Christoph Kraft

Christoph Kraft

ist Gründer von „Yoga – Kraftquelle“.

Yoga ist eine Kraftquelle – Der Atem steht im Zentrum seiner Yogapraxis – Atem ist Bewegung & Bewegung ist Leben – er ist unser natürlicher „Lebens-Quell“ (Prana). Mit seiner Heil- und Lebenskraft bildet der Atem die Grundlage, als auch den „goldenen Schlüssel“ in meinem Yogaunterricht.
Die Verbindung von Atem und Bewegung und die Fähigkeit durch Achtsamkeit den Atem zu lenken, zu führen, ihn auszudehnen und bewusst in der Körperarbeit einzusetzen, eröffnet uns neue Dimensionen im Prozess der Prävention, Gesundheitsförderung und Selbstheilung.

 

Wie Green Yoga die Welt verändert

Was hat Yoga mit Ökologie zu tun? Hardy Fürch, ein engagierter Öko-Yogi, erklärt sein Anliegen, beide Potenziale zu integrieren und ein „öko-yogisches“ Bewusstsein zu entwickeln. Die Polarität besteht darin, dass Ökologie eher das Außen oder objektiv Wahrnehmbare, Yoga hingegen das Innere oder Subjektive meint. Auch wenn das Bestreben der Yogapraxis ­darauf abzielt, sich nach innen zurückzuziehen und dort den Frieden zu finden, plädiert Fürch dafür, draußen Verantwortung zu übernehmen und die Umwelt aktiv mitzugestalten – denn letztlich sind Innen und Außen untrennbare Räume.

Basierend auf dieser Wahrnehmung unterteilt die indische Philosophie den menschlichen Körper in fünf oder – vereinfacht – drei Hüllen (Koshas): den physischen, vitalen und mentalen Körper. Mittels eines sattvischen Lebensstils, der ökologische Ernährung und Lebensweise sowie spirituelle Praxis ­integriert, werden alle Koshas genährt und vitalisiert – so bleiben Körper, Geist und Seele gesund und lebendig.

Dieses „Kosha-Yoga“ mündet in ein „Ethik-Yoga“, dem die 2000 Jahre alten Yoga-Sutras von Patanjali zugrunde liegen: Die Um-Welt wird zur Mit-Welt. Die Adaption des Themas auf die fünf Yamas (Regeln für den Umgang mit der Welt) ­verdeutlicht letzlich, wie jeder Einzelne ein öko-yogisches Bewusstsein ent­wickeln und den Weg zu einer ganzheitlichen Lebensweise ­finden kann.

Fazit: Für Yogis besteht die Herausforderung darin, Pole zu schmelzen und Gegensätze zu integrieren. Ein öko-yogisches Bewusstsein zu entwickeln, ist die Aufgabe unserer Zeit!


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„Wie Green Yoga die Welt verändert“ von Hardy Fürch (Verlag Phänomen, ca. 15 Euro)

Ruhe finden – Yin Yoga in einer Yang-betonten Welt

Tanja Seehofer ist eine der renommiertesten Yin-Yogalehrerinnen Deutschlands. Exklusiv für YOGA JOURNAL hat sie eine Übungssequenz für zuhause entwickelt. Sie hilft nicht nur, die Pole von Aktivität und Ruhe auszugleichen, sondern kann auch Wut und Gereiztheit mildern und das Mitgefühl stärken.

In Schweden, dem Land der Mitternachtssonne, wo Tag und Nacht, Yin und Yang ineinander fließen, entstanden am Rande der Dreharbeiten zur ZDF-Produktion „Inga Lindström“ die Fotos von Arvig Uhlig mit der Schauspielerin Franziska Schlattner 

Die Traditionelle chinesische Medizin (TCM) sagt es ganz deutlich: Wenn Aktivität (Yang) und Regeneration (Yin) nicht in Balance sind, entsteht auf Dauer ein schädigendes Ungleichgewicht. Daher sind wir in allen Lebenssituationen gefordert, uns zu fragen: Was ist zu viel, was ist zu wenig? Das Zuviel spüren wir in der Dynamik unserer Yang-orientierten Welt nur allzu deutlich: Wir fühlen uns gestresst und erschöpft. Das wird nicht unbedingt besser, wenn man zusätzlich Ablenkung in Yang-betonten Aktivitäten sucht, denn was meist fehlt, ist das genaue Gegenteil: eine Yin-betonte Auszeit.
Bei der Yin-Yoga-Praxis verlassen wir die Ebene des Denkens und Handelns und wenden uns dem Spüren zu – eine wunderbare Möglichkeit, um die ersehnte Balance wiederzufinden. Durch das Hineinschmelzen in eine bestimmte Position tauchen wir in tiefere Körperschichten ein, nehmen uns Zeit für den inneren Dialog und reinigen den Geist von festgefahrenen Gedanken und Glaubenssätzen.Die Signale des Körpers sind dabei wichtiger als bestimmte Regeln oder eine vorgegebene Übungsdauer. Was viele nicht wissen: Yin Yoga kann man zwar zu jeder Tageszeit üben,  es ist aber günstig, am Morgen oder ohne eine bestimmte Vorbereitung zu üben, denn je weniger die Muskeln aufgewärmt sind, desto größer ist die Möglichkeit des Erspürens der eigenen körperlichen Bedürfnisse. Yin Yoga gibt uns die Möglichkeit, diese Bedürfnisse, aber auch die individuellen Grenzen zu spüren – ohne dabei eine Leistung erbringen zu müssen, ohne ein Ziel erreichen zu wollen und ohne Anerkennung von außen zu erwarten.

Bei der Yin-Yoga-Sequenz auf den folgenden Seiten werden vor allem der Leber- und der Gallenblasenmeridian angesprochen. Diese beiden Funk-tionskreisläufe bilden in der Traditionellen chinesischen Medizin (TCM) ein Paar. Beide reagieren besonders empfindlich auf Stress und Verspannung. Die Folge können Reizbarkeit, Zorn und Ärger sein. Umgekehrt stehen aber auch Mitgefühl und Entscheidungskraft im Zusammenhang mit diesen Organen und ihren Meridianen.

Schließen Sie beim Üben die Augen und verweilen Sie ruhig in den Haltungen, um zu spüren, wer Sie wirklich sind – jenseits von Gedanken, Bewertungen und Prägungen, fernab jeglicher Perfektion. Erforschen Sie Ihre Grenzen in den Dehnungen und Drehhaltungen und finden Sie zurück in Ihr Zentrum. Ruhe, Entspannung und Achtsamkeit sind in dieser Sequenz die Schlüssel zu Freude, Gleichmut und Zufriedenheit.

Achtung

1. Nadelöhr // Sucirandharasana

nadelöhr

Beginnen Sie in der Rückenlage mit angestellten Beinen. Heben Sie das rechte Bein und legen Sie das Fußgelenk nahe des Knies auf den linken Oberschenkel, das rechte Knie fällt sanft nach außen. Dann heben Sie das linke Bein und greifen mit verschränkten Händen um den Oberschenkel. Ziehen Sie das Bein so dicht zum Oberkörper, dass die Dehnung an der rechten Hüfte spürbar, aber noch angenehm ist. Rücken, Nacken und Schultern bleiben dabei entspannt auf dem Boden, gegebenenfalls legen Sie ein Kissen unter. Schließen Sie die Augen und öffnen Sie sich vertrauensvoll für Ihre Empfindungen: Was braucht mein Körper jetzt? Wo ist die Grenze? Bin ich zu tief in der Position oder unterfordere ich mich? Bleiben Sie 3-10 Minuten lang in der Haltung. Dann lösen Sie den Griff um den linken Oberschenkel und setzen den linken Fuß wieder am Boden ab.

2. Erste Drehung im Liegen // Jathara Parivartanasana

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Aus der Ausgangsposition des Nadelöhrs legen Sie die Arme auf Schulterhöhe entspannt zu den Seiten ab, die Handflächen zeigen nach oben. Beugen Sie den rechten Fuß und schieben Sie den Knöchel ein wenig nach links. Dann kippen Sie die Beine so nach links, dass der rechte Fuß am Boden aufsetzt und den linken Oberschenkel fixiert. Drehen Sie den Kopf sanft von einer Seite zur anderen, um zu spüren, welche Position am angenehmsten ist. Dann lassen Sie ihn ruhig liegen und schließen die Augen. Erlauben Sie den bewussten Kontakt mit Ihrem Körper und lauschen Sie sanft nach innen. Berühren Sie den Körper mit der Atmung und lassen Sie mit jeder Ausatmung etwas tiefer los. Nach 3-10 Minuten kehren Sie langsam und vorsichtig zurück in die Ausgangsposition.

3. Zweite Drehung im Liegen // Jathara Parivartanasana 

zweiteDrehungimLiegen

Aus der Ausgangsposition des Nadelöhrs mit ausgestreckten Armen kippen Sie nun die Beine nach rechts. Dabei können Sie den rechten Oberschenkel mit einem Kissen abstützen. Falls das linke Knie in dieser Haltung spannt, lösen Sie den Fuß vom Oberschenkel und legen ihn auf den Boden. So können Sie eventuell auch beide Knie etwas höher in Richtung rechte Achsel ziehen. Die Beine sinken entspannt nach unten. Wählen Sie erneut eine nackenschonende Position für den Kopf und schließen Sie die Augen. Erforschen Sie im Stillen den Atem: Wohin fließt er? Wo spüre ich ihn in meinem Körper fließen? Bleiben Sie ganz bei sich, tauchen Sie in Ihre Körperwelt ein und beobachten Sie die Sinneswahrnehmungen in der Haltung. Nach 3-10 Minu-ten kehren Sie langsam und vorsichtig in die Ausgangsposition zurück.

4. Entspanntes // Nachspüren

Nachspüren

Stellen Sie den rechten Fuß wieder auf dem Boden ab, setzen Sie beide Füße in einen etwa mattenbreiten Abstand und lassen Sie die Knie nach innen sinken. Schieben Sie Nacken und unteren Rücken einmal kurz Richtung Boden und lösen Sie diese Spannung wieder. Dann schließen Sie die Augen und legen die Hände sanft auf den Bauch. Die Ellen-bogen liegen entspannt auf dem Boden, die Schultern sind gelöst. Beobachten Sie, wie der Bauch sich mit der Einatmung hebt und mit der Ausatmung senkt. Wie fühle ich mich gerade? Fühlen sich meine beiden Körperhälften gleich oder unterschiedlich an? Fühle ich Schwere, fühle ich Leichtigkeit? Bleiben Sie möglichst neutral in der Beobachtung und das so lange, wie Sie sich dabei wohlfühlen.
Anschließend wiederholen Sie die ersten drei Übungen mit dem linken Bein oben.

5. Schnürsenkel // Gomukhasan

Schnürsenkel

Setzen Sie sich mit ausgestreckten Beinen auf den Boden. Winkeln Sie das rechte Bein an und legen Sie das rechte über das linke Knie. Das äußere rechte Fußgelenk liegt nun am Boden. Dann beugen Sie auch das linke Bein und ziehen den Fuß Richtung rechte Hüfte. Bei Beschwerden in den Knien lassen Sie das untere Bein ausgestreckt, bei Schwierigkeiten mit dem Aufrichten von Becken und Wirbelsäule setzen Sie sich erhöht auf ein Kissen oder Bolster. Setzen Sie die linke Hand seitlich der Hüfte am Boden oder auf einem Block ab und strecken Sie den rechten Arm nach oben. Dann lehnen Sie sich nach links und dehnen die rechte Flanke. Lassen Sie alle Anspannung aus dem oberen Arm herausfließen und halten Sie den Nacken möglichst locker. Achten Sie außerdem darauf, dass beide Gesäßhälften gleichmäßig am Boden bleiben. Schließen Sie die Augen, beobachten Sie die Anspannung und lassen Sie sie zu, zugleich erlauben Sie sich auch möglichst viel Entspannung in der Haltung. Nach 3-5 Minuten ruhen Sie eine Weile aus in der Stellung des Kindes (Balasana), dann üben Sie die andere Seite.

6. Sphinx-Frosch // Bhujangasana-Bhekasana

Sphinx-Frosch

Aus der Stellung des Kindes schieben Sie die Arme nach vorn und kommen in die Bauchlage. Dabei liegen die Unterarme am Boden und die Schultern sind etwa über den Ellenbogen ausgerichtet. Bei Spannungen im unteren Rücken schieben Sie die Ellenbogen so weit zur Seite (und/oder nach vorn), dass die Rückbeuge sanfter wird und sich angenehm anfühlt. Dann ziehen Sie Ihr rechtes Bein im rechten Winkel nach außen und lassen die Leiste entspannt sinken. Schließen Sie die Augen und nehmen Sie Ihren Körper wahr. Wie geht es mir hier? Bin ich noch angespannt? Wo könnte ich mehr entspannen? Wo halte ich noch fest? Nach 3-5 Minuten wechseln Sie vom rechten zum linken Bein. Anschließend entspannen Sie eine Weile in der Stellung des Kindes (Balasana).

7. Taube/Schlafender Schwan // Eka Pada Rajakapotanasana

Taube

Ziehen Sie aus dem Vierfüßlerstand das rechte Knie zur rechten Hand. Legen Sie die Außenseite des rechten Unterschenkels am Boden ab und finden Sie dabei einen Winkel, der für das Knie angenehm ist. Strecken Sie das linke Bein lang nach hinten aus und richten Sie die Beckenkämme dabei etwa in einer Linie aus. Wenn der rechte Oberschenkel nicht den Boden berührt, ohne dass das Becken nach rechts kippt, legen Sie eine gefaltete Decke unter, das Kreuzbein sollte ungefähr waagerecht liegen. Dann lassen Sie den Oberkörper langsam so weit nach vorn sinken, wie es angenehm ist: Entweder stützen Sie sich auf die Unterarme auf (Foto), oder Sie legen die Stirn auf die gefalteten Hände. Schließen Sie die Augen und beobachten Sie Ihre Empfindungen. Das Erspüren der eigenen Bedürfnisse steht im Vordergrund, finden Sie Ihre ganz eigene optimale Haltung. Nach 3-5 Minuten ruhen Sie einen Moment aus in der Stellung des Kindes (Balasana), dann wechseln Sie die Seite.

8. Endentspannung // Shavasana  

Endentspannung

Legen Sie sich auf den Rücken. Die Arme sind entspannt neben dem Körper ausgebreitet, die Handflächen zeigen möglichst nach oben. Die Füße haben etwa einen hüftbreiten Abstand und sinken locker nach außen. Wenn es Ihnen angenehmer ist, legen Sie ein flaches Kissen oder eine gefaltete Decke unter den Kopf. Schließen Sie die Augen. Jetzt ist der Moment gekommen, um ganz in die Stille zu gehen, ein Zustand zwischen Traum- und Wachbewusstsein, ein heilsamer Prozess für jede Zelle des Körpers. Bleiben Sie mindestens 5–10 Minuten in der Endentspannung und lassen Sie die Praxis nachwirken.

 


Tanja

Tanja Seehofer ist Yogalehrerin, Mentalcoach, Entspannungstherapeutin und Buchautorin. Sie unterrichtet in München und auf Retreats und Workshops im In- und Ausland.  www.tanjaseehofer.de

Fotos: Arvid Uhlig

Tanja Seehofer zu Gast im YogaWorld Podcast:

Die Essenz des Yoga – ein Interview mit Srivatsa Ramaswami

Srivatsa Ramaswami war über dreißig Jahre lang Schüler von Sri T. Krishnamacharya. Er ist im Westen nicht so berühmt wie Pattabhi Jois oder B. K. S. Iyengar, Doch er hat eine Botschaft, die man hören sollte. Ein Gespräch über den großen Krishnamacharya, Vinyasa und die Essenz des Yoga.

Indien mitten in London: In der Mahatma Hall des Indian YMCA findet ein Vinyasa Krama Teacher Training statt. Srivatsa Rama-swami sitzt auf einem Stuhl vor etwa vierzig Teilnehmern aus ganz Europa und erklärt, dass er uns in den folgenden Tagen ein Yogamenü aufzeigen wird, aus dem wir für unsere Schüler das jeweils Passende auswählen können.

Im Westen ist der weißhaarige indische Lehrer noch nicht überall bekannt, obwohl er mittlerweile einige Workshops in den USA und in England hält. Er hat mehrere Bücher geschrieben und bietet auf Youtube und seiner Homepage viele Tutorials zu Vinyasa Krama, Chanting und Philosophie an. Sein Stil ist anders als das Ashtanga Vinyasa von Pattabhi Jois: Er unterrichtet Teilserien mit verschiedenen Schwerpunkten – beispielsweise Bewegungen und Asanas rund um die Berghaltung oder um sitzende asymmetrische Positionen, die je nach Können zusammengestellt werden. Bewegungen werden mit der Atmung synchronisiert, der Atem fließt langsam. Warum sich sein Vinyasa von den anderen unterscheide, fragt ein Schüler. Die Antwort: Ich lehre, was mich mein Lehrer gelehrt hat.

Auch der Sonnengruß ist anders. Er schließt das Atemanhalten (Kumbhaka) und Mantras mit ein. Wir lernen, dass ohne den konzentrierten Gedanken an die Sonne ein Sonnengruß nur eine gymnastische Übung ist. Wir hören Geschichten aus den Puranas – während wir 7 Minuten lang im Baum stehen. Ramaswami erklärt das Yogasutra so einfach und praxisorientiert, wie man es selten hört. Nach fünf Tagen haben die meisten Schüler ihren yogischen Horizont maßgeblich erweitert. Wir wissen alle, dass wir noch mehr wissen möchten.

 

Mr. Ramaswami, wie alt waren Sie, als Sie Krishnamacharya trafen?

Etwa 15 Jahre.

 

Erinnern Sie sich noch daran, was er Sie als Erstes lehrte?

Ja. Es war, wie man in Samasthiti steht, einatmet und beide Arme dabei nach oben führt. Seine erste Anweisung bezog sich auf die Atmung, noch bevor er mir die Bewegung erklärte.

 

Viele seiner Schüler beschreiben Krishnamacharya als strengen Lehrer. Seine Kinder hingegen sprechen von ihm als sehr liebevollem Vater. Welchen Eindruck hat er bei Ihnen hinterlassen?  

Er blickte immer streng und war sehr strikt. Aber gleichzeitig hatte er immer das Wohlbefinden seiner Schüler im Sinn. Sein Hauptziel war, seinen Schülern dabei zu helfen, soviel zu lernen, wie sie konnten. Er war ein großartiger Lehrer!

 

Es kursieren heute viele Erklärungsansätze darüber, was Vinyasa sei. Wie verstehen Sie das, was Ihnen Ihr Lehrer beibrachte? 

Vinyasa ist ein Begriff, der in Indien sehr häufig in verschiedenen Künsten verwendet wird. Er bedeutet‚ etwas in Kunst umwandeln, in Musik, in Poesie oder in Drama. Im Yoga bedeutet Vinyasa, eine bestimmte Asana mit verschiedenen anderen Bewegungen zu verbinden und in sich zu vervollkommnen – anstatt einfach nur Asanas unabhängig voneinander einzunehmen. Durch Vinyasa steigt der Nutzen der Asanas. Außerdem, so rät mein Guru in einem seiner Bücher, hat Vinyasa mit richtiger Atmung zu tun. Ebenso steht es im Yogasutra. Das heißt, Vinyasas müssen mit der richtigen Atmung ausgeführt werden. Manchmal werden Vinyasas um eine bestimmte Position herum ausgeführt, manchmal führen sie zu einer bestimmten Haltung und dann gibt es Vinyasas, die in dieser bestimmten Stellung ausgeführt werden. Auf diese Weise entsteht ein ausgefeiltes System aus Bewegungen mit Atmung. Also kann man sagen, dass Vinyasa bedeutet, Bewegungen mit Atmung in einer klassischen Asana zu machen. Das ist dann Vinyasa Krama (Vinyasa-Schrittfolge).

 

Sie sagen, dass die Yogapraxis aus Vinyasas, statischen Haltungen, Pranayama und Meditation besteht. Warum ist Vinyasa so ein essenzieller Teil? 

Zu einer täglichen Praxis gehört beides: Vinyasas und statische Haltungen. Die Vinyasas unterstützen den venösen Rückfluss und verbessern in Kombination mit der richtigen Atmung die Sauerstoffversorgung der Zellen. Auch kann man bestimmte Haltungen mit bewussten Vinyasa-Bewegungen erlernen. Statische Asanas haben aufgrund des längeren Haltens ihren eigenen Nutzen, zum Beispiel 5 bis 10 Minuten im Kopfstand, Schulterstand oder Pashchimottanasana.

Man profitiert am meisten, wenn man beides übt – Vinyasa und statische Haltungen. Anschließend muss man sich setzen und Pranayama mit den Bandhas üben: Pranayama unterstützt die Organe des Brustkorbs; die Bandhas die des Bauches. Asanas und Vinyasas dehnen die Skelettmuskeln. Alles zusammen bildet also eine sehr umfassende Praxis.

 

Was empfehlen Sie einer gesunden Person als tägliche Praxis?

Ich denke, man sollte mindestens 1 bis 1,5 Stunden üben, um eine wirkungsvolle Praxis zu haben. In dieser Zeit sollte man zwei Drittel Asanas üben – zur Hälfte mit dynamischen Bewegungen oder Vinyasas und zur Hälfte mit statischen Haltungen. Die verbleibende Zeit sollte man zwischen Pranayama und Meditation aufteilen. Auf diese Weise kümmert man sich um den Körper, die inneren Organe und den Geist. Asana-Praxis alleine ist nicht ausreichend.

 

In vielen westlichen Studios bekommt man den Eindruck, dass Schwitzen ein Ziel yogischer Praxis ist. Wie sehen Sie das? 

Ich würde sagen – mein Lehrer sagte es immer – dass der Herzschlag nicht belastet werden darf. Zuviel Schwitzen und zu schnelle Atmung gehören eher zu aeroben (sportlichen) Betätigungen. Im Yoga ist es komplett anders: Hier unterstützt man das Herz bei seiner Aufgabe, das venöse Blut zum Herzen zurückzuführen, sowie durch eine intensivere Versorgung von Sauerstoff durch Pranayama und so weiter. Yoga und Sport befolgen unterschiedliche Philosophien. Da die meisten Westler von klein auf mit Sport in Kontakt kommen, verstehen sie Yoga oft ebenfalls als Sport und praktizieren es auch so. Sie übersehen dabei den grundlegenden Unterschied zwischen beidem.

 

Also ist das Ziel, während Asana und Vinyasa ruhiger zu werden?

Ja. Yogapraxis ist eine sehr langsame Praxis. Nie schnell. Die Bewegungen sind langsam. Man versucht, die Bewegungen zu verlangsamen, indem man sie mit dem Atem synchronisiert. Wenn man langsamer wird, wird die Atmung stärker. Man sollte fünf bis sechs Mal in der Minute atmen, während man Yoga übt. Bei sportlichen Übungen atmet man viel häufiger. Fünfzehn oder sechzehn Mal pro Minute. Das ist ein immenser Unterschied.

 

Man braucht also eine langsame Atmung, um die Bewegung zu verlangsamen. Welche Techniken empfehlen Sie, um die Atmung herunterzufahren, obwohl man den Körper in Bewegung hält? 

Kapalabhati hilft. Und man kann seinen Geist benutzen, um die Praxis zu verlangsamen und dann versuchen, die Bewegungen dem Atem anzupassen und so ebenfalls zu verlangsamen. Es wird sehr einfach sein, die Ratio von sechs bis sieben Atemzügen pro Minute zu erreichen. Einfach, indem man sich darauf konzentriert, langsam zu atmen und sich dann langsam zu bewegen. Nach einer Weile schafft man es, noch langsamer zu werden, sagen wir, mit drei bis vier Atemzügen pro Minute.

 

Wie sehen Sie die Entwicklungen von Yoga im Westen – den Yoga-Boom – während der letzten Dekade?

Mein Kontakt zu westlichem Yoga ist sehr eingeschränkt, da ich in Indien gelernt habe und lehre. Aber natürlich bin ich sehr überrascht, wie Yoga im Westen praktiziert wird. Ich denke, dass die Essenz fehlt. Man sollte endlich beginnen, den Atem richtig zu führen und konzentrierter zu üben und dann langsam zu werden. Wenn man langsamer wird, kann man besser dehnen. Und dann ist die Yoga-praxis ja nicht nur für die Skelettmuskeln da: Man muss gut atmen, damit die Organe des Brustkorbs mit einbezogen werden und die Bandhas für die Organe der Bauchregion. Erst dann ist es eine vollständige Praxis. Atmung und Bandhas müssen beachtet werden!

 

Weil es essenziell ist?

Ja, weil es essenziell ist. Man sieht es auch an der Hatha Yoga Pradipika: Sie endet nicht nach dem Kapitel über Asana. Es folgt Pranayama und dann der Abschnitt über Mudra. Es gibt einen Grund, warum das so ist. Also beginnen Sie, es in die Yogapraxis zu integrieren!

 

Lassen Sie uns an diesem Punkt noch einmal auf Ihre eigenen Studien mit Sri Krishnamacharya zurückkommen. Sie haben über 30 Jahre mit ihm verbracht. Hat sich die Praxis in dieser Zeit verändert und wenn ja, auf welche Weise?  

Er hat mir nicht nur Asana beigebracht. Er lehrte Pranayama und viel Chanten. Wir haben zahlreiche Texte mit ihm gelesen. Es war also ein sehr umfassender Unterricht. Am Anfang war ich etwa 15 Jahre alt, da lag der Schwerpunkt auf Asana und Pranayama. Dann wechselte er nach und nach zu Meditation, zum Chanten und zu den vedischen Texten sowie den Yoga-Upanischaden, dem Yogasutra, Samkhya Karika und so weiter. Ich denke, selbst im Westen muss man nach einigen Jahren der Asana-Praxis weitergehen und studieren, was Yoga noch bietet. Vielleicht beginnt man mit dem Yoga-sutra, vielleicht mit der Hatha Yoga Pradipika. Man muss versuchen, sein Wissen zu erweitern, damit man die Tiefe und die Feinheiten schätzen lernt.

 

Empfehlen Sie ernsthaften Schülern, Sanskrit zu lernen, um die Texte selbstständig zu erfassen?

Ja, ein wenig Sanskrit ist gut. Sehen Sie, in jedem Bereich, in den Sie tiefer eintauchen möchten, müssen Sie die Fachsprache erlernen. Wenn man sich also sein Leben lang mit Yoga beschäftigt und sogar unterrichtet, sollte man sich vollständig darauf einlassen und das Thema studieren. Ich stelle fest, dass viele Leute 8 oder 10 Jahre praktizieren, aber immer nur Asana. Ein paar Asanas, immer und immer wieder. Und das unterrichten sie. Es gibt da keine persönliche Entwicklung. Yoga ist so ein vielschichtiges Thema. Perfekt, um sich weiterzuentwickeln. Es ist wichtig, mehr als nur einen Aspekt zu erlernen. Aber die Leute lernen nicht viel … Das ist meine Meinung.

 

Welche Botschaft haben Sie für Yogis und Yoginis im Westen?

Ich würde sagen, jeder, der sich dem Yoga zuwendet, hat die richtige Entscheidung getroffen. Er gibt einem so viel. Wichtig ist: Üben Sie bewusst und versuchen Sie Ihr Verständnis von Yoga zu vertiefen. //

 

SybilleSchlegel
Die Autorin Sybille Schlegel ist studierte Historikerin und unterrichtet Yoga im Rhein-Main-Gebiet. Außerdem gibt sie deutschlandweit Workshops mit Schwerpunkt Yogaphilosophie und leitet mit Andras Ruhula Hatha Vinyasa Yoga Teacher Trainings in Mainz, Bochum und am BodDie Autorin Sybille Schlegel ist studierte Historikerin und unterrichtet Yoga im Rhein-Main-Gebiet. Außerdem gibt sie deutschlandweit Workshops mit Schwerpunkt Yogaphilosophie und leitet mit Andreas Ruhula Hatha Vinyasa Yoga Teacher Trainings in Mainz, Bochum und am Bodensee.

 

Die 10 verrücktesten Yoga Stile – im Überblick

Yoga ist Balsam für die Seele. Wenn man erst einmal in die Materie eintaucht, in die große Welt des Yoga, mehrere Studios und Stile ausprobiert, bemerkt man schnell: Da draußen gibt es nicht nur Yoga. Es gibt Aerial Yoga, Bikram Yoga, Ashtanga Yoga, Iyengar Yoga, Yin Yoga, Kundalini Yoga, Jivamukti Yoga…

Die wichtigsten Yoga-Stile kennen Sie sicher bereits. Aber haben Sie auch schon von Aggro Yoga oder Bier Yoga gehört?

Wir haben die verrücktesten Yoga Stile mal unter die Lupe genommen und euch hier nochmal die 10 skurrilsten Praktiken zusammengefasst:

1. Boxing Yoga

Boxing Yoga
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Yoga mit Kick! Boxing Yoga, ein schweißtreibendes Yoga-Workout mit Elementen aus dem Boxen und Kickboxen, wurde vom britischen Boxer Matt Garcia und der Yogatrainerin Kazja Ekberg ins Leben gerufen. Ziel ist dabei, vor allem für Boxer, eine verbesserte Körperhaltung und Flexibilität zu trainieren um Verletzungen vorzubeugen. Bei diesem Workout kommt es also auf Konzentration und Kraft an, sowie auf die Dehnung und Stabilisierung der anfälligen Brust, Schulter und Hüftgegend.

 

 2. Aggro/ Wut Yoga

Rage Yoga
instagram @rageyoga

Mit Brüllen, Schreien und Fluchen zur inneren Mitte finden. „Rage Yoga“ (Wut-Yoga) oder auch Aggro Yoga heißt der skurrile Mix aus Aggression und bekannten Yoga-Posen, zu dem die Erfinderin Lindsay Istace einlädt. Anstelle von Beruhigungsmusik wird hier auf Heavy Metal dazu eingeladen, Aggressionen freien Lauf zu lassen und zum Stressabbau aus vollem Halse zu fluchen und zu schreien. Beängstigend seien die Wutausbrüche im Kurs jedoch nicht: „Es wechselt ziemlich schnell zwischen Wut und Gelächter“, sagt Istace.

 

3. SUP Yoga

SUP Yoga
instagram @underthebanyantreebali

Yoga auf dem Wasser? Klingt zunächst wackelig. Wer aber bei dem Gefühl von Schwerelosigkeit auf dem Wasser gleichzeitig seine Asanas mit viel Körperspannung und Körperwahrnehmung ausübt, findet eine Balance der besondern Art. Bei aller Anstrengung (und Entspannung) wird man zudem beim SUP bw. Surf Yoga mit einen fantastischen Blick auf den See/oder auf’s Meer belohnt.

 

4. Bier Yoga

BierYoga
via facebook/bieryoga

Die Jungs und Mädels vom Bieryoga beschreiben ihre Zielgruppe folgendermaßen: „Bieryoga ist für alle Biertrinkenden mit Lust auf Yoga oder für alle Yogis mit Lust auf Bier oder für alle die, die neugierig und über 16 Jahre sind.“ Den Veranstaltern zufolge soll Bieryoga natürlich Spaß machen, aber trotzdem kein Witz sein: „Wir kombinieren die Philosophie von Yoga mit der Freude des Biertrinkens, um dabei vielleicht sogar hörere Bewusstseinszustände kennenzulernen“ – so die Bieryogis. Na dann Prost!

 

 5. Pop-Up Yoga

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instagram @_sylwina_

Manchmal poppt es auf: Öffentliche Veranstaltungen inmitten in der Großstadt, und das im Freien, auf Dachterrassen, in Parks, an Steganlagen, in Kunstgalerien, in Hinterhöfen… wo es sich eben gerade anbietet. Die Hauptsache ist, dass „Pop Up“ einmalig, einfach außergewöhnlich ist. Pop-Up Yoga orientiert sich wie Pop-Up Stores oder Pop-Up Bars u.ä. an diese besondere Art von Veranstaltung, die dann meist nur kurze Zeit vorher verkündet wird. Finden wir eine spannende Alternative zum Indoor-Studio.

 

6. Rave Yoga/ Clubbing Yoga

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instagram @morninggloryville

Feiern auf der Yoga Matte: Angefangen hat Clubbing Yoga in New York und findet nun auch in vielen europäischen Großstädten (z.B. morninggloryville.com) mehr und mehr Begeisterung. Zu lauten, antreibenden Pop-, Hip Hop- und Elektro Beats werden meist zu früher Stunde, noch vor der Arbeit, klassische Yoga-Richtungen und Vinyasa Flows praktiziert. Gesunde Smoothies oder einer kleinen Massage danach für den frischen Start in den Tag. Clubbing Yoga wirkt enorm motivierend, der Rhythmus kräftigend und befreiend.

 

 7. Horseback Yoga

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instagram @_shesgotmoxie

Yoga auf einem Pferd – einem lebendiges Tier mit eigenem Willen. Das klingt nach äußerster Vorsicht um nicht zu fallen und zertrampelt zu werden. Die amerikanische Gründerin von Horseback Yoga in Colorado meint: „Horseback Yoga bringt dir bei, dich mit deinem Pferd auf bedeutsame Weise zu vereinen.“ Außerdem erinnert es ein bisschen an Voltigieren. Also machbar!

 

8. NUDE YOGA

nude yoga
instagram @nikihennessy_

So manchem lässt die spärliche Yogakleidung auch im normalen Training zu wenig Spielraum und Freiheit übrig. Dann ist „Nude Yoga“, mit Ursprung aus New York City, vielleicht ein Versuch bzw. ein Besuch wert? Es wird betont, dass nichts daran sexuell sein soll. So viel dazu..

 

9. Ganja Yoga

Ganja Yoga
instagram @ganjayoga

Kiffen, dann Yoga. Die Frage, ob Cannabis und Yoga bzw. Cannabis und Meditation zu vereinbaren sind, wird in Yoga-Kreisen sehr kontrovers diskutiert. Meist heißt es jedoch, dass Cannabis oder andere psychoaktive Substanzen und die Philosophie des Yoga nicht zueinander passen würden. In Indien jedoch, dem Heimatland des Yoga, weiß man bereits seit vielen Jahrhunderten um die positive Synergie von Cannabis, Spiritualität und Yoga.

 

 10. Lach Yoga

Lach Yoga
unsplash.com // Seth Doyle

Lachen ist gesund! Und zudem die beste Medizin zum Abbau von Stress und Sorgen. Viele Heilpraktiker und sogenannte Lachtrainer sind absolut davon überzeugt und geben Lach Yoga Kurse, die das „grundlose Lachen“ auch bei Erwachsenen wieder aufwecken sollen. Und da es übrigens dem Körper fast egal, ob künstlich oder echt gelacht wird, lautet hierbei die Devise: Wir lachen nicht, weil wir glücklich sind. Wir sind glücklich, weil wir lachen! (Madan Kataria)

Wir wünschen viel Spaß beim Ausprobieren!


Diese Auflistung besitzt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Neben den genannten Yoga-Stilen gibt es noch weitere Yoga-Stile. Wenn Sie sich für diese interessieren, schauen Sie auf www.du-machst-yoga.de oder Yoga Vidya vorbei.

Montags-Mantra: Keine Angst vor großen Träumen

Die Kraft der Träume ist stark. Sie ist die Kraft des eigenen, selbstbestimmten Lebens. Alles liegt in deiner Macht. Alles, was du dir wünscht, was du dir erträumst, kannst du auch realisieren.

In der Tat haben Neurowissenschaftler herausgefunden, dass das Gehirn keinen Unterscheid zwischen Fantasie, Träumen, Visionen oder der Realität, also das was ist, macht. Sehen ist glauben und glauben ist sehen.

Hab keine Angst vor großen Träumen. Glaubst du nur an die Realität deiner äußeren Umstände, wirst du dich stetig begrenzen. Wenn du hingegen an die Kraft deiner Träume glaubst – an deine Vision, an deine Vorstellung – kann alles möglich werden. Alles.

Vergiss niemals, dass das, was du in deinem Leben erlebst, zeitlich begrenzt und vorübergehend ist.

Alles, was wir Menschen kreieren, beginnt zunächst als Vision in unseren Köpfen. Denke immer daran, DU kreierst deine Zukunft – mit allem was in dir steckt. Mit deinen Träumen, deinen Visionen, deiner Fantasie. Alles liegt in deiner Macht.

Hab keine Angst vor großen Träumen – Träum groß, träum wild und träum frei!


Titelbild via unsplash.com // Dyaa Eldin

YOGA UNLIMITED – Die Yoga Journey von Percy Johannsen

Früher war er Produktionsleiter bei MTV und sein Alltag eine Party. Heute verkörpert Percy Johannsen das Lebensgefühl des bayrischen Fünf-Seen-Landes – auf und jenseits der Yogamatte sowie auch als SUP-Yoga-Pionier und Autor seines neu erschienenen Buches „Yoga Unlimited“/ Kailash Verlag.

Für den Gründer des Namasté Yogastudios in Herrsching und des gleichnamigen Yoga Festivals ist Yoga eine Lebenseinstellung, in guten wie in schlechten Zeiten. Offen und berührend hat er uns seine Lebensgeschichte erzählt.

 

Lieber Percy, zunächst einmal: Was hat es mit der „Brezn-Meditation“ auf sich?

Die Brezn-Meditaion soll eine Erinnerung daran sein, dass alles in unserem Leben Yoga sein kann, auch der Weg zum Bäcker und wie wir den Menschen in unserem Alltag begegnen.

Was hat dich zu „Yoga Unlimited“ motiviert bzw. was hat dir in anderen Büchern zum Yoga-Lifestyle gefehlt?

Es war, wie alles in unserem Leben. Dieses Buch entstand sicher nicht aus einem Mangel an Yoga Büchern, vielmehr war aus der Fülle: Der Intention aufzuzeigen, wie wir Yoga in unseren Alltag integrieren können – von der Matte in die Welt.

Kannst du deinen persönlichen Zugang zur Praxis in ein paar Sätzen/Schwerpunkten zusammenfassen?

Ich übe mich darin, jede Herausforderung körperlicher, geistiger oder welcher  Natur und wo auch immer, auf der Matte und im Alltag mit und durch Yoga zu meistern. Hinzu kommt, dass ich es unglaublich liebe, meinen Körper zu spüren – und ganz besonders: zum Sonnenaufgang meine Asana Praxis zu zelebrieren. Durch die Musik habe ich inzwischen auch einen unmittelbaren Zugang gefunden. Ich bin den ganzen Tag immer wieder am Singen und Chanten und richte mich so immer wieder aus.

„Yoga Unlimited“ setzt auf eine Ausdehnung der Praxis auf das gesamte Leben: Warum und wo setzen wir uns hier selbst oft Grenzen?

Aus Gewohnheit, weil wir gerade keinen freien Kopf haben – oder kein offenes Herz, weil wir wieder vergessen haben, wie wundervoll das Leben ist. Yoga ist ja auch eine Erinnerung an den Reichtum des Lebens, den wir wahrnehmen können, wenn wir einwilligen. Und diese Erinnerung würde ich eben gern ausdehnen von der Praxis im Yogastudio oder auf der Matte zu Hause in die weite Welt hinein. Klar brauchen wir auch Grenzen. Sie schaffen Orientierung und Ordnung, nur sollten wir uns immer wieder der Unendlichkeit unseres Geistes bewusst werden. Die scheinbaren Grenzen regelmäßig hinterfragen, erweitern und oder auflösen. Oft ist zu beobachten und auch bei mir stelle ich immer wieder fest. Wir hetzen von Meeting zu Meeting, von Yoga Workshop zu Yoga Workshop in die Yoga Stunde hupen noch und schimpfen über den Vordermann, machen unsere Sessions und hetzten heim zu Mann/Frau und Kind. Das alles könnten wir schöner haben. Und wie das gehen könnte, das erzähle ich in meinem Buch auch.

Der Pressetext beschreibt dich folgendermaßen: „Als Shootingstar (…)  verkörpert Percy eine neue, lebenszugewandte und zeitgeistige Generation von Yogis“. Stimmst du dem zu? Wie nimmst du – auch als Organisator des Namasté Festivals – die moderne „Yogaszene“ wahr bzw. siehst dich als Teil von ihr?

Auf jeden Fall bin ich – wie alle andern auch Teil einer Bewegung und Yoga ist mein Leben oder ein großer Bestandteil davon. Wenn es so etwas wie eine Szene gibt dann ist es eine wundervolle bunte Gesellschaft von Menschen, die sich auf den Weg gemacht haben, sich selbst und anderen zu begegnen, jeder auf seine Art in Liebe und Achtsamkeit. Davon abgesehen glaube ich, dass jeder ein „Star“ ist, spätestens dann, wenn er/sie seinem „little Guru vertraut.“ Der spielt eine zentrale Rolle in meinem Buch, aber er wohnt dort nicht: In jedem von uns existiert diese tiefe Gewissheit: Wir sind alle mit allen und allem verbunden. Jeder Mensch hat seinen Little Guru. Die Frage ist nur: Hören wir seine Stimme?  Als ich die Stimme meines Little Guru zum ersten Mal hörte, war es wie Nachhausekommen. Und ich erinnerte mich daran, dass ich sie als Kind schon einmal gehört hatte, aber dann ist sie irgendwann verloren gegangen, wenn auch nie. Die Verbindung zu deinem Little Guru ist unaufkündbar und für immer.

Zum Buch: Mit dem Atem geht’s gleich im ersten Kapitel los. Dein Leib- und Magenthema?

Zumindest ist es das erste was wir lernen, ohne Hilfe von außen, wenn wir in diese Welt inkarnieren. Ohne Atem kein Leben. Wir beginnen das Leben mit einem Atemzug und wir beenden es mit einem, dem letzten Atemzug. Wenn wir uns das immer mal wieder bewusst machen, verändern wir schon sehr viel. Es sind ja oft die Kleinigkeiten, die die größten Wirkungen zeigen.

Nochmal zum Little Guru: Wo finden wir ihn und was kann er für uns tun?

Ich würde die Frage gern umdrehen: Was kannst du für ihn tun? Denn was du für ihn tust, tust du für dich. Und das ist nur scheinbar das Gleiche. Davon abgesehen muss der Little Guru nicht bei jedem Menschen so heißen. Was sind schon Namen? Du kannst ihn auch Intuition nennen oder innere Stimme, höhere Weisheit, der Freund, der es am besten mit mir meint. Meine Kinder nenne ich übrigens auch gerne little Guru´s, vor allem, wenn sie es schaffen, mich aus der Ruhe zu bringen oder mich daran erinnern präesent im Jetzt zu sein und zu mir und meinen Worten zu stehen. Ach ja, und wo wir ihn finden, den Little Guru: Jeder findet ihn. Ich kann dir jetzt keinen Platz sagen wie: Dritte Rippe, zwei Zentimeter diagonal zum Meridian XYZ. Schnauf mal. Atme bewusst. Geh in dich. Dann spürst du, wo dein Little Guru wohnt.

Dein Alltag ist von mehreren „Little Gurus“ bestimmt. Was bedeuten dir innere und äußere bzw. ganz reale Kinder?

Kinder sind für mich der Spiegel meiner selbst oder eben auch der Spiegel unserer Gesellschaft. Ich selbst allerdings bin noch immer gern auch ein Kind, wenn es um die Neugier auf das Leben, die Spontanität und das Infragestellen von Grenzen geht. Und natürlich spiel ich gern und lasse von meinen Kindern inspirieren – wie unkompliziert und praktisch sie sind, wie zentriert, loyal und vollkommen im Jetzt – einfach wunderbar!

„Eine Methode ist nur gut, wenn sie sich in Krisen bewährt“: Du schreibst sehr offen und berührend über deine Lebensgeschichte(n), gerade über Verluste. Wie konnte dir Yoga hier helfen?

Meine Frau Diana und ich haben unsere Tochter Zara bei der Geburt … verloren, nein eben nicht verloren. Yoga hat uns durch diese Zeit getragen und die Gewissheit in uns gestärkt, dass wir für immer mit ihr verbunden sind. Es war ein bisschen wie die praktische Prüfung nach all der Theorie. Hilft dir Yoga wirklich in deinem Alltag? Kann Yoga dich durch Krisen führen? Bietet dir Yoga Antworten auf die entscheidenden Lebensfragen: Ja, ja, ja! Davon erzähle ich in meinem Buch. Öfter hilft mir Yoga heute allerdings – zum Glück – bei kleineren Alltagsnervereien. Zum Beispiel, wenn dir die Räumlichkeiten am See, die du für dein Yogafestival gemietet hast, zu dem sich schon Hunderte von Leuten angesagt haben, zwei Wochen vor Beginn gekündigt werden. Und dann? Hilft: atmen und Yoga. Es ist dann übrigens ein sehr schönes Festival geworden, und ich bin überzeugt davon: Weil ich vertraut habe, dass sich alles im Guten fügen wird.

„Feiere das Leben, immer und überall“ – gerne auch mal exzessiv ;)?
Die Bedeutung von exzessiv hat sich in meinem Leben gewandelt. Exzessiv bedeutet ausgelassen, unbändig, wild – die Kraft, diese Energie zu nutzen, tief in unser Inneres einzutauchen, diese exzessiven Seiten in uns zu erkennen, zuzulassen, zu leben – und das, obwohl in unserer gesellschaft Gesellschaft gerne alles in Bahnen gelenkt und kontrolliert werden will. Wer auf dem letzten Namsté Festival war, hat gesehen, dass wir nicht nur Mantren singen und im Kreis sitzend OM chanten.

Du bist Deutschlands bekanntester SUP-Yogi und hast mit zum Trend beigetragen. Dieser Trend hat sich mittlerweile fest auf den Gewässern etabliert. Was trägt zu seiner Langlebigkeit bei?

Einer der größten Meister aller Zeiten … die Natur! Es ist ein Erlebnis, in Verbindung mit der Natur und ganz besonders in die Verbindung mit dem Element Wasser einzutauchen. Ich kann es nur jedem ans herzen Herz legen, sich für die Kraft der Natur zu öffnen und SUP Yoga auszuprobieren, sowohl in einer gemeinsamen Stunde als auch allein, im Einklang mit den Elementen dieser Erde.

Deine Wurzeln liegen jedoch im klassischen Raja Yoga. Wo liegt für dich der Spagat zwischen Tradition und Moderne? Ist es überhaupt ein Spagat?

Das faszinierende Faszinierende an Yoga ist ja genau, dass es eine uralte Tradition ist, die heute nach wie vor aktuell und anwendbar ist. Wenn ich ans SUP Yoga denke, haben am Anfang auch sehr viele gesagt, was ist dass denn jetzt wieder für ein modernes Zeug … braucht es das denn … und mittlerweile gibt es fast keinen See mehr, an dem nicht auf dem Wasser geyogt wird. Wie der Spagat für mich aussieht, davon kann sich jeder gerne ein Bild bei einer SUP Yoga Stunde bei mir machen.

Als Mann trägst du den spirituellen Namen „Shakti“. Wie kam es hierzu?

Nach meiner Ausbildung habe ich um einen Namen gebeten, um einen neuen Lebensabschnitt einzuleiten und dem mehr Kraft zu verleihen. Anfangs war ich zugegebenermaßen etwas irritiert, doch jetzt stehe ich dazu und erkenne die Absicht dahinter. Der Name verhilft mir dazu, mir meiner Kraft und Herkunft bewusst zu sein, und auch meine weibliche Seite zu leben.

YogaUnlimited Percy

Am Mittwoch, den 7. September, 19:00 Uhr findet auf LitLounge.tv ein Webinar mit Percy statt, zum Thema: ‚Wie Sie den Yoga-Spirit in den Alltag holen können.‘

Mehr zum Event auf Facebook: https://www.facebook.com/events/1747206892219737/

oder direkt auf LitLounge.tvhttps://www.litlounge.tv/online-event/yoga-unlimited


 

Fotos: (c) Stefan Eisend

Kulinarische Reise mit Pink Elephant Cooking

https://www.youtube.com/watch?v=QOC7tsxtA8c&feature=youtu.be

Hinter Pink Elephant Cooking verbergen sich die Kochkünstler Heather Donaldson und Martin Riedel. Nach dem Genuss ihrer Superfood-Roh-Vegan-Freestyle-Küche sieht man zwar keine rosa Elefanten, so weit lassen sie es nicht kommen, aber man ist auf andere Art und Weise beflügelt. Im aktuellen Heft 05/16 haben sie für uns verschiedenen vegane Rezepte aus heimischen Superfoods zusammengestellt.

Warum in die Ferne schweifen? Oder vielleicht doch? Denn ihr neustes Projekt führt die begeisterten Ashtanga-Yogis durch acht Länder, in denen sie acht landestypische Rezepte kreieren. Pink Elephant werden nun jede Woche für uns ein tolles veganes Rezeptvideo aus verschiedenen Ländern vorstellen. Mmmmh… Wir sind schon ganz hungrig!

www.pinkelephantcooking.de
www.facebook.com/pink.elephant.cooking