4 Tage auf dem A SUMMER’S TALE FESTIVAL

Hach, Festivals!

Festivals wie das ‚A Summer’s Tale‘ sind ein Ort der Freiheit, wo Musik, Kunst, Licht(-installationen) und Natur zusammentreffen. Sie erwecken einen Platz auf der Welt, wo man einfach nur „Sein“ darf – aktiv und passiv, Moment für Moment.

Gänsehaut-Konzertmomente, begeisternde Performances, spannende Workshops, bestes Streetfood, ausgelassene Chorkonzerte, Meditations-Flashmobs, die süßesten Kids in bunten Gummistiefel – Das A Summer’s Tale Festival hat überzeugt. Wir waren 4 Tage in Lühmühlen in der Lüneburger Heide, zwischen tiefen Wäldern, urigen Mooren und luftigen Birkenhainen.

Tag 1 – Thaimassage gegen Autofahrt-Verspannung

Mittwoch, 16:30. Nach 9 Stunden Autobahnfahrt von München Richtung Hamburg erreichen wir die friedvolle Gegend der Lüneburger Heide, vollbepackt mit Zelten, Schlafsäcken und einer Menge Yogaleggins.

Elegant geparkt, schmeißen wir unsere schweren Backpacks auf den Rücken und laufen voller gespannter Vorfreude Richtung Festivaleingang. Wir bekommen ein Bändel um das Handgelenk geschnürt, sind bereiter als bereit – und da fängt es schon an zu schütten, aus Eimern. „Na super“ denken wir.

Glücklicherweise legt sich der Regen schnell wieder, wir pilgern los und bekommen sogar unsere Gepäck von netten Gepäcktransportern zum Zeltplatz gebracht. Auf dem Weg dorthin begrüßt uns in riesiger Hollywoodschrift das „A SUMMER’S TALE“. Prachtvoll dekoriert strahlt es uns an und wir zurück – trotz nasser Regenwetterstimmung.

Zelt aufbauen, das eigene Plätzchen aufhübschen, dann geht es los. Gleich mal alles erkunden heißt die Devise: die schönsten Workshop Zelte, die größten Bühnen, der beste Kaffee, die leckersten Fries und wo es natürlich jetzt noch zur entspannenden Thaimassage geht.

Sonnenblumen begrüßen uns herzlichst
Sonnenblumen begrüßen uns herzlichst
Nice Fries aus gesundem Gemüse und leckeren Dips
Nice Fries aus gesundem Gemüse und leckeren Dips
Tag 2 – Energyball-Stärkung & Acro Yoga

Der Tag beginnt mit strahlendem Sonnenschein, Zähneputzen im Freien, warmer Sonne im Gesicht (na geht doch!), gefolgt von einem ausgiebigen Frühstück mit Müsli und viel frischem Obst auf der Picknickdecke vor unserem Zelt. Hach, fast wie Urlaub.

Wir entscheiden uns für einen Do-It-Yourself Workshop und formen kurze Zeit später gesunde Snacks in Form von Energyballs. Die Basis für die Leckerei bilden über Nacht eingeweichte Datteln, gehackte Zartbitterschokolade, Nussmuss (Mandel und Cashewmus waren meine Favoriten) und Haferflocken. Diese kleinen zuckerfreien Energyballs werden in Größe eines Tischtennisballs geformt und dann in Tellern mit Chiasamen, Kokosraspeln, Kakaonibs, Mandelkrokant oder auch Amaranth gerollt, sind ein super gesunder Snack, füllen den Magen und schmecken einfach fantastisch. Gut gestärkt geht’s damit zum Acro Yoga Jam. Fliegen und abhängen. Hooray!

Ein angenehmer Wartezeit-Zeitvertreib

Tag 3 – Lachyoga und Tanzen gegen Regen

Es ist Freitag. Es regnet. Aber trotz trübem Regenwetter lassen wir uns die Laune nicht verderben, ziehen unsere wasserdichten Boots über die Leggins, wärmen uns mit bestem Kaffee und trotzen dem Regen zunächst mit einem gemütlichen Film am Morgen und kurze Zeit später beim Lachyoga Workshop.

Auch wenn Lachyoga eigentlich nicht viel mit Yoga zu tun hatte, war es eine spannende Erfahrung wildfremden Menschen gegenüber zu stehen und in verschiedensten Lachtönen Freude zu teilen. Trotzdem lachen wir am liebsten unter uns und tanzen später im Regen bei tollen Musikacts wie Friska Viljör, Alice Phoebe Lou, Gavin James oder zum Hamburger Kneipenchor, der eine Super-Anti-Schlechtwetterlaune-Performance hinlegt und unter anderem die Spice Girls und Edward Sharpe & The Magnetic Zeros covert.

Den Abend versüßen uns geniale Sommercocktails, wie ein fruchtiger Milano Mule (ein Mule mit Amaretto) oder Kaffeelikör mit Marakujasirup. Zudem lernen wir bei diesem Workshop fortgeschrittenes Cocktail-Shaken. Diese Fähigkeit kann man immer gut gebrauchen, finden wir.

Da tanzt es sich danach sogar noch freudiger – bis uns unsere Beine müde und schwer wieder zurück zum Zeltplatz, auf unsere Luma tragen.

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Der Hamburger Kneipenchor
Tag 4 – Cake-Pop Cake zum Abschied

Der nächste Morgen strahlt wieder voller Freude und neuen finalen Festival Abenteuer.

Tag 4 beginnt zuckersüß mit einem Cake-Pop Workshop, wo wir Kuchen zwar wort-wörtlich auseinandernehmen, dann aber wieder in einer anderen kleinen, runden Golfballform zusammen fügen und bunt bestreuseln.

Ganz inspiriert davon, hübschen wir auch unsere Gesicher mit Glitzer-Aufklebetattoos auf und besuchen Lesungen wie “Leben ohne Besitz”, “Digital Detox” und einen Vortrag sowie kleinem Akustik Konzert zu dem noch jungen Klangschalen-Instrument namens Hang.

Das Hightlight am Nachmittag ist ganz klar der Headliner: BOY! Wir singen, tanzen und genießen unseren letzten Tag, der mit einer grandiosen Show von Parov Stelar glücklich, müde und zufrieden endet.

Danke für ein umfangreiches Aktiv- und Kreativprogramm aus Livemusik, Kunst, Lesungen, Film, Natur & Genuss! Danke A Summer’s Tale!

www.asummerstale.de
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Titelbild via unsplash.com // Maxime Ihm

Montags-Mantra: Lebe wild und gefährlich

Abenteuerlust und Lebensfreude!

Das Leben ist schön. Das Leben hat so viel zu bieten. Man muss sich darauf einlassen, seinem Bauchgefühl folgen und seiner inneren Stimme vertrauen. Einfach ist das nicht. Eigentlich ist es ganz schön schwer. Denn wer nicht auf andere, sondern sich selbst hört, muss der Masse oftmals den Rücken kehren und dem Strom entgegen schwimmen – teils mit Gleichgesinnten, teils alleine, und stets mit Mut, Risikobereitschaft und Vertrauen.

Sprich nicht von Unsicherheit, sagt Osho. „Nenne es Freiheit.“

Mut bedeutet nicht, frei zu sein von Angst, sondern vielmehr, seine Ängste in vollem Bewusstsein zu konfrontieren. Mut ist die Bereitschaft, der Unsicherheit des Lebens zu begegnen und sie als das grundlegende Mysterium unserer Existenz zu betrachten. Osho, der provokante spirituelle Lehrer fordert in seinem Buch „Mut – Lebe wild und gefährlich“ dazu auf, jeden Augenblick des Lebens in all seiner Schönheit und Freude wie auch in seinem Schrecken und Schmerz bewusst zu erfahren und inspiriert uns diesen Montag mit dem Mantra: Lebe wild und gefährlich! Denn – es gibt nichts zu fürchten.

 


Titelbild: via unsplash.com // Tom Skarbek-Wazynski

ZURÜCK ZUM GLÜCK

Vielleicht benötigt man manchmal einfach einen Perspektivenwechsel, um den Weg in Richtung Glück zu erkennen: Der indische Autor Ashish Mehta erinnert in seinem Buch „Der Glücksvertrag“ daran, dass Glückseligkeit die eigentliche Natur unserer Seele ist. Mit seinem praktischen 21-Tage-Programm will er dem Leser zeigen, wie er mit Yoga und weiteren Techniken Schritt für Schritt zu diesem uns innewohnenden Glück zurückfinden kann.

Glücklich in 21 Tagen – das verspricht der Titel Ihres Buches. Was hindert uns daran, glücklich zu sein? Machen die meisten Menschen etwas „falsch“, wenn sie es nicht sind?

Angst vor den Folgen ihres Handelns und nicht loslassen zu können – das macht Menschen unglücklich. In unserem 21-Tage-Programm versuchen wir, den Leserinnen und Lesern die richtige Einstellung zum Leben zu geben und Ihnen die Handlungen, die zu Glück und Erfolg führen, zu erleichtern. Dieses Buch hilft dabei, das Vertrauen in das Leben zurück zu gewinnen.

Ihre Formel für das Glück bezeichnen Sie als Mischung aus Psychologie und fernöstlicher Heilkunst. Können Sie das näher erklären?

Diese Kombination ist wichtig, denn wenn die Seele voller schlechter Gedanken und falscher Paradigmen ist, dann ist eine Heilung des Körpers aufgrund dieser psychosomatischen Dysbalance nicht möglich. Wir zeigen in unserem Buch Wege aus diesem Ungleichgewicht auf und bieten Techniken an, die Körper und Seele wieder in Einklang bringen.

Sie sind in Indien aufgewachsen und kamen schon in sehr jungen Jahren mit Yoga und Spiritualität in Kontakt. Wie kann Yoga dabei helfen, einen „Vertrag mit dem Glück“ abzuschließen?

Es ist die Grundnatur unserer Seele, glücklich zu sein. Yoga rekonstruiert die Verbindung zwischen Körper, Geist und Seele und führt uns zu unserer Mitte. An diesem Ort in uns wohnt die Glückseligkeit.

Die Übungen, die Sie in Ihrem Buch vorstellen, basieren auf Ihrem eigenen Yogastil, den Sie „Pantha Hatha Yoga“ nennen. Was macht diesen Stil aus und was unterscheidet ihn von anderen Yogarichtungen?

Pantha Hatha Yoga ist eine Mischung aus Kriya und Hatha Yoga sowie Techniken, die von mir stammen. Diese Form besteht aus 23 Asanas, neun Pranayamas, dem Setzen von Bandhas, aus Mantras und Meditation. Genauso wie Sivananda Yoga auf Swami Sivananda, Iyengar Yoga auf B. K. S. Iyengar und Bikram Yoga auf Bikram Chaudary zurückgeht, hat Pantha Hatha Yoga eben Pantha als Basis. Außerdem lehre ich meine Studenten, ihr Inneres mit der Quelle der Spontaneität zu vereinen und dadurch zu lernen, das Leben etwas leichter zu nehmen.

In der Einleitung Ihres Buches schreiben Sie: „Diejenigen, die Spiritualität nicht zu verbissen praktizieren, sind glücklicher als die, die sich streng an Rituale halten.“ Sehen Sie eine Gefahr darin, dass gerade die Menschen im Westen vielleicht zu verbissen praktizieren?

Die westliche Welt ist voller Regeln. Wenn dann auch noch eine fremde Yogaform mit Regeln dazukommt, können keine Energien mehr fließen. Es wird eng. Ich will den Menschen mit Pantha Hatha Yoga etwas geben, das nicht mehr und nicht weniger als die Disziplin eines Sportlers benötigt und sich dennoch leicht anfühlt. Wenn wir mit diesem Bewusstsein dem Yoga begegnen, fühlt es sich leicht und frei an.

Was macht Sie glücklich, Herr Mehta?

Wenn ich sehe und fühle, dass Menschen sich selbst lieben und dankbar sind, sich kümmern und teilen, ohne zu erwarten. Das macht mich glücklich.


 

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Was ist das Geheimnis eines glücklichen Lebens? Seinen eigenen Weg zu gehen, ohne sich zu verirren, indem man den Pfad zum Glück erleuchtet – mit „L-ich-t“.

So einfach ist das, meinen die Autoren Ashish Mehta und Gela Brüggemann im Vorwort ihres Buches „Der Glücksvertrag“. In Anlehnung an Buddha erläutern sie: „Ich. Das Licht, das uns leuchtet, sind wir selbst.“

Praktisch bedeutet das: Damit man sich nicht verläuft im Alltagsdschungel, muss man sich als Erstes einen Überblick verschaffen, sich anschließend über den eigenen Weg klar werden und ihn schließlich auch zielstrebig gehen.

Dafür liefert dieses Buch konkretes Handwerkszeug, das in einem dreiwöchigen Programm zum Einsatz kommt – an den einzelnen Tagen wird zuerst aufgeräumt und saubergemacht, um sich anschließend zu zentrieren und neu auszurichten.

Dabei helfen jede Menge praktische Tipps und Übungen, unter anderem Meditation, Akupressur, die richtige Ernährung, Motivationstechniken und natürlich Yoga – auf der beiliegenden DVD findet man ein kurzes Übungsprogramm für jeden Tag. Loretta Rheude
Fazit: Dieses Buch ist eine gute Erinnerung daran, was wir ja eigentlich alle wissen: dass das Glück schon immer in uns wohnt. Tag für Tag können wir es mit ein paar einfachen „Wegweisern“ wieder entdecken.

„Der Glücksvertrag“ von Ashish Mehta und Gela Brüggemann
(Systemed, ca. 20 Euro)

Titelbild: via unsplash.com/ Wayne Dery

VIRASANA: HELDENHAFT FRIEDLICH

Werbetafeln im Bus, Fahrstuhlmusik im Büro, Radiogedudel von nebenan und ein permanenter Strom von Neuigkeiten und Meinungen auf Facebook – von früh bis spät ist man allen möglichen Medien ausgesetzt. Viele Menschen kommen vor allem deshalb in Yogastunden, weil sie das mentale Geschnatter einmal abstellen und etwas Frieden finden wollen. Sie genießen die ruhige, ablenkungsfreie Atmosphäre im Studio. Es ist fast schon ein Geschenk, dass es überhaupt noch so eine Umgebung gibt einen Raum, in dem es nicht ums Anfüllen, sondern um Leere und Weite geht. 

Diese angenehme Ruhe, die einen schon umfängt, sobald man das Studio betritt, verliert sich allerdings häufig beim Üben bestimmter Asanas. Es kann stressig sein, mit den Fingerspitzen nicht mal in die Nähe des Bodens zu kommen oder sich wie ein Grashüpfer zusammenfalten zu wollen, wenn sich die eigenen Beine so gar nicht danach anfühlen – und schon ist der friedvolle Geist dahin.

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Eine der typischen Haltungen, bei denen meine Yogaschüler ihr Gefühl von ruhiger Weite verlieren, ist Virasana. Überrascht? Zugegeben, beim Anblick eines in Virasana sitzenden Yogis mag man denken: „Der sitzt da eben was ist schon dabei?“ Doch so einfach ist es nicht. Da ist zunächst einmal die intensive Beugung der Knie, dazu kommt die starke Einwärtsdrehung der Oberschenkelknochen im Hüftgelenk und die dafür nötige Beweglichkeit in Fußgelenken, Oberschenkeln und Hüften. Wenn diese Beweglichkeit noch fehlt und das ist bei sehr vielen Menschen der Fall dann spürt man schon nach kurzer Bekanntschaft mit Virasana einen unangenehmen Druck auf den Fußrücken, Spannung in den Oberschenkeln, schmerzende Knie oder einen im unteren Teil gestauchten Rumpf.

Kaum jemand bleibt angesichts von solch körperlichem Unbehagen heiter und gelassen. Bei den meisten Menschen spiegeln die geistigen Reaktionen die körperlichen Erfahrungen wider. Kein Wunder also, wenn man sich in Virasana nach kurzer Zeit beengt fühlt, wenn man missmutig wird und sich fragt: „Wann sind wir endlich mit dieser blöden Übung fertig?“

Aber es lohnt sich, am Ball zu bleiben. Ist die Haltung erst einmal gut eingerichtet, dann dehnt sie die Fußrücken und -gelenke und ist ein guter Ausgleich für die alltäglichen Belastungen beim Gehen, Joggen oder Radeln. Die Fußgewölbe werden gekräftigt und aufgerichtet, die Quadrizepse erfahren eine tiefe Dehnung und der durch langes Stehen oder Sitzen komprimierte untere Rücken kann sich entspannen und weiten. Außerdem wird die Verdauung erleichtert.

Wenn Sie Virasana mit der für Ihren Körper optimalen Unterstützung üben, sind diese positiven Wirkungen am größten. Dann kann die Haltung ein Gefühl innerer Weite und Ruhe hervorrufen und eignet sich bestens zur Meditation und zur losgelösten Beobachtung des eigenen Geistes. Virasana bedeutet Heldenhaltung. Während der traditionelle Held aber zum Ziel hat, die äußere Welt zu erobern und zu befrieden, versucht der yogische Held, dem Aufruhr in seinem eigenen Inneren Herr zu werden.

Raum schaffen

Aber wie kann man in einer so zusammengefalteten Haltung ein Gefühl der Ruhe und Weite oder zumindest einen Ansatz davon entwickeln? Bestimmt nicht, indem man einfach dasitzt und still vor sich hin leidet! Wir leiden schon genug an anderen Dingen, als dass wir auch noch unsere Yogapraxis zu einer Quelle unguter Gefühle werden lassen sollten. Es geht also darum, die richtige Kombination von Hilfsmitteln zu finden.

Dafür bietet Virasana eine Vielzahl von Möglichkeiten: Wenn der Boden weit weg ist und es in den Knien zieht, kann man einen Klotz unter das Gesäß schieben. Wenn die Fußgelenke oder die Fußrücken wehtun, polstert man sie mit einer Decke. Auch wenn der Rücken sich nur unter Schmerzen aufrecht halten kann, wirkt ein untergelegter Klotz im doppelten Wortsinn „erhebend“. Vielleicht brauchen Sie all das eigentlich nicht, ausprobieren sollten Sie es aber in jedem Fall. Sobald Sie dann merken, wie sich Ihr Körper lockert und Sie sich in die Haltung hinein öffnen, können Sie die nicht mehr benötigten Hilfsmittel nach und nach wieder entfernen.

Sie beginnen mit einem Klotz, einer Decke und einem Gurt. Die Decke falten Sie je nach Größe zwei- bis dreimal sauber auf die Hälfte und legen Sie so in die Mitte der Matte, dass die geschlossene Seite zum hinteren Mattenende zeigt. Dann knien Sie sich auf die Decke: die Knie dicht beieinander, die Füße in etwas mehr als hüftbreitem Abstand. Die Falte oben an den Fußgelenken liegt genau an der hinteren Deckenkante, dieser Höhenunterschied nimmt den Druck von den Fußrücken. Anschließend platzieren Sie zwischen die Füße einen quer auf die mittlere Höhe gestellten Klotz. Legen Sie, während Sie noch knien, den Gurt hinten um die Knie und ziehen die Enden mit beiden Händen fest nach vorn. Sie werden spüren, wie die Kniebeugen dadurch weiter werden, während Sie sich nun langsam auf den Klotz zurücksetzen. Dann schließen Sie den Gurt knapp oberhalb der Knie und ziehen ihn nur so fest, dass er nicht verrutschen kann.

Falls Sie jetzt einen leichten Zug in der Kniegegend wahrnehmen, können Sie das vordere Ende der Decke aufrollen und die Knie etwas erhöht darauf lagern. Das verringert den Winkel und die Dehnung, die auf die Quadrizepse wirkt. Auch wenn Sie die Hände auf die Kniescheiben legen und die Haut sanft zu sich hin ziehen, nimmt der Druck etwas ab. Ein deutlicher Zug oder gar Schmerz in den Knien ist dagegen ein wichtiges Warnsignal: Entweder meldet sich hier eine alte Verletzung zu Wort oder Ihre Knie kompensieren auf sehr ungesunde Weise die mangelnde Beweglichkeit in den Hüftgelenken. Um dem entgegenzuwirken, erhöhen Sie die Sitzfläche so lange stufenweise durch flach übereinander gestapelte Klötze, bis sich die Knie in der Haltung gut anfühlen.

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Die richtige Unterstützung

Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, um Ihre Empfindungen in Virasana genau zu beobachten. Was ist angenehm? Was vielleicht nicht? Gibt es eine Stelle in Ihrem Körper, die nach Aufmerksamkeit ruft? Was können Sie an Ihrer Haltung und dem Einsatz der Hilfsmittel noch verbessern, um mehr Weite und Ruhe zu empfinden?

Wenn es Ihnen schwerfällt, gerade auf den Sitzknochen zu sitzen und die Wirbelsäule aufzurichten, wenn das Becken nach -hinten kippt und Sie zum Ausgleich die Rippen nach vorne schieben, wird Ihr Rücken schon bald schmerzen. Die Lösung für dieses Problem ist ganz einfach: höher sitzen. Zwei flach übereinander gestapelte Klötze erlauben es Ihnen, sich von den Sitzknochen aus aufzurichten, ohne den Rücken allzu sehr anzuspannen.

Wenn Ihre Fußgelenke nicht so beweglich oder die Füße empfindlich sind, kann der Druck auf den Fußrücken oder die Dehnung im Fußgelenk ziemlich unangenehm werden. In diesem Fall verwenden Sie statt einer besser zwei oder drei gefaltete Decken, um den Abstand zwischen Fußgelenken und Matte zu vergrößern.

Wenn es nirgends zwickt und Sie sich rundum wohl in Virasana fühlen, können Sie die Hilfsmittel nach und nach wieder herausnehmen. Als Erstes lehnen Sie sich nach vorne, stützen sich mit einer Hand am Boden ab und lösen mit der anderen den Gurt. Danach reduzieren Sie schrittweise die Sitzhöhe und als Letztes nehmen Sie die Decke weg. Jedes Mal, wenn Sie sich wieder zurücksetzen, beobachten Sie die Wahrnehmungen in Ihrem Körper. Vielleicht gehören Sie ja zu den Menschen, die sich auf Anhieb in Virasana wohlfühlen. Wenn Sie aber spüren, wie sich Spannung im Rücken aufbaut oder der Zug im Knie schmerzhafter wird, oder wenn Sie bemerken, dass Sie nicht ruhig und mühelos atmen, dann sollten Sie keine Hemmungen haben, wieder auf die Hilfsmittel zurückzugreifen.

Innerer Frieden

Nachdem Sie Ihren Körper aufmerksam beobachtet haben und sich ganz sicher sind, dass Sie Ihrem Körper in keiner Weise Schaden durch die Haltung zufügen, geht es nur noch darum, ruhig sitzen zu bleiben. Verbinden Sie sich mit Ihrem Atem und lassen Sie Ihren Geist auf den Wellen des Ein- und Ausatmens reiten. Sobald sich eine unangenehme Körperempfindung in den Vordergrund drängt, kehren Sie mit der Aufmerksamkeit zum Aufbau der Haltung zurück und korrigieren ihn mit den geschilderten Hilfsmitteln.

Wie alles im Leben verläuft auch das Sitzen und das Beruhigen des Geistes in Zyklen und Virasana eignet sich sehr gut, um diese Muster zu beobachten. Auf diese Art beginnen wir in der -Heldenhaltung, Frieden zu erfahren: Wir müssen nicht mehr auf jeden -äußeren Reiz, jede Störung reagieren, nichts mehr ändern oder in Ordnung bringen. Wir lernen, alles -einzubeziehen, alles wird Teil unserer Erfahrung: das Ziepen irgendwo im Körper, die vom Geist hervorgerufenen Fantasien, der Straßenlärm. Nichts davon kann man in Wahrheit kontrollieren, auf nichts muss man reagieren. Man kann es einfach nur beobachten und vorüberziehen lassen, ohne Anhaftung oder Ablehnung.

Diese yogische Praxis ist die einfachste Art, für mehr Frieden in der Welt zu sorgen. Hilfsprojekte, Friedensmärsche und andere Aktivitäten sind ohne Zweifel eine gute Sache, doch wirklichen Frieden im Außen können wir nicht schaffen, so lange wir keinen Frieden im Inneren empfinden.

Darum beginnt der yogische Held bei sich selbst. Yoga kann man nicht an einer anderen Person, mit dem Körper oder dem Geist eines anderen Menschen üben. Und genauso wenig kann man die Welt verändern, wenn einem die eigenen Verhaltensweisen und Gewohnheiten nicht bewusst sind. Darum kehren wir Tag für Tag auf unsere Matte zurück, benutzen die nötigen Hilfsmittel mit Sanftheit und Klarheit und machen uns auf die Suche nach unserem persönlichen Weg zu Frieden, Ruhe und Weite. Das ist das Geschenk der Heldenhaltung.


Autorin Cyndi Lee ist Autorin, Künstlerin, Yogalehrerin und Gründerin des OM Yoga Centers in New York.

YOGA & MARGARITAS – Es heißt BALANCE

BA-LANCE – Das Wort klingt sanft, smooth, leicht. Wie das schwerelose Gefühl von einem Nachmittag auf der Gartenschaukel. Ganz so einfach ist das mit der Balance jedoch nicht. Denn: Wie finde ich sie? Meine eigene, individuelle Balance? Und was bedeutet es eigentlich? – Ist es, 100% gesund und clean zu leben, frisch, stark und quietschfidel zu sein – stets im Gleichgewicht mit sich im Inneren sowie mit seiner Umgebung im Äußeren? Und das am besten jeden Tag aufs Neue?

8 Stunden erholsamer Beauty-Sleep, um 6:00 klingelt der Wecker. Ich trinke 1 großes Glas stilles Wasser gegen den riesen Durst am Morgen, öffne meine Nature Sound Relax App, tippe auf sanftes Meeresrauschen. So kann meine Mindful-Meditation beginnen – mit tiefem Ein-und Ausatmen. Langsam aber stetig, komme ich bei mir an. Nach meiner kurzen Achtsamkeitsübung und einem anschließend frischen Zitronenwasser zum Aufwachen, springe ich auf meine Yogamatte und bewege im herabschauenden Hund nach und nach meine Fußgelenke, strecke die Beine und meinen Nacken, spüre meinen Körper. Durchgestrecht und fit schreite ich in Richtung Küche und bereite mir noch eine reichhaltige Green Smoothie Bowl mit frischen Heidelbeeren zu, bevor es los ins Büro geht.

Immerhin gesund gestartet, denke ich noch auf dem Radweg entlang der Isar. Denn was dann kommt ist alles andere als OM. Im Büro folgt plötzlich ein absolut ungesunder Begrüßungssnack. In Form von mitgebrachten Schoko-Brownies wird der Einstand der neuen Kollegin gefeiert. Ich kann nicht nein sagen. Zu Mittag wird es nicht besser: Große Lust auf Deftiges. Dahin ist der Plan von grünem Salat. Verdammt! Und es ist doch erst Mittwoch.

Nachmittags poppt mein WhatsApp auf: „Tolles Wetter heute, was!? Lass auf ein Feierabendbier treffen! Oder wie wär’s mit Cocktails an der neuen Strandbar? Bis später dann!“

YogaundMargaritas

 

Das Leben ist einfach unberechenbar. In dem einen Moment haben wir alles unter Kontrolle, leben den Tag bewusst gelassen, in Ruhe, Achtsamkeit und voll positivem Flow. Der nächste Tag ist dann plötzlich geprägt von ungeplantem Chaos, Überraschungen und Malheurs. Und dann sind da noch Momente irgendwo dazwischen.

Die eigene Balance finden – Das gestaltet sich sehr persönlich und heißt wohl letzten Endes, das Leben trotz „All dem“ zu genießen – trotz spontaner Anrufe zur Cocktailhour, Einladungen zum Kaffee & Kuchen und durchtanzten Nächten mit 5 Margaritas intus eine gewisse Gelassenheit zu bewahren. Wer nämlich schnell wieder seinen Weg zurück zu sich selbst, seinem persönlichen Yin & Yang findet, ist auch schnell wieder in „Balance“. Cocktails, Margaritas und Pizza sollten wir uns nicht nur „erlauben“,  sie gehören einfach dazu! Und wer eh schon 80% gesund lebt, darf sicher auch mal 20% sündigen und mal so richtig über die Stränge schlagen.

Es heißt Balance. Und es heißt, das Leben voll und ganz zu genießen.

Cheers!


 

Titelbild: unsplash.com // Patrick Schöpflin

Männeryoga

Yoga ist eben nicht nur Frauensache – wie übrigens nur wir hier im Westen häufig annehmen. Das beweist einmal mehr Yogalehrer Dirk Bennewitz mit seinem Buch „Männeryoga“.

Der Hamburger Personenschützer, ­Aikido-Meister, Ex-Fallschirmspringer und Yoga-Studioleiter weiß aus Erfahrung, dass man den richtigen Ton ­treffen muss, wenn man die männliche Zielgruppe ansprechen möchte. Und dabei meint er nicht „Ommmmmmm“…

„Männeryoga“ ist ein plakativer Titel. Wie sieht es mit Frauen aus?
Die Ansprache an beide Gruppen ist unterschiedlich, die Übungen aber sind die gleichen. Ich erfinde Yoga ja nicht neu. Dennoch: Die Zusammenstellung macht’s. Daher kann „Männeryoga“ auch für Frauen sein, solange sie Vergleiche mit Automatikgetrieben mögen.

Mit Automatikgetrieben?
Professionalität bedeutet ja nicht Abwesenheit von Humor, und ich beschreibe Yoga einfach in einer männertauglichen Alltagssprache.

Was sind denn klassische Männer-Asanas?
Asanas für den Oberkörper machen Männern in der Regel Spaß und fallen ihnen leicht, weil sie es eher gewohnt sind, ihre Oberkörpermuskulatur einzusetzen. Das können Frauen auch. Ohne Muskeln klappen die Übungen allerdings weder bei Mann noch Frau.

Welche Asana magst du am liebsten?
Die Dirk-Asana auf Seite 94. Auf den Zehen zu sitzen ist wichtig, weil dadurch die Energie in eine vernachlässigte Region geschickt wird und kräftige Füße die Grundlage für alle Asanas im Stehen sind. Männer haben aber oft kein Bewusstsein für ihre Füße. Frauen lackieren sich ja wenigstens noch die Zehen. Wenn ich sage, hebe einen Zeh hoch, dann müssen die Männer immer erst nach unten gucken.

Welchen Stellenwert hat Respekt für dich?
Respekt ist wichtig. Dem Lehrer ­gegenüber, der schon einen Teil meines Weges gegangen ist, dem Raum, dem ­Altar im Studio und vor allem vor mir selbst.

Erklär doch mal genauer…
Das Wichtigste ist Respekt vor dem ­eigenen Körper. Der Fokus ist nach innen ­gerichtet und wenn einem danach ist, muss man eine Pause einlegen. Im Unterricht sollte es keine Wettbewerbsgedanken geben – viele glauben fälschlicherweise am Anfang, dass es erst richtig gut ist, wenn es schmerzt. Das ist natürlich Quatsch.


Buch_MaenneryogaMänneryoga In der Welt der Männer muss es herrlich einfach zugehen. Freund/Feind, gut/schlecht, einfach/schwer – die meisten Frauen haben es sich da ein bisschen anders eingerichtet. Aber „Männeryoga“ von Dirk Bennewitz wendet sich ja auch eher an Testosteron- als an Östrogen-dominierte Anfänger und so wundert es nicht, dass der bekannte Personenschützer und Yogalehrer die Dinge bereits in seiner Einführung vereinfacht. „Ihr habt ja jetzt dieses Buch. Sucht euch einen Platz zum Üben.“ Mit der quadratischen Lektüre neben der Matte wird der ambitionierte Yogi erst in „Richtig Atmen“ und in eine stabile Standhaltung eingeführt, bevor es recht schnell zu den ersten Asanas geht. Diese sind gut bebildert und vor allem ist bei jeder Haltung beschrieben, wie man wieder aus ihr herauskommt und wann man wie atmet. Allerdings ist es so ganz ohne Vorwissen auch mit „Männeryoga“ so eine Sache: ­lesen, atmen, Haltung einnehmen, weiterlesen. Vielleicht reichen die charmante Anrede und die netten Kommentare von Bennewitz dann doch nicht ganz für allererste Yogastunden aus. Gut sind auf jeden Fall die Fotostrecken, in der noch einmal alle Schritte auf einer Doppelseite gezeigt werden. Allerdings irritiert es, dass die Abfolge pro Buchseite unterteilt ist und die Doppelseite nicht ausgenutzt wurde. Lesenswert sind die beiden Abschnitte „Yoga und Konsum“ und „Ernährung“, in der Bennewitz den besten und schönsten Schlusssatz noch nicht einmal als Fazit schreibt, sondern auf Seite 127 versteckt. „Ihr seid schon perfekt. Wenn ihr abnehmen wollt, esst weniger.“ 

Fazit: Auch „harte Kerle“ fühlen sich von dem Buch des liebenswerten Drill-­Instructors mit dem so befreienden Schuss Humor angesprochen.

Dirk Bennewitz, Männeryoga – Das Powerprogramm für Körper, Geist und Seele. Lotos Verlag, ca. 18 Euro

Vietnamesische Verlockung: Bo Kho Chay

Viele Yogis lieben die vietnamesische Küche. Zum einen, weil sie zahlreiche und besonders leckere vegetarische Gerichte zu bieten hat. Zum anderen, weil ungewöhnliche Gewürzkombinationen wie Zitronengras mit Zimt und Stern­anis einfach eine wahre Freude für den Gaumen sind. Das Tolle: Tofu und Seitan werden auch in Deutschland hergestellt. Auch Süßkartoffeln und Auberginen sind jederzeit in Europa erhältlich, teilweise sogar aus heimischem Bio-Anbau. Und selbst das Thai-Basilikum muss nicht mehr um die halbe Welt fliegen, bis es auf Ihrem Teller landet: Inzwischen werden dieses und andere asiatische Kräuter z.B. in Tschechien angebaut. Die Devise ist also: Ferne Spezialitäten genießen, die Umwelt schonen und regionalen Anbau unterstützen.

Zutaten für 4 Personen:
Gewürze:
. 3 Stangen Zitronengras
. 6 Sternanis
. 2 Nelken
. 1 Zimtstange

. 2 Esslöffel Öl
. 250 g Tofu in 3×3 cm großen Würfeln, gelbbraun in Öl ausbacken
. 250 g Seitan (3×3 cm große Stücke)
. 4 Karotten in 2×2 cm große Würfel geschnitten
. 3 Stangen Staudensellerie in 2 cm lange Stücke geschnitten
. 1 Aubergine in 2×2 cm große Würfel geschnitten
. 2 Süßkartoffeln in 2,5×2,5 cm große Stücke geschnitten
. 3 l Wassser
. 5 Esslöffel Zucker
. 2 Esslöffel Salz
. 3 Teelöffel Tomatenmark

Zubereitung
Zu Beginn die Gewürze im Ofen bei mittlerer Temperatur (120 bis 140 Grad) kurz anrösten. ­Währenddessen das Öl in einen großen Topf geben und, wenn es heiß ist, die Gewürze hinzufügen. Danach das Gemüse dazu geben und unter Rühren anbraten. Salz und Zucker zufügen und das Ganze gut verrühren. Anschließend das Tomatenmark in den Topf geben, mit Wasser ­aufgießen und zum Kochen bringen. Die ­Temperatur so weit runterdrehen, dass es nur noch leicht köchelt. So lange kochen, bis das Gemüse einen festen Biss ­bekommt. Zuletzt Tofu und Seitan hinzugeben und 15 Minuten mitköcheln lassen. Das Gulasch mit Thai-Basilikum, Minze, Chilis und Baguette servieren.

Info: Zitronengras können Sie auch selbst anbauen. Da es in den seltensten Fällen blüht, sind kaum Samen erntbar. Deswegen erfolgt das Vermehren vegetativ über die Teilung des Wurzelstocks oder der oberirdischen Pflanzenteile. Zu den Pflanzen kommt man bei uns am leichtesten in Gärtnereien oder über frisches Zitronengras aus Supermärkten. Die Pflanzenteile stellt man ins Wasser und sobald sie Wurzeln geschlagen haben, setzt man sie in die Erde. Sonnige Plätzchen sind begehrt, regelmäßig kräftig gießen nicht vergessen!


 

Sandra Forster, geboren 1974, machte sich in der Münchner Gastroszene in den letzten Jahren einen Namen: Sie betreibt namhafte Lokalitäten wie das Café Zappe­forster, das Ausbildungs­restaurant Roecklplatz und das vietnamesische ­Restaurant Charlie. Unter den Yogis ist sie seit 2009 als Herausgeberin von „Das vegane Kochbuch“ ­(Blumenbar Verlag, 24,90 Euro) bekannt.

Loc Nguyen, Sandra Forsters Partner im Charlie, hat bei diesem Gericht seine fachkundige Unterstützung gegeben.

Praxis: Sprung ins Glück mit Shalabhasana

Shalabhasana erinnert zwar optisch an eine am ­Boden liegende Heuschrecke, sie ist aber alles andere als eine ­Entspannungshaltung. Für die Yoga-Heuschrecke braucht man dieselbe geballte Energie wie der Grashüpfer für seine gro­ßen, anmutigen Sprünge. Sich vom Boden zu lösen und einige ­Momente lang oben zu bleiben, erfordert eine intensive Kraftanstrengung. Sie lehrt uns Konzentration und Achtsamkeit und hinterlässt ein Gefühl wachsamer Ruhe.
Die Heuschrecke ist eine der ersten Rückbeugen, die man im Yoga lernt – und ein Modell für die richtige Ausrichtung in schwierigeren Rückbeugen wie Dhanurasana (Bogen), Urdhva Mukha Shvanasana (nach oben schauender Hund) oder Urdhva Dhanurasana (umgekehrter Bogen). Sie kräftigt Rücken- und Bauchmuskeln, öffnet die Brust und fördert die für Rückbeugen so entscheidende Achtsamkeit.
Bei vielen Rückbeugen, zum Beispiel beim umgekehrten Bogen, schiebt man sich mit Armen und Beinen nach oben. Bei Shalabhasana dagegen muss man sich allein aus der Kraft der Bauch- und Rückenmuskulatur vom Boden abdrücken. Ich habe festgestellt, dass der Schlüssel dazu – wie übrigens überhaupt zum Yoga – Virya (Lebenskraft) ist. In seinem Buch „Der Urquell des Yoga. Die Yoga-Sutras des Patanjali“ definiert B. K. S. Iyengar Virya als körperliche und moralische Stärke, als geistige Kraft, Energie und Heldenmut. Ich stelle mir darunter einen ruhigen geistigen Fokus vor, der mir dabei hilft, mich intensiv anzustrengen, dabei aber achtsam und mitfühlend zu bleiben.
Wenn Sie beginnen, Shalabhasana zu üben, haben Sie vielleicht das Gefühl, kaum vom Boden weg zu kommen. Vergessen Sie die Höhe! Das führt nur dazu, sich im unteren Rücken zu verspannen. Stattdessen sollten Sie versuchen, die Rückbeuge gleichmäßig auf oberen, mittleren und unteren Rücken zu verteilen und den Brustkorb zu weiten. Gleichzeitig soll sich die Wirbelsäule verlängern können: Strecken Sie sich daher durch den Rumpf nach vorne und durch die Beine nach hinten. Die erste Variante der Haltung hilft Ihnen, die Muskulatur des oberen Rückens anzusprechen und dabei den Brustkorb zu heben und zu weiten. Im zweiten Schritt lernen Sie diese Bewegung vom Stehen auf die Bauchlage zu übertragen, ohne sich dabei mit dem Heben der Beine abmühen zu müssen. Danach sind Sie bereit für die Heuschrecke, eine Asana, die Sie erfrischt und verjüngt.

Heuschrecke1

Brust raus!

In der ersten Variante der Heuschrecke (Abb. 1) lernen Sie, die Bewegungen im Oberkörper zu koordinieren und dabei die natürliche Wölbung des unteren Rückens beizubehalten. Dadurch können Sie ohne Risiken beginnen, den Brustkorb zu weiten und die obere Partie einer achtsam geübten Heuschrecke kennen lernen. Die Übung kräftigt den oberen Rücken. Je mehr der Oberkörper später in Shalabhasana zur Rückbeuge beiträgt, desto geringer ist die Gefahr, dass der untere Rücken zu stark durchgebogen und gestaucht wird.
Sie beginnen in Tadasana (Berghaltung) mit hüftbreit voneinander entfernten Füßen. Schließen Sie Ihren Gurt zu einer Schlaufe, die etwas breiter ist als Ihre Schultern. Dann schlingen Sie den Gurt hinter dem Rücken um die Handgelenke. Die Oberarme werden nach außen gedreht, so dass die Handflächen sich ansehen, die Beine sind gestreckt. Heben Sie die Seiten des Brustkorbs etwas an und ziehen Sie die Schlüsselbeine nach außen Richtung Schultern. Ohne die Stellung von Beinen, Becken und Rumpf zu verändern, beginnen Sie nun langsam, die Handgelenke von den Beinen wegzuziehen. Rollen Sie die Schultern dabei zurück und nach unten und heben Sie die Flanken noch etwas stärker an. Drücken Sie die Handgelenke fest gegen den Gurt und nach hinten, weg vom Körper.
Wenn sich Ihre Schultern dabei unbeweglich anfühlen und automatisch wieder nach vorne rollen, dann machen Sie die Schlaufe etwas weiter. Je weiter Arme und Schultern nach hinten wandern, desto stärker wölbt sich die Brust nach vorne. Wenn die Schultern weiterhin nach vorne kommen und sich Spannung im Nacken aufbaut, kann es sein, dass Sie zu schnell vorgehen. Zügeln Sie Ihre Kraft und gehen Sie methodisch vor: Zuerst rollen Sie die Schultern nach hinten, dann ziehen Sie die Schulterblätter nach unten und drücken sie an den Rücken, erst danach heben Sie die Arme. So stellen Sie sicher, dass der Brustkorb wirklich geweitet wird.
Wenn Sie meinen, die volle Dehnung erreicht zu haben, dann versuchen Sie die Rückenmuskeln noch etwas stärker anzuspannen, den oberen Rücken vom Nacken weg zu bewegen und die Schulterblätter noch ein klein wenig weiter nach unten in den Brustkorb hineinzuziehen. Können Sie Brust und Arme noch ein Stückchen heben? Schieben Sie die unteren Spitzen der Schulterblätter Richtung Wirbelsäule und spannen Sie die Muskulatur des oberen Rückens fest an, um die weite Öffnung des Brustkorbs gut zu stützen.
Vielleicht bemerken Sie, dass diese Bewegung Rumpf oder Becken nach vorne schiebt. Um dies zu verhindern, strecken Sie sich aus der Taille heraus nach oben und drücken Sie die Oberschenkel nach hinten. Beine, Becken und Bauch stehen senkrecht übereinander und Sie wachsen vom unteren Bauch bis in die Brust hinein nach oben.

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Die Flügel spannen

Nachdem Sie die Erfahrung gemacht haben, durch die Kraft des oberen Rückens Schultern und Brustkorb zu weiten, lernen Sie im zweiten Schritt die Arbeit von Beinen und Becken kennen (Abb. 2). Sie beginnen in der Bauchlage. Heben Sie das rechte Bein etwas an und strecken Sie Fuß und Zehen nach hinten weg. Dann legen Sie das Bein wieder ab und strecken das linke Bein auf dieselbe Weise. Spreizen Sie die Zehen und drücken Sie die Oberseiten der Füße in die Matte. Das Steißbein ziehen Sie deutlich Richtung Boden, so dass das Becken fest in der Unterlage verankert ist.
Die Stirn ruht am Boden, die Arme liegen lang neben dem Körper, die Handflächen zeigen zu den Oberschenkeln. Nun heben Sie die Schultern etwas und rollen die Schulterblätter zurück Richtung Handgelenke. Strecken Sie die Hände nach hinten weg und weiten Sie den Brustkorb. Beim nächsten Ausatmen heben Sie Kopf, Brust und Hände, so dass die Arme mit flach nach oben zeigenden Handflächen parallel zum Boden nach hinten gestreckt sind. ­Bewegen Sie die Spitzen der Schulterblätter zueinander, um die Schultern nach hinten zu ziehen und die Brust noch etwas weiter zu öffnen. Während sich die Arme nach hinten strecken, bewegen sich die Schulterblätter am Rücken entlang nach unten und der Nacken bleibt lang.
Mit noch etwas mehr Virya im oberen Rücken und in den Beinen können Sie die Rippen ein Stück weiter vom Boden lösen, dabei aber zugleich Steißbein und Po lang Richtung Fersen ziehen. Zum Schluss strecken Sie die Innenseiten der Beine zu den Füßen. Nach einigen Atemzügen lösen Sie sich aus der Haltung und entspannen.

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Die Beine lernen fliegen

Wenn es Ihnen gelungen ist, den Oberkörper zu heben, ohne sich im unteren Rücken zu verspannen, dann sind Sie bereit für die eigentliche Heuschrecke: Sie beginnen wie in der zweiten Variante mit dem Verlängern der Beine nach hinten. Dadurch fühlt sich die Körpervorderseite lang und beweglich an. Heben Sie wieder die Schultern und rollen Sie die Schulterblätter weg vom Hals. Indem Sie das Steißbein zum Boden schieben, dehnen Sie den Bauch und ziehen ihn nach oben.
Beim nächsten Ausatmen heben Sie gleichzeitig und mit Virya Brust, Arme und Beine. Die Brust streckt sich nach vorne oben, Arme und Beine nach hinten oben. Ich stelle mir dabei immer eine Heuschrecke beim Sprung vor: Genauso lässt mich mein Rücken nach oben und vorne schnellen. Drehen Sie die Vorderseiten der gestreckten Oberschenkel nach innen und verlängern Sie die Beininnenseiten zu den großen Zehen hin, während Sie zugleich das Steißbein zum Boden drücken. Erlauben Sie Ihren Beinen nicht, auseinander zu driften und sich nach außen zu drehen. Das ist anstrengend, aber es schützt den unteren Rücken.
Vielleicht bemerken Sie, dass eine Körperhälfte stärker arbeitet als die andere. Nutzen Sie die Streckung in Armen und Beinen, um die schwächere Seite zu aktivieren und beide Seiten des Rückens gleichmäßig zu strecken.
Schon nach spätestens 20 Sekunden spüren Sie, welche Anstrengung es kostet, Virya aufrecht zu erhalten. Bleiben Sie nur so lange in der Haltung, wie Sie achtsam und mit Spannkraft üben. Dann lösen Sie sich langsam und ruhen sich einige Atemzüge lang in der Bauchlage aus. Beobachten Sie die energetisierende Wirkung der Asana. Vielleicht können Sie nun nachvollziehen, was Iyengar meint: Das Üben mit Virya weckt Konzentration und Wachsamkeit und verleiht der Asana-Praxis Schwung und Begeisterung.


Marla Apt (yoganga.com) ist zertifizierte Iyengar-Yogalehrerin. Sie unterrichtet in Los Angeles sowie international und bildet Yogalehrer aus.

Foto: Rory Earnshaw