Dies.Das.Asana – Ein wilder Hund

Wie immer stelle ich in meiner Kolumne eine Haltung vor, die man so nicht in den traditionellen Yogabüchern findet. Dieses Mal ist es ein Hund, der – anstatt brav nach unten zu schauen – einfach seitlich überkippt und seinen Bauch himmelwärts streckt.

Camatkarasana, Wild Thing oder Flip Dog ist eine dieser funky, modernen Yogahaltungen, die erst seit etwa 15 Jahren vermehrt auftauchen. Der umgedrehte herabschauende Hund ist eine kraftvolle Mischung aus Vasishthasana (seitliches Brett) und Urdhva Dhanurasana (Rad oder nach oben zeigender Bogen) und gehört dementsprechend zu den Rückbeugen. Die Wirkung des Flip Dog ist stark energetisierend, er beflügelt Körper und Geist und kann fast schon ekstatische Gefühle auslösen. In fließenden Vinyasa-Sequenzen gibt diese wilde Asana-Amazone der Praxis etwas Spielerisches und dabei herrlich Gefühlvolles.

Ich praktiziere den Flip Dog sehr gern. Mal mehr als Herz-öffner, mal um meine Hüftbeuger zu strecken – aber vor allem weil er einfach Spaß macht. Dazu erfordert der knifflige Übergang ein Händchen für Timing und Konzentration. Zum Dank werden Brust, Schultern und der Hals gedehnt. //

 Muss ich das können? 

Nicht unbedingt. Allerdings ermöglicht der Flip Dog einen Einstieg in die Thematik der stabilen Rückbeuge und lehrt Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Wichtig: Langsam in die Position einsteigen, ruhig weiteratmen und sie als aktive Öffnung und gleichzeitig als Kräftigung erleben.

 Was brauche ich? 

Kraft in den Armen und ein gutes Körpergefühl; außerdem eine Prise Mut, um den Fuß hinter sich fallen zu lassen.

 Ist das gefährlich? 

Die Gefahr beim Flip Dog besteht darin, zu hastig zu sein oder sich grob in die Rückbeuge zu zwingen. Es gilt: Eile mit Weile, lieber vorsichtig rantasten und langsam üben. Kontraindikationen: Karpaltunnelsyndrom, Verletzungen an Nacken, Schultern oder Rücken.

Schritt für Schritt:

  1. Sie starten im herabschauenden Hund. Mit der Einatmung strecken Sie das linke Bein nach hinten (dreibeiniger Hund). Dann beugen Sie das linke Knie, drehen das Bein auswärts und dehnen die linke Flanke von der Leiste bis an die Rippen.
  2. Verlagern Sie das Gewicht leicht auf die rechte Hand und lösen Sie die linke Hand von der Matte. Beugen Sie jetzt auch das rechte Knie und drehen Sie den rechten Fuß auf die Außenkante. Dann strecken Sie das rechte Bein wieder und lassen den linken Fuß zugleich sanft am Boden ankommen. 
  3. Das rechte Bein ist gestreckt, von hier wird die Hüfte langsam angehoben, das Becken gekippt und der linke Arm diagonal neben dem Kopf nach vorne gestreckt. Lassen Sie über den Atem Weite im gesamten Rumpf entstehen.
  4.  Zurück in den herabschauenden Hund geht es, indem Sie das Gewicht wieder auf den linken Arm verlagern und sich sanft vom linken Fuß abstoßen. Anschließend wechseln Sie die Seite.

 

Schwierigerer Übergang in den Flip:

Lassen Sie aus dem dreibeinigen Hund mit der Ausatmung und ohne das rechte Knie zu beugen den linken Fuß zur rechten Seite fallen.

Variante: Wer die Haltung noch vertiefen möchte, greift mit der linken Hand das linke Fußgelenk.


Anregungen oder Fragen? Jelena Lieberberg finden Sie auf www.facebook.com/kickassyoga

Titelbild: Bella Lieberberg

YogaWorld Journal 5/26
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