YOGA & MARGARITAS – Es heißt BALANCE

BA-LANCE – Das Wort klingt sanft, smooth, leicht. Wie das schwerelose Gefühl von einem Nachmittag auf der Gartenschaukel. Ganz so einfach ist das mit der Balance jedoch nicht. Denn: Wie finde ich sie? Meine eigene, individuelle Balance? Und was bedeutet es eigentlich? – Ist es, 100% gesund und clean zu leben, frisch, stark und quietschfidel zu sein – stets im Gleichgewicht mit sich im Inneren sowie mit seiner Umgebung im Äußeren? Und das am besten jeden Tag aufs Neue?

8 Stunden erholsamer Beauty-Sleep, um 6:00 klingelt der Wecker. Ich trinke 1 großes Glas stilles Wasser gegen den riesen Durst am Morgen, öffne meine Nature Sound Relax App, tippe auf sanftes Meeresrauschen. So kann meine Mindful-Meditation beginnen – mit tiefem Ein-und Ausatmen. Langsam aber stetig, komme ich bei mir an. Nach meiner kurzen Achtsamkeitsübung und einem anschließend frischen Zitronenwasser zum Aufwachen, springe ich auf meine Yogamatte und bewege im herabschauenden Hund nach und nach meine Fußgelenke, strecke die Beine und meinen Nacken, spüre meinen Körper. Durchgestrecht und fit schreite ich in Richtung Küche und bereite mir noch eine reichhaltige Green Smoothie Bowl mit frischen Heidelbeeren zu, bevor es los ins Büro geht.

Immerhin gesund gestartet, denke ich noch auf dem Radweg entlang der Isar. Denn was dann kommt ist alles andere als OM. Im Büro folgt plötzlich ein absolut ungesunder Begrüßungssnack. In Form von mitgebrachten Schoko-Brownies wird der Einstand der neuen Kollegin gefeiert. Ich kann nicht nein sagen. Zu Mittag wird es nicht besser: Große Lust auf Deftiges. Dahin ist der Plan von grünem Salat. Verdammt! Und es ist doch erst Mittwoch.

Nachmittags poppt mein WhatsApp auf: „Tolles Wetter heute, was!? Lass auf ein Feierabendbier treffen! Oder wie wär’s mit Cocktails an der neuen Strandbar? Bis später dann!“

YogaundMargaritas

 

Das Leben ist einfach unberechenbar. In dem einen Moment haben wir alles unter Kontrolle, leben den Tag bewusst gelassen, in Ruhe, Achtsamkeit und voll positivem Flow. Der nächste Tag ist dann plötzlich geprägt von ungeplantem Chaos, Überraschungen und Malheurs. Und dann sind da noch Momente irgendwo dazwischen.

Die eigene Balance finden – Das gestaltet sich sehr persönlich und heißt wohl letzten Endes, das Leben trotz „All dem“ zu genießen – trotz spontaner Anrufe zur Cocktailhour, Einladungen zum Kaffee & Kuchen und durchtanzten Nächten mit 5 Margaritas intus eine gewisse Gelassenheit zu bewahren. Wer nämlich schnell wieder seinen Weg zurück zu sich selbst, seinem persönlichen Yin & Yang findet, ist auch schnell wieder in „Balance“. Cocktails, Margaritas und Pizza sollten wir uns nicht nur „erlauben“,  sie gehören einfach dazu! Und wer eh schon 80% gesund lebt, darf sicher auch mal 20% sündigen und mal so richtig über die Stränge schlagen.

Es heißt Balance. Und es heißt, das Leben voll und ganz zu genießen.

Cheers!


 

Titelbild: unsplash.com // Patrick Schöpflin

Männeryoga

Yoga ist eben nicht nur Frauensache – wie übrigens nur wir hier im Westen häufig annehmen. Das beweist einmal mehr Yogalehrer Dirk Bennewitz mit seinem Buch „Männeryoga“.

Der Hamburger Personenschützer, ­Aikido-Meister, Ex-Fallschirmspringer und Yoga-Studioleiter weiß aus Erfahrung, dass man den richtigen Ton ­treffen muss, wenn man die männliche Zielgruppe ansprechen möchte. Und dabei meint er nicht „Ommmmmmm“…

„Männeryoga“ ist ein plakativer Titel. Wie sieht es mit Frauen aus?
Die Ansprache an beide Gruppen ist unterschiedlich, die Übungen aber sind die gleichen. Ich erfinde Yoga ja nicht neu. Dennoch: Die Zusammenstellung macht’s. Daher kann „Männeryoga“ auch für Frauen sein, solange sie Vergleiche mit Automatikgetrieben mögen.

Mit Automatikgetrieben?
Professionalität bedeutet ja nicht Abwesenheit von Humor, und ich beschreibe Yoga einfach in einer männertauglichen Alltagssprache.

Was sind denn klassische Männer-Asanas?
Asanas für den Oberkörper machen Männern in der Regel Spaß und fallen ihnen leicht, weil sie es eher gewohnt sind, ihre Oberkörpermuskulatur einzusetzen. Das können Frauen auch. Ohne Muskeln klappen die Übungen allerdings weder bei Mann noch Frau.

Welche Asana magst du am liebsten?
Die Dirk-Asana auf Seite 94. Auf den Zehen zu sitzen ist wichtig, weil dadurch die Energie in eine vernachlässigte Region geschickt wird und kräftige Füße die Grundlage für alle Asanas im Stehen sind. Männer haben aber oft kein Bewusstsein für ihre Füße. Frauen lackieren sich ja wenigstens noch die Zehen. Wenn ich sage, hebe einen Zeh hoch, dann müssen die Männer immer erst nach unten gucken.

Welchen Stellenwert hat Respekt für dich?
Respekt ist wichtig. Dem Lehrer ­gegenüber, der schon einen Teil meines Weges gegangen ist, dem Raum, dem ­Altar im Studio und vor allem vor mir selbst.

Erklär doch mal genauer…
Das Wichtigste ist Respekt vor dem ­eigenen Körper. Der Fokus ist nach innen ­gerichtet und wenn einem danach ist, muss man eine Pause einlegen. Im Unterricht sollte es keine Wettbewerbsgedanken geben – viele glauben fälschlicherweise am Anfang, dass es erst richtig gut ist, wenn es schmerzt. Das ist natürlich Quatsch.


Buch_MaenneryogaMänneryoga In der Welt der Männer muss es herrlich einfach zugehen. Freund/Feind, gut/schlecht, einfach/schwer – die meisten Frauen haben es sich da ein bisschen anders eingerichtet. Aber „Männeryoga“ von Dirk Bennewitz wendet sich ja auch eher an Testosteron- als an Östrogen-dominierte Anfänger und so wundert es nicht, dass der bekannte Personenschützer und Yogalehrer die Dinge bereits in seiner Einführung vereinfacht. „Ihr habt ja jetzt dieses Buch. Sucht euch einen Platz zum Üben.“ Mit der quadratischen Lektüre neben der Matte wird der ambitionierte Yogi erst in „Richtig Atmen“ und in eine stabile Standhaltung eingeführt, bevor es recht schnell zu den ersten Asanas geht. Diese sind gut bebildert und vor allem ist bei jeder Haltung beschrieben, wie man wieder aus ihr herauskommt und wann man wie atmet. Allerdings ist es so ganz ohne Vorwissen auch mit „Männeryoga“ so eine Sache: ­lesen, atmen, Haltung einnehmen, weiterlesen. Vielleicht reichen die charmante Anrede und die netten Kommentare von Bennewitz dann doch nicht ganz für allererste Yogastunden aus. Gut sind auf jeden Fall die Fotostrecken, in der noch einmal alle Schritte auf einer Doppelseite gezeigt werden. Allerdings irritiert es, dass die Abfolge pro Buchseite unterteilt ist und die Doppelseite nicht ausgenutzt wurde. Lesenswert sind die beiden Abschnitte „Yoga und Konsum“ und „Ernährung“, in der Bennewitz den besten und schönsten Schlusssatz noch nicht einmal als Fazit schreibt, sondern auf Seite 127 versteckt. „Ihr seid schon perfekt. Wenn ihr abnehmen wollt, esst weniger.“ 

Fazit: Auch „harte Kerle“ fühlen sich von dem Buch des liebenswerten Drill-­Instructors mit dem so befreienden Schuss Humor angesprochen.

Dirk Bennewitz, Männeryoga – Das Powerprogramm für Körper, Geist und Seele. Lotos Verlag, ca. 18 Euro

Vietnamesische Verlockung: Bo Kho Chay

Viele Yogis lieben die vietnamesische Küche. Zum einen, weil sie zahlreiche und besonders leckere vegetarische Gerichte zu bieten hat. Zum anderen, weil ungewöhnliche Gewürzkombinationen wie Zitronengras mit Zimt und Stern­anis einfach eine wahre Freude für den Gaumen sind. Das Tolle: Tofu und Seitan werden auch in Deutschland hergestellt. Auch Süßkartoffeln und Auberginen sind jederzeit in Europa erhältlich, teilweise sogar aus heimischem Bio-Anbau. Und selbst das Thai-Basilikum muss nicht mehr um die halbe Welt fliegen, bis es auf Ihrem Teller landet: Inzwischen werden dieses und andere asiatische Kräuter z.B. in Tschechien angebaut. Die Devise ist also: Ferne Spezialitäten genießen, die Umwelt schonen und regionalen Anbau unterstützen.

Zutaten für 4 Personen:
Gewürze:
. 3 Stangen Zitronengras
. 6 Sternanis
. 2 Nelken
. 1 Zimtstange

. 2 Esslöffel Öl
. 250 g Tofu in 3×3 cm großen Würfeln, gelbbraun in Öl ausbacken
. 250 g Seitan (3×3 cm große Stücke)
. 4 Karotten in 2×2 cm große Würfel geschnitten
. 3 Stangen Staudensellerie in 2 cm lange Stücke geschnitten
. 1 Aubergine in 2×2 cm große Würfel geschnitten
. 2 Süßkartoffeln in 2,5×2,5 cm große Stücke geschnitten
. 3 l Wassser
. 5 Esslöffel Zucker
. 2 Esslöffel Salz
. 3 Teelöffel Tomatenmark

Zubereitung
Zu Beginn die Gewürze im Ofen bei mittlerer Temperatur (120 bis 140 Grad) kurz anrösten. ­Währenddessen das Öl in einen großen Topf geben und, wenn es heiß ist, die Gewürze hinzufügen. Danach das Gemüse dazu geben und unter Rühren anbraten. Salz und Zucker zufügen und das Ganze gut verrühren. Anschließend das Tomatenmark in den Topf geben, mit Wasser ­aufgießen und zum Kochen bringen. Die ­Temperatur so weit runterdrehen, dass es nur noch leicht köchelt. So lange kochen, bis das Gemüse einen festen Biss ­bekommt. Zuletzt Tofu und Seitan hinzugeben und 15 Minuten mitköcheln lassen. Das Gulasch mit Thai-Basilikum, Minze, Chilis und Baguette servieren.

Info: Zitronengras können Sie auch selbst anbauen. Da es in den seltensten Fällen blüht, sind kaum Samen erntbar. Deswegen erfolgt das Vermehren vegetativ über die Teilung des Wurzelstocks oder der oberirdischen Pflanzenteile. Zu den Pflanzen kommt man bei uns am leichtesten in Gärtnereien oder über frisches Zitronengras aus Supermärkten. Die Pflanzenteile stellt man ins Wasser und sobald sie Wurzeln geschlagen haben, setzt man sie in die Erde. Sonnige Plätzchen sind begehrt, regelmäßig kräftig gießen nicht vergessen!


 

Sandra Forster, geboren 1974, machte sich in der Münchner Gastroszene in den letzten Jahren einen Namen: Sie betreibt namhafte Lokalitäten wie das Café Zappe­forster, das Ausbildungs­restaurant Roecklplatz und das vietnamesische ­Restaurant Charlie. Unter den Yogis ist sie seit 2009 als Herausgeberin von „Das vegane Kochbuch“ ­(Blumenbar Verlag, 24,90 Euro) bekannt.

Loc Nguyen, Sandra Forsters Partner im Charlie, hat bei diesem Gericht seine fachkundige Unterstützung gegeben.

Praxis: Sprung ins Glück mit Shalabhasana

Shalabhasana erinnert zwar optisch an eine am ­Boden liegende Heuschrecke, sie ist aber alles andere als eine ­Entspannungshaltung. Für die Yoga-Heuschrecke braucht man dieselbe geballte Energie wie der Grashüpfer für seine gro­ßen, anmutigen Sprünge. Sich vom Boden zu lösen und einige ­Momente lang oben zu bleiben, erfordert eine intensive Kraftanstrengung. Sie lehrt uns Konzentration und Achtsamkeit und hinterlässt ein Gefühl wachsamer Ruhe.
Die Heuschrecke ist eine der ersten Rückbeugen, die man im Yoga lernt – und ein Modell für die richtige Ausrichtung in schwierigeren Rückbeugen wie Dhanurasana (Bogen), Urdhva Mukha Shvanasana (nach oben schauender Hund) oder Urdhva Dhanurasana (umgekehrter Bogen). Sie kräftigt Rücken- und Bauchmuskeln, öffnet die Brust und fördert die für Rückbeugen so entscheidende Achtsamkeit.
Bei vielen Rückbeugen, zum Beispiel beim umgekehrten Bogen, schiebt man sich mit Armen und Beinen nach oben. Bei Shalabhasana dagegen muss man sich allein aus der Kraft der Bauch- und Rückenmuskulatur vom Boden abdrücken. Ich habe festgestellt, dass der Schlüssel dazu – wie übrigens überhaupt zum Yoga – Virya (Lebenskraft) ist. In seinem Buch „Der Urquell des Yoga. Die Yoga-Sutras des Patanjali“ definiert B. K. S. Iyengar Virya als körperliche und moralische Stärke, als geistige Kraft, Energie und Heldenmut. Ich stelle mir darunter einen ruhigen geistigen Fokus vor, der mir dabei hilft, mich intensiv anzustrengen, dabei aber achtsam und mitfühlend zu bleiben.
Wenn Sie beginnen, Shalabhasana zu üben, haben Sie vielleicht das Gefühl, kaum vom Boden weg zu kommen. Vergessen Sie die Höhe! Das führt nur dazu, sich im unteren Rücken zu verspannen. Stattdessen sollten Sie versuchen, die Rückbeuge gleichmäßig auf oberen, mittleren und unteren Rücken zu verteilen und den Brustkorb zu weiten. Gleichzeitig soll sich die Wirbelsäule verlängern können: Strecken Sie sich daher durch den Rumpf nach vorne und durch die Beine nach hinten. Die erste Variante der Haltung hilft Ihnen, die Muskulatur des oberen Rückens anzusprechen und dabei den Brustkorb zu heben und zu weiten. Im zweiten Schritt lernen Sie diese Bewegung vom Stehen auf die Bauchlage zu übertragen, ohne sich dabei mit dem Heben der Beine abmühen zu müssen. Danach sind Sie bereit für die Heuschrecke, eine Asana, die Sie erfrischt und verjüngt.

Heuschrecke1

Brust raus!

In der ersten Variante der Heuschrecke (Abb. 1) lernen Sie, die Bewegungen im Oberkörper zu koordinieren und dabei die natürliche Wölbung des unteren Rückens beizubehalten. Dadurch können Sie ohne Risiken beginnen, den Brustkorb zu weiten und die obere Partie einer achtsam geübten Heuschrecke kennen lernen. Die Übung kräftigt den oberen Rücken. Je mehr der Oberkörper später in Shalabhasana zur Rückbeuge beiträgt, desto geringer ist die Gefahr, dass der untere Rücken zu stark durchgebogen und gestaucht wird.
Sie beginnen in Tadasana (Berghaltung) mit hüftbreit voneinander entfernten Füßen. Schließen Sie Ihren Gurt zu einer Schlaufe, die etwas breiter ist als Ihre Schultern. Dann schlingen Sie den Gurt hinter dem Rücken um die Handgelenke. Die Oberarme werden nach außen gedreht, so dass die Handflächen sich ansehen, die Beine sind gestreckt. Heben Sie die Seiten des Brustkorbs etwas an und ziehen Sie die Schlüsselbeine nach außen Richtung Schultern. Ohne die Stellung von Beinen, Becken und Rumpf zu verändern, beginnen Sie nun langsam, die Handgelenke von den Beinen wegzuziehen. Rollen Sie die Schultern dabei zurück und nach unten und heben Sie die Flanken noch etwas stärker an. Drücken Sie die Handgelenke fest gegen den Gurt und nach hinten, weg vom Körper.
Wenn sich Ihre Schultern dabei unbeweglich anfühlen und automatisch wieder nach vorne rollen, dann machen Sie die Schlaufe etwas weiter. Je weiter Arme und Schultern nach hinten wandern, desto stärker wölbt sich die Brust nach vorne. Wenn die Schultern weiterhin nach vorne kommen und sich Spannung im Nacken aufbaut, kann es sein, dass Sie zu schnell vorgehen. Zügeln Sie Ihre Kraft und gehen Sie methodisch vor: Zuerst rollen Sie die Schultern nach hinten, dann ziehen Sie die Schulterblätter nach unten und drücken sie an den Rücken, erst danach heben Sie die Arme. So stellen Sie sicher, dass der Brustkorb wirklich geweitet wird.
Wenn Sie meinen, die volle Dehnung erreicht zu haben, dann versuchen Sie die Rückenmuskeln noch etwas stärker anzuspannen, den oberen Rücken vom Nacken weg zu bewegen und die Schulterblätter noch ein klein wenig weiter nach unten in den Brustkorb hineinzuziehen. Können Sie Brust und Arme noch ein Stückchen heben? Schieben Sie die unteren Spitzen der Schulterblätter Richtung Wirbelsäule und spannen Sie die Muskulatur des oberen Rückens fest an, um die weite Öffnung des Brustkorbs gut zu stützen.
Vielleicht bemerken Sie, dass diese Bewegung Rumpf oder Becken nach vorne schiebt. Um dies zu verhindern, strecken Sie sich aus der Taille heraus nach oben und drücken Sie die Oberschenkel nach hinten. Beine, Becken und Bauch stehen senkrecht übereinander und Sie wachsen vom unteren Bauch bis in die Brust hinein nach oben.

Heuschrecke2

Die Flügel spannen

Nachdem Sie die Erfahrung gemacht haben, durch die Kraft des oberen Rückens Schultern und Brustkorb zu weiten, lernen Sie im zweiten Schritt die Arbeit von Beinen und Becken kennen (Abb. 2). Sie beginnen in der Bauchlage. Heben Sie das rechte Bein etwas an und strecken Sie Fuß und Zehen nach hinten weg. Dann legen Sie das Bein wieder ab und strecken das linke Bein auf dieselbe Weise. Spreizen Sie die Zehen und drücken Sie die Oberseiten der Füße in die Matte. Das Steißbein ziehen Sie deutlich Richtung Boden, so dass das Becken fest in der Unterlage verankert ist.
Die Stirn ruht am Boden, die Arme liegen lang neben dem Körper, die Handflächen zeigen zu den Oberschenkeln. Nun heben Sie die Schultern etwas und rollen die Schulterblätter zurück Richtung Handgelenke. Strecken Sie die Hände nach hinten weg und weiten Sie den Brustkorb. Beim nächsten Ausatmen heben Sie Kopf, Brust und Hände, so dass die Arme mit flach nach oben zeigenden Handflächen parallel zum Boden nach hinten gestreckt sind. ­Bewegen Sie die Spitzen der Schulterblätter zueinander, um die Schultern nach hinten zu ziehen und die Brust noch etwas weiter zu öffnen. Während sich die Arme nach hinten strecken, bewegen sich die Schulterblätter am Rücken entlang nach unten und der Nacken bleibt lang.
Mit noch etwas mehr Virya im oberen Rücken und in den Beinen können Sie die Rippen ein Stück weiter vom Boden lösen, dabei aber zugleich Steißbein und Po lang Richtung Fersen ziehen. Zum Schluss strecken Sie die Innenseiten der Beine zu den Füßen. Nach einigen Atemzügen lösen Sie sich aus der Haltung und entspannen.

Heuschrecke3

Die Beine lernen fliegen

Wenn es Ihnen gelungen ist, den Oberkörper zu heben, ohne sich im unteren Rücken zu verspannen, dann sind Sie bereit für die eigentliche Heuschrecke: Sie beginnen wie in der zweiten Variante mit dem Verlängern der Beine nach hinten. Dadurch fühlt sich die Körpervorderseite lang und beweglich an. Heben Sie wieder die Schultern und rollen Sie die Schulterblätter weg vom Hals. Indem Sie das Steißbein zum Boden schieben, dehnen Sie den Bauch und ziehen ihn nach oben.
Beim nächsten Ausatmen heben Sie gleichzeitig und mit Virya Brust, Arme und Beine. Die Brust streckt sich nach vorne oben, Arme und Beine nach hinten oben. Ich stelle mir dabei immer eine Heuschrecke beim Sprung vor: Genauso lässt mich mein Rücken nach oben und vorne schnellen. Drehen Sie die Vorderseiten der gestreckten Oberschenkel nach innen und verlängern Sie die Beininnenseiten zu den großen Zehen hin, während Sie zugleich das Steißbein zum Boden drücken. Erlauben Sie Ihren Beinen nicht, auseinander zu driften und sich nach außen zu drehen. Das ist anstrengend, aber es schützt den unteren Rücken.
Vielleicht bemerken Sie, dass eine Körperhälfte stärker arbeitet als die andere. Nutzen Sie die Streckung in Armen und Beinen, um die schwächere Seite zu aktivieren und beide Seiten des Rückens gleichmäßig zu strecken.
Schon nach spätestens 20 Sekunden spüren Sie, welche Anstrengung es kostet, Virya aufrecht zu erhalten. Bleiben Sie nur so lange in der Haltung, wie Sie achtsam und mit Spannkraft üben. Dann lösen Sie sich langsam und ruhen sich einige Atemzüge lang in der Bauchlage aus. Beobachten Sie die energetisierende Wirkung der Asana. Vielleicht können Sie nun nachvollziehen, was Iyengar meint: Das Üben mit Virya weckt Konzentration und Wachsamkeit und verleiht der Asana-Praxis Schwung und Begeisterung.


Marla Apt (yoganga.com) ist zertifizierte Iyengar-Yogalehrerin. Sie unterrichtet in Los Angeles sowie international und bildet Yogalehrer aus.

Foto: Rory Earnshaw

Meditation für mehr Mitgefühl

Bedingungslose Liebe ist das schönste Geschenk, das wir bekommen und geben können. Das ist oft leichter gesagt als getan. Wie Metta und Karuna unser Leben beeinflussen können…

Wie fänden Sie es, würden Sie bedingungslos geliebt werden, so wie Sie sind, ohne etwas Besonderes dafür tun zu müssen? Wie wäre es, wenn Sie sich vollends, wahrhaftig und radikal akzeptiert fühlen würden, ohne sich für einen Teil Ihres Selbst entschuldigen oder etwas verbergen oder leugnen zu müssen? Wir alle sehnen uns nach Liebe und Anerkennung. Aber nur wenige können von sich behaupten, sich selbst diese Art von Achtung entgegenzubringen. Das Problem ist: Wenn wir uns nicht selbst so lieben und achten, wie wir sind, ist es schwierig, andere wahrhaftig und bedingungslos zu lieben. Und, als Gedanke wahrscheinlich noch beunruhigender: Falls wir das Glück haben, jemanden zu finden, der uns bedingungslos anerkennt und liebt, wie können wir dann offen sein für die Liebe des anderen, wenn wir uns selbst noch nicht völlig anerkannt haben?
Bedingungslose Liebe wird möglich, wenn Sie üben, die vier Geisteshaltungen, die Brahmaviharas, auszubilden. Zusammengenommen stellt dieses Quartett die Grundlage für wahrhaftige, authentische und bedingungslose Liebe dar. Diese vier Qualitäten sind die liebevolle Freundlichkeit (Metta bzw. Maitrî), das Mitgefühl (Karuna), die Freude (Mudita) und die Gelassenheit (Upekkha bzw. Upeksha). Sowohl Patanjali, der Verfasser des Yoga-Sutra, als auch Buddha lehrten, wie wichtig es ist, diese vier Qualitäten auszubilden.

Das Ziel: innere Ausgeglichenheit

Swami Satchidananda (1914-2002), Yogameister und Begründer des ganzheitlichen Yoga, übersetzt die Brahmaviharas im Yoga-Sutra (I.33) folgendermaßen: „Indem man freundlich gegenüber den Glücklichen, mitfühlend gegenüber den Unglücklichen, voller Freude gegenüber den Rechtschaffenen und voller Missachtung gegenüber den Bösen auftritt, bewahrt der Geist seine ungestörte Ruhe.“ Satchidananda sagt, diese vier Qualitäten seien der Schlüssel dazu, Gelassenheit im Geist zu etablieren: „Benutzt du den richtigen Schlüssel bei der richtigen Person, bewahrst du deinen Frieden.“ Wer fähig ist, die vier Brahmaviharas anzuwenden, kann endlich das unter Kontrolle bekommen, was Patanjali ­„Vikshepa“ nennt: die Neigung des Geistes, sich ablenken zu lassen. Patanjali lehrt uns, dass jemand, der mit Gleichgültigkeit auf das reagiert, was um ihn herum passiert, innerlich nie zur Ruhe kommen wird. Die vier erstrebenswerten Geisteshaltungen bekämpfen unsere Unruhe und bringen uns innerer Ausgeglichenheit näher.

Begegnen wir fröhlichen Menschen, hilft uns eine freundliche Haltung ihnen gegenüber, Gefühle von Neid und Missgunst zu verhindern. Treffen wir auf Menschen, die leiden, sollten wir Mitgefühl zeigen und, wenn möglich, auch helfen, das Leid zu vermindern. Uns an den Qualitäten rechtschaffener Menschen zu erfreuen und zu erbauen, inspiriert uns, selbst solche Qualitäten zu entwickeln. Und wenn wir schließlich mit Menschen konfrontiert sind, die wir als nicht rechtschaffen, als nicht vertrauenswürdig oder gar als kriminell verdammen, so lehrt uns die klassische Yogatradition, dass wir versuchen sollten, auch ihnen mit Gleichmut zu begegnen. Oft geben wir dem Drang nach, diese Menschen zu kritisieren und zu verurteilen, weil wir der Ansicht sind, sie wären fehlgeleitet. Aber das hilft uns keinesfalls dabei, geistige Gelassenheit zu bewahren! Die Kommentatoren des klassischen Yoga weisen darauf hin, dass der Yogi keine Aufmerksamkeit von seiner eigenen Praxis abzweigen soll, um diejenigen zu ändern, die höchstwahrscheinlich eh keinen Ratschlag annehmen werden. Wie Satchidananda sagt: „Wenn du versuchst, andere zu belehren und zu bekehren, wirst du deinen Frieden verlieren.“

Unendliche Liebe

Viele zeitgenössische Yogis interpretieren Patanjalis Yoga-Sutra I.33 etwas freier. So übersetzt der Autor, Buddhismus- und Yogalehrer Chip Hartranft das Sutra folgendermaßen: „Der Geist beruhigt sich, wenn man Freundlichkeit, Mitgefühl, Freude und Gleichmut in Richtung aller Dinge ausstrahlt, seien sie erfreulich oder unerfreulich, gut oder schlecht.“ Diese offene Sicht der Dinge wird in der buddhistischen Tradition oft betont. Dort kennt man die Brahmaviharas auch als „die grenzenlosen Vier“ oder „die vier Unmessbaren“. Sie sind Ausdruck für die sozialen Beziehungen und die gegenseitige Abhängigkeit aller Lebewesen, die im buddhistischen Yoga einen hohen Stellenwert haben. Beide Anschauungen sind nützlich: Darüber zu reflektieren, welche Intention und welcher Zweck hinter den beiden Auslegungen liegen, kann Ihrer Praxis mehr Tiefe verleihen.

Beginnen Sie bei sich selbst

Oft rate ich meinen Schülern, Metta und Karuna, Freundlichkeit und Mitgefühl in ihrer Praxis zu kombinieren. Wenn wir beides üben, beginnen wir, uns selbst gegenüber freundlicher aufzutreten und uns selbst mehr zu achten, bevor wir diese Fähigkeiten auf andere Menschen übertragen können. Diese radikale Selbst-Anerkennung kann für diejenigen unter uns, denen es schwer fällt, sich als wertvoll und liebenswert zu erachten, eine große Herausforderung sein. Wenn wir liebevolle Freundlichkeit uns selbst gegenüber üben, kann es passieren, dass ganz andere, nämlich negative Gefühle hochkommen, Gefühle, die wir bisher unterdrückt oder ignoriert haben. Ich bin fest überzeugt, dass wir erst dann bereit sind, anderen wahre Liebe entgegenzubringen, wenn wir uns selbst gegenüber geöffnet haben. Darum muss dies der erste Schritt sein.
Im Buddhismus werden seit Jahrtausenden detaillierte Anleitungen gegeben, wie man die Brahmaviharas aufbauen kann. Am Anfang begeben Sie sich in eine angenehme Sitzposition. Als einleitende Übung zu Metta bhavana (dem Aufbau von Metta), rufen Sie sich ihre eigene Güte zu Bewusstsein, etwa einen bestimmten Moment, in dem sie etwas Gutes, Freundliches oder Liebevolles gesagt oder getan haben. Das kann etwas ganz Simples sein, wie jemandem einen Sitzplatz im Bus anzubieten oder Ihrer Familie eine Mahlzeit zuzubereiten. Nun richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Ihr Herzzentrum – egal, ob Ihr Herz offen und aufnahmebereit oder verschlossen ist. Urteilen Sie nicht. Beobachten Sie einfach nur Ihre Gefühle. Dann beginnen Sie, folgende Metta-Wendungen zu ­rezitieren:

Möge ich glücklich sein.
Möge ich friedlich sein.
Möge ich Freude und den Quell ­dieser Freude genießen.
Möge ich Leichtigkeit und Wohlbefinden von Körper, Geist und Seele erfahren.

Erleben Sie körperlichen oder emotionalen Schmerz? Haben Sie Minderwertigkeitsgefühle, fühlen Sie Angst oder Traurigkeit, während Sie diese Worte sagen? Dann fügen Sie folgende Sätze des Karuna bhavana (Aufbau von Karuna) hinzu:

Möge ich frei von Leid sein.
Möge ich mich selbst akzeptieren und achten.
Möge ich Ruhe in Körper, Geist und Seele erfahren.
Möge ich mitfühlend auf
Leid reagieren.

Während Sie diese Worte wiederholen, achten Sie darauf, wie Ihr Körper auf jeden Satz reagiert. Gewöhnen Sie sich an den Nachhall der Worte in Ihrem Geist. Es kann sich mechanisch anfühlen, die Sätze zu wiederholen, als wären Sie dabei nicht aufrichtig. Wenn das passiert, dann ist Ihr Herz zwar verschlossen. Dennoch sollten Sie weitermachen. Irgendwann sickern die Sätze durch… „Fake it till you make it“, riet mir einst einer meiner Lehrer. Tun Sie so als ob, bis es Ihnen gelingt. Achten Sie genau wie bei jeder anderen Übung darauf, ob Ihre Gedanken abschweifen. Verabschieden Sie sich von diesen Gedanken und kehren Sie wieder zurück zu Ihrer Übung und Ihrer Intention: Sie wollen Freundlichkeit und Mitgefühl sich selbst gegenüber aufbauen.

Öffnen Sie Ihr Herz für Freunde, Fremde und Feinde

Nachdem Sie Metta und Karuna an sich selbst geübt haben, ist der zweite Schritt, obige Worte an andere Menschen zu richten – Menschen, die gut zu Ihnen waren und denen gegenüber Sie Dankbarkeit und Respekt empfinden: zum Beispiel Ihre Eltern, Freunde, Lehrer oder wer auch immer Ihnen in Ihrem Leben geholfen hat. All diese Menschen tragen Sie bereits in Ihrem Herzen.
Wenn ich mit diesen Kategorien arbeite, fällt es mir manchmal schwer, nur ein bestimmtes Bild eines Freundes oder geliebten Menschen zu beschwören. Ich fühle mich dann so, als müsste ich mein Herz vergrößern, um Platz zu schaffen für alle Lebewesen, die ich liebe. Und tatsächlich ist dieses Bewusstsein und diese Wertschätzung für die Liebe, die uns schon entgegengebracht wird, ein Quell der Freude, den wir durch diese Übung jederzeit anzapfen können. Ich lasse zu, dass die Gesichter all meiner Lieben vor meinem geistigen Auge auftauchen, und wende mich an jede Person mit ein oder zwei Sätzen, um wahrhaftig unsere Verbindung zu spüren.

Der nächste Schritt besteht darin, die Sätze einer neutralen Person zu widmen, jemandem, dem Sie keine starken Gefühle egal welcher Art entgegenbringen. Vielleicht ist das jemand aus der Nachbarschaft, den Sie nicht kennen, aber häufig sehen. Als ich damit begann, Metta Karuna zu üben, lebte ich in ­Brooklyn, und da gab es diesen Mann, der jeden Tag mehrmals seinen Hund auf der Straße Gassi führte. Ich wusste überhaupt nichts über ihn und hegte auch keine besonderen Gefühle ihm gegenüber, also wählte ich ihn als meine neutrale Person. Aber dann passierte etwas Bemerkenswertes. Nach ein paar Monaten kam ich zu der Überzeugung, dass ich ihm nicht länger als neutrale Person Liebe entgegenbringen konnte. Ich wusste zwar immer noch nichts über ihn, aber ich bemerkte, dass ich ihm gegenüber Zuneigung entwickelt hatte! Rief ich mir sein Bild vor Augen, fühlte ich Wärme, Interesse und Freundlichkeit. Er war mittlerweile in die Kategorie „Freund“ gewechselt.

Im vierten Schritt geht es darum, Metta Karuna einer schwierigen Person zu widmen, also jemandem, für den Sie Gefühle wie Ärger oder Angst entwickeln, jemandem, der Ihnen Schaden zugefügt hat und dem Sie nicht vergeben können oder wollen. Dabei ist sehr wichtig, Geduld mit sich selbst zu haben. Während Sie üben, kann es passieren, dass sehr starke Emotionen in Ihnen hochkochen. Akzeptieren Sie Ihre Grenzen und verlegen Sie sich darauf, wieder Ihnen selbst Liebe und Mitgefühl zukommen zu lassen. Wechseln Sie zwischen der schwierigen Person und Ihnen selbst, und beobachten Sie gut, wie sich Ihre Gefühle verhalten.

Ich hatte mal einen Schüler, der von seinem Vater missbraucht wurde, diesen aber seit 30 Jahren nicht mehr gesehen hatte. Nachdem er neun Monate lang seine Metta-Karuna-Praxis sich selbst widmete, öffnete er sich für seine Freunde, Wohltäter und Bekannten und schließlich auch für neutrale Personen. Einige Monate später wagte er sich an seinen Vater, eine schwierige Aufgabe.
Ärger und Abneigung stiegen in ihm auf, also konzentrierte er sich wieder darauf, sich selbst Liebe zu geben. Indem er lernte, seiner eigenen Abneigung mit Liebe und Mitgefühl zu begegnen, entwickelte er mit der Zeit auch die Fähigkeit, Liebe und Mitgefühl auch seinem Vater zukommen zu lassen. Er hält immer noch Abstand zu seinem Vater, aber mittlerweile fühlt er ihm gegenüber tatsächlich Mitgefühl und Verständnis – und nicht mehr Angst und Wut.
Der letzte Schritt besteht darin, Metta Karuna allen Lebewesen entgegenzubringen. Genau das ist das Ziel dieser Übung: zu dem Wunsch zu gelangen, dass alle Lebewesen überall, klein oder groß, glücklich und frei von Leid sein mögen.

Auf der Matte

Um Metta Karuna in Ihre Asana-Praxis zu integrieren, beginnen Sie mit einer sanften, unterstützten Rückbeuge. Die Schultern werden dabei mit einer gerollten Decke oder einem ­Polster unter den Schulterblättern gestützt – so können Sie Ihre Aufmerksamkeit besser auf Ihr Herzzentrum richten. Bleiben Sie ein paar Minuten in dieser Haltung und denken Sie an Ihre Intention. Wenn Sie sich danach durch Ihre Asanas bewegen, werden Sie feststellen, dass in den Rückbeugen, Schulteröffnern und Drehungen ein körperlich geöffnetes Herzzentrum den Zugang zu liebenden Gefühlen erleichtert. Wenn Sie aufmerksam üben, können Sie fühlen, wie sich der Zustand Ihres Herzens verändert. Es wird offener…

Im Alltag

Abseits der Matte können Sie Metta Karuna aufbauen, indem Sie einfach die Augen offen halten, wo sich überall Möglichkeiten dafür bieten: Wenn sie im Supermarkt Schlange stehen, können Sie den anderen Wartenden und der Kassiererin Metta Karuna entgegenbringen. Wenn Sie spazieren gehen, können Sie Karuna an die obdachlose Frau mit dem Einkaufswagen senden. Und wenn sie bemerken, dass Sie mit Ablehnung auf die Obdachlose reagieren, können Sie sich auch selbst ein wenig Karuna zuteil werden lassen. Sie werden sehen, Metta und Karuna können Ihr Leben verändern… 


Frank Jude Boccio lehrt Yoga und Zen-Buddhismus und ist Autor des Buches „Mindfulness Yoga“. www.mindfulnessyoga.net

Kamel mit Köpfchen

Durch die Mobilisierung des oberen Rückens und Brustkorbes bleibt der Nacken im Kamel entspannt.

Fühlt sich Ihr Nacken eingeklemmt oder überanstrengt an, wenn Sie Ihren Kopf in Ushtrasana (Kamelhaltung) nach hinten neigen? Wäre es nicht schön, wenn es eine simple Lösung dieses Problems gäbe? Einen kleinen „Zaubertrick“, der diese unangenehme Nebenwirkung einfach wegwischt? In gewisser Weise gibt es diesen und man muss dafür tatsächlich eher ein Zauberkünstlers anstatt ein echter Zauberer sein. Zauberkünstler setzen Ihr Publikum in Erstaunen, indem sie die Aufmerksamkeit auf eine Hand lenken, während Sie mit der anderen Hand ganz clever den Trick durchführen. Das Gleiche gilt für Ushtrasana, wenn Ihr Nacken Ihnen Schwierigkeiten bereitet. Lernen Sie, die Aufmerksamkeit von dem Problembereich weg und stattdessen auf den oberen Rücken zu lenken – dort sind meist sowohl Ursache als auch Lösung des Problems zu finden. Die Kunst, die Brustwirbelsäule zu strecken und den Brustkorb zu öffnen, wird letztlich mehr als nur den Nacken befreien. Zusätzlich wird der untere Rücken vor einer Kompression geschützt und die so ziemlich alle Elemente dieser Haltung können davon profitieren. Allerdings muss jeder professionelle Zauberkünstler, der sich an einem neuen Trick versucht, hart und mit Ausdauer daran arbeiten, die Ausführung zu perfektionieren. Genauso bedarf es einiger Übung, um in der Rückbeugen-Magie ein Meister zu werden!

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Ein kurzer Blick auf die Anatomie von Rückbeugen macht deutlich, wie Ushtrasana den Nacken zusammendrücken kann. In einer Rückbeuge werden die Wirbel gekippt. Die Flächen, die nach vorne zeigen, bewegen sich weiter voneinander weg, während sich die Rückseiten der Wirbel enger zueinander schieben. Jeder Wirbel besitzt seine maximale Reichweite in Rückbeugen. Diese wird dann erreicht, wenn die Rückseite des Wirbels den direkt darunter liegenden berührt. In vielen Fällen wird die Rückbeuge durch den Processus spinosus (Dornfortsatz) eingeschränkt. Der Dornfortsatz ist ein vom Wirbelbogen ausgehender und zum Rücken hin gerichteter (dorsaler) Fortsatz eines Wirbels. In den anderen Fällen schränkt die flache Oberfläche der Facettengelenke die Bewegung ein. Diese Gelenke liegen jeweils paarweise seitlich des Dornfortsatzes und verbinden die Wirbel miteinander nach oben und unten. In einer idealen maximalen Rückbeuge kippt jeder Wirbel der gesamten Wirbelsäule bis zum Ende seiner Mobilität, bis die knochige Struktur des Wirbels fast die des nächsten Wirbels berührt. Die Realität sieht jedoch häufig anders aus. Verkürzungen der Muskeln und Bänder sowie Steifheit in den Knorpeln behindern die Bewegung einiger Wirbel. Diese Einschränkung muss durch andere Wirbel kompensiert werden. Wenn die Rückseiten der überlasteten Wirbel zu nahe aneinander kommen, kann das einen scharfen Schmerz hervorrufen. In Ushtrasana entstehen diese Schmerzen oftmals im Nacken.
Um Ushtrasana ohne eine gestauchte Halswirbelsäule auszuführen, benötigen Sie eine starke Streckung im oberen Teil der Brustwirbelsäule. Tatsächlich können Sie Ihren Kopf erst dann ganz sicher loslassen, wenn jeder Wirbel der Brustwirbelsäule soweit gestreckt ist, bis der oberste Wirbel (der Wirbel, der den Nacken unterstützt, Th1 genannt) mindestens 90 Grad von seiner ursprünglichen, senkrechten Position nach hinten zeigt. Wenn der Th1 nicht mindestens parallel zum Boden ausgerichtet ist, beugt sich der Nacken zu extrem in dieser Haltung. Befindet sich der obere Rücken in einer Haltung, die dem Optimum nicht entspricht, führt dies zu einer Kompression der unteren und mittleren Halswirbelsäule. Das Gewicht des nach unten hängenden Kopfes verschlimmert den Druck zusätzlich. Ist der erste Brustwirbel jedoch parallel zum Boden ausgerichtet, knickt die Halswirbelsäule nicht so stark. Stattdessen führt der Zug des Kopfes nach unten eine zusätzliche Streckung des Nackens herbei, indem er die Halswirbel auseinander zieht und ein Zusammendrücken verhindert.

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NACKENSTÜTZE
Der Hauptgrund dafür, dass der Nacken in der Kamelhaltung so häufig überanstrengt wird, liegt in der Natur der Brustwirbelsäule: Sie wirkt Rückbeugen entgegen. Es existieren drei Gründe für diese Inflexibilität. Erstens ist die natürliche Form der Brustwirbelsäule im Rücken konvex, sie beugt sich also nach vorne und muss sich zuerst weit strecken, bis sie in eine Rückbeuge kommt. Zweitens fügen sich an jeden Brustwirbel ein Paar Rippen an. Das bedeutet, dass bei einer Rückbeuge im Brustbereich zuerst alle Rippen angehoben und die verschiedenen Muskeln, die an ihnen befestigt sind, gedehnt werden müssen. Und drittens sind die Dornfortsätze der Brustwirbel lang und und zeigen nach unten. Dadurch liegen sie in einer Rückbeuge schnell aufeinander, wodurch eine tiefer gehende Bewegung verhindert wird. In Wirklichkeit kann sich dieser Teil der Wirbelsäule, auf Grund der Konfiguration der Dornfortsätze und Facettengelenke, überhaupt nicht nach hinten beugen; er kann nur aus der ursprünglichen Vorwärtsbeuge in eine gerade Linie kommen. (Der ausladende Bogen des Oberkörpers, der in Rückbeugen wahrgenommen wird, ist nur eine Illusion; der komplette obere Rücken sieht so aus, als ob er sich nach hinten beugen würde, dabei ist es der angehobene Brustkorb, der die Aufmerksamkeit auf sich zieht und uns täuscht.)
Da der obere Rücken nur sehr begrenzt zur Rückbeuge in Ushtrasana beitragen kann, können Sie es sich nicht leisten, auch nur einen winzigen Teil der möglichen Beweglichkeit aufzugeben, wenn Sie Ihren Nacken in der Haltung frei bewegen wollen. Daher müssen Sie die Brustwirbelsäule fast hundertprozentig in ihrer anatomischen Kapazität verlängern. Um dies zu tun, müssen Sie die Interkostalmuskulatur (Musculi intercostales), die die Rippen verbindet, und die Bauchmuskulatur, die die Rippen mit der Vorderseite des Beckens verbindet, strecken.
Die Über- sowie Unterbeanspruchung mancher Bereiche der Wirbelsäule beim Zurückbeugen der Brustwirbelsäule ist eine weitere Herausforderung. Wenn Sie gewohnheitsmäßig manche Stellen vernachlässigen, können die Oberflächen der Facettengelenke mehr und mehr verkleben. Diese Gruppe der ‘verklebten’ Wirbel wird sich tendenziell als Einheit bewegen, während die Wirbel, die schon zuvor sehr mobil waren, noch beweglicher werden.
Führen Sie Rückbeugen über einen Block aus, um die Bauch- und Interkostalmuskulatur zu dehnen, eingerostete Segmente der Brustwirbelsäule zu befreien und die Bewegungen von Kopf, Nacken, Brust und Schultern, die für Ushtrasana wichtig sind, zu erlernen.
Wenn Sie Ihren oberen Rücken wippend über eine feste Kante bewegen, können Sie dadurch bestimmte Segmente Ihrer Wirbelsäule voneinander trennen und nacheinander mobilisieren. Die Übung mit dem Block lehrt Sie zugleich, auf sichere und kontrollierte Weise Ihren Nacken so lange wie möglich gebeugt zu halten, während sie den Kopf nach hinten bewegen. Dies stellt sicher, dass die Rückbeuge zuerst von Ihrem oberen Rücken ausgeht. Erst wenn sich die Brustwirbelsäule bis zu ihrem Maximum gestreckt hat, sollte der Nacken dazukommen. Wenn es soweit ist, sollten Sie sich auf den Teil Ihres Nackens konzentrieren, der am schwierigsten in die Rückbeuge kommt (das sind die untersten zwei Wirbel, die den Brustwirbeln am Ähnlichsten sind), bevor sie den mobileren und eher überbeanspruchten mittleren Teil des Nackens bewegen.

ZAUBERTRICK
Hier zeigen wir Ihnen, wie Sie Ushtrasana auf eine Weise üben können, die es Ihnen erlaubt, Ihren Nacken ganz frei nach hinten zu beugen.
Diese Version der Haltung zielt darauf ab, den Nacken gebeugt zu halten, bis sich die Brustwirbelsäule komplett nach hinten gestreckt hat. Wenn die Brustwirbelsäule maximal gestreckt ist, können Sie den Kopf loslassen. Fühlt sich die Rückbeuge über einen Block richtig gut an, können Sie sich an die volle Haltung wagen. Falls die Haltung zu irgendeinem Zeitpunkt Schmerzen im Nacken hervorruft, sollten Sie den Kopf nur ein Stück nach hinten bringen und dort verweilen. Arbeiten Sie mit dieser Technik über einen gewissen Zeitraum hinweg, bis Sie allmählich komplett loslassen können.
Legen Sie eine gefaltete Decke vor eine Wand. Knien Sie sich auf die Decke, die Knie berühren die Wand, und sind hüftbreit geöffnet. Die Füße zeigen etwas weiter nach außen. Sollte es Ihnen Schwierigkeiten bereiten, die Fersen in Ushtrasana zu erreichen, legen Sie einfach jeweils einen Block neben die Fersen. Drücken Sie die Fußrücken in den Boden, um die Oberschenkel an die Wand zu schieben. Behalten Sie diesen Kontakt der Oberschenkel während des Haltens der Asana bei. Schieben Sie ganz am Anfang Ihre Hände zwischen die Oberschenkel und die Wand. Beginnen Sie, indem der Brustkorb die Wand berührt, drücken Sie die Handflächen gegen Ihre Oberschenkel und bringen Sie das Kinn Richtung Brustbein. Atmen Sie ein und bewegen Sie Ihren Kopf horizontal nach hinten, so weit es geht von der Wand weg, ohne das Kinn dabei anzuheben.
Atmen Sie aus und lösen Sie dabei den Brustkorb Stück für Stück von der Wand – von oben nach unten. Schieben Sie nun die Seiten Ihres Brustkorbes nach vorne, so dass diese vor die Oberarme kommen, rollen Sie die Schulten nach hinten und ziehen Sie die unteren Spitzen der Schulterblätter in den Rücken hinein nach vorne. Pausieren Sie, atmen Sie wieder ein und wiederholen Sie diese Bewegungen mit Ihrer nächsten Ausatmung.
Schieben Sie nun Ihren Kopf noch weiter nach hinten, ziehen Sie das Kinn dabei noch immer zum Brustbein und bringen Sie Ihre Hände auf die Fersen oder Blöcke. Atmen Sie ein und drücken Sie die Hände nach unten, um den Brustkorb stärker zu heben. Von hier aus versuchen Sie in mehreren Ausatemzügen Ihr Kinn, während sie es weiterhin zum Brustkorb ziehen, gegen diesen Widerstand Stück für Stück nach oben kommen zu lassen, während sich der Kopf allmählich nach hinten und unten senkt. Beugen Sie nun Ihren Nacken, beginnend an der Basis, Wirbel für Wirbel nach hinten. Während dieser ganzen Sequenz halten Sie Ihren Blick nach vorne oder zum unteren Augenlid hin gerichtet; blicken Sie nicht zu Ihrer Stirn. Halten Sie die Augenbrauen entspannt und die Atmung tief und gleichmäßig.

DER LETZTE SCHLIFF
Vollenden Sie nun die Haltung. Pressen Sie mit der Ausatmung die Füße fester in den Boden und die Oberschenkel gegen die Wand. Kippen Sie den oberen Beckenrand von der Wand weg, drücken Sie mit den Händen nach unten und heben Sie das Brustbein so hoch, wie es Ihnen möglich ist. Lassen Sie anschließend den Kopf nach hinten sinken.
Wenn Sie nun die Kunst der „Wirbelsäulen-Magie“ mehr und mehr beherrschen, können Sie diese Technik, die Brust zu öffnen bevor Sie den Nacken loslassen, auch bei anderen Rückbeugen anwenden – beispielsweise bei Urdhva Mukha Shvanasana (nach oben schauender Hund) oder Virabhadrasana I (Krieger I). Auch bei dem fortgeschrittenen Übergang von Tadasana in Urdhva Danurasana (Rad) ist diese Technik äußerst sinnvoll.
Machen Sie es sich zur Aufgabe, diese ‘Tricks’ an Ihre Yoga-Freunde weiterzugeben. Professionelle Zauberkünstler geben Ihre Geheimnisse zwar nie preis, aber wahre Yogis tun das immer. Auf diese Weise können mehr und mehr Menschen die lebensbereichernde Alchemie des Yoga erleben. Das ist wahre Magie! 

RÜCKBEUGE ÜBER EINEN BLOCK
Platzieren Sie einen Block auf eine Yogamatte, etwa 50 Zentimeter vom hinteren Rand entfernt, so dass die breite Seite am Boden und die lange Seite parallel zum kurzen Mattenrand liegt. Legen Sie nun einen zweiten Block, in etwa 20 bis 30 Zentimeter Entfernung zum ersten Block, und in der selben Ausrichtung etwas näher zur Mattenmitte. Setzen Sie sich auf den Block in der Mitte, mit dem Rücken zum hinteren Block. Legen Sie sich nach hinten, das Kinn zum Brustbein gezogen, ohne dass Sie den Kopf am Boden ablegen.

Korrigieren Sie die Position des hinteren Blocks so, dass der obere Rand quer über die Mitte der Schulterblätter verläuft. Strecken Sie die Beine aus. Ziehen Sie das Kinn weiterhin zum Brustbein und drücken Sie die Hände neben dem Körper in den Boden. Rollen Sie die Schulterspitzen nach unten und ziehen Sie die unteren Ränder der Schulterblätter zueinander. Heben Sie die Mitte und die Seiten des Brustkorbs, während Sie das Kinn immer noch fest zum Brustkorb ziehen. Legen Sie dann den Kopf auf dem Boden ab. Die Schädelbasis sollte so weit wie möglich vom Block entfernt sein.

Bleiben Sie für einige Atemzüge in dieser Position. Heben Sie dann die Arme über den Kopf nach hinten zum Boden. Verweilen Sie auch in dieser Position für einige tiefe Atemzüge. Heben Sie den Kopf und schieben Sie den Block zwei Zentimeter weiter nach unten. Wiederholen Sie nun den gleichen Bewegungsablauf mit Kopf und Oberkörper. Wiederholen sie dies einige Male und verschieben Sie den Fokus Ihrer Rückbeuge jedes Mal ein bisschen weiter nach unten. Gehen Sie dabei aber nicht weiter nach unten fünf Zentimeter unterhalb der Schulterblätter. Um in eine tiefere Rückbeuge zu kommen, stellen Sie den Block auf seine lange und schmale Seite, um mehr Höhe zu schaffen. Legen Sie den Block nun genau wie vorher horizontal unter die Schulterblätter und führen Sie dann die gleiche Übung aus.

Yoga-DVD: Von Göttern und Menschen

Das Thema „Wissenschaft und Spiritualität“ erfreut sich großer Beliebtheit. Diese DVD beleuchtet unterhaltsam und seriös einige dieser Themen und macht klar, dass im Grunde die Natur, ja, der ganze Kosmos immer in eine Harmonie, eine Ordnung strebt. Gut verständlich und doch in die Tiefe gehend werden verschiedene Forscher und ihre Themen präsentiert. Das sind Themen, die so fast nie im Fernsehen gezeigt werden würden, weil sie sich mit Grenzbereichen beschäftigen, die die „etablierte“ Wissenschaft nur ungern akzeptiert.
Beispielsweise die Geschichte von Edgar Mitchell, ehemaliger Astronaut und Begründer des NOETIC Instituts in den USA: Auf dem Rückflug zur Erde erfuhr er eine Art Erleuchtung (Samadhi). Er fühlte sich Eins mit dem Universum und dies beflügelte ihn, sein weiteres Leben der Erforschung solcher Phänomene zu widmen. Anschließend wird das berühmte Doppelspaltexperiment der Quantenphysik erklärt – mit faszinierenden Schlussfolgerungen für unser Leben. Der Raumenergieforscher Prof. Turtur kommt zu Wort, ebenso wie Axel Klitzke, der viele unglaubliche Zahlenübereinstimmungen in der Pyramide von Cheops entdeckt hat, die kosmische Rhythmen widerspiegeln. Das Staunen zieht sich weiter durch den Rest des Films: Unter anderem wird die Synchronizität von Planetenbahnen und Tonleitern dargestellt – etwas, was schon Pythagoras und Kepler beschrieben haben. Kepler nannte dies „Die Weltharmonik“. Auch die „Blume des Lebens“, ein uraltes Symbol, das erst in den 1990er Jahren wieder entdeckt wurde, zeigt diese Harmonie.

Fazit: Für „Spirit&Science“-Fans, die mehr über neue Forschungen zum Thema Schwingung, Harmonie und Einheit des Lebens erfahren wollen.


Epos Dei – Die geheimnisvolle Ordnung hinter den Dingen, Horizon Film, ca. 20 Euro.a

Wilde Freiheit

Was geschieht, wenn man ein stabiles Fundament mit einem Gefühl von Freiheit kombiniert? Sie schaffen es, sich weit in Camatkarasana zu öffnen und Ihr Herz dem Himmel entgegen zu strecken.

Einstimmung

Innere Öffnung Sitzen Sie still und lauschen Sie Ihrem Atem. Verbinden Sie sich innerlich mit der wichtigsten Ausrichtung für Ihre Yogapraxis. Würdigen Sie dabei Ihre Fähigkeit zu Stabilität und Ihre innere Freiheit.

Ausklang

Erden Ruhen Sie sich eine Weile in Balasana (Stellung des Kindes) aus. Genießen Sie die Wärme, die Ihr Körper beim Üben erzeugt hat, und verbinden Sie sich mit der Erde.

Entspannen Legen Sie sich für fünf bis zehn Minuten in Shavasana (Totenstellung) zurück.

Diese im Westen meist „Wild Thing“ genannte Asana beinhaltet eine stark herzöffnende Geste, die ein Gefühl von Freiheit, Leichtigkeit, ja sogar Ekstase weckt. Zuerst benötigt sie dafür jedoch ein starkes Fundament. Die Anusara-Yogalehrerin Amy Ippoliti ist sich sicher: Erst die stabile Basis ist der Schlüssel zu einer tieferen Öffnung in diese tiefe Rückbeuge. Sie erklärt: „Bei gestützten Gleichgewichtshaltungen wie dieser ist es entscheidend, dass die Armmuskulatur genügend Tonus hat. Im Anusara Yoga gibt es das Sprichwort: ‚Starke Arme, weiches Herz’.“ Der zweite Punkt: Eine geringe Stabilität in Händen und Handgelenken führt dazu, dass man sich nicht richtig abstützt und in seinen Bewegungen einschränkt. Amy Ippoliti hat diese Sequenz daher so entwickelt, dass Arme und Hände gekräftigt werden.
Aber das ist noch nicht alles: In einer Reihe von Rückbeugen werden die Beinvorderseiten, die Hüften und der Rumpf gedehnt. Dadurch erzeugt der Körper genau die Wärme, die er braucht, um Brustraum und Herz dazu zu bringen, sich in Camatkarasana zu öffnen. Mit etwas Übung wird es Ihnen gelingen, diese Haltung aus einer kraftvollen, stabilen Basis heraus einzunehmen. Dann kann es durchaus sein, dass Sie ein Gefühl von unbeschwerter Leichtigkeit und Freiheit bekommen, das Ihnen auch für Ihr alltägliches Leben zusteht.

1 Adho Mukha Shvanasana
(Herabschauender Hund)

Heben Sie aus dem Vierfüßlerstand das Gesäß und die Knie und wandern Sie mit den Füßen so weit nach hinten, dass Sie die Brust öffnen und die Beinrückseiten dehnen können. Bringen Sie die Achseln nach oben und verlängern sie die Flanken. Schieben Sie die Finger bis zu den vordersten Gliedern in den Boden, um die Kraft in Ihren Armen zu spüren. Diese Kraft hilft Ihnen, sich freier in die Haltung hinein zu öffnen. Strecken Sie sich für fünf Atemzüge vom Herz aus in die Hände hinein, dann die ganze Wirbelsäule entlang nach oben und an den Beinen hinab.

Hund

2 Uttanasana
(Vorbeuge im Stehen), Variante

Wandern Sie aus dem Hund heraus mit den Füßen zu den Händen. In der Vorbeuge stehen die Füße in gleichem Abstand zueinander wie die Sitzknochen. Verschränken Sie die Hände hinter dem Rücken und beugen Sie die Ellenbogen in schulterbreitem Abstand. Überlassen Sie sich der Schwerkraft, die die Achseln in Richtung Boden verlängert. Ziehen Sie die Oberarme und die Kehle in Richtung Körperrückseite und zugleich die Arme nach oben. Die Ellenbogen bleiben gebeugt, die Beine kraftvoll gestreckt. Nach fünf Atemzügen bringen Sie die Handflächen zum Boden und treten Sie zurück in den Hund.

Vorbeuge

3 Utthita Parshvakonasana
(Gestreckte seitliche Winkelhaltung)

Aus dem Hund tritt der rechte Fuß in einen großen Schritt nach vorne zwischen die Hände. Drehen Sie die linke Ferse zum Boden und schmiegen Sie das rechte Bein an den rechten Arm. Dann wird der linke Arm nach vorne ausgestreckt, der Oberarm aber in die Schulter zurückgezogen. Aus der Körpermitte heraus wenden Sie jetzt Bauch und Brust nach oben. Statt die rechte Hand neben dem rechten Fuß abzustützen, können Sie den Unterarm auch auf dem Oberschenkel absetzen. Dadurch erhält der Oberkörper mehr Bewegungsfreiheit. Atmen Sie fünfmal ruhig und gleichmäßig. Kehren Sie anschließend in den Hund zurück und wechseln Sie die Seiten.

Winkel

4 Bhujangasana
(Kobra)

Legen Sie sich auf den Bauch. Die Arme sind gebeugt, die Hände liegen unter den Schultern. Spreizen Sie die flach ausgestreckten Hände etwas und drücken Sie die Fingerglieder in die Matte. Dann ziehen Sie die Hände kräftig nach hinten, heben die Achseln und ziehen die Oberarme nach oben und hinten. Mit der gleichen Bewegung heben Sie Kopf und Brust für fünf Atemzüge vom Boden ab. Die Schulterblätter sind dabei nach unten Richtung Herz geschmiegt und das Becken ist tief Richtung Beine geschoben, so dass sich die Wirbelsäule frei nach oben bewegen und in eine Rückwärtsbeuge gehen kann. Zum Ausgleich kehren Sie in den Hund zurück.

Kobra

5 Ardha Bhekasana
(Halber Frosch)

Legen Sie sich wieder auf den Bauch und stützen Sie sich auf die Unterarme. Beugen Sie das rechte Bein und greifen Sie die Innenkante des Fußes mit der rechten Hand. Wenn möglich, drehen Sie die Hand so, dass die Finger über den Zehen nach vorne zeigen und drücken den Fuß in Richtung Außenkante der rechten Hüfte. Gleichzeitig schieben Sie das Steißbein zum Boden. Um die Dehnung zu vertiefen, heben Sie den linken Unterarm und stützen Sie sich nur noch auf die Hand. Nach fünf Atemzügen wechseln Sie die Seiten. Danach kommen Sie zurück in den Hund.

Frosch

6 Anjaneyasana
(Tiefer Ausfallschritt), Variante

Aus dem Hund tritt der rechte Fuß mit einem großen Schritt nach vorne zwischen die Hände, das linke Knie wird abgelegt. Dann drehen Sie sich nach rechts, beugen das linke Bein und greifen die Außenkante des linken Fußes mit der rechten Hand. Um die Dehnung zu vertiefen, ziehen Sie den Fuß Richtung Außenkante der linken Hüfte und senken sich von der linken Hand auf den Unterarm ab. Lehnen Sie sich zurück und schmiegen Sie die Schulterblätter an den Brustkorb. Die Beine verwurzeln Sie fest im Boden, der gesamte Rumpf öffnet sich nach oben. Nach fünf Atemzügen lösen Sie sich aus der Haltung und wechseln über den Hund die Seiten.

Ausfall

7 Dhanurasana
(Bogen)

Legen Sie sich entspannt auf den Bauch, die Stirn ruht auf der Erde und Sie genießen Ihren Atem. Die Muskeln entlang der Wirbelsäule lockern sich und weiten sich zu den Seiten hin. Aus dieser Weichheit heraus beugen Sie beide Knie und fassen die Füße am Rist. Das Steißbein schiebt sich Richtung Boden, die Oberschenkel bleiben parallel, die Füße drücken nach hinten. Beim nächsten Einatmen heben Sie Kopf, Rumpf und Beine. Halten Sie Dhanurasana für fünf Atemzüge, dann gehen Sie zurück in den Hund.

Bogen

8 Vasishthasana
(Seitliche Bretthaltung)

Kommen Sie aus dem Hund in die Bretthaltung, die Schultern stehen genau über den Handgelenken. Dann verschieben Sie die rechte Hand ein kleines Stück nach vorne, verlagern das Gewicht auf diese Hand und setzen die Füße seitlich übereinander. In der seitlichen Bretthaltung sind die Schulterblätter an den Rücken angeschmiegt, der Rumpf weitet sich und streckt sich, genau wie der linke Arm, nach oben. Nach fünf Atemzügen senken Sie den linken Arm und wechseln über den Hund die Seiten.

Brett

9 Camatkarasana
(„Wild Thing“)

Aus dem Hund kommen Sie nochmals in Vasishthasana auf der rechten Hand. Dann setzen Sie den linken Fuß hinter dem Körper ab, das rechte Bein bleibt gestreckt. Aus der Kraft der Beine schieben Sie das Becken nach oben. Auch hier ziehen Sie wieder das Steißbein nach vorne. Lassen Sie den Kopf nach hinten sinken, heben Sie die linke Flanke und ziehen Sie den linken Oberarm in die Schulter zurück. Dann strecken Sie den linken Arm über den Kopf nach hinten aus und kommen in eine intensive, „wilde“ Rückbeuge. Genießen Sie es und spüren Sie die Freiheit! Dann lösen Sie sich aus der Haltung und wechseln über den Hund die Seiten.

Wild