möchten. Was belastet Sie, was hindert Sie daran, Ihr volles Potenzial zu leben, was macht Sie klein? Überlegen Sie sich eine Intention für Ihre Praxis: Was möchten Sie erreichen, was tut Ihnen wirklich gut und was macht Sie glücklich? Lassen Sie sich von dieser Intention durch Ihre Praxis und den Tag begleiten.

 

1. Abschütteln und Loslassen des Alltags

Position:

Stellen Sie die Füße hüftbreit auf, die Außenkanten der Füße sind parallel zueinander. Bringen Sie die Hände an die Hüften, beugen Sie die Knie leicht und kommen Sie mit geradem Rücken in eine stehende Vorwärtsbeuge. Die Knie bleiben leicht gebeugt, um den Rücken zu schützen.

Aktion:

Schütteln Sie Rücken, Schultern und Nacken sanft aus: Schütteln Sie die Arme wie ein Gorilla aus, atmen Sie geräuschvoll durch den Mund aus. Blasen Sie Ihre Lippen aus und stellen Sie sich vor, dass Sie Belastungen auf allen Ebenen loslassen und an die Erde abgeben.

Wirkung:

Dehnt die gesamte Rückseite des Körpers. Stimuliert die Organe. Schafft Raum im Bereich der Wirbelsäule, lockert Nacken und Schultern, befreit Brustraum und und Organe. Entspannt und beruhigt den Geist.

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2. Ha!-Kriya: Energie-Booster 

Position:

Bringen Sie Ihre Beine in eine weite Grätsche, die Knie gebeugt. Gehen Sie mit den Hüften so tief wie möglich und drücken Sie zugeich die Füße fest in den Boden.  Halten Sie Ihre Knie über den Fußgelenken und das Steißbein im rechten Winkel zum Boden.

Aktion:

Strecken Sie beim Einatmen die Arme nach oben und rufen Sie beim Ausatmen laut „Ha!“, während Sie die Arme mit geballten Fäusten zu sich heranziehen. Wiederholen Sie diese Übung für ein bis drei Minuten.

Wirkung:

Erdet die Füße, stärkt die Beine und öffnet Hüften und Leisten. Regt den Kreislauf und Energiefluss an, verbindet mit der inneren Stärke (vom ersten bis fünften Chakra). Macht wach, klar und bereit für Heldentaten!

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3. Agni Sara: Atempower und Verdauungsfeuer

Position:

Stehen Sie in derselben Position wie in der Ha!-Kriya und bringen Sie die Hände an den Ansatz der Oberschenkelmuskeln. Strecken Sie die Arme und drücken Sie die Hände nach unten in Richtung Knie, so dass die Schultern nach oben kommen, der Rücken lang gezogen wird und mehr Raum zwischen Oberschenkelmuskeln und Hüfte entsteht.

Aktion:

Atmen Sie mit einem kraftvollem „Schhhh!“ durch den Mund aus und ziehen Sie dabei die Bauchdecke zur Wirbelsäule (Uddiyana Bandha). Spannen Sie gleichzeitig die Beckenbodenmuskulatur an (Mula Bandha). Entspannen Sie In der Atemleere den Bauch und ziehen Sie ihn wieder zurück, bis Sie einatmen müssen. Lassen Sie sich diese Übung erst mal von einem Yogalehrer zeigen, denn es braucht eine klare Anleitung und meist etwas Übung, bis man in diese Körperbereiche Bewegung bringen kann. Üben Sie ein bis drei Minuten lang.

Wirkung:

Wunderbar am Morgen, aber auch tagsüber, um Agni, das Verdauungsfeuer, anzuregen! Massiert die Bauchorgane und befreit von Blockaden. Erdet die Füße, schafft Raum im unteren Rücken, öffnet die Hüften und Leisten. Stärkt die Körpermitte (und das dritte Chakra). Inspiriert, Neues zu wagen!

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4. Bauchübung mit Block: Kräftigt Bauch und Rücken

Position:

Liegen Sie auf dem Rücken und klemmen Sie sich einen Block mit der langen, schmalen Seite zwischen die Oberschenkel. Pressen Sie die Beine fest gegen den Block, so dass Zug im unteren Bauch entsteht. Strecken Sie die Fußballen in Richtung Decke und halten Sie die Zehen aktiv gespreizt. Verschränken Sie die Hände hinter dem Kopf und heben Sie die Schultern so weit wie möglich vom Boden weg. Lassen Sie Ihr Gesicht und Ihren Nacken die ganze Zeit entspannen.

Aktion:

Heben Sie beim Einatmen die Schultern nach oben. Halten Sie dann den Atem an, drücken Sie mit den Beinen noch stärker gegen den Block und heben Sie das Steißbein an. Heben Sie beim Ausatmen den Oberkörper noch ein wenig höher. Wenn Sie das nächste Mal einatmen, senken Sie das Steißbein wieder ab, aber lassen Sie die Schultern in der Luft. Sammeln Sie etwas Kraft und wiederholen Sie dann die Übung – insgesamt fünfmal.

Variante für die seitlichen Bauchmuskeln: Führen Sie die Übung so aus, dass Sie beim Ausatmen statt mittig nach oben leicht seitlich nach oben kommen. Gehen Sie nur so weit, dass die Hüfte noch stabil am Boden bleibt. Wiederholen Sie die Übung fünfmal auf jeder Seite.

Wirkung:

Erzeugt Wärme in der Körpermitte. Zentriert und verbindet mit der Kraft des ersten bis dritten Chakras. Regt Kreislauf und Energiefluss an, massiert die Organe. Stärkt Rücken und Bauch.

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5. Happy Baby: Entspannung für Bauch und Seele

Position:

Liegen Sie auf dem Rücken mit gebeugten Beinen, die Hände sind an den Fußaußenkanten – wie bei einem Baby. (Falls Sie die Füße nicht greifen können, legen Sie Gurte um Ihre Fußsohlen.) Halten Sie die Knöchel über den Knien und öffnen Sie die Beine etwas weiter als die Breite Ihres Oberkörpers.

Aktion:

Drücken Sie die Füße sanft in die Hände und ziehen Sie zugleich mit den Händen die Beine weiter nach unten. Drücken Sie Ihre langgezogene Wirbelsäule in den Boden – sowohl das Steißbein und den unteren Rücken als auch Ihren Hinterkopf, den Sie sanft vom Hals wegziehen. Halten Sie die Position etwa 30 Sekunden lang, dann entspannen Sie sich in der Haltung und atmen Sie tief in den Bauchraum.

Wirkung:

Öffnet die Hüften und Leisten. Dehnt und stabilisiert den Rücken. Entspannt den Bauchraum und baut Stress oder Erschöpfung ab. Beruhigt Körper, Geist und Seele.

 

3 Tipps für eine ausgewogene Ernährung

Iss dies, iss das – lass dies, lass das. Ständig machen wir uns irgendwelche Vorschriften, was auf unsere Teller kommen darf und was nicht. Dabei könnte alles so einfach sein… Lesen Sie hier unsere 3 Tipps für eine ausgewogene und gesunde Ernährung:

  1. Saisonal einkaufen und einfache, alltagstaugliche Gerichte zubereiten.
  2. Intuitiv kochen: Jeder weiß intuitiv, was ihm gut tut. Was helfen kann, das herauszufinden, ist eine kurze Meditation vor dem Kochen: Hinsetzen, in den Körper spüren, Bewusstsein schaffen. Sich dann vorstellen: Wie würde ich mich nach diesem oder jenen Essen fühlen? Dann entscheiden, was ich heute und genau in diesem Moment brauche… Wenn man sich bewusst entschieden hat, etwas vielleicht auch mal nicht so Gesundes zu essen: Keine Reue haben und voller Freude genießen.
  3. Nicht zu viel essen. Alles was man sich zu viel zuführt, muss man auch wieder ausscheiden und dies belastet den Körper.

 


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Buch-Tipp: Weisheiten Moderner Yogis

3030WEISHEITEN MODERNER YOGIS In “Blessed to Serve” hat die Yogalehrerin Karen Lo aus San Francisco wichtige Persönlichkeiten aus der Yogaszene – darunter Sianna Sherman, Rusty Wells, Jason Nemer und Duncan Wong – zu ihrem Yogaweg befragt. Das Ergebnis ist für mich (als Lehrer) eine schöne Inspirationsquelle. Die Interviews mit den Pionieren des modernen Yoga erheitern, verwundern und verschaffen einem das ein oder andere Aha-Erlebnis. Hier geht es nicht um die korrekte Ausrichtung in den Asanas oder um abstrakte Yogatexte, sondern um praktische Fragen, mit denen sich jeder Lehrer irgendwann konfrontiert sieht. „Wie gehe ich verantwortungsvoll mit Kommunikationsmedien wie Facebook um?“ Oder: „Wie überwinde ich bloß das verdammte Lampenfieber vor meiner allerersten Yogastunde?“ Jeder der Lehrer findet seine ganz eigene Antwort auf diese Fragen. Aber eines haben sie gemeinsam: Sie empfinden das Unterrichten als Berufung, für die sie dankbar sind – gerade deshalb, weil vielen von ihnen der Erfolg nicht in die Wiege gelegt wurde. 


Blessed

Fazit: Ein Buch, das allen (angehenden) Yogalehrern Mut macht, weil es verdeutlicht, dass auch die „Großen“ einmal klein angefangen haben. Bis jetzt gibt es „Blessed to Serve“ leider nur auf Englisch, doch die Lektüre lohnt sich!

„Blesses to serve“ von Karen Lo (Inversions Incorporated,ca.15Euro)

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Frühlingslust! Wie die Gefühle in die Welt kamen

Frühling Blumen Rothaarige Frau
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Ist Yoga nur im Rückzug von der Welt möglich? Aber wozu dient dann das ganze wundervolle Universum um uns herum?

Was ist wichtig im Leben?
Manchmal scheint es, als ob sich in der Yoga­szene zwei Lager gegenüberstünden: Auf der einen Seite findet man die Traditionalisten. Sie studieren eingehend die alten Schriften und lesen aus ihnen heraus, dass der Weg des Yoga aus Askese und Rückzug von der materiellen Welt besteht. Postmoderne Yogalehrer andererseits gehen so weit zu sagen: Anything goes – alles ist Yoga. Dabei sieht ihr Lebensstil manchmal schon sehr hedonistisch aus. Wie viel Genuss ist erlaubt auf der Suche nach Freiheit?

In Indien wurde in alten Zeiten mehr mit Bildern als mit exakter Wissenschaft gelehrt. Die Geschichten von den Göttern helfen uns auch heute noch, entspannt darüber nachzudenken, was in unserem Leben von Bedeutung ist. Dabei gibt es so viele unterschiedliche Versionen des Schöpfungsmythos, wie es Yogaschulen gibt. Doch in allen Variationen wird über eines der vier grundlegenden Lebensziele berichtet: Kama. Der schöpferische Impuls, der unser Leben durchzieht – und uns alle immer wieder in seiner Macht hat.

Wie die Gefühle in die Welt kamen
In den meisten Geschichten gilt Brahma als der Erschaffer des Universums. Zu Beginn der Welt geht er in tiefe meditative Versenkung in sich selbst. Dann tritt seine Schöpfung hervor – und das hat auch für ihn sehr überraschende Konsequenzen. Nachdem er zunächst die zehn Urväter geschaffen hat, entsteht aus seiner Meditation heraus plötzlich die „Morgendämmerung“. Sie wird als die pure, verkörperte Weiblichkeit beschrieben. Und es geschieht etwas, das den Schöpfer und seine geistigen Söhne sehr verwundert. Sie beginnen zu fühlen. In ihnen entsteht Verlangen nach der Schönheit. Gleich darauf entspringt das nächste Wesen aus Brahma: Die Kalika Purana beschreibt es als einen Mann „glänzend wie Goldstaub“, der Blütenduft verströmt und das Gemüt dadurch noch mehr in Wallung bringt.

Brahma gibt diesem Gott nun seine Aufgabe: „Du wirst mit Pfeil und Bogen Männer und Frauen betören und so die dauernde Schöpfung dieser Welt in Gang halten.“ Und er unterwirft sich sogar selbst der von ihm geschaffenen Kraft: „Nicht einmal wir Götter werden deinen Frühlingsgefühlen standhalten. Wie alle atmenden Wesen wirst du selbst Vishnu, Shiva und mich verzaubern“, weist er ihn an. Und er gibt ihm den Namen Kama: Lebenslust.

Liebesverlangen ist also nicht nur Teil unserer menschlichen Natur. Selbst Brahma, der als Schöpfer ursprünglich das Prinzip der Weisheit und Reinheit verkörpert, unterwirft sich diesem Prinzip. Er gibt dem Gott der Liebe sogar selbst den Auftrag, ihn zu verzaubern. Das berauschende Prinzip der Lebenslust ist in gewisser Weise also nichts anderes als die Verkörperung der Schöpferkraft. Die Energie des Verlangens ist – von dieser Perspektive aus – eine weltliche Ausdrucksform der Weisheit der Schöpfung.

Der Schatten in der Geschichte
Wenn das schon alles wäre, könnten wir jetzt einfach jeden Tag feiern bis zum Morgengrauen. Doch leider erzählt die Geschichte auch, dass diese Schöpfung ihre Schattenseite mit sich brachte. Was passiert, wenn unsere Gefühle – aus welchen Gründen auch immer – für uns leidvoll werden? Durch das Wirken des Liebesgottes war Brahma plötzlich so sehr in seine eigene Schöpfung verstrickt, dass er seine göttliche Natur vergaß und vor Liebesverlangen blind wurde. Da erschien Shiva, der Asket, und verspottete ihn. „Du hast dich selbst vergessen“, rief er ihm zu. „Wo ist deine Weisheit jetzt?“

Brahma und die Urväter versuchten ihre Sinne zu bezwingen. Doch indem sie mit Gewalt die Leidenschaft aus ihren Poren herauspressten, gebaren sie die Gefühle der Scham. Durch das Abspalten dieser Anteile ihrer Persönlichkeit entstanden die Ahnengeister und die Dämonen des Todes. Shiva wandte sich von der Schöpfung ab, um nichts mit dem leidvollen Spiel der Gefühle zu tun zu haben. Er wollte lieber ausschließlich in der Stille meditieren, um nichts als den Frieden des höchsten Selbst in seinem Inneren zu erfahren.

Shiva und Shakti – die beiden Pole
Das passte den von ihm bloßgestellten anderen Göttern natürlich nicht. Also wurde ein Plan geschmiedet, wie auch der meditierende Einsiedler unter die Haube zu bekommen wäre. Dem Liebesgott wurde noch eine Gespielin zur Seite gestellt: Rati – die Göttin der Liebe und der Lust. Mit ihrer Hilfe sollte der Frühling auch den Asketen verzaubern können. Als passende Partnerin für Shiva wurde die Shakti selbst auserkoren – die ewige Kraft des Werdens. Sie kam mit dem Namen Sati als Tochter eines der Urväter auf die Welt, und widmete ihre ganze Jugend der Verehrung Shivas als höchstes Wesen. Irgendwann war ihr Wunsch nach dem Gatten schließlich so stark, dass auch Shiva voll Verlangen nach ihr seine Meditation verließ und nach ihrer Vermählung lange, heißblütige Liebesnächte am Berg Kailash mit ihr feierte.

Die beiden Liebenden sind ein Bild für die Kräfte, die uns in unserem Wesen bewegen: Shakti symbolisiert die Materie, unsere Körperlichkeit am unteren Ende der Wirbelsäule. Shiva repräsentiert das reine Bewusstsein, lokalisiert am tausendblättrigen Lotus-Chakra an unserer Schädeldecke. Zwischen diesen beiden Polen – der Anziehungskraft der Materie und der Hingabe zu Gott – spielt sich unser Leben ab. Mal ist für uns die Befriedigung der Sinne das Wichtigste, dann sind wir im Reich von Shakti. Einmal steht die finanzielle und materielle Absicherung im Vordergrund, ein andermal der selbstlose Dienst an unseren Mitmenschen. Den Sitz von Shiva berühren wir auch immer wieder mit dem Üben von Yoga – der Verbindung unserer individuellen Seele mit dem kosmischen Selbst.

„Damit will ich nichts mehr zu tun haben!“
Die Ehe von Shiva und Shakti fand leider schon recht bald ein dramatisches Ende. Die als Sati geborene Shakti wählte aufgrund eines Streits mit ihrem Vater den Freitod. Leidvoller kann Verstrickung in die Welt der Gefühle nicht sein. Von Trauer und Verzweiflung überwältigt zog sich Shiva erneut in die Meditation zurück. Er wollte nicht noch einmal von der Welt enttäuscht werden. (Ein Weg, für den sich übrigens auch im 21. Jahrhundert noch manchmal Menschen entscheiden, wenn sie mit der vollkommenen Hingabe zur Einfachheit im Namen von Yoga vor einer Beziehung oder anderen weltlichen Herausforderungen flüchten.) Shiva wurde es aber nicht so einfach gemacht. Als seine Gefährtin in neuer Gestalt als Parvati inkarnierte, lauerte der Liebesgott ihm wieder im Wald auf. Sein Pfeil traf Shivas Herz erneut und tatsächlich wurde der kürzlich noch so besonnene Gott wieder von der Liebe überwältigt. Statt sich zu freuen, wurde er allerdings rasend vor Wut. Denn die ihn befallende Unruhe wollte er sich selber nicht mehr eingestehen und projizierte seinen ganzen Ärger auf den „Störenfried“.

Kennen Sie das, wenn Sie jemand in der Meditation unterbricht? Sind sie dann auch sauer? Eigentlich schade, denn wir haben uns ja aufs Kissen gesetzt, um Frieden zu finden. Wenn wir dann erkennen, dass plötzlich Unruhe in uns aufsteigt, herrscht innerer Krieg, da wir uns nun auch noch über den Verlust des Gleichmuts ärgern.

Shiva schaute den Liebesgott nicht nur böse an. Er sandte aus seinem dritten Auge einen Feuerstrahl, der Kama zu einem kleinen Haufen Asche verbrannte. „Du bist schuld, dass ich mich aufgeregt habe“, schien er damit zu sagen. Unser drittes Auge ist manchmal übrigens ähnlich gefährlich wie das von Shiva. Wenn wir – mit der Kraft von Yoga und Meditation aufgeladen – jemanden so richtig böse anschauen, dann merken wir auf einmal, dass wir auch ganz schön zerstörerisch wirken können.

Frieden mit dem Frühling
Natürlich war Shiva dadurch kein besonders attraktiver Partner für die Frau, für die sein Herz gerade wieder entflammt war. Parvati hatte Mitgefühl mit Kamas Gattin Rati, deren Gemahl er gerade zu Asche versengt hatte. Das brachte Shiva zur Besinnung und der Geschichte doch noch eine gute Wende. Im Götterhimmel finden – wie bei uns Menschen auch – ständig Katastrophen statt. Aber am Ende haben auch diese ihren Teil am großen Plan der Schöpfung. Es war zu spät, seinen Wutausbruch rückgängig zu machen. Aber Shiva fand eine Lösung, die dem Liebesgott erlaubte, weiter zu wirken. „Ich kann ihn nicht wieder in seine körperliche Gestalt setzen“, sagte er. „Es gibt aber einen Ort, wo er auf ewig weiterleben wird: In den Herzen aller Menschen.“ Und dadurch können wir den Frühling auch heute in unserer Seele erleben.

Dem Schöpfungsmythos nach hat also beides einen Platz in unserem Leben: Wir erfreuen uns, so lange wir möchten, an der Lust der Sinne. Und wenn der damit unweigerlich verbundene Schmerz irgendwann zu groß wird, widmen wir uns der Meditation und suchen damit den Frieden der Erkenntnis. Sehr geschickt ist es natürlich, bis dahin eine regelmäßige Yogapraxis etabliert zu haben – damit unsere Reaktionen nicht immer so überschwänglich sind wie die der Götter. Das höchste Ziel ist das Bewusstsein darüber, dass zwischen dem Erleben unseres göttlichen Kerns und dem Spiel in der Welt – ob es gerade Spaß macht oder nicht – gar kein Unterschied besteht.

Ralf Sturm ist Yoga- und Meditationslehrer sowie Systemischer Berater. Neue Meditationen regelmäßig unter: www.gefühlssturm.de

SAVE THE DATE: #EarthHour

Setzen auch Sie eine Botschaft für mehr Klimaschutz!

Am kommenden Samstag, den 28. März 2015, findet zum neunten Mal die #EarthHour statt. Millionen von Menschen schalten weltweit von 20:30 bis 21:30 ihr Licht aus – und setzen mit diesem Ereignis ein Zeichen.

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Die WWF Earth Hour ist eine einfache Idee, die rasend schnell zu einem weltweiten Ereignis wurde: Machen Sie mit bei der Earth Hour und setzen Sie ein Zeichen für mehr Klimaschutz.

Mehr Infos unter: www.wwf.de/earth-hour-2015

4 Tipps wie Sie Thai Yoga in Ihre Praxis integrieren können

Bodywork hat nichts mit Yoga zu tun? Das habe ich vor vielen Jahren auch einmal gedacht. Thai Yoga ist die perfekte Ergänzung für Ihre Yoga-Praxis. Diese passive Form von Yoga ist nicht nur äußerst entspannend. Sie können durch Thai Yoga Dinge lernen, die Ihnen allein auf der Matte entgehen würden. Unser Gastautor Tobias Frank gibt Ihnen heute 4 Tipps, wie Sie Partner-Yoga perfekt in Ihre persönliche Praxis integrieren können.

  1. Vom Nichts-Tun profitieren
    Ich verrate Ihnen ein Geheimnis: Entspannung ist immer da für Sie. Sie müssen nichts leisten, um sie zu bekommen. Noch nicht einmal Ihre Yogamatte ausrollen und sich durch eine anstrengende Asana-Praxis quälen. Für mich persönlich war das eine wichtige Lernerfahrung.
    Irgendwann Anfang Zwanzig merkte ich vor lauter Stress, dass ich niemals gelernt hatte, mich zu entspannen. Yoga war DIE Erlösung, weil sie meinem Körper und Geist Wohlbefinden verschaffte. Ich war so begeistert, dass ich bald jeden Tag in eine Yogastunde ging.
    Erst im Laufe der Jahre realisierte ich, dass auch die im Yoga praktizierten Asanas nur Hilfsmittel sind. Im Grunde genommen muss ich nichts tun, um mich zu entspannen –  nur loszulassen. Genauso wie bei einer Thai Yoga Session. Diese Form der Körperarbeit zu geben und zu unterrichten ist deshalb so wertvoll für mich, weil ich viele Menschen sehe, die wie ich damals im Modus der Aktivität und im Tun sind – im Job, in der Beziehung, in der Familie. Wir haben nicht gelernt, nichts zu tun. Denn unsere Gesellschaft ist eine Handlungs- und Leistungsgesellschaft.
  2. Spüren lernen
    Während meiner Yogalehrer-Ausbildung hatte ich gelernt, meinen Yogaschülern zu assistieren. Doch manchmal war ich unsicher: „Wie intensiv darf diese oder jene Hilfestellung sein?“ Die Wahrheit ist: Es gibt keine allgemeingültige Antwort. Die Wahrheit liegt in Ihren Händen, in Ihrer Fähigkeit zu spüren.
    Wenn Sie anfangen Körperarbeit zu praktizieren, lernen Sie, mit Ihren Händen zu hören und zu sehen. Durch Ihre Fähigkeit zu fühlen, treten Sie ein in den stillen Dialog von Körper zu Körper. Sie sind in der Lage Antworten auf die Fragen zu finden, die Ihr Verstand nicht beantworten kann, wenn er darüber nachdenkt – auch über sich selbst. Im Laufe der letzten Jahre bin ich wesentlich intuitiver geworden. Ich habe gelernt, meinem Gefühl zu vertrauen, was mein Leben insgesamt leichter und glücklicher gemacht hat.
  3. Magische Berührungen erfahren
    Die Wirkung von achtsamer Berührung ist für mich magisch. Ihre Heilkraft ist sogar wissenschaftlich erwiesen: Angenehme Berührungen lassen die Hormone tanzen und sorgen unter anderem dafür, dass Oxytocin ausgeschüttet wird – ein Botenstoff der die Auswirkungen von Stress reduziert. Das Glückshormon Serotonin kennen Sie vielleicht schon von kleinen Naschereien – es wird zum Beispiel beim Essen von Schokolade ausgeschüttet. Berührung ist ein noch besserer Weg, sich einen ähnlichen Glückskick zu verschaffen. Und: Ihre Figur wird es Ihnen danken!
  4. Das Glück, glücklich zu machen
    Fragen Sie sich in Ihrem Leben und in Ihrem Job häufiger mal: „Wozu das Ganze?“ Wenn Sie eine Thai Yoga Session gegeben haben und in das glückliche Gesicht Ihres Empfängers blicken, erledigt sich solch eine Frage.
    Meiner Meinung nach ist es ein tiefes menschliches Bedürfnis, andere Menschen glücklich zu machen. „Lokah Samastah Sukhino Bhavantu“ (Übersetzung: „Mögen allen Lebewesen glücklich und frei sein und mögen meine Taten, Worte und Gedanken dazu beitragen“) heißt ein bekanntes Mantra. Thai Yoga ist die praktische Umsetzung dieses Mantras. Durch Ihre Hände können Sie dazu beitragen, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen. Anstatt über das Loslassen des Egos zu philosophieren, setzen Sie es in einer einfachen Handlung in die Tat um. In der Berührung hören „Ich“ und „Du“ auf zu existieren. Vielleicht kennen Sie diesen Zustand aus der Meditation oder nach einer ausgedehnten Yoga-Praxis. Das  Schöne daran: Sie können dieses Gefühl teilen und dadurch noch mehr davon in die Welt bringen – Karma-Yoga in Aktion sozusagen.

tobias_frank_yogaTobias Frank ist Thai Yoga Praktizierender und Lehrer für Thai Yoga Bodywork. Er bietet Thai Yoga Workshops und Ausbildungen in ganz Deutschland an. Mehr Informationen und den kostenlosen Thai Yoga Video-Kurs „Magie der Berührung“ gibt es auf www.thaiyoga.de.