Dies.Das.Asanas. – Der dreibeinige Hund

Asana_dreibeiniger Hund_Jelena Lieberberg

Auf der Basis eines kraftvollen und zugleich ruhigen herabschauenden Hundes kann Spielraum für etwas Neues entstehen. In diesem Fall für Eka Pada Adho Mukha Shvanasana – oder ganz einfach: den dreibeinigen Hund.

Der dreibeinige Hund

Ein Mensch braucht jeden Tag Futter – und das auf ganz verschiedenen Ebenen: Zu den „Lebensmitteln“ zählen neben Essen, geistiger und sozialer Nahrung auch Möglichkeiten, sich in unterschiedlichen Bewegungsformen zu entfalten. „Downdog“ ist dabei mein bester Freund unter den Asanas: Er zeigt mir, sobald ich mich über ­mei­ne­ Hände nach hinten schiebe, wie es um ­meine posteriore Faszienkette steht, ob sich Blockaden entlang der Wirbelsäule bemerkbar machen und inwieweit ­meine Praxis heute eher Yin- oder Yang-lastig sein ­sollte. An manchen Tagen geben mir fünf stille Atemzüge im schlicht gehaltenen Downdog schon alles. An anderen Tagen merke ich, wie die Haltung meine Abenteuerlust weckt, und ich versuche, jeden Winkel meines Körpers zu erforschen. Der hier gezeigte verbundene dreibeinige Hund kombiniert den aktiven, starken Rücken der klassischen Variante mit einer Rückbeuge, die die Oberschenkel­vorderseite und die gegenüberliegende Schulter mobilisiert. Gleichzeitig kann man Weite und Raum in den Hüftgelenken erzeugen. Nicht umsonst wird die Asana auch als „geladener Skorpion“ bezeichnet: Sie bringt Spaß und frischen Wind, wenn es mal ein bisschen mehr sein darf.

Macht das Spass?

Ja! Falls Rückbeugen allerdings herausfordernd für Sie sind, reicht es, den Fuß zum Gesäß zu ziehen, anstatt ihn nach hinten weg zu schieben.

Muss ich das können?

Nein. Diese Asana bietet sich erst an, sobald sich Ihre Fersen im herabschauenden Hund schon dem Boden annähern.

Was muss ich dafür tun?

Ein paar Sonnengrüße helfen, die Rückseite des Körpers und die Brustwirbelsäule vorzubereiten. Wenn Sie mögen, können Sie zusätzlich Oberschenkel und Schultern mobilisieren, zum Beispiel mit dem Bogen (Dhanurasana).

Schritt für Schritt

  1. Beginnen Sie im herabschauenden Hund (Adho Mukha Shvanasana). Stabilisieren Sie Schultern und Rumpf und heben Sie das rechte Bein gerade nach hinten. Die Hände bleiben fest geerdet, während Sie eine Weile mit der Position spielen: Zuerst beugen Sie den Fuß und schieben die Ferse in Richtung Decke, dann strecken Sie das rechte Bein höher und weiten die Leiste, ohne dabei die Position Ihrer rechten Schulter zu verändern.
  2. Von hier aus verlagern Sie Ihr Gewicht auf die rechte Hand, um die linke vom Boden lösen zu können. Spielen Sie zunächst ein bisschen mit dem Gleichgewicht. Erst wenn Sie sich stabil in der Haltung fühlen, ­beugen Sie Ihr rechtes Bein und greifen den Fuß mit der linken Hand.
  3. Entweder ziehen Sie den Fuß nur zum Gesäß und schmiegen Ihre linke Schulter dichter an den ­Rücken oder Sie vertiefen die Rück­­beu­ge, indem Sie den Fuß ähnlich wie beim Bogen (Dhanurasana) vom Körper weg ziehen. Dabei initiieren Sie die Rückbeuge möglichst deutlich von der Brustwirbelsäule her.
  4. Bleiben Sie etwa fünf Atemzüge lang in der Haltung. Danach setzen Sie Hand und Fuß wieder achtsam am Boden ab. Bei Bedarf geben Sie Handgelenken und Schultern zunächst eine kurze Pause und schütteln Ihre Beine aus. ­Anschließend wiederholen Sie das Ganze auf der anderen Seite.

Wo wir gerade beim Hund sind: Der dreibienige Hund ist nicht zu verwechseln mit der energetischen Rückbeuge, dem Wilden Hund!


Foto: Henryk Berlet; www.oooyeah.de

Das liebe Geld!

Sparschwein als Symbol für Geld-Fabian Blank Unsplash.com

Selbständig sein, gut über die Runden kommen und Yoga leben – wie passt das alles zusammen? Aus dem Leben einer New Yorker Yogalehrerin.

Sadie Nardini ist ein typisches Beispiel für viele ­Yogalehrende: Noch vor einigen Jahren hetzte sie durch ihre Heimatstadt New York, unterrichtete mehr als ein Dutzend Yogaklassen pro Woche und kam kaum über die Runden. Wenn sie nach dem Preis für Privatstunden gefragt wurde, wollte sie eigentlich „125 Dollar“ sagen, aber statt dessen murmelte sie schüchtern: „50?“. „Ich glaube, ich habe das Thema Geld genauso vermieden wie die gebundene Dreieckshaltung“, gesteht Sadie. Bis sie irgendwann einsah, dass es an der Zeit war, ein wichtiges Prinzip ihrer Yogapraxis auch im Alltag anzuwenden: „Asanas sind kraftvoll, aber nicht immer nur angenehm“, erklärt Sadie. „Aber erst wenn man bereit ist, sich auch den unangenehmen Herausforderungen zu stellen, bekommt man Gelegenheit, zu wachsen.“

Sie setzte sich mit einer Tasse Chai in ihr Lieblingscafé und schrieb alles auf, was ihr zum Thema einfiel: Zuhause hatte der Vater die Familienfinanzen verwaltet, sie bekam erst spät eigenes Geld und fühlte sich lange davon überfordert. Als frisch gebackene Yogalehrerin hatte sie das Gefühl, sie dürfe kein Geld annehmen für etwas, das sie so gerne tat. Müsste sich Geldverdienen nicht mehr nach harter Arbeit anfühlen? Auch eine gewisse Scham spielte eine Rolle: Verrate ich die Ideale des Yoga, wenn ich finanziellen Profit daraus schlage? Dahinter steckte aber noch mehr: „Ich konnte nie so viel verlangen wie meine Freunde, weil ich tief in meinem Inneren auch ein Problem mit meinem Selbstwertgefühl hatte“, gesteht Sadie. An dem Nachmittag im Café nahm sie sich vor, nicht länger in diesen alten Mustern hängenzubleiben: Sie begann, ihre Gedanken, Gefühle und ­Verhaltensmuster zum Thema Geld ganz bewusst zu beobachten. Sie ging strategischer an die Frage heran, wann und wo sie unter­richtete, um nicht unnötig Energien zu verpulvern. Sie verlangte tatsächlich 125 Dollar für Privatstunden – und bekam sie auch. Nicht, dass all das immer ganz einfach und mühelos gewesen wäre. Aber jedes Mal, wenn sie beklemmende Gefühle und Widerstände bei sich wahrnahm, tat Sadie genau das Gleiche wie in der gebundenen Dreieckshaltung: Sie atmete tief, lenkte die Atmung an die Stellen, wo es sich besonders unangenehm anfühlte, und übte sich in Geduld und Hingabe.

Ein gesundes Verhältnis zum Thema Geld entwickeln

Sadie hat ein paar schwierige Schritte zu einem ­entspannteren, gesünderen Verhältnis zum Geld gemeistert, findet Brent Kessel. Er ist Buchautor, Yogi und Mitbegründer einer großen amerikanischen Firma für nachhaltige Investments. „Viele Menschen machen Geld für alle Übel der Welt verantwortlich, vermeiden es aber, sich ihr eigenes Verhältnis dazu wirklich klar vor Augen zu führen,“ meint Kessel. „Dabei kann Geld ein spiri­tueller Lehrer sein, wenn man bereit ist, ihm mit demselben Grad an Bewusstheit und klarer Intention zu ­begegnen wie anderen spirituellen Praktiken.“

Aber wie kann etwas so Uninspirierendes wie der eigene Kontoauszug eine ähnlich transformierende Wirkung entfalten wie ein*e großartige*r Yogalehrer*in? Zunächst einmal, indem er einem die eigenen Muster spiegelt, meint Kessel. Summiert sich mein Hang zu Green-Smoothies im Trend-Café allmählich zum eher unbekömmlichen ­Posten im Monatsbudget? Oder könnte ich mir nicht längst mal wieder einen schönen Urlaub gönnen, anstatt die Euros auf dem Sparkonto vergammeln zu lassen? „Ich denke, jeder handelt ganz selbstverständlich in einer Weise, von der er annimmt, dass sie das eigene Glück fördert und Leid verhindert“, meint Kessel. „Erst wenn wir uns ­fragen, warum wir uns auf diese bestimmte ­Wei­se ­verhalten und welche Schmerzen es sind, die wir dadurch vermeiden möchten, können wir unter Umständen zu ­einer anderen Schlussfolgerung gelangen.“

Der Vorteil der Yogi*nis

Dazu gehört es ganz wesentlich, sich den eigenen ­Ängsten und Widerständen bewusst auszusetzen. Yogi*nis haben dabei dank ihrer Asana-Praxis einen entscheidenden Lernvorsprung: Im Yoga verbessern wir ständig unsere Fähigkeit, unangenehme körperliche Empfindungen zu analysieren und bis zu einem gewissen Grad auszuhalten. Erinnere dich zum Beispiel daran, wie in Pashchimottanasana deine Beinrückseiten manchmal gespannt haben, wie du innerlich aufbegehrt hast und am liebsten sofort aufgesprungen und davon­gelaufen wärst. Trotzdem bist du sitzen geblieben, hast ­mithilfe der Atmung die Ruhe bewahrt und dich selbst in deiner Auflehnung freundlich zu beobachten ­gelernt.

„Genau diese Technik kannst du auch anwenden, wenn es darum geht, alte Verhaltensmuster zu erkennen und zu überwinden“, meint Kessel. Das Gute daran: Ein entspannter, vernünftiger Umgang mit Geld nimmt eine Menge Stress aus dem Alltag. Oder wie die Meditationslehrerin und frühere Wall-Street-Brokerin Claire Kinsella Holtje sagt: „Niemand wird je Samadhi (den Zustand spiritueller Erleuchtung) erreichen, während er sich Sorgen um seinen Kontostand macht.“


 

Autorin und Yogalehrerin Meghan Rabbit zum Thema Geld

Die Autorin Meghan Rabbitt hat als freiberufliche Journalistin selbst lernen müssen, mit einer gewissen finanziellen Unsicherheit leben zu müssen – auch wenn sie fast jeden Monat mit Artikeln in amerikanischen Gesundheits-, Mode- und Lifestyle-Magazinen vertreten ist: Wer weiß, was nächsten Monat kommt?

 

Anschlag auf das Ego

Foto: Misterqm / Photocase.de

Anschläge, Amokläufe und Terror: Es scheint, als sei brutale Gewalt in den vergangenen Jahren immer präsenter geworden und näher gekommen. Was könnte eine angemessene yogische Antwort auf diese Ereignisse sein?

Zu jedem aktuellen Terroranschlag oder Gewaltausbruch gibt es eine Vielzahl von Analysen. Meist werden nacheinander politische, soziologische und psychologische Erklärungen geliefert. Am Ende geht es um angemessene Reaktionen, um Schuldzuweisungen und Verantwortliche. Nur ganz selten ist etwas zu lesen, was als offene und intensive Selbstreflektion gelten könnte. Die yogische Antwort wäre aber genau das: eine kritische, individuelle Reflektion, eine persönliche, stille Selbstbefragung. Nicht dass das die einzige Reaktion sein sollte, andere Schritte sind sicher auch nötig, aber der Blick auf das eigene Leben und Handeln verspricht noch einmal ganz andere Einsichten.

Gewalttätige Beziehungen

Wir leben in Gesellschaften, die mit Gewalt verschiedenster Arten einhergehen: Wir herrschen mit rücksichts-und gedankenloser Gewalt über die Natur. Unser Lebensstil sorgt in anderen Weltgegenden für bittere Armut, Abhängigkeit und Leid. Unsere rigorose
ökonomische Herrschaft sorgt zum Beispiel für aberwitzige Bedingungen bei der Herstellung von Handys und Kleidung in Asien, für die brutale Ausbeutung von Rohstoffen
in Afrika, für die rücksichtslose Förderung von Öl auf der ganzen Welt oder eben auch für
das katastrophale Klimageschehen aufgrund unserer CO2-Bilanz. Aus einer yogischen Perspektive ist diese Art von gewalttätigen Beziehung zur Natur, unseren Mitmenschen
und allen anderen Geschöpfen ungesund und falsch, nicht nur für die Mitwelt, sondern
auch für unser eigenes (spirituelles) Fortkommen. Eine ehrliche, kritische Selbstreflektion
gibt über das eigene Leben und seine Folgen Auskunft. Vor allem bei Wertungen, Urteilen und Verurteilungen lernen wir, genauer hinzuschauen. Und dabei geht es eben nicht nur
um die Allerweltsaussage „alles hängt irgendwie mit allem zusammen“, sondern um die genauen Ursache-Wirkung-Zusammenhänge und exakte Beschreibungen der Wirklichkeit, wie wir sie durch unser Handeln erst generieren.

„Wir-Gefühl“ durch Yoga

Neulich hat mir ein sehr netter und sehr reicher, in Dubai lebender Inder erzählt, dass es für ihn und seine Freunde dort nun zu unsicher wird, weswegen er nach München umziehen will. Was macht die Lage so bedrohlich? Aufgrund des verfallenden Erdölpreises haben die Inder Angst vor einem Aufstand der pakistanischen Gastarbeiter, die ausgebeutet werden und in prekären Verhältnissen leben. In seiner Analyse ist das Verhältnis zu den Pakistanis nur abhängig von der Entwicklung des Ölpreises auf den internationalen Märkten. Aber warum sollten Fairness und Gerechtigkeit nur von so einem abstrakten Wert abhängen?

Ein Yogi sucht sein Heil nicht zuerst in der nach außen gerichteten Suche nach Ursachen und Verantwortlichkeiten. Und er macht sich umgekehrt nicht zu sehr von äußeren Ereignissen abhängig. Auch den Analysen zur allgegenwärtigen Gewalt fehlt diese Art von Rückschluss zum eigenen Lebensstil, der möglicherweise ursächlich für das Leid anderer und bewusst oder unbewusst, gewalttätig ist. Gewaltlose Beziehungen sind die Basis und das Ziel im Yoga und sie gründen in tiefem innerem Frieden, der aus der Yogapraxis selbst kommt. Dieser erzeugt im besten Fall die innere Unabhängigkeit und Freiheit, um wirklich gewaltfrei zu leben. Die jahrtausendealte Erfahrung auf dem Yogaweg ist, dass Frieden oder Gewalt um uns herum nicht ausschließlich schicksalhaft und zufällig über uns hereinbrechen, sondern von uns gemacht werden. Die ganze Yogaidee ist, dass wir in täglicher Arbeit Einfluss auf den Lauf der Dinge nehmen. Allgemeiner gesagt: Wir sind mit unserer Mitwelt, den Mitmenschen oder Mitgeschöpfen, verbunden. Es gibt sozusagen immer nur ein „Wir“, das im Yoga ohne Einschränkungen gedacht wird. Der Spiegel-Autor Sebastian Hammelehle konstatiert einen grassierenden „kollektiven Egoismus“ und ein „verkrüppeltes Wir einer Ich-Gesellschaft, die nur noch mit denjenigen Solidarität empfinden kann, in denen sie ihr eigenes Spiegelbild erkennt“. Yoga hat das Potenzial, aus einem beschränktem „Ich“ ein echtes, umfassendes „Wir“ zu machen.


Bild: Misterqm / Photocase.de

Montags-Mantra: Sei da!

Goldene Buddha Statuen in einer Reihe; Bild: Alexandre Chambon

Das heutige Mantra ist ein Zitat. Kurz, knapp. Nicht mehr und nicht weniger:

 

Unsere Verabredung mit dem Leben findet im gegenwärtigen Augenblick statt. Und der Treffpunkt ist genau da, wo wir uns gerade befinden. (Buddha)

 

Auf den ersten Blick wirkt das Zitat simpel. Auf den zweiten Blick, entpuppt es sich als kniffelige Alltags-Aufgabe. Fast allen von uns fällt es bisweilen schwer, die Verabredung mit dem Leben einzuhalten: Allzu oft vergessen wir den Treffpunkt! Wenn viele Termine anstehen, unterschiedliche Verabredungen warten und wir dazwischen noch dies und das erledigen, eilen wir in Gedanken oft so weit voraus, dass wir irgendwo sind – außer dort, wo wir uns gerade befinden. Das Zitat Buddhas erinnert uns ans Wesentliche, an unsere Verabredung mit dem Leben.

Also, kommt gut durch die Woche und denkt an eure Verabredung!


Bild: Alexandre Chambon/ unsplash.com

Dr. Klaus Wolff

Dr. Klaus Wolff ist Dru Yoga-Lehrer, Heilpraktiker/Psychotherapie, Theologe und Mentaltrainer mit eigener Praxis in Sankt Augustin bei Bonn. Er praktiziert und unterrichtet Dru Yoga seit über 20 Jahren und entwickelte zusammen mit Chris Barrington die Dru Yantra Therapie. Neben zahlreichen Veröffentlichungen im SWR2-Radio hat er das Buch über Yogaphilosophie geschrieben: „Werde ganz du selbst – das Glück in der eigenen Mitte finden.“ Mehr zu Dr. Klaus Wolff: www.dr-klaus-wolff.de

Dru Yantra Therapie – Potenzierte Veränderung leicht gemacht

Wenn man bei der eigenen Veränderung – bildlich gesprochen – nicht zu Fuß, sondern mit dem Taxi unterwegs sein will, ist Dru Yantra eine der genialsten Methoden tiefgreifender und nachhaltiger Transformation.
Ein Yantra ist eine Art „Mandala“, das man von sich selber malt. Durch das Malen des Yantras verändert man nicht nur das eigene Selbstbild, sondern auch tiefe Schichten des Unterbewusstseins. Für viele Lebensthemen gibt es spezielle Yantras, durch deren – gekonnt angeleitetes – Malen man mit Leichtigkeit Probleme lösen und ein neues Leben kreieren kann.
Dru Yantra ist eine Pioniermethode, das eigene Unterbewußtsein spielerisch zu verändern.

Workshop Sonntag
Dru Yoga: Das Herz als Schlüssel zur Transformation

Wirkliche Veränderung geschieht nur, wenn das Herz des Menschen weit wird. Im Dru Yoga – einer nordindischen Yogaform aus der Tradition Mahatma Gandhis – praktiziert man daher besonders „Energy block release“ für das Herz. Damit wird nicht nur der gesamte Mensch tiefgreifend verändert, es eröffnen sich auch ungeahnte Ebenen des eigenen Wohlfühlens.


Dr. Klaus Wolff auf der YogaWorld 2017 in München:
Samstag, 21. Januar 2017 // 14:30-15:15 Uhr // Dru Yantra Therapie // Yamuna Vortragsraum
Sonntag, 22. Januar 2017 // 10:30-11:15 Uhr // Dru Yoga: Das Herz als Schlüssel zur Transformation // Ganesha Yoga Raum


 

Sharon Gannon über Glück und Freiheit

Jivamukti Yoga Sharon GannonSharon Gannon

Sharon Gannon ist die Yoga-Queen biegsamer Großstädter, Vorzeige-
Veganerin, Guru und Mentorin der weltweiten Jivamukti-Community, kurz: ein Star. YOGA JOURNAL sprach mit ihr über Aktivismus, Yoga als Business und über Freiheit.

Interview mit Britta Rohr

Sharon, du hast in diesem Jahr deinen 65. Geburtstag gefeiert und kommst immer noch rüber wie ein Rockstar – man hat das Gefühl die Performance-Künstlerin und Musikerin von früher klingt durch, nur sind es jetzt nicht mehr New Yorker Szeneclubs der 1980er-Jahre, sondern immer größer werdende Yoga-Workshops. Wie fühlt sich das an?
Ich liebe es, Menschen erreichen zu können. Natürlich hilft mir meine Erfahrung als Musikerin dabei, in einer gewissen Weise zu unterhalten. In den Anfängen hatte ich nicht das primäre Ziel, Yogalehrerin zu werden. Doch dann habe ich gemerkt, ich kann Yoga nutzen, um eine Botschaft zu vermitteln. So kann ich Menschen bewegen und meine Spiritualität leben.

Auf welchem Weg bist du dann doch Yogalehrerin geworden? Hast du ein Teacher Training absolviert?
Ich nahm damals an allem teil, was ich finden konnte. Immer wenn ich hörte, dass jemand Yoga unterrichtete, war ich dabei. Ich ging hin und probierte es aus. Nach und nach kamen die Leute dann auch zu mir. Sie waren neugierig und fragten mich, ob ich ihnen den Kopfstand beibringen könne. Na klar konnte ich das, und die Neugierde wuchs. Plötzlich interessierten sich Menschen in meiner Umgebung dafür, was Meditation ist und wie es ist, jeden Tag zu meditieren. Ob ich ihnen auch das zeigen könne. Kein Problem!
Dann fragten sie mich nach meiner Ernährung und wollten alles über Veganismus wissen. 1983 fing ich nach und nach an, Menschen zu unterrichten. Und das alles in meinem winzigen Apartment in New York, wo es ein Stand-Harmonium, ein Bett und noch Platz für eine weitere Person gab – den Yoga­schüler.

Heute unterrichtest du in deinen Workshops über 200 Leute gleichzeitig. Da hat sich ganz schön etwas verändert! Yoga ist auch ein lukrativer Markt geworden. Mit Yoga­lehrer-Ausbildungen lässt sich viel Geld verdienen, auch du bist mit Jivamukti Yoga mittlerweile weltweit erfolgreich. Wie gehen Aktivismus und Business für dich zusammen?
Wenn du Geld hast, kannst du es in gute Projekte investieren und zum Beispiel Mahlzeiten an notleidende Menschen ausgeben. Es ist nicht falsch, Geld zu verdienen. Wenn du es zur persönlichen Bereicherung verwendest und nicht darin investierst, die Welt zu verbessern und die Leben anderer glücklicher zu machen, dann gibt es allerdings ein Problem. Auch wenn Yogis zu Geld kommen, kommt es darauf an, wofür sie es ausgeben. Durch den Erfolg von Jivamukti Yoga kann ich Arbeitsplätze schaffen und Menschen Sicherheit geben. Ursprünglich haben Lehrer ihre Schüler darum gebeten, kostenlos für sie zu arbeiten und alles für sie aufzugeben. Ich will, dass sich jeder, der in meine Schule involviert ist, glücklich und wertgeschätzt fühlt. Bevor ich Yoga­lehrerin wurde, hatte ich mit derlei Dingen nichts zu tun. Plötzlich musste ich ein Konto eröffnen, brauchte ein Telefon und musste mich mit einem Anwalt zusammensetzen, um eine Trademark zu etablieren. Warum? Weil ich mich für meine Mitarbeiter verantwortlich fühle und sie bezahlen möchte.

Welche Projekte förderst du, um die Welt zu verbessern und was tut die Jivamukti-Gemeinschaft, um Menschen in Not zu helfen?
30 Prozent meines persönlichen Einkommens spende ich an Tierschutzorganisationen wie Sea Shepherd und PETA. Als Community tun wir alles, um Menschen aus Unterdrückung zu befreien. Aber es macht keinen Unterschied, um welche Geschöpfe es sich handelt: Flüchtlinge oder Straßenhunde, die keinen warmen Ort zum Bleiben haben. Wir versuchen, alle zu unterstützen. Tierrechte schließen Menschenrechte ein – und umgekehrt. Wir müssen auf die Bedürfnisse aller achten.

Glaubst du, dass du mit deinem Verhalten Einfluss auf die Weltpolitik hast?
Ja, Politik ist der größere Körper, die größere Einheit. Sie impliziert die Gesellschaft, das Umfeld, in dem wir uns bewegen. Politisch zu sein heißt, sich um andere zu kümmern, mit denen man diesen Raum teilt. Insofern bin ich sehr politisch, weil ich mich nicht nur um mein eigenes Glück kümmere. Ich möchte nicht, dass mein eigenes Glück auf Kosten anderer geschieht. Das ist für mich die ursprüngliche Bedeutung politischen Handelns.

Gibt es nicht einen Konflikt, wenn die Yoga­szene von Firmen, Modelabels oder Mattenherstellern beeinflusst wird?
Warum, wenn die Produkte ethisch vertretbar und biologisch sind? Ich bin überzeugt, als Kundin Einfluss auf den Markt zu haben und die Hersteller dazu bringen zu können, umweltfreundlichere Produkte herzustellen. Als ich mit Yoga anfing, gab es gar keine Yogamatten. Als es dann die ersten gab, waren die aus ziemlich giftigen Materialien. Ich wollte auf keinen Fall auf toxischem Material üben. So fing ich an, die Unternehmen zu motivieren, andere Matten auf den Markt zu bringen, und nun gibt es Firmen, die das wirklich umsetzen. Wenn es Nachfrage gibt, reagiert der Markt. So ist es auch mit Sojamilch: Ich will keine Kuhmilch trinken, und das geht auch anderen so. Wenn da mehrere nachfragen, erkennen die Unternehmen, dass man auch mit tierleidfreien Produkten Geld verdienen kann. Und das ist auch wieder ein Stück Weltverbesserung.

Du sagtest in deinem Workshop, dass wir, wenn wir mehr in Anbindung an Gott und in Demut handeln, die Welt verändern können. Wäre die Welt also ein besserer Ort, wenn alle Menschen Yoga üben würden?
Yoga ist nicht für jeden. Genauso wie glücklich sein nicht für jeden ist. Andere Menschen haben andere Themen im Leben, und das sollten wir respektieren. Nicht jeder muss eine spirituelle Person sein. Jeder kann entscheiden, was er mit seinem Leben tun möchte. Ich gebe mein Bestes, um so gewaltfrei wie möglich zu leben. Es liegt an jedem Einzelnen, das auch zu tun und in Toleranz, Liebe und Wertschätzung allen gegenüber zu handeln – egal welche Hautfarbe er oder sie hat. Sei tolerant, freundlich und handle so, dass du jeden Menschen aufbauen kannst.

Wenn wir jeden Tag zum Yoga gehen, teure Yogaklamotten kaufen und an Workshops teilnehmen, kaufen wir uns da nicht ein gutes Gewissen?
Wir geben für vieles Geld aus. Yoga ist für Menschen, die genug Geld für ihre Grundversorgung haben. Wenn dann noch Geld übrig bleibt, ist Yoga eine gute Investition. Man muss nicht reich sein, um Yoga zu machen.

Zuletzt noch zum Thema Freiheit: Jivamukti Yoga begann ja relativ anarchisch. Heute sieht das anders aus. Speziell in der Ausbildung gibt es feste Regeln und Strukturen. Mittlerweile sagen manche, dass Jivamukti Yoga nicht mehr frei genug ist und sie sich eingeengt fühlen. Was hältst du davon?
Wenn sich Schüler eingeschränkt fühlen, sollten sie gehen und einen Weg finden, glücklich und frei zu sein. Wenn ich nicht die Antworten auf ihre Fragen habe, möchte ich, dass sie woanders hingehen, um sie zu finden. Die meisten Jivamukti-Schüler finden eine Menge Freiheit und Glück. Die Methode selbst ist nicht wichtig. Glück und Freiheit sind wichtig.

 

Sharon Gannon begründete zusammen mit David Life die Jivamukti-Bewegung. Seid ihrer ersten Begegnung sind über 30 Jahre vergangen – bis heute leben und arbeiten sie gemeinsam. „Unser Zusammensein basiert auf Yoga,“ so Sharon Gannon über ihre Beziehung. Auch ihre Ansichten über das Konzept der romantischen Liebe teilten sie mit dem YOGA JOURNAL.


Titelbild: Guzmann / Jivamukti

Bavaani Michaela Götz

Die Musikerin, Sängerin und Heilerin studierte studierte Blockflöte, Gesang, Schulmusik und Grundschullehramt und absolvierte verschiedene Ausbildungen in Körper-, Atem- und Stimmarbeit, energetischer Stimmarbeit, Obertongesang, Entspannungs- und Heiltechniken und eine Klangausbildung. Doch dann machte sie sich auf den Weg, ihren Meister zu finden. Und fand ihn in Indien. 2005 war sie zum ersten Mal dort, und sofort schrieb sie sich  für ein Vollzeitstudium ein. So studierte sie 2006/2007 ein Jahr lang Seelenwissenschaften an der Sri Kaleshwar Soul-Univerity in Penukonda, lernte vedische Heil- und Meditationstechniken, Vaastu, Musik und Bhajansingen unter direkter Anleitung und mit persönlichen Einweihungen bei Dr. Sri Sai Kaleshwar. Seither ist sie regelmäßig in Indien, bildet sich kontinuierlich fort und praktiziert die erlernten Techniken täglich.
Sie arbeitet als freiberufliche Musikerin, Sängerin, und Heilerin. Als Instrumental- und Gesangslehrerin unterrichte sie an Musikschulen und im eigenen Studio. Sie hat verschiedene CDs mit Bhajans aufgenommen und gibt Konzerte im In- und Ausland. Im Sai Nada Bindu Seminarzentrum in Erding leitet sie das Bhajansingen und bietet Workshops rund um das Thema Singen an. Einzelarbeit und energetische Heilbehandlungen bietet sie nach Absprache an.

Kirtanam – das Bhajansingen – ist ein kraftvoller Weg, Gott zu erreichen, ein Weg zur Erleuchtung, zur Selbstverwirklichung. Du öffnest dein Herz und singst. Durch die schöne Musik wird der Verstand beruhigt und friedvoll. Bhajansingen bewirkt Reinigung und Transformation in uns und auch in den Räumen der Umgebung. Wenn Sie sich auf sanfte, melodiöse Musik wie diese einstimmen, werden Ihre Gedanken, Ihre Handlungen, Ihre Bewegungen, Ihr Lebensstil sanft. Ihr Leben wird sanft.

Zum weiteren Genuss sind nach dem Konzert CDs erhältlich.

Mehr zu Baavani erfahrt Ihr
bei Facebook: www.facebook.com/bavvaani


Bavaani auf der YogaWorld in München:
Samstag, 21. Januar 2017
// 17:45 – 18:30 Uhr // Bhajansingen mit Bavaani – Ein Konzert zum Mitsingen – zur Herzöffnung und zur Anhebung der Seele // Yamuna Vortragsraum


 

Bhakti Yoga: Der Weg aus der Angst

Bhakti Yoga

Die ewige Angst, nicht genug zu haben oder nicht genug zu tun, führt nur allzu leicht in kopflose Geschäftigkeit. Dabei gäbe es auch eine andere Art damit umzugehen: Liebe und Vertrauen – also Bhakti Yoga.

Die meisten von uns könnten sich sehr glücklich schätzen. Wir haben nicht nur alles, was wir zum Leben brauchen, sondern auch so schöne Dinge wie rutschfeste Yogamatten und vieles mehr. Aber allzu oft schwebt über uns die Angst, dass es „nicht reicht“. Damit ist nicht nur die Sicherheit auf der Matte gemeint, es trifft nahezu alle Aspekte des Lebens. Wenn wir über unsere finanzielle Situation nachdenken, haben wir Angst den Job zu verlieren, denn vielleicht zeigen wir uns darin ja nicht genügend angestrengt. Wenn wir an die Familie denken, haben wir Angst, dass unsere Partner*innen uns verlässt, falls wir ihm nicht jeden Wunsch von den Augen ablesen. Oder wir befürchten, als Eltern nicht gut genug zu sein und geben unseren Kindern mehr, als sie eigentlich brauchen.

Kurz: Wir leben fast ständig mit dem Gedanken, nicht genug zu haben oder nicht genug zu tun. Und schreiben darum unaufhörlich neue Einkaufs- und To-do-Listen.

Wege der Angst

So geht es den Menschen jedoch nicht erst im 21. Jahrhundert sondern schon seit Tausenden von Jahren. Angst macht geschäftig. Und wir versuchen alles, um uns irgendwie abzusichern. Aber genau so lange, wie es diese Angst gibt, gibt es auch zwei Wege, mit ihr umzugehen. Das hinduistisch Epos Mahabharata erzählt vom Streit zwischen den Familien der Pandavas und der Kauravas. In der Nacht der großen Schlacht zwischen den beiden Heeren besuchte Duryodhana, der Anführer der Kauravas, Krishna in seinem Zelt. Er fand ihn schlafend und setzte sich zunächst ans Fußende seines Bettes. Doch schnell fand er einen Grund, seine Entscheidung zu revidieren: „Er ist doch nur ein einfacher Kuhhirte. Und ich bin ein König.“ Und so setzte er sich ans Kopfende. Arjuna, der Anführer der Pandavas, suchte Krishna ebenfalls auf, war aber zufrieden mit dem Platz zu seinen Füßen. Als Krishna erwachte, fiel sein Blick deshalb zunächst auf Arjuna.

„Ihr seid mir beide lieb, und ich kann für keinen von euch Partei ergreifen“, sagte Krishna. „Aber ich werde euch beiden einen Wunsch gewähren. Der eine von euch bekommt meine komplette Armee. Der andere kann mich selbst bei sich haben. Ich werde dabei aber nicht in den Kampf eingreifen.“ Dann forderte er Arjuna auf, zu wählen. „Aber ich habe doch als Erster das Zelt betreten“, rief Duryodhana. „Das stimmt“, sagte Krishna, „aber mein Blick ist zuerst auf Arjuna gefallen. Deshalb gewähre ich ihm die erste Entscheidung.“ Duryodhana hatte große Angst, nicht mehr die Unterstützung von Krishnas Heer bekommen zu können. Doch Arjuna entschied sich nicht für die Truppen. „Ich möchte, dass du als Wagenlenker an meiner Seite bist“, sagte er zu Krishna. Duryodhana freute sich und dachte, Arjuna hätte einen großen Fehler gemacht. Warum hatte er nur Krishna gewählt, statt der viele tausend Mann starken Armee?

Vertrauen und Liebe mit Bhakti Yoga

Auch als moderne Menschen verhalten wir uns oft wie Duryodhana. Es gibt einen großen Persönlichkeitsanteil, der sich (zum Beispiel im Yoga) nach dem Transzendenten sehnt. Aber wenn es darum geht, was wir in unserem Alltag an erste Stelle setzen, dann verfallen wir schnell in geschäftige Ablenkung, anstatt uns einfach Zeit für Stille zu nehmen. Und machen damit unsere Angst zum König. Es sind nämlich nicht die To-do-Listen, die uns erdrücken. Es ist diese Angst, nicht genug zu haben oder unseren Aufgaben nicht gewachsen zu sein. Der Ausweg heißt Vertrauen. Und Vertrauen entsteht durch Liebe. Als Krishna Arjuna fragte, ob er sich seiner Wahl sicher sei, da antwortete er: „Wenn wir leben, wollen wir mit dir leben. Wenn wir sterben, wollen wir mit dir sterben. Was sollten wir ohne dich tun?

Wenn wir nicht unsere Ängste und Befürchtungen zu Königen unseres Lebens machen, sondern uns darauf besinnen, dass wir bereits in jeder Hinsicht gut behütet sind, dann verlieren die Anforderungen des Alltags ihr Stresspotenzial. Bhakti Yoga – der Weg der hingebungsvollen Liebe – ist vielleicht eines der größten Schilde gegen Burn-out.


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