Dies.Das.Asana: Der leichtfüßiger Schwan

Asana_leichtfuessiger Schwan_Jelena Lieberberg

Spielerisch und geerdet zugleich: Dieses Mal stellt Jelena Lieberberg in ihrer Kolumne den leichtfüßigen Schwan vor. Für alle Yogis, die gerne etwas Neues ausprobieren möchten ist die Haltung ein guter Anfang.

Der leichtfüßige Schwan ist eine Mischung aus Virabhadrasana III (Krieger III) und dem stehenden Spagat, zugleich zählt er aber zu den Rückbeugen. Man fliegt grazil, ist dabei fest geerdet durch das Standbein, spannt die Flügel der Arme weit auf und lässt das fliegende Bein in eine kraftvolle, elegante Außenrotation gleiten. Die hinter dem Rücken aneinandergelegten Hände schenken Handgelenken, Unterarmen und Schultern eine oft vernachlässigte Dehnung.
Zugleich eröffnet sich dabei die Möglichkeit, die Bandhas (Körperverschlüsse) auf eine neue Art und Weise zu spüren: Das Kippen des Beckens weckt nicht nur die Muskulatur der Körpervorderseite, sondern auch die des Rückens. Um die Balance zu halten, benötigt man zudem die Haltekraft der Bandhas. Je mehr Bauchspannung (Uddiyana Bandha) und Beckenbodenkraft (Mula Bandha) entsteht, desto deutlicher wird die große Muskelgruppe der Rückenstrecker gegen die am Rücken liegenden Händen gedrückt.

Macht das Spaß?

Ja! Gerade weil es etwas kniffliger ist, die Balance zu halten, wenn man (anders als in Krieger III) das gehobene Bein aktiv nach außen rotiert. Dazu kommt: Der Oberkörper darf sich nicht mitdrehen und die Schultern sollten sich eher höher als die Hüfte befinden.

Worauf muss ich achten?

Wie in allen Rückbeugen sollten Sie den unteren Rücken schützen. Dazu ist eine bewusste Aktivierung der Bauchmuskeln notwendig.

Was muss ich dafür tun?

Die Haltung erfordert eine gute Stabiliät in den Beinen. Die ist zum Beispiel gegeben, wenn Sie Krieger III etwa fünf Atem­züge lang halten können. Für die Position der Hände hinter dem Rücken müssen die Schultern ausreichend mobil sein. Das können Sie im Stehen oder in Parshvottanasana (Pyramide) zuvor behutsam üben. (Vorsicht bei Schulterverletzungen!)

Schritt für Schritt in den leichtfüßigen Schwan

1 Beginnen Sie aufrecht stehend in Tadasana (Berghaltung). Legen Sie die Hände hinter dem Rücken langsam, Finger nach Finger, aneinander. Dabei achten Sie darauf, dass Sie nicht in ein übermäßiges Hohlkreuz gezogen werden. Dazu aktivieren Sie Mula Bandha, indem Sie ihr Schambein Richtung Nabel ziehen.

2 Verwurzeln Sie Ihren linken Fuß und strecken Sie das rechte Bein wie im Krieger III nach hinten. Dabei darf sich der Oberkörper zu Beginn wie im stehenden Spagat zunächst etwas tiefer Richtung Boden bewegen.

3 Sobald das rechte Bein oben ist, drehen Sie das gehobene Bein aus dem Hüftgelenk heraus langsam nach außen, heben den Oberkörper wieder etwas und ziehen die Schulterblätter dichter zueinander. Versuchen Sie, die drei entscheidenden Bewegungen in ein gutes Gleichgewicht zu bringen: die Auswärtsdrehung an der rechten Hüfte, die Dehnung der Körpervorderseite und die Mobilisierung der Schultern.

4 Nach etwa fünf gleichmäßigen Atemzügen in der Haltung senken Sie das rechte Bein wieder und kehren zurück in Tadasana. Gönnen Sie Handgelenken und Schultern eine kurze Pause und schütteln Sie ihre Beine aus. Anschließend wiederholen Sie das Ganze auf der anderen Seite.


Foto: Gordon Schirmer/ Foto-me.de

Percy Shakti Johannsen

Shakti ist einer der erfahrensten Sup Yoga Lehrer, wagte als einer der ersten deutschen bereits 2010 den Schritt aufs Wasser und spricht auf der diesjährigen Yoga World erstmalig über seine Erfahrungen.
Während dieses Vortrags wird Shakti das lebendige System von Namasté Sup Yoga vorstellen, über  seine Erlebnisse, Materialkenntnisse und do´s und don´ts des Sup Yogas referieren, reflektieren. Weitere Themen sind Deutschlands erste, von Ihm entwickelte SUP Yoga Instructor Ausbildung und sein im April 2017 im BLV Verlag erscheinende Buch „SUP Yoga“.Mehr über Namasté Sup Yoga findet ihr unter https://namaste-yoga.de/
Und mehr über Shakti unter https://www.shaktiji.com/

Percy Shakti Johannsen auf der YogaWorld 2017 in München: Sonntag, 22.01.2017// 11:15 – 12:00 Uhr // SUP Yoga // Yamuna Vortragsraum
Percy Johannsen & Jeppe Skovgaard at Spree River, Berlin

Atempause – Nik Linder taucht 108 Meter unter Eis

NikAtempause - Apnoetaucher Nik LIndner tauch 108 m tiefCedric Schanze

Nik Linder ist Apnoetaucher. Der Freiburger tauchte mit einem Atemzug 108 Meter unter Eis – Weltrekord. Um solche Extremleistungen zu schaffen, nutzt Linder Pranayama, Asanas, autogenes Training und Meditation,
denn Freediver sind die Yogis unter den Tauchern.

Apnoe heißt Atemstillstand oder „nicht atmen“, was etwas ganz anderes ist, als die Luft anzuhalten. Der Apnoetaucher Nik Linder sagt: „Ich mache Pause vom Atmen“ – und taucht dann minutenlang ab. Die Grundtechniken dafür kommen aus dem yogischen Pranayama.

Mit einem Atemzug unters Eis

Weißensee im Januar 2011. Kärntner Wintersport­idylle. Nik Linder sitzt im roten Neoprenanzug auf dreißig Zentimeter dickem Eis mitten im See. Die Beine baumeln in einem Loch, herausgesägt aus der Eisschicht. Werbebanner, Zuschauer in Daunen­anoraks, Sicherungstaucher mit Pressluft­flaschen – Nik kriegt all das kaum mit. Der Freiburger konzentriert sich vollständig auf seine Atmung und den Rekordversuch: Er will mit einem Atemzug 108 Meter unter der Eis­decke durch den Weißensee tauchen. Ein letztes Mal tief Luft holen, dann verschwindet er im schwarzen Wasser.

Bewusste Entspannung

An Land und im Gespräch begegnet man Linder ganz anders: Kurzhaarfrisur, Dreitagebart, direkter Blick aus stechend blaue Augen – er strahlt etwas Besonnenes aus, wirkt erfrischend unaufgeregt und gut gelaunt. Egal wie viel Trubel um ihn herum tobt, er wählt seine Worte sorgfältig und lacht viel.
Man spürt: Dieser Mann ist tiefenentspannt. Das muss er auch sein, denn Entspannung ist die Quintessenz beim Apnoetauchen, der Tauchdisziplin ohne Flasche, wo alles von einem Atemzug abhängt. Rekorde wie Niks sind spektakulär und bringen Freediving (wie Apnoetauchen auch genannt wird) immer wieder in die Schlagzeilen – doch eigentlich geht es hier gerade nicht um das „Weiter, tiefer, länger“, sondern um bewusste Entspannung.

Atempausen nehmen

Genau das lehrt Linder in seinen Apnoe-Workshops, denn mittlerweile kann der gelernte Sparkassen-Versicherungskaufmann von seinem einstigen Hobby leben: Er ist Profiathlet, Trainer, schreibt Bücher und gibt Entspannungs­seminare – nicht nur für Taucher. So lehrt er etwa, wie man Stress weg­atmen kann. „Sich eine Atempause nehmen“, nennt Nik das. Schon nach wenigen Minuten verlangsamt sich der Puls und man entspannt sich. Dabei nutzt Linder Aspekte aus Yoga Nidra, autogenem Training, Meditation und vor allem Pranayama. Entwickelt hat er all das natürlich für seine Tauchgänge. Wobei sich seine Lust auf Yoga anfangs in Grenzen hielt. Der Türöffner war die Einsicht, dass er hier eine Menge Techniken finden würde, die seiner Tauchpraxis und seinem Unterricht mehr Tiefe geben könnten. Inzwischen ist Yoga Teil seiner täglichen Routine geworden. „Ich mache jeden Morgen Kapalabhati und abends Anuloma Viloma, dazu Aufladeübungen und verschiedene Asanas“, sagt Nik. „Das reicht, um die Atmung bewusster wahrzunehmen. Außerdem bin ich so viel entspannter, weniger impulsiv und meine lästigen Schlafstörungen sind auch verschwunden.“

Weltrekord

In der Woche vor unserem Gespräch war Nik in Ägypten, dann auf Madeira, anschließend standen Kroatien, Türkei und die Bahamas auf dem Plan – das Leben als Profi-Athlet kann ganz schön anstrengend sein. „Nach einem langen Tauchtag ertappe ich mich schon mal bei dem Gedanken: Mensch, damals bei der Versicherung, da hattest du nach acht Stunden Feierabend!“, sagt Nik. Aber dann muss er selbst darüber lachen. Nein, er ist mit seinem Leben, den Reisen und seinen Rekordversuchen glücklich. Wie damals am Weißensee, als er nach 76 Sekunden und 108 Metern wieder Luft holen konnte – denn er hatte den Weltrekord an diesem winterlichen Tag im Januar tatsächlich gebrochen.


Foto: Cedric Schanze

Montags-Mantra: Was muss ich eigentlich wirklich?

Frau mit Tasse-Foto_Maria Hek via unsplash.com

Ich muss noch dies, ich muss noch das und in einer halben Stunde muss ich da und da sein. So rattert es oft durch unsere Köpfe. Vor allem in der Vorweihnachtszeit treiben Termin- und Organisationsdruck unseren Puls in die Höhe. Bei den meisten von uns gehen in dem Zustand alle Kanäle zu: Offenheit und Kreativität leiden darunter. Anspannungen, Gereiztheit und ein Gefühl der Getriebenheit haben uns im Griff. Das nimmt dem Leben viel Lebendigkeit. Manchmal passiert es aber, dass wir aus irgendeinem Grund inne halten (müssen) und wir stellen fest: Die Hälfte unserer Stressfaktoren ist ja überhaupt nicht so wichtig!

Also, raus damit! Es lohnt sich, regelmäßig zu entrümpeln – auch Gedanken und Termine. Sortiert wichtig und unwichtig, denn das Leben ist viel zu schön, um es mit unnötigem Ballast zu füllen!

Albert Camus hat es auf den Punkt gebracht:

Das Leben ist kurz und seine Zeit zu verlieren ist eine Sünde.

Habt eine gute Woche!


Foto: Hek Maria via unsplash.com

Rauf, runter, Hochs und Tiefs – es ist ein ewiger Kreislauf!

Halbmond Pixabay_Mond als Symbol für Kreislauf

Es scheint immer wieder von vorne zu beginnen: Je mehr Fortschritte wir machen, desto stärker scheint das Leben zurückzuschlagen.

Es gibt vielleicht nur wenige Übungswege, in denen man so schnell erste Fortschritte und fast lebensverändernde Erfahrungen machen kann wie im Hatha-Yoga oder in der Meditation. Man bekommt sehr schnell Elan, sein Leben ganz neu in die Hand zu nehmen. Und ist dann oft umso enttäuschter, wenn es auf einmal so scheint, als hätte man überhaupt nichts gelernt, oder gar keine Fortschritte gemacht: Wir streiten uns immer noch mit den Nachbarn oder essen zu viel Schokolade. Und fragen uns, ob es überhaupt noch Sinn macht, weiterzuüben.

Shiva – der gutmütige Herr des Universums

In der indischen Mythologie gibt es die Geschichte von Daksha, einem der Urväter der Menschheit. Er gab seine 27 Töchter zur Heirat an Chandra, den Gott des Mondes. Dieser verbrachte jedoch die meiste Zeit nur mit einer von ihnen und darüber beschwerten sich die anderen 26 bei ihrem Vater. Daksha wurde sehr zornig, und verfluchte Chandra: Er solle an der schrecklichen Krankheit des Schwundes leiden. Jeden Tag würde er etwas mehr abnehmen und schließlich für immer verschwinden. Chandra bekam Angst vor seiner Auslöschung und lief zu Indra, dem König der Götter. Doch selbst der konnte Dakshas Fluch nicht zurücknehmen. Eines riet er ihm jedoch: „Wende dich an Shiva selbst, den gutmütigen Herrn des Universums.“

Chandra suchte Shiva in seiner Meditation auf. Der saß unbewegt, in tiefe Konzentration versunken. Der ängstliche Chandra erklärte seine Geschichte und seine Not. Shiva öffnete seine Augen und sah den zitternden, zu einem Häufchen Elend zusammengeschrumpften Mond. Ohne ein weiteres Wort zu sagen, nahm er ihn und setzte ihn sich auf seine Stirn, über seine rechte Augenbraue. Langsam begann der Mond wieder zu wachsen. Daksha hatte Chandra seine Kraft entzogen. Shiva hatte sie ihm wiedergegeben. So wie dem Mond geht es auch uns Menschen immer wieder. Wir versuchen alles, um in für alle Mal aus dem Spiel des Leids auszusteigen. Wir üben unsere Asanas, setzen uns zur Meditation aufs Kissen und ernähren uns nur von dem, was weder uns noch anderen schadet. Mit etwas Glück schaffen wir es sogar, uns eine Zeit lang kerngesund zu fühlen. Bis irgendwann
der nächste Schlag von außen kommt. Oder es sind innere Prozesse, die lange darauf gewartet haben, dass man sich ihnen stellen kann. Wir scheinen so oft Spielball zu sein, von Dingen, die wir nicht kontrollieren können. Und dann scheinen alle Bemühungen umsonst gewesen zu sein, weil man offenbar immer wieder von vorne anfangen muss.

Vor- und Rückschritt? Oder der normale Lauf der Dinge?

Vielleicht hilft es da, wenn man sich daran erinnert, dass man – auch wenn es wieder einmal nicht „rund“ läuft – keinen Rückschlag einstecken muss, sondern im ganz normalen Kreislauf der Natur steckt. Selbst Shiva konnte den Fluch Dakshas nicht vollständig von Chandra nehmen. Aber er ist immer wieder bereit, ihm neue Kraft zu spenden. Und wenn die Anstrengungen auf der Matte oder dem Meditationskissen einmal nicht mehr zu helfen scheinen, dann hilft es vielleicht, trotzdem sitzen zu bleiben und davon auszugehen, dass wir immer noch auf Shivas rechter Augenbraue sitzen. Und dass sich unsere Praxis auch immer wieder auszahlen wird.


Bild: Pexels/ Pixabay

Dr. Engelbert Oman

Dr. Engelbert Oman

Dr. Med. Univ. Engelbert Oman, M.D. (Wien) wurde 1960 in Wien geboren und machte 1992 seinen Abschluss an der medizinischen Fakultät der Universität Wien. Zusätzlich ist er in klassischer Homöopathie sowie in Ayurvedischer und Chinesischer Medizin ausgebildet. Auf der YogaWorld Messe in München 2023 kannst du Dr. Oman live erleben.

Bereits seit seiner Jugend interessierte Dr. Oman sich für meditative Techniken und alternative Medizin, bildete sich auf seinen vielen Reisen weiter, die ihn u.a. auch nach Indien führten. Die Gewissheit, dass der Mensch nicht nur aus physischem, emotionalem und mentalem Körper besteht, veranlasste ihn zu einer Suche in vielen verschiedenen Bereichen der Medizin, wobei hauptsächlich die spirituellen Aspekte sein Interesse fanden. 1982 lernte er dann in Indien seine spirituelle Meisterin kennen, die ihm die tatsächliche Bewusstseinserfahrung des höheren Selbst durch die Erweckung der Kundalini-Energie ermöglichte. Diese Meisterin ist Shri Mataji Nirmala Devi, deren 100. Geburtstagsjubiläum wir heuer feiern!

Mehr Info auf www.meditationmuenchen.org und www.facebook.com/sahajayoga.munchen/


Vortrag: Samstag, 14. Oktober, 15:30 – 16:15 Uhr

Durch die authentische Kundalini-Energie zum gedankenfreien Bewusstsein und Yoga-Samadhi (Impulsvortrag mit Kundalini-Erweckung & Meditation)

Vergesst bitte alles, was ihr bisher über Kundalini gehört oder gelesen habt. Die authentische Kundalini ist die urmütterliche Evolutionskraft, die uns nie schaden wird. Beim praktischen Teil werden durch eine geleitete Meditation und die Anwendung von heilenden Affirmationen, Blockaden in den Chakren gelöst, um den Fluss der Kundalini-Energie bis zum Kronenchakra zu ermöglichen. Durch diesen spürbaren Vorgang wird in uns ein Prozess eingeleitet, der uns zum höheren Selbst und zur Selbstverwirklichung (Yoga-Samadhi) führt.

Dr. Engelbert Oman auf der YogaWorld 2023 in München:

Samstag, 14. Oktober// 15:30 – 16:15 Uhr // „Impulsvortrag mit Kundalini-Erweckung & Meditation“ // Yamuna Vortragsraum


Kundalini-Workshop: Sonntag, 15. Oktober, 14.45 – 15.30 Uhr

Mit Initiations-Meditation und Live Musik zur Selbstverwirklichung in gedanken-freiem Bewusstsein

Solange wir in der Meditation nicht gedankenfrei werden, können wir nicht tiefer gehen in unserer Selbstverwirklichung und unserem Yoga-Samadhi. Die eingebaute Lösung ist die Erweckung der urmütterlichen Evolutionskraft, unserer authentischen Kundalini-Energie, die unser inneres Chakrensystem nährt, balanciert und alle Potentiale des höheren Selbst entfaltet (Selbstverwirklichung).

Durch die geleitete Meditation und indische Live-Musik können sich Blockaden in den Chakren lösen, die Kundalini steigt auf, öffnet das Kronen-Chakra, befreit uns von unerwünschten Gedanken und entfesselt in uns die bedingungslose Freude des Spirits.

Dr. Engelbert Oman auf der YogaWorld 2023 in München

Sonntag, 15. Oktober// 14:45 – 15:30 Uhr // „Kundalini-Workshop mit Initiations-Meditation und Live Musik“ // Ganesha Yogaspace


Michael Geißdörfer

Michael Geißdörfer stellt auf der YogaWorld 2017 in München die BKK Provita vor, eine Krankenkasse mit Fokus auf alternative Mehrleistungen wie Osteopathie, Anthroposophischer Medizin und pflanzliche Arzneimittel (z.B. Globuli u. Schüßler Salze). Besonders am Herzen liegen uns außerdem die Themen Achtsamkeit und pflanzliche Ernährung.

Mehr zur BKK Provita gibt es hier:
www.bkk-provita.de
www.facebook.com/bkkprovita

Michael Geißdörfer auf der YogaWorld 2017 in München:
Freitag, 20. Januar 2017 // Vorstellung der BKK Provita //17:45 – 18:30 Uhr // Yamuna Vortragsraum

Dranbleiben, aushalten – Liebe leben!

Buchtipp_Bereit fuer die Liebe_

Geben wir Beziehungen zu schnell auf? Ist die Liebe in Gefahr? Katharina Middendorf und Ralf Sturm nähern sich in ihrem Buch „Bereit für die Liebe“ der  Liebe als Haltung an – und inspirieren zur Zusammenarbeit und eigenen Entwicklung im yogischen Sinne. Yogajournal hat sich mit dem (Autoren-) Paar unterhalten.

YJ: Zu Beginn eures Buches „Bereit für die Liebe“ schreibt ihr Beunruhigendes: „Die Liebe ist in Gefahr“! Was droht da? Was gefährdet hier welches ­Gefühl?
RS: Die Liebe ist als Haltung in Gefahr. Nicht als romantisches Gefühl – das kann man im Zeitalter der sozialen Medien immer wieder neu ausleben. Wir meinen Liebe als Einstellung, die uns durchdringt und aus der wir in die Welt gehen.
KM: Und die Auseinandersetzung miteinander, die Tatsache, dass man sich und einander aushält. Wegen der vielen Möglichkeiten der schnellen Bedürfnisbefriedigung schwindet dazu die Bereitschaft. Dabei kann Bleiben große Qualität haben und muss keinesfalls der Individualität im Weg stehen.

YJ: „Aushalten“ klingt tendenziell mühsam und passiv. Wo liegt die Grenze zu Zurückstecken und Selbst­verleugnung?
K: Das wird tatsächlich oft damit verbunden. Dann kommt der meist wohlmeinende Ratschlag „Achte auf dich! Der Andere will dich einschränken, schau, dass du deine ­individuelle Entwicklung nicht hinten anstellst.“ Dabei findet die ja genau im Aus­halten statt.
R: Es kann zwei Formen annehmen: Man hält pathologisch etwas aus – aus Angst, verlassen zu werden, weil man sich selber nicht mag und denkt, man müsse bleiben. Zum anderen kann ein Denkfehler vorliegen: Man hält ­etwas aus, was aus anderer Perspektive auch anders gesehen werden kann. Im Buch wollen wir darauf hinaus, dass wir oft unter etwas leiden, das bei näherer Betrachtung gar kein Leiden ist.

YJ: Habt ihr einen Beziehungsratgeber geschrieben?
K: Natürlich können wir uns nicht ganz davon distanzieren. „Bereit für die Liebe“ kann anregen, alle möglichen Beziehungsmuster ehrlich und mitfühlend anzuschauen und Einblicke zu gewinnen, mit denen man weitergehen kann. Was wir nicht geschrieben haben, ist ein „Schritt für Schritt“-Programm à la „In 7 Schritten zur glücklichen Partnerschaft“. Das nutzt keinem. Wie soll man eine ­Haltung in einem Raster erlernen?

YJ: Ein Plädoyer für Perspektivenwechsel und das Ändern von Mustern?
R: Wenn wir nicht mehr hinter dem Schleier der Gedanken agieren, sondern aus einer liebevollen Haltung heraus, kann das Herz wirklich aufgehen.
Was wäre das Gegenteil?
K: Resignation. In einer Beziehung geht es aber nicht um Stillstand, sondern darum, die Stellung zu halten, um sich innerhalb des Systems zu entwickeln, nicht außerhalb.

YJ: Was kann die Yogaphilosophie, die ja vor allem individuelles Wachstum beschreibt, zu dieser Entwicklung beitragen und wie ergänzt sie sich mit Erkenntnissen aus der westlichen Psychologie?
K: Neben Verhaltenstherapie und Chakren-System hat uns die Yogaphilosophie besonders interessiert. Spiritualität und Transzendenz spielten bei vielen westlichen Psychologie-Ansätzen nicht automatisch eine Rolle. Im Yoga fehlt wiederum oft der pragmatische Ansatz, zum Beispiel: „Wie komme ich mit meiner Situation zurecht?“ Stattdessen wird so eine Frage schnell mit Sätzen wie „Alles ist eins“ abgetan. Die westliche Philosophie vernachlässigt hingegen den spirituellen Kern, der uns allen innewohnt, oder ordnet ihn maximal dem individuellen Glauben zu.
R: Ich vermisse beim Yoga oft die Erkenntnis, wie wichtig der menschliche Kontakt untereinander ist. Wir wissen inzwischen viel über das heilende Potenzial von Gemeinschaft, und die Zweierbeziehung ist nun mal die kleinste Form einer menschlichen Verbindung, in der man lernen und heilen kann.

YJ: In den Yamas und Niyamas spielt sie eine gewisse ­Rolle.
K: Stimmt, aber ist unser Verhalten anderen gegenüber erst einmal erklärt, geht es nur noch um die eigene ­innere Entwicklung – als zwei getrennt erfolgende Schritte. Dass man von der Gemeinschaft etwas widergespiegelt bekommt, habe ich dort noch nicht gelesen – vielmehr, dass ich meine Sinne so schnell wie möglich zurückziehe. Dabei ist es so spannend, was auf den weiteren Entwicklungsstufen passiert.

YJ: Ein Modewort unserer Zeit ist „beziehungs­un­fähig“. Kann man das überhaupt sein? Vielleicht eher „­beziehungsunlustig“ oder „beziehungsunwillig“?
K: „Abgrenzung“ ist auch so ein Modewort und wird
generell positiv begrüßt, nur weiß keiner so richtig, was damit gemeint ist. Wenn es sich nicht um ein pathologisches Niveau handelt, um jemanden, der nicht an Verbindung glaubt, weil er sie nie erfahren hat, dann steckt in Beziehung das größte Potenzial zur eigenen Entfaltung. Es geht um die Bereitschaft dazu. Der Vorwurf oder die Selbstdia­gnose „beziehungsunfähig“ dient eher als Ausrede.

YJ: Yoga ist ein Trendthema – kann man es auch hier mit missverstandenem Individualismus zu tun haben?
K: Als Yogi lernt man ja, sich neben sich und über die Dinge zu stellen. Auf einmal ist man nicht nur der ­Experte für sich, sondern auch Beziehung. Wenn ich mir eine solche Rolle zuweise, wird Beziehung natürlich schwerer.
R: Ein Problem im Yoga ist spiritueller Hochmut. Das Gegen­mittel ist, auch mal seinen eigenen Standpunkt infrage zu stellen. Das ist „Demut“, obwohl das gar nicht gut klingt. „Hingabe“ ist schöner.
K: Auch diesen Ausdruck würde ich eher als innere Haltung sehen. In Streits finde ich es zum Beispiel wichtig, dass man sich manchmal regelrecht in den Staub wirft, nach dem Motto „Ich hab Mist gebaut und hatte meine Gründe, aber erstmal sorry.“ Das heißt nicht, sich aufzugeben, man entscheidet sich ja bewusst dafür, es zu tun. Man kann so sehr daran wachsen, wenn es gelingt, endlich mit dem Mist aufzuhören, mit dem man sich jahre­lang vor sich selbst ­gerechtfertigt hat, und die falsch aufgebaute Vorstellung von sich abzulegen.

YJ: Wie schafft man es, bei all dieser „Beziehungsarbeit“ – allein das Wort klingt anstrengend – Leichtigkeit zu bewahren? Im Yoga heißt es: „Die Haltung soll mühelos und stabil sein“ …
K: Indem man die Dinge feiert, die es zu feiern gibt. Stichwort Sexualität: Hier kann das Spielerische sehr großen Raum bekommen.
R: Und zwar die Sexualität, in der echte Verbindung entsteht. Wenn man sich wirklich begegnet, ist Beziehungsarbeit herausfordernd, aber nicht anstrengend.
K: Wir müssen dem Genuss an schönen Dingen Platz einräumen. Wenn wir uns beschweren, dass in der ­Beziehung etwas nicht mehr stattfindet, findet es meistens bei uns selbst nicht mehr statt. Ich finde es wichtig, dass wir pendeln: zwischen Konfrontation, Leichtigkeit, Ruhe, Aktivität, Lachen, Ernst … Das lernt man beim Yoga im Wechsel zwischen den unterschiedlichen Haltungen, Übungen und Energien. Diese Flexibilität sollte man auch in der Beziehung bewahren.

YJ: Wann ist doch der Punkt für die Trennung ­gekommen?
R: Wenn man merkt, dass diese „Arbeit“ einen nicht mehr auf eine neue Stufe hebt. Man muss aber genau unterscheiden, ob man sich vom Partner oder von einem unhaltbaren ­Zustand trennen will! Wenn ich klar sage, dass ich etwas so nicht mehr erleben möchte, hat der Partner die Chance, damit aufzuhören oder es anders zu machen. Er kann sagen:„Bevor du abhaust, ändere ich mich mit dir.“ Trennung ist dann unausweichlich, wenn der andere nicht mitgehen will.
K: Im Therapie-Setting kann man es bemerken, wenn alles ganz still wird…

YJ: Wie habt ihr eigene Erfahrungen als Paar eingebracht?
R: Auch wir waren schon einmal in einem unhaltbaren Zustand angekommen und wollten so nicht mehr weitermachen. Es ist ­geglückt, weil uns beiden die Beziehung wichtig war und wir uns aufeinander zubewegt haben, anstatt nur zu verhandeln.

YJ: Ihr seid nicht in der „Komfortzone des Kompromisses“, wie ihr es nennt, verharrt, sondern habt den „gnadenlos schweren Schritt der Hingabe ohne Selbstaufgabe“ unternommen. Worin besteht dieser „Deal“?
R: In wirklicher Freiheit. Die im Grunde infantile Vorstellung von Freiheit, in der mir keiner sagt, was ich zu tun und zu lassen habe, erschwert Verbindung sehr. ­Auf der anderen Seite will natürlich niemand mit jemandem leben, nach dessen Pfeife er tanzen soll. Wenn ich eine Haltung der Liebe entwickle, kann ich verbunden UND frei sein – weil ich mich dafür entschieden habe. Alle Verbindungen zu lösen, bedeutet eher Isolation als Freiheit.
K: Die gute Nachricht ist: Sich in dieser Hinsicht „neu zu programmieren“ ist keine Lebensaufgabe. Hingabe eröffnet eine neue Straße im Gehirn, die im Lauf der Zeit immer breiter und einfacher zu beschreiten sein wird.

YJ: Ihr sprecht im Buch von Bhakti Yoga und Raja Yoga.
Vereinfacht gefragt: Welches Zusammenspiel von „Denk-“ und „Herzyoga“ ist für Beziehungen ideal?
K: Hier hilft eine Übung: Man kann eine Decke als Dreieck falten. Je eine Spitze repräsentiert Herz, Kopf und Körper. Man kann sich auf jede Spitze stellen und von dort eine Entscheidung treffen, die anderen bleiben dennoch im Blickfeld. Wenn man die Spitzen in der Mitte aufeinander legt und sich draufstellt, ist man in der vierten Dimension, dem Ziel des Yoga. Es handelt sich um die gleiche Ausrichtung auf verschiedenen Wegen. Wohin wir gehen, ist unsere persönliche Entscheidung. Die Möglichkeiten wirken nicht gegensätzlich, sondern komplementär.
R: Wir brauchen alle Wege, die wir konkret beschreiten können. In unserem Buch wollen wir das mit den „Spielfeldern“, also den Chakren, verdeutlichen. Beziehung findet ja nicht nur durch Hingabe, im Herzen oder durch „Slow Sex“ oder „Soul Sex“ statt, entwickelt sich nicht nur im zweiten Chakra oder aus Denkfehlern heraus. Es gibt zum Beispiel auch ganz konkrete wirtschaftliche Elemente.

YJ: Könnt ihr als, nun ja, „Ratgeberautoren“ abschließend doch einen Tipp geben?
R: Sich als Doppelteam von „Reiseführern“ zu ­sehen und die Stationen, die sich auf der Reise ergeben, durch zwei Objektive aufzunehmen: die Yoga- und die Psychologiekamera. Die Bilder, die dabei entstehen, sind garantiert ­spannend. //

Das Buch „Bereit für die Liebe – Wenn du denkst es ist vorbei, fängt es eigentlich erst an“ von Katharina Middendorf und Ralf Sturm ist bei Kamphausen erschienen und kostet 19,95 Euro.

In seinem Artikel die Kraft der Liebe fragt Ralf Sturm  was passieren kabnn, wenn wir uns wirklich entscheiden, zu bleiben.


Bild:Janrickers.com/  Buchcover „Bereit für die Liebe“